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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gefällig bis gefälze (Bd. 4, Sp. 2116 bis 2120)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gefällig, adj. zu gefallen als zeitwort und hauptwort, auch zu gefall und gefälle; mhd. gevellic, ahd. gifellîg Graff 3, 465. mnd. gevellich, nl. gevallig. auch oberd. noch im 15. jh. ohne umlaut: gevallig, placibilis. voc. inc. teut. i 6a (h 1a), gefallig Dief. 439b (s. II, 2). auch mit be- für ge- (s. sp. 1623) nrh. bevellick Teuth. 22b gleich gevellich, bequem 106a, wie bevallen placere Dief. nov. gl. 293b.
I. zu gefallen I, verstärktem fallen.
1) im eigentlichsten sinne in ungefellig abruptus Dief. 4c, s. dazu gefälle 1, e. auch noch oberbair. e gfellige albm, wo das vieh leicht in gefahr kommt über felsen zu fallen, wo gefälle ist. Schm.2 1, 706. vergl. schweiz. fällig was leicht umfällt Stalder 1, 352.
2) zu gefälle 2, b, glück, das noch schweiz. ist, ebenso das adj. gfellig cui fortuna favet Fromm. 3, 83a, Tobler 219a, von einem menschen dem alles gelingt, ungfellig durch zufall unglücklich Stalder 1, 352. im 16. jh.: perbeatus, gar glücksälig, überaus gefellig. Frisius 972b, Maaler 161d, gewiss schon mhd., wie ungevellic unglücklich, und noch bei Henisch 986 ungefällig, unglückhaftig, auch gefällig, dem es wol gehet, felix. ursprünglich gewiss auch vom glücklichen zufall, wie das im folgenden noch anklingt, nur mit II vermischt:

man sagt, dem sei ein glück beschert,
dem was gefälligs widerfehrt.
Henisch 1414, 39.

genauer aber eig. nur zufällig: gefällig, fortuitus, fortunatus. Henisch 1414, 14. mhd. auch für möglich, gevellic unde mügelich Konrad troj. kr. 28, wie schon bei Scherz 493 bemerkt ist.
3) zu gefallen I, 4, e, gefälle 3, von schuldigen zinsen, zahlungen, leistungen: ich wollte, das haus wäre fertig, und hättest nur eine stube drinnen vermiethet .. der zins müste alle ostern und michaelis gefällig sein. Chr. Weise erzn. 97; das geld ist gefällig, strafgefälliges geld Steinb. 1, 369; die zahlung ist auf michaelis gefällig. Frisch 1, 244b; meine zu johannis gefällige besoldung. Lessing 12, 305. s. auch fällig (6).
4) auch von tagen, fristen u. ä. (s. DWB gefallen I, 5, a): da der Georgentag an einem sonntag gefällig wäre; auf die woche, welche vor der aschermitwoche gefällig. Schm. 1, 520; das fest ist morgen gefällig. Steinbach 1, 369.
5) einem eines dinges gefällig sein, ihm worin beifallen, beistimmen, eigentlich bei der abstimmung, beschluszfassung im rate, zu gefallen I, 6, d, nur scheinbar zu II gehörig: des wolden om (ihm) die stete nicht gevellig syn. Rothes thür. chron. 458, var. gevolgig (Germ. 5, 230), auch volgen einem eines d. galt bei abstimmungen (noch nhd., s. Wickram unter II, 1, c), vgl. u. gefolgig 3; seine zwen brder sagten zu, seines raths gefellig zu sein. Aimon c; wollent ir aber meines raths gefellig sein, so belägerent disz schlosz. l ij, wo der dativ im, mir von dem gleich folgenden seines, meines gleichsam verschlungen ist.
II. zu gefallen, placere.
1) den übergang bildet die bedeutung geeignet, passend, gelegen u. ähnl., s. dazu DWB gefallen II, 1, b. 2, c.
a) so ahd. für idoneus, opportunus (mit subst. gifelligî congruentia), noch mhd. so vorherschend, z. b.: und werde in allin gevellich êre irbotin. Haupts zeitschr. 16, 262, zugleich gebührend; dâ von was daʒ gevelliger, daʒ éin persône die menscheit an sich næme. 9, 20;

(reitet) etswar ze einem walde ..
der iu dar zuo gevellec sî. Trist. 12734.

auch nhd. noch: gefellig, geschickt, aptus, bequem. voc. 1482 k 4b; gefellig zeit .. opportunitas. k 4a; gefellig aptus Dief. 43a.
b) daher auch gelegen, willkommen, dienlich:

hie mit ein ritter ryten kam,
der was mde und was hellig (erschöpft).
das für das was im gefellig,
wenn er was sere erkalt.
Büheler Diocl. 5604,

was auch heiszen könnte es gefiel im, kam ihm gelegen, wie man noch jetzt sagt die warme stube gefällt einem bei solchem

[Bd. 4, Sp. 2117]


wetter u. ähnl. noch im 17. jh.: das er lad, die im gfällig, ut quos ei commodum sit, invitet. Schönsleder N 8d (die ihm gefällig sind Aler 861a).
c) wie das von selber zugleich in die folgende bed. übergeht, zeigt z. b. auch: ich frage euch ehrbare scheffen, ob es heut zu tag zeit und platz seie .. hochgericht zu halten? darauf antwortet der älteste scheffen frei: wenn es den herren beamten also gefällig. weisth. 6, 666 (vom j. 1622), gelegen ist und beliebt; bei einer abstimmung im rate sagt ein 'ratsfreund' ich volgs (s. I, 5) dem obristen meister, der aber abwesend ist und ein tyrann, und erklärt dem erstaunten umfrager seine abstimmung u. a.: wann er heim kumpt und es (das beschlossene) im nit gefellig sein wirt, wirt (so l.) er das nach séinem gefallen machen. darumb volge ichs im. Wickram rollw. 160, 23. 161, 3; es sollen .. zwei fechter .. allweg ain jar oder solang es ainem ersamen rath gevöllig, zu inhabern der schulen erwölt werden. ordn. der Augsb. fechtschule, Adrian mitth. 277.
2) in der engeren bedeutung ist, wie es da ursprünglich heiszt wol gefallen (s. d. II, 2, a), auch wol gefellig eigentlich wol die volle wendung, gewiss schon mhd.: placidus, wol gefallig (noch unmittelbar an wol gefallen angeschlossen), woilgefellig Dief. 439b; wol geföllig, plausibilis Dasyp. 337a, wolgefellig 185d. noch jetzt geläufig, nur etwas altfränkisch klingend, auszer wolgefällige miene u. ä., wo man es zum subst. wolgefallen zieht.
3) wie lebhaft man anfangs noch das zeitwort dahinter fühlte, zeigt z. b.: ist es dem gemeinen manne noch nicht gefellig. Reutter kriegsordn. 61, vorher so es dem gemeinen mann nicht gefallen würde; vgl. den wechsel von übel gefallend und ungefallig im ack. aus Böhmen sp. 2109. so wird uns das alte gefällig sein oft erst klar, wenn wir gefallen dafür denken, z. b.:

wann wer der wält gefällig ist,
haiszt nit ain junger Jesu Christ.
Schwarzenb. 151a;

wo ich reime schreiben soll, die gefällig allen bleiben,
leg ich meine feder weg, und begere nichts zu schreiben.
Logau 2, 9, 29,

die durchgehends allen gefallen; aber dasz dieser autor mir .. meinen Imaus ... nicht passiren lassen will ... ist mir gar nicht gefällig. Simpl. 3, 392, 28 Kurz; einen gefälligen handel treffen, der uns gefällt. Adelung. noch Göthe brauchte es so als adj. zu gefallen, das dabei zu denken ist: der ländlichen wirklichkeit und einfalt, die uns hier gefällig umgibt. 25, 364, umgibt und so sehr gefällt; dort, an gefälligen plätzen, lagerten sie sich auf den rasen. 29, 221, die ihnen eben gefielen, ganz nach gefallen. nur der alte dativ steht nun nicht mehr dabei, und wo wir ihn noch setzen, z. b. kommen sie wenn es ihnen gefällig ist (s. 6), da ist gefallen daneben nicht mehr gebräuchlich.
4) zu gefallen von freude, behagen, zufriedenheit, gefällig als gefallen erweckend, freude machend u. ähnl.
a) so gott gefällig (vgl. gottgefällig) u. ä.: ein gott gefälliger mensch. Kant 6, 291; es ist nicht alles recht und gott gefällig, was glück und fortgang hat. Lehman flor. 1, 371; wer darinnen Christo dienet, der ist gott gefällig. Röm. 14, 18; gerechtigkeit, die im gefellig ist. Luc. 1, 75; ich will dich füren den weg, darinnen du mir gefellig wandelst. Luther 1, 24b, s. auch vor gott gefällig 7, a;

nach dieser ehr' lasz, herr, mich trachten,
dasz ich nur dir gefällig sei.
Rist himl. lied. 2, 243;

dasz ich mit newem muht ...
werd dir gefällig wider.
Weckherlin 331;

menschen gefällig: gedenk ich menschen gefellig zu sein? Gal. 1, 10; der welt, allen gefällig s. unter 3;

wer mir in gunst will wonen bei,
red stäts das mir gefällig sei.
Schwarzenb. 134a;

wie will doch ein menschen und gott gefälliges leben aus verderblichen grundsätzen entspringen? Göthe 48, 8. vergl. gottgefällig.
b) bemerkenswert verstärkend mit süsz verbunden: da wirt gott dem herzen so lieblich und gefellig und süsz, das es nit mehr begert. Luther bei Dietz 2, 36b, von sinnlichem behagen entlehnt nach art der mystiker, sodasz es wol zu dem gefallen II, 4, a von wolschmeckendem wein stimmt und es bestätigt, auch z. b.: als am tisch, wie der wein (der gut war) ieglichem gefiele, herumb gefragt ward. Kirchhof wend. 1, 190 Öst.
c) sich einem gefällig machen, ihm zu gefallen etwas thun oder zu gefallen leben (sp. 2101): gleich wie ich auch jederman in allerlei mich gefellig mache. 1 Cor. 10, 33. jetzt sich einem gefällig erweisen Frisch 1, 244b, der sich jederman gefällig zu erweisen sucht, omnium votis inserviens. Weber 329b. auch sachlich, einem etwas gefälliges erweisen, wie sonst eine

[Bd. 4, Sp. 2118]


gefälligkeit: es war ihr angenehm, ihrem gönner ... etwas gefälliges zu erweisen. Göthe 17, 385 (wahlv. 2, 16), was ihm gefiele;

siehe, dir bin ich nun nach Rom gefolget, ich möchte
dir im fremden gebiet gern was gefälliges thun. 1, 277 (röm. el. 13).

vgl. DWB was gefälligs aus Henisch unter I, 2.
d) einem gefällig sein, zu gefallen, zu willen, auch gegen einen gefällig sein: freilich sollte so ein blindlingsgefälliges werkzeug (eines buchhändlers) eine bescheidenere sprache führen. Lessing 6, 3. als höfliche wendung: wenn ich ihnen damit gefällig sein kann, sehr gern, wenn ich ihnen damit einen gefallen thue; wollen sie wol so gefällig sein? mir den gefallen thun? auch so: auf ihr gefälliges schreiben erwiedere ich, abgekürzt aus: das sie so gefällig waren an mich zu richten. und im adv.: wollen sie gefällig platz nehmen? ich bitte gefälligst platz zu nehmen, was doch zugleich verschwimmt mit wenn es (ihnen) gefällig ist, s. 6. vgl. dienstgefällig.
e) aber auch gefallen ausdrückend: do der hailig vatter ersach den personlichen man (ihn selber) .. (hat er) mit gefelligen anblick in mit der abty uszer bäbstlichen gnaden .. versehen. Oheim chron. von Reichenau 160, 19, placido vultu, freundlich, wie jetzt noch mit wolgefälliger miene;

und der göttin blick weilet gefällig auf mir.
Göthe 1, 320,

zugleich für gefallen empfindend, s. 8 und gefälligkeit 5, gefälliglich.
5) zu gefallen gut dünken (s. dort II, 3, a); daher gleich dem heutigen plausibel: wol geföllig, das man mit frolockung annimpt, plausibilis. Dasyp. 337a; (einem etwas) gefellig machen, machen das einer etwas gt befindt, probare. Maaler 161d, vergl. Aler 861a. auch von einem beschlusse, anordnung einer behörde: was den vattern (patribus) gefellig, das er offentlich .. antwort geben solt. N. v. Wyle, leseb. 1040, 11, d. i. placuit, placitum est, s. dazu sp. 2111. von einwilligung, zustimmung:

Sanct Peter ward wol halber schellig (aufgeregt, bös).
iedoch weil ers im hat gefellig
erst laszen sein und drumb gebeten,
muszt er das göttlich ampt vertreten.
Waldis Es. IV, 95, 234 (2, 263 Kz.),

wie sich gefallen lassen sp. 2114. auch ohne dat.: in einem kaiserlichen briefe vom jahre 1449, welcher schiedsrichter für eine fehde bestellt: und waʒ sie auch hierinne handeln, fürnemen, gepieten, tun und beslieszen, daʒ wollen wir gefellig halden. Nürnb. chron. 2, 164, 4, für genehm achten, gut heiszen.
6) beliebig, zu gefallen belieben (s. dort II, 3, besonders e):

ain iedes stirbt z rechter zeit,
wie gott sölchs würt gefällig sein.
Schwarzenb. 151a;

es begegne uns was gott gefellig sei. Aimon m. noch im 18. jh. für beliebig: der anführer ... wählt eine gefällige anzahl verdammter seelen zum schmause für seine untergebenen. Klinger 3, 18. noch jetzt als höfliche wendung (s. DWB gefallen II, 3, d): ist dirs gefällig, so .., si placet, si tibi videtur Weber 329b; wenns gefällig ist, ladet z. b. der vorsitzende zum beginn der verhandlung ein. auch nach den wünschen eines andern fragt man so, z. b. der wirt bei tische, der kellner im wirtshause: was ist gefällig? womit kann ich dienen? man könnte das schon bei Nicl. v. Wyle finden in der widmung seiner translat.: und bitt das eüwer gnad disz .. werklin wöll von mir sovil gefelliger annemen .. als .. Wackernagel les. (1839) 1038, 27.
7) besonders entwickelt ward es in der bedeutung 4, gefallen erweckend, gefällig schlechthin, ohne dativ.
a) so schon in älterer sprache vor gott gefällig (vgl. 4, a): meine lere ist fur dir recht und gefellig. Luther bei Dietz 2, 36b; was recht und gefellig ist fur dem herrn. 5 Mos. 12, 28; thue was fur im gefellig ist. 1 Joh. 3, 22, ἀρεστὰ ἐνώπιον αὐτοῦ.
b) allgemein gefallend, allen leuten gefallen erweckend, beliebt u. ähnl. (vgl. DWB gefallen II, 5, b):

weil sich ihrer jugend pracht
überall gefällig macht.
Günther 273;

ich finde ohnedem in der liste seiner werke nichts verliebtes, und es wäre schade, wenn er der welt sein poetisches talent von einer so gefälligen seite verbergen wollte. Rabener (1755) 1, 213; man befleiszige sich leutseliger und gefälliger sitten. Gellert 7, 158;

sie tritt herbei.seht sie gefällig stehn!
nur absichtslos, doch wie mit absicht schön.
Göthe 13, 142;

alles ist glied (an ihr), und alles gelenk, und alles gefällig. 1, 359;

[Bd. 4, Sp. 2119]


das gefallen an sich selbst, das verlangen dieses selbstgefühl andern mitzutheilen, macht gefällig, das gefühl eigner anmuth macht anmuthig. 22, 45 (wanderj. 2, 3); trat ein munterer, wolgebauter, gefälliger mann herzu. 22, 39; und euch dadurch selbst die freude verkümmern möchtet, in gefälliger gesellschaft zu sein und selbst zu gefallen. 22, 42, wo gegenseitiges gefallen der grundton ist; die gute gesellschaft in Frankreich ist weichlich, sanft und gefällig. Sturz 1, 113 (1786 1, 296), complaisant. vgl. DWB allgefällig.
c) daher für freundlich, anmutig, leicht ansprechend u. ähnl.: dasz die folgenden gedichte nicht so sehr den erhabenen, als den gefälligen character der ode zu besitzen wünschen. Hagedorn 3, III, vgl. s. 23; das talent seines leichten gefälligen reims. Gotter 3, 15, ebenfalls zugleich im gegensatz zum ernsten, würdigen, nach hohem strebenden, es ward lange so ein lieblingswort der zeit, auch bei Schiller und Göthe, zugleich ein versuch das übelklingende graziös deutsch auszudrüeken; der kriegerische inhalt (der Äneide) .. die gravität seines ganges werden durch eine gefällige versart gemildert. Schiller VI, 344, 19;

wie machen wirs, dasz alles frisch und neu
und mit bedeutung auch gefällig sei?
Göthe 12, 9;

tod alles schönen und edlen ists zu glauben, dasz die kunst alles, auch das ekelhaft widrigste gefällig behandeln und damit töne des menschlichen herzens verwirren dürfe. Herder Adrast. 5, 273. wieder auch als höflichkeit: frau v. Racknitz bitte ich in den gefälligsten worten, die sie finden können, in meinem namen zu danken. Falk bei Böttiger lit. zust. 2, 290.
d) daher auch geradezu gleich schön oder sich ihm nähernd, mit der angedeuteten färbung: der hof herzog Friedrichs II. (von Gotha) hatte auf mancherlei art die gefälligen wissenschaften begünstigt. Schlichtegroll im leben Gotters, in dessen werken 3, xviii; das seltne und gefällige talent Gotters. das. xv; vergl. die wissenschaften zum vergnügen Lessing 1, 178, die fröhlichen wissenschaften Hagedorn 3, iv;

behieng ich je
mit kränzen dein (Apolls) gefällig heiligthum.
Bürger 142a;

schön ist er wirklich (der kranz). sieh ihn nur an! es wechseln die schönsten
kinder Florens um ihn, bunt und gefällig, den tanz.
Göthe 1, 306.

vgl. schon im 17. jh.: oft sehen das gefällige thut den augen wol. Henisch 1414, 55.
8) wie vielseitig das wort ist (dabei mit fortwährendem verflieszen mehrerer seiten), zeigt gefällig schlechthin gleich selbstgefällig: von dem ersten zarten selbstgefühl, wenn das mädchen verweilt, den krug aus dem klaren wasser wieder herauf zu heben, und indessen ihr bild gefällig betrachtet. Göthe 20, 200 (lehrj. 8, 5), gefallen empfindend an sich selbst, vgl. 4, e.
9) auch für mild, nachgiebig, selbstvergessen willig u. ähnl. (eigentlich: nur andern zu gefallen lebend), wie lat. placidus: placidus, gefellig, gar (ganz) senft. Melber s 1b; placabilis, mitigabilis, exorabilis, erbitlich, ein gefelliger. das.; gefelliger, placidus, mansuetus, tranquillus. voc. 1482 k 4b. zu belegen ist das schon mhd. und noch nhd.: denken (imp.) dâ bî, dâ ein junkherre einer küniginne kamerer wære, wie gevellich, wie snel, wie zühtic alleʒ sîn leben (thun und lassen) müeste sîn. myst. 1, 521; er .. hatte milchhaare im bart und flachshaare um die schläfe, er war so gefällig wie ein weidenschöszling. Göthe 8, 54. 42, 67 (Götz v. B.).;

wenn drache und tiger
gefällig sich neigt (vor Amor).
Herder von d. art u. k. 64.


 
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gefälligkeit, f. subst. zum vorigen, mhd. gevellicheit. nl. gevalligheid.
1) gefelligkeit, aptitudo. voc. 1482 k 5b, s. gefällig II, 1. mhd. auch in andern bedeutungen, die noch genauer zu beobachten und einzureihen bleiben, s. Lexer.
2) gefälliges wesen, anmut, schönheit u. ä. (s. gefällig II, 7):

wachse nun an glück und jahren
so, wie an gefälligkeit.
Günther 177;

rosmarin und nelken schwinden,
wenn sie welken, an gefälligkeit. 919;

glücklich, wem doch mutter natur die rechte gestalt gab ..
jeder nahet sich gern, und jeder möchte verweilen,
wenn die gefälligkeit nur sich zu der gestalt noch gesellet.
Göthe 40, 296.


