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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
mohr bis mohrenbauch (Bd. 12, Sp. 2472 bis 2474)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) mohr, m. Maurus, Aethiops.
1) ahd. môr, plur. môrî, eigentlich nur von den schwarzbraunen bewohnern Mauritaniens, lat. Mauri, aber auch auf die dunkelfarbigen bewohner Nordafricas überhaupt übertragen: Aethyops, gens sub occasu, moori chunni incagan sunnun sedale. Steinmeyer-Sievers 1, 30, 24 f.; Aethyopia, moori 27 (beide mal plur. für volk und land); mhd. môr, niederl. engl. moor, auch franz. maure, more, ital. span. moro; im mhd. und später geht neben der unumgelauteten die umgelautete form, neben der starken auch schwache declination: Ethiops, ein More, Mre Dief. 211c; Maurus, Mor, ein More 352a; More, Ethiops, Maurus, Maritanus, Mauritanus. voc. inc. theut. o 2a; nhd. hat sich schwache declination ergeben, mit vereinzelten ausnahmen, die die starke festhalten: die weisen aus dem morgenlande, Melchior, Caspar und Balthasar mit cameelen und lebendigen möhren. J. Gotthelf schuldenb. 127;

der dörrt nur salz aus schnee und wäschet einen mohr.
Günther 653.

als bezeichnung für den angehörigen eines bestimmten volkes gewöhnlich der Aethiopier: es zoch aber wider sie aus Serah der More mit einer heerskraft (Ζαρὲ ὁ Αἰθίοψ septuag.). 2 chron. 14, 9; die Moren fielen, das jr keiner lebendig bleib. 13; die Moren und Libier. 16, 8; den geist der Philister und Araber die neben den Moren liegen. 21, 16; von India an bis an die Moren. Esth. 8, 9; Philister und Tyrer sampt den Moren. ps. 87, 4; das concilium zu Costanz, welches von allen nationen Europæ, auch von den Indianern, Moren und vilen asiatischen, libischen und scitischen volkern besucht ward. Zimm. chron. 1, 234, 21; wider die Turken, Moren und andere ungleubigen. 3, 305, 6; dasz der Juppiter oft .. mit gutwilligem gemüt zu den malzeiten der Moren sich geladen habe. Schuppius 773;

die Môren dâ von Indiâ
und daʒ volk von Sîriâ. ges. abent. 1, 463, 289;

ungewöhnlich von den spanischen Mauren: es sollen, laut eines schreibens aus Paris, die Mohren von Spanien her bereits bis Montpellier vorgedrungen .. sein. Fr. Müller 3, 31; dann in verallgemeinerter bedeutung, ein zur schwarzen rasse gehöriger mensch, dessen hautfarbe hervorgehoben und der in gegensatz zu einem weiszen gestellt wird: also schreibet s. Hieronymus von jm selbs, das er sein leib also zugericht hat, das er worden war wie ein moher. Luther 2, 335a; kan auch ein mohr seine haut wandeln, oder ein parder seine flecken? Jer. 13, 23; so er den moren badet und weisz macht. S. Frank mor. encom. 2a; es ist kein wunder wenn ein mohr schwarz ist. Lehmann floril. 1, 114; nun wäre diesz (die menschen vernünftig machen) ungefähr so viel, als wenn einer unternehmen wollte mohren zu bleichen, oder schnee an der sonne zu trocknen. Wieland 8, 117; einen mohren kann man nicht weisz waschen. Simrock sprichw. 379; ein mohr schwärzt den andern nicht. 380;

welcher man ein frauenschender ist,
den sol man schwerzen als ainn morn
und schol in beschern als ainn torn. fastn. sp. 705, 24;

wer ihn will machen gescheid,
will wiederbringen vergangne zeit,
oder schneeweisz waschen den mohren,
der hat müh und arbeit verloren.
Rost teufelsepistel, neue Berl. monatschr. 13 (1805), 37;

er kannte das geschlecht, man wäscht ja keinen mohren.
Kotzebue dram. sp. 2, 177;

ihn preisen längst als arzt die weisen und die mohren.
Schiller hist.-krit. ausg. 11, 300;

[Bd. 12, Sp. 2473]



du hast ein menschliches gesicht, zu dir,
wie zu dem weiszen unter mohren, wende
ich mich.
H. v. Kleist fam. Schroffenstein 1, 1;

mohr mit Bengale oder neger wechselnd:

ein mohr und weiszer zankten sich,
der weisze sprach zu dem Bengalen,
wär ich, wie du, ich liesze mich
zeit meines lebens niemals malen.
Lichtwer fabeln 1, 15;

mehr als Bagdad, mehr als tausend städte
gilt der fliegende rappe; darfst du aber
diesen sklaven bis zum thron erheben,
aller schätze holden schatz, Amine,
deine tochter, einem neger opfern? ..
nur ein blendwerk ist vielleicht des mohren
zauberpferd.
Platen 322;

mohren als wild und riesen geschildert:

zwölf mohren, riesen gleich, stehn mit gezücktem eisen
die unberechtigten vom eingang abzuweisen.
Wieland 22, 208 (Oberon 5, 31);

ich sag euch doch, ein pferd, wien wilder mohr.
Tieck Octavian. s. 223;

der plur. für das land der mohren, Aethiopien: ich habe Egypten, Moren (Αἴγυπτον καὶ Αἰθιοπίαν septuag.) und Seba an deine stat zur versünung gegeben. Jes. 43, 3.
2) mohr, in mannigfacher weise übertragen.
a) auf menschen von schwärzlicher hautfarbe: man nannte sie (knaben in Jena, die bestellungen u. dergl. besorgten) mohren, wahrscheinlich weil sie von der sonne verbrannt, sich durch eine dunklere gesichtsfarbe auszeichneten. Göthe 31, 178.
b) in der alten sprache auch auf den teufel: der hellemôr. Walther 33, 7;

dîn (Christi) âten verlüste genuoc
schuof dem hellemôre,
daʒ er in ze tôde sluoc
mit dem süeʒen trôre.
K. v. Würzburg 374, 84 Bartsch.


