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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
kür bis kurbe (Bd. 11, Sp. 2782 bis 2795)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) kür, kur, chur, f. subst. zu kiesen.
I. Die formen.
1) der ursprüngliche formenvorrat.
a) ahd. churi f. deliberatio, electio Graff 4, 519, von chiosan, nhd. kiesen, mit dem vocal und dem umsatz des s in r wie sie dem plur. praet. eigen sind, ahd. churumês, mhd. wir kurn, kuren (s. kiesen 4, a. b sp. 696). diesz churi ward mhd. regelrecht zu kür (mit kurzem vocal), das denn, nur verlängert, noch jetzt in willkür lebt. ein alts. kuri ist nicht bezeugt, aber nicht zu bezweifein, zumal ags. cyre vorliegt, doch als m., das aber auch bei uns erscheint, s. 2, a.
b) eine eigenthümliche, seltene nebenform ist kurst, gen. und pl. kürste, österr. im 15. jh., bei Mich. Beheim durch den reim zu tage gebracht, er spricht von kaiser Friedrich dem dritten als

dem eltesten fürsten
nach rehten waln und kürsten. buch von den Wienern 1, 12;

und auch dar zu der eltest fürst
nach rehter auszerwelter kürst. 114, 16.

es ist gebildet wie bair. verlurst m. Schm. 2, 500, das verbindend in die mitte tritt zwischen verlust und verlur (s. 2, a, γ) als subst. zu mhd. verliesen, nhd. verlieren; ebenso steht kurst oder kürst zwischen kur oder kür und kust, gen. küste.
c) denn auch kust war da als subst. zu kiesen (stamm kus): ahd. chust f. aestimatio, electio Graff 4, 514 (wegen 'chust scientia' das. s. u. kunst sp. 2667), auch chost arbitrium 518, das im vocal zu frost stimmt mit gleicher bildung von frieren, eig. friesen, ahd. friosan, während frust begreiflicher wäre und wol auch nicht fehlte (vgl.frustlen gleich fröstelen oben 4, 328). auch mhd. kust f., altn. kostr m., ags. cyst m., mit ganz eigner entwickelung, schon goth. und zwar in doppelter form, gakusts f. und kustus m.; s. unter DWB kust.
2) auch kür selber zeigt grosze manigfaltigkeit.
a) auch hier ein masc., wie ags. cyre u. 1, a (vgl. die masc. altn. kostr, ags. cyst, goth. kustus neben dem fem. u. 1, c).
α) wenigstens md. und nd.:

dô leite mîn vrouwe vure
den rittern allen einen kure.
Haupt 11, 497, 195;

der kure sol an im stân. 496, 128;

daʒ er ... den kure brêche. das., 134,

in der hs. kre, vre, sodasz küre gemeint sein kann, vgl. DWB den kür haben beim Meisner MS. 3, 95a (hs. kr?). bei Berthold v. Holle kur und kore m.:

ir solt die juncfrowe wîs
irn vrîen kur lâʒen hân. Crane 1749;

wan ich sol den kore hân. 1682.

diesz kore m. auch sonst mit kure wechselnd, z. b. im Leipz. Sachsensp.: ein blôz swert in der hant und éin umbegurt oder zwei (sollen die kämpfer vor gericht haben), daʒ stê an irme kore. I, 63, 4; mit vrîen kure Iw. 4354 A.
β) kore m. ist auch mnd.: van dem kore des rîkes (d. h. des kaisers). Magdeb. schöppenchr. 2, 2; bischof Ludolf von Magdeborch was de erste an dem kore (des kön. Philipp). 123, 29, hatte die erste stimme; dat koning Segemund .. hadde geven de marke to Brandenborch mit dem kore des rîkes (an burggr. Friedrich). 342, 15, mit dem wahlrechte, der kurstimme,

[Bd. 11, Sp. 2783]


wie im folg.: die schenke des rîkes, die koning von Bêhemen, die nehevet nênen kore, umme dat he düdesch n'is. Sachsensp. III, 57, 2. vgl. noch aus nhd. zeit der köhr unter kör 2 (pl. köhre weisth. 4, 673). Auch mnl. erscheint neben core oder cure fem. ein masc. core (De Vries gloss. zum lekensp. s. 486, Oudemans 3, 498 fg.), und nnl. keur, jetzt f., brauchte noch Vondel in beiden geschlechtern ohne unterschied (Weiland). ebenso nrh. kure m. Hagen reimchr. von Köln 613, wo der Kölner erzbischof den eirsten kure in anspruch nimmt, die erste wahlstimme; den coere hebn, die wahl haben Teuth. 57a. Dasz auch dem hd. das m. bei solcher bildung nicht fremd ist, zeigt verlur m. verlust Schm. 2, 500 (vgl. die 2. ausg.), mhd. verlor m. das. und wb. 1, 1033b.
γ) selbst das neutr. fehlt nicht, nordisch: norw. kor n. wahl Aasen2 380b, dän. kaar n.; daneben isl. kör, kiör n. Biörn 1, 472a. 454b, altn. kjör n. Ebenda übrigens auch mit bewahrung des urspr. -s (wie hd. in kust, d. i. kus-t) isl. kos n. wahl Biörn 1, 470a, norw. Aasen2 382b. ebenso nl. neben keur auch keus, keuze f., bei Kil. keuse und koose wahl; es ist wie in nl. gekozen gekoren, auch oberrh. gekosen sp. 696 fg. (und auf der Eifel weisth. 2, 566), vgl. auch verlies verlust Sachsensp. III, 6, 2 (md. und nd., var. verlus), bair. verlier Schm.2 1, 1514. endlich selbst mit der ältesten bed. nrh. und cimbr. kos m. geschmack, s. II, 1, a.
b) auch schwache form erscheint, wenigstens im pl., doch schon in mhd. zeit: etlich geslehte .. die do küren hettent des rotes. Straszb. chr. 123, 3, wahlstimmen für den rat; wir hant ouch versworn die kuren, die wir hettent an dem rat. 933, 17, v. j. 1334, vgl. das schwäb. kuren pl. von heute II, 6, c. ebenso nrh. im 13. jh. korin, s. sp. 1795, plebiscita quae vulg. kuiren appellantur Lacomblet urk. 2, 883, v. j. 1210 (neben kure 2, 264). auch mrh., z. b. die lesten zwo koren (königswahlen) Janssen Frankf. reichscorr. 1, 214 (neben die zwo lesten kore 213, der kore pl. 183, wie nd. köhre u. a, β). und md., s. DWB strafen und koren bei Luther sp. 1795. mnl. selbst im sing. schwachformig: dat wi desen coren hebben geset binnen Bruesele. Oudemans 3, 499 (zu II, 3, b), reines schwaches masc., vgl. den nrh. sing. van der kuren u. II, 1, b.
c) das wechselnde u und o oder ü und ö vertheilt sich im ganzen über die mundarten wie gewöhnlich.
α) im oberd. herscht ü (u), im nd. o oder ö. aber auch schwäb. kommt doch ö vor, z. b. in der Augsb. fechtschulordnung aus d. 16. jh.: der abgende haubtman soll die erst cöre haben (bei der bestellung eines neuen hauptmanns). Adrians mitth. 295, ebenso die erste köre 285 (s. u. DWB kör 1), vgl. Weinhold al. gr. s. 29. 77; s. auch hd. verlor neben verlur unter a, γ.
β) das md. schwankt zwischen dem oberd. und dem nd. vocal, s. schon u. a, α aus mhd. zeit kure und kore; ebenso in der Leipz. hs. des Sachsensp., im 15. jh. z. b. in der reichscorrespondenz von Frankfurt: habe der bischof von Menze .. die andern kurfursten zu der kore eins romischen kunigs gein Frankfurd virbodet. Janssen 1, 180, v. j. 1410, wenige zeilen weiter uf das die kure deste einmudeklicher .. zuginge, bald darauf die kur, wie das. wechselt koren und kuren, wählten, auch kurfurst und korfurst s. 225, wie das. kure und kore; auch die küre s. 535.
γ) die doppelform erstreckte sich aber auch ins nrh., s. coere und DWB kure u. a, β (vgl. II, 1, b), koren und kuiren pl. unter b, und selbst ins nl., s. mnl. core und cure unter a, β; so wird sie auch dem westlichen nd. nicht fremd sein und überhaupt weit über die mhd. zeit zurückreichen. s. übrigens kör, kor für sich sp. 1794 fg.
d) auch das schwanken des umlauts genauer zu prüfen wäre bei dem geschichtlich so wichtigen worte der mühe wert. während er an sich dem worte so natürlich oder nötig ist wie thür, für, die ebenso zurückgehn auf turi, furi wie mhd. kür auf ahd. churi, und während er auch in willkür richtig gilt, ist er doch in der gewichtigsten verwendung des wortes völlig unterlegen, in kur, chur königswahl, kaiserwahl. das ist als hiesze die thür oder thüre nhd. vielmehr thur. Aber die geschichtliche untersuchung wäre hier zu umständlich, zudem fast aussichtslos, da bis ins 16. jh. hinein über die wahre meinung eines geschriebenen oder gedruckten u oderodervielfach zur zeit noch völlige unsicherheit herscht;meint keineswegs immer ü,  meint oft wahrscheinlich ü, aber auch u wahrscheinlich oft ü. die aussprache musz in derselben landschaft, ja bei demselben manne geschwankt haben (wie sich das noch heute findet, s. z. b. spalte 1629 unter c), sodasz man auch im schreiben nichts auf genauigkeit geben konnte, die entscheidung

