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Mittelhochdeutsches Wörterbuch von Benecke, Müller, Zarncke Bibliographische AngabenLogo dfg
 
bis PAILE (Bd. II/1, Sp. 456a bis 458b)
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Artikelverweis Lexer NLexer Pdie bezeichnung des harten lippenlautes, dem der gelinde, durch B bezeichnet, zur seite steht. nach dem gesetze der lautverschiebung sollte es an-, in- und auslautend für( goth.b stehen, in der that tritt es aber nur auslautend durchgehends ein, dagegen im anlaut und inlaut ist das strengahd. eingetretene p im mhd. der regel nach wieder zu b erweicht, nur im anlaut erscheint in einigen gegenden und handschrr. noch p, was jedoch nicht abhalten durfte, alle auf der goth. stufe mit b anlautenden stämme oben unter b aufzuführen. das mhd. anlautende p entspricht daher ausnahmelos fremden entlehnten wörtern (lateinischen oder romanischen), die indess keineswegs alle das p behalten haben (wie permint, patriarche, palas, plan); vielmehr haben gerade die frühzeitig entlehnten entweder die erweichung zu b mitgemacht, wie bir aus pirum, bâbest aus papas, bischof aus episcopus, oder die lautverschiebung zu ph (oder f, ff, s. u.), wie phaffe aus papa, phlanze aus planta u. a. daher sind es meist die erst später aus dem romanischen eingeführten worte, in denen sich p erhalten hat. bei der lautverschiebung des ursprünglichen (gothischen oder fremdländischen) p zur aspirata hat sich ein doppelter laut entwickelt, entsprechend den z (ph) und ʒ (f). die regeln für den eintritt eines der beiden sind dieselben: ph oder pf steht wie z (in beiden ist neben dem aspirierten laute noch der laut der tenuis erhalten) anlautend stets (phaffe, phlanze, phâwe etc.), inlautend und auslautend nur bei organischer gemination (kopf aus cuppa; klopfen, vgl. niederd.kloppen etc.), sonst steht überall f, auch nach liquiden helfen, werfen, hanfes, samfte. im inlaute nach kurzem vocal wird es meistens verdoppelt, wie in phaffe, affe, treffen, schiffen (Gr. 1,406), vgl. ʒʒ. (dagegen nie das f, welches inlautend für v steht; das verhältniss von f zu v gehört nicht hieher). selten kommen ph (pf) u. ff neben einander vor, wie schupfen neben schuffen, kapfen neben kaffen. nach liquidis tritt auch pf ein, zumal nach m, doch überwiegt f, das auch nach m hie und da erscheint. vgl. Gr. 1,396 fg. Hahn gramm. 28 fg. statt v steht ph im zusammentreffen mit der vorsilbe ent, wie in enphelhen, enpfüeren. zwischen ph und pf ist mhd. kein unterschied; wo ersteres für f geschrieben wird, ist es eine ungenauigkeit, gegen die die reime sich erklären. im folgenden ist im anlaut dem ph als der richtigeren, wenn auch frühe aufgegebenen, schreibung der vorzug vor pf ertheilt worden, inlautend und auslautend dagegen ist pf geschrieben. auch p im inlaut nach kurzem vocal geminiert oft, vgl. Gr. 1,405. nach langem vocal hat sich p zuweilen der lautverschiebung entzogen, so wâpen ( goth.vêpn), doch daneben, und häufiger, wâfen. — aus dem vorstehend erörterten ist zu entnehmen, dass im anlaut oft ein schwanken einerseits zwischen p und b, anderseits zwischen p und ph stattfinden muss, letzteres nicht bloss da, wo niederd. einflüsse im spiele sind. eine untersuchung, wann auch im auslaute b zu bleiben pflegt (z. b. beleib mite; ob oder op), gehört nicht hieher. vgl. Benecke zu Iw. 1597. — vgl. noch über den anlaut ph Gr. gesch. d. d. spr. 1,427. über das verhältniss von p zu t das. 1,349. von p zu k das. 1,346 fg. von ph zu th das. 1,350. über ph zu ch das. 1,348 fg. — Notker's schreibgebrauch, nach einem auslaute, der nicht vocal oder liquida ist, statt des b ein p zu setzen, wird auch in mehreren der besten mhd. hss. befolgt, unter andern in Wolfram's werken. vgl. Gr. 1,130 u. das. 381. 398 etc.
 
