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Schmêrlinde bis Schmêtten (Bd. 3, Sp. 1569 bis 1570)
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Artikelverweis Die Schmêrlinde, plur. die -n, in einigen Gegenden, die Augustlinde, vermuthlich wegen ihres weichen Holzes, daher sie von andern auch Specklinde genannt wird; alles zum Unterschiede von der Steinlinde.
 
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Der Schmêrstein, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden, ein Nahme des Specksteines, weil er weich ist, und sich fertig anfühlen läßt. In engerer Bedeutung wird der weiße Speckstein, welcher aus dem Bareuthischen kommt und auch Spanische Kreide heißt, Schmerstein genannt.
 
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Das Schmêrvieh, S. Adelung Schmiervieh.
 
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Die Schmêrwurz, plur. inus. 1) Ein Nahme des Fettkrautes, dessen Blätter mit einem schmierigen Wesen überzogen sind, welches die Butter gerinnen macht; Pinguicula L. Butterkraut. 2) Eine Pflanze, welche in dem mittägigen Europa und den Morgenländern einheimisch ist; Tomus L. 3) Ein Nahme der Schwarzwurzel, weil sie im Kochen zu einem schmierigen Brey wird; Nieders. Schmerwurtel. 4) Eine Art des Porsches, welches von dem großen Haufen gebraucht wird, wenn jemand vor Schmer oder Fett ersticken will; Ledum Telephinum L. Stickwurz.
 
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Der Schmêrz, des -ens, Dat. dem -en, Acc. den Schmerz, Plur. die -en. 1) Eigentlich, diejenige unangenehme Empfindung, die aus der Trennung des Stetigen in unserm Körper entstehet, welche Trennung des Stetigen bey genauer Untersuchung die Ursache eines jeden Schmerzens ist. Einen heftigen Schmerz in der Seite empfinden. Einen Schmerz in der Seite haben oder fühlen. Viele Schmerzen ausstehen. Der Schmerz läßt nach, höret auf, vergehet, hält an. Wo der Plural, so wie in der folgenden Bedeutung, auch häufig anstatt des Singulars gebraucht wird. Heftige Schmerzen empfinden. Vor Schmerzen schreyen. Keine Schmerzen fühlen. Unter großen Schmerzen sterben. Kopfschmerzen, Zahnschmerzen, Gichtschmerzen, Steinschmerzen. Schmerz ist ein allgemeiner Ausdruck, welcher den Grad unbestimmt läßt. Die heftigsten Grade des Schmerzens drückt man durch Pein, Qual und Marter aus. 2) Figürlich, unangenehme Empfindung des Gemüthes, zunächst über den Verlust eines Guten, hernach aber auch über eine jede unangenehme Veranlassung; wo es aber doch nur von einem gewissen heftigen Grade dieser Empfindung gebraucht wird, indem die schwächern durch Unlust, Traurigkeit, Gram, Betrübniß u. s. f. angedeutet werden. Der Schmerz über den Verlust eines Freundes, einer geliebten Person, seines Vermögens u. s. f.
   Der Schmerz um ihn ist für mein Herz
   Selbst noch ein angenehmer Schmerz,
   Gell. Wir erwarten ihn mit Schmerzen, von einem hohen Grade der Sehnsucht und Unruhe. Ich höre es mit Schmerzen, mit einem hohen Grade der Betrübniß, der Traurigkeit, des Bedauerns.
   Anm. 1. In der Declination des Singulars dieses Wortes sind die Deutschen, und selbst die Sprachlehrer, nicht einig. Einige Oberdeutsche machen die erste und vierte Endung Schmerzen nach dem Muster von Karpfen, Tropfen, Lappen, Batzen u. s. f. Mein Schmerzen ist immer für (vor) mir, Ps. 38, 18. Schmerzen wird sie ankommen, Es. 13, 8. Schauet meinen Schmerzen, Klagel. 1, 18. Andere decliniren es wie Glaube, der

[Bd. 3, Sp. 1570]


Schmerze, des -ns, dem -n, den -n, u. s. f. Noch andere wie Pferd, Schmerz, Schmerzes, Schmerze, nur daß sie im Plural für Schmerze doch Schmerzen sagen. Am richtigsten wird dieses Wort auf die oben angezeigte Art wie Herz abgeändert, so daß beyde Wörter eine Ausnahme von der gewöhnlichen Regel machen.
   Anm. 2. Bey dem Ottfried Smerza, im Nieders. Smart, im Angels. Smeorte, im Engl. Smart, im Schwed. Smärta, im mittlern Latein. ohne Zischlaut Mara und Marantia. Da der Schmerz im eigentlichen Verstande allemahl eine Trennung des Stetigen voraussetzt, so kann man dieses Wort füglich als eine Figur von dem jetzt nur in der intensiven Form üblichen Schmarre ansehen, welches ein Zeitwort schmaren voraus setzt, welches schneiden u. s. f. bedeutet hat, und wozu ohne Zischlaut auch märzen, Ulphilas maurgan, abschneiden, und das Griech. μειρειν, absondern, vielleicht nach einer andern Figur auch das Hebr. 05de05e805e8, bitter seyn, und das Lat. amarus gehören, bey welchem letztern das a, wie in vielen andern Wörtern, nicht zum Stamme gehöret. Auch das Slavon. Smert, der Tod, Lettisch Smertis, Lat. ohne Zischlaut Mors, läßt sich hierher rechnen, indem doch der Tod gemeiniglich als die schmerzhafteste Trennung angesehen wird.
 
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Schmêrzen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, mit Schmerzen empfunden werden, so wohl von den Schmerzen des Leibes als auch des Gemüthes; da es denn in der dritten Person am gangbarsten ist, und die vierte Endung der Person erfordert. Die Beschneidung schmerzte sie, 1 Mos. 34, 25. Die Wunde schmerzet mich. Der Fuß, der Zahn, die Hand schmerzet ihn. Das schmerzt sehr. Es schmerzt mich in der Seele, dich so undankbar zu finden. Sein Abschied schmerzt mich. Es schmerzte mich, daß ich ihm nicht helfen konnte. So auch das Schmerzen.
 
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Das Schmêrzengêld, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -er, dasjenige Geld, welches man jemanden als eine Vergütung der ausgestandenen körperlichen Schmerzen bezahlet.
 
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Schmêrzhaft, -er, -este, adj. et adv. 1) * Schmerz empfindend; eine im Hochdeutschen unbekannte, im Oberdeutschen aber gangbare Bedeutung. Die schmerzhafte Mutter Jesu, die betrübte. Schmerzhaft seyn, betrübt. 2) Dem Schmerze ähnlich, ingleichen, was mit Schmerz empfunden wird. Der schmerzhafte Ort des Leibes, wo man Schmerzen empfindet. Eine schmerzhafte Krankheit. Ein schmerzhafter Tod. Das ist mir sehr schmerzhaft. So auch die Schmerzhaftigkeit.
 
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Schmêrzlich, -er, -ste, adj. et adv. wie Schmerzhaft 2, doch daß dieses mehr von den Schmerzen des Gemüthes als des Leibes gebraucht wird. Ein schmerzlicher Zufall, welcher schmerzt. Sein Unrecht schmerzlich beweinen, mit Schmerzen. Sein Tod ist mir sehr schmerzlich. Ein schmerzliches Verlangen nach etwas empfinden. So auch die Schmerzlichkeit.
 
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Schmêrzlos, -er, -este, adj. et adv. ohne Schmerzen, der Schmerzen beraubt. Daher die Schmerzlosigkeit.
 
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* Der Schmêtten, des -s, plur. car. ein nur in Schlesien, Österreich und Böhmen übliches Wort, den Milchrahm zu bezeichnen; aus dem Slavon. Smictana. S. Adelung Schmant.

 

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