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Mittelhochdeutsches Wörterbuch von Benecke, Müller, Zarncke Bibliographische AngabenLogo dfg
 
bis überobe (Bd. II/1, Sp. 425a bis 428a)
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Artikelverweis Lexer NLexer Oüber diesen buchstaben vgl. Graff 1, 43 fg. Gr. 13, 149 fg. das kurze o ist kein ursprünglicher laut, das gothische kennt ihn noch nicht; er ist erst später entstanden, theils durch brechung aus u (meistens unter dem einflusse eines in der folgenden silbe stehenden, oder doch die flexionssilben beherrschenden a), wie nomen aus numan, vloʒʒen aus vluʒʒan, theils durch trübung und verdumpfung des lautes aus a und e, wie sol für scal, von für van, holn für haln u. a., oder wol für wel, woche für weche, komen für queman; in letzteren fällen ist wohl dem w- und qu- laute ein einfluss zuzuschreiben. in mehreren fremden eigennamen gilt o gleichfalls, wie Agamemnon, Ylîon, Iason: von und gedon, Castor, Nestor, Antenor: spor, Spânîol: wol, Tintajol: sol: wol reimen. vgl. Gr. 13, 153.der umlaut des o ist ö, aus begreiflichen gründen von eingeschränkter anwendung, da in den fällen, wo der umlaut durch ein nachfolgendes i indiciert ist, die brechung des u in o gar nicht erst einzutreten pflegt. so steht neben holz hülzîn, neben golt güldîn, neben dorn dürnîn. Gr. 13, 154 macht die fälle einzeln namhaft, in denen ö eintritt. zuweilen steht ö für ë, wie hie und da in dröschen, schöpfen, löffel. — das lange ô entspricht einem theile des goth.áu und ist eine verdichtung, die für ou eintritt vor d, t, ʒ, s, h, r und n, und zuweilen im auslaute; somit hôde, brôt, blôʒ, lôs, hôch (hôhes), ôre, lôn, dô, drô. in den endungssilben (in denen das ô bereits im goth. stand) erhält sich das ô zuweilen, so in mânôt, ermorderôt, wunterôte u. a., in oberschwäbischen hss. selbst bis ins 15. jahrh.; in fremden namen erscheint oft ô, Pôlân, glôse, rôse, mandragôre, zuweilen mit o schwankend, wie Agamemnôn neben Agamemnon. vgl. Gr. 13, 178 fg. — o steht dem ë, ô dem ê parallel, aber ô überwiegt an umfang, da ou auch vor den dentalen in ô verdichtet ist, ei nur vor w, h u. r in ê. — dialectisch erscheint ô im schwäbischen für â, im 15. jahrh. auch in der schriftsprache.
 
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Lexer FindeB Ôinterj.ist ahd. nicht nachgewiesen ausser in den winsberger psalmen des 12. jahrh. (vgl. Graff 1,51), und Lachmann (zu Walth. 76,2) hat das vorkommen auch noch für's 13. jahrh. geleugnet, wohl mit unrecht. her Brûne schrei 'och unde ô!' Reinh. 1555. ô herre Gfr. lobg. 23,61. ô wurrâ wei MS. 2,58. b. ô got Diutisca 3,475. ô du rîchister gebære das. 3,477. ô Christ das. 3,493. eyâ, herre got, und ô, wie wunnenclîch und rehte vrô wurdin dô di cristin Jerosch. Pf. 36. d.
 
Artikelverweis BMZ ôwê (= owê, ouwê? vgl. ou)wê.
 
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ôwîou.
 
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BMZ OB s.BMZ OWE.
 
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Lexer NLexer FindeB OBE , OBconj.goth.jabái, ahd.ibu, ibo (dativ von goth.jaba [ doch vgl. Gr. 3,284, wo jabái = ja ibái angesetzt wird] = ahd.iba, die bedingung? vgl. Graff 1,76. Gr. 3,285. Wackern. glossar zum leseb. CCXCVII), entstellt in ube, uba, oba Graff 1,78, woraus sich mhd.obe, ob gebildet hat, hie und da noch ube, wie Diut. 3,49. 104. Genes. fundgr. 2,10. 2. pf. Kuonr. 91,4. ganz selten ab oder eb.
1.wenn. mit ind. u. conj. du wirst ein schœne wîp, ob dir got gefüeget eins rehte guoten ritters lîp Nib. Z. 3,44. ob ir und iuwer brüeder hêtet niht die wer und ob er danne fuorte ein michel küneges her, ich trowte wol erstrîten das. 18,61. der wirt mir nu gebüeʒet, ob ich gelücke hân das. 38,13. daʒ si mirʒ niht gewîʒen kan, ob ich genomen habe den man Iw. 85. waʒ töhte, ob ich mich selben trüge das. 276. ob dâ niht mêr geschiht, sô wirt doch frauend. 433, 30. mîn trûren, daʒ wirt cleine, ob ich stæten friunt an dir gewünne MS. 1,13. b. obe ich ie trôst enphienge und op — begienge und dann wart mir Tit. 3. op mîn hant ie hôhen prîs getæte das. 4. ob sich nieman tar bewegen ûf den Kriemhilde man Bit. 99. a.zuweilen durch daʒ zu übersetzen. wie ich hête daʒ versolt, ob ir mînen friunden wæret inneclîche holt Nib. Z. 213,74.
2.ob, bei zweifelnder frage und nachforschung. dô si si vrâgende wart, ob si Iw. 218. si vrâget in mære, ob im iht kunt wære das. 219. ich enweiʒ niht ob ieman das. 274. daʒ siʒ versuohten baʒ ob si das. 81. zuweilen kann es auch hier durch daʒ wiedergegeben werden. in diser stat alhinne bin ich geborn unde gezogen, und weiʒ eʒ vür wâr ungetrogen ob siu ot heiʒet Ephesum 7 schläfer 634.nâch den hergesellen wart balde dô gesant, ob si schowen wolden niweʒ ir gewant, ob eʒ ze rehte wære kurz oder lanc Nib. Z. 56,73. er pflac vrâgen sîne mâge, ob si dûhte guot das. 184,13. und frâget si der mære, ob ir daʒ liep wære, ob die boten für giengen klage Lm. 1787. vgl. die anm. oft wird der begriff der frage und des zweifels ausgelassen. si hêten umbe in sorge, wieʒ in solde ergân, ob si immer wider solden komen in daʒ lant, und ob sie je wieder, Nib. Z. 11,53. recken, die des gedingen hêten, ob künde daʒ geschehn, daʒ si Kriemhilde solden vrœlîchen sehen das. 42,73. jâ fürhte ich eteslîchen rât, ob man der deheinen missedienet hât die uns gefüegen künnen eteslîchen haʒ das. 140,22. weinens si gezam, ob si gewinnen solde noch frowen alsam ê das. 178,13.sô wil ich selbe gân zuo mîner lieben muoter, ob ich erwerben kan daʒ das. 53, 42. man sol ouch Sigemunde disiu mære sagen, ob er mir helfen welle den herren Sîvriden klagen das. 154,24.ir decheines gedanc entrûwt nâch allen sinnen ob (dass) ieman wær darinnen 7 släf. 327. daʒ was im ê vil unbekant, ob er dâ künec solde sîn Wigal. 3663. mir was abe daʒ unbekant, ob er mîn vater wære das. 4809.diu fuor ûf über die sterne hôch, op die ir unschult wider zôch. kann sein dass, Parz. 454,26. der phaffen sol dîn dienest mit triuwen pflegen dar umbe, ob wirt dîn ende guot das. 502,11. ob ieman kumt, der von der Stîrmarke vert, ob er den tugentlîchen sæhe von Orte und ob er sî gesunt MS. 2,163. a.ob ich mich an die reise hebe? frauend. 387,30. ob ich des iht inneclîchen wünsche? jâ, sô mir der sorgen nimmer werde buoʒ das. 400,14. ob dâ iht ougenliht lieplîch sehen ein ander an? jâ, vür wâr das. 433,12. ob mich des ir güete nœte MS. 1,13. a. ob ieman spreche, der nû lebe, daʒ er gesæhe ie grœʒer gebe als wir ze Wiene haben dur êre enpfangen? Walth. 25,26. ob si mich haʒʒet? nein si niht MS. 1,164. a. ob ich zeigen künne, wâ der spiegel sî? al der werlde wünne wont uns nâhen bî MS. 2,103. a.waʒ ob, wie wenn, vielleicht; in den meisten fällen dem sinne nach nicht mehr als frage oder ausruf zu fassen. nû waʒ ob disiu sam tuont Iw. 137, vielleicht leisten diese denselben dienst. nû waʒ ob iu got dâ zuo selbe sînen rât gît das. 217. waʒ ob iu sol gevallen der prîs vor in allen das. 242. waʒ ob diu küneginne lop den unkunden gît, vielleicht hat da noch mancher gelegenheit, sich der königin lob zu erwerben, Nib. Z. 288,34. unser angest hilfet hie zuo niht; waʒ obe uns lîhte baʒ geschiht dan man uns habe ûf geleit Trist. M. 171,8. gehabe dich wol, dir wirret niht: waʒ obe dir niht von in geschiht, eʒ sint des küneges köche Ulr. Trist. M. 525, 20. waʒ ob diu künegîn Îsôt in ir hulde sendet das. 550,40. dagegen liegt noch etwas von zweifelnder, betrachtender frage darin: was op diu minne disen man twinget als si mich dô twanc? wie wäre es wenn, wie wenn? Parz. 301,22.über den fortfall von ob als fragpartikel vgl. Lchm. zu Nib. 1775,1. Wackernagel in den fundgr. 1,293, anm. b. Hahn zu Otte 264.
 
