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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
liebe bis liebebezwungen (Bd. 12, Sp. 917 bis 928)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) liebe, f. amor; ein vorzugsweise auf hochdeutsches gebiet eingeschränktes wort, zustandsbildung zu dem adj. lieb sp. 896: ahd. liubî, einmal auch liupa, mhd. liebe; in niederdeutsches gebiet ragt es hinüber: alts. liubî dilectionem. Essener glossen im niederdeutschen jahrbuch 4 (1879) s. 49; mnd. nnd. lêve, niederl. lieve, doch theilt es hier seine stelle mit lêfde, liefde, vgl. unter liebde sp. 916; das ags. lufu, lufe liebe ist unserm liebe nur wurzelhaft verwandt, nicht dasselbe; das goth. und altnord. bietet keine vergleichbare substantivbildung. die allgemeine bedeutung des wortes als des zustandes oder der handlung des lieb habens prägt sich in verschiedener weise aus.
1) liebe, die innige zuneigung eines wesens zu einem andern. erklärungen begegnen bei manchen schriftstellern: liebe aber heiszet auf deudsch (wie jederman weis) nichts anders, denn von herzen einem günstig und hold sein, und alle güte und freundschaft erbieten, und erzeigen. Luther 6, 35b; Julchen. kennen sie denn die liebe recht genau? was ist sie denn? ein rätzel, das niemand auflösen kann — Mag. als wer verstand genug hat, in die natur der dinge zu dringen. die liebe ist eine übereinstimmung zweener willen zu gleichen zwecken. Gellert 3, 59; die liebe als freie aufnahme des willens eines andern unter seine maximen. Kant 6, 405; ist unter liebe das edelste bedürfnis geistiger, vielleicht auch körperlicher vereinigung gedacht, welches die einzelnen in bewegung setzt und, auf die schönste weise, in freundschaft, gattentreue, kinderpietät und auszerdem noch auf hundert zarte weisen befriedigt und lebendig erhält. Göthe 45, 322; alle liebe bezieht sich auf gegenwart; was mir in der gegenwart angenehm ist, sich abwesend mir immer darstellt, den wunsch des erneuerten gegenwärtigseins immerfort erregt, bei erfüllung dieses wunsches von einem lebhaften entzücken, bei fortsetzung dieses glücks von einer immer gleichen anmuth begleitet wird, das eigentlich lieben wir, und hieraus folgt, dasz wir alles lieben können was zu unserer gegenwart gelangen kann; ja, um das letzte auszusprechen: die liebe des göttlichen strebt immer darnach sich das höchste zu vergegenwärtigen. ganz nahe daran steht die neigung, aus der nicht selten liebe sich entwickelt. sie bezieht sich auf ein reines verhältnis, das in allem der liebe gleicht, nur nicht in der nothwendigen forderung einer fortgesetzten gegenwart. 49, 17;

was ist denn liebe? sag!
'zwei seelen und ein gedanke,
zwei herzen und ein schlag'.
Fr. Halm sohn der wildnis (1843) s. 67;

namentlich die innige neigung zu einem göttlichen oder menschlichen wesen im allgemeinen.
a) mit dem gegensatze hasz: doch kennet kein mensch weder die liebe noch den hasz irgend eines, den er fur sich hat. pred. Sal. 9, 1; sie beweisen mir böses umb guts, und hasz umb liebe. ps. 109, 5;

aber wer heilet die schmerzen
des, dem balsam zu gift ward?
der sich menschenhasz
aus der fülle der liebe trank?
Göthe 2, 65;

ists lieb? ists hasz? die glühend uns umwinden,
mit schmerz und freuden wechselnd ungeheuer. 12, 255;

ein jüngling musz die flügel regen,
in lieb und hasz gewaltsam sich bewegen. 13, 160;

im gegensatze zu zorn:

denn gnade gehet doch vor recht,
zorn musz der liebe weichen.
P. Gerhard 24, 51 Gödeke.


b) mit verwandten begriffen: glaube und liebe; glaube, liebe, hoffnung; nu aber bleibt glaube, hoffnung, liebe, diese drei, aber die liebe ist die gröszest unter jnen. 1 Cor. 13, 13; jage aber nach der gerechtigkeit, dem glauben, der liebe, dem frieden. 2 Tim. 2, 22;

dasz wir durch dein gnad und sein heiligung
erbaut im glauben, lieb und wahrer hoffnung
selig erwarten deiner erscheinung.
Wackernagel kirchenl. 4, s. 478b;

[Bd. 12, Sp. 918]



ein herz, dem nicht der glaube fehlet,
dem fehlet auch die liebe nicht.
Gellert 2, 144;

ist keine seele rein, der glaub und liebe fehlten. 178;

wie lieb und treu und glauben
verschwunden aus der welt.
H. Heine 15, 154;

liebe und ehrfurcht:

schaff du ein reines herz in mir,
ein herz voll lieb und furcht zu dir.
Gellert 2, 212;

liebe und güte, liebe und gnade, liebe und huld, liebe und ehre: dasz sie der liebe und ehr wirdig sein umb jrer gten that willen. Agr. spr. 226b;

heilst ihren schad
aus lieb und gnad.
Wackernagel kirchenl. 4, s. 479a;

wen er umfängt mit lieb und gunst,
dem ist geschwind geholfen.
P. Gerhard 24, 41 Gödeke;

lasz deine lieb und freundlichkeit
zur gegenlieb und dankbarkeit
mich armen sünder bringen. 47, 34;

(herr der du) nach dem zorn das süsze gut
der lieb und huld gesendet. 21, 11;

liebe und friede:

sonst macht er kein uneinigkeit,
halt frid und lieb mit jederman.
Fischart dicht. 2, 370, 1527;

allitterierend lob und liebe:

darum, so richte nun,
o mensch, auch du dein thun
zu gottes lob und liebe.
P. Gerhard 19, 69.


c) liebe mit dem genitiv des subjects: die liebe gottes zu den menschen; die liebe der eltern; die liebe des nächsten; die gnade unsers herrn Jhesu Christi, und die liebe gottes, und die gemeinschaft des heiligen geistes sei mit euch allen. 2 Cor. 13, 13; daran ist erschienen die liebe gottes gegen uns. 1 Joh. 4, 8; der mtter lieb reget sich am allermeisten, so jr kind krank. Agr. spr. 139a;

alles ding währt seine zeit,
gottes lieb in ewigkeit.
P. Gerhard 236, 9 Gödeke;

und mit possessiven:

mein lieb und gunst
schenk ich dir umbsunst.
Wackernagel kirchenl. 4, 479b;

und deine liebe dringe mich,
dasz ich dich wieder lieb.
Gellert 2, 133;

er giebt mir seinen geist, das pfand,
daran wir seine liebe merken. 148.


