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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gickeln bis gickerlein (Bd. 7, Sp. 7316 bis 7317)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gickeln, vb., leise lachen, kichern; spotten. lautmalendes wort wie die unter gicheln angeführten, vgl. engl. to giggle, das jüngere gicken ohne l-suffix und Wilmanns 2, 100 f.; hauptsächlich westmd. bis ins alem. reichend:

ein touber spottet oft eines stummen,
ein alter tôre eines jungen tummen,
ein lamer gickelt ûf den krummen
Hugo von Trimberg renner 16137 Ehrismann;

in den südwestlichen maa. mit g, gg: gigelen kichern Staub-Tobler 2, 148, Martin-Lienhart 1, 203b; giggele Schön Saarbr. 82; gicklen hell auflachen Follmann 205; gickeln Jos. Müller rhein. 2, 1218; Crecelius oberhess. 421; gickeln kindlich lachen Jungandreas schles. zeitwortbild. 65. literar. selten: ihr armen seelen, die ihr so geneigt seyd, eure kleinen sarkasmen für einfälle zu halten, sobald ... ein primaner darüber gickelt Lichtenberg aphor. 2, 133 lit.-denkm.
 
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gickeln, vb., iterativ zu gicken (s. unter kiken teil 5, 701) oder mit entrundung zu gucken, s. DWB gückeln teil 4, 1, 6, 1031; verstohlen, vorsichtig blicken, blinzeln, durch eine kleine öffnung sehen; mundartlich im südwesten. vgl. giggle Reiser sagen d. Allgäus 2, 706; gigələ Fischer schwäb. 3, 893, Schmidt Straszb. ma. 42a, Follmann 205a; gickeln Jos. Müller rhein. 2, 1219: gickel hie, warauff gickelst (ein spiel) Fischart Gargantua 261 ndr.; darauf gickelt die alte in einem ercker durchs glassfenster Grimmelshausen 2, 336 Keller;

was gickelsch denn so frindli dryn
du sternele dort drowwe Elsässer schatzkästel (1877) 73.


 
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gickelwerk, n., gerümpel, kleinkram: vor dem raithause sollen stheen allerlei drehselwerk und schreinerwerks von holz, als nemlich diesch, benk, schuesseln, spieln und raecken und was desselbigen gickelwerks von frembden und heimeschen zum margt braecht wurt (v. j. 1557) quellen z. rechtsgeschichte der stadt Marburg 1, 415.
 
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gicken, vb. , pipilare, einen hellen laut ausstoszen, hell und leise aufschreien; schallnachahmendes verbum wie gickeln, gickern, gicksen; vgl. auch die interjektion gick sowie kicken teil 5, 661. gicken ist im alem. nicht überall sicher von gigen 'schreien' zu trennen (s. geigen); im md. schwankt wie auch bei anderen schallwörtern der stammvokal zwischen kürze und länge, vgl. dazu gicksen und giefen, giffen. im älteren neuhd. schriftsprachlich verwendet, heute mundartwort.
1) von tieren, besonders von vögeln, hühnern, hennen: pypen, gycken oder schreyen wie die jungen sparren oder andere vögel pipilare Frisius (1556) 1006b; giken vide voglgsang garrulus cantus Schönsleder promptuarium (1618) v 8a; giken et gickeren gallinarum pullis proprie competit, pipillare, sed et passerum vox est, fritinnire Stieler (1691) 595; gicken 'schreyen wie die jungen sperling' Frisch (1741) 1, 347; Schwan nouv. dict. (1783) 1, 753: gedencke dasz frösch, grillen und heuschrecken etc. dir zum trost singen, gecken und gicken Petrarchae hilf, trost und rath (1559) 187b; vögel gigken ebda 59b; der truthan rauscht und zuscht, und seine henne gieckt zeitvertreiber (1668) 322.
2) von menschen; hell auflachen, schreien Hertel Thür. 106; gigken unarticulierte töne hervorbringen beim erschrecken, beim stottern und stammeln, bei verhaltenem lachen Schmeller-Fr. 1, 884; gigken, giggen sich wie ein weib betragen ebda; giggn stottern Lexer kärnt. 144; 'einen leisen ton von sich geben, sich mucksen', vgl. kicken 1, gickern, gicksen: da (beim ende eines tyrannen) singet, tichtet, lachet, spottet, hönet yedermann, der zuvor nicht gicken noch mucken thurste Luther 19, 400, 17 W.;

das laut (lautet) und hat ein stimm, ho ho,
desz bin ich ausz der maszen fro,
darwider darff nu niemants gicken,
gar wol bestellt ist diese lücken newe zeitung (1619) a 4b;

[Bd. 7, Sp. 7317]


vgl. nd. du schast mi nig kikken du sollst nicht mucksen, den mund nicht auftun zum reden, kik seggen brem.-nieders. (1767) 2, 718; anders redensartlich er weisz weder gicken noch gacken Schmeller-Fr. 1, 884, Fischer schwäb. 3, 11; wohl aus gick noch gack (sp. 7314) neu entwickelt.
 
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gicken, vb., stechen, s. DWB gieken.
 
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gicken, vb., gucken, s. DWB kiken.
 
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gickenschweisz, m., scheltwort für einen tölpelhaften menschen, zu gicken 2:

aber wenn ichs narren heisz,
schelmen, geuch und gickenschweisz,
so lachendt sy und hoeren z,
was ich für ein schimpfreden th
Th. Murner gäuchmatt 5243,

vgl. im mhd. Gickengoch Sibote vrouwen zuht 49 Lambel, sowie Gickenheintz: und sprichst (Luther) unbillich, man sol uff des babsts gesatz mit fieszen springen, und die gemein kirch sei ein babylonische hr, und der künig ein grober eselskopff, du magst mir wol ein gickenheintz sein, der tht fünffhundert bübscher Thom. Murner dt. schr. 8, 114 Schultz.
 
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gicker, m., onomatopoetisch für hahn, vgl. auch gickerhahn und kikerihahn Müller-Fraureuth 1, 419, gickerhohn Pasch Altenb. bauerndt. 92; im schweizer. wohl durch suffixtausch aus gickel (s. d.), vgl.gugger 'hahn' für güggel Staub-Tobler 2, 188; gigker, giggeler Schöpf tirol. 190; gîker hahn (in Nürnberg) bei Frommann d. dt. maa. 7, 402, gickert Kehrein Nassau (1862) 164: dasz dich der gicker kratz ..., sagte der Blitzschwab zornig L. Aurbacher volksbüchl. 2 (1839) 294; übertragen güger (kikr) membrum virile, davon gügeren (kikere) coire Martin-Lienhart 1, 204a, vgl. schweizer. güggerli und güggel Staub-Tobler 197 u. 193.
 
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gicker, gieker, m., nomen agentis zu gicken (s. unter kiken teil 5, 701f.), kiken 'schauen, gucken'; vereinzelt in der bed. hellseher, fernseher: es gibt dort (in dem vaterland der A. K. Emmerich im münsterischen) hin und wieder sogenannte gicker, das heiszt seher (gucker, plattdeutsch gicker), die sterbefälle, hochzeiten ... und dgl. voraussehen Cl. Brentano ges. schr. (1852) 4, 296; ostmd. neben gicker geläufiger mit länge des vokals und einfachem konsonanten als gîker, gieker im sinne 'korn am gewehrlauf', vgl. Müller-Fraureuth 1, 420; verbreitet ist die redensart jem. auf dem gieker haben auf jem. aufpassen Hertel Thür. 106, einen gieker auf etwas haben es auf etwas absehen, begierig etwas ersehnen Müller-Fraureuth a. a. o., dann auch 'etwas nicht leiden können, eine pike auf etwas haben' ebda; 'übelwollen' Weise Altenburger ma. 71; 'ärger auf jemand haben' a hod a schun lange uff m gickr Rother schles. sprichw. 378, vgl. mit k wie nd. kieker: einen kîker uff änen hann Jecht Mansfelder ma. 49, Hofmann ndhess. wb. 107.
 
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gickerlein, n., s. 1guckerlein teil 4, 1, 6, 1039, anthus campestris Naumann naturgesch. 2, 745; alauda campestris Nemnich wb. d. naturgesch. 194: disz vögelin, so z Straszburg gickerlin, guckerlin oder grienvogelin genennt wird Heuszlin Gesners vogelb. (1557) 71a; zu 1gicken gestellt.
 
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gickerlein, n., hähnchen, vgl. DWB gickelchen:

eia, poppeia, schlags giggerle tot,
s legt mir kein eier und friszt mir mein brot
E. Strausz freund Hein29 (1921) 41.