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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
frosch bis froschbrut (Bd. 4, Sp. 250 bis 252)
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[Bd. 4, Sp. 250]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) frosch, m. rana, ahd. frosc, pl. froscâ, mhd. vrosch pl. vrosche und vrösche, daneben schwach frosce m. Diemer 38, 19, wie auch nhd. Alberus den gen. froschen bildet; bei Forer die frösch f., pl. fröschen. mnl. vorssch, nnl. vorsch m. ags. frox m. für frosc wie fix für fisc? oder = frogs? weil die nebenform froga, frocga m. besteht, aus der sich das engl. frog ableitet. altn. froska f., norw. frosk (Aasen 115), schw. dän. frö. dem goth. namen, wenn er aus derselben wurzel entnommen war, frusks?, würde man 2 Mos. 8, 2—13 mehrmals begegnen, er kann aber auch ganz anders gelautet haben. von Papias ist bruscus rubeta überliefert, wenn dies noch im 11 jh. aus lombardischen überresten geschöpft wurde, stimmt es merkwürdig ein, was ich von heutigen it. mundarten bei Monti und Biondelli nachsehen konnte, gewährt nichts dergleichen. lat. bruscus, dorn könnte in bezug stehn, da die rubeta im rubus, der grüne laubfrosch im gesträuch sitzt. unser frosch, das beidlebige, auf dem grase hüpfende und im kühlen wasser steckende thierchen darf uns an frisch anklingen und wird der frische mann oder kerl genannt (sp. 206), it. frasca, laubast, wurde aber sp. 68 zu fratz gehalten. die ags. frocga, engl. frog, wenn sie nicht entstellt sind, liegen wieder ab, bei Spurrel s. 136 steht unter frog ein welsches ffroga, das aus dem ags. und engl. entlehnt scheint.
nicht zu übersehn, dasz sich die benennungen der rana viridis und der rana bufo, des munteren frosches und der trägen kröte vermengen, wie das schw. groda, norw. gro den frosch bedeutet und buchstäblich unser kröte, ahd. chrota, das nd. padde frosch im nl. pad kröte ist. Luthers frösche 2 Mos. 8 sind dem alten dichter bei Diemer kröten. rana halte ich für das gr. φρύνη und es steht = frana (wie rigere = frigere u. s. w.); it. rana, sp. rana, port. rãa, fr. raine zeigen bloszes r, in grenouille bricht davor noch ein consonant, gr statt des alten fr (wie in groda?) aus; die Griechen unterschieden aber βάτραχος von φρύνη, wie wir den frosch von der kröte. Phryne war ein bekannter hetärenname, Rana könnte beiname eines Römers gewesen sein. in βάτραχος erweitertes frosch, in frosch verkürztes βάτραχος zu sehn, wäre kühn, aber die β ρ und f r treffen überein; ihnen fern scheint das ungr. béka, tartar. baka, wotjak. äbek, doch im albanesischen prekose, pretkose regt sich r. die poln. źaba, böhm. žaba = frosch wird in der russ. jaba wiederum zur kröte, und der frosch führt den namen ljaguschka m., lit. varl frosch, ruppuiźě kröte, beide weiblich, lett. varde und ruppuzis. estn. heiszt der frosch kon, finn. konna und sammakko.
anziehender sind unsere landschaftlichen, durchsichtigen benennungen: hüpfer, schweiz. hopper, hoppschel, hoppschle, hoppsger, hoppzger (Stalder 2, 24), hoptzger (Dasypodius 204a, Frisius 1115a), hüpfinsholz, grashüpfer (ags. gärshoppa, cicada); im froschmeuseler grünrock, abendschreier, schreihals, rülinger, quaker, nnl. allgemein kikvorsch, von kikken, quiken, quaken. auch das welsche llyffart ist hüpfer. wer kann in jenem prekose und in quaker das naturmahlende aristophanische βρεκεκεκὲξ κοὰξ κοάξ verkennen?
1) geschrei der frösche, der frosch läszt das quaken nicht: mhd.

