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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
naucken bis naupen (Bd. 13, Sp. 472 bis 474)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) naucken, verb. einnicken, schlummern Schm. 1, 1721 Fromm., nauggen Stalder 2, 233: dasz er mit dem kopf angefangen zu naucken. Wätterstorf Bacchusia 241. vergl. DWB nücken.
 
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naue, nau; nave, nafe, naffe, näffe,f. und m. navis. spätahd. aus dem summarium Heinrici nâwa Graff 2, 1109; mhd. nâwe, næwe Lexer 2, 42; bair. nau, nauen und naven, nafen f. Schm. 1, 1708. 1729 Fromm.; schwäb. nau f. Schmid 402; schweiz. nauen, nauwe f. und m. Stalder 2, 232. die alten vocabulare haben: navis, ratis, schif vel nau voc. opt. 29, 9; nawe, phaselus Dasyp. K 7b; navis, die nauen Dief. nov. gl. 262a (vom j. 1516); der nauwen, aphractum Maaler 303d; nawen, corbita Denzler 210b. — von Grimm kl. schriften 3, 124 und von Curtius3 292 wird naue mit nachen und altn. naust (wol aus älterem navist Weinh. altn. leben 135 anm. 5) in urverwandtschaft gestellt zu griech.-lat. nau (ναῦς, navis, nau-fragium u. s. w.), doch ist wol eher mit Fick2 112, Wackernagel, Weigand u. a. eine entlehnung aus lat. navis, it. nave anzunehmen mit diphthongisierung von av (mhd. âw), wobei das deutsche nau (s. DWB nau adv.) mit eingewirkt haben mag. keinem zweifel unterliegt die entlehnung in den nicht diphthongisierten formen nave, nafe, naffe, näffe (vgl. auch navill und navilio aus ital. naviglio L. Rem anh. 136, und mit dem nave navigiren 169); auch bei Kantzow pomm. chron. 2, 231 heiszt es deutlich genug: neun schiff ..., darunter zwei grosze naven, wie sie die Walen (Wälschen) heiszen.
1) schon das lat. navis musz im mittelalter eine bestimmte bedeutung angenommen haben, indem im 12. und 13. jahrh. die schlechthin naves genannten fahrzeuge in ähnlicher weise wie in den späteren deutschen quellen die nauen neben den galeen und andern schiffen als bestandtheile der flotten erwähnt und öfters an erster stelle und mit bestimmten namen angeführt werden (s. die nachweise bei Schultz höf. leben 2, 280). auch in Rožmitals reisebeschreibung vom j. 1465—67 werden als navigia maritima die naves, galeones et cochae (kocken) genannt und hinzugefügt (s. 38): navis dicitur, quae ventis et solis (velis?) agitur, galeon est, qui remigio ducitur etc., so dasz wir also wol auch unter naue zunächst ein gröszeres segelschiff (kriegs-, handels-, fracht-, lastschiff) zu verstehen haben: wie sich der veind mit 20 galeen, 8 nauen und bei 100 kleinen schiffen auf dem mer für s. Veit geslagen haben. Chmel urkk. .. zur gesch. Maxim. I. 236; der groszen naf ist nit mer dann zwo .. der nafen ein ist in den port .. durch den windt getriben. ebend.; unser näff wardt sandt Nicla genannt; so fuern noch zwo nauen mit. font. rer. austr. 1, 183; also bestellet mein herr ein naffen (später das grosz schiff) .. des nachts kam ein wind, das wir varen mochten. Rožmital 153; und bestalten ein andern naffen. ebend.; do ist ein naffen mit aufgeworfen segel auf dem mer hergangen. do haben die rauberschiff die naffen ersehen. 168; zwu grosz raubers naffen. 159; zwu näffen und zwu galein. 179;

galleen, füst, krack, nawen, parck,
kiel, weidling, hornach, rennschiff starck.
Brant narrensch. vorr. 15;

fuor ich ... aus in ainem bisgayer nave. L. Rem tagebuch (1494—1541) 12; begeret .., das er mit einem nave sicher navigiren und handlen müge. anh. 169; nachmalen fuoren sy

[Bd. 13, Sp. 473]


wider auf ire nave. 170; sind also alle funf nave bei und mit einander. 167; die naven, so eingefaren ist .. mit der ladung. 132; und will setzen auf dise reis 40 naven. ebend. u. ö.; mit sieben gallein, nauen oder lastschiffen. S. Frank weltb. 51;

hat er den anschlag bald fürkommen
und hat die groszen naf (ein groszes kriegs- und handelsschiff
der Rhodiser) armiert.
Liliencron volksl. 261, 41 (v. j. 1510) u. anm.;

es kummen ausz Frankreich
zwölff naue euch zu hilff geleich.
H. Sachs 12, 539, 16;

wann ich hab .. vernummen,
es sei nechten ein naue kummen
mit aller kauffmans-wahr hieher. 13, 267, 3;

mit dreizehen nauen abfuhr Ulysses. 5, 370c;

der tyrann Nabis hatte auch ein kleine anzahl schiff zugericht, drei gedeckte nauen und etlich weid- und rennschiff. Rihel Liv. 503 u. ö.; im syrischen mör werd ir neun tausent vierzehen groszer nauen (naven ausg. v. 1617) mit bestem wein geladen haben. Fischart Garg. 222b; es waren grosze nauen do; sachen die Engellender do wein laden. F. Platter 282 B.; nauwen, grosze kornschiff, darinn man korn fuort oder sunst kauffmanschatz. Maaler 303d; nauen, nauwe m. f. last- oder frachtschiff von 40—60 schuhen länge. Stalder 2, 232. — in dem einzigen spätahd. belege wird das compositum vernâwa durch lat. calo wiedergegeben: vernâwn vel karrodin, calones, naves quae ligna portant, also ein holzschiff. Graff 2, 1109. mhd. belege stehen nicht zu gebote.
2) ein fährschiff. mhd. nâwe und næwe, md. nêwe, woraus mit wechsel von w zu h nähe entstanden ist (sp. 289):

ûʒ der nêwen er do trat,
den vergenlôn er ime geben bat. krone 20277;

schier kam er an daʒ übervar,
daʒ was nû brücke und nêwen bar. 21320;

navis, quae dicitur nêwe. Baur hess. urk. 2, 87 (vom j. 1241); das wir han ein fare in R. gemarke, und wan wir da selbs han ein newe gen. weisth. 4, 634 (mrh. aus dem 14. jahrh.); alem. nâwe Zürcher richtebrief 53. habsb. urbar 187, 4. 5; ein ferr (ferge) soll han ein nawen. Wurstisen Basler chron. 414; nowe Mone quellen 3, 505; elsäsz. noge Königsh. 689, 15 (vgl. Weinh. alem. gr. § 216).
3) schweiz. auch ein kleineres schiff, ein fischerboot, kahn: und leitent in (Tell) die knecht also gebunden in einen nauwen oder schifflin uff das hinder gepiet. Etterlin chron. der eidgenossen in Wackern. leseb. 3, 72, 14; do schwang er mit gewalt .. den nauwen oder das schifflin hinden zuo der blatten ... und sprang usz dem nauwen uff die blatten, stiesz den nauwen von im. 73, 9 ff.;

mach hurtig, Jenny, zieh die naue ein.
Schiller 14, 273 (Tell 1, 1).


 
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nauen, verb. wie benauen th. 1, 1466 (s. DWB nau unter genau) Stieler 1336, mnd. nouwen Schiller-Lübben 3, 206a, nd. nauen: wen de nood nauet. brem. wb. 3, 225. Stürenburg 158.
 
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nauf, adv. s. hinauf th. 42, 1385 und dazu noch:

erst fürt sie mich nauff an die zinnen.
H. Sachs 4, 168, 9 u. o.;

nauf in das Hegey. Baumann quellen 1, 624; bin nauf zur printzes .. zu fusz durch den garten. Elis. Charl. (1871) 245; waren einen gähen berg nauff gefahren. 444; die leiter nauf laufen. Stilling 1, 112; da seht ihr nicht nauf. Klinger Otto 31, 19 neudruck.
 
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naufahrt, f.
1) die fahrt stromabwärts (s. DWB nau adv.) Jacobsson 3, 132. Schm. 1, 3 Fromm., mhd. nouvart (aus enouvart) Lexer 2, 117.
2) der fahrweg, thalweg im strom, das fahrwasser Schm. a. a. o.: unzt mitten in die naufart der Salzach und also die naufart ganz ab unz geen Laufen. österr. weisth. 1, 54, 41. vgl. 76, 27. 81, 22. (17. jahrh.).
3) ein groszes (zu thal fahrendes) salzschiff Lori bergr. 499b: es sol auch ain anhalzullen alzeit mit der nawfart hinnaw (stromabwärts) gen. österr. weisth. 1, 88, 13 (vom j. 1426).
 
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näufeln, verb. s. DWB läufeln th. 6, 314 und Schm. 1, 1730 Fromm. Vilmar kurh. idiot. 281.
 
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nauferge, m. der ferge, der ein groszes salzschiff (naufahrt 3) dirigiert. Lori bergr. 499b. Schm. 1, 3 Fromm.: wann er nu faren wil nach des nawvergen rat. österr. weisth. 1, 87, 12 (vom j. 1426).
 
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nauke, f. gleich auke (th. 1, 817) und neben diesem in Kärnten und Tirol gebräuchlich. Lexer 12. 196. Schöpf 23. 463.

[Bd. 13, Sp. 474]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) näulich, adv. mit mühe kaum (s. DWB nau unter genau), mhd. nouwelîche:

kaum dich regest,
näulich wegest.
Spee trutzn. 300 (219 B.).


 
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naupe, noppe, nuppe, f. gewöhnlich im plur. die naupen, noppen, nuppen, verdrieszliche schwierigkeiten die eine sache macht; eigensinnige gemütswunderlichkeit, störrigkeit, bösze laune, tücke, schrulle, grille u. dgl.: bair. schwäb. die naupen Schm. 1, 1751 Fromm. Schmid 402; westerw. und nassauisch die naupen, noppen, nuppen. Schmidt 121. Kehrein 1, 291; kurh. die nuppen, noppen (wer solte under solchen güldenen wörtlein solche falsche noppen gesucht haben. vom j. 1607) Vilmar 287; es hatt wol mit uns priestern noth; dann eine rechte römische seelmess zu halten het auch nauppen hinder ihr, man musz die wort gar eigentlichen wissen, hoch oder nider, laut oder heimlich. eselkönig (Straszburg 1625) s. 399; drum auch der magistrat, so ... deine nauppen lang zuvor gekennet ... dir recht geantwortet. Alemannia 10, 196a (vom j. 1624);

und gibt in selbst offt böse naupen.
Fischart nachtrab 57;

hieher gehören die Fischartschen composita: naupenbuch podagr. trostb. (1577) C 2a; naupengeheuerlich Garg. titel; naupentückisch 17b. vergl. DWB noppe, DWB noppen.
 
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naupen, verb. gleich benaupen Stieler 1336; schwäb. nicken, nickend schlummern Schmid 402.