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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
reihemann bis reihenartig (Bd. 14, Sp. 642 bis 654)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) reihemann, m. singular zu dem vorhergehenden worte: dasz ein jeder hof dieser art mit einem reihemanne besetzt sein muszte. Stüve wesen u. verf. der landg. 228. übertragen: freilich musz daher der forscher, kenner und darsteller des schönen es sich gefallen lassen, dasz mancher reihemann aus den obern facultäten, manches mitglied von zwölf dutzend academieen und societäten,... sich ziemlich vornehm und wichtig gegen ihn geberdet. Bürger 372b.
 
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reihen, m. der obere theil des fuszes, rücken des fuszes bei mensch und thier, nur noch mundartlich lebendig Weigand2 2, 457. Vilmar 322. Schmid schwäb. wb. 430. Schmeller 2, 84. daneben in gleicher bedeutung die reihe Kehrein Nassauer volksspr. 327; dieses femininum ist also wol zu sondern von reihe 1. reihen ist aus älterem masc. reihe entstanden: pes summus, der reig am fsz. Alberus h 2b. ein mhd. rîhe ist nicht genügend bezeugt (lesarten zu Neidhart 43, 10, vgl. namentlich MSH. 2, 80b); ahd. rîho, in glossen mehrfach belegt (Graff 2, 430), sura, poples verdeutschend. die herkunft des wortes ist nicht deutlich, da entsprechende bildungen auszerhalb des hochd. mangeln. der zusammenhang mit nld. wreeg neben wreef ist unsicher. ob ein älteres wrîho anzusetzen, ob dieses mit ags. vrîhan (Weigand a. a. o.) oder mit hochd. rist (Kluge etym. wb. unter rist) in beziehung zu setzen ist, scheint zweifelhaft.
Das wort ist nur in der bedeutung rücken des fuszes zu belegen: und sond och die spiszlaib also sin, das ainr ainen soll setzen uff den richen und sol ainem knecht und ainem hund ain morgenbrott oberhalb dem knü abschniden. Grimm weisth. 1, 240 (Thurgau, 14. jahrh.); welcher aber eine segin füert, dem soll geben werden ain laib brot, welcher so grosz sein soll, dasz er einen gewachsnen mann auf dem reichen stehen und so weit über das knie gehabt, dasz er ob dem knie darab unschaden schneiden mag. (1592) Germania 4, 57. vgl. Grimm rechtsalterth. 102;

Ursula. mir paszt er (der gläserne pantoffel) an, beinahe, wie sie sehn.
Pernullo. bis auf den reihn, den ballen und die zehn.
Platen 185b.


 
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reihen, reigen, m. eine art des tanzes, aus älterem reihe, reige. den nom. reihe bringt noch Frisch 2, 105a. rey, reyge, reye, raye corea Dief. 151a, rey cantilena 96b, eyn reyg tripudium 597b; mhd. reie, daneben nicht nur md. reige. ahd. ist das wort nicht nachweisbar, eine glosse: precinebat fora sanc reh Steinmeyer - Sievers 1, 287, 34 führt auf ein starkes sonst nicht bezeugtes verbum rîhan, den reigen anführen. die glosse bezieht sich auf den siegesreigen der jüdischen frauen, den Mirjam als vorsängerin anführt (2 Mos. 15, 21). indessen ist völlig unklar, in welchem verhältnis dieses verbum zu ahd. rîhan, part. prät. garigan sertare steht und welcher herkunft es ist. mnd. rei, reie, reige, rege, nld. rey, reye chorea Kilian. in einigen deutschen mundarten ist das wort noch lebendig, meist in modificierter bedeutung (s. unten), nd. rei Schambach 169b, hess. reien Vilmar 321, bair. raijen Schm. 2, 85.
I. Formen. die im mhd. gewöhnliche form ist reie:

dîn kunft wil vromen, daʒ vil manic reie
wirt gesungen, dâ die bluomen dringent dur daʒ gras. MSH. 1, 351b;

dô der reie wol für quam
und daʒ der sumer ende nam,
dô kom mîn hôchgemuoter lîp
aber hin da ich daʒ werde wîp
in zühten und in vreuden vant.
U. v. Lichtenstein 434, 3;

kint, lât iu den reien wol enblanden.
Neidhart 13, 23;

ebenso später:

schlacht auf, dasz es musz erclingen,
ich wil forn an den reien springen. fastn. sp. 65, 13;

trit uns den raien vor! 399, 26;

und wolt immer dem Schmeckewein,
am reyen zu trotz springen ein.
Rollenhagen froschm. Nn 7a;

darunder etlich sich erfrewen
und singend danzen einen rayen.
Weckherlin ged. 349;

[Bd. 14, Sp. 643]


den nominativ reie verdrängt im älteren nhd. die form der reien: wenn denn der reyen ausz ist, werden bey den vernünfftigen, ehrlichen leuthen, die jungfrawen feyn seuberlich auff jren ort gefhret, geben einander die hende, neigen sich, scheiden ab mit freundtlicher dancksagunge. theatrum diabolorum (1569) 256b; nun soll einer, der da dantzet, ihme immer einbilden, als wenn dieses kraut in der mitten oder centro des kreyses und reyens stünde. Schmid schaupl. d. dantzenden 78. neben reie erscheint im mhd. eine gekürzte form rei, die als starkes masculinum flectiert:

du indarft nummer dinen lip
durch sie als durch ein ander wip
gewagen in turnei
noch gesingen nuwen rei. Marien himmelfahrt 1735 (zeitschrift für deutsches alterthum 5, 561);

gesanc daʒ zieret manigen wünniclîchen rei. meisterl. der Kolmarer handschr. 61, 10;

dieser gekürzte nominativ auch später:

pfeif auf, spilman! der erst rei ist mein,
und spring daher mit einer jungfraun fein. fastn. sp. 57, 30;

mnd. de sunde (die luxuria) is arch unde menniger leye
unde mennich pipet to erem reye.
Josef von den sieben todsünden 4449;

bei Schiller - Lübben 3, 449a mit anderen beispielen; auchfür rei:

manic herzeleit
ist uns von in geschehen,
si habent zuo des tôdes rê
brâht mangen heiden wert.
Ottokar v. Steier bei
Eccard script. med. aev. 1476;

si heten ouch erliten wê
dô des tôdes rê
dâ zAckers ergie. 1500;

die albern aber liesz ich gehn,
verhielt die faust, blieb stille stehn
und sprach: mir thun die ohren weh,
ich tanze nicht in diesem reh.
Ringwaldt tr. Eck. (1608) H 8a;

in fränkisch - hennebergischer mundart findet sich eine verkürzte form ræ, vgl. Fromm. 3, 221. neben reie erscheint schon mhd. reige (oft reije geschrieben):

eʒ wart nie schœner reige
gemachet von dekeiner schar,
si wunden sich dan unde dar
und brâchen sich her unde hin.
K. v. Würzburg troj. krieg 28200;

daz sint sehs reigen. meisterl. der Kolmarer handschr. 66, 23;

dasz ich mit lust im grünen gras
mag springen an den reigen.
Uhland volksl. 84;

gekürzt reig:

und die wib mit den liren
land die iren selten firen
und machend den andren tanz,
damit so ist der raig ganz. teufels netz 12028.

