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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
warten bis warteplatz (Bd. 27, Sp. 2125 bis 2167)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) warten, verb. wohin schauen, seine aufmerksamkeit auf etwas richten, versorgen, pflegen, einem dienen, anwartschaft haben, harren usw.
I. ursprung und verwandtschaft, form.
1) ein gemeingermanisches wort: ahd. wartên 'videre, cernere, intueri, spectare, adspicere, prospicere, respicere, considerare, expectare, speculari, excubare, sperare, cavere, niti' Graff 1, 949, mhd. warten, entsprechend asächs. wardôn 'behüten, bewachen, versorgen, sich hüten', mnd. warden 'erwarten, anwartschaft haben, besorgen, aufwarten, sich hüten' Schiller-Lübben 5, 600. Lübben handwb. 555 (jetzt im nd. meist durch wāren verdrängt, oben sp. 770), mndl. waerden, afries. wardia 'besorgen' Richthofen 1125, ags. weardian 'bewachen, regieren, innehaben, zurückbleiben' Bosworth-Toller 1176, engl. ward, anord. varða 'bewachen, zurückhalten, beeinflussen, zur folge haben'

[Bd. 27, Sp. 2126]


Fritzner 3, 867, schwed. varda 'pflegen' (nach dem deutschen), im got. ist das verbum nicht belegt. es ist frühzeitig ins romanische gedrungen: frz. garder 'behüten, bewachen', regarder (afrz. auch esgarder) 'schauen, betrachten', ital. guardare 'beschauen, behüten', span. port. guardar 'behüten', altspan. esguardar 'betrachten'. es liegt zunächst eine ableitung von dem fem. warte germ. *wardô- vor, das selbst als eine participiale bildung von der wurzel von wahren betrachtet werden kann. grundbedeutung ist wie bei diesem 'sehen', doch ist die bedeutungsentfaltung in den einzelnen sprachen bei warten eine reichere als bei wahren und warnen.
2) die flexion ist auch im deutschen immer die schwache; ganz vereinzelt kommt ein starkes part. gewarten vor: Morgant 149, 15 Bachmann. bei zusammentreffen des ausl. t des stammes mit einem t der endung treten in der älteren sprache kürzungen ein: er wart, praet. warte; so auch noch im nhd.: 3. sg. wart Decamerone 80, 83. narrensch. 108, 24. Aventin 1, 226, 26. Grobianus 1397. 2054. Montanus 7 Bolte. Ringwaldt laut. warh. 10. Fischart nachtr. 7, 169. Lehmann 823. 2. pl. wart Murner narrenb. 11, 29. praet. 3. sg. wartt Decamerone 85. Götz v. Berl. 15; wart Murner geuchmatt 348. 1230. 1354. Alberus fab. 37, 74; 3. pl. warten 1 Macc. 3, 44. Ringwaldt evang. 96a. part. gewartt Berthold v. Chiemsee 5; gewart Franck chronica 115. sprichw. 2, 174b. Grobianus 1392. Thym Thedel 48. Götz v. Berl. 83. Amadis 1, 283. Ringwaldt laut. warh. 220. Ayrer 2339. daneben schon frühzeitig er wartet, wartete, wie fast immer bei Luther.
3) in vielen mundarten ist dehnung des a vor r erfolgt, doch kommt das schriftsprachlich nur selten zum ausdruck: 3. sg. wahrt Elis. Ch. v. Orleans (1707—15) 567 Holland. praet. warthe Rothe dür. chron. 585; wahrten Rist Parnass 735; warthen Knebel chron. v. Kaisheim 115. im älteren thür.-obersächs. mit trübung des a worten (Apollonius v. Tyrus 37, 22. Stolle chronik 67).
II. bedeutung und gebrauch. während bei gewarten th. 4, 1, 5336 ff. von den verbindungen, in denen das verbum erscheint, ausgegangen wird, sollen hier die sich entwickelnden bedeutungsschattirungen im zusammenhang verfolgt werden. dabei müssen dann die vorkommenden verbindungen oft an mehreren stellen behandelt werden. so warten c. gen. bei 'auf etwas sehen' (A 4), 'auf etwas achten, auflauern, bewachen' (B 4), 'für etwas sorgen' (D), 'dienen' (E 2), 'etwas erwarten' (F 1), 'auf einen oder etwas warten' (F 2); warten c. dat. bei 'auf etwas sehen' (A 5), 'versorgen' (D), 'dienen' (E 1), 'erwarten' (F 1), 'auf einen warten' (F 2): warten c. acc. bei 'wahrnehmen' (A 6), 'aufpassen, bewachen' (B 5), 'versorgen' (D), 'erwarten' (F 1), 'auf etwas warten' (F 2); warten an bei 'auf etwas sehen' (A 1) und 'worauf rechnen' (F 1); warten auf bei 'auf etwas sehen' (A 1), 'aufpassen, auflauern' (B 3), 'versorgen' (D), 'dienen' (E 4), 'auf einen oder etwas rechnen' (F 1), 'auf einen oder etwas warten' (F 2).
die ursprüngliche bedeutung 'seinen blick auf etwas richten' kommt bei warten noch viel deutlicher zum ausdruck als bei dem grundwort wahren. allerdings tritt sie nur im hochd. ganz unvermischt mit andern bedeutungsmomenten auf (im asächs. auch nicht mehr, wol aber später spurweise im nd., wo indes mit hd. einflüssen zu rechnen ist). ins nhd. geht die bedeutung 'worauf sehen' nur wenig hinüber und auch die verwandte 'worauf achten', 'aufpassen', besonders 'feindlich auflauern' stirbt bald aus. die bedeutung 'sich hüten' gelangt gegenüber sich warnen überhaupt nicht zu weiterer entfaltung. dagegen hat sich die schon im ahd. auftretende, auf der vorstellung des liebevollen betrachtens beruhende bedeutung 'fürsorge, pflege gewähren' bis in die neuere sprache hinein reich entwickelt; daneben gewinnt die sonst schon dem altgermanischen eigne und ins romanische übergangene bedeutung des bewachens und bewahrens wenig boden. da man auf den blickt, dem man gehorcht und dessen winkes man gewärtig ist, entwickelt sich dann weiter die bedeutung 'dienen, unterthänig sein', die im mhd. sehr häufig und auch dem älteren nhd. noch bekannt ist, aber nicht in die neuere sprache übergeht. am jüngsten ist die jetzt gewöhnlichste bedeutung 'harren'; sie tritt bei Notker auf

[Bd. 27, Sp. 2127]


und erklärt sich aus dem hinsehen auf dasjenige, das man begehrt und zu erhalten hofft. so bedeutet das wort in dieser auffassung auch zunächst nur 'erwarten, worauf rechnen' und namentlich als 'antwartschaft worauf haben' hat es in der älteren rechtssprache grosze ausdehnung gewonnen; erst allmählich tritt es ganz für das ältere bîten ein und drückt das verharren in der erwartung und dann überhaupt 'verweilen, verziehen' aus.
A. warten in der ursprünglichen bedeutung 'seinen blick worauf richten' erscheint in ahd. glossen: intuetur, wartet Steinmeyer-Sievers gl. 1, 85, 3; cernis, wartes 1, 88, 20; observans, wartenter 2, 645, 40. ebenso ist es bei Notker und im früheren mhd. häufig, tritt aber dann zurück. in den frühnhd. glossaren kommt es in dieser bedeutung nicht mehr vor. sonst finden sich noch vereinzelte belege aus dem 15. und 16. jahrh.
1) der begriff des ausschauens findet sehr häufig eine ergänzung durch präpositionelle bestimmungen der richtung: an daʒ pilde wartende (occupato visu ad imagines) nemag iʒ sîa selbûn nîeht kesehen Notker 1, 127, 12 (Boetius 3, 1) Piper; do hieʒ er in warten an den himmel, da die sunne undergat. do sach er vil tufel stan trureclichen der veter buoch 14, 26 Palm;

nu warte an dise schôhe,
die gab mir der helit gôt. könig Rother 2048;

er lie sîn ougen warten
ouch an daʒ grôʒe wunder. Reinfrid von Braunschweig 1250;

dô gie an diu venstervil manic schœniu meit:
si warten ûf die strâʒe:rîten man dô vant
vil der hôhgemuotenin der Burgunden lant. Nibelungen 242, 3;

úbe du gnôto bechénnen wéllêst, wîo féste diu gótes êa sî, sô wárte in hímel (aspice culmina summa celi) Notker 1, 291, 3 (Boetius 4, 48) Piper; ir guote liute, wes stêt ir nu hie und wartet in den himele (quid statis aspicientes in celum?) Jeitteles altd. predigten aus S. Paul 108, 22;

die boten für strichenmit den mæren,
daʒ die Niblungeze den Hiunen wæren ...
Kriemhilt diu vrouwein einem venster stuont:
si warte nâch den mâgen,sô vriunt nâch vriunden tuont. Nibelungen 1654, 2;

we mir! ich bin worden glich
einem manne in ertrich,
der in sinen wingarten
get nach winberen warten. poet. bearbeitung des buches Daniel 3338 Hübner;

trúhten wárteta férrenan ába hímele úber mennischon chínt (dominus de celo prospexit super filios hominum) Notker psalm 13, 2;

eʒ stuont ein frouwe alleine,
und warte uber heide,
unde warte ir liebe. minnesangs frühling 37, 5;

also diû oûgen dero scálcho diê man fillet wartênt ze iro hêrron handen (sicut oculi servorum in manibus dominorum suorum) Notker psalm 122, 1;

ufreht sol er gen,uf zwein beinen sten,
daʒ er ze himile warte,merche des sternen geverte. Genesis, fundgr. 2, 13, 23;

hou abe den durren boum! ...
wenne wir zu im warten,
so hat er dekeine vrucht. poet. bearbeitung des buches Daniel 3002 Hübner;

wir sllen furbas gan
und sullen warten zu dem grab
und heben den stain herab. Erlauer spiele 3, 993.


2) ebenso erscheint es auch häufig in verbindung mit adverbien: so er ába démo chápfe sînero providenti háraníder wártendo (cum ex alta providenti specula respexit) chíusit, wáʒ îogelichemo gelímfe Notker 1, 283, 28 (Boetius 4, 43) Piper;

er sleich vil lîse hin zer tür
unde wartete dervür
und sach Tristandes spor dervor.
G. v. Straszburg Tristan 13566;

dô her sô lange dinne was, dô arget iʒ di gesellen, und warteten hin în; dô funden si in tôt mystiker 1, 68, 23 (Herm. v. Fritslar);

[Bd. 27, Sp. 2128]


do hieʒ in der engel here
alsa hin warten
ingegen der burch porten.
daʒ teter sa.
do beschoweter da
vor der burch vrone
manige boume schone. deutsche gedichte des 12. jahrh. 9, 17 (S. Paulus) Kraus;

ich hân al den sorgen hin
gewartet unde nâch gesehen,
die mir möhten geschehen,
daʒ ich mich des versehen sol.
G. v. Straszburg Tristan 10547;

er sprach 'nu warte hinder dich:
du gesihest michel baʒ dan ich,
wie uns die hunde meinen'. der wolf und sin sun 921 (bei
Grimm Reinhart fuchs 324);

in gesach nie tage slîchen
sô die mîne tuont.ich warte in alleʒ nâch:
wesse ich war si wolten strîchen!
Walther 70, 9;

do únser herre ze hýmel wolte varen, do stnd únser vrowe und sin junger ... uff dem berge und warteten im nach St. Georgener prediger 287, 25 Rieder;

tumbiu werlt, ziuch dînen zoum, wart umbe, sich.
wilt dû lân loufen dînen muot, sîn sprunc der vellet dich.
Walther 37, 24;

er begund warten umb sich,
ob er jeman sech,
uff den der ruff beschäch. liedersaal 1, 292, 50.


3) auch in absolutem gebrauch kommt es als 'sich umsehen' vor:

der knappe begunde warten:
Schîânatulander
den fürsten tôt dâ vander
der juncfrouwen in ir schôʒ.
W. v. Eschenbach Parzival 138, 20;

er sprach: 'in der naht gesiht
began ich warten.ich vernam
des menschen kint.dô kam,
dem ist gegeben daʒ rîche'.
R. v. Ems Barlaam u. Josaphat 68, 9;

ich saʒ eines tages und trachte,
dô ich dise rede machte ...
und began iemitten warten
in einem grasegarten.
dô sach ich bluomen inne.
Lamprecht v. Regensburg tochter Syon 2170 Weinhold.

das part. wartend 'sich umschauend':

sô stênt alle ir (der verliebten nonne) sinne,
wie sie den gewinne,
der fröude mit ir beginne.
sî stîgt ûf wartende als ein geiʒ,
diu grüene sumerlaten weiʒ
ûf hôhen dürren velsen.
H. v. Trimberg Renner 12799 Ehrismann.

der imp. warte, wartâ 'sieh doch':

'sich, warte', sprach diu künigîn,
'waʒ ist diz oder waʒ mac diz sîn?'
G. v. Straszburg Tristan 9423;

warta, herre! wara war!
wer ist der mit dem kinde?
J. v. Würzburg Wilh. v. Österreich 8764 Regel;

der eine zuo dem andern sprach,
do er den knaben rîten sach:
'wartâ, trût geselle mîn!
der alt mag wol ein tôre sîn,
daʒ er rîten lât den knaben.'
Boner edelstein 52, 25;

sich an mein täglich wee ...
wart, mein zöpff sind abgeschnitten.
Hätzlerin liederbuch 2, 55, 77 (s. 227);

wart, wo schleicht der edel hirsch heut selbs für Sebiz feldbau (1579) 566.
4) warten mit dem gen. 'auf etwas seinen blick richten' kommt auch seit der ahd. zeit vor:

sie blîdtun sih es gâhun,sâr sie nan (den stern) gisâhun,
joh filu frawalîchosîn wartêtun gilîcho.
Otfrid 1, 17, 56;

vidit Orpheus Euridicen suam ... ah ze sêre, sô er sia nâh ze lîehte brâhta, dâr wárteta er íro, dâr ferlôs er sîa Notker 1, 225, 5 (Boetius 3, metrum 12) Piper;

vart jenen pfat (êst niht ein wec) ...
mîns pferts sult ir dâ warten.
dâ hœrt ir und seht manege diet ...
gêt durch si dâ mîn pfärt dort stêt,
unt lœst eʒ ûf: nâch iu eʒ gêt.
W. v. Eschenbach Parzival 511, 24;

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Stephan ouch sante Agneten sach,
der er vor nam den garten.
die wolde sin nicht warten
und karte ir antlitze hin. Passional 387, 16 Köpke.

'gewahren':

'danen mag ich mit dem ougen
niht anders', sprach er, 'gesehen,
wan swaʒ von msen mag geschen:
des wartet eʒ und nihtes me'. kleinere mhd. erzählungen 3, 121, 99 (das katzenauge) Rosenhagen;

Pilatus usz syme palas ging
und begunde do schonir ephil wartin
in eyme synis nackeburis boumgartin.
J. Rothe passion 173 Heinrich;

nun war einer bey ihme, der hat eine armbrust und schosz uff mich ab, und hett das armbrust nach mir geworffen, welches ich nit gesehen hett, dann ich hett mit den andern zu schaffen, dasz ich sein nit warten kunt Götz v. Berlichingen 83 neudr.
5) warten mit dem dat., im ahd. nur in übertragener bedeutung 'für etwas sorgen' (D) belegt, dann bis ins 14. jahrh. vorkommend, unterscheidet sich im gebrauch kaum von warten c. gen.; eigentlich 'einem seinen blick zuwenden':

die wîle der turnei werte
Êrec fil de roi Lac
grôʒer unmuoʒe phlac.
swer im gewartet solde hân,
der dorfte dougen niht ruowen lân:
man sach in dort und nû hie.
Hartm. v. Aue Erec 2466;

nu fuor er ûf des meres fluot
mit maneger vrowen segene.
si warten dem degene
unz si in verrist mohten sehen.
U. v. Zatzikhoven Lanzelet 382;

dâ er hin ûf die plânje gie,
da gesâʒen si durch ruowen ie,
dâ loseten si dem duʒʒe
und warteten dem fluʒʒe,
und was daʒ aber ir wunne.
G. v. Straszburg Tristan 17168;

der sterren louf er da gesach ...
mit fliʒe er warten in began. heil. Elisabeth 251 Rieger;

uʒ der stat ein wurf geschach,
den von unmuʒe ubersach
hie uʒen daʒ volc gemeine,
noch sie enwarten deme steine. Ludwigs kreuzfahrt 7599 Hagen.


6) warten mit dem acc. ist in dieser bedeutung wenig gebräuchlich; an der folgenden stelle ganz wie warten c. gen.:

was suchestu in dissem garten
ader was wiltu warten
so frue ane disser stadt? Alsfelder passionsspiel 7737 Grein.

vereinzelt im mhd. als 'wahrnehmen':

sîn grâweʒ hâr mit leide er nam
unt roufteʒ ûʒ der swarten.
si mohten an im warten
jâmerlîcheʒ wunder,
daʒ er treib dar under. Alexius 113, 718 Maszmann;

sie fuoren wider gên Garten.dâ hetens kurzwîle vil,
dâ moht man gerne wartenmanic ritterspil,
buhieren und stechenvor dem fürsten hêr. Wolfdietrich D IX, 177, 2 Jänicke.

im mnd. kommt es als 'beobachten' vor: specula, eyn ghebuwe dar me de vigende uppe wardet Diefenbach nov. gl. 344b. so noch jetzt in Quedlinburg: von diesem fenster kann man die ganze strasze warten nd. jahrb. 30, 30.
7) wie später bei sehen (s. th. 10, I, 135) hat sich bei diesem warten (mit auf, zu oder dem dat.) die bedeutung 'wohin gerichtet sein' entwickelt:

aht porte giengen in die stat.
zwô warten ûf des meres stat:
die sehs her ûʒ an daʒ velt.
Wirnt v. Gravenberg Wigalois 274, 15;

und bringe er uns diu pfert her,
so eʒ schiereste müge sîn,
vür unser hâltürlîn,
dâ der boumgarte
hin ze velde warte.
G. v. Straszburg Tristan 9330;

der erst flusz sol gan usz dem garten,
flieszen und dem ufgang warten,
in das gantz land, Hevila gnandt.
Ruff Adam u. Heva 670.

[Bd. 27, Sp. 2130]



B. die bedeutung 'seinen blick worauf richten' geht dann weiterohne dasz eine scharfe grenze gezogen werden kannin 'seine aufmerksamkeit worauf richten, auf etwas achten, aufpassen' über. diese übertragene bedeutung tritt noch im 16. jahrh. und in einzelnen resten noch später auf.
1) bei anschlusz eines indirecten fragesatzes zeigt sich z. th. noch die ursprüngliche sinnliche bedeutung: respicite spatium celi, wártênt wîo michel der hímel sî Notker 1, 165, 2 (Boetius 3, 59) Piper; eʒ kêrt auch der mensch daʒ antlütz gegen dem slag, dar umb, wenn eʒ der donr sleht, sô wil eʒ warten, waʒ daʒ sei K. v. Megenberg 92, 22;

nu warde wie jeneʒ kint spilit,
daʒ ime die vûirflammin
scrickint ûʒ der stangin. könig Rother 4679;

ir knechte liefen warten
uʒ der tur ires huses,
waʒ jemerliches suses
sich irhube en so na. poet. bearbeitung des buches Daniel 7578 Hübner;

ganck mit mer zu der martel sin
und loisz uns warten, wie es em do ge
ader wie es umb sin leben stehe! Alsfelder passionsspiel 624 Grein.

in andern fällen musz an ein geistiges aufmerken, überlegen gedacht werden: nu sich, mensche, ane dine werk und warte, welich ende dar nach mge volgen, sich an die ere die ... sente Peter und sente Paul haben vordinet hie in erdriche Schönbach altd. predigten 1, 66;

daʒ man mit einem hâr
wol möhte widerwegen,
swaʒ er ie hât gephlegen
unstætigkeit sît der stunden,
daʒ er der ê wart gebunden.
wartâ, welch ein werdikeit!
Ottokar österr. reimchronik 22884 Seemüller;

aber sprach do Pilat:
'ich sih in gar unschuldic;
sit uber in geduldic
und wartet, wie ir an im getut'.
H. v. Hesler evang. Nicodemi 1113 Helm;

nu horit, selgen, di nu leben!
wi sin uch zu eime spigele gegeben,
daʒ ie bilde bi uns nemit.
und wartet fliʒiclichen wi ie lebit. spiel von den zehn jungfrauen 119, 447;

herre, ich heisz Beliall.
wart, wie dir mein dinst gefalle! Alsfelder passionsspiel 399 Grein;

drumb wart iederman, wenn der herr kom!
N. Manuel 253 (klagred d. armen götzen 526).


