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Mittelhochdeutsches Wörterbuch von Benecke, Müller, Zarncke Bibliographische AngabenLogo dfg
 
bis ÛBER (Bd. III, Sp. 167a bis 169b)
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Artikelverweis Lexer Ukurzer und langer vokal. das kurze u entspricht dem ahd.u, lautet aber, wenn in den endsylben i war, mhd. in ü um. diesem umlaute entzieht sich jedoch häufig das u vor doppelter konsonanz, namentlich vor ld, lt, ng, nk, mehrfach vor nn, nd, rt, auch wohl ck. in andern fällen ist ü umlaut von o, weil dieses, namentlich wenn in der endung a war, aus ursprünglichem u entstanden ist; vgl. z. b. goth.fugls, ahd. vokal, mhd.gefügele. das mittelniederdeutsche kennt den umlaut ü nicht, und setzt dafür u oder auch o, z. b. uber, ober für über; vor statt vür. auch sonst wechselt dialektisch u und o: vgl. son für sun, kumen für komen u. dgl. m. ube für das gewöhnliche obe Diemer 13,22. 29,1. 157,5. Genes. fundgr. 10,2. pf. K. 91,4. uder für oder das. 39,5. sulch für solch L. Alex. 89. Trist. 18320. Otte 234 ü für o oder ö in gütinne MS. H. 2,91. a. Parz. 748, 17 G. — û, der lange vokal, entspricht ebenfalls dem ahd.û und lautet durch i in der endung in iu um, welches von dem ursprünglichen diphthonge iu (io, ie) zu scheiden ist. auch dieses umgelautete iu erscheint in mnd. und md. quellen nicht, indem diese dafür û setzen. im nhd. ist û zu au, iu zu eu, und mehrfach durch einwirkung des au zu äu geworden; vgl. hûs hiuser, nhd.haus, häuser. û wechselt mit iu und ou in einigen verbis, wie trûwen, triuwen, trouwen, bûwen, biuwen, bouwen; dann erscheint für û bisweilen ou, namentlich vor m und labialen: vgl. roum, goume, koume, troube, toube, hoube, ouf für rûm, gûme, kûme u. s. w. s. Gr. 13, 194. 195. 203. für den diphthong uo nebst seinem umlaute üe setzen mnd. und md. denkmäler gewöhnlich û. Otfr. hat dafür ua (stual = stuol); später erscheint ue, wobei dann das e zuletzt abgeworfen wird. sonst steht auch wohl uo für û, z. b. nuo für nû, bei Wolfram findet man öfter uo und u auf einander gereimt. s. Gr. 13, 207. in duo und zwuo für das gewöhnliche dô, zwô steht uo für ô; umgekehrt in swôr Gen. fundgr. 84,40. wôsch glaube 1040. getô Roth. 1007 u. a. ô für uo. ui erscheint in md. denkmäler für û und iu z. b. kuim für kûme, luite, huite für liute, hiute. vgl. im allgemeinen Gr. 13, 155 fg. Hahn 1, 5 fg. Graff 1,51. Pfeiffer Jerosch. s. LX. Frommann zu Herb. 425. 1885. — in ältern deutschen handschriften vertritt u auch den konsonant v und uu das w.
 
Artikelverweis 
UBEs.BMZ OBE.
 
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Lexer FindeB ÜBELadj.böse.goth.ubils, ahd.ubil Gr. 2,114. 3,604. Ulfil. wb. 138. Graff 1,92.
1.attributiv."> übeliu diet Iw. 193. ein übel man Nib. 1706,3. 1978,3. ein übel magt Parz. 609,7. daʒ übel wîp Wigal. 5369. 5393. myst. 153,20. übel hût scheltwort, besonders für weiber Er. 6523. En. 12820. vgl. hût. übel diep MS. 2,147. a. der übel tiufel Iw. 176. Nib. 215,4. 426,4. der übel vâlant das. 1334,1. die ubeln geiste Herb. 557. übel gemüete bekêren ze güete Iw. 77. den wolf begie ein übel vart er kam schlecht davon Reinh. s. 355. uns begât ein übel zît Trist. 13338. swæren tac unde übele zît hinnen tragen Iw. 72. übel hôchzît Nib. 2056,4. daʒ übel wort unsælic Walth. 78,28. unser alter frôn derst under einer übelen troufe das. 33,10.
2.prädikativ."> weder wider mich sîn muot wære übel oder guot Iw. 27. swaʒ den kumet in den muot, eʒ sî übel oder guot a. Heinr. 954. eʒ sî übel oder guot Vrid. 107,14. daʒ wir in alsô liep sîn übel alse guot Walth. 48,27. swie ubel si wâren, sô was in doch got gnâdich Genes. fundgr. 26,41.ein dinc für übel hân imputare gl. Mone 8,103. Diefenb. gl. 151. daʒ nam di vrowe verubele myst. 152,19.
3.substantivisch.
a.ob si die guoten bannen und den übeln singen Walth. 11,1. die übeln dur ir übeln sin sprâchen Barl. 73,1. von den gûten saget man gût, daʒ man niht von den ubelen tût Pass. K. 115,72.ich wæn eʒ an daʒ übele uns ellenden welle gân Nib. 2190,4.
b.nehein ubil dultin leseb. 194,35. der guot und übel betrahten kan Trist. 18. der erkennet übel unde guot Walth. 44,2. merken übel unde guot das. 123,19. übel tuon das. 90,30. 112,13. daʒ ir im niemer mê getuot enweder übel noch guot Iw. 187. swer guot wider übel tuot, daʒ ist gotelîcher muot. swer tuot übel wider guot, daʒ ist tiufelîcher muot Vrid. 107,4. mit übel, daʒ si den rehten tuont Griesh. pred. 2,42. diu edeln wîp diu sint frî alles übels: — ir reinen herze sint guotes vol Wigal. 5399.sich nieten übels unde guotes troj. 108. d. wie dir di gote mit gûte lônen, dâ du verdienet ubel hâst Pass. K. 262,23.des Clementis wart gedaht durch ubel an bôsem mûte. seht, daʒ geriet zu gûte Pass. 603,89. in ubile gesprochen, in ubil gemeinet Windb. ps. 497. ein dinc in übel wenden Parz. 340,25. got rihtet nâch dem muote ze übele unt ze guote Vrid. 3,10. daʒ si daʒ guote ze übele wegent und übel wider ze guote wegent Trist. 30. duo sich Lucifer duo ze ubile gevieng Anno 35.
 
