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Schnaufen bis Schnêckenbohrer (Bd. 3, Sp. 1590 bis 1592)
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Artikelverweis  Schnaufen, verb. reg neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches einen etwas stärkern Grad des Schnaubens bezeichnet, wo die Intension durch den stärkern Blaselaut f bezeichnet wird. Man schnauft, wenn man nach einer sehr starken Bewegung mit Heftigkeit Athem hohlet, besonders wenn es durch die Nase geschiehet; in Baiern pfnausen. S. auch Verschnaufen. Im Oberdeutschen schnauft man auch die Nase, wenn man sie im Hochdeutschen schnäutzet. Eben daselbst gebraucht man es in den zusammen gesetzten beschnaufen und anschnaufen, für, mit starker Einziehung der Luft in die Nase beriechen, wofür man im Hochdeutschen das iterative beschnaufeln, Nieders. beschnüffeln, in manchen Gegenden auch beschnoppern und beschnuppern hat. Das Nieders. snüffeln bedeutet auch, so wie das Schwed. snöfla und Engl. to snivel, durch die Nase reden, wofür man im Hochdeutschen nieseln, in manchen gemeinen Sprecharten aber auch nüsseln sagt. So auch das Schnaufen. S. Schnauben, Anm.
 
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Die Schnaupe, plur. die -n, Diminut. das Schnäupchen, Oberd. Schnäuplein, ein nicht überall gangbares Wort. 1) In einigen Provinzen wird es für Schnautze gebraucht, von welchem es nur im Endlaute unterschieden ist, von dem Nieders. Schnau, die Schnautze, abstammet, und gewisser Maßen ein vergrößerndes Wort von Schnabel ist. Im Hochdeutschen ist es in dieser eigentlichen Bedeutung unbekannt, wohl aber gebraucht man es zuweilen in figürlichem Verstande von ähnlichen hervor ragenden Theilen mancher Körper. Z. B. die Schnaupe an einer Kanne, an einer Lampe, an einem Helme, wofür man auch wohl Schnautze und Schnabel sagt. Im Oberdeutschen wird auch die Schneppe, ein weibliches Kleidungsstück, die Schnaupe genannt. Bey den Uhrmachern sind die Schnaupen eine Art Feilen, deren nähere Beschaffenheit mir aber unbekannt ist. 2) Der ausgebrannte Docht eines Lichtes, der im Hochdeutschen die Schnuppe heißt, ist in manchen Gegenden auch unter dem Nahmen der Schnaupe bekannt, S. das erstere.
   Anm. In einigen Gegenden hat man auch das Zeitwort schnaupen, welches ein Intensivum von schnauben ist, und nicht nur für schnäutzen, sondern auch figürlich für beschnaufeln gebraucht wird.

[Bd. 3, Sp. 1591]



 
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Die Schnautze, plur. die -n. Diminut. das Schnäutzchen, Oberd. Schnäutzlein, ein langes hervor ragendes fleischiges und mit der Nase verbundenes Maul, dergleichen manche Thiere haben, z. B. die Hunde, Wölfe, Füchse u. s. f. ingleichen manche Fische, wie die Karpfen. Ein solches hervor ragendes hornartiges Maul, wie es die Vögel haben, heißt ein Schnabel. Im verächtlichen Verstande wird es auch zuweilen von dem Munde und der Nase eines Menschen gebraucht. Die Schnautze hoch tragen. Figürlich ist die Schnautze oft ein auf ähnliche Art hervor ragender Theil an einem Dinge. Die Schnautze an einer Kanne, an einer Lampe. Seine Lampen mit seinen Schneutzen, (Schnautzen,) 4 Mos. 4, 9.
   Anm. Im Nieders. Snut, im Engl. Snout, im Schwed. Snyte. Es ist von schnauen, schnauben, gebildet und deutet das Werkzeug des Schnaubens an, welches Mund und Nase sind, besonders aber die letztere. Im Niedersächsischen heißt daher die Schnautze auch nur Schnau, und mit andern Endlauten Snuff und Snurre. S. auch Schnaupe und Schnabel.
 
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Schnautzen, verb. reg. neutr. welches nur in dem niedrigen anschnautzen, Nieders. afsnuten, ungestüm anfahren, gebraucht wird, S. dasselbe. Schnarchen und schnauben kommen in ähnlichen Figuren vor. Das jetzt veraltete einfachere snuden, von welchem schnautzen das Intensivum ist, kommt noch bey dem Notker vor, wo nase snuden verhöhnen, wohl zunächst die Nase rümpfen, und Snudu Verhöhnung ist. S. Schnöde.
 
