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Schluchzen bis Schlummer (Bd. 3, Sp. 1542 bis 1544)
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Artikelverweis  Schluchzen, verb. reg. neutr. welches mit dem Hülfsworte haben verbunden wird. 1) Eigentlich, denjenigen unwillkührlichen Laut von sich hören lassen, welcher mit dem krampfartigen Zusammenziehen der Luftröhre verbunden ist, und wofür auch das einfachere Zeitwort schlucken üblich ist. 2) Da dieser Laut oft auch ein heftiges lautes Weinen bedeutet, so wird schluchzen auch oft von einem solchen heftigen Weinen, welches man zu unterdrücken sucht, gebraucht. Sie konnte vor Schluchzen schlechthin nichts sagen, Hermes. O mein Geliebter, so schluchzete sie, o wie bin ich glücklich! Geßn. So auch das Schluchzen.
   Anm. Es ist ein vermittelst der Endsylbe -zen gebildetes Intensivum von schlucken, wo das ck um des Wohllautes willen in das weichere ch übergehet. Härtere Mundarten sprechen schluckzen. Es ist so wie schlucken eine unmittelbare Nachahmung des Lautes, so wie alle übrige gleichbedeutende Wörter; Niedersächs. slucken, snucken, snicken, im Oberd. ohne Zischlaut glucksen, klucksen, ingleichen schnipsen, hicksen, hätschen, Engl. to yex, Schwed. hicka, Isländ. hixta, Wallis. igian, u. s. f.
 
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Der Schluchzen, des -s, plur. car. derjenige Krampf der Luftröhre, der das Schluchzen in der ersten Bedeutung verursacht. Den Schluchzen haben. Im gemeinen Leben nur der Schlucken, im Nieders. der Sluckup, Snuckup, Huckup, in Baiern der Schnakeler, in andern Oberdeutschen Gegenden der Hätschen,

[Bd. 3, Sp. 1543]


die Hesche, der Heschitz, der Hick, der Hicksen, der Glucks, der Nösch, im Engl. Hickup; Hicket, im Angels. Geoxa, im Dän. und Holländ. Hick, im Wallis. Ig, im Franz. Hocquet, Houquet, im Spanisch. Hipo, im Bretagn. Hix, im Griech. πλοξας; lauter unläugbare Onomatopöien.
 
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Der Schluck, des -es, plur. die -e, von dem Zeitworte schlucken. 1) Die Handlung des Schluckens, ohne Plural; doch nur in einigen wenigen Fällen. In einem Schluck. Noch häufiger 2) so viel von einem flüssigen Körper, als man auf ein Mahl hinunter schluckt, wo man im gemeinen Leben auch das Diminutivum Schlückchen hat. Ein Schluck Wasser. Ein Schlückchen Branntwein. Einen Schluck thun. Im Nieders. ohne Zischlaut Kluck. Im Pohlnischen ist gar ohne Gaumenlaut Lyk ein Bissen, ein Mund voll, welches zunächst zu unserm lecken zu gehören scheinet.
 
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Schlucken, verb. reg. welches in doppelter Gestalt üblich ist. 1) Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, durch die Kehle in den Magen bringen, wo es den mit dieser Handlung verbundenen Laut nachahmet. Nicht schlucken können. Ingleichen figürlich für gierig essen. Weidlich schlucken können. (S. Adelung Schlucker.) Da dieser Laut eben derselbe ist, welcher mit dem von einem Krampfe der Luftröhre herrührenden Aufstoßen verbunden ist, so wird Schlucken auch wohl für das Intensivum schluchzen gebraucht. 2) Als ein Activum, ein Ding durch die Kehle in den Magen bringen, es sey nun ein fester oder ein flüssiger Körper. Eine Speise hinunter schlucken, im gemeinen Leben hinter schlucken. Der Behemoth schlucket in sich den Strom. Ingleichen figürlich von leblosen Körpern, wenn sie einen nassen häufig und schnell in sich ziehen, weil solches in manchen Fällen gleichfalls mit diesem Laute verbunden ist, auf welche Onomatopöie sich auch die Benennung eines Schlauches gründet, so wie Schlund von schlingen, ehedem schlinden, abstammet. Ein stummer Boden wird gierig ihr Blut schlucken. Hiob 5, 5, nach Michaelis Übersetzung. So auch das Schlucken.
   Anm. Im Nieders. slinken, im Holländ. slocken, im Schwed. sluka, im Nieders. auch ohne Zischlaut klucken. Eben daselbst ist Slök, Slöke, das Vermögen zu schlucken, der Schlund, ingleichen ein Schmaus, und Sluke der Schlund. Schlucken ist ein Intensivum von einem veralteten schlugen, welches noch in dem Dänischen sluge, schlucken, übrig ist, und wovon unser Schlauch abstammet. S. auch Schlingen.
 
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Der Schlucken, des -s, plur. car. ein für der Schluchzen übliches Wort. Den Schlucken haben, den Schluchzen. Es ist nicht der Infinitiv des vorigen Zeitwortes, weil es sonst ungewissen Geschlechts seyn müßte, sondern eine unmittelbar aus dem Stammlaute schluck und der Ableitungssylbe -en gebildetes Hauptwort. S. Adelung Schluchzen.
 
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Der Schlucker, des -s, plur. ut nom. sing. von dem Zeitworte schlucken, gierig essen, eigentlich ein Mensch, welcher viel und gierig ißt, besonders der sich auf anderer Unkosten wohl schmecken läßt, ein Schmarotzer; in welchen Bedeutungen noch das Nieders. Slucker gangbar ist. Im Hochdeutschen gebraucht man es nur in der R. A. ein armer Schlucker, einen armen, ausgehungerten Menschen zu bezeichnen, der seinen Hunger an fremden Tafeln zu stillen sucht. Da geht er, der barmherzige Schlucker, Less. Im Nieders. bedeutet auch Sloks, Sluks, einen Fresser, Vielfraß. In der Naturgeschichte wird auch der Schlingrabe von einigen Schlucker genannt, S. jenes Wort.
 
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Das Schluckfieber, oder Schluchzenfieber, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. ein Fieber, mit welchem ein Schluchzen oder Schlucken verbunden ist; Febris lyngodes oder singultuosa. S. Adelung Schluchzen.

[Bd. 3, Sp. 1544]



 
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Der Schluff, des -es, plur. die -e. 1) Bey den Jägern, ein enger Ort, durch welchen ein Thier seinen gewöhnlichen Gang nimmt; wo es von schliefen abstammet, und mit dem folgenden Schluft einerley ist. 2) Bey den Töpfern wird ein gelber Thon, welcher vielen Sand bey sich führet, Schluff genannt; wo es vermuthlich zu Schlief und dessen Verwandten gehöret, und den Begriff der zähen schmierigen Beschaffenheit zu haben scheint.
 
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Die Schluft, plur. die Schlüfte, von dem Zeitworte schliefen, ein enger, schmaler Ort, durch welchen man gleichsam nur schliefen kann; wo es doch nur in einigen Fällen üblich ist. Ein enges Thal zwischen zwey Bergen, ein tiefer Wasserriß an einem Berge, ein hohler Weg wird in vielen Gegenden eine Schluft genannt. (S. Adelung Schlucht.) In den Ziegelöfen ist die Schlucht der leere Raum zwischen zwey Bänken, das Feuer darin anzumachen, da denn auch die vor jeder Schluft in der Stirnmauer des Ziegelofens angebrachten Löcher, durch welche das Holz in die Schluft geworfen wird, Schluftlöcher heißen.
 
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Der Schlug, des -es, plur. inus. Im Bernsteinhandel, ein Collectivum, eine gewisse Art des Bernsteines zu bezeichnen, welcher nach dem Sandstein der Größe nach der geringste ist, indem die Körner oder Stückchen dieser Sorte zwar größer sind als die Körner des Sandsteines, aber kleiner als die so genannten Knöbel. Da der Bernsteinhandel in Preußen einheimisch ist, so leitet Frisch das Wort von dem Slavonischen slò, schlimm, schlecht, her. S. indessen auch Schlacke.
 
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Der Schlummer, des -s, plur. car. ein leiser, leichter Schlaf, wobey die Seele sich der Dinge außer sich noch dunkel bewußt ist. In den Schlummer gerathen, fallen. Von dem Schlummer überfallen werden. In einem sanften Schlummer liegen. S. Adelung Schlummern.

 

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