d) aber auch mit dem genitiv des objects:

durch ir sunes liebesi teilte rôteʒ golt (aus liebe zu ihrem sohne). Nib. 41, 3;

darnach, da jm ein brief kam von seinen brüdern und freunden, wie sein vater in todtes nöten, und, ob er seinen vater im leben wölle sehen, sol er heraus komen. solchs er sich aus lieb seines vaters und brüdern unterstanden. Luther 3, 410b; ich kenne euch, das jr nicht gottes liebe in euch habt. Joh. 5, 42; so jemand die welt lieb hat, in dem ist nicht die liebe des vaters. 1 Joh. 2, 15; wann deiner feinde naher verwandter dein freund wird, so besorge dich immerdar seines betrugs, denn er wird, wann ihm die liebe seiner blutsfreunde im sinn kompt, einen innerlichen hasz auf dich werfen. pers. baumg. 1, 33;

wer Christi lieb im herzen hält,
der ist ein held und bleibt bestehn.
P. Gerhard 227, 62 Gödeke;

entschlafen sind nun wilde triebe,
mit jedem ungestümen thun;
es reget sich die menschenliebe,
die liebe gottes regt sich nun.
Göthe 12, 64;

mit possessivpronomen:

nâch sînem willen ich gerne var
durch sîne liebe, swar er wil (aus liebe zu ihm). Wigal. 225, 24;

so jr mein gebot haltet, so bleibet jr in meiner liebe, gleich wie ich meines vaters gebot halte, und bleibe in seiner liebe. Joh. 15, 10;

so lasz mich keine schmach und pein
von deiner liebe scheiden!
Gellert 2, 149.

zusammensetzungen mit dem genitiv können der bedeutung c wie der d folgen: elternliebe ist sowol die liebe der eltern gegen die kinder, als die liebe zu den eltern; ebenso bruderliebe, geschwisterliebe, freundesliebe u. ähnl.
e) für diesen genitiv präpositionen, zumal in der neueren sprache: liebe zu, für, gegen einen; nach dem ich gehöret hab von dem glauben bei euch, an den herrn Jhesum, und von ewer

[Bd. 12, Sp. 919]


lieb zu allen heiligen. Eph. 1, 15; das ist die liebe zu gotte, das wir seine gebot halten. 1 Joh. 5, 3; dasz man jnen (den jungen christen) zwo liebe predigen soll, eine, gottes z uns, .. die ander, unsere z dem nächsten. Agr. spr. 182b; liebe gegen menschen, philanthropia, liebe gegen allen denen man lieb schuldig ist, pietas Dasyp.; darumb preiset gott seine liebe gegen uns. Röm. 5, 8; dʒ ich mein vätterlich anmt und lieb gegen meinem eignen fleisch und blt umb gottes willen auszzeuch. Frank weltb. 21b; nichts als liebe gegen uns säuglinge der schöpfung hat ihn (gott) zu dieser schwachheit bewegen können. Hamann 2, 449;

wilstu für der welt erweisen deines glaubens meisterstücke?
ei so sih, dasz deine liebe für den nechsten deutlich blicke.
Logau 3, 63, 37;

freiwillig, als der helden held,
trägst du, aus liebe für die welt,
den tod, der uns gebühret.
Gellert 2, 132;

die liebe gegen gott heiszt ihn die menschen lieben. 129;

wohnt liebe gegen gott in dir:
so wird sie dich zum guten stärken.
du wirst die gegenwart von ihr
an liebe zu dem nächsten merken. 144;

da bei wird jederman erkennen, das jr meine jünger seid, so ir liebe unternander habt. Joh. 13, 35.
f) adjective, die zu liebe treten, deuten auf das liebende wesen: die göttliche liebe zu den menschen; eine allgemeine menschliche liebe; durch brüderliche liebe ward ihm unterstützung gewährt; das liebste und beste, was jm gott gönnet, und sein göttliche liebe gibt. Luther 6, 36a; die brüderliche liebe unternander sei herzlich. Röm. 12, 10; oder auf art oder grad der liebe: die ewige liebe, der gottheit zu den creaturen:

da singen wir in frühlingswonne
ein lied von dir, du ewige liebe!
Uhland ged. 19 (gesang der nonnen);

ich hab in deinem auge den strahl
der ewigen liebe gesehen,
ich sah auf deinen wangen einmal
die rosen des himmels stehen.
Rückert liebesfrühl. s. 47 (1, 67);

heisze, herzliche, inbrünstige, laue liebe: herzliche liebe und barmherzigkeit. Phil. 2, 1; habt unternander eine brünstige liebe. 1 Petr. 4, 8; eigene liebe, liebe zur eigenen person (vgl. eigenliebe 3, 98, selbstliebe): das (herz welches) nur das seine suchet und vol eigener liebe steckt zu sich selbs, nicht zu andern. Luther 6, 36a;

ihr güldnen seile treuer liebe,
zieht mich zu meinem schöpfer hin!
Uz 1, 301;

die reinste liebe schwelle
mein ganzes herz zu dir (gott) empor! 332;

oder endlich auf die art, wie sie die für das liebende subject allein rechte ist: die christliche liebe, die liebe die ein christ haben musz; die brüderliche liebe, wie sie einem bruder gemäsz ist; nimm das perlin christenlicher lieb under dein zungen und gang sicher, wa du wilt. Keisersberg pred. 47a; du bist mir brüderliche lieb und treüw schuldig. Wickram rollw. 21, 20 Kurz.

ja, der mensch verzehrt sich in sich selbst nur,
der allein an fremde menschen anstöszt;
aber brüderliche liebe zaubert
jeden gram hinweg.
Platen 323.


g) es heiszt liebe haben, tragen, empfinden, erzeigen, beweisen, üben: ich wil sie auch umb jr böses wesen willen, aus meinem hause stoszen, und nicht mehr liebe erzeigen. Hos. 9, 15; darumb ermane ich euch, das jr die liebe an jm beweiset. 2 Cor. 2, 8; gottes wort halten, und liebe uben. Micha 6, 8; strebet nach der liebe. 1 Cor. 14, 1;

warum empfind ich nicht die liebe,
und hoffe nicht getrost auf ihn?
Gellert 2, 215.

aus liebe etwas thun:

gott vater, der du deinen sohn
in unser fleisch gesenket,
und jhn als deines heuptes kron
aus lieb uns hast geschenket.
Wackernagel kirchenl. 4, s. 923;

bei deiner schwachen gmeine,
die du aus lieb dir hast vertrawt. s. 935;

ich will, ich musz von Jesu singen!
aus liebe kam er auf die welt.
Uz 1, 315;

in der liebe bleiben:

der bleibt in gott, und gott in ihm,
wer in der liebe bleibet.
Gellert 2, 135;

darumb decket auch die liebe z die menge der sünden. Agr. spr. 8b (nach 1. Petr. 4, 8); dieweil die ungerechtigkeit wird uber hand nemen, wird die liebe in vielen erkalten. Matth.

[Bd. 12, Sp. 920]


24, 12; alle meine liebe wendete sich zu den gnadenreichen bildern der mutter des herrn. Arnim kronenw. 2, 94.
h) bilder und vergleiche:

ergreif mein herz und schleusz es ein
in dir und deiner liebe schrein!
P. Gerhard 47, 22;

herr, stärke mich, dein leiden zu bedenken,
mich in das meer der liebe zu versenken,
die dich bewog, von aller schuld des bösen
uns zu erlösen.
Gellert 2, 197.


2) liebe, insbesondere die innige neigung zu einer person des andern geschlechts:

das süsze thun, das wir die liebe nennen,
den freien dienst, den wundenlosen streit,
den besten schmack, die zuckerung der zeit,
den lieben todt, das angenähme brennen,
und was wir sonst noch bessers können nennen,
das leset hier.
P. Fleming 148.


a) entgegengesetzt ist kälte, abneigung, hasz: die frau vergalt die liebe des mannes mit kälte; seine frühere abneigung gegen sie verwandelte sich in liebe; und Amnon ward jr uberaus gram, das der hasz gröszer war, denn vor hin die liebe war. 2 Sam. 13, 15; der hasz ist parteiisch, aber die liebe ist es noch mehr. Göthe 17, 145;

hasz dem feigen,
und liebe, dem beherzten mann!
Göckingk lieder zweier lieb. 72.

in anderm sinne leidenschaft, als das sinnliche, gegenüber dem geistigen und herzlichen der liebe:

die leidenschaft flieht,
die liebe musz bleiben.
Schiller glocke v. 103.


b) verbunden sind zumal häufig liebe und treue:

das megdlein an der zinnen lag,
sie sach zum fenster nausz,
in rechter lieb und trewe
warf sie zwei krenzlein rausz.
Uhland volksl. 126;

dein eigen wil ich sein:
in lieb und trew mich binde.
P. Melissus bei
Opitz (1624) 166;

doch so ein mancher traut der zeit die alles kann,
und hält mit lieb und treu der neigung wegen an.
Günther 449;

dann wird von ewger treu und liebe,
von einzig überallmächtgem triebe (geredet).
Göthe 12, 159;

das ist echte liebe und treue,
wenn es recht am finger drückt (vom verlobungsringe).
Uhland ged. 310;

liebe und stätigkeit:

die rechte lieb und stätigkeit
lasz ich dir, feins lieb, zur letze.
Uhland volksl. 137;

liebe und gegenliebe: liebe macht gegenliebe. Stieler 1157;

lieb ist gegenliebe wehrt.
Fleming 496;

ihr guten mädchen, eure gunst
erwerbe keiner buhlschaft kunst;
so lieb als gegenliebe sei
wie täubchen rein, wie täubchen treu!
Stolberg 2, 41;

liebe und lust:

wie mag sie denn lust und lieb zu im gehaben,
als zu einem jungen frischen knaben? fastn. sp. 701, 1;

sie kan mir freuden machen,
lust, lieb z aller zeit.
Uhland volksl. 83;

sein glücklich weib, an seiner brust,
berauscht sich draus (aus der fülle seines lebens) zu lieb und lust.
Bürger 52a.

von der liebe ist die freundschaft unterschieden: aber zwischen freundschaft und liebe ist noch ein unterschied. Weisze lustsp. 3, 42;

liebe denn, ach! liebe!
keine freundschaft! alles oder nichts!
Göckingk lieder zweier lieb. 160;

gleich einer alten halbverklungnen sage,
kommt erste lieb und freundschaft mit herauf.
Göthe 12, 5;

wo lieb und freundschaft unsres herzens segen
mit götterhand erschaffen und erpflegen. 10;


c) mit dem genitiv des subjects: die liebe eines mädchens ist schüchtern, die liebe des jünglings feurig und begehrend;

es ist des weibs halb seligkeit
des manns lieb und holdseligkeit.
Fischart dicht. 3, 278 Kurz;

mit possessiven: seine liebe sollte ihr danken. Arnim nov. 3, 13;

und wann ich (eine jungfrau) für mein feins lieb ge,
so gschicht mir in meinem herzen we,
dasz ich sein lieb musz meiden,
dasz ich sein lieb musz heimlich tragen.
Uhland volksl. 123;

(ich) betrübe
meinen geist, dasz deine liebe
nun ein andrer, falsches herz! besitzt.
Göckingk lieder zweier lieb. 132.

[Bd. 12, Sp. 921]



d) mit dem genitiv des objects (vgl. dazu oben 1, c und d): es ist ein mannliche und ehrliche tugend, sich mit unzüchtiger weiber liebe nicht beflecken. Agr. spr. 254b;

als Paris vorlängst mit der that
dj schön Helenam geraibet hat
ausz Griechenland mit trug und list,
derhalb grosz krieg entstanden ist,
und wards trojanisch hör zerstört.
der weiber lieb hat viel bedört (die liebe zu den weibern).
Schwarzenberg 116b;

ebenso mit possessiven: (wir) sind entbrand in deiner liebe (in der liebe zu dir). Susanna 20;

es glag mir nie so hart
dasz ich trag heimlich leiden
gen einem frewlein zart,
ir lieb hat mich umfangen,
darzu ir gut gestalt.
Uhland volksl. 126;

ja, deine liebe flammt in meinem busen.
Platen 73;

so dürfte keiner sich verwundert zeigen,
wenn ich nicht ganz vermöchte zu verschweigen,
wie deine liebe meine seele spaltet. 98.


e) für diesen letzteren genitiv präpositionsverbindungen, liebe zu, für einen oder eine: durch die liebe zu ihm in allem guten gestärkt, .. findet sie (Ottilie) sich in einem himmel auf erden. Göthe 17, 149; von seiner liebe zu Johanna schwatzen zu können. Arnim nov. 3, 22;

wie? liebe soll in dir, für mich noch liebe leben?
Gotter 2, 16;

liebe zwischen zweien zuwege bringen, jungere charitatem inter duos, conciliare duos amore. Stieler 1156.
f) mit adjectiven: meine erste liebe warf ich auf ein mädgen .. Chr. Weise erzn. 169 Braune; sagen sie ihr, dasz ich hier bin, dasz der mensch hier ist, der seine erste liebe und das ganze glück seiner jugend an sie knüpfte. Göthe 19, 234;

o zarte sehnsucht, süszes hoffen,
der ersten liebe goldne zeit ...
o, dasz sie ewig grünen bliebe,
die schöne zeit der jungen liebe!
Schiller glocke v. 75;

süsz erkennen erster liebe,
aufgang, untergang der welt!
Arnim Halle u. Jerus. 87;

alte liebe rostet nicht, sprichwörtlich; wir hielten in den ersten tagen die zeichen ihrer früheren liebe für verstellung. Arnim nov. 3, 13; neue liebe, neues leben. Göthe 1, 77 (überschrift);

zu fest nicht auf biedermannswörtchen traut:
dasz ältere liebe nicht rostet!
Bürger 81b;

es duftet wieder alte liebe,
es grünet wieder alte lust.
Uhland ged. 43;

da bringt er frische küsse mir
und neue liebe mit. 206;

offentliche strafe ist besser, denn heimliche liebe. spr. Sal. 27, 5; stille, heimliche liebe, clandestinus amor. Maaler 271a;

kein feuer, keine kohlekann brennen so heisz,
als heimliche liebe,von der niemand nichts weisz. volkslied;

blinde liebe, oder die einen blind macht, caecus amor. Maaler 271a; brünnende liebe, flagrans amor. ebenda; er hatte eine leidenschaftliche liebe zu ihr gefaszt; seine treue liebe rührte sie endlich; er schwur ihr beständige liebe;

mein herz in heiszer lieb thut brinnen.
J. Ayrer 43b (229, 35 Keller);

er denkt an sein weibchen im heimischen land,
und schwöret ihm ewige liebe.
Stolberg 1, 304;

herzliche liebe verbindet uns stets und treues verlangen,
und den wechsel behielt nur die begierde sich vor.
Göthe 1, 279;

die hier in fröhlichkeit
treuer liebe bund geweiht.
Uhland ged. 6;

reine, keusche, lautere liebe; sinnliche liebe; hrische lieb, meretricius amor, keüsche lieb, pius amor Dasyp.; es ist kein laster, das des menschen mt also fast schwächet, und zu einer bestien machet, als unzüchtige lieb. Agr. spr. 254b; der fleischlichen liebe nicht zugethan. pol. stockf. 50;

(eine mutter) in deren schosz das süsze pfand
der keuschen liebe ruht.
P. Gerhard 250, 76 Gödeke;

oft kleiden sich des lasters triebe
in die gestalt erlaubter liebe.
Gellert 2, 137;

die liebe musz sein platonisch,
der dürre hofrath sprach.
H. Heine 15, 114;

wahre, falsche liebe;

gott segnet keuscher ehe zucht
mit wahrer liebe süsze.
Fr. L. v. Stolberg;

das haben wir beide erfahren,
was falsche liebe thut.
Vilmar handbüchl. für freunde des volksl. 122;

[Bd. 12, Sp. 922]


gezwungene liebe und gemalte wangen dauern nicht. Simrock sprichw. 342; nach dem gemeinen sprichwort: gezwungene liebe und geriebene röthe, haben selten lange bestandt. Sandrub kurzweil (1618) 17;

betwungen liebe ist gar ein wiht,
wan si gîht hôhes muotes niht. Winsbeckin 32, 4 Haupt;

betwungeniu liebe
wirt dicke ze diebe.
Freidank 101, 13;

ach! wie wer es wol gefügt,
wenn wir nicht so wiederstrebten,
sondern itzt und für und für,
ich bei ihr, und sie bei mir,
in verglichner liebe lebten.
Fleming 495;

die freie liebe, im gegensatze zur ehe:

ihr (der lerche) buhlerischer lustgesang
verehrt und lobet lebenslang
die freie liebe, nicht die ehe,
die stete wahl, und keinen zwang.
Hagedorn 3, 35.


g) es heiszt liebe haben, hegen, fühlen, empfinden, erzeigen; liebe fordern, geben, erhalten, empfangen;

liebe fordert er beim stillen mahle.
Göthe 1, 246;

nie konnt ich ihr liebe geben.
Schiller don Carlos 3, 1;

(Paris) gibt liebe und empfängt und flüchtet nach
des Ida fernen triften die geraubte. Iphig. 1, 1;

liebe athmen, wenn von dem gefühl der liebe das ganze wesen durchdrungen ist, vgl. unten liebeathmend; liebe äuszern, anbringen: gleichwol meinte der galan, er hätte seine liebe köstlich anbracht (zu erkennen gegeben). Chr. Weise erzn. 75 Braune; liebe schwören, lügen;

Amarant, der oft mir liebe schwur.
Göckingk lieder zweier lieb. 81;

der seine knie
mit geschenken kriechend vor dir biegt,
und, mit brunst im auge, liebe lügt. 121;

liebe bezeugen, wechseln, tauschen:

die blumen, die nach ihr (der liebsten) sich beugen,
die vögel mit dem lustgesang,
sie dürfen liebe ihr bezeugen:
warum ist mir allein so bang?
Uhland ged. 22;

doch drunter (unter dem mantel) schlägt ein mildes herz,
das lieb um liebe tauscht. 205;

nicht versagte
Diwisade sich dem schönen freier.
worte wurden, liebe ward gewechselt.
Platen 326;

der liebe leben, opfern, sich weihen, fluchen;

Almansor, der nun ganz sich seiner liebe weiht.
Wieland 23, 218 (Oberon 11, 31);

zwar fluch ich nicht der liebe, nicht den scherzen,
denn ohne sie, ist dieses leben nacht.
Göckingk lieder zweier lieb. 148;

die liebe fliehen, meiden;

solltet ihr die liebe meiden,
die den weisen selbst bethört?
Uz 1, 154;

das herz voll liebe haben; weil ich jung bin, das herz voll liebe, den kopf voll gedanken der ehre hege. Arnim nov. 3, 41;