2) bei anschlusz eines dasz-satzes im ind. zeigt warten die bedeutung 'sehen, wahrnehmen':

Itonjê des doch niht vergaʒ,
sîne warte an Bênen ougen
daʒ diu weinden tougen.
W. v. Eschenbach Parzival 697, 29;

er (der heilige) lieʒ do an im warten
daʒ er nu billich hat den himel. Passional 366, 88 Köpke.

steht der dasz-satz im conj., so ergibt sich aber die bedeutung 'sein augenmerk worauf richten, worauf achten, anstreben, sich vorsehen':

hugi filu hartothero mînero worto,
in herzen giwaro wartês,thaʒ thu uns thia fruma haltês!
Otfrid 1, 19, 12;

mit vlîʒe begunde er warten,
daʒ eʒ ieman sæhe,
swaʒ von in zwein geschæhe. von dem sperwære 172 Lambel;

geistlîche liute sollen warten
in ir herzen wurzegarten,
sô ir lieber friunt darin
durh ruowe komen wil, daʒ s'in
lieplîche enphâhen
mit küssen und mit umbevâhen.
Lamprecht v. Regensburg tochter Syon 4290 Weinhold;

wann du nu fur den keiser kumst,
wart, das du vor im nit erstumst! fastnachtsp. 205, 20;

sint der keiser hat gesprochen: ir sit alle gewarnet, wartet, daʒ ir uch icht versumet keyserrecht von 1372 s. 111 Endemann; sy ... stalten hieter z dem tor der statt und warteten da die gantzen nacht (Luther: lieszen auff in lauren) mit stille, das ... sy in erschlgen Zainers bibel, richter 16, 2; do sprach der maister zu

[Bd. 27, Sp. 2131]


im: wart (cave), das zwischen uns it beschehe, als ains mals zwischen ainem künig und synem fabelsager geschahe Steinhöwel Äsop 317 Österley; wer most trink, der sol warten, das er nit ze süesz und nit ze sawr sey Münchner hs. (1505) bei Schmeller 2, 1005; also ein fürst und obrigkeit ist ein knecht aller knechte, mus wachen und warten, dasz mein und dein kind nicht erstochen werde Luther 34, II, 280, 18 Weim. ausg.; so nim ein federkiel und wart, dasz du habest ein schneidende nadel und stich durch den federkiel Gäbelkover artzneybuch 2, 211.
3) auch bei präpositionellen verbindungen tritt die bedeutung 'sein augenmerk auf etwas richten' hervor, doch ist sie nicht bei allen zu häufigem gebrauch gelangt: si spectes disponentem providentiam, úbe du ze gótes réchenungo wártêst Notker 1, 290, 16 (Boetius 4, 47) Piper;

si sprach: 'hêrre, durh dîne guote
warte zu mîner nôte,
die ih vil arme hân ...
spîse ist mir tiure,
nu bedarf ih dîner stiure:
beruoche mih hiute disen tac. kaiserchronik 2626 Schröder;

die towunt lâgen ûf dem gras,
die muost man voltœten.
wartâ zuo den nœten!
Ottokar österr. reimchronik 844 Seemüller;

ir sit aber so vorhartet,
daʒ ir vil lutzel wartet
an uwer wissagen wort,
die ir dicke hat gehort.
H. v. Hesler evang. Nicodemi 3744 Helm;

die tier saltu irkunden,
den du bist gegeben hin ...
daʒ erste tier ist hochvart,
gytzikeit, sich, dar nach wart,
unkuschir lib, herzen zorn. poet. bearb. des buches Daniel 5660 Hübner.

in der folgenden wendung ist die bedeutung 'nachstellen' herausgebildet:

wol auf, tragt uns her speis und wein!
ich wil die vasnacht bei euch sein.
bringt uns pretspil, wurfel und karten!
last uns einander zu der taschen warten,
das man auch sust vil kurzweil treib. fastnachtsp. 253, 9;

beide mit würffel und mit karten
thu ich in zu dem beutel warten.
H. Sachs 21, 51, 34 Götze.

besonders häufig und noch im 16. jahrh. üblich ist auf etwas warten 'aufpassen, achtgeben':

mit ainem wolff ain grawer man
schachzabel-spil began.
do sach er dick uber brett,
nach siner art er tett.
deʒ straffet in der grise
und sprach ir sint unwyse ...
wartent uff üwer spil. liedersaal 2, 605, 17;

dnt wir für wor eyn sörglich fart,
dann keyner sorgt, lgt, merckt und wart
uff tablemaryn und den compassz
oder den uszlouff des stundglasz.
Brant narrensch. 108, 24;

uffs spyl ich auch gar eben wart.
Gengenbach 10, 242 Gödeke;

das geordent werden sollent zehen erbere, worhaftiger manne von den winstichern, die die dögelichsten und gebruchlichsten doz sint, die do allein warten sollent uf die kouf in den kelren Straszburger zunftordnungen 531 Brucker; da msz man auf den zol warten, wer in das land treibt, ausgenomen prelaten und der adel, die geben nicht inventare aus Tirol und Vorarlberg 33, 15 (1484) Zingerle; wer die nachgeschrieben öffnung aines oder mehr überfüre, der ist der herrschaft schuldig zween und sibenzig pfenning nach genaden. auf das überfahren soll der ambtman warten und soll das der herrschaft hin bringen österr. weisth. 2, 124, 34 (Unterinnthal); ich aber hab alle zeit fortrefflichen fleysz dahyn gewendet, das ich der kundtschaft oder freundtschaft ... auffs aller heyligest achtnehme, und darauff wartet Hutten op. 2, 182 Böcking; auff ein ding warten, attendere alicui rei Maaler 484b; auff die thür warten, der thüren hten, januam observare Maaler 484b. der bedeutung 'wofür sorgen' nahestehend (nachher 1, 131 des

[Bd. 27, Sp. 2132]


stalles warten): meister Cnz Rosemberg, der hbschmit der uff den stall wartet und besleht Eheberg verfassungsgesch. der st. Straszburg 1, 129 (1443). 'sich einer sache oder person schützend annehmen':

ich bin der getrewe Eckhart,
der auff das heil der menschen wart,
das niemandt veruntrewet wer.
H. Sachs fastnachtsp. 8, 88;

lantgrave Frederich der were erslagen oder gefangen worden, ... hette on nicht besundirn geschutzet der alde Hans von Frymar ..., der ... mit eyner streitaxt uff on besundirn warthe unde allen enden schutzte J. Rothe düring. chronik 585 Liliencron; damit wir auch auff unsern drossz warten und achtung geben kondten, solten wir ihn zu nechst vor uns ziehen lassen generalchronicen (Frankf. 1576) 82a. besonders aber in feindlicher absicht 'auflauern': warten und betruglich uff einen lauszen, insidere, subsidere, ex insidiis esse, observare, speculari, ex insidiis aucupari Maaler 484b;

nu so, vil lieber Judas!
keines kauffes ich nie froer gewas.
nem hen die pennige,
dasz uns woil gelinge!
wart uff en desto basz,
an dissen dingen bis nit zu lasz! Alsfelder passionsspiel 3196 Grein;

wir geuch handt ein natürlich art:
wer z fohen uff unsz wart,
dem selben künnendt wir entrinnen,
ee das er des mag werden ynnen.
Murner geuchmatt 1230 Uhl;

mit würfelspilen und mit karten,
bim win ouch eins uf s'ander warten ...
das ist alls gmein ietz bi der jugend.
N. Manuel 251 (klagred d. armen götzen 462);

dann disz ist gar des teuffels art,
der auch auff d'leut so laurt und wart,
frewt sich, wanns andern auch so geht,
gleich wie er ewig übel steht.
Fischart dicht. 1, 7 (nachtrab 169) Kurz;

der Aunsorg wartet stetes uff die von Auspurg und bekümert die, wa er kund und mocht städtechron. 4, 106, 3 (Augsburg 1396); auch riten unserr feint und gingen teglich herzu in dem wald und warten auf unser pawern, die gen holcz furen, und süst wo sie die anchomen, so fingen sie die paweren 2, 189, 27 (Nürnberg 1449); es wart an manichen enden uff Huge ghudt und gewartet, er werte sich alles künlich und kam sonder schaden von yne Huge Scheppel 2c, 32 neudr.; wie ein spinn in einer spinnwepp uff die mucken wartet, wenn ein muck kumpt, so loufft sye härfür und erwüscht sye Keisersberg postill 3, 83a; wellicher gevǎrlich uff den andern wartet mit gewerter hand, in z schdigen stadtrecht von Brugg 131, 21 (1512) Merz; die gottlosen warten auff mich das sie mich umbbringen psalm 119, 95; und die jeger haben das horn schon geblasen, zu warten alle tag auff uns (Lutherischen), wann wir in das garn schnurren Hutten op. 3, 549 Böcking; da wartet der edelmann auff ihn und nam ihm alles, das er hette gelt und gt Schumann nachtbüchlein 206 Bolte; der könig hat uns zu einem auffsatz viel seiner diener bestellet, welche tag und nacht auff uns warten sollen buch d. liebe 244, 4.
hierher stellt sich auch das im späteren 16. und im 17. jahrh. häufige auf den dienst warten, ursprünglich allerdings 'als diener aufwarten', dann auch (zunächst wol von dienern, die sich gegenseitig in der gunst des herrn auszustechen suchen, vgl.: es müssen auch diener und dienerinnen, knechte und mägde seyn, damit der geringere dem gröszern auf den dienst warte v. Hohberg Georgica 3, 84a) 'auflauern': disz alles hetten seine widersecher eben wargenumen, warteten im gar fleiszig uff den dienst Wickram 2, 157 Bolte; wann ich des (der untreue der frau) also gewis bin, wil ich ihr auff den dienst warten, ob ich sie einmal auffm fahlen pferde finden könte Heinr. Jul. v. Braunschweig 404 Holland (ehebrecherin 1, 1); hielten mich derwegen dazu, dasz ich irem gemahl solte auff den dienst warten und umbbringen Creizenach schausp. d. engl. comöd. 45, 6; dasz er (Rechenberger) ... einmal in der nacht sol auszgeritten seyn, etlichen guten leuten ungebeten auff den dienst zu warten Mengering gewissens-recht (1653) 288;

[Bd. 27, Sp. 2133]


mit würfeln und mit karten
weisz er den bauren offt hübsch auf den dienst zu warten.
v. König ged. 492.

auch von der jagd auf thiere: etliche fische leichen im winter, etliche im sommer. zur selben zeit warten ihnen die fischer gewaltig auf die dienste, dann da sind sie leichtlich zu fangen Coler hausbuch (1640) 493; darnach wartet man ihnen (den füchsen) herauszen vor den löchern auf den dienst mit hunden und andern sachen, so darzu gehören Becher jägercabinet 65. die bedeutung entwickelt sich öfter zu 'einem übel mitspielen': als die wächter solches innen worden, rieffen sie in allen gassen, feindio: darüber die gantze bürgerschafft aufkommen, und mit ihren gewehren nach den mauren gelauffen, und denen, so sich allbereit an die mauren gemachet, häszlich auf den dienst gewartet, deren viel erworffen, aber vielmehr sonst beschädiget Spangenberg Henneberg. chron. (1599) 196;

der (Cordova) zoge dem Mansfelder nach,
wollt ihm auf den dienst warten
und ihm beweisen schmach.
Opel u.
Cohn 30jähr. krieg 156, 3.

die wendung erscheint noch bei Ludwig 2386, zunächst als 'einen heimlich belauren und all sein thun auskundschaften', dann als 'ihm eins anbringen oder versetzen wollen' und bei Kirsch 380 'insidias alicui struere'. auch bei einem auf die seele warten mischt sich dies warten 'auflauern' ein: sein freund verlassen ihn oder warten ihm erbgirig auf die seel Garg. 101 neudr.; die den alten auff die seel warten und sie mit dem te deum laudimus zum grab geleiten Lalebuch 14 neudr.
um etwas warten 'sich darnach umsehen':

Rubein, n wart umb einen chnecht,
der uns paiden sei gerecht! Erlauer spiele 3, 234 Kummer.

das in der handwerkersprache üblich bleibende um arbeit warten (zunächst mit persönlichem dat.) ist 'arbeit verschaffen, geben': wo sichs befinde, das er nicht drei jar lang gelernet hätte, sol man im umb arbeit nicht umbschauen, nach ine fördern. so es aber one das were, und er firzen tage nach handwergs gewonheit arbeit begert, sollen ime die ürtengesellen umb arbeit warten deutsche chron. aus Böhmen 2, 172 (1563); wan ein gesell wandert ..., kombt aber vor einem vierteljahr wider, soll man ihme zwar umb arbeit warten, doch kein geschenck thun Schlettstadter stadtrechte 2, 723 (1672) Gény; (der fremde gesell zum altgesellen) ich bitte du wollest um arbeit warten 8 oder 14 tage, so lang als es dem meister gefällt, desgleichen mir auch Adr. Beier de collegiis opificum (1727) 383.
4) auch warten mit dem gen. erscheint häufig in übertragenem gebrauch.
a) seine aufmerksamkeit auf eine person oder sache richten, sich worum kümmern:

ther mit giloubu thaʒ giduat,thaʒ zi imo gikêrit sînaʒ muat:
nist themo sêr bizeinitnoh leides wiht gimeinit;
ther avur thes ni wartêtin theru ungiloubu irhartêt:
theist ju sâr gimeinit,thaʒ themo ist giwisso irdeilit.
Otfrid 2, 12, 83;

die andern gâben die fluht,
dâ warte niemen keiner zuht;
man sach dâ niemen hôher stân
'herre, welt ir für gân'.
Hartm. v. Aue Erec 6625;

iedoch versuochte eʒ Marke
anclîchen unde starke
und warte es naht unde tac.
G. v. Straszburg Tristan 13679;

sint in des riches recht stet geschriben: alles daʒ du tust, daʒ salt du wislig tun, und salt deʒ endes warten keyserrecht von 1372 s. 87 (2, 49) Endemann; daʒ der mensche blibe bi ime selber in demtekeit ... enwarte nút denne sin selbes in einvaltikeit Tauler predigten 74, 23 Vetter; auch ligt selickeit ... an keyner creatur oder creatur werck, sunder allein an got und an seinen wercken. darumb solt ich allein gottis und seines wercks warten theologia deutsch 22 Mandel; schrifft, Murnarr; Murnarr, schrifft, oder such eyn andern kempffer, ich hab mehr zu thun denn deines schrifftloszen geschwetzs zu warten Luther 7, 683, 7 Weim. ausg. im folgenden

[Bd. 27, Sp. 2134]


mit dem nebensinn 'sich zu verschaffen suchen': iʒ geschach, daʒ der keiser Meilân belac und di rînischen herren mit ime und gewunnen Meilân. dô di anderen herren warten silbers und goldes, dô wartete der bischof der drîer kunige und furte si heimlîchen gên Kolne mystiker 1, 116, 17 (Herm. v. Fritslar).
b) sich vergewissern von etwas (vgl. DWB warten A 6 'wahrnehmen'):

er sprach: 'nu magstu eʒ besehen,
sô muostu mir der wârheit jehen'.
sie gienk in einen garten
und wolde der wârheit warten. gesammtabenteuer 3, 117, 228.


c) feindlich auflauern, nachstellen, noch im 16. jahrh. neben häufigerem auf einen warten: do er da quam, da saʒin die Jden und lʒetin und wartin sin, ob er des icht getete da von si in besagin mochten Schönbach altd. predigten 1, 133;

des nam ein schœner hirz goum
und aʒ iu ab daʒ kriutelîn.
dar umb sô muost ir zornic sîn.
ir lieʒt im legen lâg
und wartt sîn nâch der gartnær sag
und viengt den schœnen hirzen guot.
Enikel weltchronik, anhang 2, 744 Strauch;

di widerfart ich genzlich jagen,
daʒ prube ich jeger an der spor.
hoho, si ist davor,
der ich so lang gewartet han. Limburger chronik 74, 5 Wysz;

die wile daʒ sie warten
der reinen, suʒen, zarten (Susanna). poet. bearbeitung des buches Daniel 7497 Hübner;

und (ich) lüff z stunt in die hole gassen
und wartet desz vogts in der straszen. schweiz. schausp. 3, 33, 394;

gro ist sein farb vom garten
darin er wachsen tt,
er darf des mans wol warten,
erbutzen im den ht ...
das hirn macht er ersausen
dem der in trutzen wil.
Uhland volksl. 603;


d) von 'auf etwas passen, etwas abpassen' ist auch auszugehen bei der zeit, gelegenheit, der schanze, des glückes warten, doch mischt sich damit die bedeutung 'erwarten', an die später allein gedacht wird:

sus warte si (Brünhilt) der wîle,als eʒ der tiufel riet.
die fröude und ouch die hôhgezîtmit jâmer si dô schiet. Nibelungen 822 Zarncke;

gar fleiszig sie den botten batt,
das er wart rechter zeit und statt.
Wickram 8, 32, 1026 Bolte;

so wartet er einmal der zeit,
da der marckt ward gar voller leut
und säget darvor eine nacht
die ladenpfosten ab mit macht.
Fischart Eulenspiegel 6455 Hauffen;

mit dem wartet er rechter und füeglicher zeit, das all der Saratzenen her in dem veld ... lagen überarbeiter von U. Füetrer bayr. chronik 12, 12 Spiller; etlicher aber schweiget und wartet seiner zeit. ein weiser man schweiget, bis er seine zeit ersihet Sirach 20, 6; der sext kriechisch weis aus der insel Lesbos, ist Bias. sein spruch: 'wart der zeit, wer ê kumpt der melt ê' Aventin 4, 305 Lexer; seiner schantz warten. seim kopff folgen S. Franck sprichw. 1, 43b; die aber gescheid sein, warten der zeit zu reden 1, 113a; du mszt der zeit und des glücks warten (praesentem fortunam boni consule) sprichw. (Frankf. 1548) 45a; flohe er nach Ravenna und befestete das und wolte daselbst des glucks warten, ... aber Deitrich folgte ime und belegerte ine Kantzow chronik v. Pommern (letzte bearb.) 25 Gäbel; harre! lasz dir nicht einbilden, dasz disz schon verdienste seyn. warte der zeit! Abbt (1768 ff.) 1, 211; so musz ich der zeit und gelegenheit warten Arndt christliches u. türkisches (1828) 323; wie zuerst Reading, so verlieszen die königlichen dann auch Abingdon und zogen sich nach Oxford, um ihrer gelegenheit zu warten Ranke 16, 182. dafür später warten auf, auch noch mit der bedeutung 'abpassen': auf gelegenheit warten, occasionem captare Steinbach 2, 936.
e) selten 'bewachen' (vgl. 5 c):

sprechent, der zouferer sy vergraben,
daʒ er (Pilatus) des grabes heisze warten.
Mone schauspiele 2, 336 (passionsspiel 3779);

[Bd. 27, Sp. 2135]


er ... leget in in einen houhen turen und hiesz seyn gar wol warten der heyligen leben summerteil (1472) 100a; ein hund an ein ketten gelegt der porten wartende Frisius (1558) 197b; die (hirten) nicht weit vom wasser ihrer heerde gewartet haben Prätorius anthrop. plutonicus 1, 28. bildlich des mundes warten 'im reden vorsichtig sein': das recht ist der wachenden, spil warts munds, übersehen ist auch verspilt sprichwörter (Frankf. 1548) 29a (spiel warte des munds 32a).
5) warten mit dem acc. tritt für warten c. gen. ein, gewinnt aber keine ausdehnung.
a) an 4 d schlieszt sich an:

doheim thnd wir dan auch spilen:
mit würflen und auch mit karten
kan ich ein jede schantz warten. schweiz. schauspiele 2, 222, 2767;

wilt dich in ein feldtschlacht begebn,
so wart das platz und gegend ebn.
v. Speir kriegsordnung (widmung).


b) auf etwas aufpassen: dô stal si alleʒ ... und gap iʒ den armen. dô si di koche vormelditen und daʒ gesinde, dô wartit iʒ der herre selber; und dô si ûʒ der kuchin ginc ..., dô begegnete her ir mystiker 1, 242, 21 (Herm. v. Fritslar). an den folgenden stellen in die bedeutung 'bewachen' übergehend: wurden in ydesz hausz 2 gende soldner bestalt, die ketten daselbs zu warten städtechron. 3, 358, 20 (Nürnberg 15. jahrh.); Rachel kom mit den schaffen irs vatters, wann sy selbs wartet (htte Zainer) die herde Mentels bibel, 1 Mos. 29, 10; des tages hatte er solche arbeit handthieret, des nachts aber vor des königes kammer das liecht warten müssen pers. rosenthal 7, 20 s. 92b.
c) die dem altgerm. eigene und in den subst. wart, warte, wärter usw. noch hervortretende bedeutung 'bewachen' ist sonst im hd. wenig üblich:

es het ein man ein junge fraw,
die must er warten gar genaw;
drum liesz ers selten auf die gassen.
Waldis Esopus 2, 88, 2 Kurz;

es ist besser einer wannen voll flöh hüten, dann eines weibs, die nicht an ihr selbs fromm ist, und hilfft eiferen und warten eben so vil, als ein bantzer für den galgen sprichwörter (Frankf. 1548) 154a. bei Kantzow aus dem nd. text übernommen: das eins teils (der belagerten) die welle und mewren warteten und die andern alle zum fewr lieffen und retteten chronik v. Pommern (letzte bearb.) 108 Gäbel; des erschracken die burger und befolen ..., das sie mit gwalt ins schlosz fallen solten ... aber der hauptman auffm schlosz erfhur das und wartete das schlosz 151; wolte er auch wol das frische haff warten lassen, das die Stettinischen nicht segeln solten 309.
6) absolut als 'wache halten': speculari, wachen, warten Diefenbach gl. 545c (14. jahrh.); speculare, wachten, warten, huetten nov. gl. 345a; auff der wart ston oder warten, in speculis esse Maaler 484b. so auch bei Luther: die pförtener aber waren Sallum, Akub, Talmon, Ahiman mit iren brüdern ... denn bis her hatten am thor des königs gegen dem auffgang gewartet die kinder Levi mit lagern 1 chron. 10, 18.
C. von der grundbedeutung aus konnte sich bei warten wie bei warnen die bedeutung 'sich vorsehen, hüten' entwickeln. im ahd. mit reflexivem acc., häufiger dat.: sih warten, sibi cavere Graff 1, 919 aus bibelgl.;

thô riht unsih thiu redina,thaʒ wir uns wartên thanana,
thaʒ suht ni derre uns mêra,thên lidin joh thera sêla.
Otfrid 3, 5, 5;

wartêt iu io hartofon driagero worto. 2, 23, 7;

wartet iu fon mannun (cavete autem ab hominibus) Tatian 44, 12; hier auch nicht reflexiv: wartet fon alleru giridu (cavete ab omni avaritia) 105, 1. die wendung wurde dann durch sich warnen zurückgedrängt, so dasz mhd. belege nicht vorliegen. doch führt sie noch Schmeller 2, 1005 vom Obermain an (abə' waərt də' nõ du!). vgl. auch oben sp. 776 das eigentlich nd. sich wahren, das ein älteres sik warden in sich aufgenommen hat. auch zu sich warten: die tzeit sas der pfaltzgraf ... mit erhaben schilt und wardt z im, aber nimandt tet im (etwas) H. E. v. Wildenberg chronik

[Bd. 27, Sp. 2136]


von den fürsten aus Bayern 158, 9 Roth. bei Hugo v. Trimberg begegnet als 'sieh dich vor' wartâ zuo dir:

dâ hœrt man schrîen durch die naht:
'wartâ zuo dir, wartâ dar!
nim lîbes und guotes und êren war!'
singet der pfaffe: 'Marthâ, Marthâ!'
so schrîet der wahter: 'wartâ! wartâ!' Renner 8957 Ehrismann;

man schrîet in vesten und in bürgen,
daʒ die geste die wirt iht würgen:
'wartâ zuo dir! wartâ zuo dir!' 21063.