besonders durch Luther sind die formen mit g üblich geworden, die er in der bibel allein verwendet: du hast mir meine klage verwandelt in einen reigen. ps. 30, 12; und als er nahe zum hause kam, höret er das gesenge, und den reigen. Luc. 15, 25; und weil jr so gerne an diesem reigen tantzt, dünckt euch, der himel henge vol geigen. schriften 3, 351a; wolan pfeiff auff und verderbe den reigen nicht, las doch sehen, ob wir tretten oder springen sollen. 3, 343b;

mein klagen ist verwandelt
in eines reigens spiel.
P. Gerhardt 182 Gödeke;

in mundartlicher aussprache reichen:

die frohe bauer-welt
läufft ümm die Zeres her, die einen reichen helt
ümm das berauschte dorf.
P. Fleming ged. 65.

die formen mit h begegnen erst im älteren nhd.: (junker Hans Allgemein) tantzet alle jar ain mal auff der Lüneburger heyden, msz rawm und platz haben; wehrt ain reyhe im sommerlangen tag drey hundert weniger einer halben stund. Lindener 184 Lichtenstein; man bläst den kindern einen tantz, sie tantzen umb den altar herumb, darnach hencken sie sich an einander und singen einen reyhen im thon: es steht ein linden in jenem thal. Ayrer 256b (1278, 1 Keller); ich halte dafür, dasz mehr leut durch sicherheit in die höll fahren als durch verzweiffelung. gleichwie die israelitische jungfrauen an ihrem reihen sungen, Saul hat tausend umbracht, David aber zehen tausend ... Schuppius 146;

ach herr gfatter, bit, last mich gahn!
dann mich mag doch eur todtenreyhn
zu disem mal gar nicht erfreyn.
Ayrer 2488, 23 Keller;

[Bd. 14, Sp. 644]



heck, laub und gras,
wanns merken das,
mit müssens auch zum reihen.
Spee trutzn. 13 Balke;

im 18. jahrh. ist reihen die bessere form: reihe, reihen, m. oder vulg. reigen, chorea, orbis saltatorius, ein tanz im kreisz herum Frisch 2, 105a; Adelung gilt die form reigen als einigen 'gemeinen hochdeutschen mundarten' angehörig, später stehen reihen und reigen sich gleichberechtigt in der schriftsprache gegenüber, Geibel z. b. in seinem gedichte zigeunerleben (1, 5) braucht beide formen unmittelbar hintereinander.
II. Bedeutung.
1) zuerst begegnet uns der reie in der höfischen poesie des mittelalters und bezeichnet zunächst eine bestimmte volksthümliche art des tanzes, die zur sommerzeit im freien von den bauern gepflegt wurde: die tanzenden bildeten entweder eine kette oder standen paarweise hintereinander und folgten den bewegungen eines oder mehrerer vortänzer, der den leitstab als zeichen seiner würde führte; die rhythmische bewegung schlosz sich der weise eines tanzliedes an, das zu den tönen einer geige oder mehrerer instrumente von dem vorsänger angestimmt und von den tanzenden aufgenommen wurde. der vortänzer war zugleich meist auch vorsänger (Neidhart 40, 21), auch vorsängerinnen werden erwähnt MSH. 2, 78a. der reie, den die bauern springen, steht im gegensatze zu dem tanze, den hovetenzen, welche die ritterliche gesellschaft übte. der höfische tanz wird getreten, der reie gesprungen:

springe wir den reigen
nu, vrowe mîn,
vröun uns gegen den meigen,
uns chumet sîn schîn. carm. bur. s. 178;

jârâjâ die ahselnoten
kan er wol ze prîse,
meisterlîch den houbetschoten
springen nâch des reien knoten.
Neidhart XXII, 14 Haupt;

jâne wil ich nimmer iuwern treirôs gesingen
noch nâch iu den reien niht enspringen. 48, 20;

Randolt Gunthart Sîbant Walfrit Vrêne
die sprungen dâ den reien vor, ie einer, darnâch zwêne. 31, 35;

doch dieses verhältnis verwischt sich, und auch der reie wird getreten:

also vlôs mîn vrouwe ir vingerrîde.
dô si den krumben reien ûf dem anger trat,
dô wart eʒ ir ab ir hant, seht ân ir danc genomen.
Neidhart 60, 2;

der reie wird geführt:

ich Nîthart vuort den reien
schône umb den vîol hin unt her, schier gieng eʒ an ein zweien. MSH. 3, 299b;

sîn vüeʒe lîdent grôze nôt,
swenne er den reien vüeret
mit mangem wæhen zippeltrite. 236b;

löst sich:

da sich der ray so zerlie,
ye ain man und ain frowe gie
und sassent sunder in daʒ gras. das kloster der minne (ls. 2) 505;

auch die zum reien geordnete schaar heiszt so:

ein altiu vor den reien trat,
diu mêr dan tûsent runzen hât.
Neidhart L, 6.

die einheit von gesang und tanz im reien blieb bis zum überhandnehmen der ausländischen tänze im 17. jh. bewahrt: chorus der rey, die dantzen oder zusehen, conventus canentium et saltantium, singendantz Alberus k 4b; bezeichnend ist folgende stelle: es musz aber fürnemlich darbey (beim tanze) seyn eine feine instrumental-music, denn ich schwerlich glaube, das es sich wol dantzen lässet, wenn man nur darzu singet. Schmid schauplatz d. dantzenden (1671) 22. der alte reigen ist erhalten in einigen alterthümlichen zunfttänzen, in ländlichen tanzarten und den ringelreihen u. ähnl. der kinderwelt. Vilmar 321 bemerkt, dasz man auf dem lande noch am ende des 18. jahrh. gewisse alterthümliche, langsam sich bewegende tänze reien nannte; der neuern tänze sind jetzt zweierlei: bühnentänze und buhltänze, dafür sind die alten reigen verloren gegangen, bis auf ihre letzte spur im kehraus und einigen gesellschaftlichen spielen. Jahn werke 2, 1, 9 Euler.
2) wie schon in der höfischen zeit reie und tanz nicht ganz scharf geschieden war, so nimmt reie später allmählich die allgemeine bedeutung von tanz an, doch nicht durchgehend, indem reie nebenher eine zeit lang immer noch eine bestimmte art des tanzes bezeichnet; in der ausgebildeten nhd. sprache gehört reihen, reigen nur der gehobenen redeweise an und wird allgemein für tanz oder tanzartige bewegung verwendet; im engeren sinne für die kindliche, volksmäszige art des tanzes, bei welcher die tanzenden

