| Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm | · · ![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
zaun bis zaunblume (Bd. 31, Sp. 406 bis 410) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| [Bd. 31, Sp. 407] zunächst um ackerstücke, gelangend, bestand der z. aus dauernder hecke (lebendiger z.) oder totem holz (toter z.). dessen einfachste gestalt war ein leichtes weidengeflecht (circulos ... vimineos mönch v. St. Gallen 2, 1), das durch eine, andernorts drei, oben umlaufende starke ruthen (etter: superiorem vero virgam, quam etarcartea vocamus, quae sepis continet firmitatem lex Baj. 10, 17) halt gewann und jährlicher ausbesserung bedurfte, so dasz früh festere anlagen mit dornen, brettern, stangen u. s. w. errichtet wurden. die fremde hofmauer wird nur in ahd. zeit und gewisz nur aushilfsweise mit steinzûn und zûn bezeichnet (maceria steinzûn, stênzûn, zûn gll. 1, 59741; maceriae steinzûn ps. 143, 14, marceriae depulsae nidergeduohtemo zûne ps. 61, 4). vgl. hierzu hausalt. 1, 99. der zweck eines zaunes ist abgrenzung und schutz; so wird der wohnort gegen die feldmark durch einen z. (im frk. und obd. gebiet früher nach den ettern, den starken halteruthen des oberen randes, selbst etter genannt, s. th. 3, 1180 u. bes. schwäb. wb. 2, 888) geschieden und schutzbedürftige theile der mark umfriedigt, vgl. eschz. saatzaun ( 5, 678, 2 1, 167); beuntz. zaun um einen landwirtschaftlich genutzten, dem flurzwang entzogenen und im privateigenthum befindlichen raum (th. 1, 1748 und bes. 2 1, 395); dieser auch friedz. genannt (th. 4, 1, 199 u. 2 2, 1129); tratz. ein um theile der brache, welche für die dauer eines sommers mit flachs, rüben, kartoffeln bebaut werden, gezogener zaun ( 2 1, 395. 677; 2, 1129); steht nur von Georgi bis Martini; vgl.: herbstzune und meizune Jac. Grimm rechtsalt. 4 2, 79; brandz. ( 2 2, 1129) zaun um eine durch brandrodung entstandene waldwiese; gemachz. zaun um felder und weideplätze, der ohne geheisz der gemeinde errichtet und unterhalten wird (th. 4, 1, 3149; Schmeller2 1, 1560; 2, 1129; 280a); dieser wird nach zehnjährigem unangefochtenem bestand zum ehz., dessen errichtung und unterhaltung geboten ist ( 2 1, 5; 2, 1129), ebenso wie die des bannzaunes, der den gerichtsbann der gemeinde oder des hofes begrenzt (th. 1, 1119; 2 2, 1129; 1, 621), der daher auch DWB etter oder dorfz. (th. 2, 1286; 2, 276) heiszt. das recht auf den zaun (um hof und garten) spricht sich in dem wort erbz. aus, dem in sitte und recht eine besondere rolle zufällt (th. 3, 744; rechtsalt. 4 1, 613; 2, 79); vgl. noch tirol. mietz. ( 2 1, 1693), wildz. (th. 14, 2, 133) und bizaun ( 2 1, 416; 2, 1130, tirol. 42). nach der lage gibt es etter- (th. 3, 1181), feld- (th. 3, 1492), garten- (th. 4, 1, 1416), hof- (th. 4, 2, 1704), koppel-, pfad- (rechtsalt. 4 1, 140), wallzäune u. a. die lebendigen zäune werden gewöhnlich als rauhe oder rauch- (Schmeller2 2, 1129) und wildzäune (th. 14, 2, 133) bezeichnet; meist aber als busch-, hecken-, stauden- (sepimentum virgulteum 2349), dornzaun u. s. w. die toten zäune sind nach dem baustoff und der bauart 1) holzzäune: balken-, bohlen- (th. 2, 224), bretter-, flachten- ( 2 1, 785), hanichel- (ebda 1114), kreuz- ( teutsch-it. 2, 1427a), lander- ( 2 2, 1129), latten- (th. 6, 281), licht- (th. 6, 895, lichz. sepes e sectilibus tabulis alias eine bleiche 2349; gegensatz dunkel-), palisaden-, pfahl- (th. 7, 1601), planken- (1893), reis-, nd. rick- (stangen-, th. 8, 909), ruten-, scheien- (th. 8, 2418), scheiter- (Schmeller2 2, 1129), nd. slêten- (zs. f. dtsche mdaa. 1910, 17), schwarten- ( 2, 907a), spriegel- (th. 10, 2, 73; brand. -ö- zs. f. dtsche mdaa. 1910, 8), staketen- (th. 10, 2, 414), stangenzäune (ebda 820), s. auch unten II, 2) drahtzäune (aus der englischen landwirtschaft übernommen). I. eine hölzerne umfriedigung eines grundstücks oder dorfes. 