das einfache wartâ (vgl. belege für wart 'sieh dich vor' B 2) ist in der bedeutung durch wartâ zuo dir bestimmt, steht vielleicht auch unter einflusz des entsprechenden ital. guarda. mit dem nhd. drohenden wart! besteht kein directer zusammenhang (über dessen entstehung s. u. F 2).
D. aus der bedeutung 'seine aufmerksamkeit worauf richten' konnte sich dann die von 'sich pfleglich einer person oder sache annehmen, sich worum bemühen, wofür sorgen' entwickeln. diese bedeutung zeigt sich schon bei Otfrid, auch die glossen: excubant, warten Steinmeyer-Sievers gl. 2, 223, 9; nititur, wartet 2, 225, 37 führen darauf. im mhd. ist sie zunächst selten, wird dann häufiger im 14. jahrh. und kann im 15. als eingebürgert gelten. sie hat sich auch in der neueren sprache erhalten, wenn auch mit beschränkung auf gewisse verbindungen; einen ausgedehnteren gebrauch kennt noch die dichtersprache. bei Otfrid schlieszt sich ein dativ an, was auch im älteren nhd. bei Süddeutschen häufig vorkommt, so im 15. jahrh. bei Steinhöwel, im Decamerone, bei Keisersberg, im 16. bei Aventin, Hedio, Montanus, Wickram, Scheit, Seuter, Platter, im 17. bei Spreng, Harsdörffer, Dannhawer, Grimmelshausen, zuletzt bei Abr. a S. Clara, dem Hessen Happel, dem Schlesier Hohberg, dem Kölner Lindenborn. von wörterbüchern haben nur die Schweizer Maaler und Dentzler die verbindung mit dem dativ, die noch jetzt im schweiz. üblich ist (Hunziker 287), später dann noch Kirsch. am häufigsten ist früher (auch schon bei Otfrid) verbindung mit dem genetiv, bei Ober- und Mitteldeutschen, auch bei Luther (nur in den briefen einmal mit dativ). doch kommt schon im 16. jahrh. zuweilen auch anschlusz eines acc. vor, am häufigsten beim pronomen: ist einer ein ackerman oder handwercker, schneider oder schuster, das er das getrewlich warte Luther 17, I, 22, 33 Weim. ausg.; was sie weis, das dem manne sonderlich liebet, ... das sol sie sonderlich fleiszig warten Barth weiberspiegel (1565) K 3a. ebenso kommt im 16. jahrh. auch anschlusz eines mit was eingeleiteten satzes vor: hand, wart was einer hand zugehort Luther 34, I, 100, 15 Weim. ausg.; darnach zog ich wieder zu meinem herrn, und wartt was ich zu schaffen hett Götz v. Berlichingen 15 neudr.; gehe zu haus und warte was dir befohlen ist Heinr. Jul. v. Braunschweig 8 Holland (Susanna 1, 1);

wart mit fleisz was du hast zu thun!
H. Sachs 8, 342, 9 Keller.

bei Luther kommt aber auch sonst schon zuweilen warten mit dem acc. vor: einem iglichen solt ir sein teil der last am gerete zu warten verordenen 4 Mos. 4, 32; nhu wollan, ich szall den sack warten und dem esel futter geben werke 9, 395, 11 Weim. ausg.; das sie (die keuschheit) ... freyer und geschickter leut mache gottis wort zu warten, denn die ehe 12, 105, 4; (S. Christoph) wartet das seine das im bevolen 29, 503, 30. auch sonst gelegentlich: das ... ein iglicher ... das seine mit fleisz, darauf er bescheiden wirdet, worte d. hofordnungen 1, 26 (Joachim II. v. Brandenburg) Kern; s. auch unten 2 Sebiz und 5 Ringwaldt, Ayrer, Eyering. um die mitte des 17. jahrh. wird der acc. häufiger und erscheint bei Logau, Lohenstein, Ch. Wolff u. a.; von wörterbüchern verzeichnet ihn zuerst Stieler. doch kommt zunächst auch in der prosasprache der gen. (den auch Ludwig, Kramer, Rondeau kennen) noch daneben vor. Gottsched beobacht. über den gebrauch und misbrauch vieler d. wörter 421 gibt einen kranken warten und eines kranken warten an; Adelung dagegen verzeichnet zwar (als abkommend) seines amtes, berufes, seiner nahrung, arbeit warten, aber im fall, dasz eine handreichung geschieht, den acc. z. b. einen kranken warten; der gen. sei hier nur im obd. und in der höheren schreibart üblich. thatsächlich herrscht

[Bd. 27, Sp. 2137]


jetzt, soweit der gebrauch von warten noch lebendig ist, der acc.; der gen. hat sich in einigen formelhaften verbindungen und sonst in der poetischen sprache erhalten.
1) warten von personen 'sich jemandes annehmen, ihn versorgen'.
a)

thaʒ hirtâ sîne (Christi) uns wartêninti unsih io gihaltên.
Otfrid 1, 28, 9;

iʒ ist giscriban fona thir,thaʒ farên engilâ mit thir,
sie thih biscirmên allanjoh thih ni lâzên fallan;
si thîn giwaro wartênjoh thih harto haltên,
thaʒ thîn fuaʒ iowannein steine ni firspirne. 2, 4, 59;

die sint mit zorne hie gein mir.
nu sol ich wol getrûwen dir.
gedenke an die sippe dîn.
durch rehte liebe warte mîn.
W. v. Eschenbach Parzival 68, 2;

her ... hat min in dem spelhusz unde in der stabe czu male met flisze gewort Apollonius von Tyrus 37, 22 Schröder; das sie allerley junge schöne jungfrawen zusamen bringen gen schlos Susan ins frawenzimmer, unter die handhege des königs kemerer, der der weiber wartet, und gebe inen iren geschmuck Esther 2, 3; wart ein regent und zoch ym lande umb und wartet des folcks Luther 19, 288, 38 Weim. ausg.; es ist der geystlichen ampt, wie gesagt ist, das sie der leut ynn geystlichen dingen warten sollen 10, I, 647, 13; (sie) hat mir gedient, mein gewartet! Göthe 11, 190 (Stella 5) Weim. ausg.;

willst, feiner knabe, du mit mir gehn?
meine töchter sollen dich warten schön. 1, 167;

doch die nach dir am meisten schaun,
sind gewisz alle schöne fraun,
die du, o edler brunnengast!
löblich und fein gewartet hast! 4, 227;

seiner gäste warten, accomoder ses hôtes Rondeau. sprichwörtlich: weib und kind wollen ihrer gewartet haben Lehmann 159; man kan des diebs nirgend basz warten, denn am galgen Eyering 3, 192.
b) eines (einem, später einen) wohl, übel warten, gut oder schlecht behandeln, bleibt bis ins 18. jahrh. hinein üblich, jetzt veraltet: eines wohl warten, traiter bien quelqu'un, eines übel warten, maltraiter quelqu'un Rondeau; einen wol warten Stieler 2438; einen übel warten Nieremberger;

du dienest vilen oder eim,
bey frembden oder sonst daheim,
so dien in alln auff gleiche art,
so wirt ir aller wol gewart.
Scheit Grobianus 416 neudr.;

die Musae fragten wie es stünd
umb ire diener und gesind ...
ob man ir auch wol warten thet,
weil sie ein sn geporen het? fröhlich heimfart D 1a;

er kam aus der gefenknus ... künig Ludwig het ein gros mitleiden mit im, gab im zwô abtei ein ..., pefalch alda dem erzpischof, das er im wol warten lies Aventin 5, 226, 17 Lexer; er forchte, wann er begriffen wurde, im nicht wol gewartet wurde Montanus 30, 20 Bolte. bei übel warten tritt meistens die bedeutung 'übel mitnehmen, körperlich mishandeln' hervor:

(der hase) war an beiden schenkeln lam,
das podagram plagt in so hart,
und seiner warlich übel wart.
Alberus fabeln 37, 74 Braune;

hätten sie alle gethan, wie der gut fromm Erhard Truchsäsz (tapfer gekämpft) ... es wär mein und meines kleinen häuffleins übel gewart worden Götz v. Berlichingen 83 neudr.; der (eingeschlossenen) ward hernach gantz übel gewart; die im schlosz tribens mit werffen und schieszen hin und her, bis sie zulest sturben J. Herolt chronica v. Hall 220 Kolb; so ihn aber die pauren ergrieffen hetten, würde seiner übel gewartet worden sein B. Krüger Hans Clawert 28 neudr.; ich solte mich eilends fortpacken und ihme nimmermehr unter augen kommen, sonst solte meiner sehr übel gewartet werden Simpl. 2, 303, 8 Kurz; die (räuber) sagten, sie solten sich ergeben, oder es würde ihrer übel gewartet werden Ch. Weise klügste leute (1675) 57; würde nicht Esau seinem bruder Jacob für die mütterliche partheiligkeit sehr übel gewartet haben, woferne jener nicht durch ausdrücklichen befehl gottes davon wäre abgehalten

[Bd. 27, Sp. 2138]


worden Lindenborn der die welt beleuchtende Diogenes (1742) 1, 304. sprichwörtlich:

wer zu lange wartet,
dem wird übel gewartet.
Wille sittenlehre 72.


c) im älteren nhd. auch mit reflexivem gen. 'für sich sorgen': und Julius hielt sich freüntlich gegen Paulo, erlaubt im z seynen gten freünden zegon und seinen zewarten (Luther: seiner pflegen) Züricher bibel, ap.-gesch. 27, 3; hastu (bettler) so ein gten raum und zeyt ..., dein selbs z warten oder wahr z nemen gehapt Frey gartenges. 18, 4 Bolte. besonders 'sich körperlich pflegen': bisz ... nit geneschig, oder fräszig, dir selb z lieb, nit wart dein selbs, alsz die waydtleüt irs federspylen Keisersberg predigen 124b; seiner wol warten, sich zeer wel wachten, vieren, troetelen Kramer 259. sprichwörtlich: die ihren warten am besten, seind kranck am mehsten Garg. 396 Alsleben;

die ihrer warten zum besten,
sind oft der krankheit am nähsten,
und sterben am allerehsten.
Wille sittenlehre 39.

dafür später sich warten: sich wohl warten, amicum sibi esse, curare cutem Faber thesaurus ed. Cellarius (1692) im index; Catharina (zu den tafelnden bedienten). nun, ihr wisset euch wohl zu warten kunst über alle künste ein bös weib gut zu machen (1672) 155 Köhler; er wartet, oder pfleget, sich oder seinen madensack wol, er thut sich was zu gute Ludwig 2386; sich warten, indulgere genio, curare cuticulam Nieremberger. ähnlich: seines leybs warten, seinen leyb pflägen Frisius 398a. Maaler 485a; dem leib warten Dentzler 2, 342;

darneben ein stoltz brächtig weib,
so gar wol wartet irem leib.
Wickram 4, 197 Bolte (pilger v. 2115).


d) erhalten hat sich warten von personen nur in der bedeutung, 'jemand, der der aufsicht oder pflege bedürftig ist, dieselbe zuwenden, ihm die nötige handreichung thun'.
α) von kranken. warten steht hier neben pflegen, mit dem es gern verbunden wird, doch tritt bei ersterem noch mehr der begriff der ständigen aufsicht hervor (nach Gottsched beob. 421 geht warten auf die kur, pflegen auf die versorgung mit speise und trank, was dem heutigen sprachgebrauch, der überhaupt pflegen vorzieht, nicht entspricht): den krancken warten, und sorg z inen tragen, curare aegrotos Maaler 485a; dem krancken warten, assidere aegroto Kirsch 380; eines krancken warten, pflegen, guardar', curar' un infermo Krämer 1210, ähnlich Ludwig 2386. Kramer 259; einen kranken warten Rädlein 1030. Steinbach 2, 937; es sol ouch derselb knecht, so man den siechen essen gibt, warnemen und ufsehen daruf haben, das den siechen mit essen und drincken noch des doctors geheisze gewartet werde Straszburger zunftordnungen 290 Brucker; wa ain kranker dem sie warten susz geniset Steinhöwel de claris mul. 334 Drescher; diene gott yn dem krancken und warte seyn Luther 10, II, 291, 27 Weim. ausg.; auch deren so von den heiden kranck waren, haben sich die christen fleiszig angnommen, und on alles schüwes ynen gewartet Hedio chron. germ. (1530) 76b; item soltu mercken, ob der kranck ... seyn z warten het oder nit Braunschweig chirurgia (1539) 59b; ich wurde wie ein printz gewartet, denn man fast an meinem leben zu zweiffeln begunte Riemer der lustige politisch guckguck (1684) 313; bisz ein heiliger eremit ... zu ihm (dem verwundeten) kommen, und bester massen dem armen tropffen in seinem hüttl gewartet Abr. a S. Clara Judas (1687) 1, 363; Philine wartete ihn (den verwundeten) treulich Göthe 22, 55 Weim. ausg.;

der ists, der die verlohrnen sucht,
der krancke wartet und die schwachen.
Lohenstein 2 geistl. gedancken 72 v. 1326;

sorglich wartete Gieremund sein, mit traurigem muthe,
dachte den groszen verlust.
Göthe 50, 184 (Rein. fuchs 12, 318) Weim. ausg.

von gebrechlichen, alten: der schwachen wartet ir nicht, und die krancken heilet ir nicht, das verwundte verbindet ir nicht Hesek. 34, 4; (gott wird) euch gehorsame kinder geben, die ewer ... pflegen und warten werden

[Bd. 27, Sp. 2139]


Moscherosch ins. cura par. 18 neudr.; wer soll mich künftig in meinem alter warten und pflegen? Gellert 3, 192; mein vater glaubte, meines oncles Toby könnte nirgend so gut gewartet und gepfleget werden als in seinem eigenen hause Bode Tristr. Schandi 1, 182.
β) von kindern (wo warten auch jetzt noch das übliche wort ist):

da ihr noch ward ein junger knab,
hab eur gewart als ein kindtsmaidt.
Ayrer 2339 Keller;

und warumb leben wir alten anders, denn das wir des jungen volcks warten, leren und auffzihen? Luther 15, 32, 31 Weim. ausg.; also werden auch die fündlinheuser gehalten, in welchen die kinderlin auffs beste ernehret, auffgezogen, unterweiset und gelehret werden, schmücken sie alle in eine kleidung und farbe, und ir wirt auffs beste gewartet tischreden 143b; (die kinder) liegen beym heerde, und das gröszere wartet den kleinern Möser patr. phant. 1, 114; dagegen war er noch wol geeignet, den kleinen Heinrich zu warten, welcher den halben tag auf seines groszvaters schosze zubrachte Storm 5, 148. im subst. inf.:

er ist hinweg gerafft, der mutter beste zier,
desz vaters groszer trost, und zwar sehr weit von hier,
so dasz sie ihn mit pflegen
und warten nie gelabt.
Opitz 2, 117.


e) warten 'sich der pflege einer person widmen' wird auch absolut gebraucht: sie ... war wie neugeboren, dasz sie nur durfte warten und pflegen v. Holtei erzähl. schriften 15, 205. ferner kann ein angeschlossener gen. (acc.) auf die krankheit, der man abzuhelfen sucht, hinweisen: doch soll man darneben mit auszsäubern und pflastern des schadens warten Gäbelkover artzneybuch (1585) 1, 358;

und der herrliche (Hephaistos) lag, am fusze verletzt, wie ein erdsohn.
damals schrieest du laut zu den nymphen der schattigen insel,
riefest den Päon herbei und wartetest selber des schadens.
Göthe 50, 278 (Achilleis 201) Weim. ausg.;

der herzog will seinen fus in des prinzen Constantin leeren zimmern warten briefe 3, 97.
bildlich steht es auch in beziehung auf abstracta (wie pflegen):

bey wem bleibt kummer gerne, zeucht auch am liebsten ein?
bey denen, die ihn warten und fleiszig bey ihm seyn.
Logau 1, 10, 93 (s. 223 Eitner);

alle seine lang gehegten und gewarteten vorstellungen, empfindungen und entwürfe liegen nun auf einmal ... verzerrt und zerrissen da Lenz 3, 134 Tieck; man kann es kaum anders nennen, ,.. als dasz sie mit andacht singt, und jeden ton mit demütiger liebe wartet und pflegt Schleiermacher weihnachtsfeier 7 Mulert.
2) warten steht dann auch von der nötigen pflege, die der mensch den hausthieren angedeihen lassen musz. auch in dieser üblich gebliebenen bedeutung ist der frühere gen. oder dat. durch den acc. verdrängt worden: des viehes warten, to tend the cattle Ludwig 2386; das vieh warten, donner la nourriture au bétail Rondeau; hastu viehe, so warte sein, und treget dirs nutz, so behalt sie Sirach 7, 24; das erst bch Mosi gibt geng z verston, was die ersten frummen altvätter für handtierung und kauffmanschatz getriben haben, nemlich des vichs und des felds gewart und den segen gottes darvon geernt S. Franck chronica 115b; er kam zu dessen nachbar, der ihm seine schaafheerde untergab; er wartete dieser fleiszig, trieb sie in einöden und auf steile berge, wo gesunde kräuter wuchsen Musäus volksmährchen 2 (1805), 10 (anders der herde warten 'bewachen' s. o. B 4). am häufigsten von pferden: und byt üch, daʒ mim pfert wol gewarten werd Morgant der riese 149, 15 Bachmann; ich sols pferds warten Luther 34, i, 159, 9 Weim. ausg.; ein ordnung wie man den türckischen rossen warten soll Seuter roszarznei 11; man sol auch der stten wol warten, damit sy dester basz söuge Gesners thierbuch übers. v. Herold u. Forer 42b; mit vermelden, so er etwas meim rosz wartete, wel ich in anderwerts vereeren Fel. Platter 292 Boos; er wandte vor, zuzusehen, ob dem pferd auch wol gewartet sey, gieng also ... nach dem stall Happel akad. roman 4; wie einem bescheller

[Bd. 27, Sp. 2140]


zu warten v. Hohberg Georgica 2, 145; wie denen jungen füllen nach ihrem alter zu warten 2, 151;

die streiter muszt' er in das feld begleiten,
zuerst zu fusz bei sturm und sonnenschein,
die pferde warten, und den tisch bereiten,
und jedem alten krieger dienstbar sein.
Göthe 16, 178 (die geheimnisse 203);

ich, der Cid, ich spreche selten,
kümmre wenig mich um andre,
frage nichts, als ob Babieça
sei gewartet und gezäumt,
aufzusitzen gleich nach tafel,
neu zu eilen ins gefecht.
Herder 28, 506 (Cid 50) Suphan.

gelegentlich auch von andern hausthieren: nothfalls würdest du auch die kühe warten und melken können Fouqué altsächs. bildersaal 4, 91;

thut er dort ihrer (der schafe) warten
und weidets überzwerch?
Spee trutznacht. 42;

wie den schweinen gewartet wird v. Hohberg 2, 309. von vögeln, die im hause gehalten werden, früher auch von jagdvögeln: der soldan ware genomen hette Sicuran schnelle und behende dienst ... dem falcken ze warten Decamerone 149 Keller;

ein tochter des königs Helmes (wist!),
auff diesz schlosz her verbannet ist.
da musz sie eines sperbers warten.
Ayrer 1731 Keller;

darumb soll man alle hüner mit groszen sporen ... auff nachfolgende weis warten Sebiz feldbau (1579) 102; nun ist auch vorigen sonntag der hänfling gestorben, den du mir geschenkt hattest; ich habe sehr geweint, aber ich hab ihn doch immer gut gewartet Storm 1, 16. scherzhaft von flöhen:

die flech die seind ir bestes vich,
den wartet si gar aigenlich,
si gend ir mengen herten stich,
wend si nit schlafen lon.
Uhland volksl. 724.


3) warten von der pflege des gartens, der bäume, pflanzen, blumen ist ebenfalls allgemein üblich und auch der neueren sprache (die in prosa meist den acc. damit verbindet) noch bekannt:

ir wustet den wingarten
Cristi, des ir hie warten
soldet in gantzem vliʒe. poet. bearbeitung des buches Daniel 3074 Hübner;

sampt dem garten,
desz mir sond goumen, truilich warten! schweiz. schausp. 3, 169, 54;

und wie ein baursmann wolbesunnen
das wasser von eim külen brunnen ...
zu layten pflegt durch seinen garten
(wann er demselben recht will warten).
Spreng Ilias 295a;

und so verlebt' er nun in arbeit und genusz
des lebens späten herbst, beschäftigt seinen garten,
den quell von seinem überflusz,
mit einer müh, die ihm zur wollust wird, zu warten.
Wieland 23, 85 (Oberon 8, 25, 4);

niemand wird den anblick naiv finden, wenn in einem garten, der schlecht gewartet wird, das unkraut überhand nimmt Schiller 10, 432; an den früchten mercket man, wie des baums gewartet ist Sirach 27, 7; krankheiten, welche die schönsten bäume austrocknen und verderben, wenn man dieselben nicht unaufhörlich wartet und pfleget Zimmermann über die einsamkeit 2, 322;

es steht ein junger feigenstock
in einem schönen garten;
daneben sitzt ein ziegenbock,
als wollt' er seiner warten.
Göthe 2, 194 Weim. ausg.;

emsig warten jeder rebe,
pflegen wollt' ich jeden baum,
dasz er süsze früchte gäbe,
nur für deinen zarten gaum.
Bürger 6a;

die winzer, welche deiner reben warten,
versichern, dasz bis jetzt nichts that der frost.
Rückert ges. ged. 3, 393;

viertens wirds schwer fallen, eines andern pflantzen gleich den seinigen zu warten Simpl. schriften 3, 143 (vogelnest 2, 19) Kurz;

ich sah im traum versetzt mich in den garten,
sah meiner jungen pflanzen dort mich warten.
Kerner bilderbuch 362;

[Bd. 27, Sp. 2141]



und während Hüon ruht und seinen durst hier stillet,
eilt er und pflückt in seinem kleinen garten,
in einen reinlichen korb die schönsten früchte ab,
die, für den fleisz sie selbst zu bauen und zu warten,
nicht kärglich ihm ein milder himmel gab.
Wieland 23, 75 (Oberon 8, 8, 7);

doch so ist es; und so ist die ganze welt dem, welcher der früchte nicht warten und pflegen will, die sie hervorbringt Bode Yoricks empfindsame reise 1, 71;

mit dem ave
kannst du (Maria) der rosen warten.
Hätzlerin 1, 131, 142 (s. 109);

das mag wohl ich, die nelke, sein,
hier in des wächters garten,
wie würde sonst der alte mein
mit so viel sorgen warten?
Göthe 1, 173 Weim. ausg.;

willst du nicht der blümlein warten,
die im beete freundlich stehn?
Schiller 11, 402;

ihre geschwister zu lieben, ihrer blumen zu warten, ... ist alles, was sie seliges kannte Fr. Müller 1, 63;

indem wir die süszeste arbeit,
jedes tages vollbringen, die wachsenden pflanzen zu schneiden,
oder auch diese blumen zu warten.
Zachariä poet. schriften 7, 50;

es zieret, gewartet von sorgsamer hand,
des geisblatts gewinde die reinliche hand.
S. Mereau ged. (1800 f.) 1, 82;

wer wird, da ich mich schicken musz zur reise,
die tulpenzwiebel, die ich pflanzte, warten?
Platen 75 (gas. 48).