[Bd. 14, Sp. 645]


sich die hand reichen und einen kreis bilden (ringelreihen): ez ensol auch dekain dienstmagt ze hohzeiten raien noch tantzen an der burgerein raien oder tantz, oder si mz geben zwene schillinge. Nürnb. polizeiordn. 60; muesten die leut allerlai tänz und lieder lernen, den drotter, fierltanz und raien. Aventinus 1, 118; gemanet mich vast daran, als hernach über vil jar graf Gotfridt Wernher von Zimbern im uszern schloszhof zu Mösskirch den jungen leuten zuliesz den raien zu springen und zuhort. Zimmer. chr. 1, 461, 28; den 8. may 1614 hat ein erbar rath vom rath-hause herab den teutschen schulhaltern und schulhalterin die creutzfarten mit ihren schulkindern weder inn noch ausser der statt zuhalten, deszgleichen auch die reihen und cräntz singen auch die groszentäntze ... verbieten lassen. Siebenkees materialien 3, 117; in weiterer bedeutung tanz und die schaar der tanzenden: und Mirjam die prophetin, Aarons schwester, nam eine paucken in jre hand, und alle weiber folgeten jr nach hin aus mit paucken am reigen. 2 Mos. 15, 20; und die senger wie am reigen, werden alle in dir singen eins umbs ander. ps. 87, 7; als denn werden die jungfrawen frölich am reigen sein. Jer. 31, 13; zwo pringen den kessel, seczen in nider, singen umb den kessel im rayen all drey. H. Sachs fastn. sp. 6, 132 neudr.; bald springen wir vor fröligkeit im reihen in die höhe, bald gehen wir nur also erniedriget unsern weg fort. Schmid schauplatz d. dantzenden 3; damit wir nicht in unordnung kommen, sondern den reyhen recht halten können. 2;

im meienam reien
sich freuen alle knaben und mägdelein.
Uhland volksl. 244;

ich dient ir ganz mit trewen
demselben frewelein,
ich dient ir in allen reien
bisz auf das ende mein. 83;

die henn wol z dem tanze gieng,
der han der frt den reien. 36;

ir haubtman haist der Engelmair,
der hat si alle dar gepeten
und will da ain raien tretten. fastn. sp. 416, 18;

so will ich auf an den raien,
last uns tanzen umb den maien. 403, 7;

... laszt uns dafür ein reien tanzen
und mit den frauen gar seuberlich umbher swanzen. 57, 28;

heur geschach mir auch ains im meien,
do tanzt ich mit meinem puln ainn reien. 737, 26;

darümb (das veilchen) wol wir haben ein rayen,
frolich singen mit suessem thon!
nun hanget an einander on!
H. Sachs fastn. sp. 7, 5, 131;

sie machen ein rayen umb den feyel. die herzogin singt vor, die andern nach. ebenda; die herzogin lest den rayen faren und spricht:

nün hab wir den feyel pesüngen
und ain rayen darümb gesprüngen. 7, 6, 140;

du, Uell Sewfist, vor allen dingen
mstu im rayen uns vorsingen. 7, 9, 245;

wenn jr mir macht darzu ein krantz,
so sprüng ich frölich an den reyen. 1, 39, 73;

zum freudenfest nun haltet still,
mit müszet ihr zum reihen.
Spee trutzn. 118, 145 Balke;

nun ich mein verlangen
kühnlich mag umbfangen,
und mit meines lebens zier
einen reyen führ?
S. Dach ged. des Königsb. dichterkr. 97 Fischer;

der grosze drang im reyen,
die seiten und schallmeyen,
und des getümmels fug
ertheilen anlasz gnug. 203;

es winckt der gantze chor,
und sagen die schalmeyen,
dasz diesz der brauttantz sey,
ihr steht im ersten reyen,
kommt findet euch herbey. 175.

die tanzenden schieden sich also hier in mehrere abtheilungen (reyen);

so wie der gesang in strömen dahin flosz,
tanzten die knaben den heiligen reihn zu dem siegesgesange.
Klopstock Mess. 17, 257;

würdest nicht glauben,
dasz er (Paris) vom zweikampf komme; vielmehr, er wolle zum reigen,
oder sitze nur da, vom reigen ein wenig zu ruhen.
Bürger 211a;

er irrte täglich durch den hain,
mit einer brust voll ruh,
und sah dem spiel', und sah dem reihn
der dörferinnen zu.
Hölty 14 Halm;

[Bd. 14, Sp. 646]



man stimmte schon zum reigen,
zum menuet und wirbeltanz,
die flöten und die geigen. 22;

Wilhelms braut war gestorben. der arme verlassene Wilhelm
wünschte den tod, und besuchte nicht mehr die geflügelten reigen. 42;

Laura, die grazie,
liebt das dörfchen nicht mehr, gaukelt von ball zu ball,
fleugt, im zirkelnden reigen,
durch den schallenden kerzensaal. 70;

sie singt so hell, so süsz, wie Philomele,
und tanzt mit anstand ihren reihn. 180;

doch hör ich auf schalmayen
den schäfer nur blasen!
gleich möcht' ich mit zum reihen
und tanzen und rasen.
Göthe 11, 146;

schlingen wir fröhlich den drehenden reihen,
schleichen die andern zum dämmernden wald. 1, 29;

wie könnt' er ruhig seyn, wenn dich ein and'rer faszt,
und gar, indem er sich mit dir im reihen kräuselt,
dich zärtlich an sich drückt, und liebesworte säuselt. 7, 5;

wohlauf! gelacht zu scherz und reihn!
Voss 6, 20;

im maien
am reihen
da freun, da freun
sich hüpfende knaben und mägdelein. 4, 156;

graf Eberstein
führet den reihn
mit des kaisers holdseligem töchterlein.
Uhland ged. 327;

es schlinget ihn der reigen in seine wirbel ein. 326;

und eure bälle rühmt, ...
wo bei trompetenklang und bei der pauke tosen
der reigen hold sich löst, und holder wieder schlieszt.
Geibel 1, 172;

heisz lockt die guitarre, die cymbel erklingt,
wie wilder und wilder der reigen sich schlingt. 1, 5;

schlanke marmorschöne frauen,
deren schritt wie reigen schwebt. 3, 178;

ihr tanzet die reihen, die Thusnelda am liebsten tanzt, und singet das lied, welches mir nach der Weserschlacht endlich genesung gab. Klopstock werke 10, 209; bunter reihen (s. oben bunte reihe), eine geschlossene kette von tanzenden, so geordnet, dasz je ein mann zwischen zwei frauen, jene eine frau zwischen zwei männern tanzt: sie tanzen in einem bunten reihen um den baum. Schiller 151, 5; freier gewendet:

und so finden wir uns wieder
in dem heitern bunten reihn. 11, 359;

reigen von dem feierlichen chortanz der griechischen tragödie:

so singend tanzen sie den reigen.
Schiller 11, 245;

reihen als kreistanz zu magischem zweck:

um den kessel schlingt den reihn,
werft die eingeweid' hinein. Macbeth 4, 3;

reigen im sinne eines feierlichen aufzuges:

der reigen zog vor's kirchenthor,
wir standen harrend da,
und flehend aller aug' empor
zu fahn' und himmel sah.
Stolberg 2, 276.

einfach im sinne von zug:

der gfangen was ein langer rei,
die waren hart verwundet.
Liliencron hist. volksl. 1, 537a, 32.


