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Schlump bis Schlüpfe (Bd. 3, Sp. 1545 bis 1546)
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Artikelverweis Der Schlump, des -es, plur. inus. ein nur in einigen Sprecharten übliches Wort, das Unvermuthete, Plötzliche, Ungefähre einer Begebenheit zu bezeichnen, wo auch das Nebenwort schlumps für unversehens üblich ist. Es war ein bloßer Schlump, ein ungefährer Zufall. Stosch führet auch das bey den Jägern übliche Schlumpschuß an, ein Schuß, der nur von ungefähr trifft. Schlumpsweise oder schlumperweise, unversehener, unvermutheter Weise; lauter nur von den niedrigen Sprecharten eigene Ausdrücke. Es ist eine Onomatopöie, welche einen ähnlichen aber weichern Laut als plump nachahmet. Auf ähnliche Art sagt man in manchen Gegenden auf den Plotz oder Plutz.
 
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Schlumpen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches gleichfalls eine Onomatopöie, aber in anderer Rücksicht ist, als das vorige, im hohen Grade schlaff hangen und sich bewegen, ingleichen figürlich, auf solche Art einher gehen; gleichfalls nur im gemeinen Leben. Die Kleider schlumpen lassen. Es schlumpet alles an ihr. Im Hause herum schlumpen. Daher die Schlumpe, eine schlumpige, in der Kleidung höchst nachlässige weibliche Person. Ohne Zischlaut gehöret auch Lumpen und das Franz. Lambeau hierher. In manchen Mundarten ist davon auch das Iterativum schlumpern üblich. Bey den Böttchern schlumpert ein Reif, wenn er zu weit ist und nicht anziehet.
 
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Der Schlumper, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden ein langes Kleid mit einer Schleppe am hintern Theile; ein Schleppkleid, S. dieses Wort.
 
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Schlumpig, -er, -ste, adj. et adv. äußerst nachlässig in der Kleidung. Schlumpig einher gehen, so daß die Kleidungsstücke am Leibe schlumpen.
 
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Der Schlúmpschúß, des -sses, plur. die -schüsse, siehe Schlump.
 
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Der Schlund, des -es, plur. die Schlünde, Diminut. das Schlündchen, Oberd. Schlündlein. 1. Der Anfang der Speiseröhre hinten im Munde, welcher die Speise und das Getränk aufnimmt und zum Magen schicket. Ihr Schlund ist ein offenes Grab, Röm. 3, 13. In weiterer Bedeutung wird auch wohl der Anfang der Luftröhre, ja die ganze Luft- und Speiseröhre, der Schlund genannt. Im Oberdeutschen kommt etwas in den unrechten Schlund, wenn es in die Luftröhre kommt. 2. Figürlich, 1) Der Anfang der Öffnung einer Höhle, eines Abgrundes, ja einer weiten Röhre, oder vielmehr die Gränze zwischen der Mündung und dem Abgrunde der Röhre u. s. f. Der Schlund einer Höhle, eines Feuer speyendes Berges, der Hölle, eines Kamines u. s. f. In noch weiterm Verstande wird in einigen Gegenden auch der ganze Rauchfang, die Feuermauer, der Schlund genannt, der in manchen Gegenden der Schlot heißt. 2) Eine tiefe Stelle in einem Flusse, in dem Meere, welche die sich nähernden Körper verschlinget, in welchem Verstande die Wirbel, oder Strudel, oder ähnliche gefährliche Tiefen in dem Meere und in den Strömen, Schlünde genannt werden.
   Anm. Schon bey dem Notker Slund, der es aber auch für den Gaumen gebraucht. Es ist von dem veralteten schlinden, welches noch für schlingen bey dem Ottfried und seinen Zeitgenossen häufig

[Bd. 3, Sp. 1546]


vorkommt. (S. Adelung Schlingen.) Auf ähnliche Art sagen die Oberpfälzer für Schlund Schlunk, von schlingen, und die Niedersachs. Slöke, Sluke, von schlucken.
 
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Das Schlundmäuslein, des -s, plur. ut nom. sing. in der Anatomie, diejenigen Mäuslein, welche sich in dem Schlunde endigen und denselben erweitern.
 
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Der Schlung, des -es, plur. die Schlünge, die Handlung des Schlingens, ohne Plural, und so viel als man auf Ein Mahl hinunter schlingen kann; in beyden Fällen kommt es nur selten vor.
 
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Die Schlungröhre, plur. die -n, an einer Pumpe oder einem Kunstgezeuge, die unterste Röhre, welche in das Wasser gerichtet ist, und welche dasselbe in sich schlinget. Sie wird auch wohl die Schlundröhre genannt.
 
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Der Schlupf, des -es, plur. die Schlüpfe, ein im Hochdeutschen fremdes und nur im Oberdeutschen übliches Wort. 1) Ein enger Ort oder Paß, durch welchen man nur schlüpfen kann, da es denn mit Schluf, Schluft und Schlippe gleichbedeutend ist. 2) Die Handlung des Schlupfens, oder so viel derselben, als mit einer und eben derselben Bewegung des Schlupfens geschiehet. So sagt man im Oberdeutschen, die Handschuhe in einem Schlupfe anziehen, einen Schlupf in jemandes Beutel thun.
 
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Die Schlüpfe, plur. die -n, ein gleichfalls nur in einigen Oberdeutschen Gegenden übliches Wort. In einer Polizey-Ordnung der Stadt Frankfurt am Main für die Dorfschaften heißt es: Nur die Leichenträger sollen florene Schlüpfen und Mäntel nicht aber die Leichenbegleiter bekommen. Wo es mit Schleppe gleichbedeutend zu seyn scheinet.

 

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