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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
passagier bis passen (Bd. 13, Sp. 1484 bis 1487)
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[Bd. 13, Sp. 1484]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) passagier, m., plur. passagiere und passagiers, mit mnl. passagier (Kilian 395a) im 16. jh. entlehnt aus franz. passager, ital. passaggiere (Rädlein 114b, davon plur. passaschieri Kiechel reisen 240, passaschiri 245. 250 u. oft), der reisende, durchreisende, besonders in einem postwagen oder schiffe. Erberg 563b:

da war nun mancher passagier
dem korporal verdächtig.
Schiller 3, 172;

doch morgen fahr ich passagiere,
da stell ich es (pferd) als vorspann ein. 11, 20;

thorschreiber. halt, passagiere! wer seid ihr? 11, 97;

was giebts da? passagiers im wald. 2, 87 (räuber, schausp. 2, 3); einige von den passagiers stiegen aus. 4, 333; ein passagier zu pferde. J. Paul flegelj. 1, 96; blinder (nichts bezahlender) passagier. Siebenk. 1, 1. flegelj. 3, 88; auch verallgemeinert, ungefähr wie gast, kunde, bruder u. a. im schlimmen sinne:

Söller. ich weisz das alles wohl, dasz ich vor einem jahr
ein luckrer passagier und voller schulden war. d. j.
Göthe 1, 155 (die mitschuldigen 1, 2);

der rationale. ich will den himmel reformiren —
Sanct Peter. er gehört zu den windigen passagiren.
Platen 3, 15.

mundartlich entstellt in partaschier, pataschör Albrecht Leipz. mundart 180b, bair. baschadeer K. Stieler weils mi freut 43. weidmännisch ein falke oder habicht, der im ersten jahr während des falkenstrichs gefangen worden. Eggers kriegslex. 2, 358.
 
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passagierer, m., mit deutscher endung aus dem vorigen abgeleitet, nun veraltet: da war nun lachen zu verbeiszen, wie sich die passagirer (nachdem die räder der post-calesse in stücke gebrochen waren) so im kothe herumweltzten. Schelmufsky 99, neudr. der vollständigen ausgabe; passaschirer Rädlein 694a.
 
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passant, m. das franz. passant, vorbeigehender, durchreisender, wanderer: passant, ein landbettler. Ludwig 1379; einige ihr unbekannte passanten. Gutzkow ritter4 4, 73; heute fesselte sie doch von den passanten ein kleines paar. 89.
 
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passat, m., aus nl. passaat, beständig wehender ostwind der tropenzone Humboldt kosmos 1, 345.
 
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passatwind, m., nl. passaatwind, dasselbe Eggers kriegslex. 2, 359. Bobrik 740a. Kant 9, 100; bildlich der passatwind der eitelkeit. J. Paul jubelsen. 110.
 
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passauisch, adj.: passauische kunst oder Passauer kunst, die der sage nach aus Passau stammende zauberkunst des festmachens gegen schusz und hieb. Stieler 1010. Schm.2 1, 408. Schmid schwäb. wb. 46. comment. zum Simplic. 1, 902. 904. vergl. Freytag bilder (1867) 3, 78; übertragen: leute die so schreiben, als wir, sind unwiderleglich. und ich schäme mich nicht zu bekennen, dasz ich diese art der passauischen kunst von dem hn. magister (Sievers) gelernt habe. Liscov 118; schöne kunst war für die fürstin Passauer-kunst gegen alle hof- und lebenswunden. J. Paul Tit. 3, 187.
 
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passe, pasz, f.
1) das aufpassen, lauern: auf der passe sein oder stehn. Schm.2 1, 409. Lexer kärnt. wb. 17. Schöpf tirol. idiot. 488, auf der pass stehn Spiesz henneb. idiot. 179.
2) bair. eine bestimmte zahl zusammen arbeitender holzknechte (vgl. DWB paszführer) Schm. a. a. o.; bergmännisch in Österreich die kameradschaft, d. h. mehrere arbeiter, denen zusammen die ausführung gewisser arbeiten auf einem bestimmten punkte in der grube übertragen ist. Scheuchenstuel 117.
 