3) reigen vom tanz oder tanzartigen aufzuge geisterhafter wesen; die heidnischen Germanen wuszten von wundersamen tänzen, welche die elfen des wassers, des waldes, der luft, die zwerge und riesen pflegten, sie kannten auch die namen verschiedener tanzmelodien, die zum theil von hinreiszender, zauberischer wirkung waren (vgl. Grimm myth.4 389). das christliche mittelalter sah in diesem geisterhaften treiben einen unholden spuk, jedem verderben bringend, der in den bannkreis desselben gerieth, ja der satan selbst war es, der an götterheiligen orten mit den zu ihm abgefallenen menschen unheimliche tänze veranstaltete. doch erhielt sich neben der christlichen die mildere, heidnische auffassung; beide begegnen in der modernen dichtung. hierzu treten die gebilde der griechischen mythologie, auch sie verschlingen sich in fröhlichem tanze oder ziehen in feierlichem zuge zum klange der musik einher: so hat man unsere musen zu mahlen pflegen, als sie mit zusammen gehenckten händen in einem reihen tantzen. Opitz poet. cap. 3;

ihr wasserfräulein wolbekannt
den reihen sollet führen,
auf harfen, geigen allerhand
die beste saiten rühren.
Spee trutzn. 118, 129 Balke;

es tanzeten die elfen ihre reihen
darnach (nach dem lied der nachtigall) im hain.
Hölty 56 Halm;

[Bd. 14, Sp. 647]



schlingen im mondlicht dort elfen den luftigen reihn?
Schiller 11, 41;

(chor der feen) wir in der hülle
nächtlicher stilleweihenden reihen.
Göthe 11, 66;

meine töchter führen den nächtlichen reihn,
und wiegen und tanzen und singen dich ein. 1, 183;

sie tanzte stets, am ersten mai,
mit blumen in den locken,
den weiszen busen schleierfrei,
im reigen, auf dem Brocken.
Hölty 21 Halm;

und von ihren thronen steigen
alle himmlischen herab,
Themis selber führt den reigen.
Schiller 11, 296;

wenn Zeus auf sternen rund gegangen
im reigen mit der götterschaar,
so färbt' ihm rebensaft die wangen
und rosen kränzten ihm das haar.
Arndt ged. 47;

jugend und schönheit bewahrt im gemüthe,
anmuth und lust euer (der musen) rosiger reih'n. 11;

stimmt ihr ein lied denn an, ihr musen, am heiligen neumond!
herrlich, die leyer im arm, führe den reigen, Apoll.
Geibel 5, 148.

auch im christlichen himmel des mittelalters erschallt der reigentanz, Maria selbst führt den reigen der seligen frauen (Konrad v. Würzburg gold. schm. 238. Suso bei Wackernagel altd. leseb.5 1226, 8):

mîn briutgom vüert den reigen dâ (spricht Maria),
die heilegen tanzent alle nâ.
bruder Philipp Marienleben 980;

reigen in der hölle:

gy sint noch papen edder leyen,
gy scholt myt us to der helle reyen.
Mone schausp. des mittelalters 2, 102;

wenn gottes gericht am jüngsten tage vollendet ist, werden von der gerichtsstätte zwei reigen geführt, einer in den himmel, der andere in die hölle:

swenne der tanz ein ende hât, zwên reien werdent gevüeret,
der eine in die êwekeit,
der ander ze der helle in iemer werndeʒ leit. MSH. 2, 19b.


4) reie in übertragenem sinne: eine der groszartigsten und populärsten vorstellungen der mittelalterlichen phantasie ist es, den tod als reigenführer zu denken, der alle stände zu seinem tanze zwingt; sie hat in den bildenden künsten wie in der dichtung mannigfachsten ausdruck gefunden: wir müssen alle an todtentantz, und einen reigen mit jm tantzen, wir können oder können nit, wir wöllen oder wöllen nit. theatrum diabolorum 388a;

sye msten all uff syne fart (des todes)
und dantzen jm noch synen reyen
bbst, keyser, künig, bischöff, leyen.
Brant narrensch. 85, 88;

gefatter Gerngast, du must sterbn (spricht der tod)
und mit mir gehn zum todtendantz,
den reyhen helffen machen gantz.
Ayrer 2486, 29 Keller;

ich tantz euch vor fraw chaisserin,
nun springt mir nach, der ray ist mein.
ir müszt mit mir den rayen springen. todtentanz bei
Schmeller 2, 86;

her cardinal, nu springent ain dissen reien. Germania 19, 264;

wann fraw stund bringt das stündlin dein,
so mst auch an den reyen mein.
G. Wickram irr reitend bilger 4a;

es mag vom todten reyen,
kein scepter dich befreyen,
kein purpur, gold noch edler stein.
A. Gryphius (1698) 2, 124;

den kampf als reigen aufzufassen, ist schon dem mittelalter nicht fremd (Wackernagel kl. schriften 1, 312), der modernen poesie geläufig:

se rennden malk ein rennspeit entwei,
or swerde, fusthemmer weren mit in dem rei.
Liliencron volksl. 3, 330, 101;

ein Hermann wird sich finden,
der euch an reihen führt.
Abschatz bei
Wackernagel leseb.3 2, 614;

es grollt der alte Sachsentrutz
noch heut in unsern herzen;
der Albion nahm im blut'gen reihn,
kann auch ein joch zerreiben.
Geibel 2, 85;

in anderen bildlichen wendungen; frau Venus führt einen reigen der von ihr bezauberten:

wie wol nu junge leut gemein
durch die vil werdn betrogen,
so werdn doch oft an deinen rein
auch alte narrn gezogen.
Rebhun Susanna in schausp. des 16. jh. 1, 40, 279 Tittmann;

[Bd. 14, Sp. 648]


reigen der sterne: bald prangt im klaren reihen der sterne, mond, dein antlitz. Fr. Müller 1, 79;

unaufhaltsam führen ew'ge stunden
eure (der sterne) reihen durch den weiten himmel.
Göthe 2, 112;

du leuchtest milder
an ruh und glanz als alle stern' im reigen.
Arndt ged. 146;

du, Maria, auf dem thron,
unter dem mit jubiliren
sterne ihren reigen führen.
Tieck Octav. 397;

die planeten der sonne bilden einen reigen:

wandelst (die erde) freudig dahin in deiner sonne
funkelndem reigen.
Arndt ged. 3;

droben die stern' am reihen, sie stehn, es führet zum tanz
niemand sie auf, wenn du es nicht thust, o flötengetön.
Rückert ges. ged. 1, 395;

das schweben der leuchtkäfer dem tanz verglichen:

leuchtkäfer lassen märchenhaft im dunkeln
dazu den lichten reigen nächtlich funkeln.
Geibel 1, 10;

freier gewendete bilder:

frühe führten die unsterblichen, o du sterblicher, dich dahin,
als du eben aus dem blumigen reigen der kindheit hervor
schimmertest.
Stolberg 1, 266;

thränen des danks, dasz ihre jugendtage
gleich dem säuseln des main vorüberflohen,
und den frohen reigen ein neues ihrer
jahre begonnen.
Hölty 101 Halm;

wir (die farben) sind des frühlings lust'ge boten,
und führen seinen muntern reihn.
Schiller 11, 357;

jeder kehret schnell
den blick zum leben und vergiszt, im taumel
der treibenden begierden, dasz auch sie
im reihen der lebendigen geschwebt.
Göthe 9, 305;

die erde steht mit dem frühling braut,
musikanten und schallmeien
spielen auf zu ihrem reihen.
Arndt ged. 104;

der blüthen duft, die saat im heitern licht,
die trift, von neugeborner zucht belebt,
sind sie ein frühling, wenn die jugend nicht,
die menschliche, durch sie den reigen webt.
Uhland ged. 380;

nicht in tönen solcher glossen
kann die poesie sich zeigen;
in antiken verskolossen
stampft sie besser ihren reigen. 150;

(an die freiheit) magst du nie dich zeigen
der bedrängten welt?
führest deinen reigen
nur am sternenzelt.
Schenkendorf bei
Wackernagel leseb.3 2, 1529.