Serine komm! mein herz bleibt dein;
viel besser, ohne glück, als ohne liebe sein.
Gellert 1, 280;

denn du erhältst mit ihr (der locke) mein herz voll liebe.
Göckingk lieder zweier lieb. 68;

ach! bin ich nicht ein mädchen? und voll liebe? 73;

und ist ihr herz von liebe voll.
Göthe 47, 9;

zu liebe entzündet werden:

wenn das eingegrabne wort (eines talismans)
dich zu lieb und that entzündet.
Göthe 5, 5;

mit liebe an einer oder einem hängen: an diesen (ausländischen weibern) hieng Salomo mit liebe. 1 kön. 11, 2; aus liebe, durch liebe, vor liebe etwas thun oder leiden: ich bin krank fur liebe. hohel. 2, 5; so saget jm, das ich fur liebe krank lige. 5, 8; das heist ausz liebe in die hölle gefahren. Chr. Weise erzn. 95 Braune;

mein herz hat sich gesellet
zu einem blmlin fin,
das mir wol gefellet,
durch lieb so lid ich pin.
Uhland volksl. 106;

die schöne Rezia, von lieb und angst entgeistert.
Wieland 22, 214 (Oberon 5, 43);

von scham und liebe roth bis an die fingerspitzen. 231 (5, 74);

sollt ich dafür in gallaröcken,
vor liebe krank,
des fräuleins gnädge hände lecken?
Hölty 133 Halm;

von der liebe ergriffen, erfaszt werden; einen in liebe bringen, conjicere aliquem in amorem. Maaler 271c; in liebe erglühen, entbrennen;

[Bd. 12, Sp. 923]


so antwort ich, von lieb entbrannt:
Amarant!
Göckingk lieder zweier lieb. 53;

in derber rede sich vor liebe auffressen; wann die liebe also zunähme, wie sie abnimmt, so frässeten sich die eheleute vor liebe. Pistorius thes. par. 7, 21;

doch wo dich hat betroffen
Cupid mit ihrem pfeil,
und wärst in lieb ersoffen,
ein rath ich dir mittheil.
Hoffmann gesellsch. lieder s. 94;

die liebe findet sich; wenn man einmal beisammen ist, so findet sich die liebe wohl. Gellert 3, 290; die liebe fällt eben so wohl auf einen roszmist, als auf eine rose. Serz 91b; die liebe fesselt, brennt, erkaltet, erlischt, hat ein ende; liebe die heimlich ihn schon lange an Johanna fesselte. Arnim nov. 3, 15; je mehr nun der wein in den kopf stieg, desto schärfer fieng die liebe an zu brennen: also dasz herr Storax dem Florindo eine humpe zutrank auf des liebsten mädgens gesundheit. Chr. Weise erzn. 78 Braune; eure liebe brannte aus. Klinger 2, 31;

die liebe paart nur zwei und zwei, und leidet nimmermehr den dritten.
Günther 440;

die müle ist zerbrochen,
die liebe hat ein end.
Uhland volksl. 77;

leben musz man und lieben; es endet leben und liebe.
Göthe 1, 397;

erloschen ist die liebe,
die lust kann nicht bestehn.
Uhland ged. 59.


h) genitivverbindungen, zumal in bildern und vergleichen. es heiszt das spiel der liebe:

leis war Chloris hergeschlichen
und verscheuchte schnell den unmuth
durch das süsze spiel der liebe.
Körner werke 2, 37;

fesseln, band der liebe: das band der liebe zerreiszen, amorem dirimere, divellere Stieler 1156;

treuer liebe ketten.
Gotter 1, 76;

der bach, quell, strom der liebe:

doch, alles das verlöscht einmal die zeit!
sie, welche selbst, denn wer kann sie gewinnen?
dem lebensstrom so früh zu stehn gebeut,
läszt schneller noch der liebe bach verrinnen!
Göckingk lieder zweier lieb. 158;

wenn schon der quell der liebe quillt. 102;

ein strom der liebe ging
aus meiner liebsten herzen.
Rückert liebesfrühl. s. 45 (1, 61);

der liebe pfeil, flammen, altar:

bringet ihm (dem mai), in grünen schatten,
eure frühlingsopfer dar,
junge neuvermählte gatten,
auf der liebe festaltar.
Hölty 131 Halm;

denn in innrer brust da sticht
mich der pfeil der liebe.
Arnim Halle u. Jerus. 205;

ich hab dich geliebet und liebe dich noch!
und fiele die welt zusammen,
aus ihren trümmern stiegen doch
hervor meiner liebe flammen.
H. Heine 15, 111;

morgen, jugend, frühling, mai, wonnemond, herbst, winter der liebe; dasz er zurücke dachte, wie er in seiner blühenden jugend der liebe auch durch die spieszruthen gelaufen. Chr. Weise erzn. 78 Braune;

dem ewigen morgen der liebe entgegen.
Körner werke 2, 35;

der liebe frühling sei vorbei.
Göckingk lieder zweier lieb. 11;

frucht der liebe (verschieden von unten 3):

doch der väter feindlich zürnen
trennte das verbundne paar,
und die süsze frucht der liebe
hieng am abgrund der gefahr.
Schiller Hero u. Leander v. 19;

sorgen, freuden, glück, preis, kranz der liebe;

soll es denn einmal sein (soll ich sorgen haben), so kommt ihr, sorgen der liebe,
treibt die geschwister hinaus, nehmt und behauptet mein herz!
Göthe 2, 97;

der liebe freuden lasz dir schenken,
wenn du sie wahr empfinden willst. 47, 9;

der liebe glück der waare gleich zu achten,
worauf geboten werden kann!
Schiller don Carlos 2, 8;

die liebe ist der liebe preis. ebenda;

als ich singen wollte zu der liebe preise.
Rückert liebesfrühl. s. 234;

des lebens kern blieb unberührt,
der liebe kranz ist unentlaubt. s. 317.

[Bd. 12, Sp. 924]



i) in der alten sprache wird das verhältnis zwischen liebe und minne bestimmt, und letztere als das dauernde liebesgefühl bezeichnet:

stætiu liebe heiʒet minne.
liebe, minne, ist al ein:
die kan ich in mînem sinne
niht gemachen wol zuo zwein.
liebe muoʒ mir minne sîn
immer in dem herzen mîn.
Lichtenstein 430, 1;

waʒ minne sî, vil liebiu vrouwe mîn, daʒ sage ich dir,
als ichʒ an der werlte bevunden hân:
liebe âne allen valschen wân,
swâ diu wirt von zweier herzen gir,
alsô daʒ ein man minne ein wîp vor allen wîben gar,
und daʒ si danne gelîche var. minnes. 2, 163b Hagen;

dieser unterschied erlischt mit der späteren entartung des begriffs von minne und dem nachherigen erlöschen des wortes, und als das letztere im 18. jahrh. wieder auferweckt wird, steht es bisweilen mit liebe zusammen, aber ohne etwas begrifflich anderes zu bezeichnen, und nur alterthümelnd:

ein junger mann, der .. nie im styl der hohen minne
von seiner liebe spricht.
Wieland 18, 205;

er will die alten zeiten wieder bringen,
wo zarte minne herrschte, wo die liebe
der ritter grosze heldenherzen hob.
Schiller jungfrau 1, 2.