Artikelverweis Lexer NLexer FindeB OBE , OBahd.oba Graff 1,78, nicht goth.iupa gr.ἄνω.
I.adv.oberhalb. du bist ein sât durfrühtec ob und under Gfr. lobg. im leseb. 435,28. sô kan ich ob noch unden mit hilf kein steuer greifen Suchenw. im leseb. 919,19. der ob genante leseb. 941,24.disen dingen hât diu werlt niht dinges obe Walth. 93,28. daʒ wir mit dir obe geligen, obsiegen, das. 3,18. alsô gelâgent die von Bern und ir helfer ob, und gelag diu hêrschaft darnider zürch. jahrb. 75,21. vgl. Pass. K. 209,43. dâ müeʒe got wesen ob 7 släf. 263, schützend. er jach, ir wært dem keiser ob Teichn. 1. vgl. Pass. K. 62, 42. das. 106,6 u. 677,70. vil banyr hôhe den obe gestact, über den zelten, Ludw. kreuzf. 1349.dar obe flouc ir liehter van Wigal. 10844. als er die linden drobe sach Iw. 149. pfelle dar obe lâgen swarz alsam der kol Nib. Z. 56,33. dâ obe der wirt aʒ (ob dem tische) Parz. 233,24.
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1.mit dativ.">
a.local."> jâ truoc si ob den sîden vil manegen stahelzein Nib. Z. 66,63. mit bougen ob den sîden das. 87,23. vgl. das. 86,43. 234,43. ein hulft von liehtem pfelle ob sîner (des schildes) varwe lac das. 260,11. wie ob dir zetal vielen zwêne berge das. 140,42. dô der herre Sîvrit ob dem brunnen tranc das. 148,61. dâ Dancwart mit den knehten ob den tischen saʒ das. 294,53. den schôʒ ob im ze tôde der vil küene spileman das. 309,14. hey waʒ rôter vanken ob sîme helme gelac das. 314,74. der schowe, wem der weise ob sîme nacke stê Walth. 19,3. daʒ klagen, daʒ obe mîne hêrren ist, über der leiche desselben, Iw. 52. ob dem brunne stêt ein stein das. 30. der rîche kleit schône ob valschem herze treit Barl. 49,28. ob im si stæteclîche saʒ Boner. 57,12. ob ir hâre Parz. 234,10. Joseph obe dir gestât Genes. fundgr. 2,72,10. manegen zaher er ob ime lie, indem er über ihm stand, lehnte, das. 72,21. dâ stuont er guote wîle ob in, über ihrem grabe, Trist. 18653. vgl. Gr. 4,819, anm. — abhängig von einem subst. ein venster ob im Iw. 1450. vgl. Gr. 4,876.
b.herrschaft, vorzug bezeichnend, häufig von subst. abhängig. wol wær er künec rîch ob wîten fürsten landen Nib. Z. 63,53. der gewalt, der sô rîcher frowen ob landen wol gezam das. 108,73. ob allen mageden bist du ein magt, ein küneginne Walth. 4,38. ein wort ob allen worten das. 5,23. des schînet iuwer krône ob allen krônen das. 11, 32. küngîn ob allen frouwen das. 77, 12. ir sît slôʒ (schlussstein, gipfel) ob dem sinne Parz. 292,27. ein slôʒ ob dem prîse das. 160,17. er balsem ob der triwe das. 476,2. dâ ist nôt ob aller nôt das. 556,16. ein suht ob allen sühten MS. 2,135. a. ein bluome ob allen wîben troj. 13099. er was herre ob in Biter. 89. vgl. Gr. 4,876. rôse ob allen wîben MS. 1,61. vgl. das. 1,108. ob der sunnen, höher als die sonne, das. 1,53. b. ein rîche, daʒ tûsentvalte rîcheit ob diseme künicrîche treit Barl. 22,24. der hôhe ob allen listen aller wîsheit urhap treit das. 50,14. ob dem bist du Boner. vorr. 13. ob dem schâfe, höher als das schaf, Boner. 5,5. vgl. 46,45. er solde verre ob iu sîn Teichn. 1. vgl. Hätzl. 1,51,2. 1, 115,31. 1,30,154. 2,33,71. 2, 35,20. 2,38,20. Pass. K. 9,76. 257,71.
2.mit accus."> sus quam si ob die wunden Pass. 41,78. sumelîche ouch sint gestigen mit tugenden ob die andern das. 344,18. du bist sô guot ob alleʒ menschen künne Gfr. lobg. im leseb. 433,9.
3.mit genitiv."> ob des satels ich schein als ich wære gemâlet dar Gregor. 1434.
 