5) formelhaft gewordene wendungen: den reihen führen, anführen, der anführer, der erste einer reihe, einer schaar sein, sowol sinnlich als unsinnlich gedacht: uns ist er deszhalb merkwürdig, weil er den reihen derjenigen anführt, welche auf den grund der chemischen farbenerscheinung und veränderung zu dringen suchen. Göthe 53, 128; es schien, als wenn die Bruckter damals unter den westphälischen Sassen den reihen führten. Möser osnabr. gesch. 1, 162;

bruoder Slunt füert vor den reien. Renner 9405;

das weisz sie auch (die kuh), dasz sie den reihen führt.
Schiller Tell 1, 1;

in demselben sinne den reihen eröffnen, vergl. die reihe eröffnen; den reihen schlieszen in doppelter bedeutung, einmal wie die reihe schlieszen, der letzte eines zuges, einer reihe sein, den abschlusz bilden: ein chorgesang schlosz den reihen der vorträge. die theologie begann den zug und die philosophie schlosz den reigen. Freytag verl. handschrift 2, 119; daneben von dem reigen als geschlossenem rund von tanzenden ausgehend gelangt die wendung den reien schlieszen zur bedeutung einen kreis schlieszen, in körperlichem wie in übertragenem sinne: so wird sich denn auch noch die musik zu mir gesellen, um den reihen zu schlieszen, den die künste um mich ziehen. Göthe 29, 88;

herein! herein!
gesellen alle, schlieszt den reihen
dasz wir die glocke taufend weihen.
Schiller 11, 318.


an den reihen kommen in älterer sprache, sich mit einer sache einlassen: denn als d. Faustus den teuffel beschwur, da liesz sich der teuffel an, als wenn er nicht gern an das ziel und an den reyen käme. volksbuch von dr. Faust 14 neudr; ebenso an dem reien sein, mit dabei sein:

Kurzwil und Hemlin Holin
woldn auch an irem reien sin.
Liliencron volksl. 1, 171a, 455;

darnâch muosen die leien
an den selben reien. St. Ulrichs leben bei
Schmeller 2, 85,

[Bd. 14, Sp. 649]


die leien muszten sich nun derselben prüfung durch den bischof unterziehen wie die geistlichen. so tritt die wendung völlig ein für an die reihe kommen: in dieser manier kommt nun die ganze göttersippschaft an den reihen. Wieland 34, 321;

so woll jhn gott verleyen,
dasz dreymahl drey von nun
und bald kom an den reien,
das dritte kindelein.
Zinkgref bei
Opitz (1624) 174.

auch den folgenden beispielen formelhafter verwendung steht nichts entsprechendes der neueren sprache gegenüber: ein gemachter reie, eine ausgemachte, abgekartete sache; sie fragten nach ihnen gleich so viel als nach uns zuvor, das es war ein gemachter reye. Spittendorf 44, absatz 2; nd. do marckede he unde horde wol, dat yd ein maket reige was. bei Schiller-Lübben 3, 448a;

jeder will schreiben ein kramantzen
das man sech wölichen weg er tantzen
und das er hab ein sundern reigen (dasz er einen besonderen
handel habe).
Brant narrensch. 113a Zarncke;

nun ist der reien ganz. pfeif uf, pfeifer. Schade satiren u. pasqu. 2, 77, 13, nun sind wir vollzählig, nun kann es angehen. ebenso den reien ganz machen.
6) der begriff reie, ursprünglich eine einheit rhythmischer körperbewegung, dichtung und musik bezeichnend, spaltet sich im verlaufe der sprachentwickelung gemäsz den angegebenen elementen dreifach: reie kann also den eigentlichen tanz (s. oben), das tanzlied, und die von instrumenten gespielte tanzweise bezeichnen; mit dem gesungenen tanzliede ist der neueren zeit auch die entsprechende bedeutung von reihen entschwunden. im mhd. bezeichnet reie, worte und melodie umfassend, ein tanzlied und gilt als bestimmte liedgattung. bei den meistersingern begegnet reie neben tanz und leich als technische bezeichnung (meisterl. der Kolmarer handschr. s. 370, ebenda s. 201 hern Frouwenlobes gekrœnter reie, geistlichen inhalts). in den liederbüchern des 16. jahrh. finden wir abendreihen, lieder die zu den ausgelassenen abendtänzen gesungen wurden; die geistliche parodie eines solchen ist überschrieben: ein christlicher abentreien vom leben und ampt Johannis des tauffers, für christliche, züchtige jungfräulein. Wackernagel kirchenl. 3, nr. 1377; bergreihen, ursprünglich ein tanzlied der bergleute, dann bis ins 16. jahrh. allgemein ein unter den sangesfrohen bergleuten umgehendes lied (Uhland volksl. 976), kennt noch Campe. Adelung bemerkt, dasz auch reihen noch in der bedeutung lied im volke hin und wieder vorkomme.
einen reien singen, vom dichter-componisten, wort und weise eines reigens finden:

swie kleine mich diu minne twanc
ze dienst ich den frowen sanc
einen reien minneclîch,
mit süeʒen worten dœne rîch.
Ulrich v. Lichtenstein 431, 11;

der dichter nennt oder erwähnt sich am schlusz des liedes:

her Nîthart disen reien sanc.
Neidhart L, 25;

ein umbevanc
mit armen blanc,
des wünscht dem, der den reijen sanc. MSH. 2, 65b;

und der uns disen reien sang,
so wol gesungen hat,
des haben getan zwen hawer
zu Freiberg in der stat.
Uhland volksl. 74;

ei der uns disen reien sang
ein gter berkgesell ist ers genant. 415;

den reien singen vom vortrage des vorsängers, beziehungsweise dem einfallenden chor:

trûric herze vrô
wirt von im, swanne er singet dien vrouwen den reien. MSH. 2, 82a;

êrent den meijen,
singent den reijen,
ir sult iuch zweijen. 1, 147a;

dîn (des maien) kunft wil vromen, daʒ vil manic reie
wirt gesungen, dâ die bluomen dringent dur daʒ gras. 1, 351b;

(die studenten) singn auch jhr vielstimmige reyen.
Rollenhagen froschm. C 7a;

reie nur als tanzmelodie, tonweise schon im mhd., scherzhaft:

ich hort uf ainem buntschch
ainen rayen gigen.
Pfeiffer übungsb. 154, 85;

mnd. mit syner harpen suverlik
entfenk he (David) Marien lovelik
unde to der sulven stunde
einen soten rei he to spelen begunde. Marien himmelfahrt, Germania 15, 373;

[Bd. 14, Sp. 650]



pfeif auf, pauker, mach uns ein raien! fastn. sp. 390, 3,

pauke und pfeife gleichzeitig gespielt, vergl. Franz M. Böhme gesch. des tanzes 285. Massmann die Baseler todtentänze, atlas bl. 1;

pfeift auf, ir lieben knecht,
und machet mir den reien recht! fastn. sp. 578, 14;

wir habn auch ein hannen tanz ghapt
in unsrem dorff umb unsren mayen,
zwen sackfeiffer machten den rayen.
H. Sachs fastn. sp. 2, 33, 230 neudruck;

schlag auf, pauker, ein frischen reien! fastn. sp. 539, 30;

und haist auf pfeifen, es ist zeit,
wer tanzen wil, dem gebt ainn reien. 716, 5;

auf blut'ge schlachten folgt gesang und tanz,
durch alle straszen tönt der muntre reigen.
Schiller jungfr. von Orl. 4, 1;

aber der bräutigam höret nicht mehr,
nimmer erweckt ihn der fröhliche reigen,
denn der schlummer der todten ist schwer. braut von Messina 1952;

ein bachantisches getön
von reigen und von pauken donnert ihm
aus dem erleuchteten palast entgegen. don Carlos 1, 4.


