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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
steinreich bis steinrinde (Bd. 18, Sp. 2142 bis 2145)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) steinreich, adj. 1) reich an steinen, felsen, mhd. steinrîche Lexer 2, 1168; abbondante di pietre, rocche e sassi Kramer 2 (1702) 951a; Jagemann 2, 1158; steinreiche gegend a rocky place Ludwig 1854; abundans lapidibus Steinbach 2, 244: holzbauten, wie sie grade am steinreichen Rhein selten sind V. A. Huber reisebr. (1855) 1, 15; (der bach hatte) sein steinreiches, wildgezacktes beet für eine malerische wildnisz behauptet Kürnberger nov. 3, 14; jenseits der steinreichen und höchst wasserarmen Aach von Bregenz Gutzkow ges. w. 2, 94; das steinreiche Dalmatien Wimmer deutsch. bod. 425. vereinzelt auf edelsteine bezogen:

bald liesz dein lüstern reich auf deinen siegesgräntzen
das steinenreiche gold verdienter krone gläntzen,
allein wen rührt bey dir der edelsteine licht?
Pietsch bei
Weichmann poesie d. Niedersachsen 4, 13.

als ausdruck des scherzes mit beziehung auf stein im sinne von krankheit: im scherze heiszt man einen, der blasen- und nierensteine hat, steinreich calculis dives Frisch 2, 329c. ganz allgemein als scherzhafter ausdruck erwähnt Adelung 4, 722; Krünitz 172, 678. 2) sehr reich, ditissimus, praedives, vgl. comp.-typ. II 4. seit 15. jh. bezeugt, im wortspiel:

der (ein müller) was der steinreichest man,
daz nye keyn steynreycher dar kwam
und so steynreiche were
alz derselbe müllere.
haus und hoffe was vol gesteyn
ander sein reichtuem was gar kleyn,
davon er der steynreich müller hiesz bei
A. v. Keller erzähl. a. altdt. hs. 463 lit. ver.;

[Bd. 18, Sp. 2143]


in den wörterbüchern erst seit ende 17. jh. (ältere geben andere wendungen, z. b. praedives gar reych, hordreych Frisius 1038b): auro potens Stieler stammb. 1583; schatzreich, st., ricchissimo Kramer 2 (1702) 302c; 951a; mighty rich Ludwig 1854; Steinbach 2, 244; Jagemann 2, 1158; Heyne 3, 789. oft falsch erklärt: 'reich an edelsteinen' Frisch 2, 329c; Heinsius 4, 784a; Krünitz 172, 678; Lexer 2, 1168; 'der so viel geld hat, als steine gefunden werden, oder bei dem das geld wie steine auf- einander gehäuft ist' Stosch in berlin. monatsschr. I (1783) 156; 'des geldes so viel besitzend, als man etwa in steinigen gegenden steine sammeln kann' Campe 4, 2, 627a. richtige erklärung schon bei Adelung 'sehr reich ..., von stein, sofern es oft eine intension bezeichnet' 4, 722; vgl. zs. f. dtsche wortf. 1, 79; 2, 37; 3, 249. in der literatur im 16. jh. recht selten, im 17. noch spärlich, im 18. schon häufig, im 19. (u. 20.) sehr zahlreich belegt: gedenke nicht, du wollest in einem jahr st. werden Mathesius Syrach (1586) 2, 38b;

und er wird davon gar steinreich,
dasz er zsam bringt vil gut und gelt
Ayrer 4, 2482 K.;

