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Schmêrgeln bis Schmêrz (Bd. 3, Sp. 1568 bis 1569)
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Artikelverweis  Schmêrgeln, verb. reg. act. mit Schmergel polieren.
 
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Die Schmêrhaut, plur. die -häute, in einigen Gegenden für Fetthaut, S. dasselbe.
 
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Die Schmêrkluft, plur. die -klüfte, im Bergbaue, Klüfte, welche mit schmierigem Letten oder Thon angefüllet sind.
 
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Das Schmêrkraut, des -es, plur. inus. eine Pflanze mit einem weichen und fettigen Stängel, welche bey den ältern Kräuterkennern Orobanche scandulaca genannt wird.
 
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Der Schmêrl, des -s, plur. die -e, Dimin. das Schmerlchen, Oberd. Schmerlein, eine Art kleiner Falken, in der Größe einer Amsel, mit einem himmelblauen Schnabel; Falco Aesalon L. Steinfalk. In einigen Gegenden Schmirl, Schmierlein, die Schmerle, und ohne Zischlaut Merl, Merle, Franz. Emerillon, Italiän. Smeriglione; vermuthlich von dem alten smar, klein. In manchen Gegenden wird auch der Lerchenfalk, Falco varius pictus Alaudarum Klein. Schmerl und Schmerlgeyer genannt; im gemeinen Leben heißt er Schwemmer, Schweberle, Windzirkel, weil er in der Luft nur gleichsam schwebet oder schwimmet. Beyde Arten sind gefleckt oder gesperbert.

[Bd. 3, Sp. 1569]



 
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Die Schmêrle, plur. die -n, eine Art kleiner Bachfische, mit einer gefleckten Haut; Cobitis Barbatula L. der Schmerling, in Franken Schmäd, in Mecklenburg Jickerling. Im Oberdeutschen wird unser ähnlicher, aber doch noch verschiedener Gründling Schmerle genannt. Frisch glaubt, dieser Fisch habe den Nahmen von dem Schmere oder Schmalz, weil er für einen guten Backfisch gehalten wird. Im mittlern Lat. ist Merula, Merulum, Merla, die Zinne einer Mauer, Pinna.
 
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Die Schmêrlinde, plur. die -n, in einigen Gegenden, die Augustlinde, vermuthlich wegen ihres weichen Holzes, daher sie von andern auch Specklinde genannt wird; alles zum Unterschiede von der Steinlinde.
 
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Der Schmêrstein, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden, ein Nahme des Specksteines, weil er weich ist, und sich fertig anfühlen läßt. In engerer Bedeutung wird der weiße Speckstein, welcher aus dem Bareuthischen kommt und auch Spanische Kreide heißt, Schmerstein genannt.
 
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Das Schmêrvieh, S. Adelung Schmiervieh.
 
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Die Schmêrwurz, plur. inus. 1) Ein Nahme des Fettkrautes, dessen Blätter mit einem schmierigen Wesen überzogen sind, welches die Butter gerinnen macht; Pinguicula L. Butterkraut. 2) Eine Pflanze, welche in dem mittägigen Europa und den Morgenländern einheimisch ist; Tomus L. 3) Ein Nahme der Schwarzwurzel, weil sie im Kochen zu einem schmierigen Brey wird; Nieders. Schmerwurtel. 4) Eine Art des Porsches, welches von dem großen Haufen gebraucht wird, wenn jemand vor Schmer oder Fett ersticken will; Ledum Telephinum L. Stickwurz.
 
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Der Schmêrz, des -ens, Dat. dem -en, Acc. den Schmerz, Plur. die -en. 1) Eigentlich, diejenige unangenehme Empfindung, die aus der Trennung des Stetigen in unserm Körper entstehet, welche Trennung des Stetigen bey genauer Untersuchung die Ursache eines jeden Schmerzens ist. Einen heftigen Schmerz in der Seite empfinden. Einen Schmerz in der Seite haben oder fühlen. Viele Schmerzen ausstehen. Der Schmerz läßt nach, höret auf, vergehet, hält an. Wo der Plural, so wie in der folgenden Bedeutung, auch häufig anstatt des Singulars gebraucht wird. Heftige Schmerzen empfinden. Vor Schmerzen schreyen. Keine Schmerzen fühlen. Unter großen Schmerzen sterben. Kopfschmerzen, Zahnschmerzen, Gichtschmerzen, Steinschmerzen. Schmerz ist ein allgemeiner Ausdruck, welcher den Grad unbestimmt läßt. Die heftigsten Grade des Schmerzens drückt man durch Pein, Qual und Marter aus. 2) Figürlich, unangenehme Empfindung des Gemüthes, zunächst über den Verlust eines Guten, hernach aber auch über eine jede unangenehme Veranlassung; wo es aber doch nur von einem gewissen heftigen Grade dieser Empfindung gebraucht wird, indem die schwächern durch Unlust, Traurigkeit, Gram, Betrübniß u. s. f. angedeutet werden. Der Schmerz über den Verlust eines Freundes, einer geliebten Person, seines Vermögens u. s. f.
   Der Schmerz um ihn ist für mein Herz
   Selbst noch ein angenehmer Schmerz,
   Gell. Wir erwarten ihn mit Schmerzen, von einem hohen Grade der Sehnsucht und Unruhe. Ich höre es mit Schmerzen, mit einem hohen Grade der Betrübniß, der Traurigkeit, des Bedauerns.
   Anm. 1. In der Declination des Singulars dieses Wortes sind die Deutschen, und selbst die Sprachlehrer, nicht einig. Einige Oberdeutsche machen die erste und vierte Endung Schmerzen nach dem Muster von Karpfen, Tropfen, Lappen, Batzen u. s. f. Mein Schmerzen ist immer für (vor) mir, Ps. 38, 18. Schmerzen wird sie ankommen, Es. 13, 8. Schauet meinen Schmerzen, Klagel. 1, 18. Andere decliniren es wie Glaube, der

[Bd. 3, Sp. 1570]


Schmerze, des -ns, dem -n, den -n, u. s. f. Noch andere wie Pferd, Schmerz, Schmerzes, Schmerze, nur daß sie im Plural für Schmerze doch Schmerzen sagen. Am richtigsten wird dieses Wort auf die oben angezeigte Art wie Herz abgeändert, so daß beyde Wörter eine Ausnahme von der gewöhnlichen Regel machen.
   Anm. 2. Bey dem Ottfried Smerza, im Nieders. Smart, im Angels. Smeorte, im Engl. Smart, im Schwed. Smärta, im mittlern Latein. ohne Zischlaut Mara und Marantia. Da der Schmerz im eigentlichen Verstande allemahl eine Trennung des Stetigen voraussetzt, so kann man dieses Wort füglich als eine Figur von dem jetzt nur in der intensiven Form üblichen Schmarre ansehen, welches ein Zeitwort schmaren voraus setzt, welches schneiden u. s. f. bedeutet hat, und wozu ohne Zischlaut auch märzen, Ulphilas maurgan, abschneiden, und das Griech. μειρειν, absondern, vielleicht nach einer andern Figur auch das Hebr. 05de05e805e8, bitter seyn, und das Lat. amarus gehören, bey welchem letztern das a, wie in vielen andern Wörtern, nicht zum Stamme gehöret. Auch das Slavon. Smert, der Tod, Lettisch Smertis, Lat. ohne Zischlaut Mors, läßt sich hierher rechnen, indem doch der Tod gemeiniglich als die schmerzhafteste Trennung angesehen wird.

 

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