Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Schloweiß bis Schluft (Bd. 3, Sp. 1542 bis 1544)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis  Schloweiß, S. Adelung Schlohweiß.
 
Artikelverweis 
Die Schlucht, plur. die -en, im gemeinen Leben vieler Gegenden, ein schmales, tiefes Thal zwischen zwey Bergen, ingleichen eine von dem Wasser an einer Anhöhe ausgewaschene Hohlung, (der Wasserriß, im Oberd. die Bachfahrt,) die, wenn ein Weg dadurch gehet, einen hohlen Weg oder Hohlweg macht. In manchen Gegenden die Schluchter, und mit einem andern Endlaute die Schluft, Schlufte, Schlufter. Das Nieders. Slugter bedeutet nicht nur in noch weiterm Verstande einen Graben, sondern wie alle Wörter, welche eine Vertiefung bezeichnen, auch von einer Erhöhung gebraucht werden, so bedeutet es daselbst auch einen Haufen, da denn slugtern in Haufen legen, ingleichen als ein Neutrum, schnell in die Höhe schießen ist. In unserm Schlucht herrschet die Bedeutung des hohlen, in die Länge sich erstreckenden Raumes, da es denn mit seinen Verwandten Schlauch, Schlot, dem nur der Hauchlaut mangelt Schlacht für Schlund u. s. f. ein Abkömmling des Zeitwortes schlagen ist. Im Englischen bedeutet Slough eine Höhle und einen Sumpf. Übrigens wird eine solche in die Länge gehende Vertiefung an einem Berge oder zwischen zwey Bergen in einigen Gegenden eine Klinge, im Hollstein. ein Kedder und in noch andern Gegenden ein Kachen genannt, welchem letztern das Lat. Fauces in eben dieser Bedeutung ähnlich ist.
 
Artikelverweis 
Schluchzen, verb. reg. neutr. welches mit dem Hülfsworte haben verbunden wird. 1) Eigentlich, denjenigen unwillkührlichen Laut von sich hören lassen, welcher mit dem krampfartigen Zusammenziehen der Luftröhre verbunden ist, und wofür auch das einfachere Zeitwort schlucken üblich ist. 2) Da dieser Laut oft auch ein heftiges lautes Weinen bedeutet, so wird schluchzen auch oft von einem solchen heftigen Weinen, welches man zu unterdrücken sucht, gebraucht. Sie konnte vor Schluchzen schlechthin nichts sagen, Hermes. O mein Geliebter, so schluchzete sie, o wie bin ich glücklich! Geßn. So auch das Schluchzen.
   Anm. Es ist ein vermittelst der Endsylbe -zen gebildetes Intensivum von schlucken, wo das ck um des Wohllautes willen in das weichere ch übergehet. Härtere Mundarten sprechen schluckzen. Es ist so wie schlucken eine unmittelbare Nachahmung des Lautes, so wie alle übrige gleichbedeutende Wörter; Niedersächs. slucken, snucken, snicken, im Oberd. ohne Zischlaut glucksen, klucksen, ingleichen schnipsen, hicksen, hätschen, Engl. to yex, Schwed. hicka, Isländ. hixta, Wallis. igian, u. s. f.
 
Artikelverweis 
Der Schluchzen, des -s, plur. car. derjenige Krampf der Luftröhre, der das Schluchzen in der ersten Bedeutung verursacht. Den Schluchzen haben. Im gemeinen Leben nur der Schlucken, im Nieders. der Sluckup, Snuckup, Huckup, in Baiern der Schnakeler, in andern Oberdeutschen Gegenden der Hätschen,

[Bd. 3, Sp. 1543]


die Hesche, der Heschitz, der Hick, der Hicksen, der Glucks, der Nösch, im Engl. Hickup; Hicket, im Angels. Geoxa, im Dän. und Holländ. Hick, im Wallis. Ig, im Franz. Hocquet, Houquet, im Spanisch. Hipo, im Bretagn. Hix, im Griech. πλοξας; lauter unläugbare Onomatopöien.
 
Artikelverweis 
Der Schluck, des -es, plur. die -e, von dem Zeitworte schlucken. 1) Die Handlung des Schluckens, ohne Plural; doch nur in einigen wenigen Fällen. In einem Schluck. Noch häufiger 2) so viel von einem flüssigen Körper, als man auf ein Mahl hinunter schluckt, wo man im gemeinen Leben auch das Diminutivum Schlückchen hat. Ein Schluck Wasser. Ein Schlückchen Branntwein. Einen Schluck thun. Im Nieders. ohne Zischlaut Kluck. Im Pohlnischen ist gar ohne Gaumenlaut Lyk ein Bissen, ein Mund voll, welches zunächst zu unserm lecken zu gehören scheinet.
 
