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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gediegen bis gedille (Bd. 4, Sp. 2020 bis 2025)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gediegen , fest, tüchtig, trocken, geronnen u. ä.
1) es ist eigentlich das part. praet. zu gedeihen, urspr. mit kurzem vocal (daher eben das -g), mhd. gedigen, ahd. gadigan, alts. githigan, s. unter gedeihen I, b. im 15. 16. jahrh. auch getigen (2, b. 4), das meint aber eigentlich tigen (s. digen), d. h. mit t- für gd- nach sp. 1606 fg. mnd. gedegen, auch bei Luther, s. 3, e. 6.
a) daher als adj. und part. nebeneinander z. b. im 16. jahrh.: von verwesung der gedigenen erz, so ir akmi (griech. ἀκμή, wol als alchymistisches kunstwort) und volstendige kraft erreicht und dahin gediegen und kommen sein, dasz sie iren stillstand haben (im wachsthum), wie ein mensch in seinen vierzig

[Bd. 4, Sp. 2021]


jaren, können wir von aller naturkündiger grund und schlusz nit weichen, (d. h.:) was da wird und wechst, das vergehet und verweset auch. Mathes. Sar. 62b (6. pred.), er erklärt zugleich den bergmännischen ausdruck, wie man ihn damals noch richtig verstand: gedigen erz (er schreibt auch gediegen, s. 2, a), das zu seiner vollkraft gewachsen, gediehen, ausgewachsen ist (von der behandlung der erze als lebender wesen beim bergmann s. z. b. sp. 1229), es ist der begriff von gedeihen II, 1, a, s. ahd. gadigan maturus dort und bei Veith bergwb. 221 die belege für wachsen vom erz, auch gewachsenes gold, silber, kupfer gleich gediegenes.
b) dasz gediegen zu gedeihen gehört, ist bis ins 18. jahrh. auch nicht blosz sprachgelehrten bewuszt geblieben, das zeigt, dasz man bei der wiederherstellung des -h, wenigstens fürs auge (s. gedeihen I, d), auch gediehen bildete: dasz sie mir nicht allein mein pferd, sondern auch ein klein paquet gediehenes gold nicht abnahmen. Felsenb. 2, 305;

das bergwerk steht in deiner (gottes) hut,
in deinem namen wird's gemuth't,
bestätigt und verliehen ..
du machst das erz gediehen. 'alter bergreihen' bei
Veith 221.

umgekehrt gediegen im 17. jahrh. noch als part.:

allein' in diese stein' ist eine kraft gediegen,
den krocodil zu fälln, den drachen zubesiegen.
Lohenstein Cleop. 124, 727,

s. dazu gedeihen I, b. noch im 18. jh. stellt Steinbach 1, 269 zur auswahl: gediehen, gediegen, solidus, perfectus.
c) wertvoll ist daneben (zugleich als nachtrag zu gedeihe adj.) eine var. zu 4 Mos. 10, 2 mache dir zwo drometen von tichtem silber, im ersten druck: von gedeyem silber; Luther als bergmannssohn verbürgt da das adj. gedeihe als bergmännisch gleich gediegen (auch dicht gehört zu gedeihen), wie der gedeye mann bei Schoch sp. 1984 hier sein gegenstück findet in dem gediegen unter 3, d.
2,
a) im eigentlichen gebrauch jetzt nur noch gediegen erz u. dergl. (s. 1, a), nur zufällig vor dem 16. jahrh. nicht belegt: derb und gedigen silber und gold. Mathes. Sar. 2a; gott wird dir ein land einreumen, darinn .. du gediegen kupfer aus den bergen hawen wirst. 5b; wie es die tiefgelerten dafür halten, das auch in unverritztem felde solcher dunst und feuchtigkeit in offnen gengen und klüften übersich steige und unterm rasen gestehe (fest werde) und gedigen werde. 62a, sich zu reinem erz bilde; in unsern gengen und fletzen bricht zweierlei silbererz. das eine ist gar (ganz) sichtig, derb, gedigen oder lauter silber, das ander bricht in allerlei bergart. 63a; gediegen weisz silber. das.; ich hab auch braun gediegen silber gesehen. das.; das ist sehr gemein, dasz weisz silber aus gediegem glaserz spreiszet. 63b;

ir silber und rot gold gedigen.
Stephani geistl. action 1568 B ija.