[Bd. 11, Sp. 2784]


dem leser überliesz. So braucht im 15. jahrhundert z. b. Beheim im buch v. d. Wienern den reimen nach sowol kür (: für) 141, 29 als auch kur (: swur) 332, 3. letzteres darf als die österr. form gelten, denn der widerstand gegen den umlaut ü ist eine eigenheit der bair.-östr. sprache, s. Weinhold bair. gr. s. 43 (vgl. 114), wo schon aus mhd. zeit bair. kur belegt ist (krone 26238, im reim auf fuor); s. ebenso östr. kuchel gleich küche. überhaupt trägt das wort in polit. verwendung das gepräge von dort, s. 3.
e) endlich das schwanken der endung, die in kur, chur ganz beseitigt ist samt ihrer urspr. rückwirkung auf den vocal, welche thür wenigstens bewahrt, wie mhd. auch kür. dasz im 15. jh. im md. und nd. die endung noch lebendig war, zeigen die kure, kore oben (gewiss schon mit gleichzeitiger verlängerung des vocals); aber auch oberrh. im 14. jh. noch küre: von derselben küre. Closener Straszb. chr. 16, 10, von einer papstwahl; der (papst) satte uf, daʒ ein keiser mit eins bobstes küre nüt sol haben z tnde. 23, 20; kure 123, 7, aber bei Königshofen auch kur 508, 3. s. auch das schwäb. köre im 16. jh. u. c, α. nordd. noch am ende des 16. jh.: liesz man die groszen glocken, wie zur kühre gebräuchlich ist, läuten. Henneberger preusz. landtafel Königsb. 1595 s. 123, von einer ratswahl; dieses kühre wäre genau genommen die beste form nach nhd. art.
3) am merkwürdigsten aber ist chur mit seinem ahd. ch- (s. schon 2, 627).
a) seit dem 15. oder 16. jh. wurde es auf lange vorherschend in churfürst nebst zubehör (s. mehr u. kurfürst), sodasz sich diesz chur- und kür sogar neben einander finden, wie zwei verschiedene dinge, z. b. in einem meiszn. spruchgedichte von 1553:

herzog Moritz churfürst als bald
zu Leipzig ein landtag anstalt ...
denn dies eim weisen steht wol an,
wenn er sich recht befragen kan
und nichts aus seiner eigen kür
bald thut was im nur fellet für (einfällt).
Wolffs hist. volksl. 383.

umgekehrt findet sich das einmal beliebte ch- selbst auf das zeitwort erstreckt: nun wahren etliche cardinäl zu Avinion, die choren ein bapst. Limb. chron. 68 Ross., nachher das. kohren.
b) diesz ch- ist aber von haus die bezeichnung der oberd. kehlaspirata, im bair. sprachgebiete bis ins 16. 17. jh. wechselnd mit kh- (khure z. b. Schm. 2, 325, 15. jahrh.), sodasz auch das alte bair. ch- nicht anders gemeint sein wird als diesz kh- (s. unter K 4, a, vgl. 2, c). so auch chure östr. im 12. jh. in Diemers genesis 29, 10, chur 101, 26, im 14. jh. von der königswahl, s. II, 7, b. eigner weise schreibt auch der verfasser des mnl. lekenspiegels im 15. jh. von der wahl des röm. kaisers chore m. (II, 49, 76), sonst core, cure. Das chur, churfürst wird nichts als die österr. form sein, die durch polit. einflusz sich festsetzte (wie kaiser mit seinem ai), auch das fehlen des umlautes stimmt dazu (s. 2, d zuletzt). unterstützt wurde sie wol zugleich durch das gelehrte (griechische) ansehen des ch-, das der würde des gegenstandes angemessen schien. findet sich doch die cur des arztes recht gelehrt chura geschrieben im 16. jh. Zimm. chr. 4, 120. 145.
c) auch wenn chur in anderm sinne erscheint, kann das nur eine wirkung des politischen chur sein, dessen beliebte form sich auf die allgemeine bed. übertrug; z. b.: ich hab euch die chur oder wal gegeben. Keisersb. oben 2, 627, wo mehr; wann mir gott verlihe und in mein chur setzte, das ich möcht widerumb von meinem alter zur jugent kummen. S. Frank chron. 1531 111b u. ö. (1536 135b);

der siben schön tragt ihr ein chur (s. II, 5, b).
H. Sachs 1 (1590), 380b,

in der 1. ausg. (1558) 507b noch kur; so klug .. Maria von Bethanien die edle tugendcron gewest in ihrer chur und wahl und das rechte unum necessarium getroffen. Dannhawer catech. 9, 478 (vgl. u. kurfrau). selbst chür erscheint, bei Alberus (II, 4, a), das kann rückwärts als zeugnis gelten, dasz ebenso das politische chur da doch auch noch mit umlaut gesprochen ward. Sonst wird auch der umlautsmangel in kuhr u. ä. von dem anschlusse an das polit. wort herrühren, z. b. der hat kuhr, hat angst Schottel 1130a, wahl macht qual; die khur war auch dem haufen mit. Waldis Es. 1, 71, 28, bei der königswahl der vögel, auch die masse durfte mit wählen.
II. Bedeutung und gebrauch.
1) Die ältesten, sinnlichen bedeutungen.
a) zuerst bezeichnete kür wie kiesen nicht eine wahl, diese bed., die im nhd. endlich allein übrig blieb, ist vielmehr nur ein einzelnes feld von einem urspr. reichen bedeutungsgebiete. die älteste bed. kosten, schmeckend prüfen, die für kiesen noch nhd. im

[Bd. 11, Sp. 2785]


alem. vorliegt, auch für kust (s. d.), kann auch für kür nicht gefehlt haben, zumal sie für kuren, küren noch nachweisbar ist; wirklich geben Müller u. Weitz 122 aus Aachen der kor, geschmack, geschmacksprobe, in Bonn kos das., wie in den sette comuni kos m., s. u. koren 1, b, wegen des -s oben I, 2, a, γ. vgl. Schottel u. 4, d.
b) die weitere entwickelung von kiesen als sehend prüfen, ersehen (s. dort 2, c und 1, e) zeigt sich im subst. auf nrh. gebiete, denn nichts anderes kann sein cure, warde, specula Teuth. 63a (nebst cueren, speculari, spectare, circumspicere, cuerwechter speculator), unterschieden von coere m. wahl 57a, die beiden formen (s. I, 2, c, γ) hatten sich da schon in die beiden bed. getheilt. diesz kure musz eig. das spähen selbst sein (vgl. unter d und küren 3, a, spähen), dann übertragen auf den ort zum spähen, wie bei mhd. warte; es ist fem. und schwachformig (s. I, 2, b):

des morgens vroe vur vier uren
der truw wechter up der kuren
sloich die stormclock.
Wierstraat Neusz 2440;

'vill vyand sint binnen muren'
rief der wechter van der kuren. 2450.

Auch nl. koer, koertorn specula, koerwachter speculator Kil., wie nrh. kuirwechter auf einem thoern Harf pilg. 78, 9; auch nd. und weiter in einzelnen spuren, die auf entlehnung deuten: krwechter Braunschw. chron. 1, 244, 30 (vgl. die anm. das. und Frisch 1, 169c), mit der randgl. kr in der hs., die sich aus folg. erklärt: 'kur, kuur, der thurmbläser' (leider ohne geschlechtsangabe) Dähnert 263a, auch altdän. (d. h. im 15. 16. jh.) kure wächter, thurmwächter Molbech dansk gloss. 1, 461, d. h. das abstr. kure warte, wache auf den späher, wächter selbst übertragen, wie gleichfalls mhd. warte f. wb. 3, 528b und nhd. wache, schildwache. bei Molbech auch altdän. kuretaarn wartthurm, wie nl. koertorn vorhin. s. auch kurhaus specula. daher auch nd., hamb. kurwaken, vor sorgen nicht schlafen können Richey 367, eig. wachen oder schlafen wie einer der die kur hat.
c) denselben begriff anders gewendet zeigt in Aachen im 16. jh. kuer, chur m., eine haft milder art für bürger, einen in (den) chur gebieten u. ä., s. bei Haltaus 1121 aus der ordn. des dortigen churgerichts v. j. 1577. Dazu aber stimmt nahe genug schweiz. 'kûr f., zucht, strenge obsorge, er hat ihn in der kur' Stalder 2, 145 (der an cur, cura dabei gar nicht denkt); der form nach müszte es allerdings eingeführt sein, den Rhein aufwärts vom Niederrhein her; daher bei Tobler 127a kûr (nicht chur), strenge aufsicht, auch strenge behandlung, um geständnisse zu erpressen, hier allerdings mit deutlicher einmischung von cur.
d) die bed. b noch jetzt weidm., wenigstens westnd.: kur f., der ansitz auf der jagd. Curtze Waldeck 480b, eig. das spähen, lauern; s. das weidm. kuren, küren 3, b. c (nach hasen küren). Im 16. jh. selbst oberd. nach folg. 'mit kur', vom jäger auf den hund übertragen: da henget (d. h. rannte) der eine (hund) mit kur dem hasen nach, der andre eilet dem hafen zu und frasz. S. Frank .... 20.
e) zu kiesen sehen vielleicht auch folg.:

wan wärlich unser beider mt
anders nicht wan minnen tt,
daʒ (l. des) nempt an dem gedicht die kur. lieders. 1, 114,

überzeugt euch, eig. wol durch augenschein, obwol auch kiesen prüfen dahinter sein kann, vgl. 4.
2) Der entscheidendste fortschritt des wortes war der vom sinnlichen prüfen, spähen, suchen auf denkendes. daher
a) mhd. kür überlegung, erwägung, z. b. mit wîser kür wëgen Ulr. Trist. 14, ûz wîser kür sprechen Helbl. 2, 1251. auch rat, der aus überlegung flieszt, z. b. nâch eines wîsen mannes chür genesis 101, 26 D.; s. ahd. churi deliberatio oben, chiosan cogitare sp. 693 und noch schweiz. chiese begreifen das. (mhd. erkiesen verstehn Rieger heil. Elis. 372a).
b) die entscheidung, bestimmung, beschlusz, die aus der erwägung flieszen.
α) so mhd. (vgl. Lexer 1, 1791), z. b.:

der bischof Albrecht legete vür
den liuten dâ des bâbestes kür,
waʒ man der (neuen) lande solde geben
an ein geistlîcheʒ leben (als kirchen- und klostergut). livl. chron. 619;

von den heidnischen Kuren erzählt dieselbe:

beide weich und hart
muoste man in legen vür,
biʒ daʒ sie vielen ûf die kür (sich entschlossen),
daʒ sie den touf enpfiengen. 2444,

wo zugleich die bed. 3, a sich einmischt.

