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Schmūtzärmel bis Schnabeleisen (Bd. 3, Sp. 1582 bis 1583)
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Artikelverweis Der Schmūtzärmel, des -s, plur. ut nom. sing. halbe Ärmel von geringem Zeuge, welche man bey schmutzigen Arbeiten über den halben Arm ziehet, denselben und die Kleidungsstücke vor dem Schmutze zu bewahren. Nieders. ohne Zischlaut Musmoue, von musseln, sudeln, und Moue, Ärmel.
 
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Das Schmūtzbūch, des -es, plur. die -bǖcher, ein Handbuch, worein man die täglichen Vorfälle ohne Ordnung und Reinlichkeit aufzeichnet; Nieders. Kladde.
 
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Schmūtzeln, S. Adelung Schmunzeln.
 
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1. Schmūtzen, lächeln, S. eben daselbst.
 
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2. Schmūtzen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, ein nur bey den Jägern übliches Wort, die Stimme eines Thieres nachahmen, um es damit zu locken, welches auch reitzen genannt wird. Es ist hier eine unmittelbare Onomatopöie und mit schmatzen verwandt. In einigen Schweizerischen Gegenden ist schmutzen schimpfen.
 
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3. Schmūtzen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, den Schmutz fahren lassen. Rußige Kessel schmutzen leicht, wofür doch abschmutzen üblicher ist. Ingleichen, den Schmutz annehmen, schmutzig werden. Die weiße Wäsche schmutzt leicht. Im gemeinen Leben auch zuweilen schmutzige Arbeit verrichten, oder schmutzig einher gehen. Den ganzen Tag im Hause herum schmutzen. In den Zusammensetzungen beschmutzen, einschmutzen u. s. f. hat es auch eine thätige Bedeutung. So auch das Schmutzen.
   Anm. Im Schwed. smutsa, im Niederdeutschen ohne Intension smudden, und iterative oder intensive schmuddeln. S. Schmudeln, Schmitz, Schmitzen und Schmutz.
 
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Schmūtzig, -er, -ste, adj. et adv. 1) Eigentlich, Schmutz enthaltend. Schmutzige Wäsche, schmutzige Kleider, schmutzige Hände. Sich schmutzig machen. Es ist schmutziges Wetter, wo man sich leicht schmutzig macht. 2) Schmutzige Farben, welche durch Beymischung einer dunklen oder grauen ihren hellen und reinen Glanz verloren haben. 3) Der Ehrbarkeit zuwider; in der anständigen Sprechart, für das niedrige garstig und härteste unfläthig. Schmutzige Reden führen. Ein schmutziges Bild.
 
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Der Schmūtztītel, des -s, plur. ut nom. sing. im Buchhandel, ein Titel, welcher nur verlorner Weise vor einem Buche gedruckt wird, um den eigentlichen Titel vor der Beschmutzung zu verwahren.
 
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Der Schnabel, des -s, plur. die Schnäbel, Diminut. das Schnäbelchen, Oberd. Schnäbelein. 1. Eigentlich, das verlängerte hornartige Maul der Vögel. Ein krummer, gerader, spitziger, stumpfer Schnabel. Der Vogel singt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. 2. Figürlich. 1) Der menschliche Mund; doch nur im Scherze. 2) Wegen einiger Ähnlichkeit bekommen mehrere hervor ragende und spitzig zulaufende Theile eines Dinges den Nahmen eines Schnabels. Dahin gehöret der Schnabel an manchen Arten von Zangen, an den ehemahligen langen spitzigen Schuhen, an den ehemahligen Schiffen, an den Blasebälgen, an der Hinterachse eines Wagens, wo er aus zwey spitzig zulaufenden Hölzern bestehet, und auch die Schere heißt, an einer Schreibfeder, an manchen Arten von Flöten, u. s. f. Bey den Jägern ist der Schnabel eine hölzerne Gabel, welche man dem Hühnerhunde unter dem Halse anschnallet, damit er den Kopf hoch

[Bd. 3, Sp. 1583]


tragen lerne. Auch bey den Mäurern wird das hervor ragende Ende einer Dachrinne oft der Schnabel genannt, und so in andern Fällen mehr.
   Anm. Schon bey dem Ottfried Snabul, bey dem Notker Snabel, im Nieders. Snavel, Snibbe, Snippe, im Schwed. Snabel. Die meisten Wortforscher bleiben bey schnauben und schnappen stehen, welche unmittelbare Onomatopöien sind, und nur auf eine entfernte Art hierher gehören. Die letzte Sylbe ist die Ableitungssylbe, welche so wohl ein Werkzeug als ein Subject bedeutet. Ohne dieselbe ist im Nieders. Snau so wohl Schnabel als Schnautze, und ohne Zischlaut, im Nieders. Nibbe, Hamb. Nüff, so wohl der Schnabel als die Nase, Angels. Nebb, Engl. Nib, Holländ. Neb, Dän. Näb, Schwed. Näbb und Näf, welches so wohl den Schnabel als den Kopf bedeutet. Es scheinet, daß alle diese Wörter überhaupt ein jedes hervor ragendes Ding bedeutet haben, so daß auch unser Nabe und Nabel, das Schwed. Nabb, ein Vorgebirge, u. a. m. dahin gehören. Das Stammwort ist noch in dem Hebr. 05e005d505d1, hervor sprossen, übrig, S. auch Knopf. Bey den Krainerischen Wenden heißen die Lippen Shnabli, und dem Plinius zu Folge hieß der Schnabel schon bey den alten Galliern Nebbe.
 
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Der Schnäbel, ein Fisch, S. Adelung Schnäpel.
 
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Das Schnabeleisen, des -s, plur. ut nom. sing. eine Zange mit einem langen Schnabel der Perrückenmacher, das Toppee damit zu brennen; die Schnabelzange, das Toppee-Eisen.

 

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