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Mittelhochdeutsches Wörterbuch von Benecke, Müller, Zarncke Bibliographische AngabenLogo dfg
 
bis decke (Bd. I, Sp. 292a bis 294b)
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Artikelverweis Lexer NLexer D der weiche zungenlaut, kommt in der regel nur anlautend und inlautend vor; im auslaute vertritt ihn sein harter genosse t: vinden, vant, der vunt; daʒ bat, des bades. Bei den starken vollwörtern mit îd und ied tritt auch inlautend ein unorganisches t statt des organischen d ein, so bald sie im ablaut kurzen vocal bekommen: z. b. ich snîde, sneit, snite, sniten, gesniten. Doch findet sich in solchen fällen nicht selten d, z. b. irliden Glaube 1305. pf. Kuonr. 48,5. Kolocz. 143,122. Renner 14586. vgl. Hahn mhd. gr. 1,31. In einigen alten hs. zeigen sich spuren eines frühern sprachgebrauches, dem zufolge das anlautende d, vor dem ein stummer consonant vorher geht, in t verwandelt wird (mittem lewen st. mit dem); allein diese spuren sind so unsicher, daß es nicht angemessen scheint daraus für ein mhd. wörterbuch eine allgemeine regel zu bilden; anders verhält es sich jedoch bei den belegen, besonders wenn sie aus texten genommen sind, welchen auch in dieser hinsicht bereits eine critische behandlung zu theil geworden ist. Bei inclinationen pflegt das anlautende d bald in t überzugehen, bald auszufallen: destu, deste für des du, des diu; bistu, wiltu für bist du, wilt du. Das inlautende d, dem ein t der flexion folgt, fällt zugleich mit dem tonlosen e bisweilen aus: schat MS. 1,106. a. gesmit: gewit W. Wh. 397,23 statt schadet, gesmidet, gewidet. Der vorher gehende vocal wird durch solche zusammenziehung wohl nicht lang, außer in kît st. quidet, bei welchem worte der sprachgebrauch die zusammenziehung nicht bloß zu erlauben, sondern zu fordern scheint; vgl. kît: lît MS. 1,45. b. Anstatt des inlautenden t kann, bei eintretender syncope, nach l m n ein d gesetzt und, st. wolte rûmte kunte, wolde rûmde kunde geschrieben werden. Von dem alten zand (zahn) wird der auslaut beständig apocopiert; vgl. auch vâsân, Tristan etc. Daß in wörtern wie dwanc Gen. 18,9, dwehel Erec 3494, bedwungen Iw. 1725, gedwagen Stricker kl. gedichte 4,199. d später durch t verdrungen wurde, ist nicht gut zu heißen.
 
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s.BMZ DÂR.
 
