Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
haberkümmel bis habern (Bd. 10, Sp. 84 bis 85)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) haberkümmel, m. cuminum cyminum. Nemnich.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
haberlachend, adj.: die hofmäuler an den herrenhöfen liesz er den haberlachenden pferden, die ihn wol hörten schwingen, aber nit sehen bringen. Garg. 46a. das wort soll wol pferde bezeichnen, die während sie andern den haber schwingen hören, in freudiger erwartung danach wiehern, ohne dasz der knecht auch ihnen aufschüttet.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
haberlämmchen, n. scolopax gallinago. Nemnich. vgl. unter habergeisz.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
haberlaus, f. aphis avenae. Nemnich.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
habermalch, f. n., tragopogon. der name kommt nicht einer sondern mehrern sich ähnelnden pflanzen zu und schwankt sehr in der form seines letzten theiles: bocksbart hat den namen von der gestalt der haarechten blumen, welche eim bocksbart vergleichet. heyst sonst habermalch und gauchbrot. Lonicerus 127a, habermach carducella voc. theut. 1482 n 3a; habermoch carduella est herba quedam voc. inc. theut. h 8a; habermark barba senis Diefenb. 68b; habermark Maaler 204b; bocksbart, gauchbart, habermilch. öcon. lex. (1731) s. 341; hafermerk, hafermaukeln, hafermilch, hafermalk, tragopogon pratense Nemnich 4, 1468; halfermalchen Holl 144b. in Baiern und Schwaben habermark, habermauchel Schm. 2, 137. schweizerisch habermark, habermargste Stalder 2, 8; habermark Hebel alem. ged. 1803 s. 20 (1808 s. 12).
Enthält der erste theil dieses pflanzennamens, wie mehre andere, das hd. hapar haber bock wegen der haarigen blumen, so wird wol der zweite theil zurückzuführen sein auf ahd. malaha tasche (Graff 2, 720), mhd. malhe (Ben. 2, 1, 29), wegen der taschenartigen blüte, die sich tags öffnet und nachts schlieszt. das frühe verschwinden des letztern worts aus der gemeinen sprache war die ursache, dasz es sich in dem beregten pflanzennamen auf verschiedene weise verstümmelte.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
habermalz, n. aus haber bereitetes malz: hafermalz polenta avenaria. Stieler 1304.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
habermann, m. heiszt in manchen gegenden eine gespenstische gestalt, die man sich im getreide hausend denkt. in Westfalen schreckt man die kinder vom roggenacker mit der rede fort der hafermann hause darin mit groszem schwarzen hute und einem gewaltigen stocke. Mannhardt korndämonen s. 24.
In schriften des 17. jahrh. bezeichnet das wort etwas wesentlich anderes. zu dieser zeit bis ins 18. jahrh. hinein nennt man den Habermann ein weitverbreitetes gebetbuch, nach seinem verfasser Johann Habermann, geb. 1520 zu Eger, gest. 1590 als superintendent zu Zeitz: den renthenirern und stadtjunkern der löblichen bruderschaft der brauer und denen aufwarts fahrenden schiffen verehre ich den Habermann, und erinnere sie dabei, dasz an gottes segen sei alles gelegen. wollen sie nun dieses jahr den segen gottes haben, so müssen sie fleiszig beten und arbeiten. Schuppius 664;

ein weib, das ziemlich früh das volk zur arbeit jaget,
und eh nach Habermann, als nach dem brantwein fraget.
Rachel (1700) s. 34.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
habermehl, n. mehl aus haber: avenatum hebbermeyl, habermeel Diefenb. 60b, habermäl avenacea farina Dasyp.; ein drittheil eines Stuttgarter simmern habermähl, und das ein scheffel habern 2 simmern gut breimähl gibt. Fronsperger von kaiserl. kriegsrechten (1566) 161a; man nimmt habermeel, sauren keesz und ebernwurzel eins so viel als des andern (mit wein zu einem teig gemacht und kugeln daraus gebildet, geben ein gutes pferdefutter). Böckler kriegsschule 976. — Dann bezeichnet habermehl auch das daraus bereitete gericht, haberbrei: dann er nit hundert gulden genommen hette, dasz er einem armen man in seiner kuchen ein habermel gessen hette, er solte ihn bezalt han. Limburger chronik (ed. Rossel) p. 27.

[Bd. 10, Sp. 85]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) habermus, n. puls avenacea, dasselbe was haberbrei, wie brei und mus in vielen gegenden gleichwertig gebraucht werden (2, 353): einen brei oder habermusz vor sich hatt. Kirchhof wendunm. 158a; ein habermusz oder sonst etwas grober speisz. wegkürzer 5; auf einem ort het sie stehen ein habermusz. Pauli schimpf 90a; wol gebrent (mit fett geröstetes 2, 366) habermusz. 250;

ein habermuosz sölt im bass thuon
in sinem hus, denn ein räbhuon. trag. Joh. h iiij;

's habermuesz wär ferig, se chömmet ihr chinder und esset!
Hebel alem. ged. (1808) s. 106.


Eine in ein habermus fallende fliege oder mücke macht dasselbe unlieblich, daher die folgende redensart Keisersbergs: ein ungeschaffen mensch zierd eben ein danz als ein muck ein habermsz. bilg. 223a; du sahest etwas an ir (der frau) das dir miszviel und dir si erlaidet. da hat si ain stinkend maul, denn hatt si flixen in den augen, da butzen in der nasen, denn hat si geel stinkend zen und ein unlustlich gespräch, es wär immer etwas das dir ein muck in das habermsz gegen ir fiel, das si dir erlaidet. has im pf. Aa 7d; hastu schon vast ein hübsche fraw, noch ist kein rg da. es mag gar leicht sein, dir falt ein muck inn das habermsz, das sie dir darnach nimals lieb und anmütig ist, als sie vor was. Marie himmelfahrt 10b; so hastu nochten kein rg, die muck ist im habermsz. 10c; du hast ein hubschen man, der ist nach deinem willen. noch so steckt die muck im habermsz, ietlich er hat ein muck in seinem habermsze. 13b; und wenn es ein weil geweret, so wirft der teufel die flieg in das gebrent habermus. brösaml. 66a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
habern, adj. s. DWB haberen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
habern, verb. 1) haber mähen, eine bildung wie grasen gras mähen, kirschen kirschen pflücken (5, 847): aventare haberen Diefenb. 60b. — 2) aus einer andern bedeutung des verbums: habern, häbern, den pferden hafer geben Stalder 2, 8, erwächst die bedeutung prügeln, schlagen (vgl. unter haber sp. 79): so schweizer. habern, abhabern (Stalder), schwäb. happern (Schmid), schles. habern (Fromm. 4, 170), niederd. havern (Dähnert 180a).