7) A. Gryphius und Lohenstein brauchen reihen in ihren dramen in derselben bedeutung, in welcher χορὸς im antiken drama verwandt wird; reihen bezeichnet also sowol die chorbildende schaar, wie das von ihr vorgetragene chorlied: die reyen der hofeleute, jungfrauen und priester. A. Gryphius Leo Armin., personenverzeichnis; reyhen als überschrift eines chorsatzes. 1, 224 (1698).
8) die lebendige volkssprache hat reihen in einigen gegenden bewahrt und zwar vornehmlich im sinne von tanztour, einzelnem tanz: so im hessischen Vilmar 321; im bair. der raijen in gleicher bedeutung Schm. 2, 85, vgl. Birlinger 369, Neubauer idiotismen der Egerl. mundart 89a. ähnlich schon in der älteren sprache: zum allerersten musz man die jungfer, die man zum dantze aufziehen will, fein höflich, und mit einem feinem reverentz um den dantz ansprechen, mit vermelden, einem die grosze ehre und freundschafft zu erweisen, und ein oder zwey reyhen mit einem zu dantzen, sich belieben zu lassen. Schmid schauplatz der dantzenden 176;

pfeif auf, spilman! der erst rei ist mein,
und spring daher mit einer junkfraun fein. fastn. sp. 57, 30.

niederd. rei erscheint bei Schambach 169b in der bedeutung das herumlaufen, herumschweifen, namentlich in den straszen am späten abend.
9) in der turnerei wurde der alte reigen, dessen verdrängung Jahn (vgl. die unter 1 angeführte stelle) lebhaft beklagte, künstlich wieder belebt in der gestalt rhythmisch tanzartiger bewegungen einer reihe von turnern.
 
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reihen , tanzen, schwaches verbum vom vorhergehenden abgeleitet, erst im mhd. belegt; neben der gewöhnlichen mhd. form reien begegnet auch reigen und reijen, wie reige und reije neben der reie. das umschriebene präteritum mit hân gebildet:

unrâtes ein volleʒ hûs,
in dem ofte manic mûs
getantzet unt gereiet hât,
sô si anderswâ was worden sat. Renner 1646;

mnd. reien, reigen, nl. reyen Kilian. um 1500 ist im hd. die form reihen bezeugt Dief. 151c corisare, daneben erhalten sich reyen und reygen ebenda nov. gl. 114b. im späteren nhd. geht das wort verloren, Schottel, Stieler, Steinbach verzeichnen es nicht, Adelung und Campe kennen es nur aus der älteren deutschen litteratur. die bekanntschaft mit dieser läszt es auch später hin und wieder auftauchen. mundartlich hat reihen eine rohere bedeutung angenommen und in dieser sich erhalten.
1) reihen tanzen. reien wird im mhd. immer vom chortanze gebraucht, während tanzen in engerm sinne sich auch auf die orchestische bewegung eines einzelnen paares oder eines herrn und zweier damen beziehen kann. Schultz höf. leben2 1, 544; reien im engeren sinne, im reihen, dem ländlichen frühlings- oder sommertanze, der im freien stattfindet, tanzen; wie aber schon bei Neidhart tanzen und tanz auf den reien übertragen wird, so nimmt auch reien schon früh eine weitere bedeutung an. sehr gern wird tanzen und reien formelhaft zusammengestellt:

ich bin holt dem meien,
dar inne sach ich reien
mîn liep in der linden schat.
Neidhart 6, 13;

nu wol ûf, reijen vür den walt
an eine wise lange,
dâ die bluomen wunneclîche dur daʒ gras
sint gedrungen manicvalt. MSH. 2, 77a;

[Bd. 14, Sp. 651]



eʒ was hie vor unbillîch, daʒ nu mengiu tuot,
daʒ si ze holze liefen reijen, sam die knaben. 2, 77b;

swâ si gât zuo der linden
mit wol gemuoten kinden,
dâ zimt ir wol daʒ reigen. 2, 87a;

in sînem hûse man ouch treib
an lustlîchen dingen
vil reien unde springen
mit schônen juncfrouwen. pass. 302, 18 Köpke;

da diu unselde reiget.
Hugo v. Langenstein Martina 71, 60;

wir suln tanzen, wir suln springen,
wir suln vrœlich reigen, wir suln singen. MSH. 1, 357a;

nu wol ûf, kinder, gên wir dar
tanzen unde reijen,
dâ die bluomen wunneclîche stênt gebluot. 2, 77a;

kurzweil si niht enlieʒen
tanzen, reien manicvalt.
Suchenwirt 6, 85;

der guckguck mit seinem schreyen,
macht frölich jederman,
des abends frölich reien,
die megdlein wohlgethan. Ambras. liederb. 20, 9;

mit pfeifen und mit schalmaien
süllen wir darumb (um das erste veilchen) raien. fastn. sp. 413, 12;

(ich will) mit den gätlingen raien
hin und her umb den maien. 403, 2;

es get gen dem maien,
so Mätz und Irmel raien
ich musz haben ain neues swert. 427, 2;

wir wellen raien zu dem wein
und zu dem gueten piere. 496, 2;

wir wellen raien auf diser fart
her gen Engelmair. 399, 21;

mit steinstoszen, auch zu der letz
mit gradigkeit, tanzen, reien und singen.
H. Sachs meisterl. 176, 33 Gödeke;

wir danken dir für solchen schutz
mit jauchzen und mit reyen.
Harsdörffer sonntagsandachten (1652) 2, 46;

hie (im himmlischen paradiese) harphen, gîgen, hie singen, springen, tanzen, reigen und ganzer frœden iemer phlegen. Suso bei Wackernagel altd. leseb.5 1226, 8; wer an der vasnacht reige wil, mag her nicht spilemans gehabe, so sal her subirlich und hubische lit vorsinge. Saalfelder stadtrecht 184 (bei Wackernagel gesch. der deutschen litt.2 1, 332, 9); ez sol auch dekain dienstmagt ze hohzeiten raien noch tantzen an der burgerein raien oder tantz, oder si mz geben zwene schillinge. Nürnb. polizeiordn. 60; und mügt ir mir bewären das man zu hymel danzt und reyet. heiligenleben (1472) 145a; ja einander die händ bieten wie Gratie meidlin, wann sie reyen. Fischart Garg. (1590) 93; nd.: wanneir de knechte (schneidergesellen) to S. Walburgis dage willen reyen, so mogen se vrolik under sik wesen, utenomen vrowen unde juncvrowen, der en scholen se nicht hebben in erer kumpanye. Lübecker zunftrollen 423 bei Schiller - Lübben 3, 450a; sprichwörtlich we naket manckt katten reyet, de krycht gerne strypede hut. ebenda.
2) Schambach 169b führt nd. reien, rëen in der bedeutung sich herumtreiben an, besonders gilt es von mädchen, die abends mit männern herumlaufen (vergl. der rei in entsprechender bedeutung bei Schambach a. a. o. und reiher der herumtreiber unten). mit diesem reien scheint das hessische reihen, reien, sich dummeln bei Vilmar 321 zusammenzuhängen, welches dieser auf reiden, ahd. rîdan, ags. vrîðan drehen, wenden zurückführt. Adelung erwähnt als in einigen oberdeutschen gegenden gebräuchlich umreihen in dem sinne von herumschweifen, herumstreichen. dieses umreihen findet sich schon, wie bereits Frisch 2, 105a bemerkt, in dem vocabular des Joannes Altenstaig von 1516 (bei Diefenb. 185b umbreyen, -schweiffen, -ziehen, discurrere). dieser gebrauch hat sich wol besonders aus dem übermütigen treiben, das zur zeit der fastnacht üblich war, entwickelt.
 
