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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
famos bis fangeisen (Bd. 3, Sp. 1309 bis 1311)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) famos, famosus: jenes famose stück 'götter, helden und Wieland'. Göthe 26, 328; auf heute abend hatte ich mir den famosen gesang der schiffer bestellt, die den Tasso und Ariost auf ihre eignen melodien singen. 27, 131. ein oft und vieldeutig gebrauchter burschenausdruck. eine nelkenart, dianthus superbus nannte man sonst famose, hochmut, studentenhochmut, studentenblume.
 
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fand, ablaut von finden, goth. fanþ funþun, ahd. fand fundun, später auch fant funtun, mhd. vant vunden, ags. fand fundon, nnl. vond vonden, altn. schw. fann funno. unorganisch lautet der heutige pl. fanden, dän. fandt.
 
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fändlein, n. parvum vexillum, fänlein, fähnlein:

die zwei fändlein, wie ich sag,
besoldet ein ehrsamer rath.
Soltau 402;

so in Frankfurt gelegen sein
eilf fändlein in aller refier. 403.


 
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fändrich, m. signifer, fenderich, fähnrich:

der Wiszpeck mit sein leuten
der stat z trang, mit groszem zwang
treib er si an den graben
recht (s. l.) als das vich, der fenderich
thet seinen fan aufhaben.
Soltau 184;

[Bd. 3, Sp. 1310]



zehen paner (mhd. banier) das ist offenbar,
mit iren fendrich auch für war
sind da worden gewunnen. 211.


 
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fanfrelüsche, f. zunächst aus fr. fanfreluche, nugae, ineptiae, res frivolae, alfanzerei, aber auch ungefähr wie cramanzen (2, 637. 638) für flitter, eitler putz gebraucht. fanfreluche, altfr. fanfelue selbst ist das it. fanfaluca, mlat. famfaluca, famfeluca (Diez 138. Diefenbach 224b), die sich auf πομφόλυξ bulla, so wie it. fanfa, fanfano schwulst, prahlerei, auf πομφός zurückführen. hier bereitet dem wort einen platz, dasz schon Fischart Garg. 34 des Rabelais fanfreluches antidotées nachahmt und überbietet durch widertode, witarborstige, witerwetterige und witarsinnige fanfrelischeit und wissagung. Rabelais im zweiten buch setzt auch ein verbum fanfrelucher.

nun denkt, wenn ihn
die fanferlüschen in die mitte kriegten (ihr kennt ja hofessitte),
wies da dem guten paladin ergehen mochte.
Wieland 21, 81,

die fanferlüschen, die eitlen gecken.
 
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fang, m. captura, praeda, ictus, aber auch das fangende, greifende, aufnehmende. kein goth. faggs, sondern von fahan, gafahan das subst. gafah, ἄγρα, wozu man fach sp. 1218 halte. ahd. fanc, mhd. vanc, ags. alts. fang, nnl. vang, altn. fâng, schw. fng, dän. fang, wofür doch heute fngst, fangst vorgezogen werden); viel weiter ab liegt die verwandtschaft von fasz, ags. altn. fat.
1) der fang des wildes: auf den fang ausgehen; wir haben einen tüchtigen fang gethan, hirsche, rehe, hasen erlegt und gefangen; wir musten diesmal ohne fang, leer nach hause ziehen; ein guter fang wurde heimgetragen, verschenkt, verkauft. der fang, aucupium, die vogel, die man gefangen hat. Maaler 131b; vgl. fischfang, vogelfang, hünerfang, heringfang.
2) die dem feind abgenommne beute an menschen, vieh, waffen, geld, vgl. ahd. nâma rapina.
3) in allgemeiner bedeutung, wessen man habhaft wird, was man erlangt: das war ein guter, ein schlechter fang, ein glücklicher, erwünschter fang; grube oder fang im bergbau; fang und frucht, alle feng und frücht, erträge des feldes. Schm. 1, 539; fangis mache, im wettlauf. Tobler 176;

auch schlägt mich kein verdacht als spielt ich diese list,
um, da du jetzo mit der gröszt in Leipzig bist,
ein fettes schreiberamt ohn darlehn weg zu kriegen
und durch dein starkes wort viel stimmen zu besiegen.
nein, wär auch gleich mein sinn auf solchen fang verpicht,
so traut ich doch gewis vor deiner klugheit nicht.
Günther 296;

noch diese nacht
bist du um deinen fang gebracht.
Göthe ...


4) der fang, ictus, stosz, schlag oder tref, der dem gefangnen thier gegeben wird: dem hirsch, dem wilden schwein wird ein fang gegeben, oder er wird abgefangen, nicht gestochen. Döbel 1, 18b. 24b; genickfang, knickfang, einem rehbock den genickfang geben, ihm das genick brechen; es mögen auch die jäger, so sie wöllen, in einem kleinen schiflein zum hirsch (der gejagt ins wasser gesprungen ist) fahren und so sie können zu ihm mit einem schwert in der faust selbst hineinschwimmen und also im wasser ihm einen fang geben. weidwerk gedruckt bei Feierabend 52a; wenn man dem schwein den fang gibt, schreiet es nicht, bevorab ein groszes schwein, der bach aber thut das gegentheil. 60b;

ein groszes schwein reist durch den wald,
dem wöllen wir nacheilen bald,
das wir ihm geben einen fang.
Ayrer 327a.