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Schnäutzen, verb. reg. act. die Nase mit schneller und heftiger Ausstoßung der Luft reinigen. 1. Eigentlich, wo es allem Ansehen nach eine unmittelbare Onomatopöie ist, ohne erst von Schnautze abzustammen. Die Nase schnäutzen. Sich schnäutzen. Ein Kind schnäutzen. S. Adelung Schnauben. 2. Figürlich. 1) Das Licht schnäutzen, den ausgebrannten Docht mit der Lichtschere abschneiden und wegnehmen, eine nur in einigen Oberdeutschen Gegenden übliche R. A. wofür man im Hochdeutschen das Zeitwort putzen gebraucht; Nieders. snitjen. Man könnte es hier als ein Intensivum von schneiden ansehen, zumahl da das Nieders. snitjen in dieser Bedeutung von snütten in der vorigen hinlänglich verschieden ist. Allein die Griechen und Lateiner gebrauchten απομυξαι und emungere auf eben die Art, und im Griech. bedeutet μυξα so wohl Rotz als den Docht. 2) Jemanden schnäutzen, ihn auf eine listige Art bevortheilen, um sein Geld bringen, welches man auch schnellen, prellen u. s. f. nennet. Jemanden um zehen Thaler schnäutzen. Nach eben der Figur sagten die Griechen απομυξαι τινα, und die Lateiner emungere senem argento. So auch das Schnäutzen.
   Anm. Im Schwed. in allen drey Bedeutungen snyta, im Engl. to snite, wo auch Snot der Rotz ist.
 
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Das Schnautzenband, oder Schnautzband, des -es, plur. die -bänder, bey den Böttchern, ein mit einer Schnautze versehenes Band, d. i. ein an beyden Enden zugespitztes und mit Kerben versehenes Band, um die Enden in einander zu fügen.
 
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Die Schnêcke, plur. die -n, Diminut. das Schneckchen, Oberd. Schnecklein, ein Nahme, welcher einer doppelten Art Würmer beygelegt wird. 1. Einem nackten Wurme mit Gliedmaßen und vier Fühlspitzen über dem Maule, welcher von schwarzer, braunrother oder braungelber Farbe ist, und sich nach einem Regen in den Gärten und auf den Wegen sehen läßt, wo er sich vornehmlich durch seinen trägen schleichenden Gang auszeichnet; Limax L. Wegeschnecke. 2. Ein gewundenes einschaliges Schalthier mit sichtbaren Windungen. 1) Eigentlich; Cochlea L. Da es wieder Gartenschnecken, Erdschnecken, Flußschnecken, Meerschnecken u. s. f. gibt. 2) Figürlich bekommen verschiedene Dinge, welche mit ähnlichen Windungen, wie das Haus einer Schnecke,

[Bd. 3, Sp. 1592]


versehen sind, diesen Nahmen. So ist die Schnecke in der Baukunst ein Zierath, welcher aus lauter Viertelkreisen zusammen gesetzt ist, und auch ein Snörkel genannt wird, S. dieses Wort. Eine Schnecken- oder Wendeltreppe heißt oft die Schnecke schlechthin, in welchem Verstande es schon im Theuerdanke vorkommt. Die Schnecke war fünf Ellen weit, Ezech. 41, 11. Die Archimedische Wasserschraube, deren Röhre in einem Schraubengange um eine Achse geführet ist, wird eine Schnecke genannt, welchen Nahmen auch ein großer Hohlbohrer bekommt, die Pumpenröhren damit auszubohren. In der Anatomie wird so wohl die äußere Höhle des Ohres, als auch die innere hinter der Trommelhöhle, die Schnecke genannt, beyde wegen ihrer gewundenen Gänge. Im Latein. heißt die erste Concha, und die andere Cochlea.
   Anm. Im Nieders. Snigge, im Angels. Snaegl, im Engl. Snail, im Schwed. Snäcka. Es ist wohl kein Zweifel, daß es mit dem im Hochdeutschen veralteten schnecken, kriechen, schleichen, Angels. snican, Engl. to sneak, abstammet, weil beyde unter diesem Nahmen bekannte sonst so verschiedene Thiere einen überaus trägen Gang haben. Im Holländ. heißt daher eine Schnecke Slecke, von sliken, schleichen. S. auch 1 Schnake, Schlange. Im Oberdeutschen ist dieses Wort männlichen Geschlechts, der Schneck, des -en, plur. die -en.
 
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Das Schnêckenauge, des -s, plur. die -n, der Mittelpunct einer jeden Schneckenlinie oder eines Schnörkels, von welchem eine solche Linie ausgehet.
 
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Der Schnêckenbêrg, des -es, plur. die -e. 1) Ein kleiner Berg oder Hügel in einem Garten, die eßbaren Schnecken daselbst aufzubehalten und zu mästen. Geschiehet es in einer eigenen Grube, so wird sie eine Schneckengrube genannt. 2) Ein Lustberg in den Gärten, um dessen Fläche sich ein Weg, wie eine Schraube herum windet.
 
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Die Schnêckenbohne, die -n, eine Art steigender Bohnen mit einem gewundenen Stamme, und einer schneckenförmig zusammen gerollten Fahne und Schiffchen; Phaseolus caracalla L. Sie ist in Ostindien einheimisch.
 
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Der Schnêckenbohrer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Bohrer, dessen Bohrspitze, wie eine Schnecke gewunden ist, dergleichen man von allen Größen hat.

 

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