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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gicken bis gickgack (Bd. 7, Sp. 7316 bis 7318)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gicken, vb. , pipilare, einen hellen laut ausstoszen, hell und leise aufschreien; schallnachahmendes verbum wie gickeln, gickern, gicksen; vgl. auch die interjektion gick sowie kicken teil 5, 661. gicken ist im alem. nicht überall sicher von gigen 'schreien' zu trennen (s. geigen); im md. schwankt wie auch bei anderen schallwörtern der stammvokal zwischen kürze und länge, vgl. dazu gicksen und giefen, giffen. im älteren neuhd. schriftsprachlich verwendet, heute mundartwort.
1) von tieren, besonders von vögeln, hühnern, hennen: pypen, gycken oder schreyen wie die jungen sparren oder andere vögel pipilare Frisius (1556) 1006b; giken vide voglgsang garrulus cantus Schönsleder promptuarium (1618) v 8a; giken et gickeren gallinarum pullis proprie competit, pipillare, sed et passerum vox est, fritinnire Stieler (1691) 595; gicken 'schreyen wie die jungen sperling' Frisch (1741) 1, 347; Schwan nouv. dict. (1783) 1, 753: gedencke dasz frösch, grillen und heuschrecken etc. dir zum trost singen, gecken und gicken Petrarchae hilf, trost und rath (1559) 187b; vögel gigken ebda 59b; der truthan rauscht und zuscht, und seine henne gieckt zeitvertreiber (1668) 322.
2) von menschen; hell auflachen, schreien Hertel Thür. 106; gigken unarticulierte töne hervorbringen beim erschrecken, beim stottern und stammeln, bei verhaltenem lachen Schmeller-Fr. 1, 884; gigken, giggen sich wie ein weib betragen ebda; giggn stottern Lexer kärnt. 144; 'einen leisen ton von sich geben, sich mucksen', vgl. kicken 1, gickern, gicksen: da (beim ende eines tyrannen) singet, tichtet, lachet, spottet, hönet yedermann, der zuvor nicht gicken noch mucken thurste Luther 19, 400, 17 W.;

das laut (lautet) und hat ein stimm, ho ho,
desz bin ich ausz der maszen fro,
darwider darff nu niemants gicken,
gar wol bestellt ist diese lücken newe zeitung (1619) a 4b;

[Bd. 7, Sp. 7317]


vgl. nd. du schast mi nig kikken du sollst nicht mucksen, den mund nicht auftun zum reden, kik seggen brem.-nieders. (1767) 2, 718; anders redensartlich er weisz weder gicken noch gacken Schmeller-Fr. 1, 884, Fischer schwäb. 3, 11; wohl aus gick noch gack (sp. 7314) neu entwickelt.
 
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gicken, vb., stechen, s. DWB gieken.
 
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gicken, vb., gucken, s. DWB kiken.
 
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gickenschweisz, m., scheltwort für einen tölpelhaften menschen, zu gicken 2:

aber wenn ichs narren heisz,
schelmen, geuch und gickenschweisz,
so lachendt sy und hoeren z,
was ich für ein schimpfreden th
Th. Murner gäuchmatt 5243,

vgl. im mhd. Gickengoch Sibote vrouwen zuht 49 Lambel, sowie Gickenheintz: und sprichst (Luther) unbillich, man sol uff des babsts gesatz mit fieszen springen, und die gemein kirch sei ein babylonische hr, und der künig ein grober eselskopff, du magst mir wol ein gickenheintz sein, der tht fünffhundert bübscher Thom. Murner dt. schr. 8, 114 Schultz.
 
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gicker, m., onomatopoetisch für hahn, vgl. auch gickerhahn und kikerihahn Müller-Fraureuth 1, 419, gickerhohn Pasch Altenb. bauerndt. 92; im schweizer. wohl durch suffixtausch aus gickel (s. d.), vgl.gugger 'hahn' für güggel Staub-Tobler 2, 188; gigker, giggeler Schöpf tirol. 190; gîker hahn (in Nürnberg) bei Frommann d. dt. maa. 7, 402, gickert Kehrein Nassau (1862) 164: dasz dich der gicker kratz ..., sagte der Blitzschwab zornig L. Aurbacher volksbüchl. 2 (1839) 294; übertragen güger (kikr) membrum virile, davon gügeren (kikere) coire Martin-Lienhart 1, 204a, vgl. schweizer. güggerli und güggel Staub-Tobler 197 u. 193.
 
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gicker, gieker, m., nomen agentis zu gicken (s. unter kiken teil 5, 701f.), kiken 'schauen, gucken'; vereinzelt in der bed. hellseher, fernseher: es gibt dort (in dem vaterland der A. K. Emmerich im münsterischen) hin und wieder sogenannte gicker, das heiszt seher (gucker, plattdeutsch gicker), die sterbefälle, hochzeiten ... und dgl. voraussehen Cl. Brentano ges. schr. (1852) 4, 296; ostmd. neben gicker geläufiger mit länge des vokals und einfachem konsonanten als gîker, gieker im sinne 'korn am gewehrlauf', vgl. Müller-Fraureuth 1, 420; verbreitet ist die redensart jem. auf dem gieker haben auf jem. aufpassen Hertel Thür. 106, einen gieker auf etwas haben es auf etwas absehen, begierig etwas ersehnen Müller-Fraureuth a. a. o., dann auch 'etwas nicht leiden können, eine pike auf etwas haben' ebda; 'übelwollen' Weise Altenburger ma. 71; 'ärger auf jemand haben' a hod a schun lange uff m gickr Rother schles. sprichw. 378, vgl. mit k wie nd. kieker: einen kîker uff änen hann Jecht Mansfelder ma. 49, Hofmann ndhess. wb. 107.
 
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gickerlein, n., s. 1guckerlein teil 4, 1, 6, 1039, anthus campestris Naumann naturgesch. 2, 745; alauda campestris Nemnich wb. d. naturgesch. 194: disz vögelin, so z Straszburg gickerlin, guckerlin oder grienvogelin genennt wird Heuszlin Gesners vogelb. (1557) 71a; zu 1gicken gestellt.
 
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gickerlein, n., hähnchen, vgl. DWB gickelchen:

eia, poppeia, schlags giggerle tot,
s legt mir kein eier und friszt mir mein brot
E. Strausz freund Hein29 (1921) 41.


 
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gickern, vb., lautnachahmendes wort, vgl. DWB gickeln, DWB gicken, DWB gichern, kichern (teil 5, 660), s. auch gicheln und die dort verzeichneten schallwörter; ursprünglich mehr von tierischen lauten gebraucht, vgl. gikkeren pipilare, wie die spatzen Schottel haubtspr. (1663) 1325; giken, gickeren ejusdem soni est, gallinarum pullis proprie competit pipillare, sed et passerum vox est fritinnire Stieler stammb. 595: der sitzende vogel läszt ihn (den laut) selten, der fliegende ... häufig hören, und da die sylbe giff im eifrigen locken drei bis sechs mal ... öfter ausgestoszen wird, so entsteht daraus ... ein sonderbares gickern Naumann naturgesch. d. vögel (1822) 8, 89; man hört diesen eigenartigen laut (des finken) fast ebensoviel als die gickernden locktöne

[Bd. 7, Sp. 7318]


A. Voigt excursionsbuch (1905)3 140; ob ich blies oder kullerte, ob ich mit jung- oder althennenlaut gickerte, es half alles nichts H. Löns auf der wildbahn (1913) 9; auch vom pferde 'wiehern', vgl. Müller-Fraureuth 1, 419; vereinzelt wie gickern 'einen leisen laut von sich geben, sich mucksen' in der redensart er darff nicht gickeren ne hiscere, ne mutire audet Aler dict. (1727) 945a; seit dem 18. jh. vornehmlich für 'hell lachen', cachinnare, vgl. Kirsch corn. (1718) 153a; ich gickere (aliis gichele) cachinno Steinbach (1734) 1, 594; gickern Campe 2, 373b; in den maa. bes. ostmd., aber auch obd., weit verbreitet im sinne von 'heimlich lachen'; vor allem von mädchen 'unterdrückt, viel lachen, verstohlen lächeln', vgl. die schles., erzgeb., lausitz., thür., hess., rhein. u. a. dialektwbb. sowie gickern, d. i. ein gelächter treiben Hupel Lief- u. Esthland (1795) 78; im obd. vgl. giggeren unanständig lachen Staub-Tobler 2, 176, gigara kichern bei Frommann d. dt. maa. 3, 299 (Vorarlberg): Rindvigius konnte sich schlechterdings nicht enthalten bei den schönsten stellen des konceptes bald zu wihern bald zu gickern C. F. Bahrdt pastor Rindvigius (1790) 1, 188; als sie aber entdeckt ward, erfolgte ein solches naserümpfen, lippenwerfen, gickern und lachen Chr. Bode gesch. d. Thomas Jones (1786) 2, 79. —
 
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gickerer, m., der hell lachet Kirsch corn. (1718) 153a, vgl. der gicker der lautlacher Regel Ruhlaer ma. 194.
 
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gickgack, m., f. , gänsegeschrei, gans; getrennt als gick gack, vgl. unter gick; mit verschiedener wiedergabe der gutturale gigag, giggag, gikak, ebenso der quantität der vocale gîgagg Birlinger volkstüml. 2, 34, gîgak Wenisch Westböhmen 42; giekgaak (fringilla coelebs) Naumann naturgesch. 5, 27; obd. und md. verbreitet, vgl. auch kikak teil 5, 701.
1) lautmalend für das geschrei der gänse; vgl. gigag gingritus Stieler (1691) 594b; 'die gans also schnattert nicht blosz gagaga und gackgack, sondern auch giga und gickgack' Wackernagel voces animantium2 34, vgl. dazu kihkaak zs. f. dt. wortf. 11, 159:

das best gesang, das sie kan (die gans) da da
da da daz ist gickgack gickgack gickgack
Forster fr. teutsche liedl. 85 ndr.;

der hund ball und die katz murmawet
der hahn kurlückt, die gans dadrawet:
gigack, gigack! floch sie daher,
als wenns der römische adler wär!
Rollenhagen froschmeuseler (1595) P p 6b;

ihr dummer gickgack rettet einst
Roms capitolium
Bürger 64a Bohtz;

gickgack, gickgack, wat is, wat is? schallt es hinter dem Wellhausen her (von den gänsen) Sohnrey im grünen klee (1903) 123. allgemeiner für einen vogelschrei: den ruf eines vogels 'gigag' Birlinger volkstüml. 2, 34; übertragen auf weibergeschwätz:

die frawen können schnattern fein,
stehen gigagg, giggag aufm marck
und ist all ihr reden ein quarck
J. Sommer epatologia (1605) f 7a.


2) für die gans selbst, besonders in der kindersprache, vgl. gickgack gans Jos. Müller rhein. 2, 1219; giggag gans Alemannia 16, 231, gîgâk der ganser Wenisch Westböhmen 42; in der scherzbildung gick- und gackgeschlecht bei Bürger:

jetzt zog der urselbst (der vogel original) hin und bat
das gick- und gackgeschlecht um rat ged. 2, 138 Consentius;

geringschätzig auf ein mädchen bezogen, vgl. unten 3:

ein lieber vogel ist der Hans,
wenn er bei seiner giggag sitzt
J. Sommer epatologia (1605) f 6a;

fest im sprichwort von denen gesagt, die von der reise um nichts klüger heimkehren, vgl. Pistorius thes. paroem. (1715) 25:

da afft die gansz ist ubers meer geflogen,
ein gikak widerkommen hergezogen
Gabr. Voigtländer oden u. lieder (1642) 104;

eine gansz flog weg, ein gickgack kam wieder Herberger Jesus Sirach (1698) 361b;

[Bd. 7, Sp. 7319]


es flog ein gänschen wohl über den Rhein,
und kam als gickgack wieder heim
Düringsfeld sprichw. 1, 283a.

giekgaak auch für den buchfink (fringilla coelebs): die benennungen (des buchfinks) sind ... in den gegenden verschieden, ... man hört z. b. ... werr, giekgaak Naumann naturgesch. d. vögel 5, 27.
3) als schelte für eine dumme, einfältige person; bes. in md. maa., vgl. z. b. Ruckert unterfränk. 61, Crecelius oberhess. 421, tölpel simpel, Jos. Müller rhein. 2, 1230 und öfter: was, bin ich ein gigack? Chr. Weise neue proben v. d. redenskunst (1700) 122. — vereinzelt das abgelegenste ende eines ortes: er wohnt am gigak, eig. an dem auszerhalb des dorfes gelegenen weideplatz der gänse Müller-Fraureuth 1, 421.