[Bd. 11, Sp. 2786]



β) von einer gesamtheit hiesz das auch gemeine kür, gemeinsame erwägung und entscheidung, beschlusz, im 16. jh. noch in folg. überkommener wendung: mit gemainer chur einen schiedsrichter nehmen. Schm. 2, 325; die fürsten und die ganze ritterschaft vereinigten sich mit gemeiner chur einer heerfahrt wider den mörder. buch d. liebe 395a, vgl. u. 7, a.
γ) auch die entscheidung eines schiedsmannes oder schiedsgerichtes hiesz im besonderen so: keur, arbitrium, sententia arbitri Kil., gewiss auch hd.; in den Magdeburger fragen heiszen solche schiedsleute korlûte (var. sûnleute, auch berichteslûte) Behrend s. 144, wie kiesemann, s. d., auch unter kürer. nl. kierslieden, kiersmannen arbitri Kil.
δ) nach folg. auch das schiedsgericht selbst: it. d man die sunen satte, yder raitzman, die zen koer gehoeren (erhielt vergütung). Laurent Aachener stadtrechn. 343b.
ε) sobald sichs dabei, wie so oft, um eine entscheidung zwischen zwei oder mehr möglichkeiten handelt, stellt sich natürlich auch hier schon der begriff wahl mit ein (s. 6 und 7); wahl selbst erscheint sogar zuweilen mit dem begriffe der entscheidung wie kür.
c) das wird auch bezeichnet als frîe kür, freier entschlusz, selbstbestimmung, z. b. Iw. 4354, Karl 11875, von vrîer kür freiwillig Haupt 1, 130, auch als recht der selbstbestimmung Ssp. I, 56; des menschen freie chür. Schm.2 1, 1284; daher noch im 16. jh. freikürlich Garg. 64b (oben 4, 116 unrecht zu kür wahl gezogen). Dasselbe ist mhd. selpkür 'arbitrium' wb. 1, 829b, das gleichfalls mit 'wahl' nichts zu thun hat (vgl.selpherre), und heute noch willkür, mhd. willekür, entschlusz und entschluszfreiheit aus eignem willen, anfangs auch willige kür, z. b. von einer änderung in eigenthumssachen heiszt es, sie sei geschehen mit williger kür der undertânen. schweiz. urk. von 1307, geschichtsfreund 4, 285. Ebenso eigen kür, ein guter fürst thut nichts wichtiges aus seiner eigen kür, s. die stelle von kurf. Moritz oben I, 3, a, vgl. dagegen das ligt in unserm furstlichen kore unter kör 3. Gleich willkür z. b. im folg., kur 17. jh.: es ist eine alte streit-frage, ob die wörter von natur oder kur, oder, ob sie willkührlich oder natürlich weren, ihrem uhrsprunge nach. Schottel 64; vgl. bei Göthe willens-kür 41, 306, mit denkender auffrischung des kür. es ward für die turnerei wieder aufgenommen: an turntagen wird der ganze nachmittag in zwei gleiche hälften getheilt. die erste hälfte ist für die freiwillige beschäftigung (turnkühr), die andere hälfte für die vorgeschriebene (turnschule). Jahn u. Eiselen turnkunst 222 fg.; daher kürturnen.
d) daher auch verfügung, recht oder möglichkeit der freien verfügung über etwas: wann mir gott verlihe und in mein chur setzte, das ich möcht widerumb von meinem alter zur jugent kummen. Frank chron. 1531 111b. auch verstärkt durch gewalt, einer der aufständischen in Wien i. j. 1463 rühmt ihren erfolg:

wir haben praht in unser kur
und gewalt Österreiche
und Wien die stat des gleiche.
Beheim 332, 3;

ward dem gemeinen volk der gewalt und kur, ein andern könig zu kiesen zugelassen. Schöfferlins Livius 8. ebenso kore und macht, s. DWB kör 3.
e) auch die bed. rücksicht, absicht, die in folg. auftritt, flieszt aus der allg. bed. des erwägens. Beheim erzählt, wie die aufständischen Wiener bei der belagerung einen brückenkopf (taber) in brand setzen:

daʒ was also genummen für
und an gesehen in der kür,
ob der taber gewunnen wer,
daʒ man dy selben seiten her
in dy vorstat wer kummen. 141, 29,

d. h. das war in dem sinne (also) vorgenommen und in der absicht ins auge gefaszt worden, dasz man nach einnahme des tabers u. s. w.; es stimmt zugleich zu der sinnlichern bed. von kiesen zielen, visieren (s. dort 2, g a. e.), sodasz kür vielleicht auch das zielen hiesz, zu 1, b. Auch mhd. von .. küre gleich 'von .. wegen', wie es im folg. scheint, könnte hierher gehören:

wie si (Eva) von des apfels küre
vür des paradîses türe
got dô warf unde stieʒ.
Haupt 1, 128.

auch bei Wolfr. Wh. 167, 11 scheint diesz von .. kür mit gen. vorzuliegen, von wegen, von seiten, in folge von.
3) Im alten gemeindeleben nahmen wort und begriff eine wichtige stelle ein.
a) die kür als gemeine kür, zugleich vrîe kür, gemeinschaftliche und freie erwägung und beschluszfassung aller gleichberechtigten, ausdrücklich auch im gegensatze zu der eigen kür eines

[Bd. 11, Sp. 2787]


einzelnen, eines herren (s. 2, b. c), immer hand in hand mit dem zeitwort kiesen gleicher bed.; z. b.: item rugen die von Ufhusen von ihrer freiheit, das alle inwoner zu Oberufhusen gesessen mögen fleischhawen, backen, schenken, brewen, und allen veilen kauf zu haben, us ir kur, das wisen sie fur recht. weisth. 3, 387, hess. v. j. 1511, ûʒ ir kür, ungehindert von einem herren oder sonst wem, es heiszt auch ausdrücklich willekür. im Sachsensp. ist so öfter die rede von der lantlûte kure, der gebûre kore, auch gegenüber dem herrn, z. b. II, 53, und dazu denn das sächs. körtag sp. 1841, tag wo diese kör, kür für alle vorliegende fälle von der gemeinde ausgeübt wird, vgl. bei Kil. nl. keur plebiscitum. Ein beleg für kiesen in dieser bed. (s. dort 1, f) aus dem 13. oder 14. jh.: kein vleischower insal vinnecht vleisch veile haben nîrgen mê den in den benken, die dazû gekorn sîn von aldere. Freiberger stadtr. cap. 43, s. auch u. d. wir denkeu bei kiesen wie bei kür immer zu rasch an eine wahl (wie ich z. b. bei körtag).
b) angewandt besonders auch auf das gemeinderecht, die gemeindeverfassung, die man sich selbst gab und die auch kurz kure oder wieder auch deutlicher willekür hiesz; so bes. im nordwesten und norden, z. b.: statuta, quae vulgariter (d. h. deutsch) eininge et kure nuncupantur. Lacomblet urk. 2, 264, nrh. 13. jh., ebend. s. 191 wilkoer sive buerkoer (gleich der gebûre kore vorhin). mnd. köre, s. bei Haltaus 1119 aus dem privileg der grafen von Holstein für Hamburg, vgl. aus Bremen das brem. wb. 2, 850. ebenso mnl. cure f., core m., s. Oudemans 3, 578. 499 (s. oben I, 2, b), allerdings dann auch von dem rechte das ein herr setzte. daher noch bei Kilian kurz keur jurisdictio, jus. anderseits auch ins handwerksleben übertragen gleich innung (vgl. eininge et kure vorhin vom gemeinderechte), dafür zeugt z. b. kurbrief, innungsbrief, rheinisch.
c) das lebt noch, nur leicht verändert, in bergmännischer rede, wie so vieles uralte: kühr, jene arbeitercompagnie, der die bearbeitung eines gewissen grubentheiles übertragen wird. Scheuchenstuel österr. bergspr. 149; dasz eine gewisse anzahl häuer .. eine gesellschaft (gleich compagnie vorhin, beides urspr. höfische ausdrücke) oder eine sogenannte khür ausmachen, welche zusammen vor einem oder zwei orten arbeiten und den verdienst in gleiche theile unter sich theilen. Veith 303 aus einer österr. bergbaukunst (wieder auf 'küren wählen' bezogen). es musz urspr. das gesellschaftsrecht, die innung gewesen sein, die sie sich selbst gaben, dann die gesellschaft selber. eine dritte bed. ist zeche, die Veith aus der ungr. bergordn. v. 1575 belegt, zech oder kühr, neue zechen oder kühr, übertragen auf die zeche, die eine solche gesellschaft bearbeitet (auch zeche selbst ist eig. ein gesellschaftsrecht). vgl. übrigens auch kiesen 2, h bergm. dazu kührführer, vorsteher einer kühr.
d) noch mehr im besondern von der strafe, d. i. geldbusze, die eine gemeinde ûʒ ir kure festsetzte, begreiflich bei der hervorragenden wichtigkeit die diese geldbuszen im alten rechtsleben wie in der verwaltung der gemeinden hatten: die vleischower sullen zû der burger gebote stên an allen sachen (in allen rechtsfragen) .. alse andere lûte, oder si mûʒen lîden die kure, die die burger darûf setzen unde kîsen zu rechte. Freib. stadtr. § 43 (3, 276 Schott), man bemerke 'setzen unde kîsen', nach 'willkür' festsetzen; trîbit ein man sîn vî ûf eine frömde marke .. er lôsit (löst sich aus) mit der kor, daʒ sint sechs pfenninge. blume v. Magdeb. II, 2, 280. Daher auch bûze und kure verbunden: alliʒ daʒ si (die zwelf geswornen in Vrîberc, in vertretung der gesamten bürger) verbieten, daʒ sal ein îklich man halden zu rechte, oder he mûʒ bestên mit der bûʒe und mit der kure, die si darûf setzen. § 48 (s. 279); in den Magd. fragen wechselt kore und busze in den hss., z. b. I, 1, 13. 14. bei Luther buszen, strafen und koren, s. DWB kör 5, mehr bei Haltaus 1120 (wo aber kehr 4, e eingemischt ist) mit belegen für mnd. köre, md. 13. jh. küer, nrh. coer m., aus nhd. zeit chur und buesz, die buesz des geldes die da gemeiniglich köhr genannt ist. dazu nl. keuren, bekeuren, multam exigere Kil.
e) es mischt sich aber da ein andrer begriff ein, kiesen abschätzen, kür abschätzung (als ergebnis fachmäsziger erwägung), bestimmung der höhe der geldbusze. ebenso z. b. im Sachsensp. II, 53, wo von einem man die rede ist, der ein zinsgut verläszt und da alles abebrechen darf, auszer den zûn und daʒ hûs und den mist (düngerhaufen), aber daʒ sal der herre lôsen (lösen, ihm abkaufen) nâh der gebûre kure, nach abschätzung und festsetzung der gemeinde, ähnlich I, 20, 2; in den Magdeb. fragen II, 2, 18 ist so die rede von dem werte eines grundstücks nâch der stadt kore (var. rechte), vgl. blume v. Magd. II, 2, 217.

[Bd. 11, Sp. 2788]



4) Aus letzterem begreift sich die bedeutung wert (dann auch art überhaupt.
a) von sachen, mhd., z. b. kultern (polster) von dér kür, daʒ man ir tiure müeʒe jehen Wolfr. Wh. 244, 14, 'von einer sorte die für kostbar gilt' wird im wb. 1, 829a erklärt, genauer 'von so hôher kür' (s. b), dasz u. s. w. Im alten leben ist viel von kiesen die rede auf die güte von mancherlei verbrauchsgegenständen bezogen, in den städten von geschwornen kiesern ausgeübt, die den wert von wein, bier, brot u. dgl. zu prüfen hatten (s. kiesen 2, a); ihr kiesen, auch küren, kören genannt, ist zugleich ein feststellen des wertes, preises, und sicher galt auch kür als subst. dazu, zuerst von der einzelnen prüfung, dann von dem befunde und der festsetzung der kieser, endlich von dem einer waare zugesprochnen werte; daher nl. keurbaer goed, merx legitima, proba Kil., waare die die probe, kür bestanden hat, mhd. kürbære vortrefflich. es hiesz, ein ding hat die und die kür (vgl. u. b fastn. 670, 10), wie jetzt hat den und den wert, preis:

man sagt, der lachs hab nach dem stür (stör)
ohn widerred die nechste chür.
Alberus Es. 60b.

Auch vom proben und taxieren von gold, edelsteinen u. ä. galt im geschäftsleben gewiss kiesen, kür, wie noch nl. keur, z. b. Amsterdamsche keur (auch gleich keurteken, zeichen des keurmeesters, essayeur, auf gold oder silber Halma 313c). daher folg., das zugleich die übertragung auf menschenwert zeigt; von stæten vrouwen heiszt es:

daʒ edel gim und daʒ golt
ist gên ir kür ungemâʒ. lieders. 2, 712,

übertrifft sie an der kür, läszt sich nicht vergleichen. vgl. unten das adj. kür 2, auch kürgut.
b) von menschen; so mhd. häufig hôhe kür, auch hœhste kür (s. die wbb.), z. b. helt von hôher kür Konr. troj. kr. 23446, wîp von hôher kür 354, fürste von hôher kür Engelh. 1322, diesz hôch ist eig. dasselbe wie noch heute in hoher wert, preis, hoch taxieren u. ä.; der begriff geht natürlich von menschenwert überhaupt in den von rang über. So noch im 15. 16. jh. einzeln; in einem fastnachtspiel sagt der kaiser aus Kriechen:

nun hab wir doch die höchsten kür
auf alln herrnhöfen und wirtschaft (hoffesten)
sein wir in eeren wol behaft. 670, 10.

geistlich gewendet die höchste kür von geistlichem leben, klosterleben, zu einer nonne die zweifelt:

bis witzig, gaistlichs gtes kind,
der teüfel will dich machen plind
und fren von der höchsten kür,
di du dir erstlich setzest (l. setztest) für.
Schwarzenberg 140c.


c) im gegensatz dazu swache kür, geringer wert, geringes, wenig, z. b. des lobs hat sie ein swache kür Hätzl. 68b, wenn ichs recht auffasse, vgl. wiht von valscher kür, bösewicht lieders. 2, 602, nachher in gleichem sinne von valscher art, jenes vielleicht urspr. von falschen goldmünzen u. dgl. Daher begriffe sich wol die bed. art überhaupt, die mhd. in einer menge wendungen auftritt (s. die wbb.), freilich mit manigfaltigen nebenbeziehungen, die noch viel zu erörtern übrig lassen. auch im 15. jh. noch:

wie hat er herschaft kür,
gend im sein knecht nach oder für?
Rosenblut, fastn. 1092,

welche art von herschaft (mhd. herschefte gen.);

und was des vierden thires kur (beim proph. Daniel)
erschröckenlich in der figur,
mit starken groszen eisen zen (zähnen) u. s. w.
H. Folz das. 1311;

derselbe erzählt in der lere von den baden von den warmen heilquellen, dann

sweig ich do selbst auch ir natur
und meld weiter der andern kür. das. 1253.


d) nachklänge davon noch im 16. 17. jh. (vgl. schon u. b):

als weiset uns die predig dein (Joh. 10),
wer nit gee durch der warheit thür,
hab nit die rechten hirten kür
und sei ein dieb, als du in heist.
Hutten 3, 521 B. (5, 97 M.).

merkwürdig noch bei Schottel kuhr in nahverwandtem gebrauche: in den sprichwörteren .. stekket der rechte schmak, rechte kuhr und das eigene der sprache .. haubtspr. 1111 (mit vortreffl. ausführung), vgl. nachher das. teutschschmekkende worte, die in anderer sprache saft und kraft würden verliehren. oder kuhr geschmack? vgl. u. 1, a.
e) eigen auch einzelner grad in der wertmessung, geltung; von zwei sich schmähenden sagt einer, er were einer khure fromer

[Bd. 11, Sp. 2789]


dann er, wann sein vater hette kainen ermordt als er getan hette. Schm. 2, 325 aus den mon. boica 25, 535, v. j. 1495; aus dem höchste kür, nechste kür u. ä. konnte sich der begriff stufe, grad entspinnen.
f) bemerkenswert ist übrigens, dasz die schwesterbildung kust (s. I, 1, c) wie in anderen auch in dieser bed. sich genau neben kür hielt, und zwar schon in ahd. chust, ja goth. kustus δοκιμή, probehaltigkeit, auch ags. cyst, altn. kostr dem mhd. kür im ganzen entsprechend, und noch gegen 1500 bei uns kust virtus. für churi kann nur zufällig so alte bezeugung fehlen. auch das kürst I, 1, b in der zweiten stelle zeigt wol diese bed.
5) Kür auswahl, wahl, s. DWB kiesen 3.
a) so im alten rechtsleben bei erbtheilung: wan beide eltern mit tode abgangen .. sol der elteste setzen und theilen (taxieren und zwei hälften machen) und der jüngst den kühr behalten. Haltaus 1118 aus dem landr. von Hadeln, vgl. aus dem Ssp. u. kiesen 3, b und kurerbe. ebenso das recht des herrn, bei todesfällen aus dem nachlasz das beste oder nächstbeste stück für sich auszuwählen, s. DWB kör 2 und kurmede. Das hat sich landschaftlich bis heute erhalten, z. b. hessisch ich will dir die kör (kür) lassen, bei verkäufen, s. Vilmar 219, auch thür. kör, kür f., in der Ruhl einem die kühr geben u. ä., s. Regel 227. nd. de kör hebben, kör gewen, bei verkäufen, namentlich bei viehhandel wessel un kör, wo dem käufer unter mehrern stücken die auswahl gelassen und austausch (wechsel) gestattet wird Schambach 109b.
b) das ausgewählte selbst, z. b. das bestehaupt bei todesfällen (s. DWB kör 2). den übergang des begriffes sieht man noch in der nd. wendung bei Schambach dat is kör vor mek, das wähle ich mir, das gefällt mir am besten. auch ruhlisch das is de kür von alln Regel 227, die auslese, das beste. Daher bildlich, z. b. zum preise einer schönen jungfrau:

wann ich sah nie schöner figur,
der siben schön tragt ir ein kur,
die doch all siben traget ihr.
H. Sachs 1, 507b,

