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Schnäpper bis Schnarcher (Bd. 3, Sp. 1586 bis 1588)
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Artikelverweis Der Schnäpper, des -s, plur. ut nom. sing. ein schnappendes Ding, wo es von verschiedenen Werkzeugen üblich ist. Eine kleine Armbrust heißt wegen des schnappenden Lautes der Sehne ein Schnäpper oder Schnepper. Der Schnäpper der Wundärzte ist ein Werkzeug zum Aderlassen, weil die Lanzette durch eine Feder mit Schnellkraft heraus gedruckt wird; der Fliegenschnäpper ist ein Nahme einer Art Grasmücken, welche nach den Fliegen schnappt.
 
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Der Schnapphahn, des -es, plur. die -hähne, ein Parteygänger im Kriege, welcher widerrechtlich auf Beute ausgehet, ingleichen eine gelinde Benennung eines Straßenräubers; weil beyde darauf ausgehen, fremdes Gut zu erschnappen. Im Niedersächsischen bekommen diesen Nahmen auch wohl die Gerichtsdiener und Bettelvögte, vermuthlich wohl nur im verächtlichen Verstande.

[Bd. 3, Sp. 1587]


Im Oberdeutschen ist Schnappführer der Anführer einer Räuberbande.
   Anm. Weil Snaphaan im Holländischen, und Snapphane im Schwedischen eigentlich eine Flinte bedeuten, wegen des schnappenden Hahnes, so glaubt man gemeiniglich, daß es in der heutigen Deutschen Bedeutung eine Figur von dieser sey. Freylich ist sie ein wenig hart; daher es dahin stehet, ob Hahn hier nicht aus Hans in der allgemeinen Bedeutung eines jeden verächtlichen Menschen, verderbt worden, zumahl da ein solcher Schnapphahn im Engl. wirklich Snaphance heißt. Das Franz. Chenapan ist aus dem Deutschen geformet.
 
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Schnäppisch, oder Schnippisch, -er, -te, adj. et adv. im gemeinen Leben, besonders der Niedersachsen, schnell und keck im Reden, naseweis im Reden. Schnäppisch seyn. Eine schnäppische Antwort. Nieders. snappsk, snippsk, wo auch Snippke und Snappsnute eine solche im Reden vorschnelle und naseweise Person bedeuten. Im Österreichischen bedeutet geschnäppig bloß plauderhaft, vom Nieders. snappen, plaudern.
 
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Schnapps, eine Interjection, welche ein Intensivum von schnapp ist, S. dasselbe. Schnipps drucket einen feinern, und das Nieders. schnupps einen gröbern Laut dieser Art aus. Daher schnappsen, diesen Laut geben, verursachen.
 
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Der Schnapps, des -es, plur. inus. eine nur im gemeinen Leben übliche scherzhafte Benennung eines Schluckes Branntwein, weil er schnapps oder in einem Schnappe ausgetrunken wird. Einen Schnapps machen oder nehmen, einen Schluck Branntwein trinken. Daher es denn auch oft Branntwein überhaupt bedeutet. Ein Glas Schnapps.
 
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Der Schnappsack, des -es, plur. die -säcke, ein Sack oder Beutel, trockne Speisen darin auf Reisen bey sich zu führen. Im Nieders. gleichfalls Snappsack, im Schwed. Snappsäk, im Engl. Snapsack, im Franz. Canapsa. Bey dem Worte Knappsack, wie es auch in vielen Gegenden lautet, ist schon bemerket worden, daß Schnappsack vermittelst des Zischlautes davon gebildet worden, ob es gleich auch unmittelbar von Schnapp, ein Mund voll, Engl. Snap, gemacht seyn kann. Die Engländer sagen gleichfalls Knapsack, so wie die Schweden auch Kappsäk und Baksäk welches letztere von Bak, der Rücken, abgeleitet wird, weil gemeine Leute einen solchen Sack auf der Reise gemeiniglich auf dem Rücken hangen haben.
 
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Schnappsen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, im gemeinen Leben, einen Schluck Branntwein zu sich nehmen, ein Glas Branntwein trinken. S. Adelung Schnapps.
 
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Das Schnapptūch, des -es, plur. die tǖcher, S. Adelung Schnappe.
 
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Die Schnappweife, plur. die -n, eine Art Weifen, welche die Zahl der geweiften Fäden durch das Schnappen eines dünnen elastischen Bretchens anzeiget; die Zählweife.
 
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Schnarchen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, eine unmittelbare Nachahmung des Lautes ist, und in doppelter Bedeutung gebraucht wird. 1) Von dem durch die Nase hervor gebrachten Laute, welcher oft einen festen Schlaf begleitet. Im Schlafen schnarchen. Nieders. snoren, snorken, snurken, Engl. to snore und to snort, Schwed. snarka. Im Angels. hingegen ist snora niesen. 2) Ungestüm verweisen, mit Pochen und Drohen reden. Im Hause herum schnarchen. Mit dem Schnarchen ist es nicht ausgerichtet. S. auch Anschnarchen. Im Schwed. gleichfalls snorka, im Isländ. snarka. Im Nieders. ist snarren murren, brummen. Als ein Diminut. davon kann das im gemeinen Leben mancher Gegenden übliche nörgeln angesehen werden, dem unter andern auch der intensive Zischlaut mangelt. Im Finnischen ist Naerkae der Zorn. So auch das Schnarchen.

[Bd. 3, Sp. 1588]



 
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Der Schnarcher, des -s, plur. ut nom. sing. eine Person, welche schnarcht, besonders in der zweyten Bedeutung. Den Schnarcher fürcht ich nicht, Haged.
   Ein Schnarcher voller Schulgeschwätze
   Hält sich für einen Kirchenheld,
   Haged.

 

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