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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
general bis genetter (Bd. 5, Sp. 3369 bis 3390)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) general , ein fremdwort, das sich in vielfältiger verwendung tief eingenistet hat in fast allen höheren gebieten des deutschen lebens, hauptsächlich seit dem 16. 17. jh., eigentlich das lat. adj. generalis, allgemein, aber auch durch spanische, französische, italienische einflüsse unterstützt und gefärbt; von seiner grammatischen art und behandlung, die ziemlich seltsam ist, s. 6, eine übersicht der zusammensetzungen unter 7.
1) als subst. für sich, wozu es doch nur auf einem seltsamen umwege gekommen ist (s. b) im kriegswesen, in dem das fremdwort überhaupt am weitesten und tiefsten eingegriffen hat, wie ja dieses seit dem 16. jh. nach allen seiten spanischen, italienischen, französischen einflüssen unterlag.
a) der general, oberbefehlshaber, feldherr.
α) es tritt als deutsche kriegswürde im 17. jahrh. ein, erscheint aber schon im anfang des 16. jahrh. in zeitungen z. b. von französischen heerführern, doch noch wechselnd mit den heimischen ausdrücken; z. b. in einer newzeitung vom j. 1510, die von wichtigen verhandlungen Frankreichs mit dem papste berichtet, mit denen ein herr Carolus von Ambogia (Amboise), obirster hauptman und capitanyer des christlichsten künigs von Frankreich betraut ist, s. Weller die ersten deutschen zeitungen s. 16, derselbe heiszt dann obirster capitaneus und general 17, d. h. capitaine general in damaligem französisch, hier halb deutsch wiedergegeben und zugleich franz. (obirst gleich general), dort noch ganz deutsch mit etwas französisch, denn obirster hauptman deckt sich mit capitaine general (s. h, β). derselbe schickt aber s. 17 auch den generall Ormandie an den papst, also auch schon das einfache general, doch wol aus franz. quelle. in einer liste der gefangenen aus der schlacht von Pavia 1525 erscheint ein herr von Anschi (Anjou), des franzosischen fuszvolks hauptman general Weller 55, d. h. capitaine general halb deutsch halb franz. wiedergegeben (s. 53 einfach hauptman, hauptleut). am ende des 16. jahrh.: nach beschehener schlacht hat der general die armada widerumb besichtiget (um den verlust festzustellen). Fischart von der spanischen armada 1588, Scheibels kloster 10, 1097, oberbefehlshaber zur see (vergl. u. b, β), er heiszt aber vorher auszer admiral immer general-oberster (s. b, α), die bequemere form musz auch bei uns nun eben im aufkommen gewesen sein. beide formen übrigens noch nicht in

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einer cölnischen kriegsordnung von 1583 Mones anz. 8, 164 ff. (obrister feldherr oder feldhauptman 165).
β) im 17. jahrh. dann auch in den deutschen heeren: als er (Karl V.) sich auf seinen ersten zug wider den Barbarossa in Barbarey rüstete und geredt ward von verordnung eines generals über das kriegsheer, hat er das crucifix in voller samlung empor gehalten mit diesen worten: unser herr und heiland Jesus Christus wird das haupt und der feldoberste dieses so herrlichen, heiligen und löblichen heerzugs sein. Zinkgref apophth. 1, 68, wo denn Christo noch die heimischen, edler klingenden ausdrücke vorbehalten bleiben; aber auch er in gleichem sinne als general in einem politischen spruche vom j. 1631, der Gustavus Adolfus als kommenden retter preist, diesen aber am schlusse sagen läszt:

ich wills auch thun, wanns gotts will ist,
durch meinen general Jesum Christ.
Opel u.
Cohn 30jähr. krieg 266,

wie in einer soldatischen umdichtung des liedes ein feste burg u. s. w., neben dem gleichbedeutenden deutschen hauptmann:

(Jesus) der rechte corporal,
hauptmann und general.
Böckler kriegsschule 941.

auch Moses als führer seines volkes heiszt so, der zug als heereszug genommen: als er, als ein general, sein von gott ihm untergebenes volk aus Egypten in ihr vatterland hat führen wöllen .. Spreng Ilias 1625 vorr. ijb.
γ) unmittelbar aus dem kriegsleben selbst z. b. in den aufzeichnungen eines feldcaplans, seit 1635: ein reitersdegen .. welchen der general graf von Papenhaimb .. dahin (in die pfarrkirche zu München) verehrt hat. pater Reginbald Möhners reise u. s. w. Augsb. 1872 s. 14; in diser statt, als sie der general Künigsmarkh belegert. 37, nachher general Künigsmarkh, ohne art., titelmäszig; aszen daselbsten bei dem herrn general Joan de Werd 43; der fürst name mit seiner hofstat quartier in dem haus, alwo der alte berümbte general Tilli geboren worden. 62; weilen es gleich neben des general Malanquin quartier beschechen. 83 (er heiszt auch generalfeldmarschalk 74). lange auch in alte zeit übertragen, während man da jetzt feldherr festhält: der tapfere general Joab. Simpl. 1684 3, 496 (feldhauptmann 464, in versen), generalissimus 463; indem er (könig David) ... seines rebellischen sohns rebellischen generalem Amasam zum israelitischen general setzen .. wollen. 496; anfangs sollte nach dem ausgange des carolingischen stamms (im Frankenreiche) der älteste general die krone nehmen, dieser war herzog Otto der erlauchte von Sachsen. Möser osn. gesch. 2, 4, er heiszt auch krongeneral 5; der römische general. Göthe 30, 93, vorher doch der römische feldherr Aëtius (camp. in Frankr. 27. sept.).
δ) der plur. wechselt gleich anfangs: als ich ihme selben (dem grafen Wernher von Tilly den mutigen schimmel) ser gelobt, sprach er, solche pfert brauchen wir general zum ausreiszen, und war das eben das pferd, welches den alten graf Tilli, als er bei Leipzig die schlacht verloren, aus der gfar getragen hatte. Möhner 20, wir general (der sprechende war aber nur regimentsoberst), deutsch, für generale, daneben generales romanisch: solches haben die spanische generales hoch empfunden. 89; dise zwei generales. 95, obschon man das auch als lat. verstehen konnte, wie generalem acc. sg. gesagt wurde: seines rebellischen sohns rebellischen generalem Amasam. Simpl. 1684 3, 496. noch im 18. jahrh. generals, gewiss aus volks- und soldatenmunde: der könig allein ist könig, seine generals, obersten, majoren sind selber seine bedienten. d. arme mann in Tockenburg (1789) 137; unter den generals und officiers ist manch tüchtiger und staatlicher mann. Göthe an fr. v. Stein 1, 170;

hier stehen meine generals.Caraffa u. s. w.
Schiller Wallenstein 1800 1, 142 (Piccol. 2, 7);

kann das geschehen, meine generals? 144. sonst generale oder generäle: sie, meine generale, seien richter! 145; beide Piccolomini, Buttler, Isolani, Maradas und noch drei andere generale treten herein. 135. 186;

die herren generäle und kommandanten. 1, 14 (Wallenst. lager 2);

um den könig versammelten sich viele generale. Göthe 30, 180 lh., 25, 121 H. (var. generäle 288).
ε) daneben übrigens in schwacher form im 17. jahrh.: unser könig befind sich mit herrn generaln grafen von Hohenloh und der ganzen armada in Praag. Hildesheimische zeitung von 1620 bei Opel die anfänge der d. zeitungspresse (archiv f. gesch.

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des d. buchh. 3) 176; die böhmischen herrn generaln. das.; mit befelch der herrn generaln. 177; die stelle des hohen kriegs-generalen. Böckler kriegsschule 46, und noch jetzt plur. generalen bei oberd. schriftstellern (s. Sanders); das entspricht der ursprünglichen adjectivischen art des wortes.
b) zum subst. ist es nämlich auf seltsamem umweg gekommen.
α) es ist eigentlich eben auch das adj., zu einem subst. gesellt, das dann im drang des kriegslebens der kürze halber verschwiegen wurde, wie schon Frisch 1, 339c bemerkt hat: 'wenn general allein steht und den generalissimum oder vornehmsten im feld andeutet, so ist das wort oberst dabey ausgelassen, welches auch ehmals dabey stunde, als in Fronspergers kriegsrüstung 4b ', d. h. am ende des 16. jahrh., generaloberster: hab er seinen fürnemsten wachtmeister zu dem amiral oder generalobersten umb hülf geschickt. Fischart von der spanischen armada 1588, kloster 10, 1084; dem duc, welcher general-oberster über die ganze armada. 1096; der general-oberster über die ganze flut (flotte). 1095; hat der general-oberster alle schiff zusammen bescheiden. 1098; haben sie einen solchen schrecken in dem general-oberster (so) gespüret, dasz er bald die ganz armada übergeben. 1097, also auch schon mit erstarrter endung, vergl. der obrister 1080, daneben doch noch der obriste das., auch schon mit gestutzter endung, wie jetzt, der general-oberst 1096.
β) auch im 17. jh. noch general-obrister über die artolkerei Opel und Cohn 30 jähr. krieg 420 und generaloberster für den oberfeldherrn, s. u. 2, a vom j. 1609. bemerkenswert scheint dabei, wie diesz oberst und auch haupt (s. hauptmann u. c) auch sonst im kriegswesen so dienten zur bezeichnung der spitze; so heiszt dort bei Fischart das schiff des admirals oder generalobersten auch das gröszte oberiste schiff 1073, das obriste spanische schiff des vice-admirals 1065, gemelter gubernator dieses obristen spanischen schiffes das., daneben das hauptschiff 1079, admiral- oder hauptschiff 1094. zwischen heer und flotte, der armada zu lande und zur see war damals in den bezeichnungen eigentlich kein unterschied, wie denn der führer oder commandant eines schiffes auch hauptmann heiszt, z. b. Villa Franca von S. Sebastian, hauptmann im gedachten schiff 1095, hauptmann darüber 1092 und immer so, wie noch jetzt schiffscapitän, capitän zur see, d. h. 'hauptmann' (s. c, α), der führer einer flottenabtheilung aber obrister (näml. hauptmann) 1074. auch die soldatische besatzung der schiffe heiszt das spanische kriegsvolk 1091, kriegsleute 1072, kriegs- und schiffleut 1056, soldaten und schiffleut 1099, das engelländische kriegsheer 1095, selbst haufen wie heerhaufen zu lande: (fand der admiral nach der schlacht), das noch bei 120 segel von dem ganzen haufen übrig. 1097. 1101 fg., der admiral mit seinem haufen 1104. noch bei Grimmelshausen Simpl. 3, 531 (1684) der general von der flotte (gleichbed. capitain von der flotte 527), wie bei Fischart generaloberster.
γ) das volle generaloberst musz übrigens auch neben dem gekürzten general ununterbrochen mit fortgeführt worden sein, denn noch jetzt gilt es, zwar nicht mehr als kriegsamt, aber als titel und hohe, höchste armeewürde; im j. 1881 z. b. waren im deutschen heere generalobersten der groszherzog von Mecklenburg-Schwerin, prinz August von Württenberg, prinz Friedrich der Niederlande (Transfeldt dienstunterricht für den infanteristen s. 22).
c) aber diesz oberst, oberster war schon selbst aus einer solchen kürzung oder verschweigung entstanden.
α) die volle form war oberster hauptmann (s. d. 3), noch im 16. jahrh. lange der eigentliche name des feldherrn: der oberest hauptmann und fürnemst regent (vergl. regiment) im krieg sein, den krieg fren und verwalten, ferre principatum alicuius belli. Maaler 310c; der prinz von Uranien, Philibert, so hernach an des von Bourbon statt kaiserlicher statthalter und oberster hauptmann vom kriegsvolk erwehlet und aufgetreten. Jo. v. Wedel hausbuch 92. auch zur see: der fürneme oberste hauptman des venedischen kriegszeugs auf dem meer. Weller die ersten deutschen zeitungen 178. 179 (hier auch nur der fürneme hauptman), vom j. 1564. daneben oberster feld herr, von graf Carl von Mansfeld, vom kaiser zum (d. h. als) obersten feldherrn in Ungern abgeordnet Wedel 357. anders Hans von Böck, ober-hauptmann zu Cüstrin 407, wol festungscommandant und gouverneur des bezirks. auch oberster veldhauptman, in einer kriegsordnung um 1535 zuerst nach dem obersten kriegsherrn Mones anz. 8, 301.
β) das einfache hauptmann, mhd. houbetman, ist das ältere wort für feldherr, noch dem 15. 16. jahrh. geläufig: capitaneus, hauptman Dief. 97b, auch das mlat. wort (dem hauptman

