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Schmier bis Schmiering (Bd. 3, Sp. 1574 bis 1576)
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Artikelverweis Das Schmier, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, ein schmieriger Körper, womit man schmieret; ein nur in dem zusammen gesetzten Wagenschmier übliches Wort, für Schmer oder Schmiere.
 
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Die Schmierālien, sing. inus. ein im Scherze von dem Zeitworte schmieren nach Art der Lateinischen Wörter gebildetes Hauptwort. 1) Von schmieren, schlecht schreiben, sind Schmieralien ein schlechtes, elendes Geschreibe, und die auf solche Art beschriebenen Papiere. 2) Von schmieren, bestechen, werden auch Geschenke, womit man den Richter schmiert oder besticht, im Scherze zuweilen Schmieralien genannt.
 
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Die Schmierbüchse, plur. die -n, im Fuhrwesen, die hölzerne Büchse, mit einem Deckel, worin sich das Wagenschmier befindet, und welche auf der Reise unten an den Wagen gehängt wird; der Schmiereimer, die Schmiermeste, das Schmierfaß, die Theerbutte.
 
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Die Schmiere, plur. die -n. 1) Ein halb flüssiger und halb fester fettiger Körper, einen andern damit zu schmieren oder zu beschmieren; die Salbe, obgleich Schmiere eigentlich einen noch flüssigern fetten Körper zu bezeichnen scheinet, als Salbe, da denn Pomade in Ansehung der Consistenz zwischen beyden in der Mitte stehet, Pflaster aber das festeste und dickste ist. So wird die Salbe, womit die Schäfer die räudigen Schafe schmieren, nur die Schmiere genannt, S. Schmierschaf, Schmiervieh. Das Wagenschmier wird in vielen Gegenden auch die Wagenschmiere genannt, es bestehe nun aus Theer oder einem andern Fette. Die Schmiere oder Schuhschmiere, womit man die Schuhe schmieret u. s. f. 2) Schmierige Unreinigkeit, fetter klebriger Schmutz. Voller Schmiere seyn.
   Anm. In Schwaben Schmirbi, von schmirben, schmieren, in Baiern Schmitze. Schmer, Schmier und Schmiere sind nur im Gebrauche verschieden. Dem Griech. μυρον, Salbe, fehlt nur der Zischlaut.
 
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Der Schmiereimer, des -s, plur. ut nom. sing. S. Adelung Schmierbüchse.
 
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Schmieren, verb. reg. act. 1. Eigentlich, einen halb festen und halb flüssigen, oder dicklich flüssigen Körper auf einen festern ausdehnen. Jesus schmierete den Koth auf des Blinden Auge, Joh. 9, 6. f. Einem Kinde den Brey in den Mund schmieren. Figürlich sagt man in den niedrigen Sprecharten, einem etwas in das Maul schmieren, es ihm wegen seiner Unfähigkeit sehr deutlich und begreiflich machen. Besonders von einem dicklichen fetten Körper, welcher die Consistenz einer Salbe oder Schmiere hat. Butter auf das Brot schmieren. Sehr häufig wird es mit der vierten Endung desjenigen Körpers gebraucht, auf

[Bd. 3, Sp. 1575]


