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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
2. Die Schnake bis Schnappenwurz (Bd. 3, Sp. 1584 bis 1586)
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Artikelverweis  2. Die Schnake, plur. die -n, eine Art langbeiniger Mücken, deren Maul mit Borsten ähnlichen Stacheln versehen ist. Sie halten sich am häufigsten an wasserreichen Orten auf, und unterscheiden sich durch ihr heftiges Stechen und hell tönendes Summen, daher sie in vielen Gegenden auch Gälsen, Gölsen genannt werden; Culex L. Im Lothar. Chnoque, Engl. Gnat, im Wend. Komar. In Franken und einigen andern Gegenden werden die Afterfalter, Phryganea L. Schnaken genannt.
   Anm. Da dieses Insect empfindlich sticht, so scheinet es von dieser Eigenschaft den Nahmen zu haben. Im Schwed. ist snicka noch jetzt schnitzen, künstlich stechen, und Snickare ein Zimmermann. In Krain werden diejenigen Landleute, welche Teller, Löffel, Schüsseln schnitzen, Schnäckerer genannt.
 
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3. Die Schnake, plur. die -n, in der vertraulichen Sprechart der Ober- und Niedersachsen, ein scherzhafter, lustiger Einfall, eine lustige Erzählung, Scherzrede. Schnaken vorbringen. Schnaken erzählen. Eine wohlgemeinte Schnake, Günth. In weiterer Bedeutung auch wohl zuweilen ein jeder Spaß. Im Nieders. bedeutet es auch einen Menschen von lustigen Einfällen, einen schnakischen Menschen. S. das folgende.
 
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Schnakisch, -er, -te, adj. et adv. gleichfalls nur in der vertraulichen Sprechart, besonders der Ober- und Niedersachsen, was Lachen erreget, spaßhaft, lustig. Ein schnakisches Kind. Ein schnakischer Mensch. Schnakisch aussehen. Das ist doch schnakisch genug, Weiße.
   Anm. Im Niedersächsischen, wo dieses Wort am gangbarsten ist, snaaksk. Frisch leitet es schnakisch genug von Schnake, Mücke, ab, weil diese wunderlich durch einander fliegen, Richey eben so seltsam von Schnake, Schlange, wobey ihm der mit Schlangen geschmückte Medusen-Kopf einfällt, weil dieser das älteste Urbild einer wunderlichen Figur seyn soll. Das Bremisch-Nieders. Wörterbuch und Stosch lassen es von dem Nieders. schnacken, (mit einem kurzen a, also nicht schnaken, wie Frisch schreibt,) abstammen, welches albernes, ungereimtes Zeug reden, bedeutet. Allein da schnakisch, weder wunderlich noch albern bedeutet, sondern lächerlich, so fallen alle diese Ableitungen weg. Da die meisten gleichbedeutenden Wörter dieser Art, eigentlich lustige lächerliche Bewegungen bedeuten, welches auch von dem gleichbedeutenden aber mehr Oberdeutschen Schwank gilt, so scheinet das Nieders. snigger, schlank, ingleichen munter, hurtig, lebhaft, das wahre Stammwort zu seyn, dessen Stamm wieder das Schwed. sno, eilen, schnell seyn, ist. Schnake bedeutet also eigentlich eben das, was Schwank andeutet; dessen Beywort schnakisch unterscheidet sich von dem gleichbedeutenden neckisch nur durch den Zischlaut. Wenn das Lat. Nugae ursprünglich den verächtlichen Begriff nicht gehabt hat, den es nachmahls bekommen, so gehöret es auch hierher; sonst müßte man es zu dem schon gedachten schnacken rechnen. In der niedrigern Sprechart ist für schnakisch auch schnurrig üblich, S. dasselbe.

[Bd. 3, Sp. 1585]



 
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Die Schnalle, plur. die -n, Diminutivum das Schnällchen, 1) Überhaupt, ein schnallendes Werkzeug, ein schnallendes Ding, wo es doch nur noch hin und wieder in einzelnen Fällen üblich ist. So wird die Klinke an einer Thür, weil sie mit einem ähnlichen Laute niederfällt, in Ober-Deutschland die Schnalle oder Thürschnalle genannt. An den Pressen der Buchdrucker ist die Schnalle eine eiserne Zunge, womit man das niederfallende Rähmchen überklammert. Die Klatschrosen werden wegen des schnallenden Lautes, welchen Knaben mit denselben hervor bringen, in vielen Gegenden Schnallen genannt. Ein Schneller oder Stüber, d. i. ein Stoß oder Schlag mit gebogenem und schnell nachgelassenem Finger, heißt in manchen Gegenden eine Schnalle, ein Schnall, so wie man ein Schnippchen in einigen Oberdeutschen Gegenden einen Schnall oder Schnalzer nennt. 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist die Schnalle ein metallenes Werkzeug mit einem beweglichen Dorne, gewisse Theile, besonders an den Kleidungsstücken, damit zu befestigen; vermuthlich weil bey der ersten Erfindung der niederfallende Dorn einen ähnlichen Laut erweckte. Die Halsschnalle, Gürtelschnalle, Schuhschnalle u. s. f. Bey den Jägern wird das weibliche Geburtsglied einer Hündinn und eines jeden Raubthieres so wohl die Schnalle, als die Nuß genannt, und bey einigen alten Schriftstellern kommt Nuschin, Niischel, für Schnalle, fibula, vor.
 