absolut: wir wollen den jäger fragen, die kennen den ganzen wald und alle früchte, wissen zu säen, zu pflanzen und zu warten Göthe 24, 4 Weim. ausg.
4) im älteren nhd. wird auch sonst häufig warten von gegenständlichem gesagt, um auszudrücken, dasz man ihm pflege zuwendet, es versorgt oder auch nur sich dauernd damit beschäftigt; das concretum umschreibt dabei vielfach nur die art der thätigkeit: eines dings warten, fleysz ankeren, acht haben, vacare Maaler 485a; wenn könig Heyntz auch seynes königreychs hett gewartet odder bass ynn der schrifft studieret, wurde er nicht szo tolpisch alfentzen mit gottis worten Luther 10, II, 248, 22 Weim. ausg.; der bapst und die bischoffe warten yhres hofes und suchen nichts denn yhre ehr und nutz 8, 546, 10; in disem thurn halten die hausz, die der kirchen, glocken und horen warten Dürer etl. underricht von befestigung der stet D 3b; umb holtz den nonnen di der kirchen warten asp. 7 quellen z. gesch. d. stadt Kronstadt 2, 165, 28 (1529);

er (der papst) hat mir dri gt pfrüenden geben, ...
die verdienen ich mit hallaparten,
der kilchen darf ich nit vast warten.
N. Manuel 61 (v. papst u. s. priesterschaft 788);

demselben altar zu warten und wonunge doselbs zu tune, und welich zit ich nit lenger des vorg. altars warten oder haben wulte, so sal ich yn mit nyeman verwechseln hessische urkunden 4, 51 (1418) Baur; sonsten pflegt er (Ludwig der fromme) zu sagen: es sey ein recht höllisches scheusall, wann einer, der desz altars warten ... soll, dem weltlichen pracht ... und herrlichkeit nachhänge Zinkgref apophth. 18; auch neben seinem schulampt kein practic, weder mit advocieren noch artzney zutreiben, sonder allein der schul zuwarten kirchenordnung f. Braunschweig 1569 s. 348; aber verständige ehrengeflissene weiber müsen ... sich dahaim einhalten und des hauses warten Fischart philos. ehzuchtbüchlin 135 Hauffen; Sanga was ein koch, der stetiglich des huses und küchen wartet Terenz deutsch (1499) 73b (glosse); spreche ... zur frawen aber, sie solle der küchen warten Luther 24, 14, 4 Weim. ausg.;

ich meint, ich solt der kuchi warten. schweiz. schausp. 1, 221, 974;

item dero die ... des tisches wartotend ... dero waren 24 v. Richental chronik des Constanzer conzils 181;

geh hin und ward deiner werckstat!
H. Sachs 5, 56, 13 Keller;

er sol in dem kouffhuse sin und des kouffhuses warten Eheberg verfassungsgeschichte der st. Straszburg 16 (1405); item 10 scot dem manne, der obir wynter der carpentiche hat gewartet Joachim das Marienburger tresslerbuch

[Bd. 27, Sp. 2142]


109, 9; der stat paumeister soll auch bestellen ein schütmeister, der der schut allenthalben wart vor den thoren und ine der stat Tucher baumeisterbuch 57; die jungfer aber, so dem feuer gewartet, leschte das auch vollend aus Simpl. 1, 375, 4 Kurz; so nun die blinde heyden ihrem götzenfeuer so wol gewartet, die päpstler ihre wachskertzen spendiren Dannhawer catechismus-milch 1, 421. des bettes warten 'das bett hüten': wenn sie die gnade gehabt, dasz sie etliche jahre des siechbettes gewartet hätten H. Müller erquickst. 357. der bücher warten: wie auch die ägyptischen kaiser ain grosze mächtige liberei ... täglich pessert und gemêrt und einen gelerten, der ir alweg wartet, gestift haben Aventin 4, 476, 13 Lexer; das man wol sihet, wie gott das levitische priesterthum unter andern geschefften auch dazu verordenet hat, das sie der bücher hüten und warten sollten Luther 15, 47, 8 Weim. ausg.; der gemein man kan der bucher nicht warten 33, 350, 22. von der heil. schrift:

(die geistlichen) warn nit so auff den geitz gericht, ...
warten der schrifft in rechter einfalt,
hetten ein gringen auffenthalt.
Waldis Esopus 4, 83, 11 Kurz;

sie nicht können vill studirn,
der bibel können sie nicht wartn.
Dedekind papista conversus E 2b.

in der neueren sprache kommt der gebrauch bei dichtern noch vor:

Amandens sorge ist des kleinen herds zu warten.
Wieland 23, 96 (Oberon 8, 43, 8);

da sasz ein mann, und wartete der fähre.
Schiller 14, 325 (Tell 2, 2);

in die prosasprache (mit acc. statt gen.) hat er wenig eingang gefunden: die kunstarbeiter warten die maschinen Lueger 4, 781.
5) eine reihe von wendungen mit dem gen., von denen nur seines amtes warten jetzt noch üblich ist (Adelung führt auch noch seines berufes, seiner nahrung, arbeit warten als veraltend an) beziehen sich allgemein auf die richtige erfüllung der obliegenheiten, die jeder nach seiner stellung hat.
a) des seinen, auch das seine, warten: wer gering ist, und wartet des seinen, der ist besser, denn der gros sein wil, dem des brots mangelt sprüche Sal. 12, 9;

darneben auch des deinen wart,
sey keinmal müszig, arbeit hart.
Ringwaldt lauter warheit 160;

zuhören wie nach rechter art
ein jder hab das sein gewart. 220;

der, der still lebt, ohne anspruch recht thut, keine ehre suchet, des seinen wartet, vor fremden dingen fliehet Pestalozzi 12, 50; er wartet des seinigen Steinbach 2, 937. abweisend warte des deinen 'kümmere dich um deine angelegenheiten', lasz mich des meinen warten:

zieh deins wegs hin und wart das dein!
Ayrer 1400 Keller;

bist du frumm, so thu desz dein wartn! 2953;

du hast mein meinung angehort,
drumb gehe nur wider deiner strasz,
und mich des meinen warten las.
Hayneccius Hans Pfriem 50, 1425 neudr.

vermischt mit vor seiner thür kehren (th. 11, 461): aber was frage ich die lenge darnach, es gehet mich nicht an, ein jeder mag vor seiner thür warten Heinr. Jul. v. Braunschweig 428 Holland (ehebrecherin 5, 1). sprichwörtlich: ein ieder warte des seinen und lauff nicht ferne sprichwörter (1548) 34b; ein jeder wart das sein und lauff nit weit Eyering 2, 123.
b) seines dinges, seiner sachen warten: circumforaneus, der umbher trabt und wart nit seins dings Alberus dict. b 2a; warte deiner sachen, tecum habita Dentzler 2, 342; wartet eurer sache, faites vos affaires, soignez à vos affaires Rädlein 1060; wartet ihr eurer eigenen dinge! Ludwig 2386; wart deins dings und gedenck, was dir zustehe Luther 27, 381, 14 Weim. ausg.; ja solche wolten, das gott seines dinges droben im hymel wartete, und liesze sie hernyden yhrer gülden und mammons warten 16, 453, 13; sy warteten ires dings, lerneten die lüt das rych gottes Kück Judas Nazarei 14.
c) seines ampts warten, seinen dienst versehen und acht darauff haben Frisius 356b; seinem ampt warten

[Bd. 27, Sp. 2143]


und das selbig auszrichten Maaler 485a; wart deines amptes S. Franck sprichw. 2, 8b; ein fürst solt seiner fürstlichen ampt warten Luther 6, 12b Jen. ausg.; dasz er warte seines ampts, das im gott befohlen hat tischreden 38b; weil aber im frieden der patriotismus eigentlich nur darin besteht, dasz jeder vor seiner thüre kehre, seines amts warte, auch seine lection lerne, damit es wohl im hause stehe Göthe 28, 141 Weim. ausg.; so hoffe ich zu gott, noch meines amtes ein paar jahre in segen warten zu können Storm 7, 177; wir brauchen die kriegsrüstung und den kriegsherrn. des amtes haben die könige Preuszens gewartet, und ... so werden die folgenden geschlechter ... desselben amtes wärter sein Mommsen reden u. aufsätze 107. neuere nachbildung: unsere pflicht ist es, darüber zu wachen, dasz nicht die gesetzgebung selbst in die schwankungen des tags hineingezogen ... werde. dieser pflicht wollen wir warten Lasker bei Flathe deutsche reden 2, 442.
d)

und seins beruffs ein jeder wart.
Alberus fab. 30, 125 Braune;

er wartet seines beruffes fleiszig, er nimmt denselben fleiszig wahr Ludwig 2386; warte deines berufs und lasz im übrigen gott walten Spanutius (1720) 570; denn ob wohl ein mensch seines beruffs ... gescheffts und hanthierung ... warten mus Pape bettel- und garte-teuffel (1586) 43; schildwache. ich warte meines dienstes Creizenach schauspiele der engl. comödianten 152, 2;

er giebt sein wort, und kehret in den garten
zurück, um seines diensts und des erfolgs zu warten.
Wieland 23, 244 (Oberon 11, 69, 8).

seines thuns, geschäfts, seiner arbeit warten: es ist besser, das einer seins thuns warte, dabey er gedeiet, denn sich viel vermessen, und dabey ein betler bleibe Sirach 10, 30; also kan eyn meydlin ja so viel zeyt haben, das des tages eyne stunde zur schule gehe und dennoch seyns gescheffts ym hause wol warte Luther 15, 47, 8 Weim. ausg.;

der neunt drei tag ee spilt in der karten,
ee er einmal seiner arbeit würd warten. fastnachtsp. 700, 16;

und ir söllend zsehen, das sy aller irer arbeyt wartind (Luther: irer last warten) Züricher bibel, 4 Mos. 4, 27; knecht und megde, so die gantze wochen yhrer arbeit und gewerbe gewartet Luther 30, I, 144, 12 Weim. ausg.; er wartet eifrig seiner nahrung, he plies his trade Ludwig 2386; dasz die gancze knappschaft sal fridelich diser sachin halbin czihen uffin Reichenstein und einer icztlich seiner narunge wartin, wie fridelich vorgescheen cod. dipl. Silesiae 20, 143 (1503). anders: ein jeglichs (glied) so der mensch hat, musz essen, und seiner täglichen nahrung warten und nemmen Paracelsus op. (1616) 1, 59 A.
6) auch sonst kann durch warten mit angeschlossenem gen. eines abstractums die thätigkeit bezeichnet werden, der man entweder andauernd oder in einem bestimmten fall obliegt. dieser gebrauch geht nur wenig über das 16. jahrh. hinaus.
a) si (die büttel) suln auch des gerihtes warten ze rehter zeit, und suln kain geriht mit geverden verziehen auf den ait Nürnberger polizeiordn. 12 Baader; dasz perkmeister wochenlich an der mittwoch ... den verleihtag halten und desselben warten soll cod. dipl. Silesiae 21, 47 (1537); die Römer ... gaben aim ietlichen land seinen haubtman, fiscal, landrichter und dergleichen ambtleut, die des kaiserlichen aufhebens warten muesten, den inwonern recht sprechen, land und leut beschüzen Aventin 4, 631 Lexer; es hab ihm ampts halben anders nicht gebüren wöllen, als dasz er desz gemeinen nutzes warten sollen Ayrer processus juris 2, 10; gmeynen nutzs wirt übel gewart, sollen sie (die händel) noch dreiszig oder viertzig jar also aufsteigen S. Franck sprichw. 2, 174b;

hilf herre sente Kilian ...
dasz die pfaffen wider warten
diner dienste mit gesange,
wann sie geswigen haben lange.
Liliencron hist. volksl. 1, 184, 1466 (1400);

darumb ich üch zn narren fier,
das ir gott flecht ein stroen bart
und nit des gottesdienstes wart.
Murner narrenbeschw. 11, 29;

[Bd. 27, Sp. 2144]


ir gotshaus ist mit groszem hailtumb und gnaden begabt; die brueder warten allein götlichs dinsts Meisterlin, städtechron. 3, 73, 26; damit die bischoff mit yrm eignen volck in friden bitten mögen, und dem gotsdienst obligen und warten Hedio chron. germ. (1530) 154a; so wartet nu des diensts des heiligthums, und des diensts des altars, das fort nicht mehr ein wüten kome über die kinder Israel 4 Mos. 18, 5; Aaron aber und seine söne soltu setzen, das sie yres priesterthums warten 4 Mos. 3, 10; denn wer hat yhn befolhen das schwerd zu furen, kriegen, zu mord und krieg hetzen und reitzen, welche doch des predigens und betens warten solten? Luther 30, II, 125, 21 Weim. ausg.; darumb warteten die frommen patriarchen ires predigens fürnemlich Mathesius Sarepta (1571) 8b;

kein testament
kombt in mein hend,
erhasch vil ehe die karten,
lasz andere bettens warten.
Forster frische teutsche liedlein 183 (4, 28, 3) neudr.;

dieweil aber ich allzeit hab fried angeboten und begehret, auf dasz ich stillem und bessern studirn warten mocht Luther briefe 1, 513; ich entziehe mich aller sorge für das regiment und warte des studierens Bas. Faber thesaurus (1587) 262b; er sey ... besoldet auf die gräkischen lection, die muszte er warten, und muge sie nicht lassen Luther briefe 2, 491.
b) do selbst pleiben sie dann ir leben lang on underlasz des ackerpaws wartende J. Herold Diodor (Basel 1554) 51; die holländischen kirchdiener ... warten ihren handelschafften Harsdörffer der t. secretarius 2, 488; der Fucher hatt auszen vor der stadt auff seinem vogelherd des weydwergks gewartet Agricola sprichwörter (1534) d 8b;

ich wil fort meines jagens warten,
schlep dich allein mit deinen karten.
Gilhusius grammatica 62 (3, 1);

denn diese (frauen) hatten in solchen ergetzungen (im versemachen) ihren zeitvertreib, wenn die männer des krieges warteten Morhof unterricht von d. d. sp. 1, 160;

wie der vergessne Hans von Hunt,
der seiner diebschen hendel wart,
die bawren lauset auff der gart.
Ringwaldt lauter warheit 10;


c)

welcher gouch so ist vernart,
das er allein der spisen wart,
die im sol gen ein frouwlin zart.
Murner geuchmatt 1354 Uhl;

aber das volck ynn gemeyne warteten die gantze nacht yhres sauffens Luther 18, 239, 8 Weim. ausg.; du wilt davon reden, wenn du ... im bierhause sitzest, wenn du da deines weins und biers wartest 16, 147, 24; so da sagen, das die dorff - pfarherrn nichts studiren, sondern nur des kruges und des ackerbawes warten Ringwaldt evangelia A 5b; die Catten ... warteten des truncks mehr, denn es sich in solchen hendeln wol leiden wolte C. Spangenberg Mansfeldische chronica 1, 38a; der hertzog von der Liggenitz ... hatt seines sauffens gewardet, ist stets voll gewesen Sastrow 2, 38; so bawen sie (die Römischen) heuser ..., prassen, und warten irer wollust on alle sorg Hutten op. 1, 393 Böcking; das man an feyrtagen leichtfertiger handlung gewarteth, und unnutz geschwetz, umblauffen, tziehen und reysen getriben hat Luther 2, 62, 1 Weim. ausg.;

drumb sag mir her du grechter richter ...
bey welchem baum du habst im garten
die zwey der unzucht sehen warten,
wie du vorhin auff sie hast gewaschen.
Rebhun Susanna 5, 322 Palm;

weil die andern karten,
lust und schlaffes warten,
so säum' ich nicht.
Fleming 300 (oden 1, 9);

des spiels warten, bildlich: ich lasz es allis geschehen, musz des spiels in gottis namen warten, wer weysz was gotlicher rad beschlossen hat Luther 6, 592, 10 Weim. ausg.
in der neueren sprache kommen derartige wendungen nur noch vereinzelt vor:

so beginnt nun fröhlich den zug in das feld! ...
du, starrend im frost, muszt warten der hut (προφυλάττειν).
Voss Aristophanes 1, 83 (Acharner 1157);

[Bd. 27, Sp. 2145]



drum lasset uns des zwiesprachs warten,
so wird zum paradies der garten.
O. Ludwig 3, 619 (Hanns Frey 3, 8);

ist dem könig Franziskus von Frankreich zu ohren gekommen, wie wir (landsknechte) allda unsres eides so treulich gewartet und ihm fast wohlgefallen G. Hauptmann Florian Geyer 4 (hier mit anlehnung an warten 'bewahren').
E. die bedeutung von 'dienen, gehorsam sein', die im mhd. und im älteren nhd. üblich ist, hat wol vom kampfleben ihren ausgang genommen und steht ursprünglich vom gefolgsmann, der im gefecht auf seinen herrn sieht und ihm überallhin folgt. dann ist auch an diener zu denken, die des winks des herrn gewärtig sind. daraus haben sich dann gebrauchsweisen entwickelt, in denen die sinnliche bedeutung des wortes verblaszt ist. an das verbum schlieszt sich im mhd. ein dativ, selten ein genetiv, an; im 13. jahrh. kommt auf einen warten auf, das sich bis ins 17. erhält (jetzt einem aufwarten).
1)
a) die vorstellung, von der auszugehen ist, tritt noch an folgender stelle hervor:

si volgeten vaste dem vanen,
den dâ trûc vagere
Crist ir venere ...
sî warten irme hêrren
mit micheln êren,
sî ne worden sîn niwit irre.
Hartmann v. glouven 3044 v. d. Leyen.

ähnlich einer fahne warten (vgl. DWB warte hân des vanen Willeh. 405, 14):

dô warte froun Êlamîen schar,
der edeln küneginne,
mit mänlîchem sinne
einer banier, diu was blâ.
Wirnt v. Gravenberg Wigalois 278, 5;

künige und vürsten die sîm vann des tages solden warten. Lohengrin 4277 Rückert.

meist allgemein als 'dienen, gehorsam, unterthänig sein' (häufig in der umschreibung wartend sein), so bis ins 16. jahrh.:

si machten eine stæten suon
mit dem grâven Meinharten
unde swuoren ze warten
mit triwen stæticlich
kunic Ruodolfen und dem rîch.
Ottokar österr. reimchronik 14092 Seemüller;

nu was pei Jesu Christi ceiten
ein chunich ze Galilea,
dem die fürsten warten alle da.
Gundacker v. Judenburg Christi hort 1336 Jaksche;

item och warend ze Costentz procuratores, die dem baupst ... und den auditores, die z sant Steffan z gericht saszent, wartotend v. Richental chronik des Constanzer conzils 181; so het man in der stat ein grosz mercklich folk und ander trabanten, die man bestelt het umb solt, mit puchsen und armprusten, die der stat wartent waren städtechron. 2, 349, 1 (Nürnberg 1449); soll man von inen (den handwerken) setzen erber lüt in den rat und sollend einem burgermeister wartend sin und der statt panner Tschudi chron. helv. 1, 342;

und haben daruff houptlüt gmacht,
dem buntschch zewarten tag und nacht. narrenschiff vom bundschuh 277 (Gödeke, Gengenbach 399).

auch von gott: dem werden gote, dem du billich warten solt H. Seuse 364, 27 Bihlmeyer. man sagte auch einem gebot warten:

daʒ begunde er alleʒ kêren
stæteclichen hin ze gote,
unde warte sîme gebote
baʒ danne er ê tæte.
Hartm. v. Aue armer Heinrich 1444.

warten wird so gern (namentlich in den üblichen verpflichtungsformeln) mit bedeutungsverwandten verben verbunden: (sie) sulen in dienen und wartende sin und gehorsam als unsren rehten herren und phlegeren Ulmisches urkundenbuch 1, 326 (1313) Pressel; so han ich bi dem selben eide gesworn Rdolf Brunen dem egenanden burgermeister ze wartenne und mit gten trúwen gehorsam ze sine untz an sinen tot Zürcher stadtbücher 1, 115 Zeller - Werdmüller; sonder sy muosten schweren, im zu dienen und warten Knebel chronik v. Kaisheim

[Bd. 27, Sp. 2146]


270; wele aber dem schöpfer alleine wartent und sich in sime dienste bent Schürebrand 33, 28 Strauch.
b) warten wird dann auch von den dingen gebraucht, auf die sich ein dienst- oder unterthänigkeitsverhältnis erstreckt:

diu erde ist im ouch undertân ...
wan waʒʒer, berc, velt, walt und tal
wartt im alleʒ überal.
Enikel weltchronik 7330 Strauch;

zuo dem keiser kom er sider.
der sande dô her wider
von Tyrol grâf Meinharten,
daʒ im diu lant solden warten.
daʒ tetens nâch des keisers willen.
Ottokar österr. reimchronik 1036 Seemüller;

wem wartet disiu veste?
wer ist hie houptman? Rabenschlacht 221, 1 Martin;

nu wartet im das reiche
und die leut gemaincleiche:
das reich ist sein und auch das land,
es wartet alles seiner handt.
H. v. Neustadt Apollonius 2285 Singer;

sin (des vogtes) girekeit in vertruc,
in die er zu verre quam,
daʒ er sich drier huse annam,
die Laurencii waren
und dienstes in den jaren
der kirchen pflagen warten. Passional 286, 87 Köpke;

so hatt sich erfunden, das der prunnen aus dem Kirpach winter und sumer ... für die kirch zue Naturns rinnen solt, und ausz denselben prunnen hatt niemant kain recht, den das er der kirchen warten soll österr. weisth. 5, 21, 33.
c) einem mit etwas warten 'gehorsam, dienstbar sein':

der (kaiser) hete si manigen tac
bî des rîches hulden gemant,
daʒ si mit Ôsterrîch dem lant
solden warten dem rîch.
Ottokar österr. reimchronik 67423 Seemüller;

seu ... solten weder mit losung noch mit stewer noch mit dhainerlei anlegunge fürbaʒ nieman mer gebunden sein ze warten noch ze dienen urkunden des stifts Heiligenkreuz 2, 188 (1343); also daʒ ain ieglich statt slichen gezwge, damit si den stetten warten sol, ... ganz fertig und gerecht haben sol deutsche reichstagsakten 11, 257 (Nördlingen 1431). selten schlieszt sich (ohne persönl. dat.) ein acc. an 'mit etwas zu dienst stehen':

so müssend auch uff sein gbot warten
opsz und dergleichen alle garten.
Wickram 8, 220, 798 Bolte;

oder ein abhängiger satz: wie die brûdere warten sulen, waʒ sie der obere heiʒe statuten des deutschen ordens 116, 18 (gewohnheiten 60) Perlbach; daʒ sie in irme rade nit wolden sin und auch nit burgermeister gerten oder wolden sin, wan sie arme lude weren und musten warten, daʒ sie zu warten heden städtechron. 17, 22, 20 (Mainz 15. jahrh.) (oder 'sich um die eignen sachen kümmern?').
d) an den folgenden stellen ist die bedeutung mehr die von 'jemand dienste leisten', die sich warten D 'versorgen' nähert und sich länger erhält (dafür jetzt aufwarten):

sâ ze stund er sich verlie
für diu kint ûf diu knie.
den begunde er warten,
mit rede vaste zarten.
Fleck Flore und Blanscheflur 2235;

zwêne brûdere sal er (der meister) hân, die ime warten statuten des deutschen ordens 103, 25 (gewohnheiten 19) Perlbach; dem schriber 2 guldin de gratia, der in der reisen was und unsere stetde houbetlúten und botten wartete urkundenbuch der stadt Straszburg 6, 663 (1396); ouch mogent si (die weibel) das zit an straff z morgent essen und dem rat nit gebunden sin z wartend, die wile das gericht sitzet stadtrecht von Bern 1, 28, 19 Welti; die selbige nacht, da sie gen Montabon kamen, ward den keyserischen durch fraw Clara herrlich gedient und gewartet Aymon (1535) v 1a; von ungeschicht Friderich, des ritters getrewer gsell, der hertzogin tafeln warten mszt, des die hertzogin aber wol z mt was Wickram 1, 72, 25 Bolte;

[Bd. 27, Sp. 2147]


darumb so halt dich selbs in hut,
lasz warten dir dein diener gut,
damit du werdest bald gesundt.
Spreng Aeneis 208b.

die construction kommt noch im 18. jahrh. bei einem Schweizer vor: alle geschlechter der lüfte, der wolken, der winde, und die heerschaaren der engel, verbanden sich in die wette, diesem kinde (Mahomed) zu warten Zimmermann von dem nationalstolze 39. ein nachklang auch bei Uhland:

nun steht ein junker, blondgelockt und schlank,
dem dienste wartend, bei des königs stuhle. ged. 2461.


e) auch ein absolut gebrauchtes warten 'dienen, aufwarten' ist wol auf einem warten zurückzuführen: apparitores, ein rhatsknecht oder stattknecht, ein diener der da warten und auffsehen soll, wo man ihm etwas befehle Calepinus XI ling. 105a; vor der tafel wartete ein soldat Happel akad. roman 493;

sollte dem freund des herrn des himmels die gabe versagt seyn,
wunder zu würken, dem mann, vor welchem die cherubim warten.
Bodmer Noah (1752) 155 (5, 534).


f) von besonderen bedeutungen reihen sich folgende an.
α) 'serviren' im ballspiel:

'du solt warten meiner hant,
junger man, so wart ich dir.'
'das tuen ich' sprach der petschelir.
do ward ain frolicher schall
und ward getragen her ain pal,
wol genedt mit seyden.
'wir sullen nicht vermeyden,
wir spilen dises palen nu.
junger man, nu greyff zu'.
H. v. Neustadt Apollonius 1506 Singer.


