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Schlúßrede bis Schmächtig (Bd. 3, Sp. 1550 bis 1552)
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Artikelverweis Die Schlúßrede, plur. die -n. 1) Ein durch Worte ausgedruckter Vernunftschluß; mit einem Griech. und Latein. Kunstworte Syllogismus. 2) Eine Rede, oder Theil einer Rede zum Beschlusse; wohin z. B. der Epilogus der Schauspieler gehöret.
 
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Der Schlúßreif, des -es, plur. die -e, bey den Böttchern, die letzten und äußersten Reife eines Gefäßes.
 
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Die Schlúßsäge, plur. die -n, bey den Tischlern, die Schließsäge, eine feine Säge, Dinge, welche genau schließen oder passen sollen, damit zu sägen.
 
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Der Schlúßsatz, des -es, plur. die -sätze. 1) Ein Satz am Schlusse oder Beschlusse einer Rede. 2) In einer Schlußrede, der aus den Vordersätzen hergeleitete Satz, der Schluß selbst; der Folgesatz, die Conclusion.
 
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Der Schlúßstein, des -es, plur. die -e, bey den Mäurern, keilförmige Steine, womit ein Bogen, oder ein Gewölbe geschlossen wird; Schloßsteine, Schlüsse.
 
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Der Schlúßtritt, des -es, plur. die -e, bey den Jägern, S. Adelung Schloß 1.
 
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Der Schlúßzierath, des -es, plur. die -en, Zierathen, welche am Ende eines Buches oder Abschnittes angebracht werden, und wohin auch die Schlußleisten gehören.
 
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Der Schmách, der Gärberbaum, S. 1. Schmack und Sumach.
 
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Die Schmāch, plur. inus. 1) * Das Schmähen, die Handlung des Schmähens, ingleichen Schmähreden, Schmähungen; eine im Hochdeutschen ungewöhnliche und veraltete Bedeutung. Solltet ihr nicht in der Furcht Gottes wandeln, um der Schmach willen der Heiden, unserer Feinde? Nehem. 5, 9; d. i. damit ihr nicht von ihnen geschmähet werdet. Herr du hörest ihre Schmach und alle ihre Gedanken über mich, Klagel. 3, 61. Auf daß er nicht falle dem Lästerer in die Schmach, 1 Timoth. 3, 7. 2) Die thätige, kränkende Erweisung des Urtheils von der geringen, verächtlichen Beschaffenheit eines andern, wodurch es sich von Schimpf, Schande, Hohn, Spott u. s. f. unterscheidet. Jemanden alle Schmach anthun, welches so wohl durch kränkende verächtliche Worte, als durch andere kränkende und Verachtung an den Tag legende Handlungen geschehen kann. Schmach-thut wehe. Die Schmach bricht mir mein Herz, Ps. 69, 22. Gedenke Gott an die Schmach, die dir täglich von den Thoren widerfähret, Ps. 74, 22. Die biblischen Figuren, da es auch den Zustand bedeutet, da man der Schmach von Seiten anderer ausgesetzet ist, in Schmach seyn, die Schmach von jemanden nehmen, ingleichen einen Gegenstand der Schmach, eine Schmach seyn, zur Schmach werden, werden im Hochdeutschen selten mehr gebraucht, wo dieses Wort überhaupt in der Sprache des täglichen und gemeinen Lebens nur selten gehöret wird. In einigen Oberdeutschen Gegenden scheinet es auch für Schande üblich zu seyn, wenigstens höret man daselbst, etwas für eine Schmach halten, für eine Schande. In Luthers Deutschen Bibel kommt auch der

[Bd. 3, Sp. 1551]


Plural vor: in Schmachen gutes Muthes seyn, 1 Tim. 3, 7, die Schmach (Schmachen) derer die dich schmähen, fallen auf mich, Ps. 69, 10; welcher aber im Hochdeutschen ganz ungewöhnlich ist.
   Anm. Im Schwabenspiegel, wo es aber auch für Schande gebraucht wird, die Smache, bey andern ältern Oberdeutschen die Schmacht, im Nieders. Smade, Smaheit, im Schwed. Smälig und Smållet, im Böhm. Posmech, welche insgesammt nur im Endlaute unterschieden sind. Im 14ten Jahrhunderte wurde Schmaheit auch für Laster, Scelus, gebraucht. Bey diesem so weiten ehemaligen Umfange der Bedeutung dieses Wortes, läßt sich dessen Abstammung und folglich auch dessen erste und eigentliche Bedeutung nur muthmaßlich bestimmen, zumahl da drey Wörter gleich starken Anspruch darauf machen können. Es kann nämlich, 1) unmittelbar von schmähen abstammen, und eigentlich Schmach in Worten bedeuten, welches wenigstens von der ersten Bedeutung gewiß ist. 2) Es kann aber auch von dem im Hochdeutschen veralteten schma, schmacht, klein, und figürlich geringe, verächtlich, Nieders. sma, smade, smäde, Schwed. små, abstammen, S. Adelung Schmächtig und Schmal, welche gleichfalls daher kommen. Bey dem Ottfried ist smaher Scalc ein geringer schlechter Knecht, und Kero gebraucht Smalihhi und Ottfried. Smahi für geringe, schlechte Beschaffenheit, Verächtlichkeit. 3) Da endlich Laster, Schande und andere ähnliche Wörter eigentlich körperliche Verunstaltung bedeuten und diesem Worte in mehrern Mundarten ein d anklebt, wie aus dem Niedersächs. Smade und Schwed. smäda, schmähen, erhellet, so kann es auch von dem veralteten schmaden, besudeln, herkommen, wovon unser schmitzen und schmutzen Intensiva, sind, so daß Schmach eigentlich körperliche Beschmutzung und daraus entstehende Verächtlichkeit bedeuten würde. S. auch Schmälich.
 
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Schmachten, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben, erfordert, den höchsten Grad des Hungers und Durstes empfinden, wo es eine unmittelbare Nachahmung desjenigen Lautes ist, welchen ein im höchsten Grade Durstiger, im Stande der ungebildeten sich selbst überlassenen Natur, mit dem Munde macht. 1. Eigentlich. Vor Durst, vor Hunger schmachten. Nach einem Trunke Wassers schmachten. Vor Hitze schmachten, weil die Empfindung eines hohen Grades der Hitze sich durch einen ähnlichen Laut äußert. Schmachthaus, Schmachthals, Schmachtlappen sind in einigen gemeinen Sprecharten verächtliche Benennungen eines Hungerleiders, von der Niederdeutschen Bedeutung, schmachten, hungern, Hunger leiden. 2. Figürlich. 1) Vor Hunger und Durst abgezehret werden. Sie muß doch vor Hunger schmachten, Gryph. Im Gefängnisse schmachten, in weiterm Verstande, aus Mangel der Freyheit und Bequemlichkeit abgezehret werden. S. Adelung Verschmachten. 2) Einen hohen Grad der Sehnsucht, des sehnsüchtigen Verlangens empfinden. Jemanden schmachtend ansehen. Augen die oft schmachtend auf die seinigen geheftet waren. Blaue schmachtende Augen. Der Gegenstand des Schmachtens bekommt auch hier das Vorwort nach.
   Seht, wie sein Auge nach mir schmachtet,
   Gell. O Romeo, meine Seele schmachtet darnach, wie ein verdorrtes Gras nach dem Morgenthaue, Weiße. Nach Trost schmachten. So auch das Schmachten.
   Anm. Bey dem Notker smahten, und in der ersten figürlichen Bedeutung intensive smecheren, im Nieders. smagten, wo es auch für hungern überhaupt, ingleichen für Hunger leiden, darben, gebraucht wird. Es ist ohne Zweifel eine unmittelbare Onomatopöie, so wie schmecken, welches der Form nach ein Intensivum davon ist, so fern es einen ähnlichen Laut nachahmet, der aber

[Bd. 3, Sp. 1552]


eine ganz andere Handlung begleitet. Ehedem war auch Schmacht der Hunger, und schmachten, factitive, verhungern lassen.
 
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Schmächtig, -er, -ste, adj. et adv. 1) * Von dem vorigen schmachten, oder vielmehr von dem veralteten Hauptworte Schmacht, ein hoher Grad des Hungers, Hunger leidend, Mangel an den nöthigen Nahrungsmitteln habend und empfindend; eine im Hochdeutschen unbekannte, im Ober- und Niederdeutschen aber sehr gangbare Bedeutung. So schmächtig als ein Wolf, so hungerig. Ein schmächtiger Dieb, ein geitziger Hungerleider. Eine schmächtige Herberge, wo nichts zu beißen noch zu brechen ist. Schmächtig aussehen, verhungert. Schmächtig leben, armselig. 2) In vielen Gegenden, besonders in Ober- und Niedersachsen, ist schmächtig auch so viel wie schlank oder geschlank, lang aber nach Verhältniß dünne und biegsam. Ein schmächtiger Mensch, von einem schlanken Wuchse. Ein schmächtiges Reis, ein schlankes.
   Anm. Nieders. smagtig, smätsk. In der zweyten Bedeutung scheinet dieses Wort nur zufälliger Weise zur ersten zu gehören, indem ihr in derselben nichts von dem verächtlichen Nebenbegriffe des Hungers oder der Noth anklebt, der in der ersten herrscht; es scheinet hier vielmehr zu schmiegen und dem bey Schmach angeführten veralteten Beyworte smach, klein, und figürlich geringe, schlecht, zu gehören. Ohne Zischlaut sind auch mager, macere, macer, macilentus u. s. f. mit diesem Worte in der ersten Bedeutung verwandt.

 

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