'ein kur' (mit dem meist noch verkannten ein als stärkeres der), d. h. den höchsten grad aller sieben schönheiten; die noch zugesetzte zeile soll den begriff auswahl (aus den s. sch.) abhalten; ebenso 'ein kur' im folg.:

Maria, höchste creatur,
du edle küngin der natur ...
götlicher hantgetat ein kur.
Hoffmann v. F., kirchenl. 460,

das höchste, das kleinod der göttlichen schöpfung. übrigens spielt wol zugleich der begriff 4, b herein, wie im folg. höchste kur von einer frau selber:

set, höchste kur, meins herzen wun,
ir scheint mir lieblich als die sunn. fastn. sp. 129, 14.

Ebenso nl. keur f. das beste (auch mit gen. pl., wie nachher ags.), und isl. þad væri kör, exoptatissimum foret Biörn 1, 472a, was doch zugleich wie adj. klingt (s. das adj. kür unten), und ags. cyst, z. b. îrena cyst, das beste der schwerter, s. Grein 1, 181 und oben 4, f.
c) daher eine adverbiale wendung 'zur kür', aufs beste, vorzüglich, z. b. wol (d. h. gut) zur kür, hessisch im 16. jh.:

erwischt ein groben heseln stock,
schlug seinen esel wol zur kühr,
jagt in in stall u. s. w.
Waldis Es. 1, 90, 45 (1, 136 Kz.),

den esel der sich als löwe verkleidet. ebenso nl. wel te keure, exquisite, egregie Kil. 238b, mnl. wel oder goet ter core, ghenoech ter cure, auch blosz ter cure (s. bei Oudemans). es wird auch mhd. nicht fehlen, und mnd.; nnd. erklärt sich wol daher körgood auserlesen gut Dähnert 247a, auch körfett (z. b. ein ochse) Richey 135, vgl. gôd kören approbare, s. auch u. kürbäumen, kürlaken, kürlich, kürgut.
d) der begriff auswahl geht in den von hülle und fülle über: so wir doch selbs wein, korn, wolle, flachs, holz und stein in deudschen landen nicht allein die fülle haben zur narung, sondern auch die kur und wahl zu ehren und schmuck (zur verschönerung des lebens). Luther 2, 474a; vgl. der hat kuhr, hat angst Schottel 1130a, wahl macht qual. auch nl. keur überflusz, z. b. von waaren, keur van goed. vgl. DWB freudenkür, freudenfülle, oder höchste freude. so ist umgekehrt lat. copia fülle zur bed. gelegenheit, auswahl gekommen.
e) in der schriftsprache hat man das wort im 18. jh. wieder aufgefrischt, wie kiesen, küren, zuerst wol Klopstock, doch ohne erfolg, es war einmal von seinem alten reichen leben zusammengeschrumpft auf die polit. bedeutung (s. 7): so wird ihm die

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kühr vorgelegt zweier ding, nämlich: er musz .. oder er darf .. Klopstock gelehrtenrep. (1774) 116;

widerwärtig gemäkel
waltet nimmer alhier (bei wein und lied):
stumpf so wenig wie ekel
hält das mädchen die kühr.
was das mädchen gekohren u. s. w.
Voss ged. (1802) 3, 93,

mit der überschr. 'mäkeln und kühren', v. j. 1794; die thiere üben kür und wahl bei ihren liebschaften. Bode Montaigne übers. (1793) 3, 388, vgl. Hippel u. 6, a. ähnlich ist schon im 17. jh. z. b. Schottels wiederaufnahme des wortes, s. 2, c a. e. und 4, d. s. auch Jahn und Göthe 2, c a. e.
6) Wahl bei besetzung von gemeindeämtern u. ä.
a) manigfach im gemeindeleben, theilweis bis in ziemlich neue zeit: dar zu keust man zwene mollere (müller) ... und wen die kor also geschehen ist .. Erfurter wasserordn., Michelsen rechtsd. aus Thür. 111; als die kühre auf Branden, einen vom rath fiel, bat er sich ab. Henneberger preusz. landt. 124; liesz man die groszen glocken, wie zur kühre gebräuchlich ist, läuten. 123; die glieder des senates halten kur und wahl. Hippel 11, 181, diese häufung ist alt, s. 7, c; die kühr des neuen schuldheiszen. würzb. verordn. v. 1797 bei Schm. 2, 325, vgl. u. küren.
b) auch die einzelne wahlstimme (vgl. 7, d): suffragium, ein hilf oder chur .. ein stimm. Dasyp. 79b; chur geben, adjicere calculum 312a, seine stimme abgeben; omne tulit punctum, er hatt alle chur, alle stimmen gehebt. 199a, alle chur mit collectivischem sing., wie die meinsten (meisten) köre haben weisth. 5, 730 wol auch, vgl. welcher die maist waal hat unter kör 1, der die meiste körstimme hätte sp. 1841, die stimme meren Frankfurts reichscorr. 1, 175, mit einhälliger stimm erwelt Brant s. 200b Z.
c) noch schwäb., im Schwarzwalde, kur f. stimme Schmid 334; am vorabend hatte er alle burschen ... zusammenkommen und sie zwei sog. tanzburschen wählen lassen. Constantin und des zimmermanns Valentins Xaver erhielten die meisten 'kuren'. Auerbach dorfgesch. 1846 s. 436 (1848 371). dazu ebendort kuren abstimmen, wählen, und bei Schmid a. a. o. sogar er gibt keine kur von sich, keinen laut, kein lebenszeichen. vgl. zur form I, 2, d.
7) In allgemeiner geltung blieb es am längsten von der königs- und kaiserwahl im alten wahlreiche (vgl. kurreich). ebenso auch böhm. kur.
a) anfangs kür, kur, kore, kure oder anders, f. oder m., je nach der mundart (s. I, 2), z. b.: in des keisers kore sal der êrste sîn der bischof von Megenze u. s. w. Sachsenspiegel III, 57, 2, md.; under den leien ist der êrste anme küre (hs. kre) der phalanzgrêve vonme Rîne. das.; die zûme ersten anme kure genant (bestimmt) sint, die ensuln nicht kiesen nâch irme mûtwillen, wen (sondern) swen die vürsten alle zu kunge erwelen, den suln sie aller êrst bî namen kiesen. das., erwelen deutlich eine art vorwahl, vgl. DWB kiesen 3 und kur und wal nachher; der bischof von Mênze .. hât die êrsten stimme an der kür. Schwabensp. § 110 Wack., wechselnd mit kur;

das si sim sun Maximilion
mit gelicher kür die kron
gaben gern und willigklich.
Lenz Schwabenkr. 10b,

wie mhd. mit gelîcher kür Lohengr. 3151, einstimmig (auch mit gemeiner kür das. 3240, wie unter 2, b, mit gemeiner wal der churfürsten Frank Germ. chr. 1538 229a). mnd. kore m., nrh. kure m. s. DWB I, 2, a, β, mrh. kure, kore s. I, 2, c, β.
b) die form chur, die gerade für die kaiserwahl die herschende werden sollte, tritt zuerst im östr. und bair. gebiete auf (s. I, 3), doch anfangs wechselnd mit chure, wol auch chür, kür, z. b. bair. im 14. jahrh. (s. aber wegen der zeichen ,  I, 2, d): in des chaisers chr sol der erste sein der pischolf von Maenze. spiegel deutscher leute, landr. § 303; under den laien ist der erste an der chure der pfallenzgrave. das. (wie chiesen das., chunig, Choln u. a.); in des reiches chure. lehnr. § 11; teiding .. umb die chr an dem riche. quellen zur bair. gesch. 6, 336, abmachungen wegen der wahl oder kurstimme des hauses Baiern, v. j. 1333; so sol der eltiste ... diu wal haben an der chr des reichs. s. 218, vom j. 1313, aber auch 'kr des ryches' 353, wie kurfrsten daselbst und zwar neben chomen, chein, chrenchen, auch kur und wal 373. 374. aus dem anfang des 16. jh. der abschrift nach das. s. 36: hat er .. gelobt, das er nu dem negsten (eig. an dem nächsten tage, daher demnächst) sein chur ... wende und khere an einen man

[Bd. 11, Sp. 2791]


an wen wir wöllen, also das er den khiese zue ainem römischen khunig, wo man denn auch khur erwarten dürfte (vergl.khure I, 3, b). Aber chur muszte eben schon fest sein, vermutlich aus der langen regierung kaiser Friedrichs III. her, und blieb es auch in der hauptsache bis zum ende des wahlreiches. von den wbb. gieng erst Campe auf kur zurück, noch Adelung setzte überhaupt blosz chur an, ebenso Frisch, Rädlein, Ludwig, Aler, im 17. jh. Henisch, Schönsl., während schon Steinbach 1, 235 das ch- scharf tadelte (weil man damit das deutsche wort in ein lateinisches verwandele), wie Stieler 945 'scribunt kurfürst et kur cum ch, sed pessime ... verum surdis fabulam'. im 16. jh. schreibt selbst nd. chörförste Chytraeus cap. 24, wie seine Straszburger vorlage, Golius c. 25 churfürst, s. das gleichfalls straszburgische chur bei Dasypodius unter 6, b, bei Brant unter 7, c. auch in der Wormser samml. der reichsordnungen vom j. 1539 ist chrfürst durchgeführt (aber auch chammergericht, chammerrichter), wie im Augsb. druck des reichsabschieds Augsburg 1500 churfurst, offenbar schon kanzleimäszig.
c) es kreuzt sich aber früh mit wal, wie kiesen mit welen, schon im Schwabensp.: ê daʒ die fürsten kiesen, sô suln sie ûf den heiligen sweren, daʒ si durch liebe noch durch leide ... noch durch niht enwelen daʒ geværde heiʒe. 109, 2 Gengl. (vgl. aus dem Ssp. unter a). daher kur und wal verbunden seit dem 14. jh. oder früher: umb wechselung der kur und wal des romischen richs (gleich 'des kaisers'). quellen zur bair. gesch. 6, 373, d. h. wechsel in ausübung des wahlrechtes; an der wal und kur des richs. 374. 371. selbst mit unterscheidung der bed.: und wir herzog Rdolf sln diu wal haben an der chr des reiches, nachher so sol der eltiste .. diu wal haben an der chr des reichs. das. 218, v. j. 1313, chur die gesamte wahlhandlung, wal die ausübung des einzelnen wahlrechtes, abgabe der stimmen; aber auch wal des richs 305. So wechselte man mit beiden noch später, oder verband sie, z. b.: dann man die chur noch nit angefangen, sonder rathschlagten erst, wie man die wal anfahen wolt. S. Brant s. 199b Z., ebenso 200a als sie die chur anfahen wolten, dann also wert die wal, von der Straszburger bischofswahl 1506. s. auch oben 2, 627 chur oder wal, wahl und chur, noch im 18. jahrh. kur und wahl unter 6, a, auch im allgemeinen sinne kür und wahl 5, e. Aber wal, welen sollten überwiegen und das vermutlich ältere kiesen, kür verdrängen; schon in der goldnen bulle ist nur von wal die rede, wie in einem liede von der wahl Karls V. Soltau 2, 76 ff., Lil. 3, 231 ff. (künig Karl het die wale heiszt es vom wahlergebnis str. 13), im 18. jh. war chur als wahl eigentlich verfallen und vergessen, wie Adelungs worte darüber zeigen (s. e).
d) der begriff gieng auch über in den der einzelnen stimme (vergl. schon 6, b. c), schon früh mit stimme verbunden oder wechselnd: darnach sprach min herre burggrave Friderich 'so bin ich hie von mins herren des konigs wegen von Ungern als eins marggraven zu Brandenburg und korfurst, und gebe desselben mins herren kore und stimme darzu von sinen wegen. Frankfurts reichscorr. 1, 174, bericht über die wahl könig Sigmunds 1410 (von andern stimmabgaben das. blosz stimme); so wil ich geben min stimme und kore. 526, vom j. 1400; lasz ich uch wissen .. daʒ sie (Böhmen und Sachsen) ir kure auch an minen herren den konig gewant han. 210, vgl. u. b dieselbe wendung. ebenso aber wieder wal, z. b. sein wal geben Soltau 2, 79. 80 (dazwischen stimme), der churfürst von Mainz fraget umb die erst wale u. s. w. 79.
e) dann in den des wahlrechts, mit dem vorigen sich oft mischend: der küng von Behemen enhât nicheine kure, umbe daʒ, daʒ her nicht dûsch (deutsch) enist. Sachsensp. III, 57, 2; ein wahlfürst, der sich bestechen läszt, der hât sîne kur verloren unde sol si nimmer mêr gewinnen. Schwab. 110 (s. 107) Wack.; umb die chr an dem riche. qu. zur bair. g. 6, 336, das bair. wahlrecht; markgraf Sigmund, der di kr von der Mark het, und der herzog von Sahsen, der der kr (plur.) auch ein het, und der kaiser, der di kr zu Beheim het. U. Stromer, Nürnb. chron. 1, 34. Ebenso wieder auch wal und stimme, z. b.: umb die wal und kre der mark ze Brandenburch, einen .. keiser ze welen. quellen 6, 446; wann eʒ ein recht ist ... daʒ nimmê dan siben kurfursten, die dâ wal und stimme an dem rîche haben, sîn sollen. 372, und stimme so noch jetzt. Das ausüben des wahlrechts hiesz auch die kür kiesen (vgl. die wal .. ze welen vorhin): wer auch, das sich gebürte zu kisen di kur an dem reich ... von der marke wegen zu Brandenburg. das. 417, vgl. mnd. köre kêsen Frisch 1, 168c, zuerst wol zu d gehörig. Das ist denn die bed., die

[Bd. 11, Sp. 2792]


Adelung als erste angibt, doch mit staatsrechtlicher erweiterung: »nicht so wohl diese wahl selbst, als vielmehr das recht, das oberhaupt des reiches wählen zu dürfen, nebst allen dazu gehörigen vorrechten, würden und ländern«, z. b. mit der chur beliehen werden, die chur haftet auf das (so) herzogthum Baiern. so schon im 16. jh. und früher: herzog Henrich, an den newlich die chur kommen war. S. Frank Germ. chron. Augsb. 1538 202a; er (papst Pius II.) stiesz von der chur und dem erzbistum Menz den Diether von Eisenburg. Fischart bien. 1588 142a; bestetigungsbrief der chur und herzogthum zu Sachsen. Albinus meiszn. chron. (1589) 215; das land und chur der mark zu Brandenburg. 216; auch die witwe des kurfürsten Moritz läszt ein dichter um ihn klagen:

chur und mein eigen leben
und alles land damit
für in hett ich gegeben ...
Liliencron 4, 605b.


f) endlich bei Adelung »dasjenige land, mit welchem besitze dieses recht verbunden ist, auf welches dieses recht haftet«, z. b. mit der chur Brandenburg beliehen werden;

so thust du auch, o herr! in chur und königreich (Sachsen und Polen).
Gottsched ged. 1736 s. 561.

in zusammensetzungen Chur-Brandenburg, Chur-Sachsen, Chur-Mainz, Chur-Trier u. s. f.; »oft bezeichnen diese ausdrücke auch den fürsten, der ein solches churland besitzet, oder dessen gesandte«, z. b. Chur-Mainz hat das directorium auf dem reichstage zu Regensburg, Chur-Baiern erklärete, d. i. der gesandte.
α) vom lande z. b.:

wann es nach deim wunsch gieng daher ...
dasz schon Chur-Sachsen ganz dein wär.
Opel u.
Cohn 30jähr. kr. 320;

in Westphalen .. macht sich landgraf Wilhelm von Hessen .. in Kur-Trier die Franzosen furchtbar. Schiller 937b; um die .. minder zu fürchtenden fürsten des Kurrheins seine macht empfinden zu lassen. 943b, das kurfürstliche Rheinland. die Kurmark, endlich Kurhessen.
β) vom fürsten selber:

kam Chur-Sachsen in schneller eil (zugleich das heer).
Opel u.
Cohn 30jähr. kr. 276;

dasz Churpfalz (dat.) die kron
des reichs blühe schon. 268;

Churbayrn ist seider vergangen mittwoch wider weg (von einem besuch in Versailles). Elis. Ch. v. Orl. (1871) 143; Kur-Böheim macht den beschlusz (beim krönungszuge). Krünitz 53, 763; Kur-Köln und Kur-Trier hatten über zwanzig staatswagen, Kur-Mainz allein eben so viel. Göthe 24, 303; die drei geistlichen kurfürsten hatten (beim krönungsmahle) .. auf einzelnen estraden platz genommen, Kur-Mainz den majestäten gegenüber, Kur-Trier zur rechten und Kur-Köln zur linken. 327.
γ) dazu auch die adj. kurtrierisch, kurpfälzisch, kursächsisch, kurhessisch u. s. w., auch subst. der Kurmärker, Kurpfälzer, Kurhesse. nl. Keurbrandenburg, Keurpalts u. a. Halma 313b.
g) auch chur selber kurz für churfürst, z. b. ein gut katholisches klaglied auf Tilly v. j. 1633 rühmt ihm u. a. nach:

ihre (l. ihr) majestät und churn
war er gehorsamb ganz.
oft, da vil thäten murren,
wart er auf ordinanz.
Körners hist. volksl. 319,

dem kaiser und seinem churfürsten; churen, wie der reim verlangt, mit -en, um den dativ auszudrücken, nachklang des alten kure, vgl. den schwachen pl. I, 2, b, aber eben darum wol noch als fem. gefühlt, während Kur-Pfalz z. b. vom kurfürsten schwerlich als f. gebraucht war: ich bin fro vor die arme Pfälzer, dasz Churpfalz sich einmahl resolvirt hat, seine unterthanen besser zu tractiren. Elis. Ch. v. Orl. (1871) 106. die kürzung war übrigens vermutlich befördert durch die kürzende formel chur- und fürsten (s. unter kurfürst 3).
 
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kür , adj. zu kiesen, offenbar von hoher alterthümlichkeit, obwol nur spät bezeugt.
1) auserlesen, vorzüglich:

könig sambt allen seinen fürsten,
die vor waren die aller kürsten.
H. Sachs 3, 1, 160b,

s. das subst. kür II, 5, b, das ausgewählte, beste. genau stimmend, wie dort als subst., auch isl. adj. kör, electus, designatus Biörn 1, 472a.
2) schwäbisch kür, fertig, es ist noch nicht kür, auf dem Schwarzwalde. Schmid 334; es kann zu kiesen, wert und güte einer waare o. ä. prüfen, gehören, s. DWB kür II, 4, a.
3) rhein. kür, kör, wählig beim essen, s. DWB körisch 3 (luxemb. ker Gangler 233).

[Bd. 11, Sp. 2793]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) kuranlagen, pl. gartenanlagen beim kurhause, am kurorte.
 
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kuranzen , ein volksmäsziges kraftwort, im 17. jahrh. auftauchend.
1) die jetzt gewöhnliche bed. ist prügeln, tüchtig durchprügeln: ich musz die karbatsche holen und ihn so lange liebreich kuranzen, bis er wieder nüchtern wird. Kotzebue dram. sp. 2, 140. es scheint durch ganz Deutschland zu gehn, wie md. (sächs., in Posen Bernd 152, auch in Nassau, Coblenz), so oberd. und nd.: östr. kueranzen, hart behandeln, schlagen Fromm. 4, 45, auch bei Stalder 2, 145 erwähnt; niederd. kurranzen züchtigen, durchprügeln Dähnert 263a (auch kurranschen), brem. wb. 2, 738. auch dän. übernommen korantse, schwed. kurrantsa ( Adelung), koransa Rietz 346b.
2) aber nicht das prügeln ist der eigentliche begriff, sondern züchtigen, in zucht nehmen oder halten:

laszt ja den griesgram gehn!
er weisz euch (schulbuben) zu kuranzen,
läszt euch wie affen tanzen
und auf den köpfen stehn.
Bürger 21a (Europa str. 9),

bildlich von den recensenten, die das genie in ihre grenzen weist; auch bei Kotzebue ist es eine zucht zur besserung, schwedisch bei Rietz ausdrücklich auch im zaum halten. so deutlich in folg. liede der Wittenberger studenten:

der heilge vater treibts zu bunt,
er will uns schier kuranzen.
vernunft soll, wie ein pudelhund,
nach seiner pfeife tanzen.
doch brave burschen prellt man nicht ...
Zach. Werner M. Luther (1807) 60.


3) daher ist auch folg. übertragne verwendung möglich, wobei ein schlagen auch bildlich gar nicht in frage kommt:

schick euch noch heute zofen und schranzen
von meinem hof ein ganzes heer.
die sollen, bis ich wiederkehr,
in einem fort mit singen und tanzen
pflichtschuldgermaszen euch kuranzen.
Wieland 18, 238 (wintermärchen),

euch zusetzen, in die schere nehmen oder wie mans sonst bildlich sagt, um euch mürbe zu machen. ähnlich zu musikanten, die nicht lustig genug zum tanz aufspielen:

polisch musz hübsch lustig gehn,
dasz die röcke hinten wehn.
wart', ich werd' euch mal koranzen!
Voss ged. 1825 3, 97 (1802 2, 56), 'reigen'.

auch die tänzerinnen selbst werden von den tänzern kuranzt, in einem nd. liede von W. Bornemann (in dem allg. plattd. volksb. von Raabe, Wismar 1854 s. 22):

platz gemakt! nu willn wi danzen
un dei dierens rüm kuranzen,

worin übrigens der alte tanz corant f. (frz. courante) Ludwig 407 mitwirken könnte, der zuletzt ein volkstanz wurde, vgl. von der schlesischen schäfercourante bei L. Erk, volksl. neue samml. (1841) heft 4 u. 5 s. 46 fg.
4) die ältere form ist aber kurrenzen:

sie (die frau) musz sich lassen führen,
kurrenzen und regieren
nur wie es mir gelüst.
Chr. Weise überfl. ged. 1. th. 4, 12,

deutlich wieder in zucht halten. doch auch schon mit schlägen züchtigen: nahm darmit sein spanisch rohr und kurrenzte den armen lauer durch alle prædicamenta durch. ders. erznarren 1679 s. 258 (1710 s. 293), cap. 30, strafe eines jungen für einen verstosz gegen den anstand.
5) auch der erste vocal zeigt abweichung. einmal koranzen, wie bei Voss u. 3, bei Adelung (nur als prügeln), in mundarten z. b. westerw. (neben kuranzen), hinten herum holen, mit worten oder mit dem stocke oder auf eine andere art' Schmidt 96, wie nassauisch Kehrein 251. Am auffallendsten aber karanzen, in allen drei hauptmundarten: bair. karanzen, zum gehorsam treiben Schm.2 1, 1285; schles. plagen, quälen (auch herumlaufen, umherschweifen) Weinh. 40b; ostpreusz. derb abprügeln Hennig 116, ebenso hamb. Richey 109, bremisch (neben kurranzen) 2, 738, in der Altmark Danneil 96a. sächs. einen ankaranzen, strafend anfahren, auskaranzen auszanken.
6) das ursprüngliche in form und bedeutung ist zwischen den vorliegenden abweichungen zu suchen.
a) ich glaube Rietz im schwed. dialektlex. 346b hat das rechte getroffen, er denkt an mlat. carentia, buszübung mit fasten, geiseln u. dergl., gleich dem sonstigen carena (d. i. eig. quadragesima, franz. carême, s. unter caren), vgl. in Melbers voc. varil. carena, est vulgare Italorum, dicitur sic a carentia

[Bd. 11, Sp. 2794]


hominum et ciborum, eyn karen. c 4b (falsch auf carere umgedeutet), carena vel carentia Dief. n. gl. 75b, noch im 18. jh. in Königsberg 'karenz, diejenige strafe, da ein solcher, der freien tisch in der communität hat, eine zeitlang von demselben ausgeschlossen wird' Hennig 116.
b) es müszte dann aus der klosterzucht stammen, wie andres noch gäng und gäbe auch (z. b. zu kreuze kriechen, katzentisch, s. unter klosterkatze), dann in die schulen und bursen übergegangen, endlich aus den lateinschulen unters volk gekommen. älteres karenzen wird sich wol finden, es steckt zwischen Weises kurrenzen und dem karanzen unter 5, vielleicht war carentiare schon ein mlat. schulwort.
c) die bedeutung stimmt völlig zu der annahme: zuerst kasteien, dann in zucht nehmen überhaupt, endlich auch blosz peinigen, quälen, welche bed. auszer als schles. unter 5 für kuranzen auch als östr. gegeben wird Castelli 184, in Iglau Frommann 5, 459, westerw. (auch die arznei hat mich kuranzt) Schmidt 96, nass. u. a.; in Waldeck nur schimpfen Curtze 480b, ebenso in Schweden schelten, auch nur beschämen (Rietz).
7) nahe liegt auch kranzeln prügeln Strodtmann 115, brem. wb. 2, 738, kransheistern das. und s. 865; vergl. auch henneb. ranzen durchprügeln Fromm. 3, 135 und dazu anranzen. fremdes und heimisches findet immer gelegenheit zum verwachsen.
 
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kurart, f. heilmethode, curart M. Kramer 1787: dasz er sie von diesem übel völlig heilen wolle, wenn sie sich seiner curart anvertraue. Göthe 17, 340. bildl.: Adelung sieht recht gut, wie nachtheilig der erschlaffenden schreib- und kurart starke bilder und flügel sind. J. Paul biogr. bel. 1, 142.
 
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kürass, s. küris.
 
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kürassier, s. kürisser.
 
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kürb, s. DWB kürbe, auch kirchweih.
 
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kurbad, n. bad zur badekur.
 
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kürbäumen in dem schon 3, 1372 angeführten sprichw. bei S. Frank 2, 110b wer kürbäumen wil, der faulbäumet gern, dort von gesuchtem wolleben verstanden nach der beigegebenen erläuterung: z vil lust bringt unlust, sch nit zu vil honig dʒ dir nit gall draus werd u. s. w.; ähnlich verstand es noch Stieler 115 von selbstüberhebung die erniedrigung nach sich zieht, und entnahm daraus ein kürbaumen adolescere, succrescere, metaph. superbire, und faulbaumen incurvari, haut inolescere, seine quelle scheint nach der beigesetzten lat. erklärung Frank oder seine ausschreiber gewesen zu sein.
Aber das sprichwort war wirklich so im gange: denn beide schrift und tegliche erfarung zeugen, wie vierzehn handwerk das fünfzehende auch haben und gemeiniglich betlen musz. also wer kürbaumbt der faulbaumbt gerne, und wer über seiner eltern willen und wider sein beruf thut, der bleibt ein hümpler. Mathesius hist. Christi 2, 79b, wem bei der berufswahl das handwerk seiner eltern zu schlecht ist (da doch alle, einander unentbehrlich, ein ganzes bilden). doch ist das nur einzelne anwendung des bestimmteren grundgedankens, der bei demselben im folg. heraustritt: was so kürbaumbt, das faulbaumbt gerne, wehle bringt quele und der erste kauf und das erste glück das beste. hochzeitpred. 30a (1564 L 1a), wer lange wählt, greift endlich etwas schlechtes.
Mit diesem sinne lebt der spruch noch im nd. gebiete, wo er denn auch seine heimat haben wird, zumal hier noch das subst. auftritt, das ja dem zeitworte vorausgehn muszte: ostfries. 'de kœrbôm söcht, de fûlbôm findt, der gar zu wählerisch ist, bekommt am ende das allerschlechtste' Stürenburg 117b (unter fûlbôm faulbaum, rhamnus frangula gestellt, an den auch J. Grimm oben dachte). im brem. wb. 2, 851 körbôm geit to vûlbôm, oder deutlicher he geit so lange to körbôm, bet he to vûlbôm geit, er wählet so lange, bis er endlich das schlechteste trifft (besonders von freiern gesagt); auch im zeitwort körbomen, und körbomen gân, sich in der wahl nicht entschlieszen können, »wie einer, der, um den besten baum auszus uchen, im walde von einem zum andern gehet ..« Und das ist ohne zweifel noch das ursprüngliche, entsprungen aus dem alten rechte, dasz einer zu bau und besserung des hauses aus dem gemeindewalde einen theil des holzes nach 'willkür' holte (vgl. DWB gabholz, weisth. 1, 825, J. Grimm RA. 508 ff.). der körbôm ist 'der beste', den ein solcher sucht, wie körgôd auserlesen gut (s. unter kür II, 5, c), der vûlbôm ein fauler (s. DWB faul 2) den er wählt. dazu stimmt auch die pomm. fassung bei Dähnert 247a körbôm föllt ôk wol up fallbôm ût, wer lange wählet trifft es nicht immer am besten, fallbôm wie fallholz (vergl. RA. 513), zugleich in einklang gesetzt mit föllt, fällt. s. auch holst. körbômsch sehr eigen Schütze 2, 326.

[Bd. 11, Sp. 2795]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) kurbe, f. gleich kurbel, griff zum drehen u. ä.
1) nhd.
a) kurbe find ich zuerst in der von Moerbeek besorgten 3. ausg. von M. Kramers nl. wb. (Lpz. 1768) im deutschen theile, als krumme handhabe um etwas zu drehen (nl. anders benannt), so lange entgieng es der aufzeichnung. dann bei Adelung die kurbe z. b. an einer kaffeemühle, einem bratenwender, einer sägemühle (vgl. u. c, Campe fügt schleifstein, kaffeemühle hinzu); die erste heiszt im öcon. lex. Leipz. 1731 sp. 417 vielmehr leyer, wie noch sächs. z. b. am schleifstein.
b) einen beleg fürs 15. jh. gibt folg. kurm dat., d. i. kurbn (wie alm aus albn, alben, vgl.kürm unter kürbe 2), schwäb. wie es scheint:

die krankheit (der nachthunger) kan ir nit entpfliehen,
sie werd denn wider an der kurm ziehen,
daran man mansdegen schol schleifen. fastn. 748, 14,

also am schleifstein (obsc. verwandt).
c) auch korbe.
α) so im 15. jh. korbe gerale Dief. 263b aus zwei rhein. voc., lat. eig. girale (von girare drehen), auch mit wenderat, roddel erklärt. so noch hess. korbe, drehkorbe. auch bei Frisch 1, 538a »korbe oder gorbe (s. 3), zapfen, ziehet die säg in der mühl mit dem lenke, drehet wie ein lenker, gall. courbe«, s. DWB lenker in der sägemühle, zu zapfen s. DWB krummzapfen als kurbel, bei Mathesius krumbe zapfen oder körbel (s. d.) am schleifstein der getreten wird.
β) zu diesem körbel gleich kurbel nachträglich auch helmkörbel oder körbel am steuerruder (der krumme griff zum drehen), das sich aus Fischarts gehelmkörbelet Garg. 79a ergibt, s. 42, 979.
γ) bei Frisch folgt eine mir dunkle angabe, die zu korbe gehören wird: 'korben-röllgen, rädergen mit einer kuppen'.
d) auch kürbe, fränk.: éin wasserrad kan zween oder vier blasbälge mit einer gekröpften (gekrümmten) kürbe und eisernen ziehstangen auf und niederlassen. Hohberg 1, 72a, gleich dem krummzapfen im bergbau.
e) mit umlaut auch luxemb., kîrp f. gebogene handhabe, kurbe, kurbel Gangler 236für ü oder ö), auf der Eifel aber curv f. Schmitz 223b. das wort erscheint überhaupt im rhein. gebiete heimisch. aber entlehnt auch poln. korba, kurba.
2) auch mhd. ist es glücklich einmal bezeugt, kurbe schw. fem., am ziehbrunnen, die kurben trîben, umbe ziehen im Reinhart 961. 983, im alten texte nur ziehen (J. Grimm sendschr. s. 22), wie an der k. ziehen unter 1, b, es gleicht ja dem ziehen an den rudern, das umbe ziehen und trîben (gleich umbe trîben) zeigt deutlich die winde am ziehbrunnen, für die das wort vermutlich zuerst gebraucht war. Nicht ganz sicher ist es ahd. in der gl. churba, curba anthlia Graff 4, 487, Dief. 38c, s. unter körbel, aber doch wahrscheinlich nach anthlia als galgaruota Graff 2, 491, vgl. 383 (wo curba deutsch ist), Schm. 2, 39, die stange am ziehbrunnen (s. DWB galgen II, 5).
3) daneben aber formen mit G, wie schon unter 1, c gorbe bei Frisch.
a) gürben, krumbe hölzer, so die seitenladen der schiffen zsamen habend (d. i. halten), costae navium. Maaler 198a, aus Frisius 340a, vgl. krummholz 2; noch bei Stalder 1, 499 'gürben (pl.?), gürbi n.' schiffrippe, 'im gegensatz der nadel, d. i. der kleinen wagerechten hölzer womit der schiffboden befestiget wird'. auch gurben plur. nach Fischarts bezeichnung eines seetüchtigen schiffes als gebodemet, vergurbet Garg. 79a (Sch. 135), gegenwärtig auf dem Rheine korben pl. (s. sp. 1800), frz. courbe f. Die bildung ist sonst wie kürbe unter 1, d, das n. gürbi sieht aus wie ein demin., was ja kurbel auch eigentlich sein musz; im begriffe bleibt nur die krümmung, mit wegfall des drehens.
b) schweiz. auch der krumme handgriff an der sense, die mittlere handhabe für die rechte hand (Stalder), mit oder ohne drehen, wie man will; anderwärts knebel. vgl. kurbelspiesz.
c) scheinbar abweichend auch spinnrad, in Schmidts id. bern. gürbe n. (Frommann 3, 86a), dazu gürbireiser, gürbenmacher, drechsler, besonders der spinnräder macht Stalder. es musz eig. die vorrichtung sein, die beim treten das rad in bewegung setzt, gleich der körbel am schleifstein unter 1, c, der kurbe 1, b, wo auch der ganze 'schleifstein' damit bezeichnet scheint; es ist wie in schleifstein, wo auch die ganze vorrichtung nach dem hauptstücke benannt ist. Merkwürdig anklingend übrigens nd. kurre f. spinnrad, in Fallersleben Fromm. 5, 154, vgl. rhein. kar n. spinnrad (sp. 203 unten), nd. spinnekâre (sp. 223 unten).
4) den ursprung setzt man seit Frisch (s. 1, c) in frz. courbe f.; aber das trifft nur in der bed. 3, a mit unserm worte zusammen (wie span. curva), die kurbel heiszt vielmehr manivelle f., auch am steuerruder, wie körbel vorhin 1, c; und dabei ist nicht zu

[Bd. 11, Sp. 2796]


übersehen, dasz auch die gurben, korben des schiffes zugleich heimischen anhalt haben an korb schiffsgerippe unter a (sp. 1800), sodasz das franz. schifferwort, bei aller anlehnung an lat. curvus, umgekehrt zugleich unter dem einflusse des rheinischen wortes stehn könnte (hat doch z. b. der griff des steuers einen deutschen namen, heaume, d. i. helm). Denn dem Rheingebiete wesentlich gehört unser wort an, während es in den andern germ. sprachen fehlt (selbst nl.); zur sichern beurtheilung wären genauere aufnahmen dort nötig, auch in dem frz. grenzgebiete. möglich dasz da ein lat. curva, franz. courbe krummholz auch fürs drehen, winden bestand; aber auch für heimische herkunft liegt eine möglichkeit vor in kerben, das einst starkformig war (mnd. gecorven gekappt im alten Hamburger schiffrechte bei Lappenb. 83), wenn etwa die kurbe urspr. nichts als ein vom baume geschnittener krummer ast war, vgl. altn. isl. kurfr m. abgebrochnes stück holz, kurfla holz klein hauen Biörn 1, 483a. Der wechsel von k- und g- ist sowol bei einer entlehnung begreiflich (s. DWB K 2, f und G 5, b) als ohne sie, wie er denn deutlich vorliegt in schweiz. gerte hippe neben nl. kerten kerben Kil. (s. kerben a. e). Sollte aber das krumme der keimpunkt des begriffes sein (das doch dem aste auch von selbst so nahe liegt), so käme wol gar urverwandtschaft in frage mit altsl. grŭbatŭ gekrümmt (grŭbĭ rückgrat, u. a.), s. Mikl. 145a.