in einem jahr st. werden kan nicht sein ohne böse rencke und sünd Petri d. Teutsch. weish. 2, K k 5r; fürsten und herren können wohl aus einem armen einen steinreichen mann machen Moscherosch ges. (1650) 1, 700; hette mein sohn so viel tauszendt thaller, als ihm sein heüraht gerewet, so were er st. El. Charl. v. Orleans br. 2, 226; 3, 93 H.; hätte ich nur 100 thaler für jeden kuss, den sie kriegten, ... so wär ich ein steinreicher mann Holberg dän. schaub. 3, 246; theat. d. Deutsch. 3, 326; ein steinreicher wechsler neue schausp. (Preszburg 1771) 10, 54; ein mann, den der krieg st. gemacht hat Kretschmann s. w. 4, 62; Wieland Lucian 1, 65; 2, 208; s. w. 14, 57 H.; Bahrdt leb. 3, 260; es wäre doch hart, dasz sie noth leiden müsse und einen so steinreichen sohn in der stadt habe Schiller 14, 222 G.; ich bin st. Iffland theatr. w. 5, 217; Kotzebue s. dr. w. 4, 225; die fürstin ... ist eine splendide frau, auch reich, st. Hauff 3, 24; Langbein 31, 8; der alte steinreiche präsident E. Th. A. Hoffmann 10, 113 G.; (er) sey dadurch plötzlich so st. geworden E. M. Arndt schr. für u. an s. l. Deutsch. 3, 496; mein herr hatte eine sponsade mit der tochter eines steinreichen holzhändlers Gaudy 12, 39; kinder- u. hausm. 2, 283; mythol.4 2, 572; ein höchst liebenswürdiger, steinreicher vetter A. v. Droste-Hülshoff br. an L. Schücking 336; das steinreiche volk der Lechthaler Kürnberger nov. 2, 140; ein steinreicher bankier W. H. Riehl d. dtsche arb. 205; zwar sprachen sie von ihr ... wie von einer steinreichen frau L. v. François Reck. 1, 51; lieferant des hofes, st. und ungewöhnlich ehrlich fürst Pückler br. u. tag. 2, 410; steinreiche leute Grabbe 1, 439 B.; da wär a woll sein a armer weber geblieben. jetzt sein se st. G. Hauptmann weber (1892) 53; v. Kahlenberg fam. Barchwitz (1902) 37. ganz vereinzelt in unpersönlicher beziehung: eine schöne, sehr umfassende, ja oft steinreiche phantasie Görres ges. br. 1, 88. 3) häufig in wortspielen, wo stein theils lapis oder edelstein bedeutet, theils zur verstärkung dient und zu anderen ähnlichen zusammensetzungen (besonders steinhart) einen gegensatz bildet; fast immer schillert das wort in mehreren bedeutungen, vgl. oben 2: darumb ob wol die weltkinder vor der sündflut leut-, viehe- und steinreich waren, auch eisen und kupffer an schatz legten Mathesius Sarepta (1571) 161b; wie er (Midas) stein- und goldreich ist ebda 14a; aber Stephanus durch seine stein ist st. worden, maszen er hierdurch das himmelreich erworben Abr. a s. Clara Judas 4, 30; in das steinreiche und goldarme Egypten Gottsched d. neueste 4, 711; auch hieszen in dieser steinreichen familie (der Rosenthaler) die ohne (circumflex am ende des namens) flintensteine; die mit steine des anstoszes Hippel kreuz- u. querz. 1, 11; die ihr steine nahmet, mich st. pöbelhaft zu überfallen ders. lebensl. 4, 413; dasz er ihm eine steinreiche dose geschenkt Jean Paul 7/10, 225 H.; ich weisz wohl, dasz einige leute mich st., andere steinhart nennen Chph. v. Schmid ges. schr. 8, 188; dieses ... gebäude ist

[Bd. 18, Sp. 2144]


von einem in jeder hinsicht steinreichen manne aufgeführt, denn seine ... steinbrüche bringen ihm järlich 46000 l. st. fürst Pückler br. eines verstorb. 1, 41; der geizige ist st. — steinhart Rother schles. sprichw. 426a. —
 
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-reichtum, m., abstract. zum adj. steinreich, entsprechend den dort gegebenen bedeutungen. 1) reichtum an steinen: die häuser sind trotz des steinreichtumes der umgebung ... aus lehm gebaut Ratzel völk. 3, 181. 2) groszer reichtum: viel recht gutes, das wieder unsern st. in diesem fache beweist Görres br. 2, 525. 3) im wortspiel: hat der eigenthümer von seinem stein- und goldreichthum mehr als das sehen? Hippel kreuz- u. querz. 1, 339. —
 
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-reihe, f., geradlinig aneinander gefügte oder in abständen aufeinander folgende steine. 1) im bauwesen: in den mauern legt man diese (halbziegel) wechselsweise mit den ganzen ziegeln zum anfange der steinreihen Rode Vitruvius (1796) 1, 72. 2) im straszenbau. a) als pflaster: denn diese st. (in der mitte der strasze) muszte den respektspersonen überlassen werden C. Vogt aus mein. leb. 25; trottoir, st. in der mitte der strasze Mothes 1, 42; Lueger 7, 540; b) zur dammbefestigung: übrigens festigt man böschungsflächen dauernd durch rasen ... steinreihen u. s. w. Schönermark-Stüber 229. 3) in der prähistorie: (bauwerke auf keltischem boden) sind ... steinreihen, eine gerade reihe ... ähnlich den sphinxreihen vor ägyptischen tempeleingängen ebda 563; die steinreihen (der menhiralleen in der Bretagne) haben unter sich einen zwischenraum von 4-5 m, kommen oft aber näher zusammen oder gehen weiter auseinander Schuchhardt Alteuropa2 67. —
 
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-reisch, m., name einer röhrenpilzart: die steinreische (boletus) sind regelmäszige pilze mit rundlichem hut und dem stil in der mitte Oken nat. 3, 136. vgl. -reizke oben sp. 2027. —
 
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-reiszend, part. präs., an der steinkrankheit leidend: dasz viel glaubwirdige ... wundartzte solches bezeugen ...: dasz sie von steinreissenden personen haben grosse stein ausz den nieren durch die lenden ... gesehen kommen Sebiz de partu Caesario (1583) 58a.
 
