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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ruhselig bis rulle (Bd. 14, Sp. 1475 bis 1476)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ruhselig, adj.: ein so behaglicher, ruhseliger ausdruck war ihm noch in keiner physiognomie erschienen. Tieck tischlermeister 2, 377.
 
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ruin, m., aus franz. ruine mit wechsel des geschlechts entwickelt, der wol aus der verkürzten form zu erklären ist, welche im 17. jahrh., allerdings mit weiblichem geschlecht, üblich war (s. ruine). ruin, der, ruina, labes strages, prolapsio. Stieler nachschusz 23b. ruin, m. bei Apinus nov. gl. (1728). gewöhnlich wird ruin im sinne von verfall, zusammenbruch, verderben und zwar vorwiegend in übertragener anwendung gebraucht: ein höchster augenbliklicher vigor, der aber auch gleich in den ruin der maschine übergeht. Schiller 1, 163; dasz sie den ruin des landes auf meine brust wälzen, vergebe ihnen gott der allmächtige. kabale u. liebe 2, 3;

ihrer götterjugend rosen blühen
wandellos im ewigen ruin. werke 11, 54.

seltener im sinne von ruine, die trümmer, zerfallenen reste von bauten bezeichnend. vom winterlichen walde:

der wald, nicht mehr ein stummer
verödeter ruin, wo nur die pfeiler stehn
der prächt'gen laubgewölb' und hohen schattengänge
des tempels der natur.
Wieland 23, 101 (Oberon 8, 51);

mag das sternengewölb' zusammenkrachen, die axe verdrehn und alles in grausen ruin zusammenstürzen. maler Müller 2, 154; ein schöner verschütteter ruin. Iffland 3, 139;

es verweh, sowie der staub jenes maals,
desz ruin sinket, es geh unter dein lied!
Klopstock 1, 228.


 
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ruine, f., aus franz. ruine, im 17. jahrh. häufig verkürzt die ruin; die sprache hat für den begriff niedergang, verfall der ruin gebildet, während ruine trümmer, zerfallende reste bezeichnet, doch ist diese sonderung erst allmählich eingetreten (s. oben ruin), sodasz ruine in älterer sprache auch wie franz. ruine verfall, niedergang bedeutet: zur verhütung der gäntzlichen ruin und verderbung ihres landes. Micrälius altes Pommern 2, 251; welches ihr und ihrem sohn zur ruin gereicht hätte. Schuppius schr. 16; als der prophet Daniel .. ihnen ihre ruin ins gesicht verkündigte. 400; nachdem die ruinen (umwälzungen) aufgehört hatten. Kant 9, 8;

es pflegt zu nehmen ein bös end
und sich zur ruin schicken.
Opel-Cohn 315, 25.

trümmer, reste von baulichkeiten bezeichnend: die allgemeine sage geht, dasz die gespenster meiner väter in diesen ruinen rasselnde ketten schleifen. Schiller räuber 4, 5 schauspiel; wenn man nun von den ersten höhen des Martisberges, wo diese ruine gelegen, etwas weiter aufsteigt. Göthe 30, 169;

vertieft' ich mich, eh ich's gewollt,
in schaurigen ruinen.
Gotter 1, 31;

goldne schlösser auf ruinen baun.
Schiller 1, 222;

noch betracht' ich kirch' und pallast, ruinen und säulen.
Göthe 1, 259;

wandrer, es ziemet dir wohl, in der burg ruinen zu schlummern.
Uhland ged. 111;

so sprach der dichter, und im spätroth schienen
ihm einen grusz zu winken die ruinen.
Geibel 1, 11.

in bildlicher und freierer anwendung: er war nur noch eine ruine; (Albanos auge war) nach der schönsten ruine der zeit — nach Italien gerichtet. J. Paul Titan 3, 184; deine stimme versteckt sich als eine echo überall in alle ruinen meines lebens. komet 3, 41;

das alte stürzt, es ändert sich die zeit
und neues leben blüht aus den ruinen.
Schiller Tell 4, 2.

hierzu ruinenartig, ruinenhaft, adj.
 
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ruinieren, verb., aus franz. ruiner, verderben, zu grunde richten, zur ruine machen: ruiniren, funditus evertere, profligare, deperdere, confringere Stieler nachschusz 23b; sondern hernach viel tausend seelen ihrer unwissenheit oder ihres ärgerlichen lebens halber versäumen und ruiniren werde. Schuppius 644; eine meinung, die man ihr heute vor ihren augen ruinirte und köpfte, bringt sie den andern tag auferstanden zurück. J. Paul vorschule d. ästh. 3, 163;

ruinen sieht man als mahlerisch interessant an
und fühlt nicht, dasz man eben auch ruinirt wird.
Göthe 4, 334.

in volksetymologischer umbildung rungenieren Kehrein 334. Albrecht 194a. Jecht 89a, nd. rungenêren Danneil 176b. Schambach 176b.

[Bd. 14, Sp. 1476]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ruland, m., s. DWB roland 3: Ottnit zeucht sein schwerd ausz, wehrt sich lang, bisz er den riesen erschlegt; alsdann sagt er:

hie liegst du, groser rulandt!
Ayrer 1094, 10 Keller.


 
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ruländer, m. eine abart des gemeinen weinstocks, auch villiboner genannt. Nemnich. vgl. ruhländer.
 
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rüle, f. ein vogel, acredula. Steinbach 2, 313. doch vergl. Frisch 2, 123c s. v. röcheln.
 
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rülen, verb. schreien, brüllen, vom laute verschiedener thiere (vergl. DWB rüheln und rüllen): dann es soll nichts zu der esel ohren des nachtgallen gesang, noch der esel rülen zu der lautten. S. Franck laus asini 89a; der wilt mann Ursus laufft ein, rült wie ein beer. J. Ayrer Valentin u. Ursus 2, 272c;

das schlecht man oft mit füsten drin
und rüwlent zamen wie die schwin.
Murner narrenbeschw. 159, 36 Gödeke;

drit du herzu, mein lieber Eck!
dein rüszel stosz auch in den dreck!
th rülen, wülen umb und umb!
Schade sat. u. pasqu. 3, 120, 16.


 
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rülichkeit, f. zu mhd. rû, rûch, also rauhheit?: nit underzieh (entzieh) im (dem kinde) die ruten, doch so sihe zu deinenthalb, das du es thust usz liebe, nit usz zorn oder usz rülicheit. Keisersberg narrensch. 32a.
 
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rulk, achillea millefolium, s. DWB röhlke. Pritzel-Jessen.
 
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rulle, f. eine klasse von pflanzen, asperifolien. Oken 3, 1089 ff.