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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
husecke bis hustenanfall (Bd. 10, Sp. 1975 bis 1978)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) husecke, f. ein mantel des 15. bis 17. jahrh., ursprünglich für beide geschlechter, zuletzt nur für frauen; betont húsècke. das wort geht auf das franz. housse decke, überkleid, mantel (Littré 1, 2057a) zurück, welches der name für ein im 14. jahrh. dort aufgekommenes modisches kleidungsstück war, das sich seit anfang des 15. jahrh. auch in andere länder verbreitete (vergl. Weisz kostümkunde 3, 72. 73); zunächst in die Niederlande, wo wahrscheinlich die bezeichnung auch eine weiterbildung erfuhr, die zum theil in umdeutung übergieng: hussack, husseck, hushuyck toga, pallium, mastruca Kilian, die letztere form mit bezug auf hoike sp. 1731; dann nach Oberdeutschland: mastruga huseck, hasuyk Dief. 351a; husszäcken, langer rock, pallium, praetexta toga Maaler 233a, und mit ausdeutung auf alemannisch hûs, schriftdeutsch haus: mit einer hauszäcken bekleidet, palliatus 214c; palla schaub, huseck, frawenmantel Golii onomast. (1582) 206; pallium, husacken oder mantel dict. lat.-germ. (Frankf. 1610) 619; cyclas, sockeney- oder husacken 621; bei Stieler huschk und husack, diphthera, ein frauenmantel 872; nachdem undter den mannsbilden, nit allein den erbern, sonder auch den gemainen mann, ein mergkliche kostlichait entstanden ist, nemlich mit geprawchung merdreiner veher und ander kostlicher rawher claydung an schawben, hussecken, rocken und menteln. Nürnb. poliz.-ordn. 104; das nun hinfuro einich mannsbildt, burger, burgerskindt oder innwoner diser statt, an einichem rock, hussecken, schawben oder mantel, weder von samat, attlass, damasco oder ander seiden uber ein halbe elen allenthalben nit verpremen oder verpremen lassen, noch die also verprembt tragen soll. 107; wölcher wind hat den layen ir röck und mentel auf die achszel gewäet, wölcher wind hat in ire huszöcken vornen zerrissen, allso das man in sicht dʒ die natur understat z verbergen. Keisersberg schiff d. pen. 40b; Pura die jungkfraw gehet ab, der ritter setzt sich in ihr husecken und piret trawrig nider. H. Sachs 3, 1, 234a; der trabandt zeucht im die handt mit der husecken vom angesicht. 234b; in schwarzen husecken eingewickelt, nemmen sie (die Portugiesen) den schlaaf auf dem stroh. S. Frank weltb. 70b; (die Ungarn) tragen ob allen kleidern ein husecken oder langen rock. 80b; und da man noch husecken und feine lange jenker und ander ehrliche kleidung trüge, stünde es vil besser. Mathes. hochzeitpred. 28b; die aller schönste husäcken, so jemals in occident gesehen worden. Amadis 302; heutiges tages weisz man auch manchmal nicht, wie man die kleiderkästen gnug füllen soll, da haben manche frauen ihre 10. 20. röck nach einander hangen in der ordnung, so viel müder, so viel hussegen, dasz ihnen nur die wahl wehe thut. Creidius 2, 58. vgl. auch heisocke sp. 903.
 
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huseh, jagdruf: mit seiner jägerstimme und in seiner weidmannssprache hub er an zu schreien: frisch auf, gesell! frisch auf, huseh! Bode Th. Jones 6, 477.
 
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huss, hetzruf an hunde; auch gebraucht zum verjagen von thieren. Schm. 1, 1183 Fromm. Lexer kärntn. wörterb. 146. bei schilderung der verfolgung von menschen: und gibt ein ieder husz z, dasz der unden ligt in nöten yemehr von iederman verlassen, und als got und der welt ein grewel, gehaszt wirt. S. Frank sprichw. 2, 38b; da schreyet jederman husz an den

[Bd. 10, Sp. 1976]


ketzer. Mathesius hist. von Jesu Chr. 2, 12b; einige waren so muthwillig, dasz sie durch ein unaufhörliches husz! husz! diese erhitzten vertheidiger der wahrheit in ihren kritischen untersuchungen (gemeint ist eine balgerei aus anlasz einer streitfrage) noch mehr anfeuerten. Rabener sat. 2, 249.
Schweizerisch hat sich ein masc. husz, hausz der hund, aber auch unmensch, wüterich gebildet (Stalder 2, 28. 66), wol nach dem hetzruf. — husz, lang gesprochen, aber ist daselbst ein ausruf des ekels und abscheus. Stalder 2, 66. Tobler 282a.
 
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hussa, jagd- und verfolgungsruf:

(wenn nicht bei) dem hussa! in erschrocknen lüften
dreiszig stimmen durch einander schreien.
Gökingk 1, 46;

da muszten sie springen wie hasen über feld,
und hell liesz erklingen sein hussa! der held.
Arndt ged. (1840) 284;

erweitert:

rischrasch quer übern kreuzweg gings,
mit horridoh und hussasa.
Bürger 70a.

hussa auch jubelruf:

ein lautes hussa schallt bacchantisch durch den sahl,
und jung und alt, was füsze hat, musz springen.
Wieland 22, 216 (Oberon 5, 46).

Englisch ist huzza nationalruf der freude und des beifalls, und in der englischen form wird das wort bisweilen auch von deutschen schriftstellern gebraucht: freiheit war ihm nun nichts mehr als ein leeres huzzageschrei, das aus sklavenhälsen erschallt. Sturz 1, 242.
 
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hussen, verb. huss rufen; hetzen, zunächst von hunden, aber auch von menschen, aufhussen aufhetzen, anhussen antreiben. es ist bairisch-östreichisch Schm. 1, 1183 Fromm. Lexer kärntn. wb. 146. Fromm. 6, 156; und es hat sich daran ein adjectiv hussig, husig, kärntn. hussik schnell, frisch, hurtig, munter, in jenen ländern gebildet.
 
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hust, m. und f., vgl. unter dem subst. husten.
 
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hüst, fuhrmannsruf, für hist sp. 1580; alemannisch hüst fuhrmannswort, um die pferde links zu leiten. Stalder 2, 66; der Theodor sagte: .. hüst um! dort links ist die stubenthür. denn der gast taumelte nach der thür eines milchschranks. Hebel 3, 8.
 
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husteln, hüsteln, verb. leicht oder öfter ein wenig husten: nach einer ängstlichen stunde bequemte sich endlich die alte in einem groben basse zu husten, und zugleich hustelte auch Klärchen, aber wahrlich so harmonisch, dasz der gröszte kenner es eher für eine passage von Gluck hätte halten müssen, als für einen katharr. Thümmel 3, 211;

so schielend und schleichend,
so hüstelnd und keuchend.
Fr. Müller 1, 339;

er hüstelt schon, er magert ab,
die sehnsucht schaufelt sein frühes grab.
H. Heine 18, 28.


 
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husten, m. tussis. die vollste germanische form des wortes hat das ags. im masc. hvôsta, was noch im englischen dialektischen whoost, und im schweizerischen der wusten (wuesten) husten Stalder 2, 461 nachklingt; alle andern dialekte haben den labial vor dem langen vocale untergehen lassen: ahd. huosto, masc. und huosta fem., mhd. huoste, masc., niederl. hoest tussis Kilian, altnord. hôsti, schwed. hôsta (fem.), dän. hôste. jene labialis war eine eigenthümlich germanische erscheinung, die urverwandten sprachen kannten sie nicht: sanskr. kâsa der husten, kâs husten, litt. kosu, kosti, lett. kâsét tussire, kirchenslavisch kašĭlĭ tussis, vergl. Fick 42. — Für das bis auf unsere zeiten allgemein gesprochene hûsten wird jetzt in Norddeutschland vielfach kurzes husten gehört.
Für die mhd. form huoste, mitteld. hûste tussis Dief. 603b, ist wenigstens seit dem 15. jahrh. husten gebräuchlich: huesten tussis. voc. inc. theut. k 4b; der hsten tussis Maaler 233b; doch hält die form ohne n noch bis ins 17. jahrh. sich hie und da, Stieler 868 gibt der huste und der husten, tussis, tussedo; gekürzt und in die starke declination übergetreten der hust, gen. des hustes:

wen der hust wolt verderben,
der nem des schmalz in seinen munt,
das machet in pald gesunt. fastn. sp. 94, 16;

ir sprecht, ir hiet uns mer gesäyt,
do mocht ir nicht vor huostes läid.
nu dar, der huost der ist do hin:
sagt, waʒ hiet ir in dem sin? ring 20c, 22;

du hattest vier zähn vor zwei jahren,
von denen stosz dir ausz der hust das letzte jahr
ein paar.
Weckherlin 808;

Lingus solte für den hust brauchen loch de farfara.
Logau 2, 83, 23.

[Bd. 10, Sp. 1977]


Auch das fem. die husten, gekürzt die hust lebt noch nhd., es gehört dem bairischen und hochfränkischen sprachgebiete an: die huesten Schm. 1, 1186 Fromm.; die huoste Lexer kärntn. wb. 146; Frisch (aus der Oberpfalz gebürtig) führt in erster reihe das fem. huste, husten an, das masc. nur als minder gebräuchliche nebenform 1, 479a; so hat die hust ihren ursprung aus keldt. Zechendorfer 1, 50; die husten kommt den pferden aus mancherlei ursachen. Hohberg 2, 206b.
Man sagt leichter, schwerer, trockner, feuchter husten; blauer husten, keichhusten, wobei man vor anstrengung blau im gesichte wird:

ich hab gar gute arzenei ...
für die blaw husten und das pipperlein.
H. Sachs 1, 529d;

ein dürrer husten, sive schafhusten tussis sicca Stieler 868; ein trockner husten tussis arida, kleiner husten tussicula Steinbach 1, 797; der kranke hat einen bellenden husten; ein mittel wider oder für den husten; eine arznei wider die husten, tussiculare medicamentum Frisch 1, 479a;

ir kauft ein küdreck für ein fladen,
der ist euch nüchtern gar gesunt,
des eszt alle morgen für den huosten ein pfunt! fastn. sp. 370, 7.

Sprichwörtlich: trockner husten ist des trompeters tod. Simrock 271;

liebe, husten, rauch und geld,
mit aller macht man nicht behelt.
Schottel 1134a;

einer sache so viel bedürfen als des hustens, gar nicht: sidmal der kindertouf ie in zwispalt kumen ist, des man doch so vil bedarf, als des hsten, wie man spricht (des zwiespaltes nämlich). Zwingli vom touf r 1a; einen husten an eine sache geben, nichts, sich nicht drum kümmern:

wann dweil all küngreich nemen schaden
und alle welt im blut solt baden,
und alle land mit krieg verwusten,
so gebens nur daran ein husten.
B. Waldis päbstl. reich E 4b;

in bösem scherze einem den husten büszen, vertreiben, indem man ihn niederschlägt, tödtet:

mit meinem gsang so büs ich dir den deinen hust,
nun her (höre) ich wol, dir kurret ser dein kragen. meisterges. in der Germ. 3, 318;

ich main man thet im dhusten püeszen (schnitt ihm den hals ab).
Schmelzl zug 4b.

der husten, eine seuche der schafe:

mein vieh trägt wenig ein, die zahl ist auch nicht grosz,
ich werde gar zu viel durch raud und husten los.
Rost schäferged. 126.

der plural des wortes ist ungewöhnlich: maszen die tituln eine art der husten an sich haben, als welche sich nicht in der kehle lassen bezwingen, sondern herausgereuspert werden. Brandt briefe vom leben Taubmanns 24.
 
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husten, verb. tussire, ahd. huostôn, mhd. huosten, ags. hvôstan, engl. whoost; in verschiedener anwendung.
1) husten, vermöge eines krankhaften reizes in der kehle, und unwillkürlich:

von huosten, rützen und speiben
mocht wir in der kirchen nit pleiben. fastn. sp. 472, 1;

drink sittlich und huest nit darein (bei tisch). meisterl. fol. 23, no. 212;

auch mit angabe der wirkung, blut husten, schleim husten, vgl. DWB aushusten; und reflexiv: sich halb zu tod, sich ganz von athem husten;

ein bündel reiser wird auf dürren kien gelegt,
und als sie asch und kohlen aufgeregt,
facht, bläst und hustet sie den ganzen stosz zu flammen.
Hagedorn 2, 101;

verhüllend: er wird vor angst in die hosen husten. anticolloquium 745; ist man gut, so hustet man einem gar aufs maul, lenem vulgus calcat. Serz 73a;

hustet oft unden und oben.
H. Sachs 5, 354d.

Sprichwörtlich die flöhe husten hören. Schottel 1121b; die .. ihnen einbilden, dasz sie in ihrer witz das grasz wachsen und die flöhe (so zu reden) husten hören. Simpl. 1 (1713) 270;

wer die flöh husten höret,
und das grasz wachsen sicht.
Doman lied v. d. hanse 63.


2) husten, als ein zeichen der verlegenheit, oder um discret einen wink zu geben:

der ritter also hing die ohren,
und sprach kein wort: als endlich Ferafis
sein sekretär, nach öfterm husten, es wagte,
und seinen herrn um den grund von dieser traurigkeit fragte.
Wieland 5, 50 (neuer Amad. 13, 19);

[Bd. 10, Sp. 1978]



die dame stand so ganz
wie eine göttin da,
dasz unser mann vor lauter glanz
nicht wuszte,
wie ihm geschah,
und bis er seine anred fand,
wohl dreimahl husten muszte. 18, 345.


3) husten, in der ältern sprache, für unverständlich, leise, schüchtern sprechen: ich hoff, dasz die toben neider wol versteen, das diese wort Nero und Colonia nit aigen namen seind, als etlich über die canzel (den lehrstuhl) gehustet haben. d. städtechr. 3, 39, 6; er wil so viel gestammelt oder gehustet (ich solt sagen) geredt haben. Luther 3, 445a; und so einer nur hst wider unsern glauben, den mögen wir nit leiden. Frank weltb. 154b; ja die warheit hat niemant dörffen hsten. chron. 298a;

drutz das einer darwider hust.
H. Sachs 3, 1, 63d.


4) auf etwas, in etwas husten, ausdruck der verachtung: denn irer (der papisten) kirchen gewalt, da hust ich auf, und las sie faren. Luther 3, 515a; ich huste auf meine jungferschaft und meine unschuld dazu. (Schink) marionettentheater 1778 s. 66; will seine chocolade nicht versuchen; hust ihm in seine chocolade! Fr. Müller 2, 45; (er) legt dem obersächsischen kreis die frage vor, wenn ein solcher herr, der mit diesem feuer die landeshistorie und die familiengeschichte des kleinsten landkindes treibe, nicht ein frommer und menschenliebender herr wäre, so müss er selber (der salzrevisor) nicht recht bei sinnen sein und er huste auf den kreis. J. Paul holzschnitte 146. — einem etwas husten, derber ausdruck der verweigerung: ich will dir etwas husten, ne erres; nihil auferes inde. Serz 73a.
 
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hustenanfall, m. anfall vom husten.