β) nachkommen beim geselligen trinken vgl. DWB gewarten th. 4, I, 537; hier ist, da der ursprüngliche sinn der wendung undeutlich wurde, der persönliche dativ weggefallen, dagegen wird ein sächlicher acc. angefügt:

wer städts sich fullet wie eyn k
und will eym yeden drincken z
und warten als das man im bringt.
Brant narrensch. 16, 55;

ie eyner drinckt dem andren z,
ich bring dir eins, ich kützel dich,
das gbürt dir, der spricht, so wart ich,
und wer mich, bisz wir beid sint vol. 16, 70;

der sperling sprach, sih liebe mausz,
da bring ich dir ein gantzen ausz.
die mausz sprach, o ich wart sein gern.
Alberus fabeln 34, 23 Braune;

so bring ich dir von stunden an
die kandte ausz, es gilt dir eins.
da sprach die mausz, ich warte keins. 34, 34.

in demselben sinn auch auswarten:

aber der tod der gar nicht trinckt
zucket den trincker hin,
wiewol er rufft: dem tod eins bringt,
heiszt ein weil sitzen in.
aber er wolt nicht sitzen nider,
wolt auch keins warten ausz.
Fischart Garg. 10 Alsleben;

vgl. th. 1, 1010 die stelle aus dem Amraser liederbuch.
2) warten 'dienen' mit dem genetiv kommt nur selten vor:

und (ir) habt driu schœniu ros hie
unt zwelf frume knappen, die
wartent iwer, daʒ ist ir reht:
sô hân ab ich deheinen kneht.
Wirnt v. Gravenberg Wigalois 91, 19;

des vanen sal man warten mit allem vlîʒe statuten des deutschen ordens 154, 12 Perlbach; die turnhter ... söllent ouch eins ammeisters warten ernstlich und teglichs, so verre sü mögent Straszburger zunftordnungen 242 Brucker; do wir wol 4 tag davor gelagent, do gabent si ouch die statt uf dem hailgen rich und alle die rechtung, die der herzog da hette gehebt, die solte der aidgnossen warten und sin chronik der stadt Zürich 179, 5 Dierauer. im gen. kann auch das stehn, worauf sich die dienstleistung erstreckt: und zu ieden wagen ein wagenman und zwen knecht, die des alles wartent sein auf und ab zu laden städtechron. 2, 317, 10 (Nürnberg 1449).
3) an einen warten 'gehorsam sein' läszt sich nur aus dem Deutschordensland belegen: der grôʒe commendûr sal ouch an den marschalc warten zu den cîten, sô man

[Bd. 27, Sp. 2148]


wenet, daʒ man sule an die vîende sprengen statuten des deutschen ordens 104, 24 (gewohnheiten 22) Perlbach, ähnlich 116, 12.
4) dagegen ist auf einen warten im späteren mhd. und besonders im älteren nhd. gewöhnlich.
a) auf eine fahne warten wie einer fahne warten (oben 1 a): er (der gerichtschreiber) wirdt under ein hauptmann beschrieben, auff desz fendlin er auch auff züg und wachten warten sol Fronsperger kriegsbuch 1 (1578) a 5a. sonst erscheint manchmal die bedeutung 'untergeben, gehorsam sein':

er hêt ouch an sîner zal
hundert ritter über al,
die warten ûf den ritter guot.
Enikel fürstenbuch 3117 Strauch;

20 pferde, 200 zu fusz sullen Lengenstat puchen (plündern) und der Cleindinst furer sein und auff Wilhelm von Velberg wartend städtechron. 2, 520, 21 (Nürnberg 1449); min herren haben denen im stettli Regensperg angesechen ir trüw und gehorsame ..., und das sy der vergangnen uffrr uff min herren gewartet haben documente z. gesch. des bürgermeisters Hans Waldmann 2, 197 (1491); disem haltet der bischoff etliche pferd (reiter), die auff ihn warten und ihm zu seinem ampt dienen müssen Stumpf Schwytzerchronik 656a; hastu nicht ein tausend reuter und fuszvolck hinter dich, die da auff euch warten Creizenach schausp. d. engl. comöd. 26, 38 (Tit. Andron. 3).
b) gewöhnlich ist die bedeutung die von 'persönliche dienste leisten', namentlich 'einem herrn die nötige handreichung thun' (sich dann mit D 'versorgen' berührend vgl. Ludwig): auff einen herren warten und acht auff in haben, als nammlich die stattknächt und dergleychen, apparere Maaler 485a; circumpedes, diener so auff ihre herren warten wo sie hingehn Calepinus XI ling. 243b; auf einen warten, aufwarten müssen Krämer 1210; ein diener musz auf seinen herrn, oder seiner herrn, warten Ludwig 2386; Endres den hab ich gedingt ... meiner pferd und so er hie ist, teglich auf mich (zu) warten Tucher haushaltbuch 163; ir (der sechs diener) yeglichem alle tag 30 dn. ..., der 2 auff Ulrich Haller und H. Teczel, 2 auff den eltern und 2 auff den jungern burgermeister gewart haben städtechron. 3, 393, 18 (Nürnberg 1442); die fürsten der ordenungen, die auf den könig warten 1 chron. 29, 1; viel warten auff die person des fürsten, und sind alle freunde des, der geschencke gibt sprüche Salom. 19, 6; es war aber alle tage ein mann zu im kommen, der im hat essen gebracht ... und hatte d. Luther gesaget, dasz dieser mann, so auff das kind gewartet hette, were ein engel gewesen Luther tischr. 197a; da ward ich ... verordnet, auf marggrafen Georgen seinen sohn zu warten G. v. Berlichingen lebensbeschr. 12 Bieling; z Tholl was ein reicher thumherr, der het ein schöne magdt, die allein auff in wartet Frey gartenges. 34 Bolte; der ich domals sein famulus war und fleyszig auff in wartet Lindener schwankb. 98 Lichtenstein; gott der son sampt allen seinen engelein, die auff in warten Mathesius hochzeitpr. 220, 2 Lösche; daselbsten war im (dem fürsten) ein groszer herr zugeordnet, der auff ihn warten, und ihm stäts gesellschafft leisten solte generalchronicen (Frankf. 1576) 75a;

so müst ein Troianer frisch
uff zehen Griechen vor dem tisch
gar fleiszig warten.
Spreng Ilias 2, 15b.


c) dieselbe bedeutung hat auf den leib warten: stipatores, die auff eines fürsten leib warten, drabanten Faber thesaurus (1581) 798b;

solt ich auch trewlich warten
auff iren graden leib,
wer meins hertzen frewdt.
Forster frische teutsche liedlein 126 (XIX, 4) neudr.;

bestelle dir fünfftzig trabanten ...
die da warten auff deinen leib!
H. Sachs 6, 91, 16 Keller;

mich aber lisz der könig studirn ...
darnach musz ich auff sein leib wartn.
Ayrer 226 Keller;

desgleichen die bäuerin dein
will ich haben zu einem weib,
und du muszt warten auf mein leib.
Opel u.
Cohn 30jähr. krieg 432, 90;

[Bd. 27, Sp. 2149]


und bestelt auch Octavius ein grosze anzal der Teutschen ein ganz besunders her, ... es muesten allain die Teutschen auf sein leib warten und stäts umb in sein Aventin 4, 568, 10 Lexer; churfürst Johans zu Sachsen hat stets sechs edelknaben bey sich in der kammer gehabt, welche auff seinen leib gewartet Luther tischr. 345a; hie ist meine tochter, dieselbe sol auff sein leib warten engl. comedien u. tragedien (1624) H 3a; unsere kamerdiener sollen auf uns und unsern leib warten Bayreuth. hofordnung v. 1698 bei Schmeller 2, 1005.
d) auch auf den dienst warten gehört zunächst hierher (über die übertragene bedeutung s. o. B 3): von dem fünffzigsten jar an sollen sie ledig sein vom ampt des diensts, und sollen nicht mehr dienen, sondern auff den dienst irer brüder warten in der hütten des stiffts, des ampts aber sollen sie nicht pflegen 4. Mos. 8, 26; ire diener warteten fleiszig auff den dienst Schaidenraiszer Odyssea (1537) 2a; die edelleüt luffen hin und her, warteten dem künig auffn dienst J. Nas das antipap. eins und hundert 2, R 7b; ein sonder gemach zu zwo ... personen, die auff den dienst warten Sebiz feldbau (1579) 29; entzwischen presentiert sich eine dame, so meiner schwester ehemalen auf den dienst gewartet theatrum amoris (1626 f.) 2, 295; die heilige engel sind ... zu dem ende erschaffen, dasz sie in ewiger freude gott loben, rühmen, ehren und preisen, in dieser zeitlichkeit aber der kirche gottes hier auff erden auff den dienst warten Simpl. 2, 60, 5 Kurz; auff den gottesdienst warten, rebus divinis deservire Maaler 484b. einige wendungen, die die art der dienstleistung näher bezeichnen, schlieszen sich an: cubicularius, ein kämmerling, ein diener so auff die schlafkammer wartet Calepinus XI ling. 354b; er (der ofen) helt ... dermaszen ein steht fewer, dasz man nicht sonderlich darauff warten darff Ercker beschr. aller mineral. ertzt 81b.
e) übertragen von dingen: barca ... ein klein beyschifflein, so neben dem groszen lastschiff hergeht und darauff wartet Corvinus fons latinitatis 359.
F. die jetzt gewöhnlichste bedeutung von warten ist von der vorstellung 'einem kommenden entgegensehen' ausgegangen. vgl. bei Notker: diê sînero chúmfte bîtent unde dára ingágene wartênt, diê lóbônt in ex Syon, daʒ chit fone wárto psalm 134, 21 (zusatz). auch im mhd. kann warten mit dem dat. noch öfters so aufgefaszt werden:

heime wâren loute,
die wartôten der broute,
si enphiengen si mit râte,
mit alleme guote. die hochzeit 310;

eʒ was nû harte spâte.si kâmen hin gegân
ze Ludewîges bürge.dâ vundens vor stân
Gêrlint die übelen:diu warte ir ingesinde. Kudrun 1274, 3 Martin.

besonders an folgender stelle, wo das warten dem bîten 'auf der stelle bleiben' gegenübersteht:

einen gêr vil starkennam er (Iring) durch den haʒ;
dâ mite er aber woldeHagnen dort bestân.
dô warte im vîentlîcheHagne der vil küene man.
sîn mohte niht erbîtenHagne der degen,
er lief im hin enkegnemit schüʒʒen unde slegen. Nibel. 1997, 4.

von da aus ist eine doppelte entwicklung ausgegangen.
1) da man annimmt, dasz das herankommende, auf das sich die blicke richten, auch eintrifft, hat sich die bedeutung 'einer sache gewärtig sein, etwas erhoffen' oder (von unerwünschtem) 'sich einer sache versehen' entwickelt. so schon ahd.: expectat (aeterna gaudia), wartet Steinmeyer-Sievers gl. 2, 230, 5.
a) vereinzelt mit dem dativ:

do der bruoder wider sagete,
als er vernomen habete,
des chuniges zorn unt sînen drô,
si wurden harten unfrô;
si rechômen vil harte,
dem tôde si dô warten ...
si gedâhten ze leben niemêre,
got von himele bevulhen si alle ir sêle. kaiserchronik 10987 Schröder.


b) sehr gewöhnlich mit dem genetiv, im älteren mhd. meist mit anschlusz präpositioneller bestimmungen (s. d), im späteren mhd. und älteren nhd. auch oft ohne solche bestimmungen, bis ins 17. jahrh.: man wartet eines krieges,

[Bd. 27, Sp. 2150]


bellum in expectatione est Stieler 2439. im 15. und 16. jahrh. gern umschrieben durch sein mit dem part. praes., für das auch der inf. eintreten kann: desponsa et destinata laus, ein verheiszen und verordnet lob, ein lob desz man warten ist Frisius (1558) 400a;

und daʒ er niht vergæʒʒe,daʒ obiʒ gerne æʒʒe
ubir al in dem boumgarten,da von er immir lebens warte
unde da mit erwurbedaʒ er niht ersturbe. Genesis u. Exodus 10, 22 Diemer;

do er ûʒe beleip ein halbeʒ jâr,
sîns komens warte si für wâr.
W. v. Eschenbach Parzival 103, 16;

wan si dîn diener müeʒen sîn
und warten der genâden dîn,
sît dû si hâst gevangen.
Enikel weltchronik 6488 Strauch;

ist, daʒ si (die bienen) grœʒers gelükes wartent (si speratur largior proventus), alsô daʒ si swärmen wellent, sô machent si auch gesellenhäuser K. v. Megenberg 290, 21; alle stunden war zu warten ufleufte Eschenloer geschichten der stadt Breslau 2, 327; so sprich, wenne unversehen liden uf dich velt ... 'bis wilkomen, min ... frúnt, hie enhatte ich mich din nút versehen noch din gewartet' Tauler predigten 140, 11 Vetter; es ist kurz, daʒ du lidest, und ist ewig, des du dar umbe wartest H. Seuse 371, 11 Bihlmeyer; so nu der Türk entpfindt und merkt, das er also groszes unfals warten ist und im der zu steen mag, ilt er ilentz seine stete ... zu bewaren städtechron. 10, 335, 7 (Nürnberg 1473); bleibest du aber on weybe, so wirt dich bekmern und peinigen ... der kinder berawbt zu sein, untergangk deines geschlechts und eines fremden ungewisen erbens zu warten A. v. Eyb eheb. 5, 15 Herrmann; (sie) das vergift wasser ... trancke ... und on icht gesprochen des leydigen todes warten was Decamerone 255, 31 Keller; ich bin teglichs kostlicher klainat usz miner haimant warten, so die koment wil ich sy dir schicken N. v. Wyle translat. 38, 6 Keller; dis (unglücks) musten sie wortende sy, got der halff on! Stolle chronik 67; so man nit wil bösers warten, so kann man den pfaffen die hren nit weren, man wolt denn inen die ee frei laszen Schade satiren 3, 188, 19; umb solichs gebürt mir belonung, ich geschweig, das ich straff warten solt Hutten op. 1, 375 Böcking; mtwillige beschediger ..., von denen die leut je z zeiten wider recht und billicheyt mergklich beschedigt werden, auch farhe und beschedigung von den selben leichtfertigen personen warten müssen Carolina art. 128; man sagt mit gemainem sprüchwort, getrewer dienst wartet gter belonung Wirsung Calixstus (1520) D 8a; ich wartete des guten, und kompt das böse, ich hoffte auffs liecht, und kompt finsternis Hiob 30, 26; die menschen werden verschmachten, fur furchte und fur warten (προσδοκία) der dinger, die komen sollen uff erden Luc. 21, 26; wir aber warten (ἀπεκδεχόμεθα) im geist, durch den glauben der gerechtigkeit der man hoffen mus Gal. 5, 5; wann in die gemeyn hülff von den stetten inn Hetruria verzigen ist, deszhalb sie keyner rettung warten seindt Livius bei Carbach 52b; wer fechten will, der musz der streych warten Agricola sprichw. (1534) i 6a; zü letst haben sy dem Alexandro ein tag benent, an dem er solt den Arium wider uffnemmen, oder so ers nit wolt, das er des vertreybens und ellends wartete Hedio chron. germ. (1530) 82b; auch ist der künig Astiages nu mer alt, und kains kinds mer warten Boner Herodot 22a; das die Rhugianer müsten geisel geben oder des kriegs warten Kantzow chronik v. Pommern (letzte bearb.) 93 Gäbel; alzeit der hoffnung wartend, der gfangen werd sich bessern und bekeren S. Frank weltbuch (1542) 101a; wahin auch die fallende sternen schieszen, daselbs her musz man des winds warten sein Sebiz feldbau (1579) 7; sein oheim Marchs, auch hertzog Thinas und Curneval, die waren täglich bey im, seines endes wartend buch der liebe 81a; wir ... warten nach diesem leben eines andern lebens Dedekind d. christl. ritter B 7a; das solt du auch mercken, dasz (du) mit den wundölen wenig unfals warten bist, sonder sie gehend dir glücklich hindurch Paracelsus chirurg. bücher (1618) 37 B;

[Bd. 27, Sp. 2151]


merck, wer vil pfrnden haben well,
der letzten wart er inn der hell.
Brant narrensch. 30, 32;

wer ander stoszen wil inn sack,
der wart ouch selbs des backenschlack. 69, 8;

gedenckt warum ir seindt beschaffen
und warten seint der lesten straffen.
Murner badenfahrt 10, VIII, 54;

und was von freüden wirt gemelt,
des wart wir dort in jhener welt.
v. Schwartzenberg 157d;

drum ich keins trosts mehr warten bin,
ms trostlos bleiben und ellendt.
Wickram 4, 138 (pilger v. 238) Bolte;

hertzlieb ich wart
der gnaden dein
denn ich will ye dein aigen sein.
Forster frische teutsche liedlein 13 (XIII, 1) neudr.;

wann gott verzieh als lang er wöll,
der straff man doch gwisz warten söll.
H. Sachs 19, 22, 11 Götze;

sie lassen vöglin sorgen,
was heut nicht kompt, des wart man morgen.
Scheit Grobianus 2054 (am rand);

wolt ihr der schlappen warten nit,
so gwehrt mich jetzund meiner bitt.
Spangenberg ganskönig 597 Martin;

hoff und wart ich alles guts,
bin ich froh und gutes muths,
rückst du (böser feind) mir aus meinem sinn
alles gute sinnen hin.
P. Gerhardt 233 Gödeke;

vereinzelt reflexiv: als sich die Teutschen keines kriges, sonder einer antwort der legaten warteten, fiel Julius bey der Mosel inn Rhein in die Teutschen S. Franck chron. Germaniae (1538) 10b.
besonders in der alten rechtssprache üblich. des rechtes warten 'gewärtig sein': dy recht worden geborget uff eynen vornemelichen tag zcu thun. do der tag quam, der gast quam unde sprach: ich warte lantrechtis mit czuge unde mit eynis hand, alʒ mir ist entscheiden Magdeburger fragen 1, 4, 9 Behrend; des wart in bescheiden beiden ein endehaft tac zu dinge zu kumene. do quam dirre unde warte sines rechtis unde jenre quam nicht Freiberger stadtrecht 61, 32 Ermisch; gerichtes suln warten alle, die dingphlichtig sîn, von des daʒ die sunne ûf gêt wend zu mitten tage, ab der richter dâr ist Sachsenspiegel 3, 61, 4 Weiske; widder solche beswerunge hatten sie appellirt und wolden des wortende syn und das zu rechte mit orem bisschoffe usz trage Stolle chronik 149. 'anwartschaft, anspruch haben auf etwas' z. b. ein erbe: ein wip mac irem man dehein erbe gegeben, des si dannoch niht geerbet hat, und des si wartet ze erbenne Schwabenspiegel landrecht 33, 3 Gengler; das ander erbe des sin wir wartent: das ist das verklerte erbe der wunneklicher gotheit Tauler predigten 206, 10 Vetter;

allein des erbthayls warten sey,
den nach gelübdt gepar die frey.
v. Schwartzenberg 156b;

dieselb Lavinia ... dar sie ieres vatters rychs erblich wartend was, ward von Turno ... begeret zu elichem wyb Steinhöwel de claris mulier. 141 Drescher; nun was der jung konig ie warten des reichs nach abgang des alten Meisterlin, städtechron. 3, 84, 1. wartender erbe: wann dem nit lieb wr, das herzog Ludwigs land in fremd hend komen solt, darumb daʒ er auch ain wartender erb darz ist deutsche reichstagsakten 11, 388 (München 1434); wer wartunder erb will sein zu ainen weingarten, der soll sich urkunden ainsten im jar in dem perktading österr. weisth. 8, 346, 28 (Niederösterr. 16. jahrh.). sprichwörtlich: es ist besser ein handvol mit besizene denn ein husvoll allein mit wartene H. Seuse schriften 13 Bihlmeyer.
in der neueren dichtung kommt dies warten noch im archaistischen stil vor:

in dem kampf und streite
ward ihm geschlagen manche wund';
der püffe that er warten,
als er uff der mauern stund
hinter der münche garten.
A. v. Droste-Hülshoff 2, 346 (schlacht im Lohnerbruch 2, 429) Kreiten.