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nachgebildet) eig. vom feldherrn, z. b. im 14. jahrh.: capitaneus, ein houptman des urlüges. Wackernagel voc. opt. 39a, das deutsche noch im 16. jahrh. z. b.: ein hauptmann sein und der fürnembst im krieg, exercitui praeesse. Maaler 214a; hauptman, imperator, dux. Dasyp. 350c, darauf allerdings oberster hauptman nach dem imperator, tribunus militaris, hauptman über zehentausent, myriarchus u. s. w., d. h. zugleich schon herabsteigend von der spitze, die es eigentlich inne hatte, in der richtung in der es dann beim compagnieführer anlangte, wie oberst beim regimentsführer. die verschiebung der stufen und rangwerte von der spitze nach unten gieng nicht in scharfen abschnitten vor sich, sondern so dasz die verschiedenen namen und werte sich vorübergehend auch selbst in einander schoben; daher bei Maaler vorhin neben oberster hauptmann, was schon andere hauptleute im heer neben dem obersten voraussetzt, doch auch noch das einfache hauptmann als feldherr, bei Zinkgref u. a, β neben general noch haupt und feldoberster (s. auch kriegsoberster), haupt kurz für hauptman, eig. der kopf des lebendigen gegliederten ganzen, als welches das heer, der heerhaufe vorgestellt wurde (vergl. DWB körper II, 5, dazu truppenkörper und geist 14, e, γ).
γ) so sind sich in der entwickelung unseres heerwesens fünf namen für den obersten heerführer gefolgt im laufe von sechs jahrhunderten, immer einer den andern ablösend: hauptmann, oberster hauptmann, oberster, generaloberster, general; aber alle gehen und weisen sie genauer besehen noch auf den ältesten, den hauptmann zurück, der schon grammatisch zuletzt hinter allen steht als das substantivum, dem eigentlich die folgenden dienen als adjectiva, ein fall von steigerung und abnutzung der wol einzig ist in unsrer sprach- und titel- oder würdengeschichte; der sprachlich, geschichtlich und logisch völligste name wäre, freilich ungeheuerlich, general-oberst-hauptmann. dabei verhalten sich nun die aus der reihe erhaltenen, hauptmann, oberst, general (der major noch zwischenein geschoben, vergl. 2, b), wie geologische schichten, das älteste zu unterst liegend, das jüngste oben auf, nur dasz die ursprüngliche spitze beim sinken immer zugleich ins breite geriet, wie bei einer pyramide.
d) auch general selbst geriet in das sinken von der spitze hinab, nachdem bei dem wachsen der heeresmassen und der ausweitung ihrer inneren gliederung mehr als einer bei der armada nötig wurde, wie vordem mehr als ein oberster und hauptmann, die alle doch ihrem begriffe nach eigentlich nur einer sein können.
α) so war auch general in seinem eigentlichen sinne neu aufzufrischen oder zu steigern; es geschah mit generalissimus, rein lat., oder general en chef, halb franz. (denn man spricht general nicht franz. aus), oder auch obergeneral, halb deutsch, das letztere zugleich eigentlich zum obersten hauptmann des 16. jahrh. zurückgreifend, das franz. aber eigentlich zum ältesten, dem hauptmann (chef eig. haupt, caput, vergl. u. δ). das erste im 17. jahrh. (franz. generalissime schon im 16. jahrh., s. Littré, vergl. auch u. 3, b spanisch generalissimus der bettler): der generalissimus oder feldherr. Böckler kriegsschule 37; wie er (Joab) dann kurz hernach .. zu einem generalissimo über das ganze israelitische kriegsheer bestätigt wurde. Simpl. 1684 3, 503; Wallenstein .. als welcher durch die waffen aus einem edelmann ein herzog zu Fridland und Mechelnburg, aus einem gemeinen soldaten ein groszer und gewaltiger generalissimus worden. 163; bald darauf fing Wallenstein an, sich einen generalissimus des kaisers zu wasser und zu lande zu nennen. Schiller VIII, 129. im 18. jahrh.: generalissimus, summus imperator. Aler 895a, der über eine ganze armee und selbst über alle anwesende generals zu gebieten hat Ludwig 737. auch einfacher der hohe kriegsgeneral Böckler kriegsschule 46 (s. u. 2, a), wie noch die hohe generalität, hohe generale.
β) eine andere steigerung ist generalfeldmarschall, archistrategus Aler 895a, im 17. jahrh. general-feld-marschalk, so bei etlichen ins gemein auch über die ganze armée das commando trägt. Böckler kriegsschule 47, s. auch 48. jetzt als würde, die z. b. im deutschen heere graf Moltke und der kronprinz des reichs haben; feldmarschall ist selbst schon eine über dem general stehende würde, daher auch beide neben einander, z. b. in dem soldatenliede von 1717:

prinz Eugenius wol auf der rechten
thät als wie ein löwe fechten,
als general und feldmarschall.
Soltau 530.

im 17. jahrh.: der marquis Malanquin, ein Wallon, general, feldmarschalk. Möhner 74, derselbe einfach general 83. in einer kriegsordnung um 1535 steht der feldmarschalk gleich nach dem

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obersten veldhauptman (und oberstleutenant), gleich nach ihm der oberste zeugmaister. Mones anz. 8, 301, der letztere später als generalfeldzeugmeister:

machts euch bequem, herr generalfeldzeugmeister (Tiefenbach).
Schiller Piccol. 4, 6;

es ist eig. der oberste über das ganze geschützwesen (s. Böckler 49), das feldzeug, wie noch bei Adelung, aber auch als hoher generalstitel, wie noch im deutschen heere (jetzt prinz Carl von Preuszen), so schon im j. 1701 im preuszischen, wenn da der älteste bruder des eben gekrönten königs, prinz Philipp Wilhelm mit seinen titeln und würden auch als general-feld-zeug-meister erscheint, daneben als obrister über ein regiment zu pferde und eins zu fusz, während der 'mittelste' bruder auch als general-lieutenant zu pferde auftritt und obrister über ein regiment dragoner und eins zu fusz, der jüngste als general-lieutenant zu fusz und obrister über ein regiment, in dem bericht über das krönungsfest von Besser schriften 465, man sieht die berechnete abstufung der würden.
γ) die namen neigten nämlich überhaupt von der eigentlichen aufgabe, das kriegsamt im ernst des feldlebens zu bezeichnen, weg zu dem wert von titeln, als bezeichnung der rangstellung in der pyramidalisch sich aufbauenden folge der kriegswürden. wie man daher jetzt list oberst N. N., commandeur des 2. regiments, jenes nun rangtitel, das amt aber besonders neu bezeichnet, so heiszt nun der oberste feldherr im ernst des feldlebens auch der höchstcommandierende u. ä., wie beim general das feldamt besonders bezeichnet wird mit der commandierende general, bei Adelung wirklicher general der infanterie. es werden unterschieden general der cavallerie, general der infanterie (noch im 18. jahrh. auch einfach general zu pferd, zu fusz Aler 894b), im 16. jahrh. noch oberster genannt: oberster über alle reuter (dem range nach dem obersten zeugmeister folgend), oberster über das fueszvolk, dem der landsknecht hauptleut folgen, s. Mones anz. 8, 301 (um 1535). auch brigadegeneral, divisionsgeneral.
δ) im leben wird aber doch auch das einfache general in seiner alten kraft fortgeführt, da gehören noch armee und general, d. h. einer, zusammen, wie z. b. bei Göthe in der camp. von Frankreich: ein französischer general, Lafayette .. lehnt sich gegen die obergewalt auf .. er entflieht, seine armee .. bleibt ohne general und oberofficiere. 30, 181; nun erscheint ein wenig gekannter general, Dumouriez. ohne jemals einen oberbefehl geführt zu haben, nimmt er ... eine sehr starke stellung u. s. w. das.; und auch im soldatenliede, z. b. in einem aus dem Odenwalde:

general Blücher das war so ein tapfrer held,
er streicht wie ein adler wol über das feld,
vorn an der spitze.
Soltau 2, 483;

man bemerke vorn an der spitze, mit wiederkehr einfach ältester vorstellung, auch hauptmann meint eig. nichts anderes wie franz. en chef, mlat. in capite, an der spitze, z. b. duces in capite bei Gregor von Tours (s. Ducange s. v. capitaneus), und ebenso unser fürst, eig. der vorderste (vergl. Germ. 10, 137).
ε) sonst werden unter die generale mit inbegriffen alle höchsten chargen auszer dem eigentlichen general, was Göthe vorhin oberofficiere nennt, im 17. jahrh. auch noch oberste (näml. hauptleute): als sie sich nun beiderseits in schlachtordnung stelleten .. machte er (kaiser Karl IV.) eine anstalt, dasz er drei der fürnembsten österreichischen obersten (d. h. von der gegenpartei) heimlich zu sich brachte, denen verhiesz er güldene berg u. s. w. Zinkgref 1, 38. so generale z. b.: um den könig versammelten sich viele generale. Göthe 30, 180; so begegnete denn auch mir, dasz ich an groszer tafel neben einem alten trefflichen generale sasz. das. vergl. unter a, δ die beispiele im plur., schon im 17. jh. wir general im munde eines regimentsobersten, freilich in scherzhafter rede, doch vergl. unter 2, b regiment von einem armeecorps, geführt von einem generalmajor.
e) das heiszt auch generalität, gern noch gesteigert die hohe generalität, z. b. bei truppenrevuen, franz. généralité; im 17. jahrh.: was vor ein schlimmer hund hat mich bei der generalität eingehauen (verläumdet)? Simpl. 2, 94, 25 Kz.; kame ein furier zu mir und sagte .. (die plünderer und mörder) seien in verhaft gebracht und werden auf bevelch der generalitet gehenkt werden. Möhner 86; und bekame unser ob. wachtmaister von der spanischen generalitet ordinanz, disem prinzen 100 man von unserem regiment daselbsten zue lassen. 89, s. auch 90, es sind anordnungen des obergenerals nach beratung

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mit den anderen generalen. diese hieszen damals auch generals-personen, worin denn nach dem -s die adjectivische natur von general schon ganz vergessen erscheint; z. b. in Böcklers kriegsschule handelt ein cap. davon, wie man die generals-personen und die wägen logiren solle, d. h. dem register nach, im buche selber: wie die general-officirer eines ganzen lägers zu logiren. 639; die völker campierten .. in weitem veldt, die generalspersonen aber in dem dorf. Möhner 79; an einen vornehmen cavallier, welcher ein generals-person im feld war. Schuppius 38; bis er (graf von Pappenheim) endlich zu einer generals-person .. wurde. Simpl. 1684 3, 145.
f) die würde hiesz generalat, summum imperium Aler 894b, auch franz. généralat, span. it. generalato, deutsch generalstelle Rädlein 355a; im 17. jahrh.: dise 2 (spanischen) generales, als sie den ernst gesehen .. haben sie .. dem herzog Ulrich (zur begütigung) .. das generalat widerumb über die teütsche cavallaria conferiert. Möhner 95; (wo Joab) zu belohnung seiner treu, dem könig Salomon erwiesen, das generalat über das israelitische kriegsheer empfangen hat. Simpl. 3, 506, s. auch 496; nach der theorie sollte allemal der krongeneral, wenn er könig wird, das generalat abdanken. Möser osn. gesch. 2, 5.
g) in mancherlei zusammensetzung z. b. generalswürde, generalsrang, natürlich auch generalstochter u. ä., die gattin aber auch einfach generalin ( Adelung), z. b. in Kretschmanns lustspiel die belagerung (werke 3, 2) eine generalin von Burghayn, sie heiszt die frau generalin s. 57, angeredet auch meine frau generalin 48. 52, im munde des feindlichen feldherrn, der sie auch anspricht: sie sind mir ein gefährlicher feldherr! 53.
h) der anlasz zum eindringen des fremdwortes in die kriegssprache, die sich noch im 16. jahrh. wesentlich deutsch hielt, scheint ein gemischter, lateinisch und romanisch.
α) wie es im 17. jahrh. als lat. behandelt wird in generalissimus, generalem acc., vielleicht generales pl. (a, δ. f), so schon in der zeit seines auftretens bei Fischart, wenn er a. a. o. s. 1056 den kriegsobersten der flotte die special-befelchhaber entgegenstellt (nachher das. oberisten und befelchhaber ebenso), special als gegensatz zu general, generaloberster gemeint, d. h. nach der gelehrten unterscheidung von generalis und specialis, die aus der lat. wissenschaft lange geläufig war. so bringt Böckler kriegsschule 37 fg. die hohen officiere unter die begriffe der generalität oder specialität, jene alle mit general bezeichnet, diese mit dem obristen beginnend. ähnlich gelehrt gedacht ist es, wenn Grimmelshausen die officiere einmal die principal-kriegsleute nennt Simplic. 1684 3, 318. dabei war diesz gelehrte generalis schon länger in andern lebensgebieten im gange, auch deutsch geworden, als es in der heeressprache auftrat, in der sprache der kirche und der canzlei (s. 3. 4), von wo der übertritt ins kriegsleben nahe lag.
β) aber romanischer einflusz wird doch auch im spiele sein, wol selbst als erster anstosz. französischen einflusz aufs kriegswesen schon im 16. jahrh. oder früher verbürgt leutenant (s. d. und 2, a). auch général war dort schon entwickelt, als es bei uns auftritt, s. aus dem anfang des 16. jahrh. unter a, α; übrigens auch bei Montaigne neben general de l'armee des Venitiens essais I, 3 (s. 19 Paris 1876) doch noch das vollständige, Chabrias capitaine general de leur (der Athener) armee de mer s. 25, wie noch im j. 1697 ital. capitano generale der Venetianer zur see Pasquini staatsphant. 115 (franz. capitaine general in Levante 114), also gleich dem general-obristen bei Fischart u. b, α; er braucht auch noch das einfach älteste capitaine, d. i. hauptman (c, β), z. b. le capitaine Bayard 21, les capitaines der Indianer, Athener 21. 25, wie altfranz. z. b. im Rolandsliede der held le cataigne heiszt, s. Littré 1, 477a. die steigerung erscheint dort schon im 14. jahrh., Ducange s. v. capitaneus generalis bringt eine königliche bestalluug für einen obersten feldhauptmann vom j. 1349, wo dieser capitain general et souverain heiszt (dann auch noch einfach capitain), bei Littré 4, 2026b ist souverain capitaine aus dem 15. jahrh. belegt; dem souverain entspricht unser oberst (adj.), dem obersten hauptman franz. souverain capitaine, der general als steigerungsmittel hat bei uns erst spät und nachträglich im 16. jahrh. fusz gefaszt in generaloberst, nicht generalhauptmann, sodasz die entwickelung bei aller gemeinsamkeit dort und bei uns doch nicht ganz gleichen schritt hält, wir haben eine stufe mehr.
γ) den eigentlichen anstosz zu general wird aber der spanische einflusz gegeben haben, der zur zeit seines auftretens schon länger im lande selbst wirksam war, vom kaiserlichen hof ausgehend, durch

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spanische truppen und heerführer im lande selbst unterstützt. wie infanterie und cavallerie, auch major (s. 2, b) dem ursprung nach spanisch sind, die man gewiss im 16. jahrh. bei uns schon hörte, so konnte sich auch das wichtigere general (nun jeneral) oder capitan general, das noch jetzt in Spanien neben jenem geltung hat (generalfeldmarschall), noch früher einnisten, als die vorhin genannten, die erst im 17. jahrh. auftreten, es musz in der kaiserlichen kriegscanzlei seine amtliche geltung erhalten haben. und doch wehrte sich dabei noch das heimische selbstgefühl, das erst im 17. jahrh. völlig in die brüche gehen sollte, man gab capitan oder capitaine durch oberst wieder, durch hauptmann nicht mehr, weil jener nun ganz an dessen alte stelle getreten war.
δ) übrigens wird noch im 17. jh. das wort auch ganz spanisch angegeben, z. b.: general capitan, strategus. Henisch (1618) 1493, generalcapitan, feldobrister, imperator, archistrategus 585, auch capitan das., als hauptmann, oberster; das erstere ist veranlaszt (wie sein ganzer artikel general) durch Kilian, der als nl. in der appendix peregrinarum dictionum gibt generael capiteyn, strategus 684b, im rein nl. theile capiteyn, generael, dux exercitus, archistrategus, le general 231b, also das erste noch völlig in seiner alten kraft (hoofdman, strategus, capitaine 188b), wie es die Niederländer noch jetzt in zusammensetzung verwenden, z. b. kapitain-luitenant, generalleutenant. auch bei uns noch im 17. jahrh., in versen und gehobnem ton, als feldherr:

ihr secht, ich bin ein tapfrer held,
eîn kapitain im freien feld.
Opel u.
Cohn 30jähr. krieg 420.


2) aber auch auszer dieser bezeichnung der spitze hat das fremdwort im kriegswesen breitesten boden gewonnen seit dem 17. jahrh., theils im anschlusz an das vorige, theils als begriffswort für sich zur bezeichnung des obersten oder allgemeinen; übrigens tauscht da general noch im 17. jahrh. eine zeit lang mit obrister.
a) generalleutenant, eig. der stellvertreter des generals, wie schon in der kriegsordnung um 1535 dem obersten veldhauptman ein oberst leutenant folgt (d. h. als generalleutenant), den reuterhauptleuten ebenso der reuterhauptleut leutenant Mones anz. 8, 301; auch in dem kais. kriegsrechte von Maximilian II († 1576) bei Böckler 339 heiszt es noch unser ober-lieutenant, obrist-lieutenant, generallieutenant, und zwar vor dem feldmarschalk genannt, es erscheint da noch kein 'general'; franz. umgekehrt lieutenant général (nach capitaine général), daher anfangs auch deutsch in dieser stellung: Tilly, der leutenamtgeneral. Opel u. Cohn 30 jähr. krieg 66, in einem liede von 1620. sonst aber mit voranstellung von general, die man aus dem 16. jahrh. her bei generalconcil, generalmandat u. ä. gewohnt war (auch genitivisch admirals-lieutenant Fischart klost. 10, 1066, gleich vice-admiral 1065): herr von Rosenberg generaloberster (d. h. general), graf von Thurn general-leutenamt. zeitung von 1609 bei Opel die anfänge der d. zeitungspresse (archiv f. gesch. des d. buchh. 3. th.) s. 52; herr general leutenampt Arnheimb. 98, general leutenant 256; der general lieutenant, so auch zu zeiten die stelle des hohen kriegs-generalen zu verwalten hat, solle nicht weniger dann derselbe qualificiret .. seyn. Böckler neue kriegsschule (1665) 46, wonach die eigentliche bedeutung noch nicht verdunkelt, aber schon verblaszt erscheint. nun auch als hohe titelmäszige heereswürde, z. b. fürst Bismarck ist generallieutenant, beispiele vom j. 1701 s. u. 1, d, β aus Besser. uns wird das verständnis oder gefühl dafür gestört durch das heutige einfache leutenant, unterführer in einer compagnie, d. h. eigentlich 'hauptmann-leutenant' (das wol auch in gebrauch gewesen sein musz), sein stellvertreter, als welcher noch jetzt der premierleutenant bestellt ist (im 17. jahrh. s. Brunner zu Möhner 57). die kürzung gerade bei dieser stelle begreift sich aus der übergroszen zahl dieser stellen in der armee, schon bei Böckler 44 einfach lieutenant, d. h. nur einer: der lieutenant zu pferd, wie auch zu fusz, commandiren die compagni, wann der rittmeister, hauptmann oder capitain nicht zur stelle sein. 62.
b) generalmajor, jetzt die nächste würde nach dem generalleutenant, franz. major général.
α) im 17. jahrh. z. b. als führer eines corps (corpus): wurde verordnet, dasz alle 30 compagnia (spanisch) unter dem commando des fürsten als general major seien. Möhner 56 (im j. 1651), d. h. es wird damit für ihn in der spanischen armee aus den deutschen hülfstruppen ein teütsches corpus gebildet; bei Böckler 37 ein general major oder wachtmeister zu pferd und ein general major oder wachtmeister zu fusz, zwischen

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dem general feld-marschalks lieutenandt (zu pferd und zu fusz) und dem general kriegs-commissarius genannt. bei Aler 895a general-major, supremus vigiliarum praefectus.
β) der deutsche name war nämlich general wachtmeister, wie ihn auch Böckler 42 nennt, die general majors oder general wachtmeister, sowol zu pferd als zu fusz 51: unter dem general-wachtmeister von Altringen. Simpl. 3, 221, 25 Kz.;

dieser ist general-wachtmeister gewesen,
ein officierer ganz auserlesen.
Opel u.
Cohn 30jähr. krieg 420,

während da obrister-leutenamt noch für generalleutenant steht, gleich nach dem feldherrn genannt. noch im 18. jahrh. generalwachtmeister gleich generalmajor Ludwig 738. in der kriegsordnung von 1535 einfach wachtmeister (der reuter und der knecht), aber nach dem quartiermeister genannt, s. Mones anz. 8, 301. bei Möhner gesteigert ein obrist wachtmeister als vigiliarum supremus praefectus s. 69, vergl. 52, aber unter den hauptleuten von des fürsten regiment (d. i. jenem deutschen corps), der selbst spanischer generalmajor war, sodasz sich beide nicht mehr decken. bei Böckler 43 fg. im regimentsstab ein major oder obrist wachtmeister (zu pferd und zu fusz), nach dem obristen lieutenant und vor dem quartiermeister.
γ) wie major selbst vom spanischen mayor entnommen ist (auch das franz. major, lat. major ist ja franz. majeur), so möchte man auch für generalmajor spanischen ursprung vermuten, zumal es dort als spanische kriegswürde erschien; aber die span. wbb. von heute geben dafür mariscal de campo (feldmarschall). schon altspan. mayor war übrigens ein hohes kriegsamt, neben dem feldhauptmann genannt: quando vio Dario, que sus cabdillos e los mayores de su conpanna eran perdidos .. Knust mitth. aus dem Escurial 440 (s. 442. 444 dafür mayorales), im lat. texte das. capitanei et magnates sui exercitus; bemerkenswert dabei compaña, statt compañia, noch für das ganze heer (wie hauptmann urspr. der feldherr). Ducange gibt unter capitaneus generalis ein gleichbedeutendes major capitaneus aus einer ital. quelle des 13. jahrh., wo denn major als das erste steigerungsmittel erscheint, unserm ursprünglichen oberst entsprechend, wie nachher general (1, h, β. γ), sodasz generalmajor eigentlich unserm generaloberst entspräche. das mayor als steigerungsmittel hat gerade in Spanien besonders reiche anwendung erfahren, vergl. u. generalstab e, γ.
c) die andern eigentlichen kriegsämter, die Böckler 38 aufführt als hohe officirer in der generalität oder unter dem general-stab (auch oberste und general-officirer 462), sind der general kriegs-commissarius, der general quartiermeister, general proviantmeister, general wagenmeister, general adjudant, general auditor, general gewaltiger; in jener kriegsordnung von 1535 ist das general noch durch oberst vertreten oder fehlt ganz, wie beim quartiermeister, wagenmeister, worin eben meister das nötige aussprach (wie eig. auch in rittmeister, wachtmeister).
α) der erste heiszt auch kurz general commissarius Opel zeitungspresse 201, Opel u. Cohn 30 jähr. krieg 420, Böckler 52, wo sein schweres amt beschrieben wird (bezahlung der völker, musterung, den eid zu empfangen u. dergl.), vollständig generalkriegscommissarius schon im 16. jahrh. bei Fischart kloster 10, 1082 (mustercommissarius Mones anz. 8, 167. 174 vom j. 1583), im 18. jh. general-kriegs-commissar Besser 554 ff.; vgl. DWB kriegscommissarius. ein general-commissarius, supremus annonae praefectus Aler 895a muzz dem verwaltungswesen überhaupt angehören, er gibt aber auch einen general-feldweibel, structor supremus legionum.
β) der generalquartiermeister, im j. 1535 noch einfach quartiermaister (der reuter und der knecht) Mones anz. 8, 301, wie der generalwagenmeister das. einfach wagenmaister, der generalproviantmeister aber der oberst proviantherr, bei Böckler 59 auch oberproviantmeister, der erste, bei Möhner 89 general quartiermaister (regiments quartiermaister 93), noch jetzt im deutschen heer, hat bei Böckler 52 fg. nicht blosz das quartierwesen für die ganze armee, sondern auch das gesamte festungs- und belagerungswesen unter sich, dazu 'die situation eines ganzen landes', in dem der feldzug stattfindet, zu studieren und 'dem feld- und kriegsherrn darvon communication und nachricht zu geben', wozu er unter seinen zwei lieutenanten einen ingenieur zur seite, auch sonst ingenieurs und conducteurs in seinem dienst hat (42. 53). später ein besonderer general-ingenieur, in Preuszen im j. 1709 Besser 593, er hat da für die festlichkeiten bei der vermählung des königs die schaubühne zu bauen.

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γ) der generaladjutant, im unmittelbaren dienst des generals und generalstabs, z. b. als bote: solches haben die spanische generales hoch empfunden und noch disen abent den general adjutanten zuem fürsten geschickt, dasz er morgens frue zue dem erzherzog .. sich verfügen solle. Möhner 89. er ist eben auch urspr. spanisch, daher bei Böckler 38 general adjudant (doch adjutant im regimentsstab 40), span. ayudante general, daher auch franz. adjudant und adjudant général neben aide de camp, aide-major général. jetzt auch generaladjutant des kaisers, königs, fürsten, auch im täglichen hausdienst.
δ) dem gerichtswesen im felde dienen der general auditor (span. auditor general), general gewaltiger u. a.: der general auditor hat die justitz und was dero anhängig zu verwalten. Böckler 54, als des feldmarschalln statthalter in rechtsachen 463 (auditor im regimentsstab 40): denselben abend, als wir uns kaum gelägert hatten, ward ich zum general-auditor geführet. der hatte meine aussage samt einem schreibzeug vor sich u. s. w. Simpl. 1, 215 Kz.; dergestalt wanderten er (der rumormeister) und seine bursch mit mir neben den regimentern daher, der meinung, mich dem general-auditor oder general-gewaltiger zu überliefern. 212, 8; die rumormeister und general-gewaltiger. 407, 21, daneben noch mit dem deutschen namen unser regimentsschultheisz 212, 22, Böckler 43; jetzt franz. general-auditeur, schon bei Besser 352. bei Aler 895a auch ein generalfeldrichter.
ε) der generalgewaltiger, generalprofos, dessen amt Böckler 58 fg. beschreibt (s. auch 468 ff.), hat da die polizeiliche oberste gewalt im feld und lager, mit einem beschränkten rechte, selbst zu strafen, bemerkenswert z. b.: auszerhalb des lagers hat er macht zu streifen mit seinen reutern .. wann jemand gewalt geschehe, dasselbige zu verhüten. 58; dasjenige, was in feindes land geraubt ... nimbt er wiederumb ab und verschaffts den jenigen so es gehört. das. noch im 18. jahrh.: damit während dem marche durch die zur bagage gehörigen knechte und bediente in den dörfern nicht geplündert werde, hat der general-gewaltiger alle, so auszer dem zug angetroffen werden, alsogleich aufhenken zu lassen. Schmeller bayr. wb. 4, 73 aus der bair. infanterieordnung von 1754, ebenda gewaltiger als regimentsprofos; man hat im kriege einen weit kürzern procesz .. ja die noth steigt oft so hoch, dasz man das recht über leben und tod zu erkennen, und das erkänntnisz auf der stelle zu vollstrecken, dem generalgewaltiger überläszt. Möser patr. phant. 2, 7. in jener kriegsordnung um 1535 heiszt er oberster über alle provosen, vom obersten provosen ampt Mones anz. 8, 301. auch noch bei Böckler 468 handelt ein titel im schwedischen kriegsrecht vom ampt des obristen profosz oder general-gewaltigers und der regiments-profoszen, aber auch regiments-gewaltiger 461; doch auch general profosz 42. jetzt gibt es das amt nicht mehr.
d) in der generalität oder dem generalstab sind auszerdem bei Böckler 38 der general vicarius oder superintendent (d. h. ein kath. oder protest.), wie im regimentsstab ein caplan oder feldprediger (Möhner 96 nennt sich caplan major), der general secretarius sampt der kriegscanzley und der general feldmedicus sampt dem apotheker und feldscherer, s. 42 general staabs feldscherer. ein generalchirurgus der preuszischen armee Zimmermann über Friedrich d. gr. s. 290. jetzt generalärzte, bei jedem armeecorps einer.
e) der generalstab, den die genannten 'hohen officiere' bilden, stammt aus dem 17. jahrh., gleichfalls, wie es scheint, spanischen ursprungs.
α) er erscheint bei Böckler 37 ff. schon völlig entwickelt (s. das vorige), daneben auch ein artigleria-stab 38, proviantstab 39, regiment-stab zu pferd und zu fusz 40, s. auch 98 ff., vom general-stabe im schwedischen kriegsrecht 463 ff.; von einem regimentsstab, personen vom stab, s. Simpl. 3, 108 Kz. jetzt auch generalstab eines armeecorps, einer division neben den regimentsstäben, über allen der grosze generalstab. dazu generalstabschef, charge, officier, quartier, generalstabskarte u. a., auch general-stabswissenschaften. bei Böckler 38 auch ein generalstabs furier. auch nl. generale oder algemeene staf und einfach staf, wie engl. staff, dän. schwed. generalstab.
β) was aber das stab eigentlich ist? im j. 1651 erscheint ein hofstab des markgr. Leop. Wilhelm von Baden als führers eines deutschen hülfscorps in den Niederlanden, eben in dem hofstab Möhner selbst als feldcaplan, wie ein solcher sonst dem regimentsstab angehört (s. d, das deutsche corps wird als regiment behandelt, Möhner nennt sich caplan major 96): die völker