Im gebrauch ist es übrigens durch massiv bedrängt oder verdrängt, das deutsche lebendige wort durch ein kaltes todtes fremdes, wie so oft; schon im jahre 1710 weisz Hertwig im bergbuch 157a unser wort nicht anders zu erklären als durch das fremde (was sich immer öfter nötig macht): gediegen ertz heiszet, wenn das silber oder ander metall massiv in denen gängen gefunden wird, oder sich prägen lässet ehe es ins feuer kommet (Veith 221, der 'in der natur rein vorkommend' erklärt). Es hat sich auch ein unterschied gebildet im leben, den schon Ludwig 706 vorbringt: »gediegen gold u. s. w. 1) dicht gold, so inwendig nicht hohl ist, massy, massive or solid gold (z. b. leuchter von gediegnem silber); 2) solch gold, silber, zinn, kupfer u. s. w., so noch nie in keinem feuer und keiner scheidung bedürftig gewesen, sondern von sich selbst zu seiner behörlichen substanz und perfection gediehen ist.« auch Veith gibt eine bergmännische unterscheidung in zwei begriffe. s. schon Adelung, der das wort nur in dieser bedeutung kennt. übrigens auch dän. schwed. entlehnt gedigen. eigen ist gediegen für gediegen gemacht: ein nicht gegossenes, sondern mit dem hammer gediegenes bild, statua holosphyrata Aler 856a.
b) das ist aber eigentlich nur eine einzelne anwendung des allgemeineren begriffes, den im 15. jh. Melber so angibt: solidum, firmum, fest uf einander, non rarum, stark und werig, getygen nahe by einander. varil. y 3a (Dief. 541a), ohne komma nach getygen, das doch wol zu setzen ist. so von holz: gediegen holz, levigantis (?) voc. 1482 k 4a, nach der lat. glosse wol als tischlerwort, vom hobeln; es ist kein gedigener und derhalben auch schwerer holz, als ebenus und bux. Henisch 1407, 66. 576, 50, eig. wieder: gewachsen, genauer gut ausgewachsen, fest gewachsen,

[Bd. 4, Sp. 2022]


durch und durch in sich selbst u. s. f. (s. auch unter 4). von erde: gedigen, fest erdrich, terra solida Henisch 1407, 53, im gegensatz zur lockeren. s. auch auf die zeit angewandt gedigen, ununterbrochen unter 5.
c) für fest brauchte es Voss gern, der guten alten worten nachtrachtete, um sie wieder zu beleben:

denn rückwärts bog sich die spitze
auf den gediegenen schild. Ilias 3, 349, ἀσπίδ' ἐνὶ κρατερῇ;

aber umher am gediegenen estrich die freier
über einander gestreckt. Od. 23, 47, κραταίπεδον οὖδας;

geht sie hinein in den wild aufbrandenden strudel,
wo sie den tritt aufsetzt, als wär es gediegenes ufer. ders. bei
Campe unter tritt;

stracks wird von dannen geschleppt und gesperrt der Tyrrhener Acötes
in ein gediegnes verschlosz. Ov. 1, 198 (19, 187, met. 3, 696), solidis in tectis;

weisz dann wirbelt die flut, und schnell
harscht der bach, und im see heulet gediegener frost. ged. 1802 1, 7, 1825 3, 3 (der winter),

doch wol: wo es 'fest friert', wie man sagt; da er (der palast) aus gediegenen flammen erbaut ist. Wieland 12, 255 (Sylv. v. Ros. II, 6, 2).
3) der bildliche gebrauch war von haus aus weit manigfaltiger als jetzt.
a) von menschen,
α) lauter und rein von unechtem, falschem:

hast mich befunden ganz gedigen
und wolgeläutert von betrug.
Weckherlin 55 (ps. 17, 4),

wo nach dem wolgeläutert deutlich an gold o. ähnl. gedacht ist, vgl. rein wie gold, lauter wie gold.
β) in sittlicher anwendung auch anders im 17. und 18. jh.: der mensch ist ganz gediegen, ingenii mansueti, humani, pacifici. Stieler 312; gediegen, gutwillig, facilis, mollis Aler 856a, sanftmüthig, eingezogen, humble, retiré, modeste Rädlein 329b, biegsam, zahm M. Kramer 1787 164b; einen durch strafe, schläge u. ä. gediegen machen Aler, M. Kramer, ob nur vom hämmern des goldes, kupfers u. ä.? vergl. d am ende, auch e, β, auch mit dem hammer gediegen unter 2, a a. e.
b) anders, gleichfalls nach dem metall, für fest, hart: so hält er für .. energie .. was bei ihm nur eiserner starrsinn ist .. und um ihn recht gediegen zu machen, schlagen noch die vorurtheile des standes .. darauf. Klinger 11, 207, als eisen gedacht, das der schmidt hämmernd gediegen macht.
c) jetzt ist es geläufig für durch und durch tüchtig, in sich fertig oder reif o. ä. so spricht man von gediegener bildung, die sich einer erworben, auch von gediegenem wissen, gediegenen kenntnissen, als einem theil jener; es wird dabei wol durchgehends an das gediegen von metall 2, a gedacht; die gediegene bildung ist eine art durchbildung, die den ganzen menschen oder geist durchdrungen hat; die bildung selber braucht übrigens doch lieber das franz. solid, solide, das auch gleich gediegen von metall gebraucht wird. gediegner witz, gediegene worte, gehaltvolle, nicht hohle:

wen kümmert es, was ein poet urtheilt? doch, zeigte sich einer empfindlich,
übertreff' er ihn auch, denn er macht sich dadurch zu gediegenern
worten verbindlich.
Platen 278 (1847 4, 73).

Früher aber hat man dabei auch an das gediegen 2, b gedacht, in sich ausgewachsen; so wol im folgenden: gediegene weisheit, wie sie das alter hat, ausgereifte, z. b. Elisabeth zu Talbot:

ich kenne eures eifers reinen trieb,
weisz, dasz gediegne weisheit aus euch redet.
Schiller XII, 453 (M. Stuart 2, 3).

gediegner sinn, kernig gedrungen: liebst du runden gediegnen sinn, so bist du (als schriftsteller) karglaut und setzest da der wörtlein nur etliche, wo andre ganze lange zeilen daher laufen lassen. Klopstock 12, 151. wie alt ist diese anwendung? noch Adelung kennt sie nicht. jetzt auch schon ironisch umgekehrt (wie gelungen): das ist aber gediegen! d. h. albern, sonderbar oder ähnl.
d) oft md. im 17. 18. jh. ein gediegner mann u. ähnl., der es zu etwas gebracht hat, angesehen in der gemeinde und wolhabend u. ähnl., wol was jetzt ein gemachter mann heiszt: in summa wer das mädgen wird kriegen (zur frau), der ist ein gediegener mann bis ins sechste und siebende glied. Chr. Weise comöd. 110; wenn die heirathen fortgehen (ihren fortgang haben, zu stande kommen), so sein wir gleichwol gediegene leute. 307; ach bin ich nicht ein narr gewesen! ach was vor ein gediegener mann könte ich ietzund sein. erzn 67;