[Bd. 27, Sp. 2152]


doch steht auch das poetische warten mit dem gen. der sache als 'erwarten' dieser bedeutung nahe:

der grosze Talbot wartet meiner hülfe. Shakespeare Heinrich VI. 1, 4, 3;

drum hab' ich den La Hire
mit botschaft an den herzog abgefertigt, ...
mit jeder stunde wart' ich seiner ankunft.
Schiller 13, 199 (jungf. v. Orl. 1, 4);

wo alle frommen seelen warten
der wonnen, welche nie vergeh'n.
Arndt ged. (1860) 334.


c) an stelle des gen. kann im 16. und 17. jahrh., vereinzelt auch schon vorher, der acc. eintreten. beim pronomen:

hin und wieder fast gedacht,
wy ich offt mein zeit het verpracht
und was ich kunfftig warten wer.
v. Schwartzenberg trostspruch 21 neudr.;

ir werden aber empfinden ... was arbeitseligkeit es (das fleisch) warten syg in künftigen Keisersberg bilgersch. (1512) B 4a. sprichwörtlich: was du eim thst, das wart vom andern sprichwörter (Frankf. 1548) 153a. auch häufig beim subst.:

der zorn ist grosz ǎne zal,
dennoch lept der lúten vil,
die wartent denn des todes zil.
Mone schauspiele des mittelalters 1, 279, 181;

so sol sie warten sicherleich
darumb das ewig himelreich! pfarrer v. Kalenberg 59, 1209 neudr.;

als ein alt mann het ein weingarten,
davon er gute frücht thet warten.
Waldis Esopus 3, 48, 2 Kurz;

sein glauben er durch lieb beweist;
mit warheit das die grabschrift preist,
thet vilen guts, wartet kein lon.
Hartmann hist. volksl. 1, 9, 71 (1564);

darauff so wart ich nun bescheid.
Fischart 1, 39 (nachtrab 1424) Kurz;

nu helffet mir allsampt zugleich ...
in abgrundt stoszen den bösewicht,
da soll er warten gotts gericht.
B. Krüger aktion v. d. anfang u. ende d. welt (1580) B 6a;

wer Christum liebt und ehrt,
der heut gen himmel fährt,
solch freude hat zu warten.
Weiszel, Fischer-Tümpel kirchenlied 3, 12;

freude die fülle
und selige stille
hab ich zu warten
im himmlischen garten;
dahin sind meine gedanken gericht.
P. Gerhardt 296, 118 Gödeke;

in 10 tagen bin ich brief von Rom warten Val. Anshelm Berner chronik 3, 310, 6; so der übeltetter in anfang einmal dürch boszheit synen willen erlangt und sich verschempt hett, wer kein uffhören da oder besserung z warten Schöferlin Livius (1514) 16a; da sie viel ferligkeit leibs und seelen teglich warten und auch dulden musten Luther 30, II, 194, 3 Weim. ausg.; und drang also den jungen adel, das sie z hauff schweren musten, nicht zu weichen von Rom, sonder glück und unglück mit dem vatterland z warten S. Franck chron. Germaniae (1538) 13a; haben die frumen vater nit groszern schaden wellen warthen, haben sy inen zu dem ersten kauf müeszen geben 30  heller Knebel chronik v. Kaisheim 115 Hüttner. anschlusz eines nebensatzes mit dasz:

erzürn ihn (den bösen wurm) ja bey leibe nicht,
sonst mustu warten, das er sticht.
B. Krüger Clawerts werckl. hist. 30 neudr.


d) präpositionelle bestimmungen schlieszen sich schon bei Notker an: ih meino christenheit an diê chunftigin lôna wartenda (ecclesiam futura premia speculantem) psalm 77, 68; sie wartent truhten alle an dih (oculi omnium in te sperant) 144, 15.
α) mhd. an, ûf einen warten 'auf einen rechnen, von einem etwas erwarten':

dô sprach er 'tohter, wart an mich:
ich sol des wol bereiten dich.
sît du diens von im gerst,
ich gib dir daʒ du in gewerst'.
W. v. Eschenbach Parzival 373, 27.

fast immer mit beigefügtem gen. der sache:

swaʒ hie varndes volkes sî,
die warten alle gâbe an mich. Parzival 785, 13;

[Bd. 27, Sp. 2153]



neve, ir sult für dise zît
triuwen an mich warten
âne valsches scharten.
Wirnt v. Gravenberg Wigalois 292, 37;

der warheit warte an mich.
Brun v. Schonebeck 5904 Fischer.

mit acc.: wer sich aber dar ubir frevelichin bannen liesze, dadurch gotes dinst nider geleget würde, was der den richtern vor absolucien worde gebin, als vil sal man von unser wegin auch an ym wartende seyn und das unverschonet nemen edikt v. 1454 bei Haltaus 2041. —

swes dan dîn wille ruochet
an mich mit lêhne oder mit gebe,
des wart ûf mich die wîle ich lebe.
W. v. Eschenbach Willehalm 337, 8;

er sprach: 'helle, beraite dih,
ich pring dir (des wart uf mich) (hs.: dich)
den man Christ nennet, der chumt her.
Gundacker v. Judenburg 3748 Jaksche;

und were, daʒ den vrowen an den schalen (fleischbänken) abe gienge, so sezzen wir in ze ursazze daʒ selbe hus uf der Rinbrugge; daʒ si irs zinseʒ da uf warten und uf uns alle die wile, unz daʒ wir den vrowen ein eigen koufen, daʒ in wol gevallet urkundenbuch der stadt Basel 2, 361 (1289); auf einen (etwas) warten 'rechnen' im 16. jahrh. s. u. 2 e.
β) zu einem eines dinges warten 'einen anspruch gegen jemand erheben' (vgl. Haltaus 2040. 41): swaʒ da von schaden geschiht, deʒ wart man z einem erbe oder z seinem aigen und bei der vordern pʒe Nürnberger polizeiordnungen 20 Baader (vgl. 24); und swaʒ der stat an irn rehten schadens davon geschehe, den mste er uʒrihten, und des wellen wir warten hintz sinem lip und gt stadtbuch von Augsburg 44, 2 Meyer. mit acc.: da las man dy hohen echt uber in: wer in hauset, hofet, eczet oder trencket, da wolt man alle dy recht zu wartend und habend sein, dy man zu dem morder het städtechron. 1. 390, 3 (Nürnberg 14. jh.).
γ) häufig ist von einem eines dinges warten, noch im 16. jahrh. üblich:

in sô getânem leidein doch der naht zeran.
noch stuont vor dem hûseder küene spilman
und Hagen sîn gesellegeleint über rant:
si warten schaden mêrevon den ûʒ Etzelen lant. Nibelungen 2057, 4;

da lag Pippinus und wartte streits von dem künig von Hyspania Ulrich Füetrer bayerische chronik 61, 2 Spiller; sy (die diener) werden erger und ungehorsamer, so sy von dir warten seind der gab A. y. Eyb spiegel der sitten (1511) C 2a; ich alleyn der junckfrawen beger. wo mir die nit wirt, so seit des sturms und streit von mir warten Decamerone 276, 5 Keller; ich ... wil des fürer von üch begern, warten und hoffen Riederer rhetoric (1493) s 2a; nun sind nur keins andren von mir warten, dann das ich den nechsten gen Metz ziehen, will eüch ... verklagen Wickram 3, 63, 25 Bolte; darzu waren sie groszer hilff vom keyser Adolpho warten Stumpf Schwytzerchronik (1606) 257b; wiewol ich von euch wartendt bin der lösterung ... und unredlichs blasphemieren wider mich Paracelsus chirurg. bücher (1618) 254c;

treulich soltu von mir warten lieber schanz.
Osw. v. Wolkenstein 13, 48 Schatz;

ja fraw, der pfaff verhiesz mir heint,
ir würdt mir zlon fünff gülden geben,
das ich im fristen hilff das leben.
derselben wart ich ytzt von euch.
H. Sachs 9, 84, 2 Keller.

an stelle des gen. tritt auch der acc. ein. beim pronomen: so sal sy yre morgengobe und yre liptzucht und alle yr gut, das sy von dem manne wartende was, haben vorloren Kulmisches recht 3, 37 (s. 63) Leman; was du eim andern thust, das wart von eim andern S. Franck sprichw. (1541) 1, 63b. auch beim subst.: diser darff nit mer warten sin von dir, denn eyn gang mit im z dem grab Keisersberg bilg. 23b; z groszen eren soll es einer frawen geacht werden, welche ein münch oder pfaffen z der ee nimpt, doch von dem sie nötige narung mög warten Eberlin v. Günzburg 1, 134 neudr.; was schadet im, das er sich vor seinem nechsten ein wenig demütiget ... und warte von im ein trostunge Luther 10, iii, 62, 6 Weim. ausg.; des gerechten gut hat

[Bd. 27, Sp. 2154]


... kein ende, darumb, dasz er gott trauet und sein gut von ihm wartet briefe 2, 73;

ich solt her-beichten, was ich wolt,
kein gfehr ich von euch warten solt.
H. Sachs 17, 89, 7 Götze.


δ) vereinzelt aus einem etwas warten: die in dich nach got alle ir guts vortrauen gestellet, ... die sich deinem gehorsam underwerffen, ausz dir warten underricht des gotlichen willens Staupitz 1, 76 Knaake.
2) wer einem kommenden entgegensieht, pflegt stehen zu bleiben, bis dieser eintrifft. so erklärt es sich, dasz schon im mhd. warten auch eine der jetzigen entsprechende bedeutung hat. dasz indes im früheren mhd. noch immer die grundbedeutung durchschimmert und das verbum zunächst nur das verharren im zustand der erwartung und nicht das verweilen, verziehen an sich bezeichnet (was durch bîten und später auch harren ausgedrückt wird), zeigt sich darin, dasz es nicht mit zeitbestimmungen verbunden wird oder absolut steht. erst vom 14. jahrh. ab kommt dies vor und die folge des gleichen gebrauchs ist, dasz allmählich beiten ganz durch warten verdrängt wird; harren, das auch den nebensinn des hoffens und zutrauens hat, hat sich neben warten erhalten. in der alten bibel wird beiten noch häufig gebraucht, die späteren drucke lassen aber warten dafür eintreten: Heli der sasz auf dem sessel beytend (wartend Koburger) bey dem weg Mentels bibel, 1 Sam. 4, 13; bistus der do ist kunfftig oder baiten (harren Koburger; warten Otmar 1507) wir eins andern Matth. 11, 3; er selber was der junger Jhesus und bait (wartet Zainer) des reich gotz Marc. 15, 43. Luther gebraucht nur einigemal noch beiten z. th. neben warten: ich hab gottis gewartet (später: geharret) und mein seel hat gewartet und auff sein wort hab ich gebeytet 1, 206, 22 Weim. ausg.; das wort kommt sonst bei Md. bis ins 17. jahrh. und obd. noch jetzt vor vgl. th. 1, 1403 f. auch die wörterbücher führen oft warten neben beiten an und beweisen, dasz warten ganz in die bedeutung von beiten eingetreten ist: warten, beyten, expectare, praestolari voc. theut. (1482) n n 2a; warten oder beyten, operiri, expectare oder harren ib.; warten, spectare, expectare, morari, pausare, praestolari voc. inc. teut. C 2b; operiri, praestolari, percunctari, manere, mantare, sedere aliquando, expectare Dasypodius 452b; demorari, warten, beiten Frisius (1558) 387a; obsidere, sitzen, hocken, warten 897b; praestolari, einem warten, einsz beiten 1047b (= Maaler 485a); moror, expecto, operior, verziehen, warten Calepinus XI ling. 912b; operior, expecto, praestolor, warten, beiten 996a.
eine erweiterung im gebrauch von warten ist es dann, dasz es seit Luther auch von dingen gesagt wird, denen man nicht entgehen kann, die einem bevorstehen: bande und trübsal warten mein daselbs (δεσμά με καὶ θλίψεις μένουσιν) apostelgesch. 20, 23. in der neueren sprache wird dies warten dann auch absolut gebraucht als 'bereit stehen', z. b. das essen wartet.
a) warten mit dem dativ. jetzt auf das alem.-schwäbische (Hunziker 287. Martin-Lienhart 2, 857b) und einige md. mundarten, besonders das schlesische, beschränkt; auch in Siebenbürgen Kisch Nösner wörter 175. im mhd. kommt die verbindung wenigstens bei Obd. allgemein vor, frühnhd. bei Schweizern und Schwaben, im 17. jahrh. bei den Schlesiern, im 18. bei Wieland und noch bei neuern Schweizer schriftstellern:

fursten die herren,
die so lange uʒe sint,
den wartent wip unde kint.
Konrad Rolandsl. 110, 30;

er sprach zuo der vrouwen:die Sîfrides man
iu wartent bî den rossen. Nibelungen 1094, 3 Bartsch;

du solt ze Syon immer sîn
und wart aldâ dem friunde dîn,
wenne er kume und dich triute.
Lamprecht v. Regensburg tochter Syon 265 Weinhold;

er gieng in den rosengarten,
do fand er sinen schriber gt
dem edlen frölin warten.
Uhland volksl. 749;

do hat er gros erbermd und wott inn (den gefangenen) erlössen, aber er besint sich und sprach zuo im selbs,

[Bd. 27, Sp. 2155]


er wetz nüt thuon, sunders wette dem end warten Haimonskinder 169, 27 Bachmann; Eck, Eck, got hat dir lang genug gewartet, deiner buberey, gotsslesterung und narheyt were gnug Eberlin v. Günzburg 3, 169 neudr.; rieten dem keiser, er solte sinem sun dem künig ze Ingelnheim nit warten, sonders abwichen Tschudi chron. helv. 1, 47;

die jungfern, die das geile rund,
das zu der liebe legt den grund,
so frech ans lichte stellen ausz,
die sind ein rechtes ballen-haus,
da stets der ballen liegen viel
und warten dem, der spielen wil.
Logau 1, 4, 95 (s. 95 Eitner);

nimm da das beste rind ...
und bring es her zu mir,
im tempel wart ich dir.
Hoffmannswaldau getr. schäfer 24;

wer weisz wie viel (mädchen) dir schon mit süszem wunsche warten.
Günther 392;

dich, tyrann, dich treibt dein verhängnisz! die furien reiszen
dich unsichtbar dahin, wo deine strafe dir wartet.
Wieland 16, 134 (Cyrus 4, 153);

gwüss ein andermal, wenn du mir nur wart'st, bis ich darf und geld hab' Bräker schriften 1, 63; Johannes sagte, ... er wolle ihm warten Gotthelf schriften 2, 134; gutes hätte er nie viel gehabt, und was ihm noch warte, könne denken, wer verstand habe 3, 11. in besonderer bedeutung im alem. 'creditiren, länger borgen' (so auch beiten s. th. 1, 1404 Keisersberg):

lieber, steck mir noch ein ziel
und mir noch eine zeitlang wart!
Fröreisen, griech. dramen 2, 225 Dähnhardt;

seine übrigen schulden werden ihm wol noch warten, und dann warte er (als gläubiger) dem Kaspale mit dem andern auch Felder Nümmamüllers 183 (Vorarlberg).
b) warten mit dem genetiv.
α) zunächst wird ein persönlicher genetiv angeschlossen:

helt, niht ne sûme,
wandih erbeite dîn kûme.
ze Caspen Porten
dâ wil ih dîn warten.
Lamprecht Alexander 3657 Kinzel;

hiute ist der ahte tac
nâch sunewenden,
dâ sol daʒ jârzit enden.
sô kumt benamen oder ê;
ode ichn warte iwer niht mê.
Hartm. v. Aue Iwein 2944;

dô sprach er 'wê wâ sint diu kint,
daʒ si hie vor mir niht sint?
wer sol mir bieten mîn gewant?'
sus wart ir der wîgant,
unz er anderstunt entslief.
W. v. Eschenbach Parzival 245, 24;

sus kômen zuo dem münsterdie meide wol getân:
ir (in C) warten vor dem hûsealle Sîfrides man. Nibelungen 776, 4;

si wartten der küniginne,
beidiu wîp unde man,
wan si solt zuo in dar gân.
Enikel weltchronik 12974 Strauch;

und swenne eʒ morgen tage,
daʒ er mîn warte in dem hage.
H. v. Freiberg Tristan 4314 Bernt;

uff dem berg Oliveit,
da wil ich úwer warten
ignot an diser varten.
Mone schausp. des mittelalt. 1, 258, 89;

ich sprach: so wil ich also stan
und wil din herwider warten.
H. v. Montfort 97 (28, 194) Wackernell;

ich wils gehn fragen, wart da mein!
H. Sachs 9, 48, 25 Keller;

ich will allhie fein warten dein,
und ruhen hie auff diesem stein.
Fischart Eulenspiegel 50, 609 Hauffen;

kompt er, gar freundtlich wirdt empfangen,
seinr hat man gwartet mit verlangen.
M. Mangold marckschiff (1596) B 2;

wie in got gescht hat ... und sin gebeitet hat und gewartet und durch in mensche ist worden Tauler predigten 160, 14 Vetter; als nun Galmy der ritter ... nach seiner gewonheyt seines gesellen gewartet, der

[Bd. 27, Sp. 2156]


aber nit kummen wolt Wickram 1, 5, 4 Bolte; zu dem keyser Friderich, der in Asien ertranck, und dessen man noch zu Keyserslautern warten ist Garg. 426 Alsleben; also kam die königin traurig zurück, welcher Sadal mit äuszerster ungeduld wartete Lohenstein Arminius 2, 60a.
β) dann auch von dingen, deren eintreten man abwartet: daz sú ouch von uns begerent und unserre zkunft mit fröuden wartent, daʒ wir ouch in ire zale mit in vereiniget süllent werden Schürebrand 13, 19 Strauch; und wartet man täglich unsers herren des küngs zkunft U. v. Richental chronik d. Constanzer concils 96; do (auf der einsamen insel) die gte frawe meinet gtz weters zewarten Decamerone 91, 24 Keller; wes wartest du hie? Neidhart Terenz' Eunuchus 179 Fischer; was keyser Carle z Pariss und wartet der seinen ankunfft Aymon (1535) b 6a; das flosz denn durch der frawen kammer, die war solcher bottschafft bey dem flusz warten buch der liebe (1587) 88c; Barbara ... zoch ym nach, desz begerten ends zuwarten Stumpf Schwytzerchronik (1606) 108b.
γ) im älteren nhd. erscheint eines warten häufig in der bedeutung 'einen feindlichen angriff abwarten, dem feind entgegentreten': desz feynds warten, hostem expectare Maaler 485a; der pot dem kaiser, das er käm; er wolt sein mit streit warten, ... ain man an den andern U. Füetrer bayerische chronik 115, 5 Spiller; mittler weil sind etwa noch bis in zwey tausent oberallgeyisch bawrn den ietzt gemelten bawrn durch das stättlein zuzogen, zu inen in ir schlachtordnung gestanden, aldo desz manns gewartet Baumann quellen z. gesch. d. bauernkrieges in Oberschwaben 729; herzog Urich ... grb sich z Stckart in und wolt des puntz warten, dan er by im hatt fier tusend lantzkneht Hug Villinger chronik 88 Roder; ir seid in meinem (des teufels) heer, und unter meinem fenlin, aber sehet zu, und wartet des feindes, und wehret euch wider seine engel Luther 8 (1580) 188b;

da wolten sie des feindes warten
und mit ihn wechseln die hellbarten.
Rollenhagen Froschmeuseler (1595) Hh 3b;

schew dich vor Menelao nicht,
wart sein nach adelicher pflicht.
Spreng Ilias 30b.

vgl. auch:

der werde herzog Albreht
strîtes wart ûf dem velde.
Ottokar österr. reimchronik 71 000 Seemüller;

und mit gantzer gesetzter hoffnung in gott warteten sie in der gegenwehr desz Türken anlauffs und stürmen S. Franck chron. Germaniae (1538) 151a. des bocks warten vgl. th. 2, 203 der bock geht an: auf den 3. octobris ist Igel ... über ine gezogen, ... sein hausz lassen auffordern, aber er Ludwig Schertlen ... hat 13 landtsknecht ... bulfer und plei zu ime hinein genomen, selbs darinnen dess bocks warten wöllen Schertlins leben 128.
δ) da warten ganz die bedeutung 'verziehen' angenommen hat, können sich später bestimmungen anschlieszen, die die zeit des wartens angeben:

gang hinab in den garten,
da solt ain weil sein warten.
Hätzlerin liederbuch 2, 76, 122 (s. 292);

(wenn dein nachbar) im trincken langsam wer,
so nimb den becher im vom mund,
sprich, hör es ist dir ungesund,
du gehst so gar lang umb darmit,
ich kan so lang dein warten nit.
Scheit Grobianus 3250 neudr.;

disz ist die schl von Paris, dero man lang z Costentz wartet U. v. Richental chronik d. Constanzer concils 185; wir warteten seiner wohl 18 mahnden, und bekamen keine zeitung Zesen Sofonisbe 225.
ε) vom 17. jahrh. an tritt eines warten hinter das schon früher daneben übliche auf einen warten (das Stieler noch nicht erwähnt) zurück. Ludwig 2385 führt beide verbindungen nebeneinander an: wir haben euer, oder auf euch, schon lang alhie gewartet; nachher: warte meiner hie. Rädlein und Steinbach kennen aber nur auf einen warten. Adelung erklärt eines warten für obd., aber auch in der edleren und höheren schreibart

[Bd. 27, Sp. 2157]


vorkommend. es findet sich in der that bis in die gegenwart nicht nur in der poesie, sondern auch im gewählten prosastil:

sie fand, wie billig, an der pforte
des sahls don Karamellen schon,
so frisch und schmuck wie weiland Seladon,
mit offnen armen ihrer warten.
Wieland 5, 30 (d. neue Amadis 13, 6);

er wird dort unten bey
dem kloster meiner warten.
Lessing 2, 266 (Nathan 3, 2);

o lang, lang mögen ihre frauen stehn,
den goldkamm in dem haar,
und warten ihrer lieben herr'n,
sie sehn sie nimmer gar.
Herder 25, 176 Suphan;

einst, nach vollbrachter oper, fand
ich mich von ungefähr bei einer hübschen dame,
die ihres wagens wartend stand.
Bürger 106a;

bruder, nimm die brüder mit,
mit zu deinem alten vater,
zu dem ew'gen ocean,
der mit ausgespannten armen
unser wartet.
Göthe 2, 54 Weim. ausg.;

da hinter'm haus in meinem garten
wollen wir des herrn heut abend warten. 14, 149 (Faust 1, 3025);

denn du siehst, wir harren ja selbst, und warten des ausgangs. 50, 256 (Herm. u. Dor. 9, 14);

