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Schmêrzen bis Schmiede (Bd. 3, Sp. 1570 bis 1572)
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Artikelverweis  Schmêrzen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, mit Schmerzen empfunden werden, so wohl von den Schmerzen des Leibes als auch des Gemüthes; da es denn in der dritten Person am gangbarsten ist, und die vierte Endung der Person erfordert. Die Beschneidung schmerzte sie, 1 Mos. 34, 25. Die Wunde schmerzet mich. Der Fuß, der Zahn, die Hand schmerzet ihn. Das schmerzt sehr. Es schmerzt mich in der Seele, dich so undankbar zu finden. Sein Abschied schmerzt mich. Es schmerzte mich, daß ich ihm nicht helfen konnte. So auch das Schmerzen.
 
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Das Schmêrzengêld, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -er, dasjenige Geld, welches man jemanden als eine Vergütung der ausgestandenen körperlichen Schmerzen bezahlet.
 
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Schmêrzhaft, -er, -este, adj. et adv. 1) * Schmerz empfindend; eine im Hochdeutschen unbekannte, im Oberdeutschen aber gangbare Bedeutung. Die schmerzhafte Mutter Jesu, die betrübte. Schmerzhaft seyn, betrübt. 2) Dem Schmerze ähnlich, ingleichen, was mit Schmerz empfunden wird. Der schmerzhafte Ort des Leibes, wo man Schmerzen empfindet. Eine schmerzhafte Krankheit. Ein schmerzhafter Tod. Das ist mir sehr schmerzhaft. So auch die Schmerzhaftigkeit.
 
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Schmêrzlich, -er, -ste, adj. et adv. wie Schmerzhaft 2, doch daß dieses mehr von den Schmerzen des Gemüthes als des Leibes gebraucht wird. Ein schmerzlicher Zufall, welcher schmerzt. Sein Unrecht schmerzlich beweinen, mit Schmerzen. Sein Tod ist mir sehr schmerzlich. Ein schmerzliches Verlangen nach etwas empfinden. So auch die Schmerzlichkeit.
 
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Schmêrzlos, -er, -este, adj. et adv. ohne Schmerzen, der Schmerzen beraubt. Daher die Schmerzlosigkeit.
 
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* Der Schmêtten, des -s, plur. car. ein nur in Schlesien, Österreich und Böhmen übliches Wort, den Milchrahm zu bezeichnen; aus dem Slavon. Smictana. S. Adelung Schmant.
 
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Der Schmêtterling, des -s, plur. die -e, ein Insect mit vier bestaubten glatten Flügeln und einem haarigen Leibe, dessen Larve unter dem Nahmen der Raupe bekannt ist; Papilio L. Sommervogel, Tagevogel, weil er sich nur am Tage sehen läßt, Sommerfalter, Zweyfalter, Bienenfalter, im Algau Fletersche, von flattern, im Nieders. Mayvogel, Buttervogel, Butterfliege, weil die Flügel glatt und schmierig anzufühlen sind, Raupenschmeißer, in Lübeck Ketelböter, im Osnabrück. Fluchter, im

[Bd. 3, Sp. 1571]


Dithmars. Flörlörken, (Schwed. Fjäril,) in Schlesien Molkenteller, Molkendieb, in Preußen Molkentöfer, in Baiern Mühlamahler, in einigen Gegenden Pfeiffolter, wohl eigentlich Feiffalter, vom Angels. Fiffalde, Fifeld, in Gothland Fiäderallde, im Norweg. Marihöne. In den schönen Künsten ist der Schmetterling ein Sinnbild des Leichtsinnes und der Flatterhaftigkeit, weil man ihn immer von einem Gegenstande zum andern flattern siehet. Den Nahmen hat er ohne Zweifel von schmeißen, Nieders. smiten, so fern es von dem Eyer legen der Insecten gebraucht wird, weil er seine Eyer in Menge auf allerley Gegenstände schmeißt, und sie dadurch beschmitzt. Aus dem Frisch erhellet, daß schmettern, als das Intensivum von schmeißen, Nieders. smiten, ehedem auch ohne die ihm jetzt anklebende Onomatopöie gebraucht wurde.
   Welcher Krebs keine Eyer hat,
   Den schmetter (schmeiß) wieder in die Plat, im Grobian.
 
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Die Schmêtterlingsblume, plur. die -n, in der Botanik, eine Art Blumen, welche aus vier Blumenblättern bestehet, und einige Ähnlichkeit mit dem Schmetterlinge hat; Corolla papilionacea L.
 
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Schmêttern, verb. reg. welches in einer doppelten Gestalt üblich ist. I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, wo es eigentlich eine unmittelbare Onomatopöie ist, den durch dieses Zeitwort ausgedruckten heftigen zitternden und erschütternden Schall von sich geben und hervor bringen, wo es in verschiedenen Fällen üblich ist, in welchen dieser Schall Statt findet. 1) Von einer Art heftiger Donnerschläge, welche einen hellen zitternden Schall haben, sagt man es schmettere. 2) Hohe und lange Cadenzen, hohe und lange Triller im Singen machen, so wohl vom menschlichen Singen als auch von manchen Gesangvögeln.
   Wenn durch ihr schmetternd Lied
   Die Lerche minder Kunst verrieth,
   Gell.
   Im innersten dicken Gehölze
   Schlägt der schmetternde Fink aus allen hangenden Buchen,
   Zachar. II. Als ein Activum, mit diesem zitternden Schalle werfen oder schlagen. Etwas auf die Erde schmettern. Ein Glas in tausend Stücke schmettern. Im Hochdeutschen ist es in dieser Bedeutung in dem zusammen gesetzten zerschmettern am üblichsten, S. dasselbe. In einigen Oberdeutschen Gegenden aber gebraucht man es auch als ein Intensivum von schmeißen, werfen, wenn gleich kein erschütternder Schall damit verbunden ist. Siehe Schmetterling. So auch das Schmettern.
   Anm. Es ist der Natur nach eine Onomatopöie, wo die Heftigkeit des Schalles durch das doppelte intensive t, die zitternde, erschütternde Beschaffenheit aber durch das r angedeutet wird. Der Form nach (denn die Formen aller Zeitwörter sind Nachahmungen der Natur) stammet es von schmeten, schmiten, (Nieders. smiten, Hochd. schmeißen,) ab, dessen Intensivum schmetten ist, wovon wiederum das Iterativum schmettern gebildet worden. Im Schwed. ist smattra rasseln, z. B. von dem Hagel in der Luft.
 
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Der Schmid, des -s, plur. die Schmīede, Fämin. die Schmiedinn, fast noch häufiger aber, wenn es bloß die Gattinn bezeichnen soll, des Schmids Frau, ein Handwerker oder Künstler, welcher das Metall vermittelst des Hammers bearbeitet, wohin denn der Ankerschmid, Huf- oder Grobschmid, Blechschmid, Büchsenschmid, Hammerschmid, Messerschmid, Nagelschmid, Waffenschmid, Kupferschmid, Goldschmid, u. s. f. gehören. In engerer Bedeutung verstehet man unter Schmid schlechthin allemahl den Huf- oder Grobschmid, welcher die gewöhnlichen groben Arbeiten aus Eisen vermittelst des Hammers und Feuers verfertiget.

[Bd. 3, Sp. 1572]



   Anm. Im Schwabensp. Smit, im Nieders. Smid, im Engl. und Angels. Smith, im Schwed. Smed. Es stehet für Schmieder, welche Form es eheden noch im Schwedischen hatte. Siehe Schmieden. In weiterm Verstande wurde es ehedem auch, wenigstens in einigen mit der Deutschen verwandten Sprachen, von einem jeden Künstler gebraucht. So war im Schwedischen ehedem Husa Smed ein Baumeister, Skipa Smed ein Schiffsbauer, Vefsmed ein Weber, Murasmed ein Mäurer, Liodsmider ein Dichter u. s. f. Ja noch im Deutschen sagt man, obgleich im verächtlichen Verstande, ein Reimschmid. Im mittlern Lateine kommen schon im 8ten Jahrhunderte beym Pez Cultores feu Fabri apum vor. Da das i in diesem Worte, so lange es einsylbig bleibt, im Hochdeutschen geschärft ist, so schreibt man es alsdann auch billig Schmid, Schmids; in der Verlängerung wird es gedehnt, und bekommt alsdann auch ein ie, die Schmiede, Schmiedinn. Die Niederdeutschen verlängern es auch in der zweyten und dritten Endung des Singulars, des Schmiedes, (Nieders. Smedes,) dem Schmiede, welche Form aber im Hochdeutschen ungewöhnlich ist. In der Deutschen Bibel wird es Schmiedt geschrieben, welches die rauhe Oberdeutsche Aussprache begünstiget, wo es zweysylbig Schmi -ed lautet.
 
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Die Schmiede, plur. die -n, die Werkstätte eines Schmids, wo es doch nicht in allen den Zusammensetzungen üblich ist, in welchen das Wort Schmid gebraucht wird. Man sagt zwar Ankerschmiede, aber nicht Hammerschmiede, sondern Eisenhammer, nicht Kupferschmiede, sondern die Werkstätte des Kupferschmids u. s. f. Am häufigsten ist die Schmiede schlechthin die Werkstätte eines Huf- und Grobschmids. Vor die rechte Schmiede gehen, figürlich, an den rechten Ort, zu dem rechten Manne.
   Anm. In der Schweiz die Schmitten, im Nieders. Smede, im Angels. Smiththe, im Engl. Smithy, im Schwed. Smedja. Opitz scheint es von einem Hammer zu gebrauchen:
   Der Venus Mann, der hat die Schmied in seiner Hand.

 

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