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steinricke, f., vereinzelt m., unter einflusz von rick(e) oder rücken Weinhold schles. 78; Schmeller-Fr. 2, 45. stäröcke Spiesz henneberg. 241; stäänreck Müller-Fraureuth 2, 355a; stenrok bei Schiller-Lübben und steinruche bei Diefenbach (s. u.); steinrücke literarisch im 16. jh. zs. f. dt. ma. 1, 62; im 18. jh. bei Müller-Fraureuth a. a. o. 1) steinhaufe, die gewöhnliche mundartliche bedeutung, entweder natürlicher herkunft an einer berglehne, s. Spiesz a. a. o., oder bei der feldarbeit von ausgelesenen steinen am raine aufgeschichteter haufe, s. Müller-Fraureuth a. a. o.: darnach (werden wir erinnert, wie man) das christenthumb ... verlieren könne, ... wenn man die steinricken nicht ablieset Herberger hertzpostilla (1613) 1, 226. die etymol. zugehörigkeit des zweiten gliedes bleibt unklar. 2) im sinne von steinrutsche 1. 2; wie dieses wort auf roman. *roccia, ist jenes auf roman. *rocca zurückführbar, s. Franck-v. Wijk 561b; Gamillscheg et. wb. 769; vgl. mnd. stenrok Schiller-Lübben 4, 389a und roke rupes nl. gl. 14. jh. bei Diefenbach 504a; steinruche abrupta in einem obd. gl. mit nd. anklängen (13./14. jh.) bei Diefenbach 4c; Schmeller-Fr. 2, 80: der selbige namhaftige röber wante (wohnte) nicht yn steten ..., sunder yn dem walde, yn grüften und yn löchern, yn den bergen und yn den steynrygken (hs. 15. jh.) in altdt. bl. 1, 119; es sind nicht ecker, sondern steinricken und klippen Mathesius postilla 1, 78a; die wieseln wohnen in den steinrücken (16. jh.) in zs. f. dt. ma. 1, 62. —
 
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-riegel, m., '(mühlenbau) bey getraide- und mahlmühlen derjenige riegel, durch welchen der bodenstein oder untere mühlenstein vestgehalten wird' Jacobsson 4, 282a; allg. haushaltl. (1749) 1, 93a; die unterste weite der läufe an den steinriegeln Schilling mühlenr. 83. —
 
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-riegelholz, n., volkstümlicher name der hain- oder weiszbuche, carpinus betulus Nemnich 571; Metzger pflanzenk. 336; Pritzel-Jessen 83; das holz des baumes ist von allen heimischen holzarten das schwerste und härteste und daher als werkholz sehr gesucht, vgl. Leunis pflanz. 2, 522. —
 
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-riese, m. 1) gewaltiger fels: donnernd raste er (der waldbach) ... in die

[Bd. 18, Sp. 2145]


tiefe hinab und rang schäumend mit den ihm sich entgegenstemmenden steinriesen Gaudy 10, 36; ein gewaltiger st. steht der Watzmann da Laistner nebels. 156; die alte Plumi ... ging mit uns ... die einsamen, heiszen steinriesen empor Stifter 2, 30; M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 6, 213. 2) mächtiges bauwerk: höher und höher strebt der baumeister empor, dasz der st. unter ihm, dessen leib er gebaut, zum zwerg werde graf v. Löben lotosbl. 1, 189; der schwarze st., der alte palast der florentinischen groszherzoge Gaudy 19, 87. 3) riesige plastik: ein aus syenit ausgehauener st., ein colossales königs- oder götterbild Böttiger kl. schr. 2, 205; nachkommen der verwitterten steinriesen, die auf der balustrade (des schlosses) ... mit scepter und schwert wache zu halten schienen Spielhagen 6, 267. —
 
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-riesel, m. 1) steinlawine: andere durch schaur und steinrissel gerathen in zeitliches verderben Abr. a s. Clara Judas 4, 30. 2) schutthalde: es giebt trümmerströme, st., geröllfelder ... und berge J. G. Kohl Alpenr. 3, 279. —
 
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-rinde, f. 1) 'die steinartigen überziehungen vegetabilischer und animalischer körper ... oder die umgebung mit einer steinkruste' Krünitz 172, 679. dieser (pfahl) hätte nie ... zu stein werden können, weil die ... st. das ... eindringen neuer theile verhindert hätte allg. dtsche bibl. 40, 332; da sah er, ... dasz aus dem feldsteine ein rothes äuglein hervorschaue, wie wenn es von den lidern der harten st. bedeckt wäre Stifter 5, 1, 277; bleibt er (der organische körper) innerhalb der umhüllenden st. unversehrt, ... so haben wir es ... mit keiner echten versteinerung zu tun Roszmäszler d. mensch im sp. d. nat.2 4, 101. vereinzelt für die äuszeren wände eines gebäudes: drinnen in diesem steinhause (einem dom) blühte einst ein lebendiges wort, ... es ... lebt nur noch in der äuszeren st. Heine 7, 405 E. 2) übertragen. a) etwas gestalt und form gebendes: eine späte ... quelle, die ... zwar einen kleinen rest von sagen und überlieferungen erhielt, aber zugleich mit griechischer st. überzog, ihm griechische gestalt gab Herder 2, 114 S. b) gefühlloses äuszere: nichts so haszte (er) als köpfe und herzen, die von der stoischen st. überzogen waren Jean Paul 1, 185 H.; er hat doch ein herz, es ist nur unter einer st. C. Töpfer ges. dr. w. 2, 202. —