c) auf ein schwarzes pferd; hier wol abhängig von dem franz. adj. moreau, altfranz. cheval morel:

(er) fand seinen Brilliador
(so hiesz sein ritterlich pferd, ein schöner getiegerter mohr).
Wieland 4, 187 (n. Amaais 8, 22).

vgl. dazu mohrenkopf.
d) auf einen schmetterling, papilio antiopa. Adelung.
e) auf eine schwarze oder schwarzbraune spindelschnecke, murex morio. Campe.
f) mohr, verschiedene feine, pulverichte bereitungen in der pharmacie, die eine sehr schwarze farbe haben: eisenmohr, quecksilbermohr, auch mineralischer mohr genannt; spieszglasmohr; vegetabilischer mohr, aus der kohle der meereiche. Jacobsson 6, 579a.
g) weisze mohren, die albinos oder kakerlaken. Adelung.
 
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mohr, m. gewässertes schweres seidenzeug. umgebildet aus dem franz. moire, das dem engl. mohair entlehnt ist; dieses aber stammt aus dem orient, arab. moiacar stoff aus ziegenhaaren, vergl. Littré 2, 592c. die deutsche umbildung ist im 18. jahrh. gebräuchlich, jetzt wieder durch die franz. form verdrängt: mohr oder moor, ein ganz seidner zeug. Amaranthes frauenz.-lex. 2187; mit ihrer langen schleppe von falschem silbermohr. Wieland 11, 180; wie auf diesem bilde sammt, atlas und mohr neben einander nachgeahmt ward. Göthe 52, 344;

ein aufgeputzte meng von schönem frauenzimmer,
in tausendfärbigen dammast und sammt gehüllt,
mit perlen, silber, gold besetzet und gestickt,
mit federbüschen, band, brocad und moor geschmückt.
Brockes 1, 164;

hier glänzt ein gelber baum, als wie ein gülden moor. 254;

es scheint, dasz die natur, mit neuer lust erfüllet,
statt ihres grünen sammts, in silber-moor sich hüllet. 321.


 
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mohr, f. mutterschwein, s. DWB mor.
 
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mohr, n., s. DWB moor.
 
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mohrapfel, m. eine apfelart, holl. veentjes-appel. Nemnich.
 
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mohrband, n. eine art glatten seidenen bandes mit einer wolkigen wässerung. Adelung.
 
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möhre, f.
1) gelbe rübe, daucus carota. ahd. moraha, moreha, morach, morha, morhe, pastinaca, carota Graff 2, 845; mhd. morhe, morche und mit verlust des gutturals more; welcher verlust auch ags. und engl. sich zeigt: ags. pastinace moran Wright-Wülcker vocab. 301, 25; engl. more, rübe, wurzel; litt. entspricht mõrkas möhre, mohrrübe (Kurschat litt. wb. 2, 67b); etymologische bezüge fehlen, nur zusammenhang mit dem sp. 2092 aufgeführten masc. merk ist anzunehmen. einer volleren, aber gänzlich dunkeln form ahd. mauroch, scarindra, mhd. mouroh

[Bd. 12, Sp. 2474]


(Dief. 517a) entspricht bair. môrach (Schm. 1, 1641 Fromm.), alem. morache, moroche (Stalder 2, 214), das nun aber auf die morchel bezogen ist, vgl. unter diesem worte. in der bedeutung gelbe rübe hat sich das wort in theilen von Ober- und Mitteldeutschland erhalten (vgl. auch mohrrübe), älter noch als morche: keinen röppensamen (rübsamen) noch morchensamen darinnen seen. weisth. 3, 807 (linkes Moselufer, von 1584), und auch jetzt noch als merchenstengel in Augsburg, murke in Wien (Pritzel u. Jessen volksn. der pflanzen s. 131), als mëergen in Mähren (Frommann 5, 216), im übrigen ist der guttural verloren: moren, vulg. gelb ruben, morella, est herba similis rape, sed non in colore. voc. inc. theut. o 2a; möhr, pastinaca, mören. Schottel 1363; möhre, staphylinus, carota lutea Steinbach 2, 75; wie man den möhren und ruben thut. Mathes. Sar. 23a.
2) möhre, name mehrerer der möhre verwandten gewächse: pastinaca sativa, weisze möhren, hirschmöhren Nemnich 4, 874; peucedanum silaus, möhre 919; laserpitium prutenicum, falsche möhre, falsche mohrrübe, auch möhrenkraut 338.
3) möhre, eine muschel, conus daucus. Nemnich 2, 1175.
 
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möhre, f. schweizerisch, in Luzern, name des wasserhuhns (fulica), mit weiszem vorderkopf und schnabel. Stalder 2, 213.
 
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mohregel, m. blutegel; wegen seiner schwarzen farbe.
 
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möhrenacker, m. acker wo möhren wachsen: weisz er nicht, wenn die schweine auf den möhren- oder rübenacker kommen, so erwischt die gröste sau gemeiniglich das gröste stücke. Chr. Weise erzn. 148 Braune.
 
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mohrenbauch, m. name einer kleinen stumpfen porzellanschnecke, cypraea caput serpentis.