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Mittelhochdeutsches Wörterbuch von Benecke, Müller, Zarncke Bibliographische AngabenLogo dfg
 
bis wachen (Bd. III, Sp. 449a bis 450b)
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Artikelverweis Lexer Wdie spirans, früher uu, uv, oder vv geschrieben, entspricht dem lat.v, griech.digamma, wofür später griech.spiritus lenis oder griech.asper eintritt, goth.v, ahd.w. vgl. ahd. mhd.wîn, goth.vein, lat.vinum, gr.ο?)ινος, früher mit digamma gesprochen. bisweilen entspricht w dem goth.q; vgl. goth.qainôn, mhd.weinen; dann auch winter mit goth.vintrus, vielleicht ursprünglich goth.qintrus, ferner warm, goth.varms, früher wohl goth.qarms (vgl. skr.gharma). auch die form quahtila (H. zeitschr. 6,333), sonst ahd.wahtula, mhd.wahtel kommt dabei in betracht. deutsche mit w anlautende wörter, in das romanische übergegangen, zeigen mehrfach gu für w; so franz.guerre, ahd.werra; ital.guarda, ahd.warta; vgl. auch gastel, wastel, franz.gâteau. w wechselt in dialekten, namentlich im österreichischen, mit b; z. b. badel für wadel Suchenw. 12,109; bachen, bachter, anthorten u. dgl. für wachen, wachter, antworten Wolk.; geblæbt, durchgræbt von blaewen, durchgræwen Lohengr. 5321 R. u. anm. umgekehrt steht weʒʒer für beʒʒer H. zeitschr. 6, 28, wûsen statt buosem Wernh. v. Elmend. 134. dann wechselt w im inlaute mit j; vgl. müewen und müejen, blüewen und blüejen, früewe und früeje u. dgl. seltner schwankt w in h, wie in ahd.fôh, goth.favs, engl.few; vgl. mhd.ruowe, nhd.ruhe. w für h findet sich vereinzelt, schiuwet für schiuhet Gr. 1,404. w fällt weg:
a.vor vocalen im anlaute und in zusammensetzungen, namentlich in -olf, -olt, dann vgl. miteche für mitweche Griesh. pred. 2,48. Tundal. 44,27. Gr. gesch. d. d. spr. 298.
b.im inlaute nach consonanten; vgl. goth.ahva, ahd.aha, mhd.ahe; goth.leihva, mhd.lîhe; goth.gatvô, mhd.gaʒʒe. dann nach langem vokal, vgl. spîen, goth.speivan u. a. mehrere mhd. inlautende w sind, namentlich nach l und r, nhd. zu b geworden. vgl. schwalbe, milbe, farbe, narbe u. a.
c.im auslaute wird es ahd. zu u, später zu o und verschwindet dann ganz: goth.saivs, mhd., sêwes u. a. bisweilen fällt mit dem w der flexionsvocal zugleich weg; vgl. brâ, klâ für brâwe, klâwe, ursprünglich klawa mit kurzem a, wie denn auch sonst verlängerung oder diphthongisierung eines kurzen vokals vor w, und wenn dieses wegfällt, eintritt. so entstehn namentlich iuw, ouw, öuw aus iw, ow oder aw; vgl. riuwe, vrouwe, vroüwen u. anderes. ou, öu wird auch wohl in ô verdichtet (vgl. vrô und vrouwer, drôn und dröuwen u. m.), was nach Eschmann in H. zeitschr. 11, 163 unter einfluß eines folgenden j eingetreten ist. hellere vokale nach w gehn gern in dunklere über; vgl. mhd.wol, ahd.wola, wela, goth.vaila; mhd.woche, ahd.wecha, goth.vikô, mhd.wünne, goth.vinja; dann mhd.wiste, weste, nhd.wuste. von consonanten duldet w im anlaute nur l u. r hinter sich; wl zeigt sich aber bereits im ahd. nicht mehr, wr nur vereinzelt, wie in wrechjo, wofür später recke. länger hält sich wr in den niederdeutschen sprachen. ursprüngliches anlautendes hw (hv) wird ebenfalls schon im ahd. zu einfachem w. vgl. wannen, wanne, wande, wâr, war, was, weder, weien, weiʒe, welf, wer, wîle, wirbe, wîʒ. im allgemeinen vgl. Gr. 1,401 fg. 13, 196. gesch. d. d. spr. 73. 296 fg. 799. Graff 1,613 fgg.
 
Artikelverweis BMZ s.BMZ WACH und WÂR.
 
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BMZ WABE WABERs.BMZ ich WIBE.
 
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BMZ WÂC s.BMZ ich WIGE.
 
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Lexer NLexer FindeB WACHinterj.euge!dann auch s. v. a.wê.ahd.wah Graff 1,701. Diut. 3, 426. Gr. 3,296. 302.vgl.wochowach MS. 2,22. a. dann das. 9. b in einer variante statt wâfenâ. Grimm zieht auch hierher wâ, welches in dem schwäbischen verlöbnisse (Maßmann im Rh. mus. für jur. 3,281 fg. leseb. 189. 190) mehrfach vorkommt, dann wâ nû hierher; doch wâr.
 
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Lexer WACHE WUOCH GEWACHENbin, werde wach.goth.vaka, vôk Gr. 2,11. Ulfil. wb. 184. Graff 1,672. die ursprüngliche bedeutung war eine weitere; ags.vacan bedeutet: lat.nasci, oriri, suscitari. ich wahse.
 
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Lexer FindeB urwecheadj.schlaflos. des nahtes er an dem bette lac gar urweche (pervigil) unze an den tac Ulr. 409. vgl. baier.urwach Schmeller 4,9.ein adj. wach scheint mhd. nicht vorzukommen; Graff 1,67 gibt waca expergefacta.
 
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wachef.wache.ahd.wacha lat.vigilia Graff 1,674.
 
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Lexer FindeB schiltwachestf.schildwache. der schiltwache pflegen Nib. 1766,2. 1768, 3. Mai 112,37. umb schiltwache schuof man dô das. 112,23.
 
Artikelverweis Lexer FindeB wacheswv.bin, werde wach oder munter.ahd.wachêm, wachôm Gr. 1,432. 955. Graff 1,672. prät. wachete und wachte.
a.bin wach, munter. sô der leo slafet sô wachent sînu ougen fundgr. 1,17. ich slief unt mîn herze wachote das. 22. solde aleine des selben nachtes wachen gr. Rud. Kb, 3. her Iwein legt sich unde slief: der lewe wachet Iw. 149. möhte ich verslâfen des winters zît! wache ich die wîle, sô Walth. 39,7. ir sult wachen durch uns noch eine wîle Parz. 244,1.unser sælde wachet Parz. 550,10. Trist. 9430. Ernst. 5714. MS. 1,16. b. 35. a. 43. a. des wachet sîn êre und ouch sîn lop das. 47. a. vgl. RA. s. 5.daʒ mir wachende arbeit noch hiute wætlîch ist bereit Parz. 246,9, wo wachende schwerlich mit Gr. 4,68 zu arbeit zu ziehen ist.daʒ er über dich geruoche ze wachen H. zeitschr. 8,115.
b.werde wach. dô taget eʒ unde muos ich wachen Walth. 75,24. vgl. Parz. 285,19. du muost wachen das. 294, 13. er bat die küngin wachen das. 800, 27. wachet, hêrre Sigmunt Nib. 958,1. Gudr. 1357,2. wachâ, herre Ludewîc das. 1362,2. wachâ, herre, wachâ MS. 2,220. a.
 
Artikelverweis Lexer FindeB wachenstn.sîn dienstlîcheʒ wachen Parz. 584,21. die frouwen niht verdrôʒ ir wachens daʒ si sliefen nicht das. 553,16.