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2. Die Schmitze bis Schmuck (Bd. 3, Sp. 1578 bis 1580)
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Artikelverweis  2. Die Schmitze, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, in einigen Gegenden. In Baiern ist die Schmitze eine jede Salbe. Bey den Lederfärbern ist die Schmitze diejenige zubereitete wässerige Farbe, womit sie die Felle schmitzen, d. i. bestreichen, um sie zu färben. In manchen Gegenden ist die Schmitze auch ein Schmutzfleck; schon bey dem Kero Pismiz. Jemanden eine Schmitze anhängen. S. 2 Schmitzen und Schmutz.
 
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1. Schmitzen, verb. reg. act. welches das intensive Diminutivum von schmeißen, schlagen, ist, und mit einem dünnen biegsamen Körper schlagen oder hauen bedeutet, von dem ähnlichen damit verbundenen Schalle. Es kommt nur hin und wieder vor. Im Oberdeutschen sagt man auch hinschmitzen, für hinschmeißen, hinfallen. In dem zusammen gesetzten verschmitzt herrscht eben dieselbe Figur, welche in verschlagen Statt findet, nur daß schmitzen und schlagen hier nicht percutere bedeuten, sondern, wie ähnliche Wörter dieser Art, eigentlich den Begriff der Schlankheit und Schmeidigkeit haben, des Vermögens sich in allen Fällen zu drehen und zu winden, da denn schmitzen in diesem Falle zu dem folgenden gehören würde.
 
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2. Schmitzen, verb. reg. welches den Begriff der weichen schmeidigen, schmierigen Beschaffenheit gewähret, und noch in doppelter Gestalt vorkommt.
   I. Als ein Neutrum, Schmutz fahren lassen; nur in einigen Gegenden. Die Kohlen schmitzen, machen schwarz, färben ab. Eben daselbst gebraucht man es auch für abfärben, so fern es als eine Art des Schmutzes betrachtet wird.
   II. Als ein Activum. 1) Mit einem dicklich flüssigen Körper bestreichen, wo es in manchen Gegenden für salben, schmieren u. s. f. üblich ist. Schon bey dem Ulphilas ist bismaitan salben. Nieders. schmitten. In manchen Gegenden schmitzen die Leinweber den Aufzug mit einem Breye von Fett und Mehl, wenn sie ihn im Hochdeutschen schlichten. In weiterer Bedeutung wird es daher auch in manchen Fällen für färben gebraucht, besonders für schwarz

[Bd. 3, Sp. 1579]


färben. Die Felle schmitzen, färben. Eine Hirschhaut schmitzen. Daher werden die Lederfärber daselbst auch Fell- oder Lederschmitzer genannt. 2) Mit einem solchen dicklich flüssigen Körper verunreinigen, und in weiterer Bedeutung verunreinigen, besudeln überhaupt. Sich die Hände schmitzen, besonders wenn es mit Ruß geschiehet.
   In allen Stücken
   Thut uns die Welt mit Hönwordt schmitzen,
   Hans Sachs. Im Hochdeutschen ist es in dieser Bedeutung fremd, indem man dafür schmutzen und beschmutzen gebraucht, S. das erstere. Nieders. schmitten, Engl. to smut, Angelsächs. smitan, Isländ. smeta, Schwed. smitta. Es ist ein Intensivum von schmeißen, besudeln, und gehöret zu dem Geschlechte des Wortes schmeidig, und ohne Zischlaut zu Mast, Mist, Moder.
 
Artikelverweis * Die
Schmolle, plur. inus. ein nur im Oberdeutschen, besonders in Österreich übliches Wort, die Krume des Brotes zu bezeichnen. Dän. Madsmule, Schwed. Mjall. Der herrschende Begriff dieses Wortes ist das Weiche, daher es als ein Verwandter von Malm, molsch, dem Nieders. Mull, und dem Lat. mollis angesehen werden muß, welchen nur der zum Stamme nicht wesentlich nothwendige Zischlaut mangelt. S. Adelung Krume.
 
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Schmollen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, seinen Unwillen durch ein mürrisches Stillschweigen an den Tag legen, wo es in der vertraulichen Sprechart anstatt des niedrigern maulen gangbar ist. Mit jemanden schmollen. Das machte nur dein Schmollen, Rost.
   Gewiß, es war zu viel, zu gehn, und gar zu schmollen,
   Gell. Anm. Es ist wohl vermittelst des Zischlautes aus manlen gebildet, S. dasselbe. In einem gerade entgegen gesetzten Verstande ist schmollen in einigen Gegenden lächeln. Wer wolt das lieplich Angesicht, ir gefällig schmollen bezaichnen? Stoinhöv. bey dem Schilter. Aber dann ist es ein Intensivum oder Diminutivum von dem im Hochdeutschen unbekannten schmilen, lächeln; Schwed. småla, Engl. to smile.
 
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Der Schmorbraten, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, besonders Niedersachsens, ein großes Stück Fleisch, welches geschmoret, d. i. gedämpfet, in einem Topfe, oder tiefen Tiegel gebraten worden; gedämpftes Fleisch, im Nieders. auch Grapenbraten.
 
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Schmoren, verb. reg. act. et neutr. im letztern Falle mit dem Hülfsworte haben, in einem verschlossenen Gefäße langsam kochen oder braten, besonders von dem Fleische, ingleichen auf eine solche Art bey einem gelinden Feuer langsam kochen oder braten lassen, welches man im gemeinen Leben auch prägeln, im Hochdeutschen dämpfen, im Niedersächs. stoven, und im Oberd. stauchen und schmauchen nennet. Geschmortes Rindfleisch. Eine geschmorte Kalbskeule. So auch das Schmoren.
   Anm. Im Nieders. smoren, smoorten, smurten, welches aber auch die Luft benehmen, ersticken, bedeutet, wie das Angels. smoran, und Engl. to smother. Es scheint, wie prägeln, eine Onomatopöie des mit dieser Art des Kochens verbundenen Lautes zu seyn. Im Nieders. bedeutet schmoren auch in einem eingeschlossenen Orte langsam aber stark schwitzen; im Oberdeutschen hingegen ist schmoren, schmorchen und schmorren, dürre werden, und verschmoren, verdorren.
 
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Der Schmortopf, des -es, plur. die -töpfe, ein weiter niedriger Topf mit einem Deckel, Fleisch darin zu schmoren.
 
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Die Schmoße, plur. die -n, ein nur in den gemeinen Sprecharten aus Schmasche für Masche verderbtes Wort, S. das erstere.
 
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Der Schmu, ein nur in den niedrigen Sprecharten übliches unabänderliches Wort, welches am häufigsten ohne Artikel gebraucht

[Bd. 3, Sp. 1580]


wird, einen Gewinn, Profit zu bezeichnen, besonders wenn er durch Schlauheit gemacht wird. Schmu machen, einen solchen Gewinn. Es scheint Jüdisch-Deutsch zu seyn, zumahl da man einen Deutschen im Lande herum ziehenden Schachter-Juden Smous, Schmaus, zu nennen pflegt.
 
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Der Schmuck, des -es, plur. doch nur in Einem Falle, die -e, von dem Zeitworte schmücken. 1. Eigentlich, der Glanz, und in weiterer Bedeutung, die verschönerte Gestalt eines Dinges, ohne Plural; eine nur noch in der höhern und dichterischen Schreibart übliche Bedeutung. Schön, schön ist die ganze Gegend in des Herbstes feyerlichstem Schmucke, Geßn. 2. Dasjenige, was zur Verschönerung der Gestalt einer Sache von außen dienet. 1) Im weitesten Verstande, wo es eigentlich von allen solchen Dingen gebraucht wird, besonders so fern es Kleidungsstücke oder andere ähnliche Dinge sind, die Gestalt eines Dinges zu verschönern; gleichfalls ohne Plural. Der Altarschmuck, der Kirchenschmuck. In der Deutschen Bibel kommt es häufig collective von feyerlichen Kleidern und Kleidungsstücken beyder Geschlechter vor. Aarons priesterlicher Schmuck. Im Hochdeutschen ist es hier in der edlern und höhern Schreibart am gangbarsten, für das vertrauliche Putz, welches über dieß keinen so hohen Grad der Verschönerung bezeichnet, und für das niedrige Staat. Den Schmuck anlegen, Ezech. 24, 27. Der festliche Schmuck einer Braut. Graues Haar ist der Alten Schmuck, Sprichw. 20, 29. 2) In engerer Bedeutung werden Edelsteine und Perlen, so fern sie zur Verschönerung der äußern Gestalt dienen, noch häufig ein Schmuck genannt, da es denn als ein Collectivum gebraucht wird, mehrere zusammen gehörige Stücke dieser Art zu bezeichnen. Von mehrern solchen Ganzen wird denn auch wohl zuweilen der Plural, die Schmucke, gebraucht. Ein Schmuck von Perlen, von Diamanten. Ein guter oder echter Schmuck, im Gegensatze eines unechten. Der Brautschmuck, Haarschmuck, Halsschmuck. Ehedem sagte man dafür Geschmuck, die collective Bedeutung näher zu bezeichnen, welche Form noch im Oberdeutschen gangbar ist. Siehe Schmücken.

 

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