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Schnallen, verb. reg. welches in doppelter Gestalt vorkommt. I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, denjenigen eigenthümlichen Laut von sich geben oder hervor bringen, welchen dieses Zeitwort nachahmet, und welcher ein gelindes Knallen ist, da es denn von verschiedenen Handlungen gebraucht wird, welche mit diesem Laute verbunden sind. Mit der Peitsche schnallen, wofür im Hochdeutschen knallen üblicher ist. Man schnallet mit dem Munde, wenn man diesen Laut mit der an den Gaumen gedrückten Zunge hervor bringet, welches man auch klatschen und schnalzen nennet. Im Oberdeutschen schnallet man mit den Fingern, wenn man sie im Hochdeutschen krachen läßt. Das Intensivum davon ist schnalzen und das Activum schnellen, S. diese Wörter. II. Als ein Activum, vermittelst einer Schnalle in der engern Bedeutung befestigen. Die Halsbinde fester, lockerer schnallen. Die Schuhe fest zusammen schnallen. Besonders in den Zusammensetzungen abschnallen, anschnallen u. s. f. So auch das Schnallen.
   Anm. Im Schwed. smälla. Es ist mit knallen genau verwandt, nur daß der vorgesetzte Zischlaut, welcher sonst ein Zeichen der Intension ist, hier die Bedeutung vermindert.
 
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Schnalzen verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches das Intensivum von dem vorigen in der neutralen Form ist, und in manchen Gegenden in eben denselben gebraucht wird. Die Peitsche wacker schnalzen lassen, knallen. Mit der Peitsche schnalzen. Mit der Zunge schnalzen, klatschen. Mit den Fingern schnalzen, sie krachen lassen. Jemanden ins Gesicht schnalzen, im Oberdeutschen, ihm ein Schnippchen vor das Gesicht schlagen. In eben dieser Mundart werden auch der Schnalz, der Schnalzer, die Schnalze, theils von einem solchen Laute, theils für Schnippchen und Stüber mit den Fingern gebraucht. Eine Nasenschnalze oder ein Nasenschnalzer ist daselbst ein Nasenstüber.
 
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Der Schnäpel, des -s, plur. ut nom. sing. der Nahme eines besonders in der Altmark einheimischen schmackhaften Flußfisches, welcher kleiner als die Zerte ist, und, nachdem er mit wenigem Rauche gedörret worden, verführet wird. Er ist eine Art Lachse, Salmo Oxyrinchos L. und hat den Nahmen von seinem länglichen, einem Schnabel ähnlichen Maule oder vielmehr Nase, welche blaß wird, wenn der Fisch sterben will, daher er auch im Dänischen

[Bd. 3, Sp. 1586]


Snibbel heißt. Andere nennen ihn Schnabel, Schnäbel, Schnabelfisch, Schnepel. In andern Gegenden heißt er Adelfisch, weißer Bläuling, Nase, Näsling. In noch andern Gegenden wird auch der Pfeilfisch oder Hornfisch, Isox Bellone L. Schneffel oder Schnäpel genannt.
 
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Schnapp, oder Schnapps, eine Interjection, welche eine Nachahmung desjenigen Schalles ist, welcher eine schnelle mit Schnellkraft verbundene Bewegung begleitet. Schnapp fuhr die Thür zu, schnapp kippte das Bret um, schnapp sprang das Schloß zu, schnapp hatte er es weg. Schnapps ist das Intensivum davon. Im Schwedischen ist daher snabb schnell, hurtig. Man gebraucht es auch im gemeinen Leben als ein Hauptwort, die Handlung des Schnappens mit dem Munde zu bezeichnen, besonders von den Hunden. Einen Schnapp nach etwas thun. Auf Einen Schnapp. Engl. Snap.
 
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Die Schnappe, plur. die -n, bey den Jägern, ein jedes Tuch, welches man auf- oder niederlassen kann; das Schnapptuch, Falltuch. Von schnappen, schnell niederfallen.
 
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Schnappen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches eigentlich eine Nachahmung desjenigen eigenthümlichen Schalles ist, den es bezeichnet. Der Auerhahn schnappt in der Balze, wenn er mit dem Schnabel diesen Schall hervor bringt, ehe er anfängt zu schleifen. Besonders begleitet dieser Schall gewisse mit Schnellkraft verbundene Veränderungen, daher es auch von denselben gebraucht wird. Ein Schloß schnappt, wenn die Feder den Riegel mit Schnellkraft fortstößt. Daher ein Schloß abschnappen, es abdrücken. Ein Bret schnappt in die Höhe, wenn es schnell in die Höhe fähret. Im Oberdeutschen sagt man auch mit den Fingern schnappen, für krachen, mit der Kanne schnappen, für klappern. In engerer Bedeutung druckt es die schnelle mit diesem Schalle verbundene Öffnung und Schließung des Mundes aus, etwas mit Geschwindigkeit zu erhaschen. Der Hund schnappt nach den Fliegen, der Fisch nach der Luft. Daher figürlich, nach etwas schnappen, es begierig und mit Geschwindigkeit in seine Gewalt zu bekommen suchen.
   Was hilft es auch nach Weisheit schnappen,
   Die oft dem Wirbel wehe thut?
   Haged. So auch das Schnappen.
   Anm. Im Nieders. snappen, wo es auch schnell reden, eilfertig plaudern bedeutet, im Schwed. snappa, im Engl. to snap und ohne Zischlaut auch to nab. Bey dem Hornegk kommen schnaben und schnappen auch für strautheln, fallen, vor. Im Nieders. ist für schnappen in der engern Bedeutung auch happen, happsen, Franz. haper, Ital. chiappare, üblich. Schnappen ahmet den Laut genau nach; einen feinern Laut dieser Art druckt man durch schnippen aus, so wie die Niederdeutschen für einen gröbern die Wörter Schnupp und schnuppen haben.
 
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Die Schnappenwurz, S. Adelung Schuppenwurz.

 

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