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Schlürfen bis Schlüsselbüchse (Bd. 3, Sp. 1547 bis 1549)
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Artikelverweis  Schlürfen, verb. reg. act. einen flüssigen Körper mit halb geschlossenen Lippen in sich ziehen. Dann schöpfte sie einen kühlen Trunk und schlürft ihn mit kleinen Lippen, Geßn. So auch in den Zusammensetzungen abschlürfen, ausschlürfen, einschlürfen. In der feinern Sprechart einiger Gegenden ist es auch als ein Neutrum für das niedrigere schlarfen üblich, weil dieses mit einem ähnlichen Laute verbunden ist, (S. dasselbe.) Daher das Schlürfen.
   Anm. Es ist eine unmittelbare Nachahmung des Lautes. Im Nieders. ist dafür slieren, slubbern und lurken, im Oberdeutschen aber auch surphen, dem nächsten Verwandten von sorbere und supfen, dem Diminut. von saufen üblich, welche sich insgesammt auf eben dieselbe Onomatopöie gründen.
 
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Der Schluß, des -sses, plur. die Schlüsse, von dem Zeitworte schließen. 1. Die Handlung des Schließens, ohne Plural; doch nur in einigen Bedeutungen des Zeitwortes. 1) Die Handlung des Beschließens. Den Schluß einer Sache machen, sie zum Schlusse bringen, sie beschließen. Den Schluß mit etwas machen. Zum Schlusse eilen, schreiten. Zum Schlusse eines Gewölbes schreiten, dasselbe schließen. 2) Im Reiten sagt man,

[Bd. 3, Sp. 1548]


es habe jemand keinen Schluß. Wenn er nicht schließt, die Schenkel nicht fest an den Leib des Pferdes anlegt. Einen guten Schluß haben. 2. Ein Ding, welches schließt, und der Ort, wo etwas schließt, oder sich schließt. 1) Der Ort, wo zwey Dinge assend mit einander verbunden sind, wird häufig der Schluß genannt. So ist an einer Schere der Schluß derjenige Theil, wo beyde Theile vermittelst eines Niethes mit einander vereiniget sind. Der Schluß einer Muschel, einer Thür u. s. f. der Ort, wo sich die Muschel schließet, wo die Thür anschließet; wo in manchen Fällen auch Schloß üblich ist. Auch die Schlußsteine, Schlußbeine u. s. f. heißen oft nur Schlüsse schlechthin. 2) Dasjenige, womit ein Ding beschlossen wird; der Beschluß. Der Schluß eines Briefes, einer Rede u. s. f. 3. Was geschlossen wird; auch nur in einigen Bedeutungen des Zeitwortes. 1) Für Entschluß, der nach vorher gegangener Überlegung gefaßte Vorsatz. Einen Schluß fassen, (nicht machen.) Mein Entschluß ist gefaßt. Einen Schluß ändern. Indessen ist das zusammen gesetzte Entschluß üblicher; ehedem sagte man auch Beschluß. So auch in den Zusammensetzungen Rathsschluß, Reichsschluß u. s. f. 2) Ein aus Vordersätzen hergeleiteter Satz. Einen Schluß machen, (nicht fassen.) Schlüsse aus etwas machen, ziehen, herleiten. In weiterer Bedeutung wird ein solcher hergeleiteter Satz mit allen seinen Vordersätzen ein Schluß oder Vernunftschluß genannt, da denn der hergeleitete Satz zum Unterschiede der Schlußsatz heißt. 3) In Beyschluß, Einschluß u. s. f. bedeutet es gleichfalls ein beygeschlossenes, eingeschlossenes Ding. S. Schließen.
 
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Die Schlúßārt, plur. die -en, die Art und Weise zu schließen, d. i. einen Satz aus gewissen Vordersätzen herzuleiten.
 
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Der Schlúßbalken, des -s, plur. ut nom. sing. in der Zimmermannskunst, ein Balken, welcher den Schluß eines Daches macht, in welchem die Sparren zusammen gehen; im gemeinen Leben auch der Schloßbalken.
 
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Das Schlúßbein, des -es, plur. die -e, ein Nahme des Hüftbeines mit seinen Theilen, Os coxae, besonders bey dem weiblichen Geschlechte, wo es sich bey der Geburt von einander gibt und nach derselben wieder schließet; im gemeinen Leben auch das Schloßbein, das Schloß, sonst auch der Schluß.
 
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Das Schlúßbier, des -es, plur. inus. an einigen Orten, eine Ergtzlichkeit an Biere, welche die Mäurer bekommen, wenn sie den Schluß eines Gewölbes verfertiget haben.
 
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Der Schlüssel, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Schlüsselchen, Oberdeutsch Schlüsselein, ein Werkzeug damit zu schließen. 1. In der gewöhnlichsten Bedeutung, das gewöhnliche Werkzeug ein Schloß damit aufzuschließen, oder zu öffnen. Mit dem Schlüssel aufschließen. Der Schlüssel schließt nicht. Ein Schloß ohne Schlüssel aufmachen. Daher der Hausschlüssel, Stubenschlüssel, Thorschlüssel, Schrankschlüssel u. s. f. Etwas unter seinem Schlüssel haben, unter seinem Beschlusse. Der goldene Schlüssel, das symbolische Zeichen der Würde eines Kammerherren. Den goldenen Schlüssel bekommen, diese Würde. 2. In weiterer Bedeutung werden verschiedene Arten von Hebel, etwas damit zu öffnen, zu spannen, Schrauben damit zu drehen u. s. f. oft Schlüssel genannt. Die Schlüssel, d. i. Hebel mit einer eckigen Öffnung, Schrauben damit auf- und zuzuschrauben, heißen, wenn sie sehr groß sind und zwey Arme haben, bey den Schlössern Windeisen. Der Schlüssel zu einer Uhr, der Uhrschlüssel, zu einem Saiten-Instrumente, die Stifte, welche die Saiten tragen, umzudrehen u. s. f. In noch weiterm Verstande ist der Schlüssel bey den Schustern ein Keil, welcher zwischen die zwey Hälften eines zerschnittenen Leistens getrieben wird, einen Schub damit weiter zu machen. In den Orgelpfeifen sind die Schlüssel kleine bewegliche Kasten mit einem Drahte, die Pfeifenlöcher

[Bd. 3, Sp. 1549]


damit zu verschließen. 3. Figürlich. 1) Eine Gränzfestung, ein Gränzpaß oder anderer fester Gränzort, heißt der Schlüssel eines Landes, weil dessen Besitz das Land gleichsam öffnet oder verschließt. 2) Das Mittel eine sonst unbekannte Sache zu erkennen. In der Musik ist der Schlüssel ein Zeichen vor den Linien, welches zeigt, wie die vorgeschriebenen Töne richtig zu benennen sind, und mit welcher Art von Stimme sie hervor gebracht werden müssen. Der Alt-Schlüssel, Discant-Schlüssel, Baß-Schlüssel, u. s. f. Der Violin-Schlüssel. Das Alphabet einer verborgenen Schreibart wird ihr Schlüssel genannt. Den Schlüssel zu einer Sache haben, das Mittel das Verborgene oder Unbekannte in derselben zu entdecken. 3) Gewalt, Herrschaft, doch nur in der Deutschen Bibel; daher noch in der Theologie die Gewalt von der Kirchengemeinschaft auszuschließen, der Bindeschlüssel, die Gewalt aber wieder in dieselbe aufzunehmen, der Löseschlüssel genannt wird. Beyde zusammen heißen die Schlüssel des Himmelreichs.
   Anm. Bey dem Ottfried Sluizel, bey dem Notker Sluzzel, im Nieders. Slötel. Es ist vermittelst der Ableitungssylbe -el, ein Werkzeug, Subject, von schließen gebildet.
 
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Die Schlüsselader, plur. die -n, in der Anatomie, die beyden Äste der Hohlader, welche unter den Schlüsselbeinen weg nach den Armen zu gehen; eigentlich Schlüsselbeinadern.
 
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Das Schlüsselbein, des -es, plur. die -e, eben daselbst, zwey Beine in Gestalt eines langen Lateinischen S, welche unter dem Halse auf der obersten Brust liegen, eines kleinen Fingers dick, und einen halben Fuß lang sind, Claviculae, bey einigen Drosselbeine; entweder wegen ihrer Ähnlichkeit mit einem Schlüssel nach alter Art, oder auch, weil sie die Brust verschließen, und gleichsam der Schlüssel zu derselben sind.
 
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Die Schlüsselblume, plur. die -n, die Blume eines Gewächses, Primula veris L. Himmelschlüssel, S. Peters-Schlüssel, Gichtkraut. Ohne Zweifel, wegen einiger Ähnlichkeit, welche die Blumen an ihrem Stängel mit einem Schlüssel und seinem Barte haben.
 
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Die Schlüsselbüchse, plur. die -n, ein zu einer Büchse gemachter Schlüssel, d. i. ein Schlüssel mit einem Zündloche, aus welchem die Knaben zu schießen pflegen.

 

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