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Lexer FindeB DACH(pl. diu dach Ernst 23; auch decher Mart. 131) stn.dasjenige, was über einem andern körper liegt. vgl. Graff 5,103.
1.mit einem größern zwischenraume zwischen dem deckenden und bedeckten. diu linde was genuoger dach Trist. 595. diu linde ist des brunnen schate unt sîn dach Iw. 30. maneger boume dach MS. 2, 21. a. sît als ungeloubet stât der walt, wâ nement die vogele dach MS. 2,109. b. ein hûs âne dach MS. 2,161. a. mîn dach ist vûl MS. 1,129. b. Walther 25,5. het ich ein hûs vür ungemach dem lieʒ ich selten vûleʒ dach Vrid. 170,18. ein dach als pfâwîn gevider lieht gemâl Parz. 565,7.
2.dasjenige, das auf über vor etwas anderm liegt, ohne bedeutenden zwischenraum: die äußerste bekleidung des körpers; der überzug im gegensatze des futters; der mantel. decke und dach sind bisweilen ganz synonym. eʒ wârn ir rocke und ir dach von swarzem samîte Erec 8236. sîn ouge ninder hûs dâ sach, schilde wærn sîn ander dach Parz. 60,6. sît der schilt von êrste wart mîn dach ich ritter wurde Parz. 812,17. under schiltlîchem dache W. Tit. 129,2. der schilt ist ein dach daʒ niht schande kan decken MS. 29. b. frouwe, ir habt ein werdeʒ dach an iuch gesloufet, den reinen lîp Walth. 62,36. dô diu faile wart der zaher dach sie verdeckte Parz. 302,1. ein kulter wart des bettes dach auf das bette wurde ein polster gelegt Parz. 552, 13. dô der kranz wart des helmes dach auf den helm gelegt wurde Parz. 604,8. sine fuorte niht wan knoden an: swâ die wârn des velles dach Parz. 257,15. Iwânet ûf in dô brach der liehten bluomen zeime dach Parz. 159,13. des houptes dach der helm Parz. 319,23. sîn ors von îser truoc ein dach: daʒ was für slege des gemach, dar ûf ein ander decke lac Parz. 36,23. der îserînen decke dach was ein pfellel Parz. 261,13. wâ næme du daʒ dach? Ortn. s. 36; in der vorhergehenden strophe wer gap dir daʒ gewant? einen rîchen mantel siu truoc: von sarumîne was sîn dach Lanz. 861. mentel vil lange — mit den besten dachen diu man vant das. 5738. vederen unde dach pelzwerk und überzug Trist. 10952. ein netze daʒ was ûf daʒ dach von kleinen berlîn getragen Trist. 11118. von pfelle roc unde dach Wigal. 7402. ein wîser warf ein dach von erden ûf den stein bedeckte ihn mit erde MS. 2,215. a. mîn hinter hât kein dach sagt der ungeschwänzte affe MS. 2,201. b. dâ bî sô gleiʒ ir wæte dach von purpur und von sîden troj. 53. c.
3.in bildlichem sinne.">
a.das äußere im gegensatze gegen das innere. dane sol ich varwe prüeven niht noch ir herzen dach, daʒ man siht Parz. 3,22. diu vrouwe ir willen dar an sach, daʒ diu spîse was ir herzen dach daß sie milch in den brüsten hatte Parz. 111,4. ir herze was ganzes sinnes dach, und umgekehrt dar zuo was ir herzen dach gewiʒʒen, schame, unt güete Wigal. 6345. 8945. sprichw. wan mir mîn meisterin verjach, diu rede wære des sinnes dach (so wie man von der schale auf den kern schliesst, so von der rede auf die gesinnung) Parz. 369,10.
b.das vollendende, wodurch etwas zu einem fest bestehenden ganzen wird. vgl. Grimm meisterges. s. 97. u. besonders Wackernagel altfranz. lieder s. 250. diu rede belîbet âne dach Parz. 338,14. in diesem sinne hieß die deutung einer parabel, die lösung eines räthsels daʒ dach, so wie die parabel oder das räthsel daʒ zimber; und ein aufgegebenes räthsel lösen, eine parabel deuten hieß ein vremdez zimber decken MS. 2,7. b.vgl. MS. 2,160. b. swer kostenlîche etc. und ich decke.
c.das was schirmt und schützt; das wogegen geschützt wird, bezeichnet die präp. vür. der himelsegen sî dîn dach MS. 2,49. a. vür ungelückes schûr ein dach Parz. 371,7. ein wîp... mir vür alleʒ ungemüete ein dach MS. 1,202. b. die vrouwen sint ein gar reineʒ dach daʒ decken kan vür ungemach MS. 1,188. a. wîbes güete diu ist ein dach, daʒ man nie vür ungemüete alsô guoteʒ niht gesach MS. 2,36. a. ob ich mit gâbe ie was vür kumber iuwer keines dach MS. 2,6. a.
d.das höchste, oberste. got aller hœhe ein dach, got aller tiefe ein endelôser grunt MS. 2, 137. a. der endelôsen hœhe ein dach, der grundelôsen tiefe ein boden MS. 2, 213. a. du bist aller wunne ein dach MS. 2,45. b. si ist der sælden dach MS. 1,191. b. dâ möhte wol sîn der sælden dach MS. 2,127. a. diz leit ist alles leides dach Wigal. 11371. er was ein krône und ein dach rehter riterschefte Wigal. 5578. diu (ritterschaft) tregt noch werdes prîses dach ob allem dem daʒ mir ist kunt Frl. 135,18. vgl. Haupt zu Engelh. 454.
 
