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Schmeichelēy bis Schmêlzarbeit (Bd. 3, Sp. 1562 bis 1565)
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Artikelverweis Die Schmeichelēy, plur. die -en. 1) Schmeichelnde Worte, Handlungen oder Betragen. Jemanden alle nur ersinnliche Schmeicheleyen machen, ihm eine Schmeicheley sagen. 2) Das Schmeicheln, noch mehr aber die Fertigkeit andern zu schmeicheln; ohne Plural. Im Oberdeutschen in beyden Fällen die Schmeichlerey, von Schmeichler.
 
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Schmeichelhaft, -er, -este, adj. et adv. schmeichelnd, von Personen und Sachen. Ein schmeichelhafter Mensch. Das ist mir sehr schmeichelhaft. Im gemeinen Leben schmeichlerisch. Daher die Schmeichelhaftigkeit.
 
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Schmeicheln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches die dritte Endung der Person erfordert. 1. Eigentlich, sich vor jemanden schmiegen, um ihm liebzukosen, in welcher Bedeutung es, so wie die Lateinischen adulari und cevere, welches letztere Persius gleichfalls für schmeicheln gebraucht, eigentlich den Hunden zukommt, wenn sie auf solche Art durch Schmiegen und Wedeln liebkosen. Der Hund schmeichelt seinem Herren. In weiterer Bedeutung gebraucht man es noch sehr häufig für liebkosen, besonders so fern es mit Streicheln und Lächeln verbunden ist. Das Kind schmeichelt seiner Mutter, die Mutter dem Kinde. Da es denn auch von einem mit Schmeicheln und Liebkosen begleiteten Bitten, ja von einer jeden übertriebenen Freundlichkeit gebraucht wird. Schmeicheln können. 2. Figürlich. 1) Angenehme Empfindungen und Vorstellungen erwecken; doch von den Empfindungen nur selten.
   O, wie lieblich schmeichelst du
   Unsern Seelen,
   Weiße. Am häufigsten, eine angenehme, obgleich noch ungewisse Hoffnung erregen und unterhalten. Sich mit der Hoffnung schmeicheln. Schmeichle dir nicht mit einer Hoffnung, die leicht fehl schlagen kann, Weiße. Das Hauptwort Hoffnung läßt sich hier nicht ohne merkliche Härte verschweigen, ob es gleich sehr häufig geschiehet. Ich schmeichelte mir, daß er kommen würde. Man schmeichelt sich meistens vergebens, den Wissenschaften außer der Ehe besser zu leben, Gell. Allenfalls läßt sich diese Verheißung entschuldigen, wenn das Zeitwort absolute stehet. Ich hoffete doch ich schmeichelte mir vergebens. Im Oberdeutschen gebraucht man es hier auch mit der zweyten Endung. Wir können uns einer erwünschten Auskunft der bevor stehenden Unterhandlungen schmeicheln; wo der Genitiv von dem ausgelassenen

[Bd. 3, Sp. 1563]


Hauptworte Hoffnung herrühret. 2) Jemanden mit Vorsatz und um dessen Gunst zu gewinnen ungegründete Vorzüge beylegen. Vortrefflich schmeicheln können. Der Arzt schmeichelt dem Kranken, wenn er dessen Zustand vortheilhafter schildert als er ist, der Mahler dem, welchen er mahlet, wenn er die Fehler verbirget, oder ihn schöner mahlt, als er ist, der Hofmann dem Fürsten, wenn er ihm Vorzüge beyleget, die er nicht besitzet. Ein Prediger, Arzt und Mahler müssen nicht schmeicheln. Sie schmeichelten ihm und sagten, er habe vollkommen Recht. So auch das Schmeicheln.
   Anm. 1. Oft gebraucht man dieses Zeitwort in der passiven Form. Bin ich nicht geschmeichelt? fragt man wohl, wenn man sich hat mahlen lassen. Allein da dieses Zeitwort ein Neutrum ist, so ist solches unrichtig. Über dieß kann die erste Endung im Passivo nur alsdann Statt finden, wenn das Activum die vierte Endung erfordert. Da nun schmeicheln die dritte zu sich nimmt, so müßte man, wenn es auch ein Passivum litte, sagen: ist mir nicht geschmeichelt worden?
   Anm. 2. Die Endsylbe -eln zeiget schon, daß dieses Wort ein Intensivum oder Diminutivum ist. Das im Hochdeutschen veraltete Stammwort schmeichen kommt statt desselben bey dem Hornegk und den Schwäbischen Dichtern in allen Bedeutungen unsers Schmeicheln vor, und bey dem Willeram sind Smeiche Schmeicheleyen. Die Holländer und Niedersachsen sagen gleichfalls smeken, die Schweden smeka, die Dänen aber nach einer andern intensiven Form smigre. Wachter leitete es von dem Griech. μειλιχος, süß, sanft, gelinde, ab, Ihre aber läßt es von små, klein (siehe Schmächtig,) abstammen. Frisch war auf den sonderbaren Einfall gerathen, daß es wohl von Schmauch abstammen und so viel bedeuten könne, als jemanden einen wohlriechenden Rauch zuwehen, ihm räuchern, wobey er sich auf das Franz. flatter berief, welches auch so viel bedeuten sollte, als jemanden einen angenehmen Hauch zublasen. Gottsched ergriff diese Ableitung bloß, weil sie neu war, und wollte ihr zu Folge das Wort schmäucheln geschrieben wissen. Vergebens stellte man ihm vor, diese Neuerung sey so wohl der Aussprache als dem ganzen langen Gebrauche entgegen, die Gewohnheit des Räucherns aus Ehrerbietung sey bey den Abendländern nie üblich gewesen, am wenigsten bey den Deutschen, Schmauch bedeute keinen angenehmen, sondern allemahl einen dicken, beschwerlichen Rauch, und jemanden schmäuchen oder schmäucheln würde allenfalls gerade das Gegentheil von schmeicheln beweisen, über dieß gebe es weit nähere und wahrscheinlichere Ableitungen. Allein der Widerspruch machte ihn, wie in andern Fällen, so auch hier nur hitziger; das was er aus Unbedachtsamkeit angenommen hatte, wurde nunmehr aus Eigensinn vertheidiget, und das Schmäucheln wurde und blieb das Schiboleth der ganzen Gottschebischen Schule. Indessen hatten doch schon Stieler und Steinbach die bessere und wahrscheinlichere Abstammung von schmiegen eingesehen, wozu denn ohne Zischlaut freylich auch Wachters μειλιχος und das veraltete mieg, sanft, gelinde, (S. Adelung Gemach,) obgleich auf eine entferntere Art, gehören, so wie man auch das Griech. σμχειν, streicheln, dahin rechnen kann. Siehe das gleich folgende Schmeichen. Schmeicheln bedeutet allem Ansehen nach sich liebkosend vor jemanden schmiegen und winden, freylich zunächst von den Hunden und Sclaven, aber hernach auch, wie adulari, von anständigern Arten der Liebkosung. Indessen hat man noch ein anderes Wort, welches hier mit in Betrachtung kommen kann, ob es gleich mit schmiegen nur eine zufällige Gleichheit des Lautes hat, und dieses ist das Wendische und Slavonische Schmeich, das Lächeln, smiecham, ich lächle, wohin auch das veraltete Oberdeutsche smielen, lächeln, Engl. to smile, gehöret, welches das Diminutivum oder Intensivum davon ist, wo

[Bd. 3, Sp. 1564]


nur der Hauchlaut verbissen worden. Es gibt mehrere Fälle, wo zwey Begriffe zweyer gleichlautender, ob wohl sonst verschiedener Wörter in den spätern Zeiten mit einander verbunden worden. Indessen beweisen doch die gleichbedeutenden Wörter von schmeicheln, daß in diesem vornehmlich auf das Schmiegen und Streicheln gesehen worden. Kero gebraucht für schmeicheln flehan, welches, wie schon bey Flehen bemerket worden, gleichfalls sich vor jemanden krümmen und winden bedeutet, und wovon flechten ein Intensivum ist. Die Niedersachsen sagen noch jetzt fleyen, flojen, fleystraken, eigentlich schmiegend streicheln, die Engländer to wheedle, eigentlich wedeln, und die Schweden intensive fleckra, welches bey ihnen zunächst auch von den Hunden üblich ist. Das heutige Franz. flatter ist ohne Zweifel ein Intensivum nach einer andern Form davon, so daß man dabey weder an flarc noch an flatus denken muß. Als gleichbedeutend mit schmeicheln ist im Niederdeutschen auch strieken, streicheln, üblich, und im Oberd. sagte man hähl streicheln, von hähl, glatt, gleichsam den Fuchsschwanz streicheln. Hornegk gebraucht slegen, Notker slechsprechen, (vermuthlich wie das vorige, von schlecht, eben, glatt,) der mittlere Lat. foculare, (von fackeln, auch mit dem Begriffe der Bewegung,) Hornegk losen, der Niedersachse liesken, Opitz zulieben, alle in der Bedeutung des Schmeichelns, anderer Ausdrücke zu geschweigen.
 
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Schmeichen, verb. reg. act. welches nur bey den Webern einiger Gegenden üblich ist, welche den Aufzug schmeichen, wenn sie ihn mit einem gewissen Breye bestreichen, um ihn dadurch glatt, geschmeidig und biegsam zu machen, wofür man in den meisten Gegenden schlichten gebraucht, und im Nieders. smitten. Daher wird dieser Brey oder die Schlichte daselbst auch die Schmeiche genannt. Es ist allem Ansehen nach das Factitivum von schmiegen, eigentlich biegsam und geschmeidig machen. S. auch das vorige in der Anm.
 
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Der Schmeichler, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Schmeichlerinn, eine Person, welche schmeichelt, in allen Bedeutungen des Zeitwortes. Ein Kind, welches gewohnt ist, Liebkosungen zu machen, nennt man einen kleinen Schmeichler; im gemeinen Leben eine Schmeichelkatze. Im gehässigern Verstande ist der Schmeichler derjenige, welcher andern, um ihre Gunst zu gewinnen, mit Vorsatz ungegründete Vorzüge beyleget.
   Anm. Ehedem nur Schmeicher, von schmeichen, schmeicheln, im Nieders. Smertaske, Strieker, Striekstock, Glattstrieker, im Oberd. ehedem Glättling, Flaumstreicher, von Flaum, weiche Federn, bey dem Hornegk Lusmer, von losen, schmeicheln, Zumacher, von sich zuthun, in Boxhorns Glossen Fleari, von flehen, schmeicheln, im mittlern Lat. Dulcorarius, u. s. f.
 
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Schmeidig, -er, -ste, adj. et adv. ein noch im gemeinen Leben sehr gangbares Wort, wofür die anständigere Sprechart geschmeidig gebraucht, S. dasselbe. So auch die Schmeidigkeit, für Geschmeidigkeit.
 
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Schmeißen, verb. irreg. Imperf. ich schmíß; Mittelw. geschmissen; Imperat. schmeiße, schmeiß. Es ist in doppelter Gestalt gangbar, in beyden aber nur in den gemeinen Sprecharten üblich.
   I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, heftig und plötzlich fallen, von großen Körpern, wie schlagen; am häufigsten in dem zusammen gesetzten hinschmeißen, plötzlich zu Boden fallen. Er ist hingeschmissen.
   II. Als ein Activum, und zwar wieder in einer doppelten Hauptbedeutung. 1. Schlagen und werfen. 1) Schlagen, in den niedrigen Sprecharten. Jemanden hinter die Ohren schmeißen. Das Pferd schmeißt hinten aus. Sich mit jemanden schmeißen. Daher der Schmiß daselbst auch ein derber Schlag ist, S. dasselbe, ingleichen Schmitz. Nieders. smiten, wohin

[Bd. 3, Sp. 1565]


auch unser schmieden gehöret. 2) Werfen, wo es im Hoch- und Oberdeutschen auch nur in den gemeinen Sprecharten üblich ist, im Niederdeutschen aber fast nur allein gebraucht wird, indem werfen, oder nach ihrer Mundart warpen, daselbst wenig gebraucht wird. Etwas unter die Bank schmeißen. Jemanden zu Boden, über den Haufen schmeißen. Der Wind schmiß den Baum in das Wasser. 2. Den Koth, d. i. Überrest der verdauten Speisen, durch den Hintern von sich geben, wo es in den gemeinen Sprecharten als ein anständiger Ausdruck für das grobe scheißen gebraucht wird. Das Kind hat in das Bett geschmissen. Am häufigsten gebraucht man es von Vögeln, dem Federviehe und Insecten, und zwar von den letztern auch von dem Legen ihrer Eyer, vermuthlich so fern der große Haufe sie mit dem Kothe verwechselt. S. Schmetterling. In manchen Gegenden gehet es hier regulär, ich schmeißte, geschmeißt; welche Form auch Luther angenommen hat: Eine Schwalbe schmeißte aus ihrem Nest, Tob. 2, 11. So auch das Schmeißen.
   Anm. Schon bey dem Ottfried smeizan, im Nieders. smiten, im Angels. smitan, im Engl. to smite, im Schwed. smita, im Griech. σμωττειν, und für schlagen bey dem Eustathius σμωξαι. Es ist in dem Neutro und den beyden ersten Bedeutungen des Activi eine unmittelbare Nachahmung des Lautes, der mit den Handlungen verbunden ist, von welchen dieses Zeitwort gebraucht wird, und wohin ohne den intensiven Zischlaut auch das Lat. mittere, missus, Franz. mettre, gehöret. In der letzten Bedeutung könnte es, so wie das ähnliche, obgleich weit niedrigere scheißen gleichfalls als eine Onomatopöie angesehen werden. Allein es scheinet hier mit mehrerer Wahrscheinlichkeit den Begriff der schmierigen, flüssigen Unreinigkeit zu haben, und zu schmitzen in beschmitzen, und Schmutz zu gehören, welche Intensiva davon sind. Bey dem Ulphilas ist smitan salben, und im Niedersächs. smitten schmieren, salben. S. Adelung Schmitzen und Schmutz. Schmeißen wäre also in diesem Verstande eigentlich schmierige Unreinigkeit von sich geben. Ohne Zischlaut gehöret auch Mist dahin.
 
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Die Schmeißfliege, plur. die -n, eine Art gewöhnlicher Fliegen, welche sich auf das Fleisch setzen und dasselbe beschmeißen, d. i. ihre Eyer in dasselbe legen, da es denn Maden bekommt.
 
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Die Schmêle, S. Adelung Schmiele.
 
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Der Schmêlz, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, eigentlich, ein metallisches, durch die Schmelzung erhaltenes farbiges Glas, welches auch wohl Schmelzglas genannt wird. So führet diesen Nahmen das aus dem Kobalte bereitete blaue Glas, welches aber noch häufiger Schmalte genannt wird, S. dasselbe. In der Handlung verstehet man unter Schmelz gemeiniglich die aus calciniertem Zinn oder Bley verfertigten, Korallen ähnlichen, glänzenden und durchbohrten Körner oder Röhrchen, welche man auf Draht oder Fäden reihet, sie zu allerley Figuren bieget, und Kleider, Quasten und andere Dinge damit schmücket. Mit Schmelz besetzen. Figürlich ist in der dichterischen Schreibart der Schmelz der Blumen, der Wiesen, die hellen hohen glänzenden Farben, welche auf denselben spielen. Wirf deine Blicke auf das Feld, siehe den bunten Schmelz der Wiesen.
   Der Schmelz der grünen Flächen
   Glänzt voller Pracht,
   Haged.
 
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Die Schmêlzarbeit, plur. die -en. 1) Im Hüttenbaue, ohne Plural, das Schmelzen der Erze. 2) Diejenige Arbeit, da metallische Farben auf andere Körper eingeschmelzet werden, auch ohne Plural, und auf solche Art überzogene Dinge; emaillirte Arbeit.

 

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