1) sachlich und geschichtlich: a) sepes 1201b, XI ling. 1331a, 426a, 1447, 431a, Reyher p 2 rb, 2348, teutsch-it. 2, 1427a, 360a, 2, 1074, 2, 465c, 2562, Adelung, Campe; in der Schweiz durch hag beeinträchtigt: 313, im holsteinischen und bis über Lübeck durch die hecken oder knicks; andernorts durch feldmauern: s. w. 1, 299, reise 1, 177; die errichtung geschieht durch pflanzen: erzählte, wie er ... diesen z. gepflanzt habe w. 1, 104; ein z. [Bd. 31, Sp. 408] von hagedornen helik. ros. 63; zäune von dornstauden schr. 1, 28; (die weiszbuche ist) zu lebendigen zäunen und hecken nützlich jägerpract. 3, 8; grüner z. polit. maulaffe 28a; flechten: den zûn vlehten minnes. 3, 267 v. d. Hag.; (ein) z., geflochten eng 1, 384 K.; einen zûn macht er vil guot Reinhart fuchs 37 R.; beides noch gebräuchlich, seltener schon die mhd. wendung einen zûn ziunen (vgl. Helmbrecht 322); s. DWB zäunen 1 b; macht blancken zu dem z. teutsche poem. 296 ndr.; ein brett des z-s ges. schr. 2, 314; (zäune) von unbehauenen fichtenstämmchen schlaf. heer 1, 3; lebensdauer, sprichwörtlich: ain z. wert drey jar Hätzlerin liederb. LXIX; prov. 2, 103; öft.; höhe und dicke ist in alten rechtssatzungen genau geregelt, s. rechtsalt. 4 1, 130. 140; 2, 79; thor und heck dienen für den durchgang, eine stiegel (nd. -e-) zum übersteigen: reallex. 4, 583b; nachbarrecht: was (von obst) über den z. fällt, ist des nachbars 219; das recht über plaggen und heide und erbland auszerhalb des zauns ist geregelt: rechtsalt. 4 1, 80; 2, 79; b) die rolle des zauns im leben des volkes ist an einzelzeugnissen, redensarten und sprichwörtern kenntlich: violen ... in gärten neben den zeunen gefunden werden confectb. 67a; nesseln ... hinder den zeunen kreutterb. 1; wolfsmilch ... hinder den zäunen Wirsung artzneyb. reg.; hahnbutten an unserm z. ollapatrida 180 Wien. ndr.; nos iacuimus ut mendici unter den zeunen 27, 202 W.; bettler am z. poet. schr. 4, 55; etwan unter eim zaun musz sterben und hat nun funden einen dreck an des verheerers zaun nunmehr den schild zu hencken wer heimlich durch den zaun thut stechen, ich sech dich durch ein zaun nit an denselben (Lazarus) hett der reiche man [Bd. 31, Sp. 409] nachbar wider herüber Friedrich Wilhelm sprw.-reg. bb 2a; guck übern z., nachbar guck wieder herüber flor. pol. (1662) 1, 230; nach gemainem sprichwort: ein gefatterschaft über den zon, die andern herwider Äsop 335 Öst.; uszleg. H 2b; 12, 39 K.; korn umb saltz, würst umb würst (vgl. die rda.: wurst wider wurst), gfatter uber den z., gfatter wider herüber sprw. (1541) 2, 44b; subinvitare über einen z. laden 987; mit dem nachbaurn hebt man den z. auff thes. 937a; eine henne hat das recht über neun zäune thes. paroem. 405; eine kinderlose frau soll der ehemann über neun erbzäune tragen und dort seine nachbarn anrufen, dasz sie ihm der leibesnoth seines weibes wehren helfen rechtsalt. 4 1, 613; aine (nonne) bringt es woll durch den neünden z. zu wegen, das sy an ain ... ampt kompt Keisersberg hasz Cc 1c; schrei nicht ju, seist dan uber den z. trostb. 43 Hauffen; he wilde idt godt klagen, dat he nicht also mit oone aver den tuin springen schulde (so ohne umstände verfahren) chron. v. Ostfriesl. 526 Hark.; dann also musz je einer dem andern uber den z. helffen op. 1, 623c Hu.; bey zeit auff die zeun, so trücknen die windeln sprw. (1545) 1, 74b; 28, 201 W.; wenn er was nettes weisz, so hat die arme seele keine ruhe, bis er es auf den ersten besten z. gehängt hat an Schücking 150; wann die sonn uffgeht, so helf got dem reiff am z. sprw. (1541) 2, 152a; gieng doch also ein kleines nach dem z. und ryss darauss ein starcken knittel nachtb. 