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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
menscheln bis menschenandacht (Bd. 12, Sp. 2038 bis 2039)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) menscheln, verb. sich menschlich zeigen: weil nu der lebendig unverkocht affect noch menschlend, der haut förcht, und nicht umb der bissigen scharpfen warheit willen leiden wil. S. Frank weltb. vorr. A 5a; schwäb. menschlen, nicht besser sein als die menschen gewöhnlich sind: es menschlet bei ihm halt auch. Schmid 382; schweiz. menschelen, menschliche gebrechlichkeiten an sich haben und äuszern, er menschelet, fehlt, ist nicht besser als andere, es menschelet, riecht nach gebrechlichkeit. Stalder 2, 208; auch im bairischen sprachgebiet: menscheln, menschlich, fehlerhaft handeln, es tuet auch bei den besten leuten oft menschelen, es ist menschenart Schöpf 434. sonst heiszt unpersönliches menscheln nach menschen riechen, von einem schlecht gelüfteten zimmer z. b. sagt man hier menschelts (vgl. auch menschern 1).
 
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menschen, verb., vergl. DWB entmenschen, DWB vermenschen.
 
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menschenabbild, n.: ihre (neuerer dichter) charaktere oder menschenabbilder sind gute konditor- oder zuckergebilde. J. Paul uns. loge 1, xxxiv.
 
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menschenader, f. ader am menschlichen körper:

mit jammer nicht die erde füll er an;
mit blut nicht, das in menschenadern rann,
befleck er wild der erde lieblichkeit!
Freiligrath dicht. 3, 27.


 
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menschenaffe, m. affe der menschenart hat: gingen wir, wie bär und affe, auf allen vieren, so lasset uns nicht zweifeln, dasz auch die menschenracen (wenn mir das unedle wort erlaubt ist) ihr eingeschränktes vaterland haben und nie verlassen würden. der menschenbär würde sein kaltes, der menschenaffe sein warmes vaterland lieben. Herder zur phil. 4, 180; auch der den menschen nur nachahmt, in gestalt und art, hier vom zwerg:

ich wartete, dasz von den menschenaffen
er (der engel) mich zu menschen brächte.
Rückert ges. ged. 1, 170.


 
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menschenähnlich, adj.: einen ganzen band der wunderlichsten affenbilder .. der anblick dieser menschenähnlichen und durch den künstler noch mehr vermenschlichten abscheulichen geschöpfe machte Lucianen die gröszte freude. Göthe 17, 236; kindlicher einbildung der völker war es angemessen, wie alle götter menschenähnlich, auch einen künftigen aufenthalt nach dem jetzigen eingerichtet sich zu denken. J. Grimm kleine schriften 5, 358;

denn niemals lieszen aus dem tiefen raum
sich menschenähnliche gesänge hören,
nur käfer summen hier mit sachten stimmen.
Platen 318;

todt zu ihren füszen lag der
meerdrach, dieser hatt ein feines
menschenähnlich angesicht.
Scheffel trompeter s. 131 (8. stück).


 
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menschenähnlichkeit, f.: die mehr oder mindere menschenähnlichkeit der thiere. Herder zur phil. 4, 120; (frösche) die oft von so überraschender und komischer menschenähnlichkeit sind. Tschudi thierleben in der alpenwelt 55.
 
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menschenalter, n.
1) zeitalter: prüfet und durchsehet alles von anbeginn der erschaffenen welt, so werdet ihr befinden,

[Bd. 12, Sp. 2039]


dasz kein einiges sæculum oder menschenalter ohne creuz und trübsal gewesen seie. Schuppius 780.
2) das durchschnittliche lebensalter eines menschen, angenommen zu dreiszig jahren oder auch einem dritteljahrhundert: jahrhunderte und reihen von menschenaltern legten in diesz grosze behältnis ihre schätze von ideen. Herder z. litt. 1, 37; schon seit nunmehro zwei menschenaltern. Immermann Münchh. 3, 170; ein solches gerücht, welches durch mehrere menschenalter in einer gegend geglaubt wird. Freytag handschr. 1, 74;

Nestor jetzt, der alte zecher,
der drei menschenalter sah.
Schiller hist.-krit. ausg. 11, 394;

die welt
ist noch auf einen abend mein. ich will
ihn nützen, diesen abend, dasz nach mir
kein pflanzer mehr in zehen menschenaltern
auf dieser brandstatt ernten soll. don Carlos 5, 9.


 
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menschenamme, f. säugerin der menschen; die erste menschenamme wird Eva genannt:

(der teufel) der ärgerlich vom stammen
des abgespanten baums, der ersten mänschenammen
und dann dem Adam auch durch sie, das apfelgift
verführisch dargeraicht.
Rompler 24.


 
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menschenanblick, m.:

in diesen wilden höhen,
wo er so lang umsonst auf menschenanblick harrt.
Wieland 23, 73 (Oberon 8, 5).


 
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menschenandacht, f. dünkel, eigendünkel der menschen (vergl. dazu andacht th. 1, 303): das jr (der taufe) geistlicher gottes chresem, welchs der heilige geist selber ist, gar nichts hat müssen sein, gegen dem leiblichen und zeitlichem chresem der papisten, durch menschenandacht erfunden. Luther 6, 94b; menschenandacht und gute meinung geraten allzeit also, das hernach ergernis, irrthum, und abgötterei daraus wird. 95a.