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Schmollen bis Schmuckkästchen (Bd. 3, Sp. 1579 bis 1581)
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Artikelverweis  Schmollen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, seinen Unwillen durch ein mürrisches Stillschweigen an den Tag legen, wo es in der vertraulichen Sprechart anstatt des niedrigern maulen gangbar ist. Mit jemanden schmollen. Das machte nur dein Schmollen, Rost.
   Gewiß, es war zu viel, zu gehn, und gar zu schmollen,
   Gell. Anm. Es ist wohl vermittelst des Zischlautes aus manlen gebildet, S. dasselbe. In einem gerade entgegen gesetzten Verstande ist schmollen in einigen Gegenden lächeln. Wer wolt das lieplich Angesicht, ir gefällig schmollen bezaichnen? Stoinhöv. bey dem Schilter. Aber dann ist es ein Intensivum oder Diminutivum von dem im Hochdeutschen unbekannten schmilen, lächeln; Schwed. småla, Engl. to smile.
 
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Der Schmorbraten, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, besonders Niedersachsens, ein großes Stück Fleisch, welches geschmoret, d. i. gedämpfet, in einem Topfe, oder tiefen Tiegel gebraten worden; gedämpftes Fleisch, im Nieders. auch Grapenbraten.
 
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Schmoren, verb. reg. act. et neutr. im letztern Falle mit dem Hülfsworte haben, in einem verschlossenen Gefäße langsam kochen oder braten, besonders von dem Fleische, ingleichen auf eine solche Art bey einem gelinden Feuer langsam kochen oder braten lassen, welches man im gemeinen Leben auch prägeln, im Hochdeutschen dämpfen, im Niedersächs. stoven, und im Oberd. stauchen und schmauchen nennet. Geschmortes Rindfleisch. Eine geschmorte Kalbskeule. So auch das Schmoren.
   Anm. Im Nieders. smoren, smoorten, smurten, welches aber auch die Luft benehmen, ersticken, bedeutet, wie das Angels. smoran, und Engl. to smother. Es scheint, wie prägeln, eine Onomatopöie des mit dieser Art des Kochens verbundenen Lautes zu seyn. Im Nieders. bedeutet schmoren auch in einem eingeschlossenen Orte langsam aber stark schwitzen; im Oberdeutschen hingegen ist schmoren, schmorchen und schmorren, dürre werden, und verschmoren, verdorren.
 
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Der Schmortopf, des -es, plur. die -töpfe, ein weiter niedriger Topf mit einem Deckel, Fleisch darin zu schmoren.
 
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Die Schmoße, plur. die -n, ein nur in den gemeinen Sprecharten aus Schmasche für Masche verderbtes Wort, S. das erstere.
 
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Der Schmu, ein nur in den niedrigen Sprecharten übliches unabänderliches Wort, welches am häufigsten ohne Artikel gebraucht

[Bd. 3, Sp. 1580]


wird, einen Gewinn, Profit zu bezeichnen, besonders wenn er durch Schlauheit gemacht wird. Schmu machen, einen solchen Gewinn. Es scheint Jüdisch-Deutsch zu seyn, zumahl da man einen Deutschen im Lande herum ziehenden Schachter-Juden Smous, Schmaus, zu nennen pflegt.
 
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Der Schmuck, des -es, plur. doch nur in Einem Falle, die -e, von dem Zeitworte schmücken. 1. Eigentlich, der Glanz, und in weiterer Bedeutung, die verschönerte Gestalt eines Dinges, ohne Plural; eine nur noch in der höhern und dichterischen Schreibart übliche Bedeutung. Schön, schön ist die ganze Gegend in des Herbstes feyerlichstem Schmucke, Geßn. 2. Dasjenige, was zur Verschönerung der Gestalt einer Sache von außen dienet. 1) Im weitesten Verstande, wo es eigentlich von allen solchen Dingen gebraucht wird, besonders so fern es Kleidungsstücke oder andere ähnliche Dinge sind, die Gestalt eines Dinges zu verschönern; gleichfalls ohne Plural. Der Altarschmuck, der Kirchenschmuck. In der Deutschen Bibel kommt es häufig collective von feyerlichen Kleidern und Kleidungsstücken beyder Geschlechter vor. Aarons priesterlicher Schmuck. Im Hochdeutschen ist es hier in der edlern und höhern Schreibart am gangbarsten, für das vertrauliche Putz, welches über dieß keinen so hohen Grad der Verschönerung bezeichnet, und für das niedrige Staat. Den Schmuck anlegen, Ezech. 24, 27. Der festliche Schmuck einer Braut. Graues Haar ist der Alten Schmuck, Sprichw. 20, 29. 2) In engerer Bedeutung werden Edelsteine und Perlen, so fern sie zur Verschönerung der äußern Gestalt dienen, noch häufig ein Schmuck genannt, da es denn als ein Collectivum gebraucht wird, mehrere zusammen gehörige Stücke dieser Art zu bezeichnen. Von mehrern solchen Ganzen wird denn auch wohl zuweilen der Plural, die Schmucke, gebraucht. Ein Schmuck von Perlen, von Diamanten. Ein guter oder echter Schmuck, im Gegensatze eines unechten. Der Brautschmuck, Haarschmuck, Halsschmuck. Ehedem sagte man dafür Geschmuck, die collective Bedeutung näher zu bezeichnen, welche Form noch im Oberdeutschen gangbar ist. Siehe Schmücken.
 