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campirten vor der statt .. der fürst aber, der obrist leutenant, obrist wachtmaister und was wir bei des fürsten hoffstab gewesen (d. h. wir alle vom h.), wurden in einem wirtshaus ... tractiert. reise 53; der fürst begabe sich mit seinem hoffstab in das dorf L. (ins quartier). 57; mit dem hoffstab kamen wir in ein dorf ... 58 (auch suite genannt 36). derselbe aber heiszt auch hofstat: raiseten wir mit halben hoffstat auf Mercheln. 60, auch halb spanisch hoffstado 68, mit aufzählung der ihm angehörenden, es sind fast nur adeliche herren, doch keine officiere, wie es scheint, die dann für sich folgen, obwol s. 60 hoffofficiers des fürsten vorkommen, die da, d. h. der hofstab, reichlich beschenkt werden von den ständen der landschaft 'wegen gehaltener guter ordnung', d. h. von seiten der soldaten, über die sie also zu gebieten hatten. daneben selbst als fem.: die hofstatt des fürsten war damalen (folgen die angehörigen). 29; der fürst name mit seiner hofstat quartier in dem haus u. s. w. 62; ich aber dorft nit von der hoffstat bleiben. 63, so sehr war die form im schwanken und suchte festsetzung. dieser tausch von stab und stat aber ist danach in der zeit auch für den generalstab denkbar, jener hofstat aber musz wol dem fürsten zugleich als stab gedient haben (vergl. wir bei dem stab unter γ), was Möhners verwechselung erklären würde, die doch wol aus der rede seiner umgebung stammt.
γ) spanisch heiszt er wirklich 'staat', estado mayor, danach auch franz. état-major (vergl. b, γ), es wird eben von haus aus ein spanischer begriff sein; franz. wird übrigens nun unterschieden corps d'état major im heutigen sinne und état-major-général im alten sinne, die generale und marschälle der armee in gesamtheit, also wie generalstab im 17. jahrh. man musz das span. mayor bei der übernahme durch das schon geläufige und sachentsprechende general ersetzt haben, wie man es im franz. wenigstens hinzufügte und wie z. b. dem caplan major, wie sich Möhner nennt, gewiss eigentlich spanisch (wie sein 'hofstado' vorhin), der generalvicar als oberster feldcaplan entspricht (s. d), span. wol capellan mayor (capellan schlechthin heiszt auch feldcaplan). 'generalstaat' aber war nicht brauchbar wegen der bedeutung, die das wort schon für die Niederlande hatte (s. 4, c), damals auch in Deutschland viel gebraucht. der tausch von staat und stab endlich, wie er in dem hofstat und hofstab vorliegt, fand seinen anhalt einmal in ähnlichen einrichtungen bei hofe, z. b. in Baiern bei Schmeller 3, 601 der oberst-hofmeister-stab, oberst-kämmerer-stab, oberst-marschall-stab, die hofmeisterei, kämmerei als behörden im hofdienste, wie jener hofstab, anderseits in der vorstellung des feldherrn- oder commandostabes (auch der kämmerer bei hofe führte einen stab, mhd. kamerstap), wie noch Rädlein 355a generalstab geradezu und nur als bâton du commandement gibt, Frisch 2, 313b 'stab im krieg' als commandostab des feldherrn. zu dieser vorstellung stimmt denn auch die verbindung mit unter oder bei, jenes z. b. bei Böckler 38 hohe officirer unter dem general-stab (neben in der generalität, s. c), dieses noch jetzt gebraucht, officier beim generalstab und schon bei Möhner 52, wenn er 'wir bei dem stab' sagt für den hofstab, wie wir bei des fürsten hofstab 53: commissarios ... welche den fürsten empfangen ... uns bei dem stab wol tractiert und umb verschonung der unterthanen in dem durchzug gebeten haben, worauf also auch der hofstab oder stat einflusz hatte. diesz unter oder bei ist wie unter oder bei der fahne, der commandostab in der hand des feldherrn mag aber eigentlich zugleich ein abgekürzter vertreter der fahne sein, die er ursprünglich selbst führte als 'heerführer' (vergl. 1, d, δ), wie das noch Friedrich d. gr. in der schlacht bei Zorndorf vorübergehend gethan hat.
f) ferner generalcommando, eig. oberbefehl: obrister Wend von Cratzenstein, so nach tödtlichem abfall des feldmarschalks Kniphausen über seine troppen das generalcommando geführt. Opel zeitungspresse 188, vom j. 1636. jetzt ein generalcommando der einzelnen armeecorps, auch örtlich gefaszt, in Baiern z. b. das generalcommando München, ein generalstabschef beim generalcommando Augsburg u. ä. auch generalbefehl oder ordre im einzelnen falle, im 17. jahrh.: der general secretarius, dessen ampt ist alle general befehl und ordre aufzusetzen. Böckler 55. generalordonnanz, anordnung die von der generalität ausgeht: ein rittmeister ... und ein haubtmann ... welche von dem fürsten als (d. h. immer) general ordinanz abgeholt haben. Möhner 55, ordinanz 49, span. ordenanza.
g) generalartikel plur., allgemeine kriegsartikel (s. d.): damit unsern general-artikuln desto ehe gehorsamlich nachgelebet

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werde. Böckler 472 aus dem schwedischen kriegsrecht. auch vom letzteren: soll der general gewaltiger .. an das ober-gericht oder general kriegs-recht appelliren. 463, ebenso. generalkriegscasse, z. b. in Preuszen: will ich (Friedr. d. gr.) euch zu friedenszeiten eine jährliche pension .. auf die general krieges casse anweisen. kön. patent bei Zimmermann über Friedrich d. gr. 149, wie im verwaltungswesen generalcasse eines kreises o. ä.: und beweiset .. höchstens nur, dasz alle generalcassen und generalaufseher mehr hintergangen werden, wie andre ehrliche leute. Möser patr. phant. 2, 179.
h) generaltreffen Weber 342a, haupttreffen, entscheidende hauptschlacht: der heerführer der schwäbischen musen, hr. Stäudlin, gürtet sein schwerd, um dem ganzen unschwäbischen Teutschland ein generaltreffen zu liefern. Schiller II, 377, 15. vorher geht ein generalrendezvous, im 17. jahrh.: das keyserische volk reyset in Böhmen auf den Weiszen berg, general randevous zu halten. Opel zeitungspresse 256, in einer zeitung von 1634, in einer andern das. generalmusterung genannt; warteten die 2 regiment auf der wiesen bei Diest auf uns und wurde general randivous gehalten. Möhner 56 (randivous 54 u. ö.); auf dem general rendevous, als wir vor Regenspurg ziehen wolten. Simpl. 3, 115, 31 Kurz (Cour. 22). das zweite auch im frieden: den 27. juni (1583) ist eine general-musterung durch ganz Pommern .. gehalten u. s. w. Wedel hausbuch 288, an drei verschiedenen stellen, durch die fürsten selber, wegen der rossdienste, generalmusterung der lehnpferde 571; noch jetzt von zeit zu zeit in den casernen eine generalmusterung, zur prüfung des allgemeinen zustandes. generalrevue, vor dem kriege: endlich gedieh es (die kriegsvorbereitungen) zur generalrevüe, und da giengs zu und her, dasz diesz ganze büchelgen nicht klecken würde, das ding zu beschreiben. Bräker der arme mann im Togg. 138, er versucht es doch, zuletzt aber: ich müszte ein narr sein, wenn ich glaubte, hier eine preuszische generalrevüe beschrieben zu haben. 139. generalmarsch, totius exercitus expeditio Stieler 1247, allgemeiner aufbruch, generalmarsch blasen; auch kurz generale schlagen Weber 342a, franz. battre la générale (nämlich marche). endlich generalsturm, generalis assultus Aler 895a, allgemeiner und hauptangriff im sturm: der generalsturmb (auf Magdeburg 1631) hat sich den 20. may morgens zwischen 7 und 8 uhrn angefangen, und haben die statt umb 10 uhr erobert. Opel zeitungspresse 224; den sechsten (tag) wagte man einen generalsturm (auf Thionville). Schiller 1100b; bildlich: ich musz also einen sturm wagen (auf ihr herz), einen generalsturm. Lessing 2, 445, im munde eines soldaten; ich steckte ja (wenn ich das mittheilen wollte) die stadt in kriegsflammen und läutete mit meiner Türkenglocke generalstürme .. gegen den hof .. ein. J. Paul paling. 1798 1, 56. nach sturm und sieg aber auch generalpardon, pardon général, general-frieden Pasquini staatsphant. 141, general-friedens schlusz 118 (particulier-frieden 116).
3) im kirchenwesen, weit älter als im kriegswesen.
a) auch hier als subst., und zwar schon im 13. jahrh., im sog. buch der rügen, aus der feder eines klerikers, der das leben der 'prälaten' rügt:

eʒ sî prôbest oder abt,
prior oder gardîân,
custer oder dechân,
minister oder generâl,
swie si heiʒen über al (überhaupt),
ir gebietet wundervil,
des iwer keiner tuon wil.
Haupt 2, 56,

in der lat. vorlage in dem cap. ad praelatos generaliter s. 21 ist leider nichts entsprechendes, sie werden allgemein mit patres angesprochen; es sind doch wol schon die häupter der mönchsorden gemeint, lat. generalis, im gegensatz zum provincialis, doch auch mit verschweigen eines subst. dabei; im 14. jahrh.: auch stunt zu Munchen ein general, der uberste uber parfuszen orden. deutsche chron. II, 346, 10. noch jetzt ordensgeneral, z. b. general von den minderen brüderen, primas Minoritarum Henisch 1493, d. h. nach dem nl. generael u. s. w. Kilian 684a. bei Aler 895b general eines geistlichen ordens, generalis etc. jesuitengeneral u. ä.
b) selbst generalissimus (vergl. 1, d), wenigstens in einer absonderlichen anwendung, spanisch, wie Albertinus der welt tummel- und schauplatz 385 anführt, von bettlern und landstürzern, die durchstreichen alle länder auf und nider .. und haben (inmaszen ich in einem sonderbaren werklichen spanischen buch gelesen) einen sonderbaren generalem oder generalissimum u. s. w., er ist ein feiner exemplarischer prälat,