auch vom stechen nach dem pferde: da er (Gustav Adolf) dan seinen reutern, welche zum theil geringe, schwache pferde hatten, sonderlich diese lehre und unterricht gab, dasz wen sie auf die keiserliche curassierer, so grosze schwere hengste ritten, treffen müsten, und dem mann wegen der waffen sobald unter die ribben nicht kommen könten, sie nur dem pferde einen fang geben, den degen weidlich umbdrehen und die wunde aufzerren solten, so würde pferd und man bald übern haufen gehen und zugleich geschlagen sein. Chemnitz 1, 207a. desgleichen von menschen: wie ich nun mit meinen hinder sich gestreiften ermeln vom wagen herab stiege, wurde mein Hans durch meine weisze arm so heftig inflammiert, dasz er ihm nicht abbrechen konte mich zu küssen und weil ich mich nicht sonderlich wehrte, vermochte es der rittmeister, vor dessen augen es geschahe, nicht zu erdulden, sondern sprang mit bloszem degen aus dem zelt, meinem armen liebhaber einen fang zu geben, aber er gieng durch und vergasz das wiederkommen. Simpl. 318; wie leicht könte ich eine sache wider einen edelmann gewinnen, der mirs nachtrüge und mir wol gar einen fang mit dem kalten eisen

[Bd. 3, Sp. 1311]


gäbe. Weise erzn. 207. figürlich, wenn die (die recensenten) sich unter einander fänge geben, ists nur hätschel und fätschel, wobei keinem die nase überläuft. Fr. Müller 2, 20.
5) die zähne der raubthiere, krallen der raubvögel heiszen fänge, weil sie fangen und ergreifen: fänge sind die groszen zähne des bären, wilden schweins, wolfs, fuchses, dachses, hundes. Flemming deutscher jäger 106; wolfsfang. Döbel 1, 35b;

mit funkelndem auge, mit knirschendem fang,
mit lautem geklaffe verfolgt er (der hund) ihn lang.
Kosegarten ged. (Odins höllenfahrt);

die raubvögel haben fänge oder klauen, keine füsze. Döbel 73;

und aus den lüften schwang ein adler sich
herab, ein zitternd reh in seinen fängen,
und legt es schmeichelnd in den schosz des kindes.
Schiller 501a.


6) es gab oder gibt noch manche composita mit fang, in welchen es gleichfalls das auffangende, fassende, ergreifende ausdrückt, z. b. ahd. sueiʒfanc, sudarium, ein den schweisz aufnehmendes tuch, mhd. wintvanc, das den wind fangende segel, nhd. lichtfang, ein das licht sammelnder schirm, rauchfang, der den rauch einnehmende schornstein. man kann aber nicht auflösen: ein fang des schweiszes, windes, lichtes, rauches. in den ags. und fries. gesetzen begegnet beardfang, feaxfang, healsfang für grif oder fassen in den bart, in das haar, an, um den hals. unter wildfang versteht Keisersberg omeis 89c das wilde holz, den wilden zweig im gegensatz zum süszen, veredelten obst und noch in Meiers von Knonau fabeln s. 101 ist wildfang das wilde, geile holz, welches die gärtner absägen; damit scheint die aus dem altd. recht bekannte, heute allgemein verwendete benennung eines wildfangs (RA. 327) im zusammenhang, obschon sie auch von einem vogel statt von einem baum herleitbar ist, wie die namen wildvogel, waldflügel, waldvogel, irrevogel zeigen. s. DWB anfang, DWB bifang, DWB einfang, empfang, misfang, überfang, umfang.
 
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fange, f. tendicula, falle, um thiere zu fangen gestellt, s. mausfange = mausfalle; fliegenfange, muscicapa, fliegenfänger, catcher.
 
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fangeball, fangball, m. pila lusoria: fangeballs spielen. Harnisch 190; fühlst du, wie sich dieser fangeball des schicksals, dieses Ixionsrad der wünsche (das herz) so schmerzlich in uns bewegt? nur die brust ohne herz wird ruhig. J. P. Tit. 1, 189; Titan, du spielst mit der weltkugel fangball. Gutzkow ritter vom geiste 5, 494. Ernst Meier in den schwäbischen kinderspielen beschreibt s. 142 auch ein fangballis. vielleicht gehört das facken des balls (sp. 1229) zu fach und fahen, folglich auch zu fangen, vgl. DWB den ball fahen sp. 1238, 7.
 
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fangebrief, m. literae de comprehendendo malefico, haftbrief, steckbrief.
 
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fangegeld, n. pretium pro captura, für erlegtes raubwild. s. DWB fanggeld.
 
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fangeisen, n.
1) venabulum, um dem wild den fang zu geben, vgl. nord. Robinson 1, 80. 94.

bis der borstige keuler auf euer fangeisen anläuft.
Zachariä tageszeiten 86.

bildlich, sie freute sich, dasz Victor seinen alten freund von den fangeisen und fangzähnen dieses wüstlings wegführen würde. J. P. Hesp. 1, 48.
2) pedica, fuszeisen, fange.