232 B.; ursach ab aim z. reiszen Zimm. chron. 2, 498; wend. 1, 239 Öst.; brach im ain krieg ab ainem z. chron. dtsch. städte 5, 216; 7, 674 W.; brach offt ein hader von eim zaun man musz gelegenheit von einem zaune brechen bräch ich mir nicht gar manche lust vom zaun c) stabreimend: z. und zimmer; tunede unde timmer rechtsalt. 4 1, 10; 2) besonderes: a) bildlich und übertragen: über den z. der schrift (der bibel) ... springen allg. dtsche bibl. 1, 2, 94; ein blizzender z. von schwerten ged. 25 W.; sie (die kirche) ist ... der z., der die heerde der gläubigen schüzt v. rest. 4, 53; das der leib Christi definitive, das ist onbegrifflich und on z. sie im sacrament Luthers buch schent nicht 173b; ohne gesetze, ohne zäune ... herumwandeln lebenst. 3, 2, 184; zerbrechen den z. aller zucht und erbarkeyt s. schr. 3, 209 ndr.; (der) von seufzern zerrissene z. der gegenwart ges. schr. 5, 11; z. des gesetzes arbeit 63; die zähne werden als beinen z. der zunge bezeichnet bei prov. 1, 101; zahn ... der zungen z. und zaum tricht. 3, 496; sinnged. 157 Eit.; küchendict. 1340a; nach Vossens gehege der zähne (homerisch ἕρκος ὀδόντων) bildet Göthe: die kühnen worte durch den z. der zähne (durchlassen) IV 28, 190 W.; augenbrau ist der augen schutzwehr und z. Däd. 1, 139; b) einzelnes: α) für saum: der (rock) mss sin wiss, schwarz, grüen und brun β) septum lucidum der helle z. ist die durchsichtige, dünne wand, so die hölen (ventriculos) des hirns von einander scheidet med. wb. 502; γ) pferch, nachtbucht, hürde: drey oder vier zeune (werden) gezeunet ..., [Bd. 31, Sp. 410] die gleich als ställe und behältnis den schweinen über nacht seyn viehbüchlein (1667) 70; die hürden d. i. die beweglichen hecken oder geflochtene zäune, womit man die schafe umgiebt, wenn sie die nacht über auf einer stelle bleiben sollen beob. 132; auch hier eignet dem worte z. nicht der begriff des eingezäunten raumes, ebenso nicht in folgenden fällen; vliust er (der hirt) ... kain rint, daz er oder sine knehte verwarlosent, daz si ez in die zne niht wider antwurtent gesundez Augsburg. stadtb. 35; s. wb. 6, 1063 und 4, 630b; δ) ein wasserzaun, um eine fahrtrinne zu erzielen (s. DWB zäunen 1 b β): des gleichen hatt einer ein verborgne rynne oder z. in dem wasser ... und wirt dir verbothen, gepürt dir dyse klage clag antwurt (Augsb. 1497) 29b; ε) mit lehm bekleidete stakenwand, alte, im ländlichen lehmfachwerk noch heute fortlebende bauweise: hinter der pitschke (der feuerwand, ist) der z., gleich einem bleichwercke, von holtze gestacket und dichte mit vermengten leime und strohe geklebet saltzwerk zu Halle 72; ebenso mnld.: hutkens ... van tune geleemt myt cleye 8, 788; vgl. DWB zäunen 2 a β und zäunsel; ζ) in erinnerung an die kreisrunde form des alten ruthenzauns auch das geflecht um eine flasche: tûn 236b. II. grenz- und schutzwerk um feste plätze und städte; anfänglich gewisz aus leichtem zaunwerk bestehend, später mit schanzpfählen und palisaden verstärkt: Ulm ist allain mit einem statgraben und z. ... umbzeunt gewesen chron. Germ. (1538) 314a; eyn grot korffhus van erde unde thune wart geslagen vor sunte Iligen dor chron. dtsch. städte 16, 373; so was es hinumb verzeunt mit den zeunen vor den gerten 2, 273; 4, 630a; er liess auch ausswendig (am schlosz) sein zeun und were zurichten Aymon i 2a; darauff (auf dem wall) werd ein liecht z. gesteckt underr. D 2a; dtsche gesch. 2, 153; dann das was der Römer brauch, wo sie das winterläger hin schlgen, do machten sie ... wrliche zeün cosm. 700; mit disem povel er do trat III. diminutiv: 1) zäunlein sepicula 2, 1074; (der garten war) mit schönen zeunlin underfangen
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