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friszt ein ganzes kalb auf ein einziges mahl u. s. w., also als prälat in seinem orden, wie u. a kirchlich; zur sache vergl. den gaunerkönig, bubenkönig u. ä. unter könig 8, zum letztern auch Laurent Aachener stadtrechnungen 430b. ähnlich doch bei uns eine generalin der zigeunerinnen, im 17. jahrh., die landstörzerin Courage erzählt: ich wurde (als zigeunerin) in kürze so perfect, dasz ich auch vor eine generalin aller ziegeunerinnen hätte passiren mögen. Simpl. 3, 134 Kz. (Courage 27), es musz wol danach auch einen general der zigeuner gegeben haben, allerdings ins soldatische übersetzt, wie vom leutenant der zigeuner 133, 23 die rede ist. auch einen studentengeneral gab es, der damit zusammenhang haben könnte, falls er in die zeit zurückreicht, wo die universitäten als kirchliche anstalten galten. Gottsched vern. tadlerinnen 2, 100 im 13. stück vom j. 1726, das vom schlemmen der studenten handelt (nasse brüder s. 99), erwähnt von Günther einen glückwunsch, den er an den Jenischen studenten-general gemacht, bei Günther selbst s. 797 ff.: als des herrn generals von dem handfesten regimente jungfer tochter hochzeit hielte (wonach also die würde auch über die universitätszeit hinaus dauerte), im nahmen derer zum general-stab gehörigen officirer gedruckt, am schlusse unser general, auch der general von unsern trouppen, also ganz ins soldatische übersetzt, wie die schlemmer des 16. jahrh. ihr thun ins ritterliche übersetzten (s. kannenritter, auch u. gefäsz 3, b); im 15. jahrh. erscheint ein episcopus der bursenschuler, d. h. studenten, den sie unter sich wählten, s. Germ. 17, 187 (vergl. kinderbischof), wonach auch die nachahmung des ordensgenerals als das ursprüngliche denkbar ist, wie da vom burschen- oder studentenorden die rede war.
c) generalvicar und generalsuperintendent, beide im 17. jh., im generalstab als oberste feldgeistliche, kath. und lutherisch, s. 2, d, generalvicar aber kath. auch als vertreter des bischofs oder eines anderen geistlichen oberen in geistlicher verwaltung (franz. vicaire général); Christ. Cornerus, theologiae doctor, generalsuperintendens in der mark Brandenburg. Wedel hausb. 354, im j. 1593; lieber bruder, der herzog bedarf eines generalsuperintendenten u. s. w. Göthe an Herder 1775, d. j. Göthe 3, 122; Herder hat den ruf als generalsuperintendent angenommen. 135, dann auch in der bequemeren sprechform des lebens: Herder wird general superndendt. 137 (an Lavater), wie schon im 16. jahrh. superendent Kiechel reisen 107. in der griechisch-kath. kirche generalabt archimandrit.
d) generalbeichte, confessio generalis (z. b. im 14. jh. Müllenhoff u. Scherer denkm. 533, 2. ausg. 619), z. b. beim eintritt ins kloster abzulegen: also werdet ihr euch über mich wundern, wann euch die zeitung von dieser meiner haupt- oder general beicht zu ohren kommt. Simpl. 3, 10 Kz., Courage nennt ihren erzählten lebenslauf so; eben derselbe (mitschüler) verleitete mich auch, ihm meine generalbeicht sehen zu lassen, wofür er mir die seinige zu lesen gab. diese beicht war eine eigene einrichtung der jesuiten, sie diente theils dazu, ängstliche gemüther, die in den vorigen beichten etwas verschwiegen zu haben befürchteten ... durch ein neues allgemeines bekenntnisz aller begangenen sünden zu beruhigen, theils die jungen leute von grund aus kennen zu lernen. wer eine generalbeicht ablegen wollte, schrieb seine vergehungen ... auf einige blätter, las sie, im zimmer des beichtvaters kniend, verständlich ab, und bat um die lossprechung. Fr. X. Bronners leben 1, 221 fg.; da Friedrich .. keinen anklang für seine possen in der gesellschaft fand, sagte er .. weil mir, unter solchen bedenklichen umständen, sogleich meine sämmtliche sündenlast schwer auf die seele fällt, so will ich mich kurz und gut zu einer generalbeichte entschlieszen. Göthe 20, 224 (W. Meisters lehrj. 8, 6); ich fühlte mich, wie nach einer generalbeichte (nach dem Werther), wieder froh und frei und zu einem neuen leben berechtigt. 26, 227 (aus m. l. 13); auch ein gedicht in den geselligen liedern (lasset heut im edeln kreis) heiszt generalbeichte.
e) generalcapitel bei geistlichen orden, allgemeine versammlung (generalcapitul Weber 342a), schon um 1400: in diser selben zit (1395) da hatten die barfuszen zu Collen ein generalecapitel. Limb. chron. 89, 13 Wysz, d. i. generale capitulum etwas deutsch gemacht (s. 6, b). generalconcil, allgemeine kirchenversammlung, concilium generale z. b. im 13. jahrh. Haupt 2, 11, im 15. jahrh. noch halb deutsch ein gemein concilium, vorher auch ganz deutsch ein gemein rat (s. gemein 2, d, γ), im 16. jh.: domit ein einhelliger gleichmesziger verstand in dem christlichen glauben gemacht, auch frid und einigkeit in deutscher

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nation .. erhalten werd, so haben wir (der kaiser), auch churfürsten, fürsten und stend solchs nit fruchtbarer ... zu geschehen ... befinden mögen, dann durch ein frei general concilium oder aufs wenigst national versamlung. reichsabschied von Speier 1526, reichsordn. 1539 130a (national concilium Luther 8, 209b, s. gemein a. a. o.); das alles wir, obgemelte straf zu vermeiden, zwischen hie und des nechstkünftigen general concilij entscheids, also genzlich gehalten haben wöllen. 157b, reichsabschied Augsb. 1530; vor 17 jahren hat der hochgelehrt herr E. Anhart von Gräz .. ain general-consilium (doch unberufen zu Trident) podagricum inn truck gefärtiget. Fischart kloster 10, 652; ein general concili dess. bienenk. 1588 42a (consilium auch Keisersberg emeis 21d). generalsynode, im unterschied von der provincialsynode.
f) eine allgemeine und general-reformation der ganzen weiten welt Cassel 1614 wird J. V. Andreae zugeschrieben (nach einem Italiener Boccalini, s. im quellenverz. zum 1. bd.); Keisersberg handelt in der emeis 21d ff. von einer notwendigen gemeinen reformacion der ganzen cristenheit, an der er verzweifelt; vergl. general und gemein so gleich u. 4, a.
4) im reichs- oder staats- und verwaltungswesen.
a) generalmandat, mandatum generale, eine alle angehende mittheilung, anordnung u. ä.: bemelte furstliche durchlaucht hat irem gericht Ernberg, Petersberg u. s. w. offentlich general mandat gefertiget, darinnen dieselbigen inen verkünt u. s. w. Baumann qu. zur gesch. des bauernkr. aus Oberschwaben 452 (hs. mandiert); auf heut .. mittag ist ain general mandat von königlicher majestät in den umbligenden flecken .. den underthanen verkündet worden (zur rüstung gegen die Türken). Schertlin br. an die stadt Augsb. 6. es steht da für das altheimische gemein, das auch noch im 16. jahrh. damit gesellt erscheint: und (da) in solchem wollenkauf (wollgeschäft) nit wol ein gemein general durchgehend constitution und satzung, die in allen orten statt haben und gehalten werden kundt, aufgericht .. werden mag. reichsabsch. 1566 39b, vgl. 39a gemeines reichsmünz edict und ordnung.
b) merkwürdig aber schon im 15. jh. auch subst. ein general n., noch mit gemein verstärkt und verdeutscht, wie eben vorhin: am 24. märz 1444 erläszt der Augsburger rath ein allgemeines ausschreiben, ain gemain generâl, an fürsten, herren, städte und landgemeinden. Augsb. chron. 2, 99 anm. 3. die kürzung von generale, das wieder aus generale mandatum gekürzt sein musz, weist sogar auf schon längeren gebrauch, das blosze generale musz schon in der zeit des canzleilateins entwickelt sein. noch im 18. jahrh. bei Schmotther 2, 637 ein generale, allgemeine landesherrliche verordnung, und noch jetzt span. un general.
c) im 17. jahrh. und länger ist auch bei uns viel von den niederländischen general-staaten die rede; im preuszischen hofstaat bei der königskrönung 1701 z. b. ein herr von Tettau, sr. maj. hauptmann zu Angerburg und general-feld-zeugmeister der herren General-staaten Besser 466. es wird selbst auf ähnliche staatsverhältnisse anderwärts übertragen: general-staaten in Griechenland (Holland etc.), Amphictyones, commune concilium. Aler 895b. nl. vielmehr umgekehrt staten-generaal, d. h. nach franz. états généraux, in vollem titel im 18. jh. de Heeren Staaten-Generaal der vereenigde Nederlanden. es sind eigentlich, deutsch zu reden nach altem reichsstil, die gemeinen stände, was den états généraux entsprach (s. gemein 3, g, β), dann vom ganzen 'staat'. dazu adj. generalstadisch, im 17. jh.: H. Bilderbecken, general-stadischen abgesanten in Teutschland. Weckherlin 566.
d) vielfach von beamten, die einem ganzen bezirk oder bereich angehören, z. b. generalpostmeister, seit 1595 titel der grafen Taxis als erblicher inhaber der reichspost, s. z. b. Opel zeitungspresse 82 vom j. 1627 (auch erbgeneralpostmeister 86, später noch völliger reichs-general-erbpostmeister), nun im neuen reich für Stephan verwendet. generalaufseher Möser phant. 2, 179 (s. u. 2, g), nun veredelt und verfeinert generalinspector oder noch feiner 'generalinspekteur', z. b. des ingenieur-korps (der deutsch-franz. krieg 1870—71 Berl. 1874 I, 1, anh. s. 28). generalgouverneur von provinzen, colonien u. ä., zugleich ins militärische greifend (generalgouvernement), generalstatthalter. generaldirector z. b. von königlichen museen, hoftheatern, staatseisenbahnen, generalintendant königlicher bühnen. generalbevollmächtigter z. b. einer partei bei wichtigen rechtsverhandlungen o. ä. (mit generalvollmacht). generalconsul als höchster rang unter den consuln. general-commissarius, supremus annonae praefectus Aler 895a, general-fiscal, supremus fisci procurator das.,

[Bd. 5, Sp. 3382]


generaleinnehmer, receptor generalis Henisch 1493, franz. receveur général. in der Schweiz ein eidgenössischer generalanwalt, staatsanwalt, engl. attorney general.
e) von ämtern und amtsgeschäften, wie generalinspection, generaldirection, generalrevision u. a.; die general-polizeidirektion hat mit mir kommunizirt. Göthe an Karl Aug. 1, 17 (1781); general-accise, reditus ex rebus promercalibus generales, auch general-accis-director, general-accis-rath Weber 342a. generaldepartement bei der regierung, abtheilung welche die allgemeine verwaltung der landesangelegenheiten hat, im unterschied von den einzelnen kreisämtern u. ä.: die herrn beim generaldepartement mögten gern alles ... auf einfache grundsätze zurückgeführet sehen. Möser p. phant. 2, 15; allgemeine polizeyordnungen, allgemeine forstordnungen, allgemeine gesetze über handel und wandel u. s. w., wenn sie dem generaldepartement zur richtschnur dienen sollen, um die vorschläge, berichte und ausrichtungen der localbeamten darnach zu prüfen u. s. w. 18, auch generaljustitzdepartement 17, general- forst- oder markenordnung 19, generalverordnungen und gesetze 21.
5) auch in andern lebensgebieten, fast überall.
a) z. b. im bücher- und schriftwesen, gelehrtenwesen u. ä.; im 16. jahrh. z. b. generalchronik, allgemeine: den ersten ... teil derselben (der ihm vom churfürsten aufgegebnen meisznischen chronik), in welchem eine allgemeine oder general chronick des Meiszner landes ist. P. Albinus meisznische land und bergchronica Dresd. 1589 vorr. ija; die ereignisse der völkerwanderung nennt er general verenderungen und wanderschaften der deudschen völker u. ä. (s. das register). generaltitel für mehrere zusammengehörige schriften mit specialtiteln, general- und specialregister u. ä. generalrisz, allgemeiner ab- oder aufrisz, z. b. für gebäude, parkanlagen u. ä., bildlich: man findet aus diesem generalrisz des stücks (der räuber), dasz es an wahren dramatischen situationen ungemein fruchtbar ist. Schiller II, 357, 17. geographisch general- und specialkarte. auch general-satz, thesis, propositum Aler 895, als gegensatz hypothesis, die sach in particular, eig. bei disputationen.
b) im musikleben generalbasz, it. vielmehr basso continuo (doch auch basso principale oder generale), eig. die notierte baszstimme die zugleich den gang der harmonie des ganzen andeutet, daher dann als inbegriff der regeln der harmonielehre überhaupt; es erscheint im 17. jahrh. neben bassus continuus, z. b. im j. 1675 eine manuductio zum generalbasz von Fabricius; anfangs und noch im 18. jahrh., in dem es erst durchdrang neben dem ital., auch in erster bed., als stimme oder tongang für sich: wie kunte das mensche schöne singen und mit der leyer den general-bass so künstlich darzu spielen. Schelmufsky 1, 126; nichts kan wol hölzerner klingen, als einen schlechten (einfachen) general-basz solo zu spielen, ja wer sich nur eine idée davon macht, musz lachen. Mattheson exemplarische (mit beispielen ausgestattete) organisten-probe im artikel vom general-basz u. s. w. Hamb. 1719 1, 8; das hauptwesen des general-basses kömmt auf das acompagnement einer singenden stimme an (hinaus) u. s. w. 2, 142, er heiszt auf dem titel auch die hauptwissenschaft des claviers, wird auch noch kurz basz genannt, z. b.: es (das öftere anschlagen einerlei griffe, das viele spieler lieben) macht ein grosz geräusch und verdirbet die melodie des basses, als welche vor allen andern deutlich musz vernommen werden. 2, 13. doch auch noch it. in der zeit, wie z. b. Mattheson vorber. 1 aus Kuhnau († 1722) musikalischer quacksalber s. 513 anführt: im basso continuo darf kein organiste ohne schande stolpern. vom ersteren dann auch eine grosze general-basz-schule Hamb. 1719. in der höheren bed. z. b. bildlich: wir sind (jetzt) im handeln eben so unsicher wie im genieszen ... kopf stöszt sich an kopf, gefühl an gefühl, es ist eine welt von dissonanzen, die ihren generalbasz erst von der zukunft erwartet. Wienbarg ästh. feldzüge (1834) 141. auszerdem generalpause, vorübergehendes allgemeines schweigen des orchesters, generalprobe, hauptprobe, zu der alle mitwirkenden nötig sind.
c) im geschäftsleben z. b. generalbankerott, bildlich: keinen einzigen groszen kerl mehr zu finden! seht ihr, wohin das gekommen! ein general-banquerott (in der deutschen geisteswelt). Fr. Müller 2, 22. generalversammlung z. b. von actiengesellschaften, zur entscheidung von fragen die alle angehen, schon im 17. jahrh. eine general-zusammenkunft der hexen Simpl. 1, 212, 30 Kz. (2, 26), s. auch nationalversammlung im 16. jh. neben generalconcil u. 3, a, deutsch gemeine versammlung