Messinas fürstin wird dir mutter seyn,
zu ihr bring ich dich jezt, sie wartet deiner.
Schiller 14, 87 (braut v. Mess. 3, 3);

und an die angst der hausfrau denkst du nicht,
die sich indessen, deiner wartend, härmt. 14, 338 (Tell 3, 1);

ich will mit ihm der auferstehung warten,
die uns der mensch gewordene gott verhiesz.
Brentano 2, 532;

zu uns,
die dein in sehnsucht täglich warten,
kehre zurück, o geliebter könig!
Platen 117 (ode 34);

ihr reist aufs land, dem wonnemond entgegen?
ihr werdet sein noch etwas warten müssen,
wir sind im märz.
Grillparzer 4, 226 (treuer diener 3);

die reiter warten sein am tor.
Mörike 1, 77;

folge mir also in mein zelt, wo die besten meiner befehlshaber deiner warten Lessing 11, 107 (Philotas 7); vierzehn tage hielt er auf der insel ... und wartete seines gegners Fr. Müller 1, 195; komm, deine mutter wartet deiner Klinger theater 3, 338; der knabe ... versprach ... heute abend an dieser waldecke meiner zu warten Göthe 25, 45 Weim. ausg.; Klas aber blieb festen fuszes und auges stehen, nahm seinen stock und wartete des wolfes Arndt mährchen 1, 56; wir warten einer neuen deutschen herrlichkeit schriften 1, 352; Hugh ... wollte der mahlzeit nicht warten Arnim 7, 32; ich fand im salon eine ziemlich grosze gesellschaft, die des ... herrn geheimeraths wartete Grillparzer 10, 169; an dem spalier ... stand der alte bediente von Tempelheide mit einem shawl auf dem arm und wartete seiner herrin Gutzkow ritter vom geist2 3, 463; o bitte, fräulein, sagte er (der lehrer), ich habe ihrer lange hier gewartet Storm 5, 286.
ζ) bei einem abstractum als subject zeigt sich die bedeutung 'bevorstehen'. dieser schon in der bibel (s. o.) vorkommende und wol dem lateinischen nachgebildete gebrauch wird erst im 18. jahrh. häufiger (vgl. auch u. e γ):

die straffe, die der Türck empfunden,
wart solcher (ihm verbündeter) Christen alle stunden.
v. Abschatz gedichte 21;

was wartet unser? — ach! ein unbelohnter schweisz,
im joch des amts bey reifen jahren.
Lessing 1, 95;

dein warten
ehren der religion!
Klopstock oden 1, 191 Muncker;

sieh triumphe
warten deiner.
Herder 26, 226 Suphan;

ich weisz die freude die noch deiner wartet.
Göthe 11, 315 (Erw. u. Elm. 611);

und stattliche belohnung wartet dessen,
an gold und gütern, der die that vollführt.
Schiller 12, 365 (Wallenst. tod 5, 2);

[Bd. 27, Sp. 2158]



Franzenkaiser Bonaparte,
hat dir nicht der geist gesagt,
welches schicksal deiner warte,
wenn du diesen schritt gewagt?
Rückert ges. ged. 3, 429;

darumb das creutz allzeit bereit ist und wartet dein überall, du magst ihme nicht entrinnen J. Arnd Thomas a Kempis 60; und verdient den bettelstab, der seiner wartet Lichtenberg nachlasz 37; welche frohe ärndte wartet mein Fr. Müller 1, 216; aber das maas meiner strafe mus noch nicht gefüllet seyn — oder mus noch irgend eine freude meiner warten, dasz ich so wunderbarlich erhalten bin Schiller 2, 169 (räuber, schauspiel 4, 5); der andre meint, da jenseits warteten unbekannte herrlichkeiten seiner Novalis 4, 11 Minor; tritt auf den stein, der in der mitte des saales liegt, und dein wartet groszes glück Grimm märchen (1843) 2, 350; jene wurden unbestraft fortgesandt: dieser wartete ein unerbittliches gericht Niebuhr röm. gesch. 1, 329; von Hamburg schreibe ich dir sogleich, oder von Cuxhaven, wo, so gott will, gute nachrichten von dir meiner warten Moltke schriften u. denkw. 6, 126.
η) bei concreten ist die bedeutung die von 'für jemand bereit stehen': da das schohn bereitete ... nacht-mahl ... ihrer wartete Zesen rosenmând (1651) 63;

zwar es wartet dein kein goldner wagen,
dich zu deinem krönungsfest zu tragen.
Goekingk 3, 35;

dort im buntbemalten saale
warten euer die pokale,
warten auf dem eichentische
wildpret und gebackne fische.
Kerner bilderbuch 168.


c) dasz an stelle des gen. der acc. tritt, kommt bis ins 18. jahrh. vereinzelt vor: und (er) enbút úch, das sin volck inn der ebny Vacollers sigend mit groszer macht ..., dă wartind sy die fier sún Amon, die söllend ir inen inn ire händ geben Haimonskinder 105, 9 Bachmann; sy warteten mit höchster begyr die zeit und gebung zu streyten Barletius, Scanderbeg, deutsch von Pinician (1533) 24b; umb den abendt hat das jagschiff gegen dem wind gelegt die andern schiff zuwarten, und mit uns zu reden Hulsius 2. schiffahrt3 27;

da ich das hort, tett ich mich schmiegen
gar heimlich an ain end
zu der tür by der wend
und wolt des kriegs ein end warten.
Hätzlerin liederbuch 2, 8, 73 (s. 139);

Lisette hat, weil ich es so befunden,
es gleichesfalls vor gut geschätzet,
ihr ihren Silvio zu fodern in die höle;
disz kützelt ihm itzt hertz und seele,
und wartet nun den antritt dieser stunden.
Hoffmannswaldau der getreue schäfer 88;

alles leiden dieser welt, aller martern läng und arten,
ist nicht wehrt der herrlichkeit, die die frommen dorten warten.
Günther 851;

so komm doch endlich, geliebter!
dich wartet ein festlicher tag durch freudenthränen geheiligt.
Dusch verm. werke 403;

ich fürcht, ich fürcht, mein lieber herr,
ein sturm uns wartet schwer.
Herder 25, 176 Suphan.


d) nach einem warten kommt zuweilen im älteren nhd., vereinzelt auch noch später, vor: warteten auch da hie den ganczen tag und inne die nacht genczlich nach unsers aygens rechten urkunden der kartause Aggsbach 210 (nr. 238) Fuchs (1411); so last uns jetzt gehen zum käyser, der da lange nach euch gewartet hat Creizenach schausp. d. engl. comöd. 30 (Titus Andron. 3); dasz man mit der begrebnüsz nicht bedarf nach ihnen zu warten Krumbholtz die gewerbe der stadt Münster 420 (1635); di andern stunden noch im zweifäl fohr der tühren, nahch einer vihlleicht gründlichern zeitung zu warten Zesen adriat. Rosemund 78 neudr.;

huyt seumpt euch nicht, nur immer dran,
die zeit wird hie nach uns nicht warten.
Krüger spiel v. d. bäur. richtern 1253;

nach dir zu warten ist ümsonst.
Fleming 525 (oden 5, 31);

ich wartete nach dir
die gantze halbe nacht. 649 (sonette 3, 76);

[Bd. 27, Sp. 2159]



wilkommen frischer märz, du quelle vieler freuden. ...
willkommen liebe lust, wornach viel tausend gahrten,
(die flora sonderlich) so gahr begierlich wahrten.
Rist Parnasz 735;

warten sie nicht nach mir! ich komme nach! v. Kotzebue dram. werke 5, 173 (d. papagoy 2, 1); einen nach sich warten lassen, sui expectationem facere Nieremberger. sprichwörtlich: nach guten dingen kan man nicht zu lange warten Spanutius 630.
e) die wendung auf einen warten ist in der jetzt üblichen bedeutung erst im 16. jahrh. entwickelt. sie geht hervor aus der auch damals noch daneben vorkommenden 'auf jemand oder etwas seine hoffnung setzen, rechnen' (s. oben 1 d):

die bosen geist warten uff die sele sonder wan,
ab sie icht rechtes kunden an ir gehan. Alsfelder passionsspiel 2187 Grein;

und wer wartet auff seine gnad,
der wirt sein nicht entgelten,
im mangelt nicht,
weil gott ist seine zversicht.
Waldis, Wackernagels kirchenlied 3, 771, 4;

das söllen wir allezeit bedencken, und gott unsern helffer setzen, ihm alleyn vertrauwen, auff in alleyne warten Hutten op. 2, 127 Böcking. auch bei Luther tritt die ältere bedeutung noch öfters auf: sey stille dem herrn, und warte auff in, erzürne dich nicht über den, dem sein mutwille glücklich fort gehet psalm 37, 7; aller augen warten auff dich (Mentel: versehent sich an dich; Zainer: hoffen), und du gibst inen ire speise zu seiner zeit 145, 15; er wartet auff recht, sihe so ists schinderey, auff gerechtigkeit. sihe so ists klage Jes. 5, 7; kam Joseph von Arimathia, ein erbarer ratsherr, welcher auch auff das reich gottes wartet (ἦν προσδεχόμενος) Marc. 15, 43; ich ... habe die hoffnung zu gott, auff welche auch sie selbs warten (προσδέχονται), nemlich, das zukünfftig sey die aufferstehung der todten apostelgesch. 24, 15; die weyl ... Emser den gantzen streyt auff drey heubstück wagt, ... wil ich auch auff die selben drey warten werke 7, 632, 19 Weim. ausg.; es ist auch darumb gesagt 'fur dir', das niemand wehnen odder warten solle auff weltliche und zeitliche freude ym reich Christi 19, 137, 10. daneben ist bei ihm doch auch schon die jetzige bedeutung 'verziehen bis jemand kommt' deutlich ausgeprägt: wer sie (die weisheit) gern bald hette, darff nicht viel mühe, er findet sie fur seiner thür auff in warten weisheit Salom. 6, 15; das volck wartet auff Zacharias, und verwunderte sich, das er so lange im tempel verzog Luc. 1, 21; und seid gleich den menschen, die auff iren herrn warten, wenn er auffbrechen wird von der hochzeit, auff das, wenn er kompt, und anklopffet, sie im bald auffthun 12, 36. so kommt am anfang des 16. jahrh. auch schon anschlusz von zeitlichen bestimmungen vor:

(Penelope) wart uff iren eelichen man,
als er so lang usz bleib für war,
me dann zwentzig gantzer jar.
Murner geuchm. 348 Uhl.

die wörterbücher führen die wendung seit Maaler an: begirlich auff einsz zkunfft warten, amanter expectare adventum alicuius 485a.
α) auf jemand warten: so schaut auch niemant, wie es von rechts wegen sein sol, drein, wil niemant der katzen die schellen anhenken, es wart imer ainer auf den andern Aventin 1, 226, 26;

so sey nun alle zeit der lest (bei tische),
ob schon der vatter und die gest
nun hetten lang auff dich gewart.
Scheit Grobianus 1392;

uff uns jetzt warten weib und kind,
auch unser gantzes hauszgesind.
Spreng Ilias 16a;

wenn noch die dicke nacht
ümb mein gemach ist her und eh die sonn' erwacht,
so denk ich schon an ihn und warte mit verlangen
auf ihn und seinen trost.
Fleming 25;

wartest du, Meta, dort auf mich? dort wart' ich
unsres lieblings mit dir.
Klopstock oden 2, 47 Muncker;

[Bd. 27, Sp. 2160]



am paradiese
zunächst der wiese
liegt ein garten;
da warten
hübsche kinder auf mich.
Göthe 4, 254 Weim. ausg.

in besonderem sinn: wenn das mädchen auf mich (als freier) gewartet hätte Raabe Horacker 93. mit etwas auf jemand warten: mit der linken hand auf einen warten, bei tisch nicht warten Rädlein 1030. Ludwig 2386; sagt, dasz man heut abend mit dem essen auf mich nicht warte Ludwig 2386;

so komm denn kind, die gesellschaft im garten
wird gewisz auf uns mit dem kaffee warten.
Göthe 16, 107 Weim. ausg.


β) auf etwas warten: demnach wartet ein jeder auf den bestimmten tag volksbuch v. geh. Siegfried 66 neudr.; und also warteten sie auff bequeme stunde Amadis 1, 22;

sondern wart auff gelegenheit
und aller sachen rechte zeit.
Rollenhagen Froschmeuseler A 4b;

er ... wartete mit ungeduld auf den ausgang Klinger werke 3, 246; man macht so viel einwürfe gegen die reise ..., dasz ich schweigen und auf bessre zeiten warten musz Caroline 1, 5 Waitz; wan ich ein gerechten meridian setzen wil ... msz ich warten auff ein finsternusz des mons S. Münster cosmogr. 34;

kanstu wohl glückseliger sein,
o du stets gesegneter garten?
du darffest auff den sonnenschein
nit wie sonst ander gärten warten.
Zinkgref ged. 36 neudr.;

wir warten, wenn der tag anbricht,
auffs tageslicht, und kommt doch nicht.
P. Gerhardt 15 Gödeke;

wir warten nur auf guten wind Ludwig 2386;

hie wil ich warten auf das recht,
was mir das nymmet oder gibt.
H. Sachs 2, 11, 1 Keller;

ich steh und wart auff ewern bscheid. 21, 118, 5;

der hofmeister und kammerdiener warten auff befehl Harsdörffer gesprechspiele 2, 104; es ist wahr, ein könig hat hundert bediente, die auf seinen wink warten Abbt werke 2, 50;

die auf seine gnad' und huld
gerne warten mit geduld.
Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. 1, 56;

ich warte auf deine dankbarkeit, Ferdinand Schiller 3, 385 (kab. u. liebe 1, 7); die baronin wartete tagtäglich, aber vergebens, auf die sinnesänderung ihrer tochter Göthe 24, 344 Weim. ausg.; und wenn ich auch noch zehn jahre auf seine hand warten sollte Gellert 3, 12; worauf wartet man? a che si bada? Krämer 1210; die mutter ..., die ... darauf wartete, dasz der sohn reden solle Fontane I, 6, 3. ironisch: ja, wartet drauf, attendez vous y, ne vous y attendez pas Rondeau;

so ein gespräch, wie unsers war, im garten, ...
ja, darauf kann ich warten.
Göthe 5, 59 Weim. ausg.


γ) etwas wartet auf jemand 'steht ihm bevor' vom schicksal, das den menschen trifft: supplicium te manet, die straff wart uff dich, du wirst gestrafft werden Alberus dict. AA 4b; der tod wartet auf uns, imminet et impendet mors Nieremberger; der eilt nach frembdem gut, auff den wart armut S. Franck sprichw. 1, 45a;

es sind ja leider! schlag und fluth,
geschosz, wurf, stickflusz, mord und glut
und fälle vieler arten,
die stündlich auf uns warten.
v. Canitz gedichte (1734) 185;

o was vor ein sanffter schlummer
wartet auf mein müdes haupt!
Günther 120;

die gefahr, die auf sie wartete Göthe 22, 31 Weim. ausg.; wer weisz, was noch für prüfungen auf mich warten 23, 149; hat er sich überzeugt, dasz weder gift noch dolch auf ihn warten, und dasz der neger Hoango nicht zu hause ist? H. v. Kleist 3, 322 E. Schmidt; was für ein schicksal wartet auf uns! S. Geszner schriften 1, 145; glück und heyl warte auff ihr majestät engl. comedien u. tragedien (1624) F 3b; welche glückseligkeit wartet auf mich? Lessing 2, 47 (Sara Sampson 3, 5);

[Bd. 27, Sp. 2161]


es warten jetzt in euren armen
der freuden so viel auf mich.
Hölderlin 1, 67 Litzmann;

gesprächige freunde,
gleichgesinnte, herein! kränze, sie warten auf euch.
Göthe 1, 294 Weim. ausg.


δ) es wartet auf einen oder etwas kann auch heiszen 'es steht bereit für jemand oder zu einem zweck': so findestu, das unzelige empter auff die gelerten warten ... und doch wenig sind, die darzu gezogen werden Luther 30, II, 566, 26 Weim. ausg.; das kindt wartet uff den tauff, der pfaff ist über ain myl weg bey dem wyn Eberlin v. Günzburg 1, 187 neudr.;

die streifft sie (die flöhe) darnach alle sampt
in ein wasser mit ihrer hand,
so sie in einem zuber het
und auff disz kurtzweil warten thet.
Fischart flöhatz 506 neudr.;

schon längst mit mir herumgetragen, wartet es (das gift) hier, dem herzen bereits nahe, auf den traurigen dienst Lessing 2, 73 (Sara Sampson 4, 9); unter eilf briefen, die hier auf mich warteten Lichtenberg briefe 1, 122. seit dem 18. jahrh. steht es auch in dem sinn 'es sieht einer darauf zielenden thätigkeit oder künftigen verwendung entgegen': der baum wird der rauscher, der west säusler, die quelle riesler heiszen — da liegt ein kleines wörterbuch fertig, und wartet auf das gepräge der sprachorgane Herder 5, 50 Suphan; die letzten propheten nach der gefangenschaft haben zum theil ... noch unerörterte bilder, die auf ihren erklärer warten 10, 97; ich will meine theatralischen werke, welche längst auf die letzte hand gewartet haben, daselbst vollenden, und aufführen lassen Lessing 12, 177; die sache ist schon eingefädelt, und wartet nur auf eine geschickte hand Klinger werke 1, 171 (falsche spieler 5, 1); dasz da ein gerade so übel zugerichteter spieltisch stand, wie bei uns einer auf die bessernde hand des tischlers wartete Th. v. Bernhardi jugenderinnerungen 124; bis beide gestorben sind, die stube wieder leer steht und auf einen neuen bewohner wartet Stifter werke (1901f.) 5, 1, 209; die kleinen gebäude ..., die dort im nordost noch hin und wieder anzutreffen sind und nur auf das weggerissenwerden zu warten scheinen Stinde familie Buchholz16 1; (ein edelstein,) der darauf wartet, dasz eine geschickte hand ihm glanz ... gebe Kästner verm. schriften 1, 144.
ε) von adverbiellen bestimmungen tritt zu warten gern mit verlangen, mit ungeduld, mit schmerzen: ich warte mit verlangen auf den ausgang der sache Ludwig 2386; ich warte mit schmerzen auf die nachricht, dasz sie wieder zu hause, dasz keine folgen zu besorgen sind Göthe briefe 8, 136 Weim. ausg.
ζ) auf etwas warten lassen: lange liesz er auf seine antwort warten Ranke werke 1, 74. auf sich warten lassen: willkommen wertheste gäste. sie werden geschmält haben, dasz der hausvater so lang auf sich warten lies Schiller 3, 113 (Fiesko 4, 6); er wird nicht lange auf sich warten lassen Göthe 23, 221 Weim. ausg.; doch blickte man sehnsüchtig nach ihm aus, liesz er einmal auf sich warten Immermann Münchh.2 1, 178; die päpstliche dispensation, die lange auf sich hatte warten lassen, traf endlich ein Ranke werke 15, 152. auch nur umschreibend für 'noch nicht kommen': sind viele herrschaften drüben? ... es fängt eben an. bisher hatten wir schlechte zeit. die wegen der bäder kommen, lieszen auf sich warten Heyse nov. 1, 10; da das essen noch auf sich warten liesz, wollte er die neuigkeit ... dem alten sofort mittheilen Kretzer meister Timpe 30.
f) für einen warten kommt euweilen im 19. jahrh. als nachbildung des engl. to wait for 'auf etwas warten' vor: die fürstin schrieb an ihrem sekretär an mehreren briefen, für welche die boten warteten Alexis ruhe ist die erste bürgerpflicht 297.
g) an warten kann sich auch ein abhängiger satz anschlieszen.
α) schon im mhd. kommt anschlusz eines abhängigen fragesatzes vor; die bedeutung 'warten' ist hier unmittelbar aus der von 'seine aufmerksamkeit auf etwas richten'

[Bd. 27, Sp. 2162]


(s. o. B 1 in gleicher verbindung) hervorgegangen, indem noch das bedeutungsmoment des fortgesetzt in spannung bleibens hinzutritt; die verbindung bleibt auch im älteren nhd. üblich, wird aber jetzt vermieden, da man die ausdrucksweise als elliptisch ansieht (wartet, ob er kommt d. i. wartet um zu sehen, ob er kommt): diz (erbe) sal der richter halden jâr und tac unvertân, und warten, ab sich ieman dar zû zîhe mit rechte Sachsenspiegel 1, 28, 1 Weiske;

dô stuont noch vor dem hûseder küene spilman:
er warte, ob iemen woldenoch zuo in mit strîte gân. Nibelungen 2016, 4;

z dir mich schikken wiel vor tag,
wartend ob ich dein' hilf erblikke,
di mich erquikke.
Melissus psalmen 21 (5, 3) neudr.;

nun warten wir hie mit verlangen,
ob Valentin den wilten gfangen
oder villeicht hab gar erschlagen.
Ayrer 1383 Keller;

darnach zoch man für Bremgarten,
die liesz man sechs wuchen warten,
ob jemand si entschütten wolt,
als man in so vil zites sölt.
Tschudi chron. helv. 2, 28;

sie ... namen einen vesten berg in, daruff sie sich enthielten, wartende ob noch yemand were der in hilff thn oder zziehen wölt Schöferlin Livius (Mainz 1514) 14a; die schmach bricht mir mein hertz und krencket mich, ich warte obs jemand jamerte, aber da ist niemand, und auff tröster, aber ich finde keine psalm 69, 21; darnach sahe er sich umb, wartende ob etwa einer sollich fürfordern an wolt nemen Barletius Scanderbeg, deutsch von Pinician (1533) 5b; wartet, ob ihn (den französischen hofgeschmack) die Deutschen beibehalten Herder 18, 204 Suphan; Veitel wartete gespannt, ob er das document behalten würde; wenn er es in der hand behielt, so war das geschäft zum abschlusz reif Freytag 4, 49 (soll u. h. 1, 4); ich wart oder begär zewüssen, was du sagen wöllist, expecto quid velis Maaler 484b;

und (si) wolte warten waʒ si têten,
und ob si iht gûtes hêten,
dâ mite si sich begingen. vrouwenzucht 395 Lambel;

als er nun sah sein erbar gsind,
welchs zu unerbarm nur ist gschwind,
da stehn und warten, was er sag;
da fieng er an eyn solche klag.
Fischart 1, 230 (jesuiterhütlein 37) Hauffen;

davon mus man die augen abkeren und mit furcht warten, was gott davon helt Luther 18, 501, 28 Weim. ausg.;

wil warten wie sys bzügen wend.
R. Manuel weinspiel v. 3379 neudr.;

hoffnung und forcht war an beyden orten: alle stett in Italien warteten mit verlangen, wohin sich das glück neigen wolt Guler v. Weineck Raetia (1616) 67b; warten mit verlangen, wo der richter ihnen irgend einen angriff zuthun anbefehlen wirde Philander (1650) 1, 13;

dô daʒ ampt wart getân
und sich der pfaffe enkarte,
dô stuont er unde warte,
wenne er im gæbe den segen.
Wirnt v. Gravenberg Wigalois 115, 3;

nu stuonden jene noch aldort,
die den tôtlîchen mort
solden haben getân
an dem edelen Tristan;
sie warten vor der kirchentür,
wenne er wolde gên her vür.
H. v. Freiberg Tristan 3235 Bernt;

wie sie (die landschaft) hier zu Öting lägen, und da wartend wären, wann sie gen Burghausen gefordert würden Krenner baier. landtagshandl. 3, 237 (1447); da gieng die junckfrow alleyn z dem see und wartet, wenn der wurm käm der heyligen leben summerteil (1472) 15b; darinn saszen die alten edlen Römer inn ir besten kleydern und langen grawen bärten schweigent, als ob sie gehawen bild weren, wartend, wann die Frantzosen sie todt schlügen Livius bei Carbach 57a; darumb brachten sie ir kriegsvolk zusamen, das sie bey einander weren, und warten, wenn man die feinde angreiffen müste 1. Maccab. 3, 44; in welchen (hallen) lagen

[Bd. 27, Sp. 2163]


viel krancken, blinden, lamen, dürren, die warteten, wenn sich das wasser beweget Joh. 5, 3; er aber schlenckert das thier ins fewr, und im widerfur nichts übels. sie aber warteten, wenn er schwellen würde oder tod nider fallen apostelgesch. 28, 6; als solten sie sitzen und warten, wenn er (gott) in eine gebratene gans liesze inns maul fliegen Luther 32, 472, 30 Weim. ausg.; als wir lang gewartet, wenn uns der priester Johann würde gen hof fordern lassen generalchronicen (Frankf. 1576) 106a;

den bittern todt gar offt begert,
wart, wann er diss wurd gewert.
Montanus 7 Bolte;

vileicht so wartend ihr jetzt auff,
wann euch der troianisch hauff
selbs in die schiff wöll sitzen ein
und sich an euch ergeben fein.
Spreng Ilias 44a.