daʒ bezeichenet ze wâre
die tumben spottâre,
die mit unnuzeme chôse
gotes hulde virliesent,
die snaterent dën âbent unde dën morgen,
alse dër froske in dëme horewe.
Diemer 38, 19;

die tuont sam die frösche in eime sê,
dën ir schrîen alsô wol behaget,
daʒ diu nahtegal dâ von verzaget,
sô si gërne sunge mê.
Walther 65, 21;

ir sult wiʒʒen, daʒ mîn ôren
wendent wol dicke âne ganc
von sô getânem vrosche sanc. welscher gast 10402;

ich kom ze einem fûlen sê.
wol tûsent vrösche und dannoch mê
hôrt ich dâ schrîen durch die naht,
unz ir vil zühtelôser braht
erwerte einer nahtegal
ir vil wünneclîchen schal.
Haupt 7, 363.

nhd. etlich die unterlefs auch hingen
in see und fiengen an zu singen,
zu guter stund sing alt und junk
concordia klunkerlekunk.
dazu quakten im nassen gras
etlich den untersatzten bas.
riefen, das hat gethan gar gecksch,
loachs, wreke, uki, kebechs,
riller, triller, kulo, tulunk,
des beklaget sich alt und junk. froschm. C 6;

hier war ein sumpficht land, bedeckt mit schilf und rohr,
der frösche wohnungsplatz, woraus der laute chor
sich quakend hören liesz durch manches sommers länge.
Drollinger 88.

[Bd. 4, Sp. 251]


im mittelalter waren hörige leute gehalten, nachts die frösche zu stillen, damit der schlaf des herrn ungestört bliebe (RA. 355. 356); kan her (der abt von Prüm) neit geraisten vur geschreien der vrosche, so sind luide im kirspel, die ir erf und guiter daraf haint, dat si die vrosche stillen sullen, dat mins hern genade raisten moge. weisth. 2, 726 (a. 1413); zünd ein liecht an und stell es an das ufer, da die frosch schreien, so schweigen sie und schreien nit mehr. Herr feldbau 118b.
2) dem ganzen mittelalter bekannt ist die anmuthige fabel von den fröschen, die einen könig haben wollten, und denen zuerst ein block, hernach der storch zum könig gegeben wurde. Aesop, Corai 167. Phaedr. 1, 2. sprichwort: wo frösche sind, da sind auch störche; am ersten aprill bekam er ein schreiben, um Wittenberg stellten sich die quaker häufig ein und wäre allbereit der oberste Knepner (storch) wider sie auscommandiert worden. Weise erzn. 449. märchen erzählen von königssöhnen und töchtern, die in frösche verwandelt ihrer erlösung harrten und ihren günstlingen seltsame bedingungen auferlegten.

setz den frosch auf goldnen stul,
er hüpft doch wieder in den pful.
Henisch 1262, 27.


3) frösche prellen: ich lag allda auf meinem bauch wie ein geprellter frosch, mit erzitterung und erbebung, eben als ob ich ein eiskaltes und schauriges fieber hätte, das mich also abkitterte. Simpl. K. 1, 56.

tot estendu con une raine. Renart 5985.


4) den fröschen zu trinken geben, das allerunnützeste thun, da sie schon im wasser sitzen oder gleich hinein hüpfen können. Henisch 1260.
5) frösche statt der fische fangen:

meinen oft sie haben gefischt,
so haben sie kaum frösch erwischt.
Ayrer fastn. 16d.


6) wenn der weise Sirach uns so fein hoch, wie der frosch in dem mondschein pfleget, siehet daher treten und so breit machen, kan er sich nicht enthalten unser zu spotten und zu sagen, was erhebt sich die arme erde und asche? Scriver Gotthold 749. das gleichnis vom frosch steht nicht bei Sirach 10, 9.

ich puste wie der frosch im schilfe.
Kotzebue dram. sp. 2, 260.


7) der schlauste ist er nicht, aber arbeitsam und sparsam, daneben ein guter schlufi, er ist nicht schuld daran, dasz die frösche keine stiele haben. Gotthelf schuldbauer 15; sie sagen, ihr seiet ein herzensguter mann, aber nicht schuld daran, dasz die frösche keine schwänze hätten. erz. 3, 213. die zum grunde liegende fabel ist mir unbekannt.
8) frosch unter der zunge, rana, ranula sub lingua, eine geschwulst im munde der menschen, pferde und rinder:

Udus wird gewis den frosch unter seiner zunge haben,
den er immer fort und fort musz mit etwas nassem laben.
Logau 2, 167, 41;

so ein ros nit essen mag, lug ihm ins maul, ob es keine dörrwarzen oder frösch darinnen habe, welches aber hette, dem sol mans mit der flieten aufreiszen. Seuter 118; die pferd bekommen zu zeiten ein geschwulst im maul und an den backen inwendig, wann mans aufschlegt, so lauft aiter heraus, das nennet man die frösch. 340; so das rindviehe den frosch unter der zungen gewinne. Tabernämont. 394; die lefzen der pferde sollen zart, dünn und nicht mit fröschen behaftet sein. Hohberg 2, 133b. man musz gewähnt haben, dasz ein wirklicher frosch an der stelle sitze.
9) der frosch des feuerwerkers, ein zusammengebognes, beim brennen springendes stück. Göthe 36, 193; Cornelius sprang wie ein brennender frosch, so nennen es die feuerwerker. Arnim 1, 124;

frösch und schwörmer haut mer gsögn,
dasz si fast der mark haut bugn.
Grübel 1, 37.


10) am geigenbogen heiszt frosch die schiebbare schraube zum anspannen der pferdehaare, ranula, jugum. frösche heiszen die untern enden der faszdauben. Lexer 103.
11) bergmännisch frosch ein eisenring oder hake, sonst auch DWB tatze, DWB däumling.
12) ein armvoll ähren, deren einige eine garbe ausmachen.
13) ein verschiebbares stück des winkelhakens der schriftsetzer, wol so genannt, weil er von einer stelle an die andere rückt oder hüpft.
14) in der Pfalz gilt frösche von schuljungen, vgl. DWB froschleich.
s.baumfrosch, DWB gartenfrosch, DWB grasfrosch, laubfrosch, pfulfrosch, pumpfrosch, regenfrosch.
 
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froschader, f., arteria ranina, die bei der froschgeschwulst unter der zunge schwillt.
 
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froschähnlich, ranae similis.

[Bd. 4, Sp. 252]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) froschapfel, m. grünlichgraue reinette, richtiger rainette, von raine, rana, weil der apfel wie der frosch gefleckt oder gesprenkelt ist.
 
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froschart, f. ranae species: alles aber verschlucken die grünen grasfrösche ganz, wie auch die übrigen froscharten. Weisze kinderfreund 8, 43.
 
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froschaue, f. pratum ranarum habitatio. eigenname Froschauer.
 
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froschbauer, m. die sage, dasz sie von den milischen froschbauern oder bauerfroschen abstammten, wäre ein albernes volksmärchen. Wieland Abderiten 14, 131.
 
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froschbeiszen, ein spiel im 16 jh.: zehnmal mehr lust, hundertmal mehr nutzen soll die jugend von solchen exercitiis haben, als sonsten von ihren nichtswürdigen poppenschleppen, fliegenfahnen, fröschbeiszen, karten und würfelrappeln, tene, musca und anderen bärenhäuterspielen. landgr. Moriz von Hessen landausschusz von 1600 (Rommel 6, 779).
 
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froschbisz, m. ranae morsus, hydrocharis, nixblume, grosze wasserlinse, nnl. vorschenbeet, engl. frogbit, fr. morsure des grenouilles.
 
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froschbreite, f. latifundium ranarum, s. DWB froschgoschig.
 
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froschbrut, f. gyrinus, ranunculus, kaul, d. i. kugel, kaulkopf, kaularsch, quappe, schneeblitz, weberknopf, dickkopf; nnl. vorschenpopje, paddepopje, donderpaddetje; schw. rumptroll, dän. rumpetrold; ags. tâdpola, engl. toadpole. namen der noch ungestalten, am kopf kugeldicken puppe des frosches, man glaubte, dasz sie in menge bei donnerwetter und regen aus der luft herabfallen, s. DWB regenfrosch, DWB froschregen.