Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Schicklich bis Schiebkarren (Bd. 3, Sp. 1439 bis 1442)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis  Schicklich, -er, -ste, adj. et adv. was sich schickt, in der dritten Bedeutung des Zeitwortes, der Sache und ihren Umständen gemäß, im Gegensatze des unschicklich. Eine schickliche Antwort geben. Jeder Sinn hat seine eigene schickliche Materie, welche die Nerven in das erforderliche Spiel setzt. Sie hielt es noch nicht für schicklich, sich zu erklären. Sich in allen Umständen auf die schicklichste Art zu betragen wissen. Im Österreich ist dafür schicksam üblich, und im gemeinen Leben wird geschicklich auf für geschickt gebraucht.
 
Artikelverweis 
Die Schicklichkeit, plur. inus. die Eigenschaft, da eine Sache schicklich, d. i. den Umständen gemäß ist; im Gegensatze der Unschicklichkeit. In Geschicklichkeit hat es noch eine andere Bedeutung, S. dasselbe.
 
Artikelverweis 
Das Schicksal, des -es, plur. die -e, ein Wort, von welchem sich weder in den ältern Denkmahlen der Deutschen Sprache, noch in den heutigen mit den Deutschen verwandten Sprachen einige Spuren finden. Es ist von dem Zeitworte schicken, in der Bedeutung des Verordnens, Veranstaltens, und der Ableitungssylbe -sal gebildet, und wird in einem doppelten Hauptverstande gebraucht. 1) Von Begebenheiten und Veränderungen eines Dinges, welche nicht in dessen Willkühr stehen, welche ohne dessen Zuthun in einer unbekannten Ursache außer ihm gegründet sind, wo man es besonders von solchen menschlichen Veränderungen, und selbst von solchen gebraucht, deren Grund in dem vorher gehenden Verhalten des Menschen man nicht einsiehet, wenn sie gleich wirklich in demselben gegründet sind. Ein Mensch hat sonderbare Schicksale, wenn er ohne seine unmittelbare Mitwirkung sonderbaren Veränderungen ausgesetzt ist; wo es auch collective von der ganzen Reihe solcher Veränderungen gebraucht wird. Der große Gedanke, Gott regieret und ordnet die allgemeinen und besondern Schicksale der Menschen ist göttliche Beruhigung des Herzens in Unfällen und Leiden, Gell. Ihr Schicksal (die ganze Reihe der Veränderungen) ist wunderbar; es ist aus kleinern Schicksalen vieler an einander gekettet, Jacobi.

[Bd. 3, Sp. 1440]


Sich in guten und bösen Schicksalen gleich seyn. 2) Dasjenige Wesen, in welchem diejenigen Veränderungen in der Welt gegründet sind, deren Zusammenhang aus dem vorher gehenden Zustande nicht begreiflich ist. Nach der christlichen Philosophie ist dieses Wesen kein anderes als Gott; allein man gebraucht das Wort Schicksal nur noch in dem Verstande der ehemahligen heidnischen Philosophen, welche noch ein gewisses unbekanntes Wesen außer Gott annahmen, von welchem die Veränderungen in der Welt und den menschlichen Begebenheiten abhängen sollten; es sey dieses nun ein Ohngefähr, oder eine unbedingte Nothwendigkeit u. s. f. Der Unglaube macht das blinde Schicksal zu einer gesetzgebenden Person. Gesundheit, Schätze, Ansehen, alles was der Thor anbethet, hat das lachende Schicksal über ihn ausgeschüttet, Dusch. Wo man denn oft weiter nichts, als die Veranstaltung und Verbindung der menschlichen Begebenheiten verstehet, so fern sie nicht unmittelbar von ihm selbst herrühren. S. auch Geschick. S. Schicken 1 3), von welcher Bedeutung dieses Wort herstammet.
 
