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1. Der Schmêrgel bis Schmêrvieh (Bd. 3, Sp. 1568 bis 1569)
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Artikelverweis  1. Der Schmêrgel, des -s, plur. inus. in einigen Gegenden, ein Nahme des kleinen Schöllkrautes, Feigwarzenkrautes oder Scharbockes, Ranunculus Ficaria L. vielleicht gleichfalls wegen seiner weichen schmierigen Beschaffenheit in Ansehung des Gefühles, S. das folgende.
 
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2. Der Schmêrgel, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. kein Edelstein, wie Frisch will, sondern ein strengflüssiges, armhaltiges Eisenerz, welches, wenn es durch Pochen und Schlämmen von den leichtesten Steinarten gereiniget worden, zum Polieren des Stahles, Eisens, Glases und einiger Edelsteine gebraucht wird. Im gemeinen Leben Schmirgel, im Griech. σμυρις, im Lat. Smiris, im Französ. Emiri, im Ital. Smeriglio. Vermuthlich auch weil dieses Mineral fettig oder schmierig anzufühlen ist, zumahl wenn es, wie gemeiniglich der Fall ist, mit Glimmer durchsetzet ist.
 
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Schmêrgeln, verb. reg. act. mit Schmergel polieren.
 
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Die Schmêrhaut, plur. die -häute, in einigen Gegenden für Fetthaut, S. dasselbe.
 
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Die Schmêrkluft, plur. die -klüfte, im Bergbaue, Klüfte, welche mit schmierigem Letten oder Thon angefüllet sind.
 
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Das Schmêrkraut, des -es, plur. inus. eine Pflanze mit einem weichen und fettigen Stängel, welche bey den ältern Kräuterkennern Orobanche scandulaca genannt wird.
 
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Der Schmêrl, des -s, plur. die -e, Dimin. das Schmerlchen, Oberd. Schmerlein, eine Art kleiner Falken, in der Größe einer Amsel, mit einem himmelblauen Schnabel; Falco Aesalon L. Steinfalk. In einigen Gegenden Schmirl, Schmierlein, die Schmerle, und ohne Zischlaut Merl, Merle, Franz. Emerillon, Italiän. Smeriglione; vermuthlich von dem alten smar, klein. In manchen Gegenden wird auch der Lerchenfalk, Falco varius pictus Alaudarum Klein. Schmerl und Schmerlgeyer genannt; im gemeinen Leben heißt er Schwemmer, Schweberle, Windzirkel, weil er in der Luft nur gleichsam schwebet oder schwimmet. Beyde Arten sind gefleckt oder gesperbert.

[Bd. 3, Sp. 1569]



 
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Die Schmêrle, plur. die -n, eine Art kleiner Bachfische, mit einer gefleckten Haut; Cobitis Barbatula L. der Schmerling, in Franken Schmäd, in Mecklenburg Jickerling. Im Oberdeutschen wird unser ähnlicher, aber doch noch verschiedener Gründling Schmerle genannt. Frisch glaubt, dieser Fisch habe den Nahmen von dem Schmere oder Schmalz, weil er für einen guten Backfisch gehalten wird. Im mittlern Lat. ist Merula, Merulum, Merla, die Zinne einer Mauer, Pinna.
 
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Die Schmêrlinde, plur. die -n, in einigen Gegenden, die Augustlinde, vermuthlich wegen ihres weichen Holzes, daher sie von andern auch Specklinde genannt wird; alles zum Unterschiede von der Steinlinde.
 
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Der Schmêrstein, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden, ein Nahme des Specksteines, weil er weich ist, und sich fertig anfühlen läßt. In engerer Bedeutung wird der weiße Speckstein, welcher aus dem Bareuthischen kommt und auch Spanische Kreide heißt, Schmerstein genannt.
 
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Das Schmêrvieh, S. Adelung Schmiervieh.

 

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