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reihen, verb. zu einer reihe verbinden, ordnen. reihen arranger, disponere in ordinem Schottel 1384. dem im nhd. der schwachen flexion angehörigen verbum entspricht mhd. das starke verbum rîhen, rêch, rigen, gerigen, auf einen faden ziehen, mit einem faden durchnähen, heften, zusammenschnüren. im ahd. ist von diesem verbum nur das part. prät. garigan belegt Graff 2, 429. im mnd. finden wir das wort in der form rigen, part. prät. geregen, nnd. meist in der bedeutung lose vornähen, rijen brem. wb. 3, 491, reien, rëen, rigen Schütze 3, 284, rîen Schambach 172a, sik rîgen sich reihen, sich ordnen Woeste 214b, daneben riggen in der alten bedeutung, mit weiten losen

[Bd. 14, Sp. 652]


stichen nähen 215a. rêgen reihen Frischbier 2, 219b, ostfries. rêen, rêjen ten Doornkaat-Koolman 3, 21b, nld. rijgen (das dän. rije, rie ist aus dem nd. übernommen). auszerhalb des deutschen sprachgebietes ist das wort nicht bezeugt. Fick3 3, 253 vergleicht lit. rëkiu, rëk-ti schneiden, sanskr. rikh, ârikha anritzen, aufreiszen, rekhâ risz, strich, reihe, dazu griech. ἐρείκω aufreiszen, ἤρικον barst ebenda 1, 410. das ags. fem. rw, râw, engl. row scheint nicht mit ahd. rîhan zusammenzuhängen. das verbum nahm in der schriftsprache allmählich die bedeutung eines denominativums von reihe an, und gieng demgemäsz in die schwache flexion über. dabei entschwand dem nhd. mit der starken flexion völlig jene alte bedeutung des nähens, heftens, ansteckens, beide erhielten sich mundartlich. das nld. hat ebenfalls die starke flexion bewahrt. bemerkenswert ist, dasz schon im ahd. ein schwaches verbum, von rîga oder riga gebildet, auftaucht. iahchenton girigeton glossiert iacinthis sutilibus Steinmeyer-Sievers 2, 496, 64; ein participium gerigôt findet sich bei Notker 1, 842, 15: scôniu gadem. unde gerigôt first clizen darana mit snêfareuuên brorten. gerigôt first übersetzt culmen sectatum streifenförmig oder irgendwie mosaikartig belegtes dach. das starke particip ist im 16. jahrh. noch vielfach zu belegen, wofür beispiele unten folgen. Stieler 1585 führt nur noch schwache formen auf, reih, reihen, gereihet, daneben reigen und riegen, letzteres ist die nd. form; reigen neben reihen wie reige neben reihe. s. oben sp. 636.
Bedeutung.
1) durchstechen und durch etwas zusammenhaltendes verbinden, z. b. durch einen faden, streifen oder dergl. auf einen faden ziehen, mit einem faden durchnähen, zusammenschnüren, flechten, einflechten, dann, indem besonders der begriff des durchstechens hervorgehoben wurde, aufspieszen. in der nhd. schriftsprache ist uns noch das reihen auf einen faden geläufig; in der bedeutung nähen findet sich das wort in technischem gebrauch und mundartlich, die freiere anwendung durchstechen gehört nur der älteren sprache an.
a) auf einen faden aufreihen. so schon im ahd., wo die sutiles lapilli des Prudentius, an eine schnur gereihte edelsteine, durch girigina glossiert werden. Graff 2, 429: weizenkleien in ein säcklein gethan und rautenweis mit einem faden geriegen. Tabernaemont. kräuterb. 601; ich muste mich nun gleich auf das gewonnene pferd setzen, und die 1000 ducaten, anstatt des glücks - töpffers seiner gewonnenen frau, wurden alle an ein pater noster gereihet. Schelmufsky 2, 32;

die perlen reih' ich all an eine feine schnur,
bis voll ein halsband wird.
Rückert brahm. 12, 76;

reflexiv:

denn wenn ich hier nicht grausam bin,
wie soll die schnur sich reihen?
Göthe 5, 234,

wenn ich dich nicht durchbohre, spricht der juwelier zu der perle, wie soll die perlenschnur durch aneinanderreihen sich bilden?
b) durchnähen, mit einer verzierten naht, borte besetzen: man pflegte in der höfischen zeit besonders die kostbaren frauenhemden an den nähten mit perlen und edelsteinen zu besetzen, vgl. Schultz höf. leben2 1, 250 ff.:

wan daran was die nât
von grôʒen perlin gerigen. Wigamur 2573;

geriegen erhält so die bedeutung mit verzierter naht, besatz versehen: schöne röck, schöne hembder, alles geriegen unnd auszgenehet. theatrum diabol. 209a; mnd. neynen wîwe temet stripechtich edder undersneden edder rocke langhes geknost edder in den syden geregen wen gemeynen vrouwen. handschr. bei Schiller-Lübben 3, 480b; (die Reuszen) tragen auch schöne, weitte, lange, eingestochen mit gold und roter seiden, erhebte hembder, von zarter leinwadt gespunnen, an der brust oder halsz seltzam gerigen. S. Franck weltb. (1567) 57a. bis heute hat sich reihen in der bedeutung nähen mundartlich erhalten, und zwar in dem engeren sinne mit weiten stichen nähen, lose vornähen, heften, so im bair. reihen, reigen, part. prät. gerigen Schmeller 2, 84, schles. reigen, part. gerigen, daneben gereigt einnähen, fälteln Weinhold 77a, vgl. v. Pfister nachträge 231; Kehrein nass. volkssprache 327, ferner die oben angeführten nd. belege. weitere in älterer sprache vorkommende ausbildungen dieser bedeutung sind, vermittelst eines durchgezogenen fadens fälteln, dann schnüren, vgl. nld. zich rijgen, sich einschnüren Kramer. im sinne flechten begegnet das wort schon im ahd.: daz zîero gerigena gefluhte ûzer gedrungenên roson daz man brûten machôt (rosis decusatim vinctis sertata contextio). Notker 1, 759, 26 Piper, daher gerigi der kranz Graff 2, 430:

manec stein klâr
was im gerigen in daʒ hâr. Apollon. 11786 bei
Lexer 2, 431;

[Bd. 14, Sp. 653]


ähnlich noch im nhd.:

seh' ich die bäume dann mit ihren grünen zweigen,
und wie die äste sich schön in einander reigen,
und gleichsam als umbfahn ...
Opitz 2, 152.


c) durchstechend aufspieszen, transitiv und reflexiv: ettleich gefangene juden hiengen die Römer mit den füʒʒen auf, ettleich rigen sy an die lanzen. Schmeller 2, 84;

Pyramus, das edel hertz,
mit seinem plen umb liebes schertz
rygen sich baide an ain swert.
Hätzlerin 1, 119, 227;

dann im mhd. durchbohrend stechen:

sich bewarte an dir daʒ wort,
daʒ ir seite Simeôn,
dô man rêch der lanzen ort,
herre, in dîne sîten vrôn. MSH. 2, 311a.