[Bd. 5, Sp. 3383]


(s. gemein 3, e, β). auf der versammlung z. b. eine generaldiscussion im gegensatz zur specialberatung u. ä. generalentrepreneur und generalentreprise bei groszen unternehmungen. generalagent und agentur z. b. im versicherungswesen, immer mit dem reiz des vornehm staats- und canzleimäszigen, nebst dem reiz des fremden, das ja mehr als deutsch ist.
d) auch vom alltagsleben ist das wort aufgenommen worden als steigerndes kraftmittel, wie erz-, z. b. spitzbube und ähnliches steigert man zu general-spitzbube, wie erz-spitzbube, und noch stärker er ist ein erz-general-spitzbube; schon bei Campe verdeutschungswb. 335b generalwindbeutel, erzwindbeutel. ähnlich ein capitalkerl, capitalschwein u. ä.
6) zur form und zum grammatischen ist noch zu bemerken:
a) als reines adj. für sich, was es doch eigentlich ist, geben rs zwar wbb. an, zuerst Henisch 1493 general, allgemein, geneealis, universalis, es hat aber so nicht aufkommen können, obgleich es wiederholt versucht worden ist, z. b. im 16. jahrh.: das concili wird nicht general oder oecumenicum darumb genant, das u. s. w. Fischart bien. 1588 42a, nach Marnix: het concilium en wort niet generael oft oecumenicum ghenoemt u. s. w. byencorf 33a; die Alemani und Franci sein fast zu einer zeit also berufen (berühmt) worden, das man ihre namen gleich (zugleich) als general von den deudschen völkern gebraucht. Albinus a. a. o. 384, wie Celtae, Germani als 'general namen' der deudschen 17, mit gegensatz besondere und eigene namen 20. während diesz 'general name' noch in unserem sprachgefühl seinen anklang findet, verschlieszt es sich völlig jenem adj. general. ebenso befremdet es uns als adv., wie es doch im 18. jahrh. Rädlein 355a gibt (aber nicht als adj.), general, durchgehends, insgemein, gänzlich, z. b. man musz dieses general von allen wackern leuten sagen, dieses gehet general alle leute an, seine historie ist zu general geschrieben. am befremdlichsten aber klingt, was das natürlichste wäre, general als adj. mit endung, wie nl. im 16. jahrh. een generale oft algemeyne concilium, de algemeyne end generale kercke gods Marnix byencorf 33a, was doch Fischart hd. nicht beizubehalten wagte, er setzt ein general concili, die algemeyne und general kirche gottes bienenk. 42a, während noch im 18. jh. z. b. ein niederl. lehrbuch der musik von Zumbach 1743 auch van den generalen bas handelt (s. 5, b); auch bei uns im 18. jahrh.: eine generale regul musz hier beobachtet werden. Mattheson a. a. o. 2, 4 (neben general-verzeichnisz 87 u. a.), wir verlangen da nun general-regel oder, wenn es doch adjectivisch sein soll, generelle regel, wie in den fällen bei Albinus und Rädlein generell für general; auch folg. klingt uns nun befremdlich: sonst wird man blosz generale gesetze (die im allgemeinen gelten), aber keine universale (die allgemein gelten) haben. Kant bei Campe verd. wb. 335b, die feste gewohnheit verlangt nun generelle, universelle. so ist general- selbst kein adj. und doch auch kein subst., es ist ein grammatischer zwitter. woher diese starrheit? und dasz man, um sie nicht brechen zu müssen, lieber zu einer andern form griff, die es im heimatsgebiete des wortes, im lat., franz. u. s. w. nicht gibt?
b) die seltsame starrheit zeigt sich doch früh, schon im 16. jh. in general concilium und general mandat (s. 3, e und 4, a), das erste auch schon im gen. general concilii. das sind zufällig neutra, lat. generale concilium und generale mandatum, vergl. aus dem 15. jahrh. generalecapitel für generale capitulum u. 3, e, so gestellt, damit der hauptbegriff nach deutscher art den ersten hochton erhielte; sie müssen in jener form auszer und dann auch in der canzlei gangbar geworden sein. allerdings tritt neben dem ersten auch schon national versamlung mit auf im j. 1526, aber diesz wie jenes fand anhalt an einer regel, die sich das deutsche sprachgefühl für die behandlung lateinischer adj. und subst. gebildet hatte, dasz man sie aufnahm mit abgeschnittner bat. endung, ohne ihnen als fremdlingen die deutsche zu gewähren; daher z. b. concili Berthold v. Chiemsee 6, 4, mysteri Fischart lienk. 1588 180a, vocabulari weim. jahrb. 4, 78, commissari pl. Schertlin br. 191, besti bestia Fischart a. a. o., hosti hostia Teuthonista 129b, histori, Schlesi Silesia Luther 1, 161b, articul, regul, spectacul u. a. (noch nach 1700), adj. z. b. ein ordinari schiff Möhner 99, auf dem ordinari Costanzer schiff Ernstinger reise 106, ordinari posten Kiechel 285, die ordinari kutsche Moscherosch Phil. (1644) 40, meines ordinari dienstes Albinus a. a. o. vorr. ijb, also alles auch erstarrt und die adj. damit an substantivische zusammensetzung streifend. die völlig getrennte schreibung ist übrigens noch im 18. jahrh. ziemlich häufig, z. b. original schriftsteller Claudius 1, 203, orginal ausgabe Lessing

[Bd. 5, Sp. 3384]


4, 65 (das erste im ursprünglichen druck klein geschrieben), general superndendt Göthe briefl. u. 3, c.
c) so gehen nun in unserm gebrauch neben einander z. b. general-regel und generelle regel, wie special-forschung und specielle, speciellere forschung (franz. nur spécial), nominal-betrag und nomineller betrag, individualgeschichte (Schiller I, 153, 22) und individuelle geschichte, universalgenie und universelles genie u. s. w., seltsam und verworren verwirrend, während daneben z. b. real, ideal, cordial, genial, national u. s. w. ruhig als wirkliche adjectiva behandelt werden, wenn man sie auch lange noch mit besonderer heimischer adjectivendung versah, z. b. idealisch, genialisch (s. d.), kolossalisch (s. d.). jene specialforscher, generalentrepreneur u. s. w. sind eigentlich so seltsam, als es z. b. sentimentaldichter, naivdichter wäre, aber niemand empfindet das mehr, in welchen ungeschmack und welche sprachliche verwirrung und unsicherheit uns die gelehrte oder canzleimäszige vorliebe für jene grammatischen zwittergebilde hineingezogen hat, zumal wenn man sich dabei auf unterschiede im sinne wirft, die sich z. b. bei ideal und ideell, real und reell, special und speciell eingeschlichen haben oder einschleichen wollen, unterschiede die bei festerem zugreifen unfaszbar entschlüpfen oder ins spaszhafte gehen, wie beim haarspalten, dabei aber unsere gedankenwelt immer mehr ins kleine und kleinliche zersplittern, die so sehr der verlornen groszen einheit bedarf. das unfranz. generell, wie sein gegensatz speciell, mit denen man französischer war als die Franzosen, mögen veranlaszt sein durch das im sinn naheliegende franz. universel, sie müssen aber auch im vorigen jahrh. erst spät aufgetreten sein; noch 1726 gibt z. b. Schmotther 2, 742 nur universal (wie general), aber schon reel, würklich 2, 705, mit dem sich das franz. -el bei uns eingeführt haben mag.
7) zur übersicht: general n., allgemeine verordnung s. 4, b, generaladjutant 2, c, γ, generalanwalt 4, d, generalat 1, f, generalauditor 2, c, δ, generalaufseher (inspector) 4, d, generalbasz 5, b, generalbeichte 3, d, generalbevollmächtigter 4, d, generalcapitan 1, h, δ, generalcommando 2, f, generalcommissarius 2, c, α, generalconcil 3, e, generaldepartement 4, e, generaldirector 4, d, generalfeldmarschall 1, d, generalfiscal 4, d, generalgewaltiger 2, c, ε, generalingenieur 2, c, β, generalissimus 1, d, generalleutenant 2, a, generalmajor 2, b, generalmandat 4, a, generalmarsch 2, h, generalmusterung 2, h, generaloberster 1, b, generalofficier 1, e, generalpostmeister 4, d, generalquartiermeister 2, c, β, generalrendezvous 2, h, generalsatz 5, a, generalsperson 1, e, generalstaaten 4, c, generalstab 2, e, generalsturm 2, h, generalsuperintendent 3, c, generaltreffen 2, h, generalversammlung 5, c, generalvicar 3, c, generalwachtmeister 2, b, ordensgeneral 3, a, studentengeneral 3, b.
 
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generen, genesen machen, mhd. mnd. mnl. generen, ahd. alts. ginerian, ags. generian, goth. ganasjan, factitivum zu genesen, noch im 15. 16. jahrh., landsch. noch heute, mit verlängerter stammsilbe (vergl.nähren): fovere, gneren Dief. 245a neben neren, erneren;

wol ihm, der sich generen mag
ohne solches umbhertraben. Renner Frankf. 1549 s. 7 (v. 753);

es (das gänseschmalz) gneert auch S. Antonis plag. Heuslin Gesners vogelb. 60a, noch in unmittelbarer beziehung zu genesen von krankheit (s. dort 4, d); eieröl gneert die fistlen und melancolischen geschwär. 97a u. ö.; geneeren, heilen, gesund machen Maaler 168b (gneerlich, medicabilis 188a); in muest Jacob Maienbron der wundarzet wider mit fleisz generen. Zimm. chron. 2, 514, 38. noch jetzt rheinisch, z. b. luxemb. genieren Gangler 174, schweiz. intr. geneeren anfangen zu heilen, gneerig von wunden, leicht heilend Stalder 2, 234. daher auch siebenb. genierunk f., wirtschaft, haushaltung Haltrich plan 43a, wie sonst nahrung; auch das genier n. das., was 'alte leute' ihren kindern geben (z. b. ackergrund, ross), dasz sie dafür die wirtschaft führen, ist ein altes subst. gener, vermutlich schon mhd. neben generde, nahrung, unterhalt, wie mnd. geneer Germ. 13, 470, ags. gener n. zuflucht, rettung Grein 1, 434.
 
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genesbar, geneslich, medicabilis, sanabilis Henisch 1493, 27, er entnahm es aus Kilian; mhd. vielmehr genisbære, genislich.
 
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genesen , heil davon kommen.
1) die form.
a) goth. ganisan, ahd. alts. ginesan, ags. genesan, mhd. mnd. mnl. genesen, nnl. genezen (dem nord. fehlend), fast ausschlieszlich so mit steigerndem ga- gi- ge- (ahd. einmal nisit convaluerit Graff 2, 1098, mnd. nesen wb. 3, 177b), das doch dem von seinem stamme nisan genommenen nähren, ahd.