Artikelverweis Lexer bobeadv. u. präp. aus bî obe, vgl. benidene (oben 333. 6,4), binnen (1,750. 6,38) u. a.diu arke was bobe der stat kaiserchr. 45. a. vgl. fundgr. 1,361. a. binidumi unde pobumi mühlh. rechtsb. 53,16. binideumi unde pobime das. 53,31, d. i. = pobe ime, vgl. oben 333,6,50fg.
 
Artikelverweis 
BMZ obedach BMZ obeman BMZ obesilber obezin BMZ obwendec s. das zweite wort.
 
Artikelverweis 
Lexer FindeB obeswv.höher stehen, hervorragen, mit dat. dîn tugent allen êren obt g. sm. 730. vgl. das. 897. ir lop noch allen frowen obet troj. bl. 119. der künec, der allen künegen obet Ludw. kreuzf. 17. des güete allem guote obet das. 7284. auch bei Ottocar, vgl. Ziemann.
 
Artikelverweis Lexer FindeB überobeswv.übertreffen, mit accus. got der aller tugende schîn mit hôhen êren überobt g. sm. 1195. sus überobt der vrouwen prîs die beide Frl. 151,2. der lop kan nieman überoben, sît eʒ im zimt sô rehte wol das. 188, 4. mit dem kan ich überoben mangen, der ze lobe stât Msh. 3,442. b. ein lop kan nieman überoben MS. 2,177. a. ir wunnebernden reinen fruht an tugenden nieman überobet Ben. beitr. 1,206.