Fick3 1, 195 vergleicht das homerische ἐρεικόμενος περὶ δουρί.
2) zu einer oder mehreren reihen ordnen, zu einer reihe verbinden, in ordnung stellen; so besonders sich reihen, sich reihenweise ordnen, allein oder in verbindung mit präpositionen und adverbialen bestimmungen (vgl. anreihen, einreihen u. a.). die ausbildung dieses gebrauches gehört dem nhd. an, in älterer sprache findet er sich nur spurweise:

chompt, ir gesegent, in mein reich,
daʒ ew berait ist; die ich reich
tzu samen, die sind mein hab.
Suchenwirt 44, 105.


a) reihen, sich reihen, ohne adverbiale bestimmung: die vögel reihen sich, wenn sie hinter einander in einer linie fliegen; die processionen reihten sich, um abzuziehen. Göthe 43, 288; die beobachtungen, worauf er sich gründet, sind schon einzeln gemacht, auch gesammelt und gereihet worden. 58, 75; sprichwörtlich: reihet euch, sagte der bauer, da hatte er nur eine kuh im stalle. Simrock sprichw. 321. Wander sprichwörterlex. 3, 1634;

aber vor allen strahlt Aneas im glanze der schönheit,
reiht und gliedert und führt den zug.
Bürger 246a;

tretet heran,
stufe für stufe,
reihet euch ernst.
Göthe 41, 210;

und nach der ordnung
setzten sich alle gereiht auf stattliche sessel und throne.
Voss Od. 1, 144;

sick rigen im sinne von sich geziemen: wo sick na erer gestalt, redden und aller billicheit rygen und bethemen mach (1525). Niesert beitr. zu einem Münsterschen urkundenbuche 1, 112 bei Schiller - Lübben 3, 480b.
b) mit präpositionen und adverbialen bestimmungen: die scenen sind lose an einander gereiht; bunt an einander gereihte bilder; so reihte sich ein glücklicher, jugendseliger tag an den andern. Klinger 10, 29; welche nacht! — hier schlägt ein glanz über ihn zusammen, der nacht und himmel und erde an einander reiht. J. Paul Hesp. 1, 118; ein schema hiervon zeigte er gern, mit eigner hand zierlich geschrieben, worin die geschlechter nach diesem sinne gereiht erschienen. Göthe 58, 97;

wie viel sind element? man sagt von vier auch zweyen;
nein, fünffe; denn das gold wil auch sich drunter reyen.
Logau 3, 141, 20;

wie beeren zu beeren an trauben des weins,
so reihten wir küsse zu küssen in eins.
Bürger 59a;

die zierlichen zimmer
reyhn um den einsamen hof heimlich und traulich sich her.
Schiller 11, 193;

weil du liesest in ihr, was du selber in sie geschrieben,
weil du in gruppen fürs aug ihre erscheinungen reyst, ...
wähnst du, es fasse dein geist ahnend die grosze natur. 11, 93;

ach, auf das muthige rosz mich zu schwingen,
an den fröhlichen zug mich zu reihn! M. Stuart 3, 1;

wie sollt' ich schweigen von den dreien (schlössern),
die sich dem gau zum schmucke reihen?
Uhland ged. 295.


3) reihen in der gewerkssprache.
a) bei den schneidern anreihen, den oberzeug auf dem futter mit langen verlorenen stichen annähen, so dasz er überall gleich aufliege. Jacobsson 1, 55a. s. reihefaden.
b) bei den leinewebern, im neuen geschirr die fäden durch die ringe und durch das rieth ziehen. Jacobsson 7, 55a. s. reihehaken und reihkamm.
 
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reihen, verb. bellen, vom fuchs: reihen, wie der fuchs. Schottel 1384. Stieler 1578. in älterer sprache reien: der fuchs bildt, der fuchs trabt, der fuchs reyet. Sebiz feldbau (1580) 569; auff dasz man nicht dencke, das er auch etwas

[Bd. 14, Sp. 654]


darmit bestäupt sei, und mit solchen füchsen gereyet habe. Fischart bienenk. (1586) 229b.
 
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reihen, verb. sich begatten, besonders von wasservögeln: reihen heiszt es, wenn die enten sich paaren. Heppe wohlredender jäger 240b; bair. rähen vom männchen des geflügels, das weibchen treten Schm. 2, 81, rêge Kleemann beitr. zu einem nord - thüring. idiotikon 17b; Weigand 2, 457 belegt es aus dem 15. jahrh., reyen nach begattung verlangen, von einer hündin: ein vertige reyende hündin kan man mit banden und ketten kume da heim beheben. altd. bl. 1, 61. die herkunft ist unbekannt, man hat es mit ags. vrîhan bedecken in verbindung gebracht. vgl. reihern und reihisch.
 
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reihen, verb. wenden, drehen, erscheint mundartlich, besonders vom wenden eines wagens Vilmar 321. reihen lenken, in der reihe halten Kehrein 327; als intransitives verbum führt es Lenz der handschuhsheimer dialekt 39b an: raie einem wagen durch handhabung der deichsel oder einem schlitten vermittelst der füsze eine gewünschte richtung geben. im schwäb. bedeutet reihe einmal die handhabe des pfluges, dann denjenigen theil des wagens, wo die räder beim umwenden durchgehen. Schmid schwäb. wb. 429. sich reien hat im hessischen die bedeutung sich tummeln, eilen angenommen Vilmar a. a. o. dieser meint, dasz reien das alte rîdan, wrîdan. nhd. reiden ist (s. sp. 619). hierfür spricht, dasz in der westphälischen mundart ein raien, prät. redde, part. red, bereiten, zurüsten, sowie ein sik raien, sich fertig machen, sich beeilen im gebrauch ist Woeste 209a. hier ist aber die grundbedeutung sich fertig machen, und das hessische sich reien mag daher aus dem niederd. stammen, das reihen, drehen, wenden wird aber, worauf schon die oberdeutschen belege hinweisen, anderer herkunft sein. ob es zu rîhan sertare, reihe series gehört, ist zweifelhaft. reihen wenden, drehen scheint auch dem mhd. schon anzugehören und zwar intransitiv:

ach, frowe, mit dîner gnâden schif, du juncfrou, zuo mir rîhe. meisterl. der Kolmarer handschr. 166, 39;

vielleicht ist auch folgende stelle des narrenschiffs hierher zu ziehen:

do dantzen pfaffen, mynch und leyen
die kutt msz sich do hynden reyen.
Brant narrensch. 61, 21;

im hessischen findet sich die fortbildung reiheln. vergl. Vilmar a. a. o.
 
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reihenadel, f. nadel zum fälteln, schnüren, nld. rijgenald. schles. reigenulde nadel zum einnähen der falten, namentlich an hemdkragen. Weinhold 77a.
 
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reihenamt, n. ein amt, das unter einer anzahl von berechtigten bez. verpflichteten reihum geht. s. DWB reihenschulze.
 
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reihenartig, reigenartig, adj. nach art eines reihentanzes: so blieb sie, bis die drei stücke, welche die männer aufführten, zu ende waren und die musik mit einer melodisch heitern, fast reigenartigen wendung geschlossen hatte. Keller werke 2, 258. ferner auch nach art einer reihe.