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Die Schmuckangel, plur. die -n, in einigen Gegenden, eine Art Angeln mit einem glänzenden Bleche, die Fische durch dessen Glanz herbey zu locken. Von Schmuck, Glanz, S. das folgende in der Anmerkung.
 
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Schmücken, verb. reg. act. die Gestalt eines Dinges verschönern, besonders so fern es durch glänzende oder andere für schön gehaltene Dinge geschiehet, da es denn in der edlern und höhern Schreibart für das mehr vertrauliche putzen üblich ist. Eine Braut schmücken. Sich prächtig schmücken. Sich zur Hochzeit schmücken. Eine Kirche, einen Alter schmücken. Schmücket das Fest mit Mayen, Ps. 118, 27. Eines Grab mit Blumen schmücken.
   Dir schmückt das fromme Mädchen sich
   Bey seinem Morgenliede,
   Raml. Wie würdig ist diese liebenswürdige Bescheidenheit, die übrige Tugend zu schmücken! So auch jemandes Sache schmücken, in der Deutschen Bibel, sie verschönern, sie besser vorstellen, als sie ist. Federn schmücken, ist in engerer Bedeutung, sie zierlich zurichten, damit sie Theile des Schmuckes abgeben können, wohin denn auch das Färben derselben gehöret; daher der Federschmücker, der solches verrichtet. So auch das Schmücken.
   Anm. In dem alten Fragmente auf Carln den Großen bey dem Schilter smechen, im Engl. to smug, im Schwed. smycka. Wachter leitet es sehr gezwungen von dem Griech. κοσμειν. Ihre von dem Angels. smicer, klein, (S. Adelung Schmach und Schmächtig,) ab, anderer zu geschweigen. Unser Activum schmücken, setzet ein Neutrum schmucken voraus, welches jetzt veraltet ist, aber allem

[Bd. 3, Sp. 1581]


Ansehen nach glänzen bedeutet hat, wohin ohne Zischlaut auch das Lat. micare gehöret. In dem vorhin angeführten Schmuckangel ist diese erste Bedeutung noch übrig, und Schmuck wird noch am häufigsten von glänzenden Verschönerungsmitteln, dergleichen z. B. die Edelsteine sind, gebraucht. Hieraus erhellet zugleich, daß Schmuck und schmücken unter andern auch einen höhern Grad bedeute, als Putz, putzen, Zier und zieren. Im Niedersächsischen hat man noch das Bey- und Nebenwort smuck, Engl. smug, Schwed. smuok, Wend. smuc, zierlich, schön, geputzt, welches so wie unser schön eigentlich auch glänzend bedeutet hat. Das Brem. Nieders. Wörterbuch leitet es mit dem Griech. συκτος von σμαειν, σμεειν, σμχειν, abwischen, reinigen, her; vielleicht bedeuteten diese auch eigentlich, glänzend und scheinbar machen. Ohne Zischlaut gehöret hierher auch das Nieders. und Holländ. moje, hübsch, fein, artig, von welchem schmuck ein doppeltes Intensivum ist, so wohl durch Vorsetzung des Zischlautes, als auch durch Verstärkung des Gaumenlautes.
 
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Das Schmuckgêld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, in einigen Gegenden, dasjenige Geld, welches einer Tochter bey der Ausstattung zum Schmucke, als ein Theil des Heirathsgutes, gegeben wird.
 
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Das Schmuckkästchen, des -s, plur. ut nom. sing. ein zierliches Kästchen, worin das andere Geschlecht seinen Schmuck, d. i. Juwelen, Perlen und ähnliche zum Schmucke gehörige Kleinode, zu verwahren pfleget.

 

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