Artikelverweis Lexer FindeB übele , übeladv.auf böse weise. alsô gerne mac ein man übele tuon alsô wol Iw. 100. vgl. Walth. 48,33. Nib. 796,4. 930,4. 1070,1. si wart vil ubele getân En. 12815. sô übele nieman ist getân so häßlich ist keiner, ern habe zuo der schœne wân Vrid. 126,23. ubele gestalt häßlich an lîbe Pass. K. 33,62. sich ubele stellen sich wehleidig gebärden myst. 236,26. eʒ lûtet übele Trist. 6364. sô ist mir übele geschehen Iw. 133. eʒ ist vil übele bewant ze dem tôren des goldes vunt das. 161. daʒ er übele gewan Nib. 1736,4. übele zum unglück verlorn hân das. 1059,2. Rômære wurden übele bösgesinnt kchr. 4. a.ir vervâhetz übel ode wol Iw. 75. übel müeʒe mir geschehen Walth. 56,31. sô wær mir übel geschehen Nib. 164, 4. 941,1. nu ist eʒ Sîfride übel komen übel bekommen das. 1060,1. waʒ stêt übel, waʒ stêt wol das. 48, 33. si stellet sich vil übel Walth. 57, 31. der mînen êren übel stê troj. 16888. gehabent iuch sus übel niht das. 22544. si muote sêre und übel gnuoc das. 2017. vgl. Otte 102 und anm.der künic übel volgte Hagenen Nib. 819,1. sô hân ich bœslîche und vil übel getân das. 2091,1. daʒ die man als übel tuont Walth. 90, 31. der wil sich übel rechen Parz. 238,20. ir redet übel troj. 12691. die habent übel kouft Bert. 285.daʒ sprichwort: wem got wol, dem nieman übel H. Trist. 3193. der liget in mînem hûse unde mac gar übel befindet sich schlecht Griesh. pred. 2, 23.wenig, gar nicht. lâʒent übel schînen tod. gehüg. 198. vgl. Nib. 111, 4. ubele genesen En. 12848. ubele gesehen das. 12853. sô mag ime übele gebresten so wird es ihm an nichts gebrechen pf. K. 62,15. daʒ korn ist übel veile nicht zu haben (vgl. wol veile) das. 98,17. wie übel gunde si den boten dirre sage kl. 1381. dâ von ich iu des übel gan troj. 8295. vgl. a. w. 3,179. des getrout ich vil übele Nib. 2038,2. ir gedâhtet übele an mîn und iwer sêr das. 2269,2.
 
Artikelverweis Lexer hërzeübeladj.herzlich böse, schlecht. daʒ herzeübel wîp Wigal. 5434.
 
Artikelverweis BMZ übeltât BMZ übeltæte BMZ übeltætec BMZ übelvar BMZ übelwillec s. das zweite wort.
 
Artikelverweis 
Lexer NLexer FindeB übellichadj.bösartig. dem wîbe enmag ir minne niemen ûʒ ertwingen mit übellîchen dingen Trist. 17924. dîn ubellîche sîte Pass. K. 368,93. in ubellîcheme willen das. 465,1.
 
Artikelverweis Lexer FindeB übellîche , übellîchenadv.auf bösartige weise. wan daʒ ern übellich ane sach Reinh. 1606. si hieʒ vil übellîche Kriemhilde stân Nib. 781,3. der gûte man wart ouch vil ubellîch gerûrt und zu den tempeln gevûrt, dâ si in wolden twingen Pass. K. 95,23. vgl. 292,39. Jerosch. 102. b. ubelîchen Pass. K. 123,32. der frâget uns ubellîchen des aneg. 10,70. sach in übelîchen an troj. 45. c. übellîchen sprach er 'traz' Nith. 27,5.
 
Artikelverweis Lexer übelnissestf.bösartigkeit. wie man in ubelnisse die ubeln geiste beswert Herb. 556.
 
Artikelverweis Lexer FindeB übelestf.bösartigkeit, schlechtigkeit.ahd.ubilî Graff 1,94. nâch der ubile (secundum nequitiam) Windb. ps. 103. den sîn selbes ubile vertreib vone himele Genes. fundgr. 26,36. vgl. 59,16. die mit ir ubele dar chômen Diemer 47,28. unz er mit sîner ubele erwarp, daʒ der wâre gotes slac uber in ergie kindh. Jes. 91, 15. der die übele begie, daʒ er in durch sînen haʒ sazte dâ er noch saʒ Gregor. 3072. von schaden wirt man tôrhaft unde grîse, swâ der übele stat geschiht MS. 1,160. b. einen fuoʒ er nie getrat ûʒ der übele in die güete Helmbr. 1227, vgl. bihteb. 63. myst. 329,25.abgekürzt übel: vürhtet niht ir rîterschaft, noch ir übel, noch ir kraft b. d. rügen 482. mit der ubel ersleicht der sunder sîne sêl (homo per maliciam occidit animam) Leys. pred. 2,9. dâ von belîbent die unrehten in ir ubel das. 4,9. vgl. 11,26.
 
Artikelverweis ÛBERs.BMZ UOVER.