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passement, s. DWB posament.
 
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passen, s. DWB paschen 1.
 
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passen, verb. ein aus dem franz. passer (lat. passare) entlehntes, schon im 13. jahrh. am Niederrhein und in den Niederlanden verbreitetes wort, das dort neue bedeutungen entwickelt hat, mit denen es ins nhd. gedrungen ist (vgl. passieren).
I. intransitiv.
1) sich von einem orte zum andern (zu fusz, zu pferd, zu schiff) bewegen:

drawen (drohen), das feld zu verlassen
oder wol zum feind hin zu passen (überzugehen).
Rollenhagen froschm. III. 1, 5 (Oo 4b);

wurden schlüssig, mit einer flotte auf Miletus zu passen. Heilmann Thuc. 1065 (gegen Milet zu steuern. Jacobi); mnl. passen, zu schiffe passieren, vorbeifahren an Schiller-Lübben 3, 308b; übertragen worauf passen, auf etwas eingehen, sich damit einverstanden erklären: aber darauf passen wir nit. dan die h. kirch wil es anders verstanden haben. Fischart bienenk. (1580) 70.
2) den paszgang gehen, zelten: da stach ers (das rennross) an, da must es traben ... passen. Fischart Garg. 176b; der caball wird traben, ... passen. Meinhold reime dich (1673) 36.

[Bd. 13, Sp. 1485]



3) die tour eines spieles vorübergehen lassen, ohne mitzuspielen oder ein spiel anzusagen: er passt beim spiele, interim quiescit, dum alii ludunt. Steinbach 2, 168.
a) beim würfelspiele: er passet, aleam subire non audet. Stieler 1415.
b) beim kartenspiele Rädlein 694a. Schm.2 1, 409. Spiesz henneb. idiot. 179.
4) daher allgemeiner müssig zuwarten, verziehen bis etwas vorüber ist:

feige seelen müssen passen.
Günther 211;

leute, .. die passen, bis ihr fertig seid. Göthe 57, 108; der leser lasse doch von seiner fatalen gewohnheit ab, mit seinem lobe so lange zu passen, bis der autor nicht mehr am leben ist. J. Paul teuf. pap. 1, 38; man hat keine secunde zu passen. 1, 39; deswegen muszt ich ihn ersuchen, dasz er ein wenig passete. 1, 79; Flitte paszte, bis man einstieg. flegelj. 4, 22; die zofe könne (während ihre kranke herrin sich malen lasse) im anstoszenden zimmer passen. Tit. 3, 147.
5) überhaupt verziehen mit voraussicht oder aufmerksamkeit auf etwas, worauf harren, lauern, merken, achten. mnl. passen, achten Kilian 396a; passen, drauf achten Schottel 1373;

sieh, wie mit lauschendem mund
und weit geöffnetem auge die hörer alle passen.
Wieland Oberon 1, 8;

(der vogel) setzt dann, indesz der junker paszt,
sich wohlgemuth auf einen ast. werke 18, 380;

man paszt, der faden soll gezogen werden, er wird nicht gezogen. Göthe 36, 65; ich mache mich auf die wege, und habe nicht länger zu passen. 11, 26; aber warum laufen wir den Franzosen wie zueigner nach mit unsern unähnlichen werken, und halten sie ihnen hin, und passen bittend. J. Paul vorsch. 3, 26;

stille streif ich durch die gassen,
wo sie wohnt, die blonde kleine;
doch schon seh ich andre passen.
Uhland (1879) 1, 183;

jetzt halte ich, die liebe, dich (fackel) gefasst
und schüre dich mit meinen heiszen blicken;
mein bruder (der tod) mit kalten steht und passt.
Rückert 1, 39.

