Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Schmeichen bis Schmêlzbutter (Bd. 3, Sp. 1564 bis 1566)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis  Schmeichen, verb. reg. act. welches nur bey den Webern einiger Gegenden üblich ist, welche den Aufzug schmeichen, wenn sie ihn mit einem gewissen Breye bestreichen, um ihn dadurch glatt, geschmeidig und biegsam zu machen, wofür man in den meisten Gegenden schlichten gebraucht, und im Nieders. smitten. Daher wird dieser Brey oder die Schlichte daselbst auch die Schmeiche genannt. Es ist allem Ansehen nach das Factitivum von schmiegen, eigentlich biegsam und geschmeidig machen. S. auch das vorige in der Anm.
 
Artikelverweis 
Der Schmeichler, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Schmeichlerinn, eine Person, welche schmeichelt, in allen Bedeutungen des Zeitwortes. Ein Kind, welches gewohnt ist, Liebkosungen zu machen, nennt man einen kleinen Schmeichler; im gemeinen Leben eine Schmeichelkatze. Im gehässigern Verstande ist der Schmeichler derjenige, welcher andern, um ihre Gunst zu gewinnen, mit Vorsatz ungegründete Vorzüge beyleget.
   Anm. Ehedem nur Schmeicher, von schmeichen, schmeicheln, im Nieders. Smertaske, Strieker, Striekstock, Glattstrieker, im Oberd. ehedem Glättling, Flaumstreicher, von Flaum, weiche Federn, bey dem Hornegk Lusmer, von losen, schmeicheln, Zumacher, von sich zuthun, in Boxhorns Glossen Fleari, von flehen, schmeicheln, im mittlern Lat. Dulcorarius, u. s. f.
 
Artikelverweis 
Schmeidig, -er, -ste, adj. et adv. ein noch im gemeinen Leben sehr gangbares Wort, wofür die anständigere Sprechart geschmeidig gebraucht, S. dasselbe. So auch die Schmeidigkeit, für Geschmeidigkeit.
 
Artikelverweis 
Schmeißen, verb. irreg. Imperf. ich schmíß; Mittelw. geschmissen; Imperat. schmeiße, schmeiß. Es ist in doppelter Gestalt gangbar, in beyden aber nur in den gemeinen Sprecharten üblich.
   I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, heftig und plötzlich fallen, von großen Körpern, wie schlagen; am häufigsten in dem zusammen gesetzten hinschmeißen, plötzlich zu Boden fallen. Er ist hingeschmissen.
   II. Als ein Activum, und zwar wieder in einer doppelten Hauptbedeutung. 1. Schlagen und werfen. 1) Schlagen, in den niedrigen Sprecharten. Jemanden hinter die Ohren schmeißen. Das Pferd schmeißt hinten aus. Sich mit jemanden schmeißen. Daher der Schmiß daselbst auch ein derber Schlag ist, S. dasselbe, ingleichen Schmitz. Nieders. smiten, wohin

[Bd. 3, Sp. 1565]


auch unser schmieden gehöret. 2) Werfen, wo es im Hoch- und Oberdeutschen auch nur in den gemeinen Sprecharten üblich ist, im Niederdeutschen aber fast nur allein gebraucht wird, indem werfen, oder nach ihrer Mundart warpen, daselbst wenig gebraucht wird. Etwas unter die Bank schmeißen. Jemanden zu Boden, über den Haufen schmeißen. Der Wind schmiß den Baum in das Wasser. 2. Den Koth, d. i. Überrest der verdauten Speisen, durch den Hintern von sich geben, wo es in den gemeinen Sprecharten als ein anständiger Ausdruck für das grobe scheißen gebraucht wird. Das Kind hat in das Bett geschmissen. Am häufigsten gebraucht man es von Vögeln, dem Federviehe und Insecten, und zwar von den letztern auch von dem Legen ihrer Eyer, vermuthlich so fern der große Haufe sie mit dem Kothe verwechselt. S. Schmetterling. In manchen Gegenden gehet es hier regulär, ich schmeißte, geschmeißt; welche Form auch Luther angenommen hat: Eine Schwalbe schmeißte aus ihrem Nest, Tob. 2, 11. So auch das Schmeißen.
   Anm. Schon bey dem Ottfried smeizan, im Nieders. smiten, im Angels. smitan, im Engl. to smite, im Schwed. smita, im Griech. σμωττειν, und für schlagen bey dem Eustathius σμωξαι. Es ist in dem Neutro und den beyden ersten Bedeutungen des Activi eine unmittelbare Nachahmung des Lautes, der mit den Handlungen verbunden ist, von welchen dieses Zeitwort gebraucht wird, und wohin ohne den intensiven Zischlaut auch das Lat. mittere, missus, Franz. mettre, gehöret. In der letzten Bedeutung könnte es, so wie das ähnliche, obgleich weit niedrigere scheißen gleichfalls als eine Onomatopöie angesehen werden. Allein es scheinet hier mit mehrerer Wahrscheinlichkeit den Begriff der schmierigen, flüssigen Unreinigkeit zu haben, und zu schmitzen in beschmitzen, und Schmutz zu gehören, welche Intensiva davon sind. Bey dem Ulphilas ist smitan salben, und im Niedersächs. smitten schmieren, salben. S. Adelung Schmitzen und Schmutz. Schmeißen wäre also in diesem Verstande eigentlich schmierige Unreinigkeit von sich geben. Ohne Zischlaut gehöret auch Mist dahin.
 
Artikelverweis 
Die Schmeißfliege, plur. die -n, eine Art gewöhnlicher Fliegen, welche sich auf das Fleisch setzen und dasselbe beschmeißen, d. i. ihre Eyer in dasselbe legen, da es denn Maden bekommt.
 
Artikelverweis 
Die Schmêle, S. Adelung Schmiele.
 
Artikelverweis 
Der Schmêlz, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, eigentlich, ein metallisches, durch die Schmelzung erhaltenes farbiges Glas, welches auch wohl Schmelzglas genannt wird. So führet diesen Nahmen das aus dem Kobalte bereitete blaue Glas, welches aber noch häufiger Schmalte genannt wird, S. dasselbe. In der Handlung verstehet man unter Schmelz gemeiniglich die aus calciniertem Zinn oder Bley verfertigten, Korallen ähnlichen, glänzenden und durchbohrten Körner oder Röhrchen, welche man auf Draht oder Fäden reihet, sie zu allerley Figuren bieget, und Kleider, Quasten und andere Dinge damit schmücket. Mit Schmelz besetzen. Figürlich ist in der dichterischen Schreibart der Schmelz der Blumen, der Wiesen, die hellen hohen glänzenden Farben, welche auf denselben spielen. Wirf deine Blicke auf das Feld, siehe den bunten Schmelz der Wiesen.
   Der Schmelz der grünen Flächen
   Glänzt voller Pracht,
   Haged.
 
Artikelverweis 
Die Schmêlzarbeit, plur. die -en. 1) Im Hüttenbaue, ohne Plural, das Schmelzen der Erze. 2) Diejenige Arbeit, da metallische Farben auf andere Körper eingeschmelzet werden, auch ohne Plural, und auf solche Art überzogene Dinge; emaillirte Arbeit.
 
Artikelverweis 
Der Schmêlzbogen, des -s, plur. ut nom. sing. im Hüttenbaue, derjenige Bogen Papier, worauf der Hüttenmeister dasjenige

[Bd. 3, Sp. 1566]


verzeichnet, was bey dem Schmelzen täglich vorgehet, wovon denn das wichtigste in das Schmelzbuch getragen wird.
 
Artikelverweis 
Das Schmếlzbūch, des -es, plur. die -bǖcher, eben daselbst, diejenigen Bücher, worein alles, was bey dem Schmelzen der Erze vorgehet, aufgezeichnet wird.
 
Artikelverweis 
Die Schmêlzbutter, plur. car. ausgeschmelzte oder ausgelassene Butter, welche an die Speisen gebraucht wird, und in einigen Gegenden auch Schmalz heißt.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: