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Schmalvieh bis Schmant (Bd. 3, Sp. 1556 bis 1557)
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Artikelverweis Das Schmalvieh, des -es, plur. inus. das kleinere zahme Vieh, zum Unterschiede von dem großen Zug- und Lastviehe. Besonders pflegt man unter diesem Worte die Schafe zu verstehen. Das Schwed. Smale bedeutet gleichfalls das kleine Vieh.
 
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Das Schmalz, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, das in den Thieren befindliche Fett. 1. Überhaupt, wo es in manchen Gegenden für Fett überhaupt gebraucht wird. So sagt man daselbst, es habe jemand viel Schmalz, wenn er fett ist. Im Hochdeutschen ist es in der anständigen Schreibart ungewöhnlich. 2. In engerm Verstande. 1) Im Oberdeutschen wird die Butter, besonders die ungesalzene, Schmalz genannt; Mayschmalz, Maybutter. Italiänisch Smalzo. Im Hochdeutschen führet nur die ausgelassene oder ausgeschmolzene und hernach verwahrte Butter, mit welcher die Speisen geschmalzen werden, den Nahmen des Schmalzes, noch häufiger aber der Schmelzbutter. Die Speisen ohne Salz und Schmalz anrichten, ohne Gewürz und Butter. 2) Ausgeschmolzenes oder ausgebratenes Thierfett, welches nach dem Erkalten eine weiche schmierige Beschaffenheit behält; zum Unterschiede von dem Talge. Gänseschmalz, Schweineschmalz, Bärenschmalz, Klauenschmalz, Fischschmalz u. s. f. Uneigentlich führet das Ohrenschmalz, wegen seiner ähnlichen Consistenz und schmierigen Beschaffenheit, den Nahmen des Schmalzes.
   Anm. Im Nieders. Smalt, im Pohlnischen Smalec, Smalc, im Schwedischen smält. So fern es Fett überhaupt bedeutet, druckt es die weiche schmierige Beschaffenheit desselben aus, da denn ohne Zischlaut auch mollis, molsch, das Ital. Malta, Morast u. a. m. zu dessen Verwandtschaft gehören. In den beyden engern Bedeutungen scheinet es zunächst vor dem Zeitworte schmelzen gebildet zu seyn, S. dasselbe, ingleichen Schmer.
 
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Die Schmalzbirn, plur. die -en, eine Art saftiger schmackhafter Birnen, deren Fleisch im Munde gleichsam zerschmilzet. Sie

[Bd. 3, Sp. 1557]


ist in unsern Gärten unter dem Französischen Nahmen Beurrée am bekanntesten. In Niedersachsen werden andere Arten saftiger und weicher Äpfel und Birnen Smoltjes genannt.
 
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Die Schmalzblume, plur. die -n, ein in manchen, besonders Oberdeutschen Gegenden für Butterblume übliches Wort; von Schmalz, Butter.
 
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Der Schmalzêhnte, des -n, plur. die -n, der kleine Zehnte, d. i. der Zehnte von dem Schmalviehe, den Schafen, Lämmern, Füllen, Kälbern, Gänsen, Hühnern, Bienen; im Gegensatze des größern Getreidezehnten.
 
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Schmalzen, verb. reg. act. außer daß das Mittelwort in vielen Gegenden geschmalzen hat, in den Küchen, mit Schmalz oder Fett, und in engerer Bedeutung, mit Butter würzen. Eine Suppe schmalzen, Butter daran thun. Das Kraut ungeschmalzen essen. Weder gesalzen noch geschmalzen. Daher das Schmalzen. In vielen Gegenden selbst in Obersachsen lautet dieses Wort schmälzen, schmelzen, und wird alsdann auch wohl regulär abgewandelt, geschmälzt oder geschmelzt. Indessen ist schmalzen richtiger, wie salzen von Salz. Aus dem irregulären Mittelworte erhellet, daß dieses Zeitwort ehedem auch im Imperfect schmielz hatte, so wie man von salzen ehedem ich sielz sagte, und in manchen Oberdeutschen Gegenden noch sagt.
 
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Die Schmalzfêder, plur. die -n, in einigen Gegenden ein Nahme der Fettfeder, S. dieses Wort.
 
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Die Schmalzgrube, plur. die -n, eine figürliche Benennung eines fruchtbaren und fetten Landes, besonders so fern es eine einträgliche und gute Viehzucht hat.
 
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Der Schmalzkäfer, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden ein Nahme des blauen Maykäfers.
 
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Der Schmalzkübel, des -s, plur. ut nom. sing. in der Hauswirthschaft, ein hölzerner Kübel, welcher unten weiter ist, als oben, das Schmalz oder die Schmelzbutter darin zu verwahren.
 
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Der Schmant, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e. 1) Im Bergbaue, eine zarte nasse und schwefelgelbe Erde, welche sich bey dem Sieden des Vitrioles niederschläget, und aus welcher eine rothe Farbe gebrannt wird. In den Salzwerken wird die Unreinigkeit der Sohle, welche sich als ein Schaum obenauf setzet, der Salzschmant genannt. 2) In manchen Gegenden, z. B. in Liefland, wird der Milchrahm Schmant, oder als ein Fämin. Schmante, genannt, welches mit dem Slavon. Schmetten verwandt zu seyn scheinet. S. Adelung Rahm.
   Anm. In beyden Fällen ist der Begriff der weichen schmierigen Beschaffenheit der herrschende, wohin ohne Zischlaut auch das Hebräische 05e905de05df, Öhl, das Finnische Maenti, weiches, sämisches Leder, u. a. m. gehören. Im Böhmischen ist zamany kothig.

 

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