[Bd. 5, Sp. 3385]


nerian in der regel fehlt (s. DWB generen), sodasz es dem begriffe gleich ursprünglich nötig gewesen sein musz, wahrscheinlich mit dem sinn des völligen, ganzen (s.ge II, 4, c); während nähren, ahd. alere, pascere, curare ein sich lange fortsetzendes thun ist, entscheidet sich das genesen im augenblick der gefahr und ist entweder ganz oder sein gegentheil. urverwandtes hat sich noch nicht gefunden, aber altsl. gonĭznti, goneznti u. ä. für σώζεσθαι, ἐκφεύγειν, ὑπολείπεσθαι, λανθάνειν und gonoziti, goneziti für σώζειν, ἀπαλλάττειν müssen wirklich entlehnung sein, wie es auch Miklosich lex. 136b ausspricht und Schafarik (vergl. Diefenbach goth. wb. 2, 119), und zwar wol schon von den Gothen in der alten zeit ihrer nachbarschaft, das erste entspricht dem goth. ganisan, das zweite dem ganasjan (s. generen).
b) die formen sind eigentlich wie bei lesen, noch jetzt wolerhalten praet. genas, part. genesen, aber die 2. und 3. person sing. praes., mhd. genisest, geniset (auch ich genise) ist uns jetzt verloren, im 16. 17. jh. noch geniesest, geniest: das trage stetig auf dem magen, bis du geniesest. Tabernaemont. 64; darvon trink und thue das täglich, bis du geniesest. 570; binde es dem gaul also warm auf die geschwulst, er genieset. 510 u. o.; genieset ein weib eines kindleins. Philander (1647) 7, 257; als ein fraw, die zum kind genieszt. Paracelsus 1, 1054c, was uns nun wie von genieszen ansieht, von dem die form aber damals geneuszt hiesz. dafür im 18. jahrh. genest, wie z. b. Gottsched sprachkunst (1762) 339 nur ansetzt du genesest, er geneset:

geduld! vielleicht genest sie heute.
Gellert 1, 115 (130);

wie er selbst .. vom verderben genest. Engel bei Wackernagel leseb. III, 2, 877, 17; so schon mnd. geneset wb. 2, 58b, 4.
c) das perf. im 16. 17. jh. auch mit haben für sein, nordd.; der dichter eines landsknechtliedes sagt am ende von sich:

in mancher feltschlacht ist er gewesen,
in vilen stürmen hat er genesen.
Uhland 523 (190, 5);

wenn ich nicht wer ein mensch gewesen,
ich het für Circe wol genesen.
Rollenhagen Froschm. I, 1, 6, 60 (E ija),

wäre unverzaubert davon gekommen; gott hat der leibesfrucht ihre zeit bestimmet, wenn sie zur welt gebohren werden sol. ist nun solche zeit vorhanden und die mutter hat genesen u. s. w. Butschky Pathmos 440. so wieder auch mnd. vereinzelt, z. b. ehr se der gebort genesen hefft. Lübisches recht 483 a. a. o.
d) auch schwache bildung versuchte sich geltend zu machen, z. b. genest für genesen:

ein arzt ist gar ein glücklich mann:
was er bewehrtes wo gethan,
zeigt der geneste jedem an u. s. w.
Lessing 5, 129

in Logaus sinnged. 2, 45, nicht aber bei dem schlesischen dichter selbst (das kan die zeit selbst sagen an 1, 4, 40). conj. genesete, neben genas (wie mnd. genesede wb. 2, 58b, 43, doch auch im indic. nesede 3, 178a, 6):

es schwur ein kranker, wenn er genesete,
den göttern hundert ochsen, und er genas.
Herder z. litt. 11, 172 (fab. nach Phädrus 4).


e) merkwürdig genosen für genesen, im 16. jahrh.: also in wenig stunden ist die Rellingere genosen (des kindes entbunden worden). Zimm. chron. 2, 464, 27, wie aus vermischung mit genieszen.
2) die ursprüngliche bedeutung ist: heil und unversehrt davon kommen, auch nhd. noch im 16. 17. jahrh. geläufig.
a) genesen in kampf und krieg, vor dem feinde, der gebrauch von dem wahrscheinlich die ganze entwickelung des wortes ausgegangen ist:

auch ist Alexander schon kummen
über das wasser Granicum,
wiewol das mit einr groszen sum
Persier ist besetzt gewesen,
die kaum sindt mit der flucht genesen.
H. Sachs III, 2, 275b (13, 494 K.),

s. auch den landsknecht u. 1, c, der in vilen stürmen (schlachten) genesen hat;

gleichwohl der engel schaaren,
die thäten sie bewahren ..
sonst wär unmüglich gewesn,
dasz sie hätten können genesn.
Opel u.
Cohn 30jähr. krieg 142;

Timax war bei vielen schlachten, dennoch ist er stets genesen,
ist zum treffen immer letzter, erster in der flucht gewesen.
Logau 3, 7, 84.


b) es heiszt genesen vor dem feinde (vor dem man ja steht): ich hoffe, dasz ihr mit der hülfe gottes vor den heyden,

[Bd. 5, Sp. 3386]


dieweil ihr lebt, wol genesen möchtet. b. der liebe 268b, was auch nur bedeuten kann: dasz sie euch unangefochten lassen; die meus haben einen reichstag gehabt (rats gepflogen), wie sie vor den katzen genäsen u. s. w. (s. unter katze). Schottel 1127b, mhd.:

si rieten (hielten rat) alle ûf einen sîn (plan),
wie si wol möchtin komen hin
und vor der katzen zorn genesen.
Boner 70, 21;

schon ahd.: diu (taube) mag genesan vore demo habeche. Williram 43, 13 S., sonst mit dem gen. zur bezeichnung der gefahr, auch noch nhd., z. b. leibes genesen, mit dem leben davon kommen, z. b. von sieger und besiegten:

mein herr von Meinz fast da umb reit ..
im wer gewesen treulich leid,
dasz einr wer leibs genesen.
Liliencron 1, 536b, 28.


c) aus dem kampfleben stammt auch 'sterben oder genesen', das will der zum kampf auf tod oder leben entschlossene: auch wird zwischen unsern widersächern kein fried gemacht, dann dasz sie uns oder wir sie zu todt schlagen, derhalben wöllen wir sterben oder genesen. buch d. liebe 185a. auch sterben und genesen (wie auf tod und leben kämpfen), z. b. mit oder 'bei' dem herrn, das geloben ihm seine getreuen, wenns in den kampf geht: der von Habspurg .. sprach zuo sînen liuten allen gemainlich (d. h. den versammelten): wend ir from an mir sîn .. und wend mir mîn veterlich erbe retten und behân? .. dô antworten sîne liut mit gemainem munde: jâ herre, wir wend hiut bî iu sterben und genesen. Ettmüller die beiden ältesten d. jahrb. der stadt Zürich 75, 6; de goide stat Soist wolde sterven ind genesen bi irme alden rechten (im kampf mit dem Cölner bischof). städtechron. 13, 184;

wa ist dann herzog Albrecht dran?
er sol nit underwegen lan ..
beim künig gnesen und sterben.
Uhland volksl. 468 (176, 7);

Theagenes wolte mit gewalt mit dem schwerdt dran (an die seeräuber), sie (seine geliebte) wolt nicht von im, sonder mit im sterben und genesen. buch der liebe 202b.
d) übertragen auf allerlei andere gefahr, schon mhd. ahd.
α) z. b. bei lebensgefahr: ich habe gott von angesicht gesehen und meine seele ist genesen. Luther 1 Mos. 32, 30; darnach aber als er (Jona) ist genesen (aus dem bauch des walfisches errettet) und wider lebendig worden ... der prophet Jona (1526) G 2a;

dann Loth und sein gesind genasz,
bisz auf sein weib, die sich vergasz.
Schwarzenberg 156a. 101b.

genesen vor gewalt, raub, eroberung u. ähnl., 'sich retten'; von Karl dem Kühnen z. b. heiszt es in einem gleichzeitigen spruche:

er was in krigischer ubunge vorhertet als ein stein.
selden ymant konte vor im genesen,
nach deme er horte den groszen Alexandrum lesen,
wie der alle werlt ubirwant.
Haupt 8, 331;

dorumb fürnehme hintersässen,
die für ihnen nit können gnäsen,
seind mir all tage auf dem hals. Berchtold. rediv. 27;

man hat dir alles gut genommen, wie, das denn du noch bist genesen?
man hette dich wol auch geraubet, wenn, Marx, an dir was guts gewesen.
Logau 3, 8, 53.

als die Cölner im jahre 1633 das gegenüberliegende Deutz in beschlag nahmen, um sich zu sichern, sang man ein lied wider sie, darin:

ist dann nicht Deutz ein fremdes gut,
dein vormals nie gewesen?
warum nimmstus in deine hut
und willst dardurch genesen?
Opel u.
Cohn 30jähr. krieg 313.

einen genesen lassen, ungefährdet, unangefochten:

der gläubig gern verfolgung leidt,
thut guts dem feind, mitleiden treit
mit seiner thorheit und tollem wesen,
läszt jedermann vor ihm genesen. das. 55.


β) von dasein und leben überhaupt, äuszerlich und innerlich, z. b.: lasz leuchten dein andlitz, so genesen wir. ps. 80, 4; wer from einher gehet, wird genesen. spr. Sal. 28, 18; in einem kryptocalvinistischen liede wird die deutsche ritterschaft aufgefordert, für das rechte christenthum einzutreten zu ihrer eignen rettung:

ihr werden deutschen ritter all,
sucht nicht muthwillig ewren fall,
bleibt, wie ihr lang gewesen,
bei Jesu Christ, wie man denn list,
dem folgt, wolt ihr genesen.
Soltau 2, 285.

[Bd. 5, Sp. 3387]


in einem politischen spruche von 1633 klagen die cardinäle:

papsts macht ist aus der kart genommn,
sie hat ein schweren fall bekommn.
geschehn ists um das geistlich wesn,
wir können hinfort nicht genesn.
Opel u.
Cohn 339.

in schmerzlichster trauer um den tod eines edlen herrn:

hast haus, hof, gut und blut,
auch weib und kinder selbs für das gemeyne wäsen
so oft hindangesätzt.wie will ich nun genähsen?
Rompler 133,

wie soll ich das verwinden und überleben?

bei frommen leuten ist gut wesen,
bei den man glücklich kan genesen.
Henisch 1493,

d. h. sein lebensglück finden.
γ) genesen und verderben als gegensatz: welche aus den Griechen verdorben oder genesen seind, ist mir nicht genugsam wissend. Schaidenreiszer Od. 31b; ein junger man kan neunmal verderben und dannoch wider genesen. Henisch 1493; geistlich (s. e): mir lieber were dein genesen denn verderben. Luther 1, 406a; bitten wir .. das ewer keis. maj. in dieser groszen .. sachen, welche .. unser aller ewigs genesen und verderben für gott belanget u. s. w. 6, 420a, apol. der Augsb. conf., deutsch von Jonas.
δ) bemerkenswert im rechtsleben im 15. jahrh., wer in einem krieg, rechtsstreit recht bekommt, ist genesen, am ende eines geistlichen gerichts werden die parteien vom pedell aufgefordert:

nun sweigt und laszt ewer geschrai!
der krieg ist nun entzwai.
man wirt nun das urtail lesen,
so hört man, wer do ist genesen. fastn. sp. 1001, 26;

es gehört zu den zügen, die der rechtsstreit mit dem waffenstreit gemein hatte, vgl. krieg II, 2, gedinge 1, b.
ε) auch von gegenständen, z. b. bei einer plünderung von kirchen:

das sacrament auch nit genas,
schentlich wards ausgeschüttet.
Uhland volksl. 428 (166, 8).


e) besonders auch vom seelenheil (vgl. heil, heiland), schon ahd. mhd.: sô diu sêla gnisit, sô erstât der lîchamo. Notker 36, 33, bei auferstehung und jüngstem gericht;

dô Friderîch ûʒ Ôsterrîch alsô gewarp (auf dem kreuzzug),
dêr (dasz er) an der sêle genas und im der lîp erstarp ...
Walther 19, 30;

si (die pfaffen) sprechent, swer ir worten volgen welle
und niht ir werken, der sî âne zwîvel dort genesen. 33, 37;

wan âne si (Christus und Maria) kan niemen
hie noch dort genesen. 6, 4;

von der tanzwut am Rhein im jahre 1374 heiszt es: also daʒ lude huben an zu danzen unde zu rasen u. s. w. da von namen si sich an, daʒ si genesen weren. Limb. chron. 64, 15 Wysz, dasz sie ihres seelenheils sicher wären (vgl. übrigens 5);

auch das er (Christus) lidt, dardurch genasz
all welt, am creütz ist willig gstorben.
P. Speratus geistl. lied (1524);

auch musz der mensch, vertrawend deiner lehr,
durch deine gnad genesen.
Weckherlin 108 (ps. 25, 8);

wer aber disz buch bei sich hat,
und mag es gerne lesen,
der wünsche Saadi gottes gnad,
auf dasz er mag genesen.
Olearius pers. ros. a. e.;

(gott) gibt den für uns zu pfand,
den er von ewigkeit gehaim aus seinem wesen
zum aigenthum gezeügt, laszt uns durch den genesen,
der für uns sterben musz recht unverschuldter sach.
Rompler 25;

da er gar sänftiglich verschieden, so dasz seine seele genesen und nun gott von angesicht zu angesicht kan sehen. Brandt bericht von Taubmann 83.
3) im besonderen von frauen bei glücklicher entbindung. s. auch DWB genesen, gerettet unter 5.
a) eig. mit gen. (vgl. 2, b), mhd. und noch nhd. bis heute:

die zît diu küniginneeins suns was genesen. Nib. 1327, 3;

daʒ si der kindel ê der zeit genesent. Megenberg 421, 34; an den frawen, die kindlein (gen. pl.) genesen sint. 25, 23; die groszen berge solten auch einmal eins kinds genesen, wie die poeten tichten. Luther 1, 369a; sie ist genesen eines knabens, ehe denn ir kindsnot kompt. Jes. 66, 7; und da eine hausmutter einer jungen tochter genasz. Micrälius Pommern 5, 362; soll meine liebste noch eines kindes genesen. Chr. Weise kl. l. 34;

bis sie .. der holden töchterchen zu rechter zeit genesen.
Wieland 18, 113;

[Bd. 5, Sp. 3388]



des traums verständnis löste mir ein mönch ..
der sprach, genesen würd ich einer tochter u. s. w.
Schiller XIV, 65 (braut von Mess. 1348).

schon bei Adelung 'nur noch in der höhern schreibart der Hochdeutschen', bei Heynatz antib. 2, 33 altväterisch.
b) auch mit von statt des gen. (s. auch Kretschman u. d), wie von einer krankheit genesen (4, c):

