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Schmälich bis Schmalzen (Bd. 3, Sp. 1555 bis 1557)
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Artikelverweis  Schmälich, -er, -ste, adj. et adv. 1) Von schmal, klein, wäre schmälich eigentlich diesem Worte gleichbedeutend. Es ist aber nicht üblich, außer daß man im gemeinen Leben einiger Gegenden es figürlich für kärglich, armselig, spärlich gebraucht. Sich schmälich behelfen, ärmlich. Eine schmäliche Mahlzeit, wo es schmale Bissen setzt. Schon bey dem Kero ist smalih geringe.
   2) Von Schmach, oder vielmehr dem veralteten Beyworte schmach, schimpflich, verächtlich; eine nur noch im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart übliche Bedeutung. Sie schlagen mich schmälich, Hiob 16, 10. Schmäliche Worte, verächtliche. Ein schmäliches Geboth auf etwas thun, ein verächtliches, schimpfliches. Jemanden schmälich halten, auf eine kränkende Art verächtlich.
   Und wird, kommt ihr kein Hermann vor,
   In Hermanns Vaterland ein schmälich Denkmahl stiften,
   Uz. Ein schmälicher Tod. Eines schmälichen Todes sterben, eines schimpflichen. In der niedrigen Sprechart wird es, wie andere

[Bd. 3, Sp. 1556]


ähnliche Wörter, oft als ein intensives Wort für sehr, sehr groß, sehr heftig gebraucht. Es ist eine schmäliche Hitze, eine überaus große. Es ist schmälich kalt. Schmälich groß.
   Er spottete nach seiner Art
   Des Riesen mit dem schwarzen Bart
   Aus seinem Fenster schmälich,
   Götting. Musen-Alm. 1776.
 
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Das Schmallêder, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. bey den Gärbern und im Lederhandel, Leder von Kühen, 3 bis 4 jährigen Rindern und Pferden; im Gegensatze des dicken Pfundleders. Von schmal, dünne.
 
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Die Schmalsaat, plur. inus. ein nur in einigen Gegenden, besonders in Oberdeutschland, übliches Collectivum, Hülsenfrüchte, z. B. Erbsen, Linsen, Wicken und Bohnen zu bezeichnen. Es erfolgte ein so heißer Sommer, daß die Schmalsaat verdarb, Bluntschli, ein Schweizer. Smal sat kommt schon bey dem Kero in dieser Bedeutung vor, und stammet von schmal ab, vermuthlich so fern es niedrig, klein, bedeutet, im Gegensatze des höhern Getreides mit Ähren, oder weil die Hülsenfrüchte gemeiniglich in kleinerer und geringerer Menge erbauet werden.
 
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Die Schmalte, plur. die -n, in dem Hüttenbaue, das aus dem Kobalt durch die Verglasung erhaltene metallische Glas, besonders nachdem es gemahlen und geschlämmet, und dadurch zur blauen Farbe zubereitet worden, da es auch blaue Farbe, Blaufarbe genannt wird. Der Nahme ist aus dem Ital. Smalto, im mittlern Lat. Smaltum, Schmelz, Schmelzglas, S. Adelung Schmelz.
 
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Das Schmalthier, des -es, plur. die -e, bey den Jägern, ein Hirsch- oder Rehkalb, so bald es Ein Jahr alt ist, bis zu der Zeit, da es selbst zu brunften und zu setzen anfängt. Von schmal, klein, geringe. In Schwaben werden junge Kühe, Stiere u. s. f. Schmalig, Schmalmetzge genannt. S. das folgende.
 
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Das Schmalvieh, des -es, plur. inus. das kleinere zahme Vieh, zum Unterschiede von dem großen Zug- und Lastviehe. Besonders pflegt man unter diesem Worte die Schafe zu verstehen. Das Schwed. Smale bedeutet gleichfalls das kleine Vieh.
 
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Das Schmalz, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, das in den Thieren befindliche Fett. 1. Überhaupt, wo es in manchen Gegenden für Fett überhaupt gebraucht wird. So sagt man daselbst, es habe jemand viel Schmalz, wenn er fett ist. Im Hochdeutschen ist es in der anständigen Schreibart ungewöhnlich. 2. In engerm Verstande. 1) Im Oberdeutschen wird die Butter, besonders die ungesalzene, Schmalz genannt; Mayschmalz, Maybutter. Italiänisch Smalzo. Im Hochdeutschen führet nur die ausgelassene oder ausgeschmolzene und hernach verwahrte Butter, mit welcher die Speisen geschmalzen werden, den Nahmen des Schmalzes, noch häufiger aber der Schmelzbutter. Die Speisen ohne Salz und Schmalz anrichten, ohne Gewürz und Butter. 2) Ausgeschmolzenes oder ausgebratenes Thierfett, welches nach dem Erkalten eine weiche schmierige Beschaffenheit behält; zum Unterschiede von dem Talge. Gänseschmalz, Schweineschmalz, Bärenschmalz, Klauenschmalz, Fischschmalz u. s. f. Uneigentlich führet das Ohrenschmalz, wegen seiner ähnlichen Consistenz und schmierigen Beschaffenheit, den Nahmen des Schmalzes.
   Anm. Im Nieders. Smalt, im Pohlnischen Smalec, Smalc, im Schwedischen smält. So fern es Fett überhaupt bedeutet, druckt es die weiche schmierige Beschaffenheit desselben aus, da denn ohne Zischlaut auch mollis, molsch, das Ital. Malta, Morast u. a. m. zu dessen Verwandtschaft gehören. In den beyden engern Bedeutungen scheinet es zunächst vor dem Zeitworte schmelzen gebildet zu seyn, S. dasselbe, ingleichen Schmer.
 
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Die Schmalzbirn, plur. die -en, eine Art saftiger schmackhafter Birnen, deren Fleisch im Munde gleichsam zerschmilzet. Sie

[Bd. 3, Sp. 1557]


ist in unsern Gärten unter dem Französischen Nahmen Beurrée am bekanntesten. In Niedersachsen werden andere Arten saftiger und weicher Äpfel und Birnen Smoltjes genannt.
 
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Die Schmalzblume, plur. die -n, ein in manchen, besonders Oberdeutschen Gegenden für Butterblume übliches Wort; von Schmalz, Butter.
 
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Der Schmalzêhnte, des -n, plur. die -n, der kleine Zehnte, d. i. der Zehnte von dem Schmalviehe, den Schafen, Lämmern, Füllen, Kälbern, Gänsen, Hühnern, Bienen; im Gegensatze des größern Getreidezehnten.
 
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Schmalzen, verb. reg. act. außer daß das Mittelwort in vielen Gegenden geschmalzen hat, in den Küchen, mit Schmalz oder Fett, und in engerer Bedeutung, mit Butter würzen. Eine Suppe schmalzen, Butter daran thun. Das Kraut ungeschmalzen essen. Weder gesalzen noch geschmalzen. Daher das Schmalzen. In vielen Gegenden selbst in Obersachsen lautet dieses Wort schmälzen, schmelzen, und wird alsdann auch wohl regulär abgewandelt, geschmälzt oder geschmelzt. Indessen ist schmalzen richtiger, wie salzen von Salz. Aus dem irregulären Mittelworte erhellet, daß dieses Zeitwort ehedem auch im Imperfect schmielz hatte, so wie man von salzen ehedem ich sielz sagte, und in manchen Oberdeutschen Gegenden noch sagt.

 

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