β) auch bei anschlusz eines dasz-satzes (zunächst nur im conj.) kann auf die ursprüngliche bedeutung des aufpassens (B 2) zurückgegangen werden; mhd. belege, in denen die bedeutung 'warten' schon ausgeprägt ist, liegen noch nicht vor; im nhd. ist die verbindung üblich geblieben: also muostu lang warten, daʒ etwas guots durch dich beschehe, wo du deinn willen nit darnach frey richtest Berthold v. Chiemsee t. theologey 276; mein lieber hat einen weinberg, an einem fetten ort ... er bawete auch einen thurm drinnen, und grub eine kelter drein. und wartet, das er drauben brechte, aber er brachte heerlinge Jes. 5, 2; Petrus aber sahe in (den bettler) an mit Johanne, und sprach, sihe uns an. und er sahe sie an, wartet, das er etwas von inen empfienge apostelgesch. 3, 5; wilt du warten, dasz man dir hie im beth ... die gurgel absteche? theatrum amoris (1626) 93; der rabendieb ... wartete derhalben ... dasz die feigen vollend reiff würden Prätorius winterflucht d. sommervögel (1678) 56; ich wartete nur, dasz die liebenswürdige Emilie sich völlig erhohlet hätte, um beide im triumphe nach der stadt zu bringen Lessing 2, 180 (Emilia Galotti 5, 5); lange wartete mein begleiter, dasz ich meine schreibtafel hervorholen sollte Göthe 25, 247 Weim. ausg.; die menschen sitzen und glotzen vor ihren boutiken und warten, dasz ein ungarischer grenadier eintritt, um sich ein viertelpfund käse zu kaufen Gutzkow aus der zeit und dem leben 240;

dem alten länget nur, er wartet alle tage,
dasz sein Phidippus auch das rot paretlein trage.
Rachel sat. ged. 71 neudr.


γ) dagegen setzt warten mit angeschlossenem satz mit bis schon die entwicklung der bedeutung 'verziehen' voraus. ein mhd. beleg fällt nicht ins gewicht, da in dem druck von 1573, der den Engelhard überliefert, vermutlich warten für bîten eingesetzt ist:

'dâ muostû warten' sprach der frome,
'biʒ daʒ mîn herre geʒʒen habe'.
K. v. Würzburg Engelhard 1296.

sonst seit dem frühnhd.:

mancher (arzt) ist so unerfaren,
sol er ein krancken yetz bewaren:
'wart', spricht er, 'bis ich wider kumm'.
Murner narrenbeschw. 30, 17;

blyb dusz in aller tüfel namen
und wart, bisz das er nach dir schick!
R. Manuel weinspiel 2458 neudr.;

da wolt ich je noch warten,
bisz es vollkommen ward.
Spee trutznacht. 75;

die melancholey
musz warten, bisz ich sonst zu hausz und müszig sey.
Logau 1, 8, 99 (s. 186 Eitner);

sitzt er nu zur rechten gottes, und wartet hinfurt, bis das seine feinde zum schemel seiner füsze gelegt werden Ebr. 10, 13; wann man will disz kraut säyen, so soll man warten, bisz dasz das erdrich vorhin vom regen genetzt ... seie Sebiz feldbau (1579) 196; also war ich nun ein wenig abgespeiset und wartet mit verlangen, bis die kuchenthür wieder aufgieng Simpl. schr. 3, 325 (vogelnest 1, 6) Kurz; er soll warten, bis er sein eigner herr wird Lessing 1, 468 (schatz 1); mein führer kletterte zuerst hinunter, mich hiesz er warten, bis er wieder käme

[Bd. 27, Sp. 2164]


Schiller 4, 77; und setzte mich, um zu warten, bis der herzog vorbeiging Göthe 43, 253 Weim. ausg.
δ) anschlusz eines infinitiv mit zu ist nicht häufig:

gott ist getrew und kennt gar wol
aller menschen gebrechen.
und weis wie lang er warten sol
uns wider zu zusprechen.
Ringwaldt handbüchlin D 1a;

hyerrumb ich wart und bin bereit, z hören yeden, was er sag Hutten op. 1, 452; diese junge pflanze, geträncket mit dem taue des himmels, wartete nicht lange die herrlichsten früchte zu tragen Ramler einl. in d. schön. wissenschaften 4, 84.
h) absoluter gebrauch von warten kommt seit dem späteren mhd. vor.
α) am häufigsten mit anschlusz von zeitlichen bestimmungen:

die zeit ist ietzundt, hie zue richten,
lenger warten soll man mit nichten. Endinger judenspiel 73 neudr.;

wi lang sol ich noch warten hi,
verzer das mein und waisz nit wi.
Schwartzenberg t. Cicero 135b;

ich kan alhie nicht lange warten.
B. Krüger spiel v. d. bäur. richtern 56 neudr.;

du thst im recht, losz, wart ein klein! schweiz. schausp. 3, 179, 1045;

wenn er nicht käme, so warten wir noch ein wenig Göthe 24, 110 Weim. ausg.; dy scheppin santen mit dem richter clage unde antwort unde das gescholdene orteil, do weren wartende dy scheppin drye virczen tage unde manten den schelder unde synen burgen, das her syn ortel volfurte, des tete her nicht Magdeburger fragen 1, 4, 7 Behrend; dann allein umb dieser ursach willen hab ich die gantze nacht gewart Amadis 1, 283; ich wartete ungeduldig einen tag G. Keller 2, 22; einen tag nach dem andern warten Stieler 2438; lady wird so gütig seyn, und bis zu ihrer zurückkunft warten Lessing 2, 63 (Sara Sampson 4, 7).
β) ohne zeitliche bestimmungen:

stant uff, herre Jhesu Crist, ...
hilff den armen selen usz der pin,
die in der helle warten sin! Alsfelder passionsspiel 7040 Grein;

ein bilger ylet wider heim yn sein heimt, da sine lieben frúnde warten der ewigen wiszheit betbüchlin (1518) 27b; der doctor wartet stetz, es wolt aber nichts kumen Pauli schimpf und ernst 53 Österley; da nu Holofernes im bette lag, truncken war und schlieff, sprach Judith zu irer magd, sie solt drauszen warten fur der kamer Judith 13, 4; weil wir nicht künnen warten und harren Luther 24, 661, 35 Weim. ausg.;

warrd und setzt euch ein weile nieder.
H. Sachs 5, 49, 14 Keller;

steh in gedult, wart in der still
und lasz gott machen, wie er wil.
P. Gerhardt 23 Gödeke;

lasset uns munter seyn, warten und wachen,
es schlaffe ja keiner vor trägheit nicht ein.
A. Silesius heil. seelenlust 28 neudr.;

beschleunige das opfer, priesterin!
der könig wartet und es harrt das volk.
Göthe 10, 61 (Iphigenie 4, 2);

ein schweres ungewitter ist
im anzug. ihr müszt warten.
Schiller 14, 276 (Tell 1, 1).

mit etwas warten: ich bitte euch, thuts doch balde, und wartet nicht lang damit Ludwig 2386;

und wart nicht mit der sparsamkeit
bis all substantz darnieder leit.
Ringwaldt lauter warheit v. 97;

ich hütete mich wohl, den zünder anzustecken, ... sondern wartete damit ein paar minuten E. Th. A. Hoffmann 10, 24 Grisebach.
von abstracten, in bildlichen wendungen:

und wartet drauszen vor des schloszes thoren
der krieg, auf augenblicke nur gebändigt?
Schiller 14, 27 (braut v. Mess. 1, 4);

kaum hat er in der nacht den schlaf gefunden, so verjagen ihn schon die sorgen, die an seiner thüre warten Ramler einl. in d. schön. wissenschaften 1, 347. von gegenständlichem 'bereit stehen':

[Bd. 27, Sp. 2165]


sie sehn in einer lichten wolke
den flammenwagen warten.
Ramler lyr. ged. (1772) 383;

da man schon gegen die rothe unglücksäule zukam, ... wartete ein schlitten, den der schuster auf alle fälle dahin bestellt hatte Stifter werke (1901f.) 5, 1, 257; es war nun auch licht gebracht worden und sein nachtessen wartete Gutzkow ritter vom geist2 2, 356; unten wartete der feiertagskaffee W. Raabe hungerpastor (1864) 1, 166.
γ) formelhafte wendungen sind:
1)) einen warten lassen: lasz mich nicht so lang warten! Krämer 1210;

Mansor, Mansor, hast
uns lange warten lassen!
Lessing 2, 332 (Nathan 5, 2);

verzeihen sie, dasz ich sie habe warten lassen Göthe 23, 7 Weim. ausg.
2)) da kannst du lange warten (wenn jemand etwas nicht bekommen soll): Hector kann lange warten, ehe er seinen (des Troilus) verstand bekommt (shall not have his wit this year) Shakespeare, Troil. u. Cress. 1, 2; du kannst warten bis du schwarz wirst Brendicke 191; ich denke wahrhaftig, er will ihm abbitten: aber ja, da hast du zu warten! Schummel spitzbart (1779) 90. ironisch: wart e wili, wart e wenig Hunziker 287; ja wart ə wal Schmeller 2, 1004; jo de chansch-mer warte Seiler 310b.
3)) warten lernen; hast du warten gelernt? fragt man einen ungeduldigen.
4)) ich kann warten sagt man, wenn ein wunsch nicht erfüllt wird, um anzudeuten, dasz man nicht nachlassen wird.
5)) etwas mag (kann, musz) warten: ich schicke dir zwey dukaten zu den currenten ausgaben. das andre mag warten Göthe briefe 4, 19 Weim. ausg.; ich will euch nicht stören, wenn ihr ein geschäft habt — mein ding kann warten Stifter werke (1901f.) 2, 154; 'kommen sie nach meinem zimmer, Andrees; es sind noch postsachen für sie mitzunehmen.' als sie aber dahin gekommen waren, meinte Rudolf, es müsse bis zum abend warten, es komme doch noch einiges dazu Storm 7, 104.
δ) der imperativ warte gibt zunächst die aufforderung zu verweilen:

so hastig? — warte doch, Al-Hafi.
entläuft dir denn die wüste? — warte doch!
Lessing 2, 212 (Nathan 1, 3);

ihr eilet ja, als wenn ihr flügel hättet,
so kann ich euch nicht folgen, wartet doch!
Schiller 12, 487 (Maria Stuart 3, 1).

dann gibt es einen hinweis auf etwas, das demnächst geschehen wird und das man abwarten soll, also wie 'pasz auf!' (ohne dasz direct auf diese ältere bedeutung von warten zurückzugehen ist):

drumb wartent, so gehe ich geschwindt,
bring euch darfür ein guet stückh brodt. Endinger judenspiel 34 neudr.;

wart', ich hole das gefäsz
dir zum trinken.
Göthe 2, 173 Weim. ausg.;

nicht doch, herzliebster, warte nur,
dein wunder siehst du gleich.
Mörike 1, 38;

du wirst gaffen! du wirst augen machen! wart, und wie man handschriften nachmacht, würffel verdreht, schlösser aufbricht ... das sollst du noch von Spiegelberg lernen! Schiller 2, 35 (räuber, schausp. 1, 2). dahin gehört auch das drohende warte (meist gekürzt wart), das eigentlich dazu auffordert, die zeit, in der man für zugefügtes unrecht bestraft oder sonst mitgenommen wird, abzuwarten (ganz ebenso früher harre th. 4, ii, 494): wart wart, du sollt mirs zahlen! aspetta aspetta tu mela pagherai! Krämer 1210; wart! wart! oder harre! harre! du schelm, du sollt mirs zahlen Ludwig 2386;

warte nur, führ' ich dir erst als gebietende frau den pantoffel!
Voss ged. (1802) 2, 73;

o warte nur, du sollst mir diese falschheit büszen!
Göthe 9, 34 (laune d. verl. 7);

[Bd. 27, Sp. 2166]



wart' nur, das geht dir nicht so ungenossen aus.
Göthe 9, 94 (mitschuld. 3, 4);

was soll das sein? wart'! ihr bezahlt es theuer. 14, 111 (Faust 1, 2302);

du wagst mir schamlos ins gesicht zu sagen,
dasz du Sosias bist? ...
nun, wart'! ich will dich zu verwandeln suchen.
H. v. Kleist 1, 212 (Amph. 1, 2) E. Schmidt;

warte du nur du hund, du solst mir den fluch nicht umsonst gethan haben Chr. Reuter ehrliche frau 5 neudr.; warte, dich will ich kriegen Lessing 1, 496 (schatz 11); wart alter! dich will ich fangen Schiller 2, 134 (räuber, schausp. 4, 2); wart, wart! ... will dir's nun eintreiben! Fr. Müller 1, 146; dasz dich! rief der hofschulze und schlug mit der faust auf den tisch. dann murmelte er vor sich hin: nun warte! dafür sollst du heute deine strafe kriegen Immermann Münchh.2 1, 151. dann auch ohne hinweis auf künftig geschehendes:

er wuste was davon, und konnte mich
zu seinem mörder machen wollen! wart!
Lessing 2, 362 (Nathan 5, 8).


i) warten wird reflexiv gebraucht mit bestimmungen, die das ergebnis der thätigkeit anzeigen: ich warte mich schier zu todt, expectando miser exedor Dentzler 2, 342; so solte man sich wol zum narren warten Ludwig 2386; sich steif warten, sich müde warten Steinbach 2, 936; wir warten uns hier fast zu narren Fr. Müller 3, 38; wenn du dich ansagst, kann man sich zu tode warten, und wenn du kommst, könnte man vor schreck den tod davon haben Storm 5, 112.
k) das part. praes. wartend kommt (besonders in der dichtersprache) in adjectivischem gebrauch vor: die ander portz (der zölle) gebürt den künigen für iren hof ... den dritten theyl nemen die bestelten wartenden soldner und kriegszleut, die im sold ligen, zukriegen gerüst S. Franck weltbuch (1542) 10a;

wir sangen der eisgangslieder noch viel ...
von dem bräunlichen hirten, der schneller die wartende braut ereilt.
Klopstock oden 1, 218 Muncker;

noch komt sie nicht die sonne ...
von dufte schauert es ringsumher
auf der wartenden erde. 2, 50;

fern entwich der profane; da bebte der wartende neuling,
den ein weiszes gewand, zeichen der reinheit umgab.
Göthe 1, 247 Weim. ausg.;

man hörte alle fünf akte in unverwandter dumm wartender stille an Wieland 19, 252 (Abderiten 3, 2). wartend als prädicatives attribut:

die freunde will ich nun geschwind
beruhigen, die sehnlich wartend harren.
Göthe 10, 70 (Iphigenie 4, 4);

denn bank an bank gedränget sitzen,
es brechen fast der bühne stützen,
herbeygeströmt von fern und nah,
der Griechen völker wartend da.
Schiller 11, 243 (kraniche d. Ibykus).


l) der infinitiv erscheint seit dem mhd. in substantivischem gebrauch und hat so das früher daneben vorkommende wartung ganz verdrängt:

der megede wartin was grôʒlîch. könig Rother 2151;

das warten der gerechten wird freude werden, aber der gottlosen hoffnung wird verloren sein sprüche Salom. 10, 28; doch hat in das warten nicht verdrossen Ayrer hist. proc. juris 548; du bist von lange her daran gewöhnt, dasz ich unter allen schweren dingen das warten am allerschwersten ertrage Fouqué gefühle bilder 1, 43; wegen des langen wartens einer ihme zu dinen ersprüslichen gelegenheit Butschky hochd. kanzelley 27;

welche nacht des wartens ist vergangen!
wacht' ich doch und zählte jedes viertel.
Göthe 2, 98 Weim. ausg.;

wie soll ich den zustand des wartens und hoffens beschreiben? 23, 100; aber nach 6 monate wartens, muszte er sich ... zurückziehen Ritter erdkunde 1, 431; endlich wurde sie wartens satt und machte den thee fertig G. Keller 2, 266. es ist, es hat wartens: hier ist nicht lange wartens, verberget euch um des himmels willen, sonst bin ich des todes v. Ziegler asiatische Banise 242; je nun hört doch, das ding hat ja auch wohl wartens,

[Bd. 27, Sp. 2167]


wir können uns ja bedenckzeit nehmen J. Hübner Christ-comoedia 23, 32 neudr.; der brief ist ja noch nicht geschrieben: also hats mit der staffette wartens C. F. Weisze lustspiele 1, 317.

er könnte mit gedult und warten
den grösten kummer überstehn.
Günther 174;

nach vielem warten, schelten und schmähen Göthe 21, 255; die pferde werden vom warten müde Gutzkow ritter vom geist 1, 173; auf warten reiten, beim wettrennen anfangs sein pferd zurückhalten und die kraft des pferdes bis zum geeigneten augenblick sparen. encyklop. der ges. thierheilkunde 11, 248a.
m) warten in sprichwörtern (vgl. Wander 4, 1788 ff.): lang gewartet ist nicht geschenckt Dentzler 2, 342; das warten währet langer als der witfrauen andacht und der soldaten hoffart Harsdörffer gesprechspiele 2, 319;

lang warten macht verdrieszen.
Spee trutznacht. 6;

lang warten ist verdriszig, es macht aber die leut witzig Lehmann (1640) 822; lang warten beist länger in die nasz als knoblauch ebenda; warten erfreut als essig die zän und rouch die ougen Keisersberg bei Martin-Lienhart 2, 857b; vom wârte verrecke d'hung ebenda; warten vexiert Simrock 11193; wer bisz ann jüngsten tag warten kan, der wirt leicht ein herr der gantzen welt sprichwörter (Frankf. 1548) 160b; wer lange genug warten kann, bekommt Nürnberg Wander 4, 1789; man musz nicht warten, bisz der bock gar zu weit in den garten kompt Henisch 442; man musz nicht warten, bisz die küh eyer brüten Lehmann 822; mancher wart bisz sie alle zu rosz sitzen, da doch keiner will satteln 823; wer zu lang wartet, dessen wird übel gewartet ebenda; es ist zu lang gewartet, dasz man den brunnen deckt, wenn das kind ertruncken ist Gruter bei Wander 4, 1788; er wartet auf den Sanct-Nimmerstag, da die gänse backen Wander 4, 1789; es ist besser, dasz man auf das korn wartet, als das korn auf uns Kirchhofer 308; wer wartet, der verlanget Dentzler 2, 342; die warten kann, kommt auch noch an Agricola bei Wander 4, 1788; die warten kann, kriegt auch einen mann Simrock 11195; wart, über eine weile kommt dein part 11196; wer warten kann, hat viel gethan 11197; wer nicht warten kann, musz laufen 11198; darauf ist gut warten, aber übel fasten 11199.
 
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wartendistel, f. die weisze wegdistel, carduus marianus L. Holl pflanzenn. 71b. wol entstellt aus waltendistel, vgl. sp. 1398 walterdistel, sp. 1403 walzdistel und sp. 1219 walendistel (1220 waltdistel).
 
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wartengel, m. der rotköpfige würger Naumann vögel 2, 22. vgl. sp. 1218f. wargengel.
 
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wartenkönnen, n., subst. inf.: was man oft hanseatischen geist genannt hat, das fast zögernde wägen vor dem wagen ..., das wartenkönnen mit der ganzen niederdeutschen zähigkeit Linde die Niederelbe 216.
 
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wartenkrängel, m. der wargengel s. sp. 1219.
 
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wartenkraut, n. die wilde wegwart, gemeine cichorie, cichorium intybus L. Holl pflanzenn. 64b.
 
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wartenlassen, n., subst. inf.: da das warten und wartenlassen meine sach nicht ist Bettine dies buch gehört dem könig 1, 12. —
 
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wartenmüssen, n. subst. inf.: mir geht es sonst ... recht gut, bis auf das wartenmüssen Runge hinterlass. schriften 2, 258.
 
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wartensmüde, adj.:

das volk ist wartensmüde, Samuel
kommt nicht.
Rückert werke 9, 69.


 
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wartenszeit, f.

es dient zu unsrer flucht nichts als ein fremdes kleid,
den anfang mach' ich selbst. hier ist nicht wartens-zeit.
v. Ziegler asiat. Banise 830.


 
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warteplatz, m.: lief er auf den warteplatz der lohnfuhrwerke Brehm thierl.2 1, 609. für schiffe Lueger 7, 183.