mit näherer bestimmung.
a) örtlich:

der vor im pusch hat gepast. fastn. sp. 1130, 9;

du fandest gar nicht schwer,
mich, wenn der abendstern dir winkte, zu verlassen,
um an Glycerens thür die halbe nacht zu passen.
Wieland 9, 17;

vor der thüre aber müszt er passen.
Göthe 5, 127;

ich paszte schon an der treppe. 20, 99; wenn der vater selbst hinter dem stuhle passet und der tochter jeden zug (im schachspiele) angibt. J. Paul uns. loge 1, 5.
b) auf einen oder auf etwas passen, nl. passen op Kilian 396a. Kramer 1, 389c (vgl. aufpassen):

und nyemant waiszt, warauf er paszt,
ob in gott liebet oder haszt.
Schwarzenberg 151c;

wer auf sein selbst vermügen paszt. 156a;

mein anschlag aber fiel, ...
wie fleiszig ich auf ihn zu nacht und tage paste.
Fleming 209;

der buhler, das ihm werd ein solchs so er begehret,
paszt nichtes drauf, das gott es alles siht und höret.
D. v. d. Werder Ariost 10, 5, 6;

ja ich habe mich wohl befunden und bin eine heldin geblieben, ob ich gleich sehr auf meinen feind passen musz, der im busche lauret. Marg. Klopstock bei Klopstock 11, 15; wenn nun Jery auf mich paszt und hofft und wartet. Göthe 11, 18; der deutsche (fechtmeister) ... paszte auf seinen vortheil. 24, 232; es ist nichts bequemer als von dem inhalt absehen, und auf den ausdruck passen. 45, 143;

man passt, man merkt auf jedes günstge nu. 41, 259;

als der prophet durch alle himmel fuhr,
da passten wir auf seine spur. 5, 262;

ich werde noch zu passen haben auf ein hohes beilager. J. Paul jubelsen. 139; es sitzt schon alles im pfarrgarten und passet auf mich. Hesp. 1, 101.
c) mit einem nachsatze:

da ich zwischen furcht noch auf dem meere passe,
welch schönes Latium mich bald ans ufer lasse.
Günther 448;

so kannst du lange passen, eh .. Thümmel reise 6 (1799), 313; ich will dort unter den bäumen auf und ab schleichen und passen, bis er kommt. F. Müller 3, 161.

[Bd. 13, Sp. 1486]



6) so sein, dasz eins in das andere geht, sich genau fügt und schickt, damit in übereinstimmung (gemäsz, angemessen, schicklich, zutreffend) ist. vgl. das synonyme gatten theil 41, 1499 und maszen th. 6, 1738. nl. passen, convenire, congruere etc. Kilian 396a. Kramer 1, 289c; passen, recht gleichen Schottel 1373:

ein schlüssel, der so glücklich paszt.
Schiller 5, 1, 109 (don Carlos 2, 9);

es ist sein grab, es passen alle zeichen.
W. v. Humboldt sonette 201;

ja, wie passt das hier (wie gehört das hierher). der junge
Göthe 1, 210;

so paszte das eher hierher. 1, 54; sie that es mit verlegenheit und ungeschickt, weil sie fühlte, dasz es nicht paszte. werke 26, 36; sprichwörtlich das paszt, es paszt, wie .. Wander 3, 1189 ff. mit dativ: das kleid u. s. w. paszt mir (sitzt gut, schlieszt sich dem körper gut an); die zeit paszt mir nicht, ist mir nicht gelegen u. dergl. Stieler 1415. brem. wb. 3, 297:

die neuen ehren, die ihn schmücken, sind
wie fremde kleider, die uns nicht recht passen,
bis wir durch öfters tragen sie gewohnen.
Schiller 13, 21 (Macbeth 1, 6).