Artikelverweis Lexer bettedachdas was auf dem bette liegt. manic bettedach von Arâbischen sîden Nib. 1763,2.
 
Artikelverweis Lexer FindeB himeldachhimmeldach. Maria wird angeredet du vrôlich himeldach Frl. 286, 21. vgl. g. sm. 1252. XXXX, 25.
 
Artikelverweis Lexer NLexer houbetdachkopfbedeckung, helm. ein houbetdach, der man ist iemer sælic swer den helm treit Ortn. s. 21. der (huot) was ein tiwer houbetdach Parz. 63,22. ûf gebûren swarte kom nie beʒʒer houbetdach Helmbr. 39.
 
Artikelverweis Lexer NLexer FindeB obedach
1.obdach. daʒ er im deheines gmaches sô vil sô des obedaches in sînem hûse engunde Greg. 2850. der walt truoc in ein obedach von loube troj. 51. a.
2.überzug. der deren obedach und underzoc troj. 34. a.
3.obdach, schirm. milte ist êren obedach MS. 1,188. b.MS. 1,112. a: dâ stêt din kunst nach sünden obe dach, oder, wie die zeile in Lachmann's ausgabe 101,36 lautet, dâ stêt sin kunst nâch sünde âne dach ist mir nicht klar.
 
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Lexer FindeB überdach
1.obdach. vil schœne was ir überdach von bletern und von rîse Engelh. 5336.
2.das höchste, oberste. got aller sælden überdach Engelh. 454. 3602. wîp, aller sælde ein überdach Frl. l. 5,1.
 
Artikelverweis BMZ dachtroufe s. das zweite wort.
 
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Lexer NLexer FindeB bedacheswv.versehe mit einem dach. niemand kann in das haus kommen, sô gar ist eʒ vermachet, vermûret und bedachet H. Trist. 5780. dô diu vaʒ mit rîcheit wâren, als er hieʒ, bereit, wol bedachet unde wol beslagen nach der Laßb. hs. Barl. 47,5 (bedaht Pf.).
 
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Lexer NLexer FindeB decke(prät. dacte, dahte, decte; ahd.decchu, dekju Graff 3,99) swv.
1.ohne accusativ.">mit schilden decken = ritterschaft tuon. swer mit schilden decken wil vor schanden (die lesart sich decken ist zu verwerfen). an der stat, dâ man mit schilden decket MS. 2,37. a.
2.mit accusative.">
a.reflexivem:"> decke, schütze mich gegen etwas. sich tacte mit dem schilde der tiwer degen hêr Nib. 1974,2.
b.transitivem.">
α.bedecke: der mich hât gedecchet Mos. 14,26 D. ich dahte bein mit beine Walth. 8,5. von fremder vische hiuten bezoc wol getân, die dacten si mit sîden Nib. 354,1. mit dem schilde dact er ie daʒ bluot und die wunden vor den unkunden Trist. 7136. unz ich gar nâch mînem muote daht bedeckt hätte ir rôten mundes schîn MS. 1,201. b. daʒ er an ir decke, ob iht des sî daʒ wandels an ir blecke MS. 2,126. b. si wart gedecket harte wol gut zugedecket Bon. 48,85. der schilt ist ein dach daʒ niht schande kan decken MS. 2,29. b.
β.schirme. die vrouwen sint ein gar reineʒ dach daʒ decken kan vür ungemach MS. 1, 188. a.
γ.wehre ab? ûʒ des (des apostels Johannes) grabi noch wehsit himilbrôt daʒ dekkit maniger slahte nôt Anno 86.
δ.deute eine parabel, löse ein räthsel. (vgl. dach 3 b). sît ich mit erze decken sol... sus decke ich fremdeʒ zimber meisterlîche MS. 2,7. b. du deckest daʒ ich niht kan wern das. 8. a.