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Schmêlz bis Schmêlzgast (Bd. 3, Sp. 1565 bis 1567)
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Artikelverweis Der Schmêlz, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, eigentlich, ein metallisches, durch die Schmelzung erhaltenes farbiges Glas, welches auch wohl Schmelzglas genannt wird. So führet diesen Nahmen das aus dem Kobalte bereitete blaue Glas, welches aber noch häufiger Schmalte genannt wird, S. dasselbe. In der Handlung verstehet man unter Schmelz gemeiniglich die aus calciniertem Zinn oder Bley verfertigten, Korallen ähnlichen, glänzenden und durchbohrten Körner oder Röhrchen, welche man auf Draht oder Fäden reihet, sie zu allerley Figuren bieget, und Kleider, Quasten und andere Dinge damit schmücket. Mit Schmelz besetzen. Figürlich ist in der dichterischen Schreibart der Schmelz der Blumen, der Wiesen, die hellen hohen glänzenden Farben, welche auf denselben spielen. Wirf deine Blicke auf das Feld, siehe den bunten Schmelz der Wiesen.
   Der Schmelz der grünen Flächen
   Glänzt voller Pracht,
   Haged.
 
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Die Schmêlzarbeit, plur. die -en. 1) Im Hüttenbaue, ohne Plural, das Schmelzen der Erze. 2) Diejenige Arbeit, da metallische Farben auf andere Körper eingeschmelzet werden, auch ohne Plural, und auf solche Art überzogene Dinge; emaillirte Arbeit.
 
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Der Schmêlzbogen, des -s, plur. ut nom. sing. im Hüttenbaue, derjenige Bogen Papier, worauf der Hüttenmeister dasjenige

[Bd. 3, Sp. 1566]


verzeichnet, was bey dem Schmelzen täglich vorgehet, wovon denn das wichtigste in das Schmelzbuch getragen wird.
 
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Das Schmếlzbūch, des -es, plur. die -bǖcher, eben daselbst, diejenigen Bücher, worein alles, was bey dem Schmelzen der Erze vorgehet, aufgezeichnet wird.
 
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Die Schmêlzbutter, plur. car. ausgeschmelzte oder ausgelassene Butter, welche an die Speisen gebraucht wird, und in einigen Gegenden auch Schmalz heißt.
 
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Das Schmêlzeisen, des -s, plur. inus. in den Hammerwerken, geschmolzenes Eisen, welches erst auf den Hammer kommen muß, ehe es den zu den meisten Arbeiten nöthigen Grad der Reinigkeit bekommt.
 
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1. Schmêlzen, mit Schmalz oder Butter würzen, S. Adelung Schmalzen.
 
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2. Schmêlzen, verb. reg. et irreg. welches in der letztern Form so gehet: ich schmelze, du schmilzest, (schmelzest,) er schmilzt, (schmelzt;) Imperf. ich schmolz, Conj. schmölze; Mittelw. geschmolzen; Imper. schmilz, noch häufiger aber schmelz. Es ist in doppelter Gestalt üblich.
   I. Als ein Neutrum, mit irregulärer Conjugation und dem Hülfsworte seyn, aus einem festen Körper in einen flüssigen verwandelt werden. Das Weinsteinsalz schmelzt oder schmilzt an der Luft, der Schnee an der Sonne, das Wachs im Feuer. Butter über dem Feuer schmelzen lassen. Geschmolzener Schnee, geschmolzenes Eis. Das Bley schmilzt in einem mäßigen Grade des Feuers, das Kupfer erfordert einen stärkern, der Diamant den stärksten. Figürlich auch in der edlern Schreibart: mein Herz von deinen Thränen schmilzt in süßer Wehmuth. Die irreguläre Form ist hier ohne Ausnahme gangbar, außer daß im Präsenti viele Hochdeutsche für schmilzest und schmilzt, schmelzest und schmelzt sagen. Wie Wachs vor dem Feuer verschmelzet, Mich. 1, 4.
   II. Als ein Activum. 1) Schmelzen machen, einen festen Körper in einen flüssigen verwandeln, doch nur so fern es vermittelst der Wärme und des Feuers geschiehet. Es ist hier im Hochdeutschen immer noch als ein irreguläres Zeitwort gangbar, so rathsam es auch wäre, es in dieser Bedeutung regulär zu conjugiren; man müßte denn die irreguläre Form zum Unterschiede von der folgenden Bedeutung für nöthig halten. Wachs, Butter, Schnee schmelzen. Bley, Zinn, Kupfer schmelzen. Geschmolzenes Bley, besser geschmelztes. Es wird heute nicht geschmolzen, besser geschmelzt. Im Hüttenbaue ist schmelzen die Metalle durch Schmelzung des Erzes von dem Gesteine und den Schlacken absondern, daher es denn oft alle dahin gehörige Arbeiten mit unter sich begreift. Bey den Mahlern ist die Farben schmelzen oder verschmelzen, sie, nachdem sie aufgetragen worden, unter einander vertreiben; Franz. fondre. Ein Mahler hat eine gute Schmelzung der Farben, wenn er sie gut zu vertreiben weiß, welches man auch wohl den Schmelz der Farben zu nennen pflegt. 2)Mit Schmelz mahlen oder überziehen, weil die metallischen Farben, welche denselben ausmachen, nachdem sie aufgetragen worden, erst im Feuer schmelzen müssen, ehe sie sichtbar werden; wofür doch im Hochdeutschen das Französische emailliren üblicher ist. In dieser Bedeutung wird es allemahl als ein reguläres Zeitwort gebraucht. Einen Ring schmelzen, ihn emailliren, mit Schmelz oder Emaille überziehen, bemahlen. Geschmelzte Arbeit. Auf Stahl schmelzen. Ital. smaltare, Span. esmalter, Franz. esmailler, émailler. So auch das Schmelzen, und im Activo die Schmelzung.
   Anm. Bey dem Notker smilzen, im Nieders. in beyden Formen smulten, im Schwed. smälta, im Pohln. smelcowac, im Böhm. ssmelcowati, ohne Zischlaut, welcher hier eine Intension zu bezeichnen scheinet, im Angels. meltan, myltan, im Engl.

[Bd. 3, Sp. 1567]


to melt, obgleich auch to smelt üblich ist, im Griech. μελδειν. Der Begriff des Weichen, des Flüssigen ist in diesem Worte der herrschende, daher es mit milde, mollis, dem Griech. μαλαττειν, erweichen, u. s. f. Eines Stammes ist.
 
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Der Schmêlzer, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher schmelzt, in der thätigen Bedeutung, besonders im Hüttenbaue, ein Arbeiter, welcher die Schmelzung der Erze verstehet und verrichtet.
 
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Das Schmêlzfeuer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Feuer, bey welchem geschmelzet wird, ingleichen derjenige Grad des Feuers, in welchem ein Körper schmilzt.
 
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Der Schmêlzgast, des -es, plur. die -gäste, im Hüttenbaue, ein Nahme der Auswärtigen, welche ihr Erz oder Gekrätz in einer Schmelzhütte ausschmelzen lassen. S. Adelung Gast.

 

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