[Bd. 4, Sp. 2023]


deswegen bleibt sie doch eine gediegene princessin, wenn gleich die hoffnung ihres königreiches zu schanden gehet. comöd. 172, wo deutlich wird, dasz die äuszere geltung, reichthum u. dergl. zum begriffe wol wünschenswert, aber nicht notwendig waren, dasz er doch mehr innerlich war, eigentlich ein fertiger mann, ein vollkommener u. ähnl., was ja ein gemachter mann ursprünglich auch meint. dazu gehört denn offenbar auch aus dem 16. jahrh. md.: die zuvor hie auf erden in diesem leben sind gewesen reich, gewaltig, frölich und gediegen, werden alsdenn sein trawrig und verdampt. Luther hauspost. 1559 15a (Dietz 2, 33b), doch mehr äuszerlich, in gesichertem daheim o. ä. s. auch das gleichbedeutende md. gedeyer mann unter gedeihe. es gehört zu gedeihen 2, b, eigentlich ein mann, der 'gediehen' ist, d. h. geworden was er nur werden kann als mann, das naturziel erfüllt hat (s. sp. 1986 m., auch ahd. 'perfectus' unter e, γ), was denn je nach neigung verschiedene auffassung zuliesz, von der äuszerlichsten bis zu der sittlich innerlichsten, wie sie in Rädleins gediegen unter a in einem späten bruchstück vorliegen wird.
e) das bestätigt und verdeutlicht sich noch weiter rückwärts.
α) vollkommenheit des mannes als helden bezeichnete es ahd., ags., s. das gidigan, geþogen im zujauchzenden ruf an sieger, helden sp. 1989 (g); ein nachklang davon ist wol mnd.: mit so mennigem ridder wol gedegen. Hamb. chr. 194, 26 (Schiller u. L. 2, 28a), was gewiss auch gedegen, gedigen allein hiesz, da gedîhen an sich eigentlich schon gleich wol gedîhen war, letzteres nur im gegensatz zu übel gedîhen (sp. 1988) sich nötig machte.
β) bemerkenswert aber mnd. auch für klug, in der sogenannten Repgauischen chron.: Galba, en gedegen man, wart de seste keiser. deutsche chron. II, 98, 27, für prudens homo. daraus liesze sich denn Rädleins gediegen modeste u. b auch begreifen, da ja bescheiden ursprünglich klug, einsichtig bedeutete. da wäre denn weisheit als die wahre vollkommenheit des mannes gedacht, zugleich wol zusammenfallend mit ahd. gidigan grandaevus, provectus aetate (s. gedeihen 1, b).
γ) aber auch entschieden sittlich gefaszt in einer schönheit und ausdehnung, wovon die ältesten quellen leider mehr nur eine ahnung verstatten: ahd. gidigan war auszer dem allgemeinen precipuus, perfectus auch serius, severus, gravis (vgl. gediegenheit am ende), ja castus, das subst. gidiganî f. auch serietas (vultus), castitas, pudor (Graff 5, 107. 108), also von innerster, höchster reife und vollkommenheit des geistes und gemüthes (s. noch mhd. unter gedieglich); daher z. b. von Jesu in der versuchung durch den teufel:

sprah er odo deta waʒthaʒ was al githiganaʒ.
Otfrid II, 4, 22.

gesteigert thuruhthigan, unserm durchgebildet nahe tretend, wenn auch das thuruh- dem lat. per- von perfectus entnommen ist: weset ir thuruhthiganê, sôsô iwar fater thie himilisco thuruhthigan ist. Tat. 32, 10, übers. von estote perfecti etc.
δ) hierher gehört denn auch (zugleich als nachtrag zu gedeihen) und hier erklärt sich ags. geþungen sobrius Grein 1, 471, môde geþungen Beow. 625, von hohem edlem sinn, wîs, wel þungen 1928, weise und von edelstem sinne, þeáwum geþungen Jud. 129, in sitten und charakter vollendet, auch geþungen allein für hervorragend, ausgezeichnet. denn diesz þingan, geþingan ist eine altberechtigte nebenform zu dîhan, gidîhan, die sich auch alts. verrät in êrthungan vom h. Petrus Hel. 3306, âthengian vollenden, zur vollkommenheit bringen. das verhältnis ist wie zwischen alts. fangan und fâhan, hangan und hâhan, ahd. dringan und goth. þreihan (vgl. schon Diefenb. goth. wb. 2, 701. 716).
4) gediegen getrocknet, zu dem oberd. gedeihen 6 gleich eintrocknen, s. schon dort aus dem 15. jh. von werkholz das man liegen läszt, damit es gedigen, wol gedigen werde (sp. 1992), vergl. hier aus Henisch unter 2, b; zu meiden sind (für den kranken) eingesalzen oder gediegen fleisch oder fisch. Paracelsus 1, 1121b, gedörrtes, geräuchertes; kein gediegen fleisch, kein schweinins. 1, 689b; netz das futter, auch gib im darunder rinderin getigens und gerauchts fleisch. Seuter rossarzn. 113; gedigens und grns fleisch. Fronsp. kriegsb. 1, 126a; bei Henisch 1407 gedigen, geräuchert fleisch, gedigen fisch, z. b. plateisen und rachen, passeres et raiae siccatae, auch gediegene feigen, fici aridae, caricae, gedigene weichselen, cerasa duracina, insolata; digen machen am rauch, torrere. ders. 708, 43. s. auch unter digen und Schmeller2 1, 497 unter deihen. der grundbegriff ist doch auch hier: fest geworden; daher von milch, geronnen: (nimm) dru tail wassers und getigner milch ain tail, und siude daʒ, bis (bis es) walle. Weigand s. v. aus einer hs. von 1400.