Artikelverweis 
PÂBESs.BMZ BÂBES.
 
Artikelverweis 
Lexer PABEZEswv.belege mit estrich (pavimento), bei Otto Diem., Scherz 2, 1177.
 
Artikelverweis Lexer NLexer FindeB PÂCEM , PÂCE , PÆCE , PETZ , BETZstn.der friedenskuss bei der messe. vgl. Augusti archäologie 8,335. Hekelius de osculis p. 67. du Fresne unter pacem dare und unter osculatorium. — ausführlich wird hierüber gehandelt in der Ersch-Gruberschen encyclopädie sect. III. th. 14. s. 343. an eine missa solemnis schliesst sich die ceremonie an, welche man pacem dare nennt. der celebrierende priester küsst den altar; während dessen ist einer der assistenten zu seiner rechten niedergekniet und hat ihm die tabella pacis, instrumentum pacis, osculatorium zum küssen übergeben, ein täfelchen, worauf Christus zelbst oder ein kreuz u. dgl. abgebildet ist. hernach wird diese tafel von dem assistenten den anwesenden prälaten u. s. w. zum kusse dargereicht und jedesmal mit einem velum, das die zeitfarbe trägt, abgewischt. der gegenseitige gruss ist pax tecum. in sehr vielen gegenden ist übrigens der gebrauch dieser täfelchen gar nicht üblich. früher war er allgemein bei den agapen und der eucharistie eingeführt. männer und männer, frauen und frauen umarmten sich.der bischof Turpin hat vor dem anfange der schlacht das heil. abendmahl ausgetheilt, allen kriegern war antlâʒ gegeben, und dann ze samene sie giengen, einander sie umbe viengen, sie beswiefen (sich) zo then brusten, ein ander sie sih kusten, thaʒ pâce sie ander gâven, sie wunsgeten in genâthen pf. Kuonr. 205,24. in des Stricker's Karl 74. a: daʒ petz. der satte ûf, daʒ daʒ betz man solt geben in der messe nâch dem Agnus Dei Clos. chron. 7. belehrend sind die stellen im frauendienst, wo Ulrich als Venus verkleidet der messe beiwohnt. ein pfaffe ein schœne messe sanc, umb mich von vrowen was gedranc. dô ich zem opfer wolde gân, die liute bat man uf her stân. mîn opfer ich sô blîde an vie. dô ich her von dem opfer gie, daʒ man daʒ pæce sâ dar truoc, gelachet wart des dâ genuoc. daʒ pæce ab einem buoch ich nam (das pace lag also auf dem buche, ein bild des gekreuzigten, oder auch ein kreuz, s. o.), verbunden gar (die rise vor dem munde), daʒ doch niht zam. der grævinne bôt ichʒ dâ. diu hôch geborne diu sprach sâ 'ir sult di risen fürder nemen sô mac daʒ pæce mir gezemen'. zehant dô si daʒ wort gesprach, die risen ich von dem munde brach. diu schœne lachen des began. si sprach 'wie nu, ir sît ein man: daʒ hân ich kürzlich wol gesehen, waʒ danne? der kus sol doch geschehen: ich wil durch elliu guoten wîp iuch küssen (dass zwei personen verschiedenen geschlechtes sich nach der messe küssten, war verboten); sît daʒ iwer lîp hât vrowen cleit an sich geleit, des sol mîn kus iu sîn bereit.' dô si daʒ pæz (pece die hs.) von mir enpfie, und daʒ der süeʒe kus ergie, dâ von wart ich vil hôch gemuot. wan vrowen küssen sanfte tuot (sie küssen also sich gegenseitig auf den mund). daʒ ist für wâr den allen kunt die ê gekusten vrowen munt, daʒ nie niht alsô süeʒes wart sô vrowen kus von hôher art.... nu was diu messe gesungen gar frauend. 178,17 fg. ein schœne mess huob man dô an, die man dâ got ze êren sanc. bî mir von vrowen was gedranc. von diesen macht eine einen tiefen eindruck auf ihn. als het ouch ich verdâht dâ mich daʒ ich niht weste wâ ich was, biʒ man daʒ êvangelje las. dô daʒ ein ander pfaff huob an dâ von alrêrst ich mich versan. man sach dâ schœne vrowen stên. dô ich ze dem opfer wolde gên, die hûsfroun hieʒ ich für mich gân. si sprach 'des sult ir mich erlân. war kœmen dan die zühte mîn, gienge ich vor einer künegîn? daʒ wære an êren mir niht guot. ir sult sîn haben deheinen muot.' ich gie ze dem opfer schône sâ. nâch mir gie vil manc vrowe dâ. daʒ ich den ganc sô blîde an vie, des wart gelachet dort und hie. mîn nîgen und mîn umbe swanc die wurden dâ envollen lanc. ich gie nâch blîder vrowen sit, kûm hende breit was dâ mîn trit. swie seine ich gie swie sanfte ich trat, ich kom doch wider an die stat dâ ê gestanden was mîn lîp. bî mir stuont dâ manic schœne wip die wâren minneclîch gevar. dô truoc man mir daʒ pæce dar an einem buoche. daʒ was guot, daʒ nam ich als manc vrowe tuot. dô ich daʒ pæce al dâ enpfie, ich bôt eʒ dort ich bôt eʒ hie, ich bôt eʒ manic vrowen an der eʒ deheiniu wolt enpfân, ich bôtʒ der schœnen willeclîch, dô sprach diu reine tugende rîch 'ir sult des pæces mich erlân, sît man iuch hât für einen man.' diu messe dô schiere endet sich dô sach man urloubs gern mich, der wirt und ouch diu hûsfrou sâ die bâten mich enbîʒen dâ etc.auch nach der trauung, vgl. Augusti archäologie a. a. o. die brût hieʒ man daʒ pâz enphân; daʒ buoch bôt ir der messner (die trauung erfolgt erst an dem tage nach dem beilager) Ls. 3,407.
 