präpositionale fügungen: schwache passen (taugen) an keinen platz in der welt, sie müszten denn spitzbuben sein. d. junge Göthe 2, 99; alles hierüber gesagte paszt also auch auf das betragen der lügner. Knigge umg.3 1, 158; eine moral, die .. allein für dich paszt. Schiller 2, 392; menschen, die für den himmel oder die hölle passen. Gutzkow ritter4 6, 135;

ob alle theile fein
symmetrisch in einander passen.
Wieland 10, 166;

das anständige ruhig edle betragen der mutter paszte ganz in diesen kreis. 9, 26, 35; stadt, in die sie nicht paszte. ebenda; diese liebe .. paszt ganz in meine projekte! Schiller 14, 197 (neffe als onkel 1, 2);

nicht wahr, ich passe schlecht
in diesen garten, der voll blüthe steht?
Uhland Ludwig der Baier 130;

weil mir eine solche aufführung mit dem übrigen nicht zu passen schien. Göthe 60, 194; wenn ich sagte, ich habe viel geschwätzt, so paszte das eher hierher, als er zu ihrem brief paszte. d. junge Göthe 1, 54 (an Fr. Öser 1767); ich hätte den staatsmann erst hören sollen, ob der streich auch zu seinen charten passe. Schiller 3, 504 (kabale 5, 8); ein fröhliches jauchzen .., wie es zu diesem abend gar nicht paszte. Freytag ahnen 4, 190.
7) naussauisch, als passend gefallen Kehrein 1, 303.
II. transitiv.
1) zu I, 1 ndrh. zum zwecke kommen, etwas erreichen. Karlmeinet 381, 50.
2) zu I, 5 abwarten, erwarten: wer nicht die rechte zeit kan passen. pers. rosenth. 1, 15 (vgl.abpassen); ungewöhnlich acht passen, acht geben, aufmerken: jetzt pasz acht! Gutzkow ritter4 5, 263. vgl. DWB pasz geben (acht geben) bei pasz.
3) zu I, 6 passend machen, aptare, adaptare, aequare Schiller-Lübben 3, 308a. Kilian 395b: etwas mit dem zirkel passen oder messen. Ludwig 1379; nautisch, die karte passen, auf derselben das besteck mit dem zirkel (passer) absetzen. Bobrik 523a; mit dativ (vgl. anpassen):

sei, wenn neues du sagst, so bestimmt als möglich; doch sei auch
völlig gewiss, man seh's schief, und erkläre dich falsch.
denn du begehst ja nur einmal den schrecklichen fehler der neuheit
und kein leisten ist noch, dem man sie passe, gemacht.
Klopstock 7, 356;

in, mit, zu etwas passen: sie haben vergessen, mir das gehäuse zu geben, wohinein sie es (bild) gepaszt wünschen. Göthe 20, 63;

kann ich doch ...
die wangen netzen mit erzwungnen thränen
und mein gesicht zu jedem anlasz passen.
Schlegel Heinrich VI. 3, 3, 2.

weidmännisch, einen hund passen s. v. a. genossen machen (theil 41, 2, 3467) Heppe 177. Kehrein 135: die hund werden mit seinem (des hirsches) schweisz gepfneuszt oder gepast. Sebiz feldbau 568.
III. reflexiv, zu I, 6: dafür hat er (philosoph) sich in ihren (der theologie) purpurrock gepaszt, der ihm auf dem nervichten leibe überall platzt. Lessing 11, 748; so suche er sich .. einen fond dazu, der sich paszt. Hackert bei Göthe 37, 359. das paszt sich nicht (schickt sich nicht) u. dergl.; nd. wen't sik passet, bei einer schicklichen gelegenheit. brem. wb. 3, 297.

[Bd. 13, Sp. 1487]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) passen, n. , der substantivisch gebrauchte infinitiv des vorigen.
1) zu passen I, 3: mit passen gewinnt man nichts. Stieler 1415.
2) zu passen I, 5, curiosa exspectatio Steinbach 2, 168: das passen und lauren. Pestalozzi 4, 325; während seines passens (wartens auf die fürstin). J. Paul Tit. 3, 198; das herzgespann des passens. uns. loge 3, 157.