3) gefälliges thun, verhalten u. ähnl., blanditiae, gratiositas Aler 861a.
a) im allgemeinen, als verhalten und gesinnung: verweigerten ihm, aus blinder gefälligkeit gegen Ferdinand, sogar den titel

[Bd. 4, Sp. 2120]


eines königs. Schiller 923b, eigentlich zu gefällig I, 5, doch nun in der zweiten bedeutung aufgehend; in Meiningen (bei hofe) hat man mich auf das allerartigste behandelt, es ist ohnmöglich mehr attention, freundschaft und gefälligkeit zu haben. Göthe an frau v. Stein 2, 203.
b) im bestimmten falle der äuszerung, eig. gleich gefallen 1, c: darf ich mir eine andere gefälligkeit ausbitten, so .. Gellert lustsp. 1748 s. 338; das wird mir die gröszte gefälligkeit sein. 341; endlich bitte ich sie um eine neue gefälligkeit. an dem. Lucius 44.
c) daher auch im pl., der zudem dem subst. gefallen abgeht: ich habe ihm einige gefälligkeiten erzeigt. Göthe 27, 150. dazu gefälligkeitswechsel, austausch von gefälligkeiten: dasz man mit nachbarn und nachbarinnen im besten vernehmen und immer in einem ewigen gefälligkeitswechsel stehen müsse. 20, 290 (lehrj. 8, 10).
4) auch gleich selbstgefälligkeit (vgl. gefällig II, 8): ich weisz nicht, welches von beiden mich hier mehr befremdet hätte, ob die kindische neugier des publikums, oder die eitele gefälligkeit des dichters. Lessing 7, 163 (hamb. dram. 36. st.).
5) auch für gefallen das man empfindet und das sich ausdrückt (s. gefällig II, 4, e): ihn mit gefälligkeit betrachtend stand der vater. Göthe 21, 66 (wanderj. 1, 4). vgl. Weckherlin unter gefälliglich.
 
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gefälligen, gefällig sein, einstimmen: darinn aller anderer will und meinung einander gefelligten. Kirchhof wend. 169.
 
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gefälliglich, adv. placibiliter voc. inc. t. i 6a; mit gefallen, zufriedenheit (vgl. gefällig II, 4, e):

ich reinige mein alte brust,
auf dasz du mögest selbs mit lust
in ihr, mich allzeit zu regieren,
hinfür gefälliglich losieren.
Weckherlin vorr. zu d. ps. 5.

mhd. gevelleclîchen, auch adj. gevelleclich, passend, entsprechend, s. Lexer 1, 960.
 
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gefallsam, gefällig, wolgefällig: macht sich in (den frauen am hofe) mit reden und geberden gefalsam. Wilw. v. Sch. 33; darumb das er auch dem schlair (der verschleierten geliebten) gefalsam sich in schimpf und ernst hat sehen laszen. 64. mhd. gevallesam, angemessen, entsprechend.
 
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gefallsucht, f. sucht zu gefallen, coquetterie, für letzteres von Campe vorgeschlagen (s. das verdeutschungswb. 228b) und schon im vorigen jahrh. angenommen: die grundzüge des neides, der gefallsucht. Thümmel (das.);

gefallsucht lenkt das herze dir,
die liebe lenkt es nicht.
Platen 10.


 
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gefallsüchtig, für franz. coquet von Campe vorgeschlagen und in gebrauch gekommen; vgl. schon Heynatz antib. 2, 13.
 
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gefälte, n. coll. zu falte: plica ein falde, plicatura das gefelde. Trochus M 2b; kleinknittriges gefälte (in gewändern auf alten bildern). E. Förster gesch. d. d. kunst 2, 171.
 
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gefältel, n. ebenso, doch mehr verbal, zu fälteln.
 
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gefalten, das alte part. zu falten; auch mehr adjectivisch, wie zum subst.: gefaltene angesichter, voller falten. Olearius pers. ros. 5, 10; ein gefaltener trauerschieier. das., in viele falten gelegt.
 
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gefälze, gefalze, n. coll. zu falz. mit umlaut, mhd. gevelze Lexer 1, 960, im 16. jh.: in dise tiefe leg man flach und hol ausgehauen rinnen von hertem stein, der das wetter leiden möge, gefelz an einander gestoszen ... das alles gar rein verfget und vergossen (mit blei in den fugen). Dürer underr. zu befest. der stett E iiija, was doch wie adj. oder adv. klingt. ohne umlaut, d. h. verbal (zu falzen): das gefalze an den säulen, striatura. Frisch 1, 246a.