welchem der weiche ausgedehnet wird, mit Verschweigung des letztern, da es denn nicht allein von Salben, Schmieren und andern dicklichen flüssigen Dingen, sondern auch von noch flüssigern, z. B. Öhlen, gebraucht wird. Ihr Fürsten schmieret den Schild, Es. 21, 5. Den Wagen, die Achse schmieren. Wer gut schmiert, der gut fährt. Die Schuhe, die Stiefeln, das Leder schmieren. Ein Schloß schmieren. Ein Gefäß schmieren, den Ofen schmieren, die Ritzen mit Lehm oder einem andern weichen Körper ausstreichen. Jemanden das Maul schmieren, in den niedrigen Sprecharten, ihm angenehme Hoffnungen machen, ohne sie zu erfüllen. Die Gurgel schmieren, auch nur in der niedrigen Sprechart, wacker trinken. Die räudigen Schafe schmieren. Da dieses Wort den schmutzigen Nebenbegriff der Unreinlichen, Fettigen, und der sudelhaften Behandlung bey sich hat, so wird es von Dingen, welche auch im gesitteten Leben vorkommen, in der anständigen Sprechart gern vermieden, und dafür das Zeitwort streichen gebraucht. Butter auf Brot streichen, den Koth auf das Auge streichen u. s. f. Nur in den Fällen, wo es die vierte Endung des Körpers, welcher bestrichen wird, bey sich hat, muß man es behalten; aber diese Fälle gehören auch größten Theils in das gemeine Leben. Von Salben, d. i. reinlichen, wohlriechenden Arten der Schmiere, gebraucht man das Zeitwort salben. Dieß gilt auch von den folgenden figürlichen Bedeutungen, welche insgesammt in die gemeine und niedrige Sprechart gehören.
   2. Figürlich. 1) Mit einem dicklichen flüssigen Körper unreinlich, sudelhaft umgehen; am häufigsten in dem zusammen gesetzten sich beschmieren, für besudeln. 2) Schlecht und sudelhaft schreiben und mahlen, eine Fortsetzung der vorigen Figur; im Hochd. auch schmadern, in Baiern glänen, im Nieders. kleyen, gnideln. Das ist nicht gemahlt, sondern geschmiert. Etwas in ein Buch schmieren. Allerley zusammen schmieren; wo es nicht bloß von schlechten, in der Eil gemachten Zügen, sondern von gemeinen, alltäglichen, auf eine nachlässige und flüchtige Art vorgetragenen Sachen gebraucht wird. 3) Den Wein schmieren, ihm mit schädlichen Dingen eine höhere Farbe, oder einen angenehmern Geschmack geben. Ein geschmierter Wein. 4) Jemanden die Hände schmieren, einen Richter, einen Advocaten schmieren, sie bestechen, Franz. grasser la patte; eine ohne Zweifel von dem Schmieren eines Wagens entlehnte Figur, zumahl da man den Satz, wer gut schmiert, der gut fährt, auch auf diesen Fall anzuwenden pflegt. Sich schmieren lassen, bestechen. 5) Jemanden den Buckel schmieren, ihn prügeln; wofür man auch nur schlechthin sagt, ihn schmieren oder abschmieren. 6) Im Nieders. ist schmieren auch schmeicheln, nach dem Munde reden. Gut schmieren können. Daher eine solche Person daselbst auch eine Schmiertasche heißt. Bey den Schwäbischen Dichtern kommt es in einer dem Anscheine nach verwandten Bedeutung vor.
   Manig roeselehter munt
   In sin herze smieret und lachet,
   Graf Conrad von Kilchberg.
   Bluomen wis
   Dur gruenlu ris
   Brehent (glänzen) und smierent,
   Werner von Tuifen. So auch das Schmieren.
   Anm. Bey dem Notker, der es aber sehr uneigentlich für mästen gebraucht, smiran, in Schwaben schmirben, im Nieders. smeren, im Angels. smeran, smyran, im Engl. to smear, im Schwed, smörja, im Isländ. smyria, im Irländ. smearam, im Pohln. smarować. Der Begriff des glatten, dicklich weichen ist der herrschende. S. auch Schmer.
 
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Der Schmierer, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher schmieret; doch nur in wenigen Fällen. So pflegen diejenigen

[Bd. 3, Sp. 1576]


Schäfer, welche reines Vieh haben, die andern Schäfer, welche mit Schmiervieh umgehen, nur Schmierer zu nennen. Am üblichsten ist es in der zweyten figürlichen Bedeutung des Zeitwortes im verächtlichen Verstande, von einer Person, welche eine schlechte, nachlässige Hand schreibt, ingleichen von einem Schriftsteller, welcher schlechte alltägliche Sachen ohne Wahl und Geschmack schreibt.
 
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Die Schmiererēy, plur. die -en, eine schmierige unreinliche Verhandlungsart, ingleichen eine schmierige, besudelnde Arbeit. Auch in der zweyten figürlichen Bedeutung des Zeitwortes, ein schlechtes flüchtiges Geschreibe, und eine schlechte ohne Wahl und Geschmack zusammen getragene Schrift.
 
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Das Schmīerfáß, des -sses, plur. die -fässer, S. Adelung Schmierbüchse.
 
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Schmierig, -er, -ste, adj. et adv. Schmer oder Schmiere, d. i. einen halb festen und halb flüssigen Körper, er sey nun fett oder nicht, enthaltend, demselben ähnlich, damit überzogen oder besudelt u. s. f. Ein schmieriger Körper. Ein Ding ist schmierig, wenn es mit einem dicklich flüssigen Körper überzogen oder beschmutzt ist. Sich schmierig machen. Eine schmierige Arbeit, wobey man sich schmierig macht. Da es denn auch für schmutzig, unrein, von einem dicklich flüssigen Schmutze gebraucht wird. Nieders. smerig, im Oberdeutschen schmirbig.
 
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Der Schmiering, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, ein Nahme einer Art Sand- oder Strandläufer mit gelben Füßen, der auch Gelbbein, Gelbfüßel genannt wird; Glareola III. Schwenkf. et Klein.

 

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