3) liebe, mit betonung der geschlechtlichen lust: liebe zn weiberen, mulierositas Dasyp.; ich .. warnte ihn vor den ausschweifungen in der liebe. Heinse Ardingh. 1, 294;

sieh auf den starken trieb, der uns zur wollust reiszet,
im freien wilde brunst, in menschen liebe heiszet.
Uz 1, 126;

in den verbindungen der liebe pflegen, spielen: kom, las uns gnug bulen, bis an den morgen, und las uns der liebe pflegen. spr. Sal. 7, 18; die czwey liebe .. darnach z vil manch malen .. sich mit groszen freüden pei einander der liebe zu spilen funden. Steinhöwel dec. 352, 20 Keller; mit einander der liebe spielten bisz an den liechten morgen. Bocc. (1580) 1, 52b;

waist du wol, heur im haberschnit
das der Hainrich pei dir lag
und der lieb mit dir pflag? fastn. sp. 586, 18;

werke der liebe, von Göthe selbst in bezug auf pflanzen gebraucht: wie sie (die natur) dort mit unwiderstehlichem trieb und kräftiger anstrengung die blumen bildet, und zu den werken der liebe rüstet. 58, 23; frucht der liebe, ein kind, s. belege unter frucht th. 41, sp. 262; dem glücklichen geliebten, der die süsze frucht seiner liebe so heranreifen sähe. Heinse Ardingh. 1, 259; ein kind der liebe, ein auszereheliches;

ich bin so sehr nicht aus der art geschlagen (spricht Dunois),
dasz ich der liebe herrschaft sollte schmähn.
ich nenne mich nach ihr, ich bin ihr sohn,
und all mein erbe liegt in ihrem reich.
Schiller jungfr. 1, 2;

liebe von einem zaubermittel, durch das man geschlechtliche neigung zu andern verhindern und eine person gegen sich treu machen wollte: so man einem die liebe hat zu essen geben. Gäbelkhover arzneibuch (1599) 1, 363; dannenhero glaube ich schwerlich, dasz die redensart: einem die liebe zu essen oder zu trinken geben, vor war und gewisz zu halten. polit. stockf. 296.
4) liebe, neigung zu eigenschaften, gütern, besitz, beruf u. ähnl.
a) mit dem genitiv der geliebten sache: des menschen herze, daʒ da erfûlet ist von liebi der sünde. Germania 7, 349; lug das gott der korb und das wort sei, und nitt die lieby diszer welt. Keisersberg post. 3, 34a; liebe der zeitlichen ding, philargiria, amor temporalium rerum. voc. inc. theut. m 4b; ein reines herze, von aller dinge liebe gesondert, das ist des schepfers und göttlicher gewalt werk. Luther 3, 14b; die aus liebe des lohnes oder gutes, gott dienen. ebenda; und da er zur marter gieng, strafet er die, so verboten fleisch aszen, aus liebe des zeitlichen lebens. 2 Macc. 6, 20; liebe des gälts, amor argenti. Maaler 271a; liebe der kunst, oder der geschrift, philologia. ebenda; ich habe überhaupt von der liebe des vaterlandes (es thut mir leid, dasz ich ihnen vielleicht meine schande gestehen musz) keinen begriff, und sie scheint mir aufs höchste eine heroische schwachheit, die ich recht gern entbehre. Lessing 12, 127;

was nützt uns nn grosz übermt,
flaischliches lieb, und päses gut.
Schwarzenberg 115b;

wie wollt ich des lebens
weiche liebe strafen, und dir zum opfer sie bringen,
tod!
Klopstock 5, 183;

einst lebt, im alten Griechenland,
ein weiser, durch sein fasz bekannt,
den nichts von ihrer (der müszigkeit, als göttin Farniente personificiert) liebe trennte.
Gotter 1, 456;

[Bd. 12, Sp. 925]


in bezug auf thiere: (mein sohn) welcher gar ein aufsichtiger jäger ist, aber die zu viele lieb der hund hat ihn eingenommen. Schuppius 737.
b) mit präpositionen, liebe zu etwas, wie in der neuern sprache vorwiegend gesagt wird: die liebe zur freiheit; liebe zum frieden; das sie die liebe zur warheit nicht haben angenomen. 2 Thess. 2, 10; wozu einer lust und liebe hat, das bescheert ihm gott. Simrock sprichw. s. 356;

lust und liebe zu einem ding
macht alle müh und arbeit gering. ebenda;

für, gegen etwas:

die liebe für ein schimmernd erz
verdrängt der tugend liebe (oben a).
Gellert 2, 209;

gieb mir gesundheit, und verleih,
dasz ich sie nütz, und dankbar sei,
und nie, aus liebe gegen sie,
mich zaghaft einer pflicht entzieh. 213;

selten liebe in etwas: gewann innbrünstige liebe in das kloster, so fern, dasz er .. in demselbigen kloster ein mönch werden wolt. buch d. liebe 272c; mit infinitiv:

die liebe so zu leben (als soldat),
hat mir in meinen sinn von jugend an gegeben,
dasz ich mich was versuch.
Fleming 111.


c) es heiszt aus liebe etwas thun (beispiele auch unter a und b), mit liebe etwas thun: alles, was in die jungen seelen eingetrichtert wird, was sie nicht aus eigner lust und liebe halten, haftet nicht, und ist verderbliche schulmeisterei. Heinse Ardingh. 1, 110; ein ding mit liebe und fleisz machen, amanter diligenterque aliquid conficere Maaler 271c;

freunde, treibet nur alles mit ernst und liebe; die beiden
stehen dem Deutschen so schön, den, ach! so vieles entstellt.
Göthe 1, 399;

drei schlösser sind in meinem gaue,
die ich mit liebe stets beschaue.
Uhland ged. 295.