Artikelverweis PACHTs.PHAHT.
 
Artikelverweis 
PÂDOWEs.BMZ BÂDOWE.
 
Artikelverweis 
Lexer FindeB PAFEMYN , PANFEMÎNstm.ein sehr kostbarer seidenstoff. ein panfemyn gerœtet daʒ ist ein sîdîn lachen daʒ alle rœte ertœtet Tit. XIII. 28. tigergolt und pafemyn gewebet in einander. er was vil nâch der hande (und doch von adel reicher) tasme de Sarande ode Sarant tasme. der zweier gleicher ist der pafemyn, noch baʒ gehêret und süeʒer in den ougen dan die der salamander hitze lêret Tit. XIII, 35. 36. XXII, 35.
 
Artikelverweis PAGEstm.pferd. nur niederd. s. phage. vgl. Gr. 1,462. brem. wb. u. Herb. 5446 u. öfter.
 
Artikelverweis 
Lexer FindeB PAGEMENTstn.bezahlung,aus pagimentum, payement, vom ital.pacare, pagare. bî dem minsten LXXXij marc ir pagimentis urbar. 142,20. vgl. Gr. w. 1,814. brem. wtrbch. 3,282. Wallr. 68. Frisch 2,37. a.
 
Artikelverweis Lexer PAGGEswm.pfahl? si suln den platz anzeigen und zuvor einen reiffen legen oder paggen slain und sich laissen (mit dem bergwerke) belegen oder belienen — und ir reif oder pagge helt in sich 4 glaffter und 3 foess Gr. w. 2,797.
 
Artikelverweis Lexer FindeB PAILEstf.das franz.li pailes, aus lat.pallium, mhd.phelle. nur an zwei stellen findet sich dieses fremdwort gebraucht. die böume wârn mit einer paile, der besten von Thesaile, alsô behenket Flore s. 201. vgl. die anm., wo gefragt wird, ob etwa pâlje: Thesâlje zu lesen sei. das zweite beispiel aus Türlein's krone s. ebenda. an einer andern stelle hat Fleck das franz.paile durch pheller gegeben.vgl. palle.