(sie) ist von zwölf kindern zwar genesen,
doch vater war nur er.
Gökingk 3, 90.

früher auch mit zu: als ein fraw, die zum kind genieszt. Paracelsus 1, 1054c, entsprechend den wendungen zum kinde gehn, arbeiten u. ä. von den geburtswehen (s. kind II, 1, e).
c) übrigens auch einfach genesen, durch den zusammenhang bestimmt, schon mhd.:

des tages wâren sîn zwei jâr,
daʒ sîn wîp was genesen. Wigal. 35, 35;

und sahe wol, dasz die fraw genesen war. Pauli schimpf u. e. 141a, geboren hatte; dann wie sy die wee in der nacht am suntag anstieszen, gnasz sy erst am montag. Th. Platter 66; in der not (kindesnot) legten sy ir ein grosz hülzin paternoster umb in S. Margareten namen, das sy dester senfter genäsen (möchte). das.; zuletzt fand ich (im dorfe nach herberge suchend) ein frowen, die was nähig, das sy bald gnäsen solt. 75, d. h. hochschwanger; zu frü genesen, facere abortum. Henisch 1493.
d) scherzhaft von büchern, als geistesgeburten:

so bist du wiederum von einer schrift genesen?
''ja wohl: so wird man wieder jung!''
K. Fr. Kretschman 2, 243;

vielleicht ermuntere ich sie durch beikommendes büchelchen, dessen ich so eben genesen bin, dasz sie wieder schriftsteller werden. J. J. Engel an G. B. F. Funk in dessen schriften Berlin 1820 2, 251; vgl. Wieland an Merck: du hattest mir .. hoffnung gemacht zu einem romänchen z. ex., ni fallor, worin du einer menge deiner guten und schlimmen launen und leichtfertigen einfälle leicht und glücklich hättest genesen können. Mercks briefs. 1, 249.
4) genesen von krankheit und leiden, die anwendung der ursprünglichen bedeutung, in der das wort sich erhalten hat für gewählten ausdruck; auch ahd. schon convalescere. im leben freilich heiszt es nur gesund werden, er ist wiederhergestellt u. ähnl., schon in vocc. des 15. jahrh. bei Dief. 148b steht für convalescere nur gesund werden, wider gesunden, und im volksgebrauch gibt z. b. Schmeller 2, 706 aus Baiern genesen als nicht mehr vorhanden.
a) genäsen, gsund werden, convalescere Maaler 168b: so gott nicht fürchten und sündlich leben, die werden mit krankheit geplaget, und genesen doch etliche, das sie nicht sterben. Luther gl. zu ps. 107, 17; wessen ich mich annahme (als arzt), der genasz gemeiniglich. Simpl. 2, 290 Kz.; ein sprichwort: und ward also an ir war und erfüllet das alte deutsche sprichwort, da der kranke genasz, erger er vor nie was. Cyr. Spangenberg vorrede zu Hoppenrods hurenteufel 1565 A 4b, bei Luther da der krank genas, er nie erger was schriften Eisl. 1, 324b (Dietz 2, 76a); dann er machte das gemeine sprichwort wahr: da der krank genas, je ärger er was. Simpl. 2, 154, 28 Kurz. es heiszt der kranke ist genesen: als er so weit genesen war, abreisen zu können. Droysen York 1, 161, wie so weit hergestellt. es heiszt auch gern wieder genesen schon bei S. Brant 84, 13 (s. u. d), wie wieder gesund, wieder hergestellt werden:

vielleicht genes' ich wieder.
Göthe 9, 243 (Tasso 5, 5).


b) auch hier eigentlich mit gen., bis in die gegenwart gebraucht:

man gnisit grôʒir wunden. Athis F, 163, sprichw.;

(das mittel) dâ mite ich solte
mîner sühte genesen.
Hartman arm. Heinr. 441;

auch Luna kan noch nicht der liebesbrunst genesen.
Opitz;

diese biblische geschicht ist zwar ganz richtig, ob sie aber zulänglich sei, damit zu erweisen, dasz alle patienten, welche weinen, des lagers (krankenlagers) genesen, das will mir noch nicht in kopf. J. G. Schmidt rockenphil. 3, 314 (4, 35); er muszte bleiben, um erst seiner wunden zu genesen. Droysen York 1, 160.
c) mit von statt des gen. (vgl. 3, b), schon im 16. jahrh.: gehet hin und fragt Baal Sebub, den gott zu Ekron, ob ich von dieser krankheit genesen werde? 2 kön. 1, 2; sprich, ob ich von dieser krankheit müge genesen? 8, 8. vom leben genesen, das leben als leiden, im munde des herzogs in der natürlichen tochter 3, 4:

[Bd. 5, Sp. 3389]


ein denkmal der genesung hab ich dort
in meines traums entzückungen gelobt ...
das denkmal nur, ein denkmal will ich stiften ..
dort hin zu wallen, stille zu verweilen,
bis ich vom leben endlich selbst genese.
Göthe 9, 322,

sachlich gleich des dôdes genesen bei entgegengesetztem ausdruck, von der heil. Elisabeth: se wart nummer vrô, êr se des dôdes genas. mnd. wb. 2, 58b, 18.
d) im 16. 17. jahrh. auch von der krankheit selbst, wie heilen, heil werden, z. b. von wunden:

gar kum ein wund wider geniszt,
die me dan einst uf gbrochen ist.
Brant 84, 13;

krankheiten, die also beschaffen, das sie nur mit der zeit müssen genesen und von keiner andern arzney können geheilet werden. Butschky kanz. 660. vgl. übrigens generen so, z. b. ein geschwür generen, also 'genesen machen'.
e) bildlich von leid genesen, z. b. liebesleid, als leiden empfunden:

also bemühet (geplagt) bin ich auch gewesen,
eh ich, treulose, deiner gunst genesen.
Neumark lustwäldchen 80;

weggeschwunden ist die lippe,
die im kusse sonst genas.
Göthe 1, 133 (dauer im wechsel);

die kranke will nicht,
will nicht genesen
vom süszen leiden. 56, 119;

auch von sünden, krankhaften neigungen, irrungen u. ä.: wie wir von unsern sünden wieder genesen sollen. Butschky Pathmos 130 (vgl. 2, e);

er glaubt das holde weib von allem eiteln wesen
auf immer aus dem grund genesen.
Wieland 18, 191 (geheilt 190).

oder von andern geistigen schäden, als krankheiten gedacht: selten genesen wir (Deutschen) eher von der verächtlichen nachahmung gewisser französischer muster, als bis der Franzose selbst diese muster zu verwerfen anfängt. Lessing 6, 368;

fehlt das äuszre freie wesen,
leicht erkrankt auch das gedicht.
aber nun die hingemoderte
freiheit Deutschlands frisch aufloderte,
wird zugleich das lied genesen.
Uhland ged. vii (vorwort von 1815).


f) die part. auch in selbständigem gebrauch, ein genesener, genesender, z. b.: der gröszte dank des zum lichte wieder genesenen, das herrlichste dessen sich der arzt nur erfreuen kann. Göthe 48, 31 (aus m. l. 16), ein geheilter blinder; ein genesender, reconvalescent, das, so schwerfällig es ist, aus der sprache der ärzte in die gewöhnliche rede übergegangen ist: ein so freundlicher empfang wäre dem gesunden schon wohlthätig gewesen, dem genesenden ward er es doppelt. Göthe 31, 97 (tag- u. jahresh. 1801); auch konnte ich mit genesendem blick (nach schwerer krankheit) die gegenwart der durchlauchtigsten herzogin Amalia .. bei mir verehren. 91. s. auch u. 5.
5) das part. praet. erscheint auch in der allgemeinen bedeutung als selbstständig, zum adj. geworden, z. b.: wer des tages eine messe sehe, der were genesen, sicher und selig. Luther 5, 84a; wer also den teufel kan abweisen .. der ist genesen. hauspost. sommerteil 5a (Dietz 2, 76a), zu 2, e, gerettet, geborgen mit seelenheil. ähnlich von seelenfrieden und seligkeit: wie war er immer unter bäumen und blumen, auf dem lande so genesen-glücklich! J. Paul 43, 163 (vorsch. d. ästh. 1813 s. 1021). auch in der bedeutung 4: genesen, heyl, gesont, sanus, salvus, incolumis, validus etc. Teuth. 103b, mhd. z. b. (auch ungenesen, unrettbar, unheilbar):

swaʒ der Hiunen mâgein dem sale was gewesen,
der enwas nu deheinerdar inne mê genesen. Nib. 1945, 2,

kein lebender, gesunder weiter. daher noch im 17. jh. selbst genesen werden, entbunden: (die frau) gehet hin zu einer höle am berge und wird daselbst des kindes genesen (nicht fut.). Olearius pers. ros. 7, 20, es entspricht dem genesen sein, gesund.
6) auch der inf. substantivisch, in allen bedeutungen, z. b.: das genäsen, die gebärung, enixus. Maaler 168b (vgl. DWB genesung). geistlich: mir lieber were dein genesen denn verderben. Luther 1, 406a, unser ewigs genesen und verderben 6, 420a (s. 2, d, γ), mhd. ein êwic genesen Ludw. kreuzf. 3219;

es järt sich ietzt die zeit (weihnachten), darinn dein göttlichs wesen
den anfang hat gemacht zu unserem genesen.
Rompler 33.

[Bd. 5, Sp. 3390]


on genesen, ohne rettung, unrettbar: wenn man zertritt das schneckenhaus on genesen. Fischart ehz. 44. mein genesen, gesund sein:

ich bin nicht, der ich gewesen,
mein genesen
ist hinweg mit aller zier.
Opitz ps. 75 (38, 8).

gesund werden: dasz er (der vater) ... bei dem langsamen genesen mehr ungeduld als billig sehen lassen. Göthe 25, 223 (aus m. l. 9).
7) zu erwähnen ist endlich ein trans. oder caus. genesen, genas u. s. w., für generen (s. d.), nhd. zwar ausgeschieden, aber mhd., s. die wbb. (geneserîn hebamme Lexer 1, 856), auch mnd., s. wb. 2, 58b, nrh. genesen, gesont maken, artzedyen Teuth. 103b, und noch nl. genezen (genas u. s. w.), heilen, vom arzte, neben genezen vom kranken, dazu geneeskunde arzneikunst, geneesdrank, geneeskruid u. a.
 
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geneslich, sanabilis Henisch 1493, nach Kilians nl. gheneselick; mhd. genislich arm. Heinr. 186, auch genisig, genissig, z. b. wunden genissig und ungenissig Schmeller 2, 706 aus dem 15. jahrh. doch auch ungenesliche krankhait G. Öheim Reich. chron. 129, 22.
 
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genest, genester, m. ginster, genista scoparia Nemnich 4, 1331; genester z. b. bei Hohberg 1, 215b fg., genester blumen Steinh. Bocc. (1580) 1, 9b.
 
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genesung, f. subst. verb. zu genesen; vgl. DWB das genesen unter genesen 6.
1) genesung von krankheit, wunden: wirken sie (Lucifers knechte) durch die hexen und unholden die krankheiten und die genesungen. Albertinus narr. 14; er eilte, ohne seine völlige genesung abzuwarten .. der unthätigkeit zu entfliehen. Göthe 19, 70;

hier soll ein tempel aufstehn, der genesung,
der glücklichsten, gewidmet. 9, 277 (nat. t. 1, 6).

zur genesung! als zuruf an einen niesenden, wie zur gesundheit!
2) bildlich z. b.: genesung von sünden. Butschky Pathmos 130; seine poetische genesung haben wir einem seiner ältesten freunde zu danken. J. J. Spreng zu Drollinger xxi, genesung vom lohensteinischen geschmack;

blick hinauf, mein geist,
wo im friedensthal genesung
alles jammers fleuszt.
Voss.


3) genesung eines kinds, partus Frisch 2, 15b, zu eines kindes genesen.
 
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genesungsmittel, n. arzenei. Adelung. nl. einfacher geneesmiddel.
 
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genesungstag, m. tag der genesung:

da feyren wir hernach ..
froh den genesungstag.
Overbeck ged. 232.


 
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genetkatze, f. ein pelzthier, genethkatz genetta, ginetta, genistae cattae (pl.) Henisch 1493, bei Nemnich 4, 1574 fg. viverra genetta, genetkatze, genithkatze, genistkatze, auch constantinopolitanische oder spanische katze, franz. genette, engl. genet; im 16. jahrh.: ein nörnbergisch beltzen mäntelin von zobeln, genetkatzen, calabrischen martern und anderm futer und gefüll. Garg. 281b (Sch. 531). auch blosz genet: mit einem langen talar von weiszen atlasz und goldenen blumen, mit genet gefütert, bekleidet. Simpl. 2, 204 Kz. (6, 15).
 
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genetter, m. ein ross: (die juden) warten noch heutigs tages auf einen andern weltlichen könig, der einreite auf einem hübschen genetter. Luther hauspost. Jena 1559 139a (Dietz 2, 76); schon im Parz. 778, 20 genît, var. gennit, jenit. nl. bei Kilian 149a und danach bei Henisch 1493 ghennette, jannette, equus alipes, pteropes, celer, genus equi hispanici, vulgo gennettus, franz. genet, cheval tres-vite à la course; spanisch ginete jetzt ein leichtes feines cavalleriepferd, ital. ginnetto, giannetto, s. Diez wb.2 2, 133 fg.