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Schmuckangel bis Schmūtzärmel (Bd. 3, Sp. 1580 bis 1582)
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Artikelverweis Die Schmuckangel, plur. die -n, in einigen Gegenden, eine Art Angeln mit einem glänzenden Bleche, die Fische durch dessen Glanz herbey zu locken. Von Schmuck, Glanz, S. das folgende in der Anmerkung.
 
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Schmücken, verb. reg. act. die Gestalt eines Dinges verschönern, besonders so fern es durch glänzende oder andere für schön gehaltene Dinge geschiehet, da es denn in der edlern und höhern Schreibart für das mehr vertrauliche putzen üblich ist. Eine Braut schmücken. Sich prächtig schmücken. Sich zur Hochzeit schmücken. Eine Kirche, einen Alter schmücken. Schmücket das Fest mit Mayen, Ps. 118, 27. Eines Grab mit Blumen schmücken.
   Dir schmückt das fromme Mädchen sich
   Bey seinem Morgenliede,
   Raml. Wie würdig ist diese liebenswürdige Bescheidenheit, die übrige Tugend zu schmücken! So auch jemandes Sache schmücken, in der Deutschen Bibel, sie verschönern, sie besser vorstellen, als sie ist. Federn schmücken, ist in engerer Bedeutung, sie zierlich zurichten, damit sie Theile des Schmuckes abgeben können, wohin denn auch das Färben derselben gehöret; daher der Federschmücker, der solches verrichtet. So auch das Schmücken.
   Anm. In dem alten Fragmente auf Carln den Großen bey dem Schilter smechen, im Engl. to smug, im Schwed. smycka. Wachter leitet es sehr gezwungen von dem Griech. κοσμειν. Ihre von dem Angels. smicer, klein, (S. Adelung Schmach und Schmächtig,) ab, anderer zu geschweigen. Unser Activum schmücken, setzet ein Neutrum schmucken voraus, welches jetzt veraltet ist, aber allem

[Bd. 3, Sp. 1581]


Ansehen nach glänzen bedeutet hat, wohin ohne Zischlaut auch das Lat. micare gehöret. In dem vorhin angeführten Schmuckangel ist diese erste Bedeutung noch übrig, und Schmuck wird noch am häufigsten von glänzenden Verschönerungsmitteln, dergleichen z. B. die Edelsteine sind, gebraucht. Hieraus erhellet zugleich, daß Schmuck und schmücken unter andern auch einen höhern Grad bedeute, als Putz, putzen, Zier und zieren. Im Niedersächsischen hat man noch das Bey- und Nebenwort smuck, Engl. smug, Schwed. smuok, Wend. smuc, zierlich, schön, geputzt, welches so wie unser schön eigentlich auch glänzend bedeutet hat. Das Brem. Nieders. Wörterbuch leitet es mit dem Griech. συκτος von σμαειν, σμεειν, σμχειν, abwischen, reinigen, her; vielleicht bedeuteten diese auch eigentlich, glänzend und scheinbar machen. Ohne Zischlaut gehöret hierher auch das Nieders. und Holländ. moje, hübsch, fein, artig, von welchem schmuck ein doppeltes Intensivum ist, so wohl durch Vorsetzung des Zischlautes, als auch durch Verstärkung des Gaumenlautes.
 
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Das Schmuckgêld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, in einigen Gegenden, dasjenige Geld, welches einer Tochter bey der Ausstattung zum Schmucke, als ein Theil des Heirathsgutes, gegeben wird.
 
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Das Schmuckkästchen, des -s, plur. ut nom. sing. ein zierliches Kästchen, worin das andere Geschlecht seinen Schmuck, d. i. Juwelen, Perlen und ähnliche zum Schmucke gehörige Kleinode, zu verwahren pfleget.
 
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* Schmudelig, -er, -ste, adj. et adv. in den gemeinen Sprecharten, besonders Nieder-Deutschlandes, unreinlich, schmutzig. Schmudelig aussehen. Ein schmudeliges Weib. Eben daselbst ist schmudeln unreinlich mit einer Sache umgehen, sudeln, Schmudeley, Unreinlichkeit, Sudeley u. s. f. Es ist das Stammwort von unserm intensiven Schmutz, S. dasselbe.
 
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* Schmuggeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches gleichfalls nur in Nieder-Deutschland gangbar ist, verbothene Waaren heimlich, und accisbare Waaren mit Hintergehung der Gefälle einbringen, einen Schleichhandel treiben. Daher Schmuggeley, ein solcher Schleichhandel, und Schmuggler, ein solcher Schleichhändler. Holländ. smokkelen, Engl. to smuggle, Smuggler. Es ist ein Iterativum oder Intensivum von dem Angels. smugan, schleichen, Schwed. smyga, wo auch Smuga ein Schlupfwinkel ist. S. Adelung Schmiegen.
 
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Schmunzeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, lächeln, besonders so fern es ein Zeichen des Wohlgefallens ist; ein nur in der vertraulichen Sprechart übliches Wort, wo es so pöbelhaft nicht ist, wie Frisch will. Eben daselbst wird auch schmutzen, schmutzlachen, schmutzeln und schmustern in eben diesem Verstande gebraucht, so wie die Niederdeutschen in demselben smunstern, smunsterlachen, smuschern, schmutzern, Schwed. smystra, und ohne Zischlaut mysa, Griech. μειδιαν, die Oberdeutschen aber schmollen und schmilen, beym Hornegk ensmilen, (S. Adelung Schmeicheln,) sagen.
 
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Schmußen, verb. reg. act. ein nur in den Pfeifen-Fabriken übliches Wort, welches daselbst glätten bedeutet. Die Pfeifen werden daselbst geschmußet, wenn sie geglättet werden. Daher der Schmußer, derjenige Arbeiter, welcher dieses Glätten verrichtet. Es scheint von schmücken, glänzend machen, nur im Endlaute verschieden zu seyn.
 
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Schmūstern, lächeln, S. Adelung Schmunzeln.
 
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Der Schmūtz, des -es, plur. inus. kleberige, feuchte Unreinlichkeit; wo es in der anständigern Sprechart für manche gleichbedeutende niedrigere gebraucht wird. Voller Schmutz seyn. Vom Schmutze reinigen.

[Bd. 3, Sp. 1582]



   Anm. Im Engl. Smut, im Schwed. Smuts. Es bedeutet eigentlich etwas Fettes, Schmieriges, wie denn im Holländischen noch jetzt Smuot für Schmalz üblich ist. Schmalz, Schmier, Schmer, Schmutz sind eigentlich nur in den Endlauten unterschieden. Das u ist im Hochdeutschen gemeiniglich gedehnt; andere Mundarten schärfen es.
 
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Der Schmūtzärmel, des -s, plur. ut nom. sing. halbe Ärmel von geringem Zeuge, welche man bey schmutzigen Arbeiten über den halben Arm ziehet, denselben und die Kleidungsstücke vor dem Schmutze zu bewahren. Nieders. ohne Zischlaut Musmoue, von musseln, sudeln, und Moue, Ärmel.

 

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