Artikelverweis 
Die Schickung, plur. die -en, welches hier nicht zunächst das Verbale von schicken, sondern ein aus demselben und der Endsylbe -ing oder -ung zusammen gesetztes Wort ist, welches so wie das vorige, aber in einer dem christlichen Lehrbegriffe mehr gemäßen Bedeutung gebraucht wird. 1) Menschliche Begebenheiten, so fern sie zunächst in der Vorsehung oder Veranstaltung Gottes gegründet sind. Sich in alle Schickungen Gottes ergeben. Es war eine besondere Schickung, daß u. s. f. 2) Die Vorsehung Gottes, so fern sie sich besonders in Anordnung und Veranstaltung der menschlichen Begebenheiten und der Veränderungen in der Welt äußert. Sich auf die Schickung Gottes verlassen.
   Anm. Im Nieders. bedeutet Schickung eine jede Einrichtung und Anordnung. In seinem Hauswesen eine andere Schickung machen, eine andere Einrichtung.
 
Artikelverweis 
Schiebchen, in einigen Gegenden ein Nahme des Hohlunders, S. dieses Wort.
 
Artikelverweis 
Die Schiebebank, plur. die -bänke, eine Bank der Drahtzieher, an welcher die metallnen Zaine durch Menschenhände zu groben Drahte gearbeitet werden, welche Arbeit eine Art des Schiebens ist, daher diese Drahtzieher auch Schieber genannt werden; zum Unterschiede so wohl von der Ziehbank in den Drahtmühlen, als auch von den Ziehbänken der feinern Drahtzieher.
 
Artikelverweis 
Der Schiebebock, des -es, plur. die -böcke, S. Adelung Schiebkarren.
 
Artikelverweis 
Der Schiebekloben, des -s, plur. ut nom. sing. ein Nahme, welchen bey den Schlössern eine Art Zangen führet; vermuthlich auch eine solche, deren sie sich bey dem Ziehen des groben Drahtes bedienen.
 
Artikelverweis 
Schieben, verb. irreg. ich schiebe, du schiebst (Oberd. scheubst,) er schiebt (Oberd. scheubt;) Imperf. ich schob; Mittelw. geschoben; Imperat. schieb (Oberd. scheub). Es ist in doppelter Gestalt üblich.
   I. Als ein Activum, auf einer horizontalen oder fast horizontalen Fläche einen andern Körper nach und nach so vor sich her fortdrücken, daß man allemahl dessen Stelle einnehme; wodurch sich das Schieben von dem Ziehen, Drücken, Heben, Stoßen u. s. f. unterscheidet. Einen Kasten fortschieben. Den Tisch an die Wand schieben. Den Wagen in den Schuppen schieben. Schieben helfen. Den Riegel vorschieben. Etwas uneigentlicher schiebt der Ochse in der Landwirthschaft, wenn er den Wagen oder Pflug vermittelst der Stirn ziehet. S. Adelung Schiebochs. Brot in den Ofen schieben, wie die Bäcker thun. Etwas auf die lange Bank schieben, figürlich, eine Sache auf eine unbestimmte

[Bd. 3, Sp. 1441]


künftige Zeit aussetzen. Im Oberdeutschen schiebt man auch den Bissen in den Mund, man schiebt etwas in die Tasche, wo man im Hochdeutschen das Zeitwort stecken gebraucht. Sich schieben, das Reciprocum, aus seiner horizontalen Lage seitwärts verrücket werden. Das Papier hat sich geschoben. In der R. A. Kegel schieben wird es für rollen oder schießen gebraucht, indem es sich hier eigentlich auf die Kugel beziehet. Es ist hier ohne Zweifel ein Überrest einer Oberdeutschen Bedeutung; wenigstens sagt man daselbst noch im Diminutiv schiebeln von dem Rollen kleiner Körper. Figürliche Arten des Ausdrucks sind: einem etwas in das Gewissen schieben, es ihm vor Gott und Menschen zu verantworten überlassen, es seinem Gewissen heim stellen. Die Schuld auf jemanden schieben. Einen Antrag von sich schieben, ablehnen. Ehedem wurde es auch für befördern gebraucht, wovon unser Vorschub noch ein Überbleibsel ist. In einigen Oberdeutschen Gegenden wird es auch noch für schicken, senden, gebraucht. Jemanden zu etwas schieben und ordnen, senden und abordnen, Tschudi bey dem Frisch. Daher ist noch zu Wien der Schub der Transport des liederlichen Gesindels auf der Donau nach Ungarn.
   II. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben; doch nur in einigen Fällen des gemeinen Lebens. 1) In der Landwirthschaft schiebt ein Thier oder es schiebt Zähne, wenn es die Jugendzähne verlieret, weil die neuen Zähne die alten gleichsam vor sich her schieben. 2) Auch das Wachsen der Gewächse wird zuweilen schieben genannt. Die Pflanzen haben gut geschoben, sind merklich in die Höhe gewachsen. 3) Im Gehen schieben, mit voraus gestrecktem Kopfe träge und schwerfällig gehen, als wenn man etwas schöbe. So auch das Schieben.
   Anm. Bey dem Ottfried im Imperf. scoub, im Schwabenspiegel schiuban, im Nieders. schuven, im Angels. scusan, im Englischen to shove, im Schwedischen skusva. Es ist, wie alle Zeitwörter, eine Onomatopöie, welche den mit dem schieben verbundenen Laut nachahmet; und da dieser Laut mehrern sonst verschiedenen Handlungen gemein ist, so wird sich auch nicht leicht eine Beschreibung dieses Wortes geben lassen, welche genau auf alle Fälle paßte. Die obige ist auf die meisten gerichtet, denn es gibt freylich auch Fälle, wo man ein Ding senkrecht in die Höhe und niederwärts schiebet, wie z. B. einen Schieber, obgleich für diese Richtungen drücken, heben u. s. f. in andern Fällen üblicher sind. Das Hebr. 05e905d905d1, sich umwenden, scheint damit verwandt zu seyn. Das Intensivum von unserm schieben ist schuppen, mit einem Stoße schieben, Franz. chopper. Die im Hochdeutschen irreguläre Form des Präsens kommt unter andern auch bey dem Opitz vor:
   Scheub nur auf Gott dein Thun und alle Sachen.
 
Artikelverweis 
Der Schieber, des -s, plur. ut nom. sing. von dem vorigen Zeitworte. 1) Eine Person, welche schiebet. In dem Kegelspiele wird derjenige, welcher zu schieben hat, der Schieber genannt. In der Landwirthschaft ist der Schieber oder Schiebochs ein Ochs, welcher mit der Stirn ziehet. Bey den Drahtziehern ist der Schieber derjenige, welcher den groben Draht auf der Schiebebank aus freyer Hand ziehet. 2) Ein Werkzeug, womit man schiebet, in welchem Verstande die Bäcker Brotschieber, Kohlenschieber, Holzschieber, Kuchenschieber haben, das Brot u. s. f. in den Ofen, und die Kohlen aus dem Ofen in die Kohlentonne zu schieben, welches Arten flacher Schaufeln sind. 3) Ein Ding, welches geschoben wird, in welchem Sinne Arten von Deckeln, welche in einer Nuth auf- und zugeschoben werden können, Schieber heißen. In manchen Gegenden, z. B. in Niedersachsen, führet auch ein jeder Riegel diesen Nahmen. 4) Ein Ding, welches schieben macht. Dahin gehöret diejenige convulsivische Krankheit

[Bd. 3, Sp. 1442]


der Pferde, welche in manchen Gegenden unter dem Nahmen des Schiebers bekannt ist, wobey das Pferd dumm ist, nicht frißt, mit dem Kopfe gegen die Krippe drängt, und immer vor sich hin schiebet, bis es stirbt.
 
Artikelverweis 
Der Schiebkarren, oder Schiebekarren, des -s, plur. ut nom. sing. ein Kasten mit einem Rade, welchen eine Person vor sich her schiebet; in einigen Gegenden der Schubkarren, die Radeberge, der Kastenkarren. Hat dieses Werkzeug statt des Kastens ein Gestellte, so heißt es ein Schiebebock.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: