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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gnauken bis gnef(f) (Bd. 8, Sp. 629 bis 631)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gnauken, gnaug(g)en, vb., nicken, bejahend nicken, beim einschlafen im sitzen den kopf sinken lassen, sieh Ruckert unterfrk. 62; Sartorius Würzburg 48; Heilig ma. d. Taubergrundes 68; vgl.genaugen (gnəugə) 'sich verneigen' Fischer schwäb. 3, 356; genauggen 'einnicken' Staub-Tobler schweiz. 4, 704; synonymes nauggen ebda; naucken, nauggen teil 7, 472; knaucken 'nicken' Schmeller-Fr. bair. 1, 1347; im sinne von 'wackeln':

dasz weisz kert sye (die betrunkene frau) her für in augen,
duth mit dem kopff hin und her gnaugen
Hans Folz in den fastnachtsp. 1212 Keller;

vgl. oben 2gnappen und unten gnaupen, ferner nucken, nücken 'eine nickende kopfbewegung machen, mit dem kopfe nickend einschlummern' teil 7, 974 (dazu Walde-Pokorny 2, 323); auch nugen 'schwanken' Höfer Österr. 2, 295; Lexer kärnt. 200.
 
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gnaunfen, vb., gnaunsche, f., gnaunschen, vb., s. DWB knaunzen teil 5, 1370 und das folgende wort.
 
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gnaunzen, vb., s. unter knaunzen teil 5, 1370; dazu gnauntzen 'unwillig keifen, belfern, in lästiger weise jammern' Unger-Khull steir. 297a; 'weinerlich sprechen, von kindern' Bayerns ma. 1, 252 (aus d. baier. wald). das gleiche wort liegt vor in bair. gnau zn 'knausern' Schmeller-Fr. 1, 1709; gnaunzen 'sparsam sein, geizen' Unger-Khull a. a. o. (daneben gnauen, gnautzen); 'geizig sein' Hügel Wien 69a. vgl. ags. gnuddian 'reiben', gnēad, gnēaþ 'karg, sparsam, geizig' und ohne die dentalerweiterung gnauen 'nagen, beiszen, zanken, weinen' (s. d.); der nasal in gnaunzen gegenüber gnauzen dient wie in zahlreichen anderen fällen als mittel der intensivierung, s. J. Berrer verbale bildungsmittel zur intensivierung im alemannischen (diss. Freiburg 1934) 51 ff., Wissmann zs. f. dt. altert. 76, 7 f.
 
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gnaup, f., kleines insekt, fliege: in dem damals sehr heiszen august ... er muszte sich ... fortwährend die winzigen 'gnaupen' vom gesicht wischen, die derzeit zu wahren plagegeistern wurden. aber allmählich verschwanden die tierchen. die dämmerung kam Storm s. w. 7, 111 Köster; vgl. aus dem gleichen mundartengebiet die synonymen bezeichnungen gnaupann, f. (aus Flensburg), gniep, f., gnapp, gnatt, gnipp, gnuck (stets n.), s. Mensing schlesw.-holst. 2, 406.
 
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gnaupe, f., stosz, schlag, vgl. 2gnaupen (knaupen) 'stoszen, schlagen' und knaupe, f., 'schnippchen' teil 5, 1370; stirnknaupe, -gnaupe, -knuppe, f., 'fingerstosz vor die stirne, schnippchen mit dem finger' teil 10, 2, 3203; auch chnûpis, m., 'schläge, prügel' Staub-Tobler schweizer. 3, 746: Hannibal, welcher sich mehr auff sein eigen bürger vertröstet, wann er eine schlachtordnung machet, ... liesz die söldner die erste hatz (kampf) unnd die gröbeste gnaupen empfangen Reinhardus Lorichius paedagogia

[Bd. 8, Sp. 630]


principum (1595) 373. hinsichtlich des etymologischen zusammenhangs s. unter 2gnaupen.
 
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gnaupen, vb. , eine lautvariante von 2gnappen mit den nebenformen knaupe(n) 'nicken, hinken' Schmeller-Fr. bair. 1, 1351 f.; naupen 'bewegungen machen wie ein hinkender, den kopf sinken lassen, nicken' Schmeller-Fr. 1, 1751; 'einnicken, sitzend schlummern' Fischer schwäb. 4, 1975. vgl. auch gnauken und seine varianten.
1) wie 2gnappen A 6 'mit dem kopfe nicken oder winken, einnicken, einschlummern' Fischer a. a. o.; mit dem kopf gnaupen 'den kopf sinken lassen, nicken' Schmeller-Fr. 1, 1751; gnaupm 'mit dem kopfe wackeln' Bayerns ma. 1, 256 (aus d. baier. wald): der des morgenst sitzt und gnaupt, so er seinem meister nottigs arbeiten sol (in einer hs. v. j. 1476) bei Schmeller-Fr. 1, 979; auch 'eine grüszende, ehrerbietige bewegung machen'; so in einer hs. des 16. jh. vom Würzburger städtekrieg 1397-1400 (dort gnappen conjiciert):

zem künige sie (die bürger) do giengen
und in frolich empflengen,
sie wurden fast mit kopfen gnauppen
Liliencron histor. volksl. 1, 175.

in gleichem sinne oder wie 2gnappen A 5 'sich verbeugen, knixen' u. ä.:

der (vom löwen vorgeladene fuchs) thet im fast gnawpen,
sprach: herr künig, ich pin entwicht,
der sach kan ich urteillen nicht;
weil ich hab ser die schnaupen (schnupfen)
Hans Sachs s. fabeln u. schwänke 3, 81 G.-Dr.


2) 'bewegungen machen wie ein hinkender' Schmeller-Fr. 1, 1751; vgl. 2gnappen A 2.
 
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gnaupen, vb., stoszen, schlagen Fischer schwäb. 3, 356: (sie) werden meineidig, gnauppen (raufen), stehlen, rauben C. Dieterich eccles. (1642) 2, 18; daneben steht synonymes naupen (s. d.) und knaupen: chnûpen prügeln Staub-Tobler schweizer. 3, 746; knaupen rhein. wb. 4, 894; dazu gnauperei, f., rauferei Fischer a. a. o.; knauperei rhein. wb. a. a. o., mit gleichem anlaut auch bei C. Dieterich: dieberei, rauberei, knaupperei weisheit (1627) 2, 656. vgl. auch oben gnaupe, f., 'stosz, schlag' und seine nebenformen.
die verschiedenheit der anlautform zieht sich durch die ganze sippe. zu dem anlaut mit gn- vgl. die formen der schwundstufe nd. gnuffen 'puffen, stoszen'; gnubben Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 653a; gnubbeln Mensing schlesw.-holst. 2, 417; gnubben in: Lauremberg scherzged. 127 Lappenberg; norw. gnubba 'stoszen, puffen'; schwed. mundartl. gnubba 'reiben, schieben' Falk-Torp 1, 552; ostfries. gnuppen Doornkaat-Koolman a. a. o.; elsäss. gnuppen 'rippenstösze geben' Martin-Lienhart 1, 265a; vgl. ferner teil 5, 1515 unter knuffen 3 b. — zum anlaut mit kn- vgl. ostfries. knfen 'stoszen, puffen', an. kneyfa 'drücken', ferner die nominalen bildungen knaup(e), m., 'knoten, knorren' (s. d.), schweizer. chnūp, m., Staub-Tobler 3, 745, ostfries. knūfe 'klotz, klumpen, knorren', an. knȳfill, m., 'kurzes, eben herausgekommenes korn', norw. und schwed. mundartliches knũv, m., 'runde spitze einer masse'. — zum anlaut mit n- vgl. teil 5, 1516 unter knuffen 3 c. hinsichtlich des zusammenhangs der bedeutungen 'schlagen, stoszen, puffen' und 'knoten, knorren' u. ä. vgl. Falk-Torp 1, 553 und teil 5, 1516 unter knuffen 3 d. — zugrunde liegt die erweiterung gneubh- der idg. wurzel gen- 'zusammendrücken, kneifen, zusammenknicken, zusammengedrücktes, geballtes', s. Walde-Pokorny 1, 583.
 
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gnausen, vb., 'sparsam, geizig sein' Loritza id. Viennense 52b, auch gnausern Hügel Wien 69a. dasselbe wie die aus md. und nd. mundarten stammenden worte knauser, knauserei, knauserig (-isch), knausern teil 5, 1372f., im anlaut wohl von gnau = genau 5 'sparsam, karg, geizig' teil 4, 1, 2, 3354 und gnau(n)zen (s. sp. 629) bestimmt, vgl. den hinweis von Loritza a. a. o.
 
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gnau(w)ranft, m., geizhals, eine dem synonymen (g)nagenranft entsprechende zusammensetzung mit 1gnau(w)en:

[Bd. 8, Sp. 631]


hie sihstu, leser, was gestalt
der mammon habe grosz gewalt ...
wie er sein dienern letzlich lohnt
und ihrer keinem nit verschont.
so es auch diesem gnauwraufft (lies -ranfft) gieng,
ausz schwermut an eim strick behieng
Kirchhof wendunmuth 2, 225 Österley.


 
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gnecklein, m., wohl 'winkeladvocat', vgl. das nürnbergische kneckeln und kneckler teil 5, 1401: andere geringere wollen auch einmal ihre ehrentitel und praedicata vergröszern: der copist will amanuensis, der gnecklein ein procurator, der knecht minister, der stalljung pferdverwalter ... und so fortan heiszen Grimmelshausen Simplizissimus 1, 236 Keller (erweiterte ausgabe Nürnberg 1684 und 1717); zu procurator 'juristischer anwalt' vgl. Carolina art. 115; österr. weist. 5, 907; 10, 366 und unter procurieren teil 7, 2157.
 
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gnef(f), m., der bettel, vgl. DWB nef teil 7, 519 und nefen 'betteln' Fischer schwäb. 4, 1985: es kompt auch aus dem sauffen uberflusz unnd mtwill inn alle ding, yedermann leget sich auff den gneff, nyemant wil arbayten Seb. Franck laster d. trunkenheit (1533) g 2a.