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5) gedigen als adv.: nach disem studiert er etwann ein halb verloren stündlein, mit gar genawen (nahen) augen auf das buch gedigen gericht, aber das gemt in die küchen geschicht. Fischart Garg. T 5b, 1594 162b (Sch. 302 gediegen, gericht), offenbar für ununterbrochen, also wieder gleich dicht (s. u. 1, c), vgl. Melbers getigen, nahe bei einander u. 2, b. man sieht zugleich wieder einmal, wie mangelhaft die bezeugung und beobachtung des wortes noch sein musz.
6) das nd. gedegen auch md., in einer reimenden formel: darumb ists ihrem herodischen regiment gar nichts (nicht) gelegen noch gedegen, das die magi anfahen vom liecht des evangeli zu reden. Luther ausl. d. ep. u. ev. vom christtag 1525 kkk ijb, bei Dietz 2, 31b, eigentlich wol: mir ist es gediehen, d. h. eben so weit gewachsen, gekommen, als es mir recht ist, zu gute kommt, s. mir gedeiht unter gedeihen 4, von früchten u. a. vgl. auch ags. geþungen für aptus Grein 1, 471, und das nhd. gewachsen mit dat., eigentlich grosz genug.
 
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gediegenheit, f. subst. zu gediegen, bei Stieler 313 puritas, soliditas (von metall) und mansuetudo, comitas, humanitas (zu gediegen 3, a); z. b.: jene gediegenheit des ausdrucks, wo jedes wort richtig gewählt ist, keines einen nebenbegriff zuläszt, sondern bestimmt und einzig seinen gegenstand bezeichnet. Göthe 33, 162, wo ausdruck und gedanke gleichsam zu éinem ganzen zusammengewachsen sind; aber innen die mitte ist blutlos, leer, verarmt .. und wie .. die innere bindung sich löst, wird das lebensfeuer immer flatternder, ein bloszer phosphorescirender schein, weil die innere gediegenheit zerflossen. Görres Eur. u. die rev. 192. übrigens schon später ahd. gedigenheit provectus (s. unter gediegen 3, e, β) Graff 5, 108, mhd. vollkommenheit, auch für ernst, würde u. ä. (s. gediegen 3, e, γ), s. Scherz 490, Lexer 1, 770; auch gedignicheit, ernst, würde Haupt 16, 257, was eine weiterbildung gedigenic voraussetzt (doch vgl. DWB V, 502 m.), die form würde nhd. gediegenkeit lauten.
 
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gedieglich ,
1) adj. zu gediegen, in mehrfachem sinne, gleich gedeihlich:

er (der rechte fürst) dient zu ihrem heil, er müht sich, dasz er schwitzt,
dasz sein vertrautes volk gedieg- und rühglich (ruhiglich) sitzt.
Logau 2, 2, 75,

in gutem gedeihen. für gedeihen gebend bei Steinbach 1, 268, nutribilis, z. b. fische sind keine gediegliche speise, pisces non nutriunt. nrh. entsprechend im 15. jahrh. deeghelick tüchtig Teuth. 67b, s. gedieg a. e.
2) erweitertes gediegen: gedieglich, contentus, humanus, mansuetus gibt Stieler 313 neben aptus, commodus (d. h. zu 1); s. dazu gediegen 3, a, von dem diesz genommen sein musz. so schon mhd. gedigenlîch, auch mit Stielers bed. stimmend:

dannen (von reue) chomet uns diemuot
unde gedigenlîcheʒ muot.
Diemer 276, 17,

doch wol: ernster, reiner, keuscher sinn (nicht stark, fest, wie es Lexer auffaszt), d. h. ein noch mhd. zeugnis für die ahd. bed. serius, castus unter gediegen 3, e, γ. s. auch gedigenlîchen altd. bl. 2, 37 vom beten.
 
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gediegsam, tüchtig, trefflich o. ähnl.: gediegsam, bieder, guter art. Musäus kinderkl. 61, doch wol aus einer mundart; die bedeutung schlieszt sich an das alte gediegen 3, e an, die form wol an gedieg, vgl. z. b. betriebsam.
 
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gedienen, verstärktes dienen, mhd. und noch nhd.: keiner so gering ist, der nicht etwas hette, damit er andern gedienen kunde. Luther bei Dietz 2, 33b; das ge- von kunde herbeigeführt, s. sp. 1614 fg.
 
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gedienstig, dienstwillig, musz enthalten sein in dem gtinstikait, die als bei hofe nötig bezeichnet wird, Wittenweiler ring 30c, 2; sonst dienstlich officiosus Dief. 394b, Lexer 1, 427, aber auch dienstig (s. d.) bei Zwingli. nl. gedienstig sehr entwickelt, auch gedienstigheid.
 
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gedient, gedient habend, im dienst gewesen: die gedienten officiere wurden als adlich mit mistrauen betrachtet. Dahlmann franz. rev. 434. vergl. ausgedient, auch bedient gleich dienend.
 
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gediesch, n. getöse, in einer schilderung des Vesuvs aus dem 16. jh.: erschalt auch ein solch grosz gediesch aus gemelten löchern, als schüsse man grosze werkpuchsen (festungsgeschütze) darinnen abe. neue zeitung von 1538, ber. d. sächs. ges. d. wiss., ph.-h. cl. 2, 155. zu mhd. dieʒen, das nhd. spurweise noch in dieszbach, balgdiesze erscheint (zum erstern vgl. Schm. 1, 401), hier aber in einer nebenform dieschen, wie mhd. lûschen neben lûʒen (s. DWB lauschen). gewiss schon mhd. gedieʒe n. vgl. luxemb. gedaisch n. lärm, sausen Gangler 167, mit ai für mhd. ie?

[Bd. 4, Sp. 2025]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gediezele, n. liebelei: der hausknecht hat ein gediezele mit der köchin. engl. komöd. II, G 6.
 
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gedigen, s. gediegen.
 
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gedille, n. dielenwerk, gebäu von dielen (s. diele): man machte von starken holz ein geschlossenes gedill und legte hakenschützen drein. Frisch 1, 195b aus einer 'nachr. v. Nürnb.' s. 384, bollwerk, schanze. auch dill für gedill (s. sp. 1606 ff.): der rath liesz ein starkes dill um den bau der vestung machen und schieszlöcher darein schneiden das. 352; aufsetzung des hochen dills oder planken an der Schwabinger gassen. Schm. 12, 602, baugerüst, 17. jahrh. Auch getille (vgl. unter diele): ward zu dem gestech ein langes gethill aufgerichtet, über welches dill der könig (Max. I.) und herren mer dann hundert spiesz zerbrochen haben. Jac. Fugger bei Schm.2 1, 500. und gedülle, getülle, s. Frisch 1, 195b, Schm.2 1, 602, oben II, 1101 m. und unten u. d. w.