Artikelverweis 
Schlucken, verb. reg. welches in doppelter Gestalt üblich ist. 1) Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, durch die Kehle in den Magen bringen, wo es den mit dieser Handlung verbundenen Laut nachahmet. Nicht schlucken können. Ingleichen figürlich für gierig essen. Weidlich schlucken können. (S. Adelung Schlucker.) Da dieser Laut eben derselbe ist, welcher mit dem von einem Krampfe der Luftröhre herrührenden Aufstoßen verbunden ist, so wird Schlucken auch wohl für das Intensivum schluchzen gebraucht. 2) Als ein Activum, ein Ding durch die Kehle in den Magen bringen, es sey nun ein fester oder ein flüssiger Körper. Eine Speise hinunter schlucken, im gemeinen Leben hinter schlucken. Der Behemoth schlucket in sich den Strom. Ingleichen figürlich von leblosen Körpern, wenn sie einen nassen häufig und schnell in sich ziehen, weil solches in manchen Fällen gleichfalls mit diesem Laute verbunden ist, auf welche Onomatopöie sich auch die Benennung eines Schlauches gründet, so wie Schlund von schlingen, ehedem schlinden, abstammet. Ein stummer Boden wird gierig ihr Blut schlucken. Hiob 5, 5, nach Michaelis Übersetzung. So auch das Schlucken.
   Anm. Im Nieders. slinken, im Holländ. slocken, im Schwed. sluka, im Nieders. auch ohne Zischlaut klucken. Eben daselbst ist Slök, Slöke, das Vermögen zu schlucken, der Schlund, ingleichen ein Schmaus, und Sluke der Schlund. Schlucken ist ein Intensivum von einem veralteten schlugen, welches noch in dem Dänischen sluge, schlucken, übrig ist, und wovon unser Schlauch abstammet. S. auch Schlingen.
 
Artikelverweis 
Der Schlucken, des -s, plur. car. ein für der Schluchzen übliches Wort. Den Schlucken haben, den Schluchzen. Es ist nicht der Infinitiv des vorigen Zeitwortes, weil es sonst ungewissen Geschlechts seyn müßte, sondern eine unmittelbar aus dem Stammlaute schluck und der Ableitungssylbe -en gebildetes Hauptwort. S. Adelung Schluchzen.
 
Artikelverweis 
Der Schlucker, des -s, plur. ut nom. sing. von dem Zeitworte schlucken, gierig essen, eigentlich ein Mensch, welcher viel und gierig ißt, besonders der sich auf anderer Unkosten wohl schmecken läßt, ein Schmarotzer; in welchen Bedeutungen noch das Nieders. Slucker gangbar ist. Im Hochdeutschen gebraucht man es nur in der R. A. ein armer Schlucker, einen armen, ausgehungerten Menschen zu bezeichnen, der seinen Hunger an fremden Tafeln zu stillen sucht. Da geht er, der barmherzige Schlucker, Less. Im Nieders. bedeutet auch Sloks, Sluks, einen Fresser, Vielfraß. In der Naturgeschichte wird auch der Schlingrabe von einigen Schlucker genannt, S. jenes Wort.
 
Artikelverweis 
Das Schluckfieber, oder Schluchzenfieber, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. ein Fieber, mit welchem ein Schluchzen oder Schlucken verbunden ist; Febris lyngodes oder singultuosa. S. Adelung Schluchzen.

[Bd. 3, Sp. 1544]



 
Artikelverweis 
Der Schluff, des -es, plur. die -e. 1) Bey den Jägern, ein enger Ort, durch welchen ein Thier seinen gewöhnlichen Gang nimmt; wo es von schliefen abstammet, und mit dem folgenden Schluft einerley ist. 2) Bey den Töpfern wird ein gelber Thon, welcher vielen Sand bey sich führet, Schluff genannt; wo es vermuthlich zu Schlief und dessen Verwandten gehöret, und den Begriff der zähen schmierigen Beschaffenheit zu haben scheint.
 
Artikelverweis 
Die Schluft, plur. die Schlüfte, von dem Zeitworte schliefen, ein enger, schmaler Ort, durch welchen man gleichsam nur schliefen kann; wo es doch nur in einigen Fällen üblich ist. Ein enges Thal zwischen zwey Bergen, ein tiefer Wasserriß an einem Berge, ein hohler Weg wird in vielen Gegenden eine Schluft genannt. (S. Adelung Schlucht.) In den Ziegelöfen ist die Schlucht der leere Raum zwischen zwey Bänken, das Feuer darin anzumachen, da denn auch die vor jeder Schluft in der Stirnmauer des Ziegelofens angebrachten Löcher, durch welche das Holz in die Schluft geworfen wird, Schluftlöcher heißen.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: