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Schlucken bis Schlump (Bd. 3, Sp. 1543 bis 1545)
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Artikelverweis  Schlucken, verb. reg. welches in doppelter Gestalt üblich ist. 1) Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, durch die Kehle in den Magen bringen, wo es den mit dieser Handlung verbundenen Laut nachahmet. Nicht schlucken können. Ingleichen figürlich für gierig essen. Weidlich schlucken können. (S. Adelung Schlucker.) Da dieser Laut eben derselbe ist, welcher mit dem von einem Krampfe der Luftröhre herrührenden Aufstoßen verbunden ist, so wird Schlucken auch wohl für das Intensivum schluchzen gebraucht. 2) Als ein Activum, ein Ding durch die Kehle in den Magen bringen, es sey nun ein fester oder ein flüssiger Körper. Eine Speise hinunter schlucken, im gemeinen Leben hinter schlucken. Der Behemoth schlucket in sich den Strom. Ingleichen figürlich von leblosen Körpern, wenn sie einen nassen häufig und schnell in sich ziehen, weil solches in manchen Fällen gleichfalls mit diesem Laute verbunden ist, auf welche Onomatopöie sich auch die Benennung eines Schlauches gründet, so wie Schlund von schlingen, ehedem schlinden, abstammet. Ein stummer Boden wird gierig ihr Blut schlucken. Hiob 5, 5, nach Michaelis Übersetzung. So auch das Schlucken.
   Anm. Im Nieders. slinken, im Holländ. slocken, im Schwed. sluka, im Nieders. auch ohne Zischlaut klucken. Eben daselbst ist Slök, Slöke, das Vermögen zu schlucken, der Schlund, ingleichen ein Schmaus, und Sluke der Schlund. Schlucken ist ein Intensivum von einem veralteten schlugen, welches noch in dem Dänischen sluge, schlucken, übrig ist, und wovon unser Schlauch abstammet. S. auch Schlingen.
 
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Der Schlucken, des -s, plur. car. ein für der Schluchzen übliches Wort. Den Schlucken haben, den Schluchzen. Es ist nicht der Infinitiv des vorigen Zeitwortes, weil es sonst ungewissen Geschlechts seyn müßte, sondern eine unmittelbar aus dem Stammlaute schluck und der Ableitungssylbe -en gebildetes Hauptwort. S. Adelung Schluchzen.
 
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Der Schlucker, des -s, plur. ut nom. sing. von dem Zeitworte schlucken, gierig essen, eigentlich ein Mensch, welcher viel und gierig ißt, besonders der sich auf anderer Unkosten wohl schmecken läßt, ein Schmarotzer; in welchen Bedeutungen noch das Nieders. Slucker gangbar ist. Im Hochdeutschen gebraucht man es nur in der R. A. ein armer Schlucker, einen armen, ausgehungerten Menschen zu bezeichnen, der seinen Hunger an fremden Tafeln zu stillen sucht. Da geht er, der barmherzige Schlucker, Less. Im Nieders. bedeutet auch Sloks, Sluks, einen Fresser, Vielfraß. In der Naturgeschichte wird auch der Schlingrabe von einigen Schlucker genannt, S. jenes Wort.
 
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Das Schluckfieber, oder Schluchzenfieber, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. ein Fieber, mit welchem ein Schluchzen oder Schlucken verbunden ist; Febris lyngodes oder singultuosa. S. Adelung Schluchzen.

[Bd. 3, Sp. 1544]



 
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Der Schluff, des -es, plur. die -e. 1) Bey den Jägern, ein enger Ort, durch welchen ein Thier seinen gewöhnlichen Gang nimmt; wo es von schliefen abstammet, und mit dem folgenden Schluft einerley ist. 2) Bey den Töpfern wird ein gelber Thon, welcher vielen Sand bey sich führet, Schluff genannt; wo es vermuthlich zu Schlief und dessen Verwandten gehöret, und den Begriff der zähen schmierigen Beschaffenheit zu haben scheint.
 
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Die Schluft, plur. die Schlüfte, von dem Zeitworte schliefen, ein enger, schmaler Ort, durch welchen man gleichsam nur schliefen kann; wo es doch nur in einigen Fällen üblich ist. Ein enges Thal zwischen zwey Bergen, ein tiefer Wasserriß an einem Berge, ein hohler Weg wird in vielen Gegenden eine Schluft genannt. (S. Adelung Schlucht.) In den Ziegelöfen ist die Schlucht der leere Raum zwischen zwey Bänken, das Feuer darin anzumachen, da denn auch die vor jeder Schluft in der Stirnmauer des Ziegelofens angebrachten Löcher, durch welche das Holz in die Schluft geworfen wird, Schluftlöcher heißen.
 
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Der Schlug, des -es, plur. inus. Im Bernsteinhandel, ein Collectivum, eine gewisse Art des Bernsteines zu bezeichnen, welcher nach dem Sandstein der Größe nach der geringste ist, indem die Körner oder Stückchen dieser Sorte zwar größer sind als die Körner des Sandsteines, aber kleiner als die so genannten Knöbel. Da der Bernsteinhandel in Preußen einheimisch ist, so leitet Frisch das Wort von dem Slavonischen slò, schlimm, schlecht, her. S. indessen auch Schlacke.
 
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Der Schlummer, des -s, plur. car. ein leiser, leichter Schlaf, wobey die Seele sich der Dinge außer sich noch dunkel bewußt ist. In den Schlummer gerathen, fallen. Von dem Schlummer überfallen werden. In einem sanften Schlummer liegen. S. Adelung Schlummern.
 
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Das Schlummerfieber, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. ein mit einem beständigen oder doch häufigen Schlummer verbundenes Fieber.
 
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Schlummern, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, leise und leicht schlafen, so daß man noch ein dunkles Bewußtseyn seiner und anderer Dinge hat, worin es von dem schlafen unterschieden ist. Der Hüther Israel schläft noch schlummert nicht, Ps. 121, 4. Keiner schlummert noch schläft, Es. 5, 27. Die biblische R. A. die Augen oder Augenlieder schlummern, Ps. 132, 4, Matth. 13, 15, ist nur in der dichterischen Schreibart erlaubt; allein, mit den Augen schlummern, Apost. 28, 27, ist ganz ungewöhnlich. Ingleichen figürlich, besonders in der höhern Schreibart. So viel Gattungen von Fühlbarkeit in unserer Natur schlummern, so viel auch Tonarten (gibt es,) Herd. Es schlummre sorgenlos auf Rosen dein Gewissen, Die Schlange werd ich selbst noch zu erregen wissen, Weiße. Als sie in die Gefilde des Friedens hinüber schlummerte, Klopst.
   Anm. Im Engl. to slumber, im Angels. slumeran, im Schwed. slumra, im Holländ. sluymeren, und ohne Zischlaut luymeren. Die Endung -ern zeiget schon, daß dieses Wort ein Iterativum oder Intensivum ist, dessen Stammwort schlummen noch in einem alten Vocab. von 1482 für schlummern vorkommt. Der Stammbegriff ist auch hier die lahme, schlaffe Beschaffenheit eines schlummernden Körpers, nur daß das weiche und sanfte m einen schwächern Grad ausdruckt, als das härtere f in Schlaf. In den gemeinen Mundarten und verwandten Sprachen gibt es noch viele andere Wörter, den Schlummer und das Schlummern auszudrucken, welche sich größten Theils auf einen ähnlichen Begriff gründen. Dahin gehöret Notkers naphzen, in Baiern noch jetzt napfzen, wo aber, so wie in dem Osnabrück. nicken, schlummern, Nuck, der Schlummer, und dem Schweizerischen nucken, schlummern

[Bd. 3, Sp. 1545]


entnucken, einschlummern, Baier. entnapfzen, der Begriff des mit dem Schlummern im Stehen oder Sitzen verbundenen Nickens mit dem Kopfe der herrschende Begriff zu seyn scheinet; ferner die gleichfalls Oberdeutschen launlen, lauschen dächeln, heideln, die Niederdeutschen dusen, drünsen, drünseln, drusen, drömken, dusken, das Mecklenburgische dörmen, dormire, dessen Intensivum dormitare, das Stammwort aber das Schwed. und Isländ. Dur, der Schlummer, ist, der im Bremischen auch Wenk und Vaak heißt, in Boxhorns Glossen Fakinga, wo fakon schlummern ist.
 
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Der Schlump, des -es, plur. inus. ein nur in einigen Sprecharten übliches Wort, das Unvermuthete, Plötzliche, Ungefähre einer Begebenheit zu bezeichnen, wo auch das Nebenwort schlumps für unversehens üblich ist. Es war ein bloßer Schlump, ein ungefährer Zufall. Stosch führet auch das bey den Jägern übliche Schlumpschuß an, ein Schuß, der nur von ungefähr trifft. Schlumpsweise oder schlumperweise, unversehener, unvermutheter Weise; lauter nur von den niedrigen Sprecharten eigene Ausdrücke. Es ist eine Onomatopöie, welche einen ähnlichen aber weichern Laut als plump nachahmet. Auf ähnliche Art sagt man in manchen Gegenden auf den Plotz oder Plutz.

 

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