5) die liebe erscheint personificiert, das gefühl wird mehr oder weniger deutlich als ein wesen dargestellt.
a) nach liebe 1, von gott: gott ist die liebe. 1 Joh. 4, 8;

gott ist die lieb, und will, dasz ich
den nächsten liebe, gleich als mich.
Gellert 2, 162;

von der nächstenliebe, die persönlich wirkend oder leidend gedacht ist: die liebe thut dem nehesten nichts böses. Röm. 13, 10; die liebe ist langmütig und freundlich, die liebe eivert nicht, die liebe treibt nicht mutwillen, sie blehet sich nicht. 1 Cor. 13, 4; die liebe wird nicht müde. v. 8.
b) nach liebe 2, von der geschlechtsliebe:

diu liebe zuo der schœne sprach: ich bin gewert
vil maniges stolzen heldes und vil maniger werden vrouwen.
Bartsch deutsche liederd. (1879) 191;

einst wollten lieb und glück sich sichtbar überführen,
wer stärker sei, des menschen herz zu rühren.
Gellert 1, 277;

der leichtsinn trat sein amt mit eifer an,
das amt, der liebe vorzutraben. 292;

und die liebe, die blumen, der thau und die jugend vernahmens;
alle gingen sie weg, weinend, von Jupiters thron.
Göthe 1, 397;

die liebe ist ein guter jäger, sie läszt uns die freiheit wie den wilden vögeln, bis wir erwachsen sind. Arnim kronenw. 2, 50;

so steht dein bild auch klar und glatt
in unserm herzen auf jedem blatt.
und liebe bleibt zu unserm gewinn
ein beszrer zeichner als ich bin.
Göthe 47, 166;

liebe und noth hat kein gebot. Pistorius thes. par. 6, 88;

dasz du liebe blind solst sein,
wil mir gar nicht gehen ein.
Fleming 179;

wie hat der liebe gefürchteter arm
was nun die wärmere luft und meer und erde bewohnet,
nur dich nicht, stolze Dorinde, besiegt!
Uz 1, 12;

und wärens Alpen auch, so hat die liebe flügel.
Wieland 23, 60 (Oberon 7, 95);

seit aus der ehernen welt fliehend die liebe verschwand.
Schiller spaziergang v. 42;

meine liebe lebet zwar,
sagte Nantchen, immerdar.
Göckingk lieder zweier lieb. 139;

die lieb ist hingestorben,
stirb denn du mein herz auch hin! 125;

die alte liebe
hat man mit hohn zur thür hinausgestoszen
und laut verlacht ihr leises todeswimmern.
H. Heine 16, 39;

o wie kniet in tiefer kleinheit,
meine liebe neben dir!
Rückert liebesfrühl. s. 14 (1, 12);

die liebe thront, herscht:

hier herrscht die liebe!
Uz 1, 276;

[Bd. 12, Sp. 926]


sie hat eine herschaft (Schiller jungfr. 1, 2, s. die stelle oben unter 3), ein reich, ein land:

kein licht erglänzt auf flur und teich,
nur dieser lampe schimmer füllet
noch unsrer liebe kleines reich.
Uhland ged. 26;

auf des lieds melodscher brücke
stieg der geist zum alten glücke
in der liebe goldnes land.
Körner werke 1, 131;

die liebe lehrt, unterrichtet, zwingt, erzwingt:

was die liebe doch nicht lehrt!
Göckingk lieder zweier lieb. 47;

zwar die liebe trotzt barbaren
thränen für den kusz der hirtin ab. 127;

in der anrede:

führe denn, o liebe! meiner kammer
heut ihn wieder zu! 152;

wie sinnreich machen uns, o liebe, deine lehren!
Uz 1, 93.


6) liebe, für die geliebte person.
a) deine, eure liebe in der ältern sprache als anrede und titel (vgl. liebden sp. 916); an zuhörer: derhalben laszt es ewer lieb nicht verdrieszen ... Garg. 25b; ir christlichen bergkleut, meine geliebten freunde und pfarrkinder. heut ein jar haben wir ewere liebe von der alten bergkstadt Sarepta berichtet. Mathes. Sar. 6b;

wies kindt zuonam in sinen tagen
wirt üwerer lieb ein andrer sagen. trag. Joh. A 5;

an verwandte oder befreundete standespersonen: do hat der kaiser herrn Johannsen Wörnhern ganz genedigist angehört und ine furderlichen mit dem bevelch, wie herzog Sigmund den heirat abrede, hab sein lieb gut macht, ir majestat wels auf derselben gefallen gern zulassen und bewiligen, widerumb abgevertiget. Zimm. chron. 1, 494, 16; hochgeborner, lieber ohaim und churfurst! wir haben deiner lieb furgeschrift .. verstanden. 2, 101, 21; darauf fuegen wir deiner liebe zu vernemen. 101, 27; wolten wir deiner liebe nit verhalten. 102, 3;

die götter wöllen eur lieb gebn
und mir, das wir die freud erlebn,
dasz wir die hochzeit richten an.
J. Ayrer 43b (230, 18 Keller);

herr Balthasar, jhr seit glöset ausz.
wenn eur lieb will heim zu hausz,
so soll es ihr vergünnet sein (der könig zu einem gefangenen
fürsten). 184d (919, 15);

es heiszt noch heute meine brüderliche liebe, meine schwesterliche liebe für mein bruder, meine schwester, wenn man sie in halb scherzhafter wendung auszeichnend nennt.
b) liebe, auf die geliebte bezogen: und der liebesengel trüge diese melodie zu den ohren meiner liebe. Klinger theat. 2, 130;

was andern herzens-wonn, ist mir nur herzens-leid,
dann meine lieb ist längst zu grabe weg getragen.
Logau 2, 135, 84 ('in person eines wittibers');

das, was dich dränget, süsze lieb,
ist volle wonn und seligkeit,
die dir in éinem ist bereit.
Göthe 13, 131;

eine liebe hat ich, sie war mir lieber als alles!
aber ich hab sie nicht mehr! schweig, und ertrag den verlust! 1, 350;

zieren würde sie
den ersten thron der welt — doch sie verschmäht ihn,
nur meine liebe will sie sein und heiszen.
Schiller jungfrau 1, 4;

und wärst du selbst die niedrigste geboren,
du müsztest dennoch meine liebe sein. braut von Messina v. 1153;

wenn sich der held für seines landes freiheit
verwegen aus dem arm der liebe reiszt.
Körner werke 3, 23 (Zriny 2, 1);

in bezug auf den geliebten: leite mich irgend ein strahl zu dem orte, wo meine liebe ruht, von den beschwerden der jagd, sein bogen neben ihm abgespannt, seine hunde schnobend um ihn! Göthe 16, 167 (Ossian, auch im engl. my love);

um den geliebten
aus deinem arm zu reiszen und mit ihm,
der meine liebe war, eh du ihn sahst,
in glücklichere länder mich zu flüchten.
Schiller Turandot 5, 2;

in verbindungen, wie du bist meine erste liebe! versicherung unter liebesleuten; sich eine neue liebe suchen;

am donnerstag vergehn die triebe;
am freitag sucht er neue liebe.
Hagedorn 3, 32.


7) liebe in gleicher bedeutung des neutrums lieb 1, sp. 911, das was zur liebe, zum wolgefallen gereicht, ist, wie mhd., so auch nhd. entwickelt, indes nicht häufig; und die gleichheit beider worte in einzelnen formen macht einige der folgenden beispiele zweifelhaft (vgl. a. b).

[Bd. 12, Sp. 927]



a) der gegensatz ist mhd. das fem. leide (vgl. sp. 657):

diu liebe und diu leide (was mir liebes uud leides geschehen)
die wellen mich beide
fürdern hin ze grabe. minnes. frühl. 129, 33;

die nhd. formel in lieb und leid gehört wahrscheinlich zum neutr. lieb und nicht hieher, obschon dem sprachgefühl der neuern, da dieses neutr. lieb nicht mehr lebendig ist, nur das fem. liebe vorschwebt; Logau hat in lieb und leide:

liebe! wie du pflegst zu lieben: lebe! dasz dich mancher neide:
aber stets der himmel (gen. plur.) liebe: wüntscht ein freund in lieb und leide. 3, 85, 48;

der gegensatz in anderer weise hingestellt:

wir fürchten das der tod uns schaid,
und bald ausz lieb werd machen laid.
Schwarzenberg 145b;

für leid steht schmerz:

verknüpf jhr beider (der neuvermählten) herzen
mit deines geistes band,
das sie in lieb und schmerzen
sich halten bei der hand.
Wackernagel kirchenl. 4, 927, no. 1368.

böse liebe, das gegentheil von etwas liebem, etwas unangenehmes, leides: i. f. g. sollten dem fürstentag beiwohnen. es hatten aber i. f. gnaden böser liebe sorge, weil sie bei i. kaiserl. maj. hart waren angegeben worden. Schweinichen 2, 95.
b) die formel zu liebe ist so mit zu lieb (sp. 911) übereinkommend, dasz auch hier ein ursprünglicher dativ des neutr. lieb vorliegen kann: ihre beständige bemühung den schauspieler aufmerksam .. zu erhalten, ihm etwas zu gute oder zu liebe zu thun. Göthe 19, 187;

dem zu liebe königskinder
trugen ihres vaters zorn.
Uhland ged. 284;

sag ja! thu mirs zu liebe,
sag: ja, mein kind!
Halm sohn der wildnis (1843) s. 7;

aber auch hier wird das fem. liebe verstanden und in den älteren wörterbüchern (z. b. bei Steinbach, Frisch) ausdrücklich gesetzt, wie denn auch schriftsteller statt zu liebe gelegentlich auch zur liebe verwenden: mit vielen getichten, so er (Frauenlob) zur liebe desz frauenzimmers aufgesetzt. Hoffmannswaldau übers. u. ged., vorrede.
c) nur das fem. liebe dagegen liegt vor in der verbindung einem eine liebe erweisen, thun: thu mir die liebe! favorem hunc mihi praesta. Frisch 1, 612c; ich that ihr die liebe und ging in den laden. Göthe 24, 282;

thut uns die liebe, herr, und kommt zur sache!
Platen 308;

vgl. mhd.: vaste er in zuo im gevie,
als ins diu freude niht erlie,
von liebe diu im geschach,
wan er in starc und guot sach. Erec 4911;

in der verbindung liebe und treue: so lege deine hand unter meine hüften, das du die liebe und trew an mir thust, und begrabest mich nicht in Egypten. 1 Mos. 47, 29.
d) mit keiner lieb für sonstiges mit keinem lieb (sp. 912): für den nächsten planeten nach dem Mars hat man von den ältesten zeiten an bis vor wenig jahren den Jupiter gehalten, und war mit keiner lieb zwischen ihnen noch ein anderer zu entdecken. Hebel 3, 172.
8) liebe, pflanzenname.
a) brennende liebe, lychnis chalcedonica, lichtröslein. Nemnich 3, 467. b) schöne liebe, gnaphalium arenarium, gelbes ruhrkraut. 3, 61. c) liebe im nebel, passiflora foetida.
9) nach den bedeutungen von liebe kann ein plural nur selten vorkommen, etwa im sinne der arten zu lieben: eine liebe, die anders ist, als alle lieben in der welt. Hippel 1, 249; auch ist der unterschied aller arten von lieben (quod demonstrandum erit) kleiner, als es scheint, und besteht nicht im gegenstand (denn alle liebe bezieht sich blos auf liebe), sondern in der lebhaftigkeit und dauer. J. Paul lit. nachl. 3, 71.
 
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liebeathmend, part., vgl. dazu unter liebe 2, g:

(Rezia) stets durch sich selber schön
und liebeathmend.
Wieland 23, 295 (Ober. 12, 80);

liebeathmend, weich und warm,
lag sie da in seinem arm.
Stolberg 1, 252;

ein so edler prinz,
so liebeathmend und so liebenswerth.
Schiller Turandot 3, 2;

trag ihn (den jüngling) in die blaue ferne,
wo es bräutlich glänzt und hallet,
liebeathmend ihn umschlieszt.
Uhland ged. 5.


 
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liebebang, adj.:

doch allen wird so liebebang
bei zaubersaiten und gesang.
Göthe 1, 201;

natur ist rings so liebebang. 13, 84.

[Bd. 12, Sp. 928]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) liebebedürfnis, n.: glückliche zeiten des ersten liebebedürfnisses! Göthe 17, 85; liebebedürfnis überschrift eines gedichtes 2, 96.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
liebebeflissen, part.:

wiewohl ich dir flehend und werbend erschien,
und liebebeflissen, du liebst mich nicht!
Platen 71.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
liebebeflügelt, part. durch die liebe beflügelt:

der ich erfand in der seele
manch liebebeflügeltes lied.
Platen 118.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
liebebegünstigend, part.: bald werden sich die wellen bäumen und, unter ihrem grünpurpurnen gewölbe, dich und den gott liebebegünstigend verbergen. Göthe 39, 47.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
liebeberauscht, part.:

nun kam zu den liebeberauschten (einem liebespaare) ein mann.
Stolberg 1, 276.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
liebebethört, part.:

noch setzt in dich mein gläubiger mut indes
sein fest vertraun, hofft liebebethört, es sei
voll zärtlichkeit dein busen.
Platen 111.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
liebebewandert, part.:

liebebewanderter mann, und liebekundiges weib.
Bürger 111b.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
liebebezwungen, part.:

(Orpheus) wandte,
ach! uneingedenk des befehls und liebebezwungen,
sich nach seiner geliebten um.
Stolberg ged. (1779) 238,

nach Virgil georg. 4, 491: immemor, heu, victusque animi.